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Full text of "Archiv für Buchgewerbe vol. 43 pt. 2 (1906)"

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BEILAGE ZUM -O- -0- -O- 

ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Kranz Krüger, 

Junges Mädchen mit Blumen 


-0- -0- -O- AUS DEM WERKE -O- -O- -O- 

DIE DEUTSCHE JAHRHUNDERT-AUSSTELLUNG 
-0- -0- -o- BERLIN 1006 -0- -0- -O- 


MEZZOTINTO BRUCKMANN -O- SCHNELLPRESSEN- 
KUPFERDRUCK VON DER VERLAGSANSTALT -0- -O- 
F. BRUCKMANN A.-G., MÜNCHEN -0- -0- -0- -C- 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

43. BAND JULI 1906 HEFT 7 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Verzeichnis von Personen und Firmen 

die in den Monaten April, Mai und Juni 1906 dem Deutschen Buchgewerbemuseum 
Schenkungen überwiesen haben. 

J. P. Bachem, Köln: Kerres, Der moderne Zeichenunter- Müller) Wien: Kosel, Gummidruck. — Dt. Jean Loubier, 
rieht, Band 1. — Bard, Marquard & Co., Berlin: Die Kultur, Berlin: Loubier, De nieuwe Boekkunst in Duitschland. — 
Band 7; Die Kunst, Band 47; Die Literatur, Band 25; Die Edmund Meyer, Berlin: Kern, Die deutsche Jahrhundert- 
Musik, Band 18. — H. Barsdorf, Berlin: Lenz, Rousseau; ausstellung. — Paul N eff, Eßlingen: Führer zur Kunst, Bd.4. 
Seillifcre, Apollo oder Dionysos?; Hexenhammer, Band 1; — Max Niemeyer,Halle: Besser, Geschichte der Frankfurter 

Beamish, Deutsche Legion, Band 1 und 2; Mushard, Ritter- Flüchtlingsgemeinden. — Gebrüder Paetel, Berlin: Meyer¬ 
saal. — Berliner Illustrierte Zeitung , Berlin: Berliner Illu- heim, Adolph Menzel. — Georg Reimer, Berlin: Hauptwerke 
strierte Zeitung 1904. — Bibliographisches Institut, Leipzig: der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums, Heft4; Hamann, 
Helmolt,Weltgeschichte,Band3und5.— J.BielefeldsVerlag, Ein Gang durch die Jahrhundertausstellung. — E.Riemann- 
Karlsruhe: Geiger, Tristan; Legende von der Frau Welt; sehe Hofbuchhandlung, Coburg: Hofer, Beiträge zu einer 
Ausgewählte Gedichte. — Börsenverein der Deutschen Buch- Geschichte des Coburger Buchdrucks. — Aug. Scherl, 
händler, Leipzig: Kantate-Drucksachen. — Gg. Bondi, Ber- G. m. b. H., Berlin: Berliner A. B. C.; Bodelschwingh, 
lin: Klee, Grundzüge der deutschen Literaturgeschichte. Wer hilft mit; Bilder vom Internationalen Frauenkongreß 

— Gebrüder Borchers, Lübeck: Kopp, Johann Balhorn. — 1904; Ottmann, Rund um die Welt; Gottberg, Mit den 

Braun & Schneider, München: Fliegende Blätter, Band 124.— Japanern über den Jalu; Im Volkston; Krieg im Frie- 
J.G.CottascheBuchhandlung,Nachfolger,Stuttgart: Goethe, den; Neuer deutscher Märchenschatz; Bredow-Wedel, 
Reineke Fuchs. — H. Dannenberg & Co., Stettin: Allmen- Historische Rang- und Stammliste des deutschen Heeres, 
röder, Moderne Kunstbewegung und Dürerbund.— Franz — H. W. Schmidts Verlag, Jena: Slater, Handbuch für 
Deuticke, Wien: Engländer, Technik der Papierfabrikation. Büchersammler. — E. A. Seemann, Leipzig: Graul, Rem- 

— Eugen Diederichs, Jena: Pastor, Der Zug vom Norden; brandt. — Staatssekretär des Innern, Berlin: Die Nibelunge. 
Bölsche, Naturgeheimnis; Taine, Aufzeichnungen über — B. G. Teubner, Leipzig: Wustmann, Albrecht Dürer.— 
England. — Dürrsche Buchhandlung, Leipzig: 250 Jahre Velhagen & Klasing, Bielefeld: Hermann, Die deutsche 
einer Leipziger Buchdruckerei und Buchhandlung. — Karikatur im neunzehnten Jahrhundert; Künstler-Mono- 
Ferd. Enke, Stuttgart: Holländer, Karikatur und Satire in graphien, Band 34; Ziehen, Kunstgeschichtliches Anschau¬ 
der Medizin. — Egon Fleischei & Co., Berlin: Viebig, Einer ungsmaterial. — Verlag der Lustigen Blätter, Berlin: Lustige 
Mutter Sohn. — Hugo Friedrich, Zeichenlehrer, Leipzig: Blätter 1903 und 1904.— J.J.Weber, Leipzig: Bilderverzeich- 
Hansen, Die Erfindung der Lithographie; Enders, Der prak- nis derlllustrierten Zeitung,Heft8.— JuliusZeitler,Leipzig: 
tische Umdrucker. — G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, Scheffler, Konventionen der Kunst; Zola, Der Experimen- 
Berlin: Wildenbruch, Kindertränen. — Handelskammer, talroman; Goncourt, Ideen und Impressionen; Poppen- 
Leipzig: Katalog der Bibliothek, Band 6. — Franz Hanf- berg, Bibelots; Berlage, Gedanken über Stil; Rhoidis, 
stängel, München: Meißner, Adolph Menzel. — Herrn. Päpstin Johanna; Sturm, Steinschnitte, Medaillen und Pla- 
Hillger, Berlin: Kisa, Geschichte des Kunstgewerbes. — ketten; Goncourt, Die Frau im neunzehnten Jahrhundert; 
A. Hofmann & Co., Berlin: Die Karikatur der europäischen Bräntome, Das Leben der galanten Damen; Der Kunst- 
Völker, Band 1 und 2; Bismarck-Album; Daumier, Die gewerbemarkt; Jahrmarkt der Worte; Rasmussen, Jesus; 
ollen Griechen; Zeitgenossen 1904. — Carljacobsen, Valby: Goncourt, Die Liebe im achtzehntenjahrhundert; Borchardt, 
Ny Carlsberg Glyptoteks Tilblivelse. — Professor Dr. Rud. Das Gespräch über Formen; Niemann, Wagner und Böck- 
Kautzsch,Darmstadt: Eine Anzahl Drucksachen. — Klimsch lin; Regener, Riccarda Huch; Graphik und Weltanschau- 
& Co., Frankfurt: Bauer, Handbuch für Schriftsetzer. ung; Friedrich, Die Hexenbulle Papst Innozenz VIII.; 
2. Auflage. — Kunstgewerbemuseum der Handels- und Ge- Schiller, Das Avertissement zur Rheinischen Thalia; Eine 
werbekammer Prag: Eine Heliogravüre. — R.Lechner{Wilh. große Anzahl Drucksachen. 

Allen freundlichen Gebern sagen wir auch an dieser Stelle aufrichtigen Dank mit der Bitte, dem Buchgewerbemuseum 
auch künftig Druckarbeiten aller Art, Bücher, Einzelblätter, Zirkulare und andre Akzidenzen, soweit 
sie technisch oder künstlerisch von Interesse sind, überweisen zu wollen. 

Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins. 









- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = = 

Bekanntmachung. 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat Juli 1906 als Mitglieder aufgenommen: 


a) als Einzel-Mitglieder: 

1. Carl Büchner i. Fa. W. Moesers Buchhandlung, 
Buchdruckerei und Verlag, Schwetz. 

2. Carl Anton Otto Dingwort i. Fa. Th. Dingwort & 
Sohn, Buch- und Steindruckerei, Altona-Ottensen. 

3. Adolf Förster i. Fa. Förster & Borries, Buchdruk- 
kerei, Zwickau. 

4. J. K. Funk i. Fa. Funk & Wagnalls Comp., New York. 

5. H. Gemmel , Vertreter der Fa. Gebr. Klingspor, 
Hamburg. 

6. Richard Küster i. Fa. Otto Wigand, Verlagsbuch¬ 
handlung, Leipzig. 

7. B. Holzer , Direktor der Fa. E. Mühlthalers Buch- 
und Kunstdruckerei Akt.-Ges., München. 

8. Rudolf Koch , Buchgewerbe-Zeichner, Offenbach 
am Main. 


9. Alfred Maul i. Fa. Julius Hager, Großbuchbinderei, 
Leipzig. 

10. Emil Moll i. Fa. A.Numrich& Co., Schriftgießerei, 
Leipzig. 

11. Hans Popp, Vorstand der Buchdruckerfachschule, 
München. 

12. Fritz Reichelt , Korrektor der k. k. Hof- und Staats¬ 
druckerei, Wien. 

13. Paul Römer i. Fa. Buchdruckerei Berichthaus, 
A.-G., Zürich. 

14. Otto Schmidt , Oberfaktor i. Hause Kästner & Call¬ 
wey, Buchdruckerei, München. 

15. Joseph Vermaut, Leipzig. 

16. Wilhelm West, Leipzig. 

b) als korporatives Mitglied: 

Graphische Vereinigung , Halle a.S. 


Leipzig f im Juli 1906 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor. 


Der Dreifarbendruck. 

Von Professor ARTHUR W. UNGER, Wien. 


D IE nachfolgende Abhandlung verfolgt den 
| Zweck, von der Entwicklung und der heute 
hauptsächlich geübten Durchführung des 
gesamten Dreifarbendruck-Verfahrens ein knappes 
Bild zu geben. Die Theorie, Geschichte und Technik 
der Methode sind von unsern Forschern in ausge¬ 
zeichneten Werken und in sehr vielen, in den ver¬ 
schiedenen Fachzeitschriften zerstreuten Artikeln 
wohl erschöpfend behandelt worden. Es sei bei¬ 
spielsweise hingewiesen auf die fundamentale Mono¬ 
graphie von Arthur Freiherr von Hübly welcher in 
Seinem Buche „Die Dreifarbenphotographie mit be¬ 
sonderer Berücksichtigung des Dreifarbendruckes 
und der photographischen Pigmentbilder in natür¬ 
lichen Farben“ (1. Auflage, Halle a. S. 1897; 2. Auf¬ 
lage daselbst 1902) eine Darstellung gibt, die in 
gleicher Weise von wissenschaftlichem Geiste, wie 
von hohem Verständnisse für die Anforderungen der 
Praxis erfüllt ist. J. M. Eder behandelt in seiner 
„Geschichte der Photographie“ (Halle a. S. 1905) 
erschöpfend den Werdegang der Dreifarben-Metho- 
den, während seine Ausführungen in den „Spektral¬ 
analytischen Studien über den Photographischen 
Dreifarbendruck“ (Wien 1902) und in dem Werke 
„Die Photographie mit Bromsilbergelatine“ (5. Auf¬ 
lage, Halle a. S. 1903) von großer Bedeutung für die 


Ausübung des Prozesses selbst sind. Engere Ge¬ 
biete werden in dem Buche von A. Miethe , „Drei¬ 
farbenphotographie nach der Natur“ (Halle a.S. 1904) 
und in dem von E. König , „Die Farbenphotographie“ 
(2. Auflage, Berlin 1906) besprochen. Hauptsächlich 
theoretische Erörterungen finden sich in dem Werke 
von B. Donath „Die Grundlagen der Farbenphoto¬ 
graphie“ (Braunschweig 1906). Einige der angeführ¬ 
ten Werke dienten dieser Arbeit zum Teil als Quellen. 
Von den in den Zeitschriften verstreuten Publikationen 
seien neben denen von mehreren schon oben genann¬ 
ten Autoren, noch die sehr wertvollen von G. Aarland, 
E. Albert, C. Grebe und E. Valenta unter andern her¬ 
vorgehoben. In der Hauptsache befassen sich aller¬ 
dings alle die genannten Werke vornehmlich mit dem 
Aufnahmeverfahren, nur zum Teile mit der Drei- 
farben-Ätzung, gar nicht mit dem Drucke selbst. In 
der vorliegenden Arbeit sollen dagegen auch diese 
behandelt werden. 

Um das Bild vollständiger zu gestalten soll vorher 
eine kurze Besprechung der sogenannten direkten 
Methoden der Farbenphotographie Platz finden. Ist 
doch, seit wir uns des köstlichen Besitzes der Photo¬ 
graphie erfreuen, der Drang, auf dem Wege der 
Lichtbildkunst unmittelbar die farbige Wiedergabe 
bunter Objekte zu erzielen, ein gewaltiger, die 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Geister ununterbrochen mächtig anregender gewor¬ 
den. Und wenn die hier erzielten Resultate auch 
bisher keinen wirklichen praktischen Wert erlangt 
haben, so liegt die Schuld nicht an den Personen, die 
sich mit der Lösung dieses Problemes befaßten, 
sondern daran, daß sich hierbei allüberall unendliche 
Schwierigkeiten auftürmen. 

Immerhin können wir aber heute schon uns der 
unumstößlichen Tatsache erfreuen, daß wenigstens 
der Buchdrucker in dem photomechanischen Drei¬ 
farbendruck allen diesen Bestrebungen eine enorme 
Bereicherung seiner Illustrationsmittel und damit 
eine vor zwei Lustren kaum noch geahnte Ausdeh¬ 
nung seines Anwendungsgebietes verdankt. 

Bevor an die Besprechung des eigentlichen The¬ 
mas geschritten wird, möge — soweit dies im In¬ 
teresse dieser Arbeit gelegen ist — eine kurze Er¬ 
örterung der Begriffe: Licht , Farbe, additive und sab- 
traktive Farbenmischung , photochemische Wirkung, 
farbiges Licht und Farbstoff vorangehen. 

Wird der hypothetisch angenommene, den ganzen 
Weltraum erfüllende unwägbare Äther durch eine 
geeignete Energiequelle, nämlich durch einen leuch¬ 
tenden Körper, dessen kleinste Teilchen außer¬ 
ordentlich rasch vibrieren, erschüttert, so gerät er 
selbst in wellenförmige Bewegung, die sich in Strah¬ 
len nach allen Richtungen fortpflanzt: es entsteht Licht. 
Diese Strahlen stellen Wellenzüge dar, in welchen 
einem Wellenberg stets ein Wellental folgt. Die 
Ausdehnung beider Phasen zusammen ergibt die 
Wellenlänge. Sie ist um so kleiner, je rascher die 
Wellen einander folgen, das heißt, je größer die 
Zahl der Schwingungen ist, welche die Ätherteilchen 
in einem gewissen Zeitraum vollführen. Je nach 
der Wellenlänge, somit auch je nach der Schwin¬ 
gungszahl, die Lichtstrahlen eigentümlich ist, wird 
aber von diesen in unserm Auge eine verschiedene 
Empfindung, nämlich eine verschiedene Farbenwahr- 
nehmung ausgelöst. Und zwar kommt der Reiz, wel¬ 
chen Strahlen mit ungefähr 400 Billionen Schwin¬ 
gungen im Zeiträume von einer Sekunde und mit einer 
Wellenlänge von annähernd 750 Millionstel Milli¬ 
meter (ein Millionstel Millimeter= 1 pp wird als Ein¬ 
heit der Wellenlängen-Messung von Lichtstrahlen 
zugrunde gelegt) ausüben, dem gleich, was wir als 
Rot bezeichnen. Bei Strahlen mit zunehmender 
Schwingungszahl und umgekehrt proportional ab¬ 
nehmender Wellenlänge entstehen die Reize Orange, 
Gelb, Grün, Blau und endlich Violett, welchem 
letztgenannten Lichtstrahlen entsprechen, die bei 
einer Wellenlänge von etwa 400 Millionstel Milli¬ 
meter die ungeheure Schwingungszahl von 750 Bil¬ 
lionen in der Sekunde aufweisen. Die von uns wahrge¬ 
nommene Intensität von Lichtstrahlen hängt von der 
Größe des Ausschlages der Teilchen, das ist von der 
Höhe des Wellenbergs und der Tiefe des Wellentals, 


von der Amplitüde ab, welche also die größte Ab¬ 
weichung von der Ruhelage repräsentiert. Treffen 
Lichtstrahlen auf einen Körper, so können sie zu¬ 
rückgeworfen, reflektiert werden oder sie gehen 
hindurch — die Körper sind dann durchsichtig, wie 
z. B. Luft, Wasser, Glas, usw. — oder endlich wer¬ 
den sie vom Körper verschluckt, absorbiert. Bei 
außerordentlich vielen (vielleicht sogar bei allen) 
Körpern finden alle drei Vorgänge gleichzeitig statt. 

Das weiße Licht ist nicht etwas Einheitliches, nur 
aus Strahlen gleicher Wellenlänge und Schwingungs¬ 
zahl Bestehendes. Es ist vielmehr die Wirkung 
verschiedenartiger Strahlen, die gleichzeitig auf die 
Netzhaut unsres Auges einen Reiz ausüben. Be¬ 
kanntlich läßt sich dies am deutlichsten zeigen, 
wenn man ein weißes Lichtbündel durch ein Prisma 
fallen läßt. Auf einem in richtiger Weise aufge¬ 
stellten Schirm sehen wir dann keinen weißen Fleck, 
sondern einen farbigen Streifen, ein Spektrum, das 
mit dem aus langwelligen Strahlen gebildeten Rot 
beginnt, die Zonen Orange, Gelb, Gelbgrün, Grün, 
Blaugrün, Cyanblau, Indigoblau durchläuft und mit 
Violett endet, das aus den kurzwelligsten Strahlen 
besteht, welche in unserm Auge eine Empfindung ver¬ 
ursachen; die vor dem spektralen Rot existierenden 
infraroten Strahlen, sowie die hinter dem Violett 
wirksamen ultravioletten werden von uns nicht 
wahrgenommen. Schaltet man an Stelle des Schirmes 
eine Sammellinse ein und bringt den ersten passend 
hinter der Linse an, so erhält man wieder einen 
weißen Lichtfleck, die verschiedenen Strahlengat¬ 
tungen, die homogenen Farben sind wieder zu 
weißem Licht vereinigt worden. 

Die Absorption der Lichtstrahlen durch Körper 
kann eine sehr divergierende sein. Sie erstreckt 
sich auf alle Lichtstrahlen gleichmäßig oder nur auf 
einen kleineren oder größeren bestimmten Teil des 
Spektrums. Von der Absorption hängt aber das ab, 
was wir die Farbe eines Körpers nennen. Reflektiert 
er alle Strahlen, verschluckt also keine, so nennen 
wir ihn weiß, läßt er alle ungehindert durch, farblos 
(freilich findet auch in diesem Falle an der Oberfläche 
eine teilweise Reflexion statt, denn diese ergibt sich 
immer, sobald Lichtstrahlen aus einem Medium be¬ 
stimmter optischer Dichte in ein solches von andrer 
Dichte übertreten an deren Grenzflächen; desgleichen 
erfahren sie beim Durchgänge der verschieden ge¬ 
arteten Medien eine ungleiche Ablenkung, Brechung, 
welcher wir auch das Phänomen des Spektrums ver¬ 
danken, weil die Strahlen um so mehr gebrochen 
werden, je kurzwelliger sie sind). Verschluckt da¬ 
gegen der Körper sämtliche ihn treffende Lichtstrah¬ 
len, so ist er schwarz . Bis hierher verhält sich die 
Sache verhältnismäßig einfach. Kompliziert wird 
sie jedoch, wenn nur Strahlen bestimmter Wellen¬ 
längen verschluckt, die andern aber reflektiert oder 

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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


durchgelassen werden; in diesem Falle sind wir 
außerstande, durch die bloße Wahrnehmung mittels 
des Auges beurteilen zu können, welche Strahlen¬ 
gattungen zur Absorption gelangten und welche zu¬ 
rückgeworfen wurden oder den Körper passieren 
konnten. Hierbei sei bemerkt, daß oben unter Weiß 
nicht jenes mitverstanden war, welches eigentlich 
als Grau durch die Mischung komplementärer Farben 
— siehe später — zustande kommt; denn bei diesem 
Weiß können wir gleichfalls die Natur der beteiligten 
Strahlenarten nicht mit dem Auge, sondern nur mit 
Hilfe eines Spektroskopes erkennen. 

Ein grau erscheinender Gegenstand kann beispiels¬ 
weise das ihn treffende weiße Licht, also die ver¬ 
schiedenen homogenen Farbenstrahlen teils gleich¬ 
mäßig verschlucken, teils gleichmäßig reflektieren 
oder durchlassen. Durch die Absorption fand eine 
Verminderung der ursprünglichen weißen Licht¬ 
menge statt und wir empfinden daher Grau. Graue 
Nuancen finden wir aber auch bei Körpern, die 
beispielsweise nur Rot und Blaugrün, oder Orange 
und Cyanblau oder Gelb und Indigo reflektieren, weil 
diese als komplementäre Farben sich zu Weiß er¬ 
gänzen, welches gleichfalls als Grau gegenüber dem 
ursprünglichen vollen weißen Lichte wirken wird. 
Man nennt ein derartig zustande gekommenes Grau 
ein unechtes im Gegensätze zu dem von Strahlen des 
gesamten Spektrums gebildeten echten Grau. In 
ähnlicher Weise kann dasselbe Rosa durch Rot und 
Cyanblau oder Orange und Indigoblau oder durch 
Gelb und Violett gebildet sein! 

Ebenso zeigt ein Körper, der nur einen einzigen 
Farbenteil des weißen Lichtes durch Absorption ver¬ 
löscht, nur eine einheitliche Farbe und zwar die zur 
entfernten Farbe komplementäre, weil die übrigen 
sich zu Weiß mischen, welches die eine Farbe, der 
die ergänzende fehlt, nur heller, weißlicher macht. Ein 
Körper, der nur Grün absorbiert, erscheint uns dann 
rot, einer, der nur das Rot verschluckt, grün usw. 
Werden die roten, orangefarbigen, gelben und grünen 
Strahlen durchgelassen oder reflektiert, resultiert 
doch nur Gelb, das allerdings weit lichtkräftiger sein 
wird, als das vom spektralen Gelb allein gebildete. 
Aus dem Gesagten geht hervor, daß wir durch die 
Wahl geeigneter Körper in die Lage versetzt werden, 
vom weißen Lichte beliebige Zonen ausschalten 9 also 
gleichsam abfiltrieren zu können, was bei der photo¬ 
graphischen Auslösung bestimmter Farbenanteile 
mittels sogenannter Lichtfilter (Strahlen- oder Selek¬ 
tionsfilter) von höchster Wichtigkeit ist. 

Die absorbierten Anteile des Lichtes gehen nicht 
spurlos verloren. Es findet vielmehr nur eine Ände¬ 
rung der Energieform statt, indem Wärme entsteht 
oder die verschluckten Strahlen auch eine Umwand¬ 
lung im chemischen Aufbau des absorbierenden Kör¬ 
pers verursachen. Ihn nennen wir in diesem Falle 


einen lichtempfindlichen Körper. Es ist klar, daß ein 
solcher nur durch Licht, welches er verschluckt, ver¬ 
ändert werden kann, weil ja jene Strahlen, die er 
reflektiert oder ungehemmt passieren läßt, ohne pho¬ 
tochemische Wirkung oder solche andrer Art auf 
ihn bleiben müssen. Anderseits wird dadurch erklär¬ 
lich, daß eine Substanz, die wir als lichtempfindliche 
kennen, in wesentlich größerem Ausmaße reaktions¬ 
fähiger gestaltet werden kann, wenn man durch ge¬ 
eignete Mittel ihre Absorptionskraft für Lichtstrahlen 
erhöht. Dies geschieht beispielsweise durch Färben 
photographischer Schichten mittels Farbstoffen, die 
als Sensibilisatoren wirken. 

Läßt man auf ein weißes Papierblatt rotes Licht 
fallen, so erscheint es rot, ohne selbst diese Farbe 
aufzuweisen, es behält sie nur so lange als die rote 
Lichtquelle vorhanden ist. Ersetzt man diese durch 
eine weiße, wird das Papier wieder weiß sich zeigen. 
Wir haben es also nur mit einer Lichtfarbe zu tun 
gehabt. Überzieht man dagegen das Papierblatt z. B. 
mit roter Tinte, die nach dem Auftrocknen eine kaum 
meßbare, außerordentlich feine Schicht oder, wenn 
kein Bindemittel, wie Gummi arabicum o.dgl., in der 
Flüssigkeitvorhandenwar, nicht einmal diese zurück¬ 
läßt, sondern in äußerst geringer Menge in die Pa¬ 
pierfaser eingedrungen ist, so sehen wir das Papier 
dauernd rot geworden. Wir haben einen Farbstoff 
angewendet, wie wir alle Körper bezeichnen, die noch 
in sehr verdünntem Zustande fähig sind, durch Ab¬ 
sorption bestimmter Strahlengattungen eine ihnen 
eigentümliche Farbe aufzuweisen und dieses Vermö¬ 
gen auch Gegenständen zu verleihen, denen man sie 
appliziert. 

Fallen die von mehreren verschiedenfarbigen 
Lichtquellen entsendeten Strahlen gleichzeitig auf ein 
und dieselbe Fläche, so wird diese naturgemäß hel¬ 
ler, intensiver beleuchtet sein, als wenn wir nur 
einige oder nur eine dieser Lichtquellen wirken las¬ 
sen. Es summieren sich also die farbigen Strahlen 
(Lichtfarben) zu einer größeren Lichtmenge , wir sagen 
daher, es findet eine additive Mischung statt. Anders 
verhält es sich, wenn Farbstoffe in der Substanz oder 
so gemischt werden, daß ihre Schichten übereinander 
gelagert werden und weißes Licht diese passieren 
muß. Hier wird von dem ursprünglichen Lichte ein 
Teil von dem ersten Pigmente absorbiert, weitere 
Teile von den übrigen. Wir nehmen also immer mehr 
Licht weg ; je größer die Anzahl von Farbstoffen ist 
die es durchdringen muß, je kleiner wird die schlie߬ 
lich in unser Auge gelangende Menge sein, weshalb 
man da mit Recht von einer subtraktiven Mischung 
sprechen darf. 

Freilich ist hierbei der Umstand maßgebend, ob 
die Farbstoffe genügend transparent, also Lasurfarben 
und nicht etwa Deckfarben sind. Die letzteren reflek¬ 
tieren einen erheblichen Teil des nicht absorbierten 


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CHROMGELB 



Abb. 1. Gewöhnliche Bromsilbergclatine- 
Platte ohne Lichtfilter 



Abb. 4. Erythrosinplatte mit Grünfilter 


ETr.L'J 



Abb. 2. Erythrosinplatte mit heller 
Gelbscheibe 


CHROMGELB 


ULTRMMR.R 


METHYLVIOLETT 


Abb. 5. Bromsilbergclatine mit Methylviolettfilter 


CHROMGELB 

GRÜN 


ULTRAMARIN 

METHYLVIOLETT 


Abb. 3. Erythrosinplatte mit dunkler 
Gclbscheibe 


ZINNOBER 

CHROMGELB 



Abb. 6. Wollschwarzplatte mit Rotfilter 



Zum Artikel: Unger, Der Dreifarbendruck 

(Aus Eder, Die Photographie mit Bromsilbergclatine. 5. Auflage. Verlag von Wilhelm Knapp, Halle a. S. 1903) 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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.Original fro-m 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Lichtes schon an ihrer Oberfläche, er kann also zu 
den etwa unter dieser Deckfarbe liegenden andern 
Pigmenten gar nicht gelangen und demgemäß keine 
weitere Veränderung erfahren. Die Lasurfarbe wird 
dagegen von dem nicht verschluckten Licht durch¬ 
drungen und es wird dann entweder von der Unter¬ 
lage, beispielsweise von einem weißen Papierblatte, 
reflektiert, passiert sodann abermals die Farbschicht 
und gelangt jetzt erst in unser Auge oder es wird von 
einer zweiten und dritten Farbstoffschicht wieder um 
gewisse Anteile verringert oder völlig absorbiert. Das 
letztere geschieht beim Dreifarbendrucke z. B. wenn 
das Licht auf mit Blau, Rot und Gelb gedruckte 
Flächen trifft, welche infolgedessen schwarz er¬ 
scheinen. 

Der Unterschied zwischen additiver und subtrak- 
tiver Farbenmischung liegt aber nicht nur darin, daß 
dort sich schließlich Weiß, hier dagegen Schwarz er¬ 
gibt, sondern auch sehr häufig in den resultierenden 
Mischfarben. Addiert man ein gewisses gelbes und 
ein bestimmtes blaues Licht, erhält man Weiß, be¬ 
ziehungsweise Grau, mischt man subtraktiv ein gleich¬ 
farbiges gelbes Pigment mit einem blauen, so wird 
ein Grün gewonnen. Orangefarbiges und grünes 
Licht summieren sich zu Gelb, passiert weißes Licht 
zwei derartige übereinanderliegende Lasurfarbstoff¬ 
schichten, erhält man ein schwärzliches Braun. Es 
können jedoch unter Umständen gleiche Mischfarben 
bei additiver und subtraktiver Vereinigung zustande 
kommen und zwar dann, wenn die zu mischenden 
Farbstoffe nicht manche Strahlengattungen gemein¬ 
sam absorbieren. 

Direkte Methoden der Farbenphotographie. 

Als solche sind die Verfahren zu bezeichnen, bei 
welchen durch die Wirkung der verschiedenen Strah¬ 
lengattungen empfindliche Schichten so gestaltet wer¬ 
den, daß sie dann unmittelbar die Farben des bunten 
Originals — wenn man immer so sagen darf, näm¬ 
lich auch ein Spektrum beispielsweise als Original be¬ 
zeichnen will — wiedergeben. Im Gegensätze zu 
ihnen stehen die indirekten Methoden , zu welchen 
der Dreifarbendruck als die wichtigste Abart zählt. 
Bei diesen werden zunächst auf photographischem 
Wege in der Regel (Ausnahmen machen die Ver¬ 
fahren von Joly und von den Gebrüdern Lumiere, 
siehe später) Schwarz-Weiß-Negative hergestellt, die 
gewissen Farbenanteilen des Originals entsprechen, 
mi. deren Hilfe durch weitere Manipulationen man 
künstlich gefärbte Teilbilder erzeugt, die zum fer¬ 
tigen vielfarbigen Gesamtbilde in verschiedener 
Weise vereinigt werden. 

Von den direkten Methoden der Farbenphotographie 
hat bis heute keine einzige praktische Bedeutung er¬ 
langt und die meisten dürften auch nie darüber hin¬ 
ausgelangen, höchstens wissenschaftliches Interesse 


zu erregen. Ihre Reihe eröffne das Verfahren von 
Edmund Becquerel (1848), welches später auch von 
Niepce de Saint Victor ( 1851) ausgeübt wurde. Sie 
chlorierten metallische blank polierte Silberplatten 
auf unterschiedliche Art, so daß sich eine dünne 
Schicht von lichtempfindlichem Silbersubchlorid bil¬ 
dete. Der zweitgenannte Experimentator stellte mit 
derartigen Platten als erster Naturaufnahmen in der 
Kamera her ( Donath , a. O.) und schützte sie durch 
Überziehen mit einem Gemisch von Chlorblei und 
Dextrin (1867). Eine solche Photochromie oder 
Heliochromie brachte Eder in seiner ausgezeich¬ 
neten „Geschichte der Photographie“ (3. Auflage, 
Halle a. S. 1905; dieses Werk gibt eine erschöp¬ 
fende, in fesselndster Weise geschriebene Schilde¬ 
rung der Entwicklung aller photographischen Metho¬ 
den und sämtlicher photomechanischer Pressendruck¬ 
verfahren, weshalb an dieser Stelle auf das Buch, als 
dem bisher einzigen seiner Art, nachdrücklich hin¬ 
gewiesen sein möge) in getreuer Faksimile-Repro¬ 
duktion und bemerkt hierzu, daß die Heliochromien 
Niepees noch heute, nach 40 Jahren also, unverändert 
ihre große Lebhaftigkeit der Farben zeigen. Aller¬ 
dings müssen sie vor Lichtwirkung wohl bewahrt 
bleiben, denn durch sie würden sie rasch grau 
werden, weil Photochromien dieser Art nicht fixier¬ 
bar sind. 

Das gleiche gilt wohl von den direkten Farben¬ 
photographien Poitevins f der auf Versuche des Phy¬ 
sikers Seebeck (1810) und Sir John Herschels (1840) 
zurückgriff. Er behandelte photographisches Roh¬ 
papier zuerst mit Kochsalz- und hierauf mit Silber¬ 
nitratlösungen, wodurch er eine Chlorsilberschicht 
erhielt. Sodann wusch er, brachte das überschichtete 
Papier in eine sehr verdünnte Zinnchlorürlösung und 
setzte es darin mehrere Minuten dem zerstreuten 
Tageslichte aus, worauf das nunmehr violett gewor¬ 
dene Silbersubchlorid mit einer Mischung von Ka- 
liumbichromat- und Kupfersulfatlösung lichtempfind¬ 
licher gemacht wurde. Unter Glasbildern und im 
Vergrößerungsapparate nehmen so präparierte Chlor¬ 
silberpapiere die Farben des Originals an. Später be¬ 
faßten sich Kopp y Saint-Florenty Valenta, Verres und 
andre mit diesem Verfahren, welches auch mit den 
modernen Chlorsilber-Auskopierpapieren durchführ¬ 
bar ist (vergleiche Eder a. O., von FUibl, Photogra¬ 
phische Korrespondenz 1904, S. 104, Valenta, Die 
Photographie in natürlichen Farben, Halle a.S. 1894). 

Das Zustandekommen des farbigen Bildes bei den 
eben geschilderten zwei Arten von direkter Farben¬ 
photographie ist in je voneinander abweichender 
Weise zu erklären. Die Farben der Becquerelschen 
Photochromien sind durch Lichtinterferenzen hervor¬ 
gebrachte Scheinfarben . Treffen nämlich Wellenzüge 
(Lichtstrahlen in unserm Falle) aufeinander, so wird 
die Wirkung dieser Begegnung eine verschiedene 


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sein, und zwar hängt sie davon ab, ob die Phasen¬ 
zustände der kollidierenden Wellenzüge überein¬ 
stimmen oder nicht. Fällt Wellenberg und Wellen¬ 
berg, Wellental und Wellental zusammen, so addiert 
sich die Wirkung beider, es findet also eine Ver¬ 
stärkung des Lichtes statt. Umgekehrt wird eine 
völlige Vernichtung resultieren, wenn der Wellen¬ 
berg des einen Zuges mit dem Wellental des andern 
zusammentrifft, weil sich da gleiche in entgegen¬ 
gesetzter Richtung tätige Kräfte auf heben; die Äther¬ 
teilchen gelangen zur Ruhe, somit entsteht Finster¬ 
nis. Betragen also die Gangunterschiede der zur 
Interferenz gelangenden Lichtstrahlen ein ungerades 
Vielfaches ihrer Wellenlänge, so werden sie sich 
gegenseitig vernichten, dagegen sich verstärken, 
wenn die Gangdifferenz ein gerades Vielfaches dar¬ 
stellt. Bei den BecquerelschenPhotochromien werden 
die auffallenden farbigen Strahlen nach dem Pas¬ 
sieren der Schicht von der metallischen Unterlage in 
sich selbst reflektiert, es entstehen stehende Wellen, 
deren Phasenzustände zusammenfallen. Naturgemäß 
wird die größte Intensität an den Stellen der Schwin¬ 
gungsbäuche vorhanden sein. Da die photochemische 
Wirkung des Lichtes mit dessen Intensität wächst, 
äußert sich dieser Umstand darin, daß an den Orten 
der größten Schwingung der Ätherteilchen in der 
lichtempfindlichen Schicht feine reflektierende Sil¬ 
berlamellen gebildet werden, deren Abstand somit 
der halben Wellenlänge der wirksamen Strahlen¬ 
gattung entspricht. Betrachtet man die Platte bei 
weißem Lichte, so gibt sie die Farben wieder, weil 
alle Strahlen des weißen Lichtes, deren Wellenlänge 
dem Abstande der Silberblättchen an den betreffenden 
Stellen nicht entspricht, bei Reflexion seitens der 
Lamellen und dem Passieren der zwischen diesen 
liegenden außerordentlich feinen Schichten solche 
Gangunterschiede erfahren müssen, die schließlich 
zu ihrer Vernichtung führen. Anders die Strahlen 
gleicher Wellenlänge. Sie stimmen in den Phasen¬ 
zuständen überein, nachdem sie durch die spiegeln¬ 
den Lamellen wiederholt zurückgeworfen wurden, 
verstärken sich dadurch und ihre Farbe tritt kräftig 
in Erscheinung. Daß die Bilder nicht fixiert werden 
können, ist darin begründet, daß die abgeschiedenen 
Silberblättchen in einer Schicht eingebettet sind, die 
von dem Fixiermittel zerstört würde, wodurch natur¬ 
gemäß die Lamellen zusammenfielen, also der Ab¬ 
stand verloren ginge, der aber die unerläßliche Vor¬ 
aussetzung des Zustandekommens der Farbe bildet. 
(In Valentas zitiertem Buche sind die Interferenz-Phä¬ 
nomene ausführlich besprochen; es sei aber hier 
auf ein treffliches populär geschriebenes Buch von 
J. Classen , „Zwölf Vorlesungen über die Natur Ües 
Lichtes“, Leipzig 1905 aufmerksam gemacht.) 

Zenker , der als erster in seinem „Lehrbuche der 
Photochromie“ (Berlin 1863) diese theoretische Er¬ 


klärung gab, stellte dabei die Poitevinschen Helio- 
chromien mit denen Becquerels bezüglich der Ent¬ 
stehung des farbigen Bildes gleich. Wiener gelang 
es aber (1889; s.Edera.O.; ferner von Obermayer , 
Phot. Korresp. 1905, S. 495), mit scharfsinniger Argu¬ 
mentation und durch Experimente sicher nachzu¬ 
weisen, daß man es bei den Poitevinschen Photo- 
chromien nicht mit Interferenz-Scheinfarben zu tun 
hat, welche durch Änderung des Betrachtungswinkels, 
sowie durch, mit Hilfe eines Glasprismas erzeugte, 
schiefe Inzidenz des einfallenden Lichtes eine Ver¬ 
schiebung, nämlich eine Modifikation der Färbung 
erleiden. Vielmehr wies er nach, daß die Farben 
der Silberchlorür-Papierbilder von Poitevin durch 
Farbenanpassung entstandene Körperfarben seien, 
und stellte diesbezüglich eine Theorie auf. Licht¬ 
empfindliche Körper, die (wie das Chlorsilber) ge¬ 
eignet sind, im Lichte verschiedene Färbung an¬ 
zunehmen, werden (da eine lichtempfindliche Sub¬ 
stanz, wie schon erwähnt, nur durch Lichtstrahlen 
verändert werden kann, welche sie absorbiert) sich 
unter dem Einflüsse der roten, gelben, grünen oder 
blauen Strahlen so lange verändern, bis sie selbst rot, 
gelb, grün oder blau geworden sind. (Vgl. Eder , von 
Hübl , a. O.) 

Die auf der Entstehung von Interferenzfarben be¬ 
ruhende Photochromie fand die vollkommenste Aus¬ 
gestaltung in dem Verfahren von Gabriel Lippmann , 
welcher die erste Mitteilung über seine Methode im 
Februar 1891 machte. Er überzog eine Glasplatte 
mit einer Eiweißlösung, welcher Bromkalium zu¬ 
gesetzt war, und machte sie durch Baden in einer 
wäßrigen, mit Eisessig vermischten Silbernitratlösung 
(wobei das lichtempfindliche Silbersalz in der Schicht 
suspendiert wurde) empfindlich. Da auch diese Platte, 
gleichwie die andern gewöhnlichen photographischen 
Platten sich gegenüber den gelben und orangeroten 
Strahlen weniger reaktionsfähig als gegen die blauen 
beispielsweise verhalten, mußte sie durch Baden in 
einer Cyaninfarbstofflösung für diese Strahlen¬ 
gattungen sensibilisiert werden. Hierauf gelangte die 
Platte in eine eigenartige Kassette, in welcher sie an 
der Schichtseite mit Quecksilber hintergossen und 
nun durch das Glas hindurch in der Kamera belichtet 
wurde. Bei der Belichtung werden die Strahlen nach 
ihrem Durchgänge durch die absolut transparente 
Schicht vom Quecksilberspiegel in sich selbst re¬ 
flektiert, es entstehen also stehende Wellen. In den 
Ebenen der Schwingungsbäuche, wo die größte Licht¬ 
wirkung stattfindet, wird die lichtempfindliche Sub¬ 
stanz so verändert, daß sich hier beim nun folgenden 
Entwickeln spiegelnde Silberniederschläge bilden. 
Die Schicht wird von diesen Lamellen, deren Ab¬ 
stände wieder einer halben Wellenlänge (dem Intervall 
zwischen der Amplitüde des Wellenberges und des 
Wellentals) gleichkommt, so durchsetzt, daß beim 


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Auffallen weißen Lichtes nur die Strahlen gleicher 
Wellenlänge bei der Reflexion durch die aufeinander 
folgenden Blättchen Gangunterschiede von ganzen 
Wellenlängen erhalten, sich somit verstärken und 
daher ihre Farbe kräftig zum Ausdruck gelangt, wäh¬ 
rend die übrigen Wellenzüge (die andern Farben 
entsprachen) Wegdifferenzen erfahren, die zu ihrer 
Schwächung oder völligen Vernichtung führen. Da 
die Lamellen bei den Lippmannschen Photochromien 
in einer durch die üblichen Fixiermittel nicht zer¬ 
störbaren Schicht eingebettet sind, können die Platten 
fixiert werden. Beim Betrachten derartiger Photo¬ 
chromien vermag die von derSchichtoberfläche verur¬ 
sachte Reflexion (die „Oberflächenwelle“) die Farben 
störend zu beeinflussen; man taucht sie daher zweck¬ 
mäßig in Benzol oder kittet eine keilförmige Glasplatte 
mit Kanadabalsam (Wiener) oder eine dünne Matt¬ 
scheibe (Lehmann) auf. Um die ganze Farbenpracht 
der Lippmannschen Bilder genießen zu können, 
müssen einige Umstände beim Anschauen der Platten 
berücksichtigt werden; so ist durch Drehen und Neigen 
der richtige Betrachtungswinkel erst zu suchen, was 
ja im Wesen der Interferenzfarben (siehe vorher) 
begründet ist. 

Das Lippmannsche Verfahren wurde seither durch 
mehrere Forscher in sehr verdienstvoller Weise, wie 
auch durch den Erfinder selbst verbessert und aus¬ 
gestaltet. Besonders zu erwähnen sind die Arbeiten 
E. ValentaSy welcher gleichzeitig mit den Gebrüdern 
Lumiöre, aber unabhängig von diesen, die Eiwei߬ 
schicht durch eine weit empfindlichere, kornlose 
Bromsilberschicht ersetzte, dann die von A.Neuhauß , 
dem auch das Verdienst gebührt, die Lamellenbil¬ 
dung mikrophotographisch nachgewiesen zu haben, 
endlich die Verbesserungen, welche H. Lehmann 
durch Einführung eines Kompensationsfilters u. a. m. 
erzielte. Denjenigen, die sich für die Lippmannsche 
Methode der Photochromie interessieren, seien fol¬ 
gende Bücher genannt: E. Valenta , „Die Photographie 
in natürlichen Farben mit besonderer Berücksich¬ 
tigung des Lippmannschen Verfahrens“ (Halle a. S. 
1894); R. Neuhaußy „Die Farbenphotographie nach 
Lippmanns Verfahren“ (Halle a. S. 1898); H.Krone y 
„Die Darstellung der natürlichen Farben durch 
Photographie“ (Weimar 1894); Hans Lehmann, „Bei¬ 
träge zu Theorie und Praxis der direkten Farben¬ 
photographie mittels stehender Lichtwellen nach 
Lippmanns Methode“ (Freiburg i. Br. 1906). 

Die Lippmannsche Methode gibt denn auch, sobald 
geeignete Objekte zur Aufnahme gewählt werden, 
außerordentlich schöne Resultate und die Gebrüder 
Lumiere waren sogar imstande, mittels des Verfah¬ 
rens die erste Porträtaufnahme einer lebenden Person 
herzustellen (siehe deren Reproduktion in Eder y Ge¬ 
schichte der Photographie, Halle a. S. 1905, S. 447). 
Nichtsdestoweniger ist die Methode praktisch nicht 


verwertbar; zunächst infolge der großen Kompliziert¬ 
heit des Arbeitsprozesses selbst, dann aber auch aus 
Gründen andrer Art, auf welche hier nicht näher 
eingegangen werden kann. Schließlich sei noch auf 
den sehr in die Wagschale fallenden Umstand hin¬ 
gewiesen, daß die bisher geschilderten Methoden nur 
ein einziges Exemplar als Produkt ergeben, also bei 
der Gewinnung jedes weiteren Bildes der ganze um¬ 
ständliche Erzeugungsvorgang wiederholt werden 
muß. 

Die Reihe der direkten Methoden der Farbenphoto¬ 
graphien wird von den Ausbleichverfahren beschlos¬ 
sen, zu deren Ausarbeitung eigentlich Wiener mit 
seiner Erklärung des Entstehens der Farben auf den 
Poitevinschen Photochromien (siehe oben) den Grund 
legte. Da sie aber analog den Dreifarbenmethoden 
auf der Verwendung von drei Pigmenten fußen, sollen 
sie im folgenden Abschnitte zur Besprechung ge¬ 
langen. 

Geschichtliches über die Dreifarbenmethoden 

(indirekte Verfahren der Farbenphotographie) 
und den Dreifarbendruck . 

Die folgenden historischen Daten sind teils Eders 
„Geschichte der Photographie“ (5. Aufl. Halle a. S. 
1905), teils der vorzüglichen Abhandlung von C. Grebe 
„Zur Geschichte der Dreifarbensynthesen“ (Zeit¬ 
schrift fürReproduktionstechnik, 1900, S. 130 und 146) 
entnommen. Schon in Altertume hatte man davon 
Kenntnis, daß es eine additive und eine subtraktive 
Farbenmischung gäbe und daß die jeweilig durch 
Addition (Strahlmischung, wahre Farbenmischung, 
welche Summenfarben ergibt und additive Synthese 
genannt wird) oder durch Subtraktion (Mischung durch 
übereinander gelagerte Farbschichten oder Farbstoff¬ 
pigmentmischung, welche subtraktive Synthese so¬ 
genannte Differenzfarben ergibt, deren durchge¬ 
lassene oder reflektierte Lichtmenge in der Regel ge¬ 
ringer sein wird, als die jeder einzelnen Farbe, 
während die durch Addition erhaltenen Farben eine 
größere Lichtmenge darstellen, als es die der ein¬ 
zelnen Komponenten ist, siehe oben) gewonnenen 
Resultate wesentliche Unterschiede aufweisen. Hier¬ 
über handelt beispielsweise eine Stelle im Buche 
„Über die Farben“ von Aristoteles (Grebe, a. O.). 

Auch die Tatsache, daß man mit nur sehr wenigen 
Farben, teils durch additive Mischung, indem man die 
Farben auf kleinen Flächenelementen dicht nebenein¬ 
ander setzte (wie es beispielsweise bei der heute 
recht beliebten pointillistischen Manier in der Bild¬ 
malerei geschieht, wobei die einzelnen Komponen¬ 
ten vom Auge des Beschauers nicht wahrgenom¬ 
men werden, sondern die reflektierten Farbenstrah¬ 
len unterschiedlicher Art sich, wenn sie ins Auge ge¬ 
langen, so mischen, daß sie einen Gesamteindruck, 
also eine einheitliche Farbenempfindung hervorrufen), 


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teils durch subtraktive Mischung eine sehr reiche 
Anzahl von Nuancen hervorzubringen vermöge, war 
schon in alter Zeit bekannt. Die alten ägyptischen 
Malereien, die auf Mumienhüllen, Sarkophagen usw. 
uns erhalten blieben, sind mit den Farben Gelb, Rot 
und Blau hergestellt worden, also mit jenen, welche 
wir auch heute beim Dreifarbendrucke wie bei den 
übrigen auf subtraktiver Synthese beruhenden Drei¬ 
farbenmethoden nicht durch andre Farbstoffe ersetzen 
können. Plinius erwähnt in seiner „historia naturalis“ 
unter anderm, daß die Künstler der Alten beispiels¬ 
weise ein feuriges Rot dadurch erzielten, daß sie 
auf einem rotorangen Grund lasierenden Purpur 
auftrugen, und Violett durch Übermalen eines 
blauen Grundes mit durchsichtigem Purpur gewan¬ 
nen (Grebe, a. O.). 

Der erste, der von Grundfarben, aus welchen 
man alle übrigen durch Mischung erhalten könne, 
sprach, dürfte wohl 1611 Antonius de Dominis ge¬ 
wesen sein. Er bemerkte klar, daß die Farben 
durch teilweise Absorption, Schwarz durch völlige 
Vernichtung des weißen Lichtes entstünden, und 
daß sich aus Rot, Grün und Violett alle übrigen 
Farben mischen ließen. Dieses System, welches 
für die additiven Dreifarbensynthesen noch heute 
gültig ist, liegt auch der von Thomas Young (1807) 
aufgestellten, berühmten Empfindungstheorie zu¬ 
grunde. Young nahm hypothetisch an, daß das 
normale Auge mit dreierlei Arten Nervenfasern 
ausgestattet sei, welche je für Strahlen empfindlich 
seien, welche den Anreiz zur Wahrnehmung von 
Rot oder Grün oder Violett ausüben. Werden alle 
drei Faserarten gleichmäßig kräftig gereizt, resul¬ 
tiert die Empfindung Weiß, während Schwarz ihrem 
völligen Ruhen entspricht. Die außer diesen Grund¬ 
farben möglichen Farbenempfindungen kommen je 
nach der verschiedenen gleichzeitigen Reizung der 
drei Faserarten zustande. 

Das den subtraktiven Dreifarbensynthesen als 
Basis dienende Grundfarbensystem Rot, Gelb und 
Blau wurde von dem Jesuiten Franziskus Aquillo - 
nius (1613) in einem Farbenschema behandelt,welches 
er als erster in seinem Buche über Optik aufstellte 
(Grebe, a. O.). Die ersten fundamentalen Erörte¬ 
rungen über subtraktive Synthese mit den einfachen 
Farben Rot, Gelb und Blau stammen von Waller 
(1636), der eine reiche Nomenklatur der durch 
Mischung dieser Grundfarben erhältlichen Nuancen 
gab. In dieselbe Zeit fallen die genialen Arbeiten 
Isaak Newtons, welcher das weiße Licht mittels 
eines Prismas in die homogenen Farben zerlegte 
und diese wieder additiv zu weißem Lichte verei¬ 
nigte. 

Diese Versuche von Newton waren es haupt¬ 
sächlich, welche den Kupferstecher Jacob Christoph 
Le Blon anregten, polychrome Druckbilder durch 


die Herstellung von sieben Platten und deren Überein¬ 
anderdruck mit Pigmenten, welche den Newtonschen 
Farben entsprachen, zu erzeugen. Er verfertigte 
zu diesem Zweck Schabkunstplatten (diese auch 
Mezzotinto-Verfahren und Schwarzkunst genannte 
Methode besteht darin, daß die Kupferplatte zuerst 
mit Wiegemessern oder dergleichen andern Instru¬ 
menten gleichmäßig aufgerauht wird, worauf man 
die einen helleren Tonwert als den der Schatten 
besitzenden Bildteile um so mehr aus der Platte 
herausschabt, je lichter sie sind, je glatter also die 
Formenoberfläche sein muß, damit eine geringere 
Farbschicht nur festgehalten werde), was natur¬ 
gemäß einen enormen Zeitaufwand erforderte. Le 
Blon war deshalb darauf bedacht, mit wenigen Far¬ 
benplatten auszukommen und kam schließlich dar¬ 
auf, nur der Formen drei, und zwar für Rot, Gelb 
und Blau zu bedürfen. Er veröffentlichte 1722 
über seine Dreifarbendruckmethode eine Schrift und 
er ist somit als der erste anzusehen, der den Drei¬ 
farbendruck durchführte, ja überhaupt als dessen 
Erfinder zu betrachten. Seine Dreifarbendrucke 
zählen selbstverständlich zu den größten Kostbar¬ 
keiten. 

Wenn auch Schüler LeBlons , so namentlich der von 
Goethe sehr gewürdigte Jacques Gautier, seine Ver¬ 
fahren vielleicht noch eine Zeitlang ausübten, so 
geriet der Dreifarbendruck aus ganz natürlichen 
Gründen (ist doch zunächst schon die durch den 
Künstler, der die Form herstellt, zu erfolgende Aus¬ 
lösung der drei Farbenanteile durch bloße Betrach¬ 
tung und auf rein manuellem Wege eine Arbeit, die 
ungewöhnlichen Farbensinn und außerordentliche 
Übung voraussetzt und selbst da nie auch nur eine 
annähernd vollkommene sein kann) doch bald in 
Vergessenheit. Erst als nach Erfindung der Litho¬ 
graphie, welche bekanntlich wie kein zweites Ver¬ 
fahren schon in kürzester Zeit beinahe vollkommen 
ausgebildet wurde (befaßte sich doch schon Senefelder 
fast mit allen der heute geübten lithographischen 
Manieren), war man bei der Chromolithographie 
bestrebt, die Anzahl der Farbenplatten zu verringern 
und kam hierbei wieder auf die doch lange vorher 
bereits bekannt gewordenen Gesetze der Farben¬ 
mischung zurück. 1835 druckte denn auch H. 
Weishaupt einen Christuskopf (nach Hämling) als 
Dreifarbenlithographie. Aber auch dieser Versuch 
ist nur als ein Zeichen der ganz sporadischen Her¬ 
anziehung des Dreifarbendruckes in der damaligen 
Zeit anzusehen. 

Auf solche vereinzelte Anwendungen wäre es ganz 
sicher beschränkt geblieben, wenn nicht die Photo¬ 
graphie wie in allen andern Druckverfahren so auch 
hier sich als eine mächtige Förderin erwiesen hätte. 
Und zwar war es James Clerk Maxwell, der be¬ 
rühmte englische Physiker, welcher es 1861 als der 


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erste ausprach, daß man imstande sein müsse, durch 
Anwendung geeigneter Lichtfilter und von lichtemp¬ 
findlichen Stoffen, welche auch für die weniger brech¬ 
baren Strahlen empfindlich sind (die gewöhnlichen 
photographischen Platten, siehe oben, sind nur für 
die kurzwelligen, brechbareren blauen und violetten 
Strahlen empfindlich), drei Negative herstellen zu 
können, welche die Anteile der Grundfarben am 
bunten Originale enthielten. Er deutete auch bereits 
den Dreifarbendruck an und führte gelegentlich des 
Vortrages, in dem er die erwähnten Angaben machte, 
als erster die Dreifarbenprojektion eines bunten 
Bildes in der Weise durch, daß er mittels drei Pro¬ 
jektionsapparaten, denen er je ein rotes, grünes und 
blauviolettes Flüssigkeitsfilter vorgeschaltet hatte, 
drei teils photographisch, teils zeichnerisch herge¬ 
stellte Diapositive auf eine gemeinsame Fläche pro¬ 
jizierte (Eder, a. O.). Selbstverständlich war das 
Resultat ein sehr mangelhaftes. 1865 machten 
Henry Collen in England und Baron Ransonnet in 
Wien gleichzeitig diesbezügliche Vorschläge. Der 
zweitgenannte unternahm sogar praktische Ver¬ 
suche, ließ sich aber durch die Farbenunempfind¬ 
lichkeit der damals allein gekannten Kollodium¬ 
platten bald davon abschrecken (die bald darauf von 
Maddox erfundene Bromsilbergelatine — s. Eder, 
a. O. — ist an und für sich allerdings auch nicht 
farbenempfindlich, vergleiche oben). 

1869 führten dagegen zu gleicher Zeit, aber un¬ 
abhängig voneinander Louis Ducos du Hauron und 
Charles Cros in Paris die Dreifarbenphotographie 
wirklich durch. Sie erzeugten hinter Lichtfiltern 
(blauviolett, grün und orange) drei Teilnegative, 
stellten nach diesen ein gelbes, rotes und blaues 
Pigmentbild her (was bekanntlich in der Weise 
geschieht, daß eine lichtempfindliche Gelatine¬ 
schicht, der ein Pigment inkorporiert wurde, unter 
einem Negative belichtet und sodann in warmem 
Wasser entwickelt wird; die unbelichteten und daher 
löslich gebliebenen Teile der Leimschicht werden 
gelöst und es resultiert schließlich ein Leimrelief, 
welches durch die ungleiche Dichte und den da¬ 
durch in verschiedener Schicht vorhandenen Farb¬ 
stoff das Bild mit allen Tonwerten sehr getreu wie¬ 
dergibt) und vereinigten diese durch Übereinander- 
legen zum polychromen Gesamtbilde. Aber auch 
diese Produkte waren sehr unvollkommen (Eder, 
a. O.). 

Den gewaltigsten Sprung nach vorwärts machte 
die Dreifarbenphotographie durch die epochale 
Entdeckung H. W. Vogels, daß man die lichtemp¬ 
findliche Schicht durch Behandeln mit gewissen 
Farbstoffen für die weniger brechbaren Strahlen 
empfindlich gestalten könne. Diesen optischen 
Sensibilisatoren in sachgemäßer Verbindung mit ent¬ 
sprechenden Strahlenfiltern verdankt man hauptsäch¬ 


lich den heutigen Stand der photographischen und 
photomechanischen Dreifarbenverfahren. In der Er¬ 
kenntnis der enormen Wichtigkeit, die den betreffen¬ 
den Farbstoffen zukommt, arbeitete eine Reihe von 
Forschern rastlos an der Auffindung solcher Sensi¬ 
bilisatoren und Strahlenfilter und mögen hier beson¬ 
ders Eder, Hazura, von Hübl, Hruza, König, Miethe 
und Valenta genannt werden. 

Auf Grund der Vogelschen Entdeckung ging es 
nun rascher in der Entwicklung der Dreifarbenver¬ 
fahren vorwärts. Josef Albert in München stellte 1877 
gelungene Druckfarbenlichtdrucke aus (das Licht¬ 
druckverfahren ist heute jedoch für reinen Dreifarben¬ 
druck weniger beliebt; die Abhängigkeit der Leistung 
der Lichtdruckplatte von einer Reihe äußerer Um¬ 
stände macht es nämlich sehr schwer, der wichtigsten 
Anforderung beim Dreifarbendrucke zu entsprechen: 
Gleichheit aller Abdrücke durch die ganze Auflage 
hindurch, weil sonst mit Rücksicht auf die kleine 
Zahl der Komponenten eine außerordentliche Ver¬ 
schiedenheit bei den fertigen Produkten nicht zu ver¬ 
meiden ist. Tatsächlich wird der Dreifarben- wie 
überhaupt der Farbenlichtdruck, mit welchem man 
allerdings vollendete, künstlerischen Anforderungen 
in hohem Maße entsprechende Reproduktionen zu 
gewinnen vermag, nur von verhältnismäßig sehr 
wenigen Anstalten geübt). Es blieb aber beim Ver¬ 
suche (Eder, a. O.). 

Ein Jahr später schrieb dagegen Ducos du Hauron 
in einer Broschüre, daß man sowohl mittels photo¬ 
graphischer Kopierverfahren (Pigmentdruck, Ein¬ 
staubverfahren) wie auch mittels photomechanischer 
Pressendruckverfahren (Lichtdruck, dann Woodbury- 
druck, welcher letztere bekanntlich darin besteht, daß 
man ein photographisches Gelatinrelief in Bleiplatten 
hydraulisch abprägt, diese Form mit flüssiger, ge¬ 
färbter Gelatine ausgießt und nun ein Blatt Papier 
aufpreßt, welches, nach dem Erstarren der Gelatine 
abgehoben, ein prächtiges, reich abschattiertes Bild 
zeigt) Dreifarbenbilder herstellen könne. 

Ducos du Hauron verwendete bei seinen Aufnah¬ 
men gefärbte Gläser, also Trockenfilter, während 
Cros Flüssigkeitsfilter anwendete, nachdem er vorher 
die monochrome Beleuchtung (was, wenn es korrekt 
durchführbar wäre, im Resultate der Selektion durch 
Filter gleichkäme) ins Auge gefaßt hatte (Eder, a.O.). 

Eine weitere intensive Förderung des Dreifarben¬ 
druckes verdankt man gleichfalls H. W. Vogel (1891) 
in Berlin, dessen Sohn E. Vogel in Gemeinschaft mit 
Ulrich in Berlin sich mit Vierfarbenlichtdruck befaßte 
(sie ergänzten drei Farbenplatten durch eine vierte 
Graudruckform, siehe unten), später (1892) nach 
New York ging und dort im Verein mit H . Kurtz 
die ersten reinen Dreifarbenautotypien herstellte. 
Nun begannen aber auch andre sich energisch mit 
dem Dreifarbendruck zu beschäftigen. So mit der 

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Dreifarbenautotypie E. Albert in München, Angerer & 
Göschl, Krampolek, Löwy und Patzelt inWien, Husnik 
und Vilim in Prag, Meisenbach & Riffarth in München 
(Berlin) und viele andre; mit Drei- und Vierfarben¬ 
lichtdruck Ed. Sieger und J. Löwy in Wien, Wilhelm 


Weißenberger in Petersburg, die kaiserlich königliche 
Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, welche 
in jüngerer Zeit auch als das erste Institut reine Drei- 
farben-Heliogravüren,in großem Maßstabe sogar, ver¬ 
fertigte, und andre (Eder, a. O.). 


Der Werdegang von Gutenbergs Erfindung. 


Von JOHANN PABST, Wien. 


U BER die Entstehung der größten aller Erfin¬ 
dungen, den Buchdruck, wurden recht lange 
Zeit Märchen statt Geschichte erzählt. Der 
oder jener poetisch ausgedachte und ausgeschmückte 
Zufall hätte den Gedanken erweckt, aus dem fertig 
die Kunst entsprungen wäre, welche der Welt den 
gewaltigsten Ruck nach vorwärts gegeben hat. Wenn 
es nun auch stets nur Mutmaßungen, Wahrscheinlich¬ 
keitsschlüsse sein können, auf die sich mangels 
zeitgenössischer, ein richtiges Bild gebender Schilde¬ 
rungen eine Erfindungsgeschichte des Buchdrucks 
aufbauen kann, so ist doch eines gewiß, daß sie wie 
alles von Vorstufen ausging, die den ersten Gedanken 
zeitigten, von dem dann noch lange mühevolle Arbeit 
die Vollendung trennte. 

Über eine spätere Erfindung, den Steindruck, hat 
uns deren Schöpfer eine bis in die kleinsten Einzel¬ 
heiten gehende Darstellung hinterlassen, aus der 
entnommen werden kann, wie der Gedanke sich lang¬ 
sam aus einer erst nur allgemeinen Absicht heraus¬ 
bildete, wie die Versuche anfangs tastend, ja sogar 
auf falscher Fährte, schließlich doch zu dem Erfolge 
führten, der die dritte Druckart, den chemischen, den 
Flachdruck, schuf. Kein andrer Weg wird, ja kann 
auch nur der gewesen sein, auf dem Gutenbergs 
Erfindung geworden ist. Sein unsterbliches Werk 
wird auch aus einer erst nur allgemeinen Absicht 
heraus entstanden sein, die bezweckte, das geschrie¬ 
bene durch das auf mechanische Weise schneller, 
billiger und wohl auch besser hergestellte Buch zu 
ersetzen. Vorstufen für seine Erfindung waren be¬ 
reits vorhanden. Eine erste lag in der Benutzung 
von Schablonen seitens der Bücherschreiber, die 
zweite, bereits ganz nahe heranreichende, aber be¬ 
stand in der Erzeugung von Drucken mittels ge¬ 
schnittener Holzformen. Dieser Plattendruck, der 
wohl jedenfalls gleich wie die Kunst des Papier- 
machens dem Handel mit dem Orient zu verdanken 
ist, machte wie diese seine Wanderung aus dem Ur¬ 
sprungslande China über Indien, Persien, Arabien, 
Syrien, Ägypten, Griechenland, Italien zu uns. Guten¬ 
berg fand diese Vorarbeit für seinen ersten Gedanken 
vor, vielleicht auch die Presse zur besseren Herstel¬ 
lung von Abdrücken, als sie mittels des Reibers oder 
der Bürste in chinesischer Art möglich war. Kaum 
aber dürfte diese Presse irgendeine Ähnlichkeit mit 


derjenigen Vorrichtung gehabt haben, der er mit dem 
Reiferwerden seiner Idee bedurfte. Ein noch heute 
im Tapetenhanddruck und auch beim Zeughanddruck 
angewendetes Verfahren ist weit wahrscheinlicher 
auch das damalige gewesen. Druck von erhaben ge¬ 
schnittenen Platten ist eben auch ausführbar und 
liegt diese Ausführung sogar viel näher als die, mit 
einer immerhin verwickelteren Vorrichtung von oben 
den Druck auf das aufgelegte Papier zu geben, wenn 
die eingeFärbte Platte auf das Papier gelegt wird. Mit 
der Hand, bei größeren Flächen mittels eines Hebels, 
der zur Verstärkung des Druckes lang und durch 
einen einfachen Riemen, in welchen der Fuß gesetzt 
wird, zum Tritthebel gemacht werden kann, lassen 
sich die schönsten Abdrücke, auch doppelseitige, her- 
steilen. In dem Augenblicke, in dem aber die Form 
keine feste Platte mehr, sondern ein aus einzelnen 
Stücken zusammengesetztes Ganze war, trat als Be¬ 
dingung zur Erzielung von Abdrücken die Forderung 
nach einem andern Druckwerkzeuge auf, als welches 
Gutenberg nun wohl erst die Buchdruckpresse er¬ 
dacht hat. Als Vorbild dürfte ihm die in der Papier¬ 
macherei verwendete Presse gedient haben, die ja 
alle Elemente der späteren Buchdruckpresse enthielt, 
und mit einer einzigen Änderung zu einer solchen 
gemacht werden konnte. Die Schraubenspindel 
brauchte nur mit einem so steilen Gewinde versehen 
zu werden, daß eine Drehung um etwas weniger als 
die Hälfte schon eine solche Senkung des unten an 
der Spindel angebrachten Brettes (Tiegels) herbei¬ 
führte, die genügend war, um auf die untergeschobene 
Form den nötigen Druck auszuüben, der dann bei 
dem Zurückdrehen der Spindel sich sofort wieder 
aufhob. Das unten an der Spindel befindliche Brett 
mußte derart befestigt sein, daß es wohl der heben¬ 
den und senkenden, nicht aber der drehenden Be¬ 
wegung folgte, ferner bei der Hebung und Senkung 
genug Raum für das Ein- und Ausschieben derDruck- 
form gewährte. Eine durch die Spindel oder deren 
Kopf gesteckte Stange (Bengel) mußte die notwendige 
Kraft des Druckes ermöglichen. Die älteste erhaltene 
Abbildung einer Buchdruckpresse aus 1498, also 
nur etwa 50 Jahre nach dem ersten fertigen Hervor¬ 
treten der Erfindung, entspricht ganz dieser Schilde¬ 
rung. Das Erdenken und Bauen einer solchen Presse 
stellte sich, wie gesagt, wohl kaum früher als 


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erforderlich heraus, bis es sich tatsächlich um das Ab¬ 
drucken von Formen handelte, die nicht gleich Platten, 
Stempeln behandelt werden konnten, sondern von 
solchen, die aus einzelnen Buchstaben bestanden. 
Wie nun kam dieser letztere Gedanke, der Kern der 
ganzen Erfindung, zustande? Die zeitraubende Um¬ 
ständlichkeit des Schneidens der auf die Holzplatte 
gezeichneten, vielleicht auch behufs größerer Gleich¬ 
mäßigkeit aufschablonierten Schrift muß die erste 
Veranlassung zu dem Versuche einer Vervielfältigung 
der immer wiederkehrenden Einzelbuchstabenbilder 
gegeben haben. Und zwar im Wege des Gusses. 
Es bestehen ja manche Beispiele solcher Ausführung 
für Denkmalsinschriften aus gleicher ja weit früherer 
Zeit, wo die Buchstaben durch Guß vervielfältigt und 
auf die Steinplatten befestigt wurden. Ein gleiches 
zur Herstellung und als Ersatz der geschnittenen 
Druckplatten zu versuchen, drängte sich wohl einem 
erfinderischen Kopfe, der über die handwerksmäßige 
Beschränktheit der Formschneider hinausragte, förm¬ 
lich auf. Es wird eine der Wahrheit jedenfalls ziem¬ 
lich nahekommende Annahme sein, daß der erste 
Schritt, sich vom Schneiden von Schrift in Platten 
loszumachen, eben dieser war, die Buchstaben durch 
Guß in der entsprechenden Menge herzustellen und 
sie auf eine feste Unterlage durch ein Klebemittel 
zu befestigen, so ungefähr wie das heute noch im 
Buchbinderdruck vorgenommen wird. Das Gießen 
kleiner, das Buchstabenbild tragender Plättchen konnte 
bei dem Stande der mittelalterlichen Metalltechnik 
keine Schwierigkeiten machen, das Zusammenstellen 
oder Kleben der Buchstaben ging jedenfalls erheblich 
schneller als das Schneiden. Das Ergebnis solcher 
Arbeit konnte allerdings, was Liniehalten wie die 
gleiche Höhe der Buchstaben und damit ihren gleich¬ 
mäßigen Abdruck betraf, kein besonders gutes sein. 
Dr. Zedier nimmt ein solches Verfahren, nachdem 
ihm technisch Gebildete es als möglich erklärten — 
die Buchbinder wenden es heute noch immer an, in¬ 
dem sie Verzierungsstücke und Schriften für Buch¬ 
deckel usw. durch Aufpappen zu einer Plattenform 
vereinigen— als vielleicht den holländischen Donaten 
zugrunde liegend an und glaubt, wenn diese Annahme 
zuträfe, daraus die Erklärung mancher Fragen ab¬ 
leiten zu können*). Diese Platten stellten jedenfalls 
den Übergang zur völligen Loslösung und Beweglich- 
machung der Buchstaben dar. Letztere setzte aber 
die Erdenkung einer Form voraus, welche eine An¬ 
einanderreihung in guter sichererWeise ermöglichte: 
die Erfindung, die Bildung des Buchstabenkörpers. 
Heute mögen wir das als etwas ganz Einfaches, von 
selbst sich Ergebendes betrachten. Daß es das nicht 
war, beweisen die Jahrtausende hoher Menschen- 


*) Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft. 1, 
Seite 35 und 36. 


kultur, die dahingegangen waren, ohne daß ein Guten¬ 
berg erstand, der dies kleine einfache Mittel fand, 
welches diese Kultur auf neue vorher kaum geahnte 
Höhe brachte und noch bringen wird. Den Ausgangs¬ 
punkt für die Schaffung der geeigneten Form des 
Buchstabenkörpers mögen nun diejenigen Stempel 
gebildet haben, welche schon länger zur Herstellung 
von einer Art Druck, sowie von Buchbindern ver¬ 
wendet wurden. Ein sehr interessantes bezügliches 
Verfahren bewerkstelligte dies sogar mit ganz weni¬ 
gen Stempeln*), die gewissermaßen die Elemente der 
gotischen Buchstaben darstellten. Ein Chorbuch 
des 15. Jahrhunderts zeigte solche Noten und solchen 
Text. Dr. Zedier fand auch auf einem Buchdeckel 
ein Verfahren angewendet, bei welchem aus einem 
länglichen und aus einem quadratischen Stempel¬ 
bilde, wie die hier beigedruckte Abbildung 1 zeigt, 
der Druck gewissermaßen konstruiert wurde. 

Dieses umständliche Verfahren 
wurde durch die Verwendung von 
ganzen Einzelbuchstaben abge¬ 
löst, die einer neben dem andern 
abgedruckt wurden, so wie man 
auch die Schablonen einzeln nebeneinander auf¬ 
pinselte. Eine Nachricht besagt, daß der Lyoner 
Goldschmied Waldvogel wenig vor oder zur Zeit 
Gutenbergs ein solches mechanisches Schreiben, das 
eigentlich im gewissen Sinne in unsern Schreibma¬ 
schinen eine moderne Auferstehung feiert, erfunden 
habe. Zur Handhabung mußten diese Buchstaben¬ 
stempel eine entsprechende Form haben, also am 
Kopfe eines längeren Stabes sich befinden. Dieser 
Stab rechteckig zum Aneinanderreihen geformt, sowie 
dem neuen Bedürfnis entsprechend gekürzt, gab den 
Typenkörper. Dieses Erdenken des Buchstaben¬ 
körpers verlangt aber nun eine weitere Erfindung 
namentlich der Mittel und Wege zur entsprechenden 
Herstellung der Buchstaben in beliebiger Anzahl. 
Außer dieser rein technischen Aufgabe war aber 
auch noch eine künstlerische zu lösen, die Zerlegung 
der Schriftvorlagen in Einzelbuchstaben ohne zu 
große Beeinträchtigung der Form jener. Im Anschluß 
an die Schrift der geschriebenen Bücher mußte erst 
eine solche für die gedruckten gefunden werden. Zu 
alledem trat, um das Zustandekommen der Arbeiten 
zu ermöglichen, die wir noch heute bewundern müssen, 
die Bedingung einer ganz ausgezeichneten Hand¬ 
habung der kaum erst erdachten Mittel und Werk¬ 
zeuge. Wie diese beschaffen waren, wie das alles 
wurde, wie unser Altmeister druckte, das sind Fra¬ 
gen, denen wir Buchdrucker die größte Anteilnahme 
entgegenbringen. 

Schon viele und gute Arbeit ist geleistet worden, 
die zur Klärung der Erfindungsgeschichte der 

*) Dr. Zedier: Gutenberg-Forschungen. Seite 1 ff. 

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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Buchdruckerkunst beiträgt. In der Natur der Sache liegt 
es, daß sich ihr aber fast nur Gelehrte widmen, da 
diese durch ihre Stellungen und Beziehungen zu Bi¬ 
bliotheken in der Lage sind, die einzigen zuverlässigen 
Erforschungsmittel, die kostbaren Frühdrucke fort¬ 
während eingehend studieren zu können. Nur wenige 
Fachleute haben sich bis jetzt an den Gutenberg¬ 
forschungen beteiligt. Ihre Ergebnisse blieben im 
allgemeinen der Buchdruckerwelt bis zur dankens¬ 
werten Gründung der Gutenberg-Gesellschaft aber 
zum größten Teil verschlossen. Erst mit den Ver¬ 
öffentlichungen der genannten Gesellschaft ist ein 
erfreulicher Wandel eingetreten, der auch zur Folge 
hat, daß sich mehr als früher das Interesse viel wei¬ 
terer Kreise den Forschungen und der Erkundung 
der Erfindungsgeschichte zugewendet hat, dasjenige 
der Buchdrucker natürlich in erster Linie deren 
technischer Seite. Sie bringen diesen Forschungen 
und ihren Ergebnissen nicht nur das höchste Interesse 
entgegen, sie möchten selbst, soweit es ihnen mög¬ 
lich ist, beitragen zur Erweiterung der bezüglichen 
Kenntnisse, sei es auch nur, daß sie die Meinungen 
und Ansichten, die schon geäußert wurden und noch 
werden, vom Standpunkte des Technikers betrach¬ 
ten, bestätigen, ergänzen, vielleicht auch berichtigen. 

Die Überlieferungen aus ältester Zeit sind, abge¬ 
sehen von jener ersten Abbildung der Presse, zur 
Kenntnis der Geschichte in technischer Beziehung 
wohl recht wenig nütze. „Man hat anfänglich die 
Buchstaben von Holz nur einzeln geschnitten, in 
jeden querdurch ein Löchlein gemacht und ein Draht 
durchzogen, wie etwa durch die Paternosters Fäden 
gezogen werden“ berichtet nach einer Note in 
Chr. Lessens „Typographia Jubilans“, Seite 34, der 
Straßburger Geschichtschreiber Wimpfeling und 
in Falkensteins Geschichte, Seite 105 und 106 wird 
gleiches von einer Reihe andrer Gewährsmänner 
erzählt. In den den meisten Buchdruckern bekannten 
Faulmannschen Büchern: Illustrierte Geschichte der 
Buchdruckerkunst Seite 38 bis 41 und in ihrem Nach¬ 
trag: Die Erfindung der Buchdruckerkunst Seite 39 
bis 45 wird ganz besonders eingehend alles Bezüg¬ 
liche angeführt. Faulmann war Fachmann und glaubte 
dennoch an die Holzbuchstaben, ja er ließ sich von 
dem Xylographen Günther nach dem Muster der 
Typen der 36zeiligen Bibel sogar Buchstaben schnei¬ 
den, die er in seinem Buche zum Abdruck bringt. 
Er machte also ein Experiment behufs Erforschung 
des Verfahrens und zum Zwecke der Bestätigung 
seiner Ansicht, obwohl er über andre gleiche Ver¬ 
suche spottet, so z. B. wenige Seiten früher über die¬ 
jenigen von Wetter. Es wurden auch in der Folge 
noch Experimente, auf die später zurückzukommen 
sein wird, in gußtechnischer und andrer Richtung 
angestellt. Über den Wert solcher gehen die Ansich¬ 
ten wohl auseinander. Die richtigste Meinung ist 


wohl die Heinrich Wallaus: „Für die Frage der Druck¬ 
technik Gutenbergs sind Versuche nicht von aus¬ 
schlaggebender Bedeutung. Zweifellos hat der prak¬ 
tische Versuch den Wert der Kontrolle, der Probe aufs 
Exempel, denn die Hauptsache der Erklärung muß ja 
sein, daß es auf dem Wege geht, den man bezeichnet. 
Allein man darf dem Versuche nicht zu viel trauen, 
keineswegs darf er die alleinige Stütze der Behauptung 
bilden. Man kann mit hölzernen Stempeln Bleimatrizen 
herstellen, aus diesen Typen gießen, die den Bibel¬ 
typen gleichwertig sind, sie in technischer Beziehung 
sogar noch übertreffen. Was ist aber damit bewiesen? 
Etwa daß die Typen der 36zeiligen, der 42zeiligen 
Bibel oder des Psalters so gemacht wurden? Nicht 
im entferntesten. Die einzige Grundlage aller For¬ 
schung sind nur die alten Drucke selbst, aus denen 
wir ersehen, wie es gemacht wurde, sofern wir in ihnen 
zu lesen verstehen*).“ Die erwähnten Buchstaben 
Faulmanns waren aus Buchenholz geschnitten, das 
Bild über Hirn, die Längsfasern mit dem Buchstaben¬ 
körper laufend. Die Holztafeln des Mittelalters, aus 
denen, wie man erzählt, durch Zersägen die ersten 
Buchstaben gewonnen worden sein sollen, waren 
aber in Langholz geschnitten, da der Stich in Hirn¬ 
holz ja erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufkam. 
Buchstabenkörper, bei denen die Fasern quer laufen, 
würden ohne allen Halt gewesen sein, im andern 
Falle wäre man aber weit früher auf die Vorteile des 
Schnittes in Hirnholz gekommen. Wohl auch mit ein 
Grund die Holzbuchstaben in das Gebiet der sonsti¬ 
gen Märlein zu verweisen. Wie der in dieser Zeit¬ 
schrift veröffentlichte Vortrag eines hervorragenden 
Fachmannes und Forschers**)klar und mit zwingenden 
Gründen ausführte, ist Gutenbergs Erfindung „durch 
und durch metalltechnisch gedacht und vollführt“. Zu 
den Buchstaben wurden eine Gießform und Matrizen 
hergestellt, zur Erzeugung der letzteren aber Stempel 
in härtestem Material, aus Stahl. Die Forschung er¬ 
klärt Gutenberg als „Goldschmied“, also den mittel¬ 
alterlichen Metalltechniker im weitesten Sinne, oder 
als einen Münzzugehörigen, der also ebenfalls im 
Stempelschneiden, Gießen usw. mit allem Können 
seiner Zeit ausgestattet war. 

Ein glücklicher Zufall hat uns zwar nicht Buch¬ 
staben, aber doch Abdrücke von solchen erhalten, die 
uns über Form und Größe sichere Auskunft geben. 
Beim Farbeauftragen waren Buchstaben herausge¬ 
zogen worden, die auf die Form zu liegen kamen und 
so mit abgedruckt wurden. Der schon früher in zwei 
Werken (v. d. Linde und Faulmann) abgedruckten Ab¬ 
bildung eines solchen Falles, den Madden fand, fügt 
A. Schmidt zwei weitere an und ein Schmutzfleck in 

*) Aus einem Briefe Wallaus an den Verfasser. 

**) Wallau, Gutenberg, Techniker und Künstler, Archiv 
für Buchgewerbe, Jahrgang 1905, Heft 8. 


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einem Bibelexemplare wird ebenfalls als der unvoll¬ 
kommene Abdruck eines Buchstabens bezeichnet. Die 
beiden nachstehend wiedergegebenen Abbildungen 2 
und 3 zeigen Buchstaben von einer Höhe von 21 und 
24 mm, also einer Höhe, die der heutigen im großen 
Ganzen gleichkommt, die Kegelstärke Cicero (12 Punkt) 
entsprechend, den Fuß eben abgehobelt. Vom Kopfe 

totttatibus^tftts mfyd ic^njsmtxfco bicete 
an fequentifo: fed bütapat auttntt coy rrfac, 
pagtna \cuba fitetUee curato anffte fr' f\ : 
potifltmfi: tnfi qn alium toctoiem noiat \© \» 
p?cutus\ett>a flatunfequunlmba bi I \ 
me*qnpfeomneövitctut tötet mgtöi V A 
teUetevbi te 6iffetcntr>späotum agitut LJ 

Abbildung 2. Johann Niders, Traktat de morall lepra. Gedruckt von 

Conrad Winters de Homborch, Köln zwischen 1476 und 1482 

Aus: Madden, Lettres D’un Bibliographe, Paris 1875, Ernest Leroux 

des Buchstabens zirka 5 mm entfernt ist ein runder 
etwa 2 mm messender Eindruck zu sehen, über den 
mehrere Ansichten geäußert werden. Nach der einen 
ist dieser Eindruck eine Art Signatur, der Vorläufer 


unsrer heutigen Signatur, die eine Einkerbung an 
der Hochkante darstellt. Faulmann nur kommt allen 
Ernstes auf die alten „Löchlein“ zurück und sucht 
sogar die von Nichtfachleuten erhobenen Bedenken 
der Erschwerung der Korrektur durch die „Auffäde- 
lung“ der Buchstaben „fachmännisch“ zu entkräften. 
Schon die Erwägung, daß es selbst heute Schwierig¬ 
keiten machen würde, haargenau durchlöcherte Cicero¬ 
buchstaben herzustellen, müßte die Idee des Auffädelns 
statt Setzens als etwas Nichternstzunehmendes er¬ 
scheinen lassen. Den rätselhaften Eindruck erklärt 
Dr. Zedier nach eingeholter Ansicht eines Fachmannes 
als von einem Zäpfchen im Gießinstrumente stammend, 
das den Zweck hatte, beim Öffnen des Gießinstru¬ 
ments den Buchstaben am sofortigen Herausfallen 
zu verhindern. 

Dr. Zedier gibt in der I. und IV. Veröffentlichung 
der Gutenberg-Gesellschaft eine Darstellung der An¬ 
schauungen des holländischen Schriftgießers En¬ 
schede über den frühesten Schriftguß, die er zum Teil 
auch zu den seinigen macht. Nach Enschede hätte man 
sich die Herstellung der ersten Typen so zu denken, daß 


aus einer etwa 2 mm starken Messingplatte die Type 
graviert worden wäre. Dieses Letterchen hätte man 
mittels eines ebenen Plättchens in Blei eingepreßt. 
Die dadurch entstandene, auf ihrer Oberfläche ebene 
Bleimatrize hätte somit die Buchstabenfigur in gleicher 
Tiefe enthalten und mittels dieser wären die Buch¬ 
staben im Wege des Abklatschens hergestellt worden. 
Das letztere Verfahren hat sich bis in die neuere Zeit 
erhalten und besteht darin, daß auf weniges auf einem 
Steine ausgegossenes Blei die Matrize mit raschem 
Schlage gepreßt wird. Das Ergebnis ist bei einiger 
Übung ein recht gutes, die Bleimatrize hält viele Ab¬ 
klatsche aus. Eine Anzahl von Buchstaben mit 
Kürzungszeichen usw., welche im Haager Donat Vor¬ 
kommen, sollen nach Dr. Zedier ein Beleg für die 
Richtigkeit dieser Herstellungsvermutung bilden. Das 
Kürzungszeichen ist mit dem Buchstaben durch einen 
Strich, eine Brücke verbunden, wie es untenstehende 
vergrößerte Nachbildung (Abbildung 4) zeigt. Das 
wäre nicht notwendig gewesen, wenn die Patrizen 
Stempelform gehabt hätten. Bei den von Enschedö 
angenommenen Blättchen aber waren sie Bedingung, 
um das Letterchen als ein Ganzes zu erhalten. Für 
diese holländischen Donate könnten 
sie vielleicht ohne Buchstabenkör¬ 
per in der schon erwähnten Weise 
verwendet worden sein, als wirk¬ 
liche Buchstaben erforderten sie 
das „Aufgießen“ eines Körpers. 
Ensched6 hat nach dieser Richtung 
experimentiert und ebenso ließ 
Dr. Zedier durch die Bauersche 
Gießerei Versuche anstellen. Auch 
ohne solche wird jeder, der auch 
nur wenig in der Gießerei bewandert ist, die Her¬ 
stellungsmöglichkeit zugeben ohne indes von der 
Wahrscheinlichkeit so ohne weiteres überzeugt zu 
sein. Wenn für die Bibeltype von etwa 22 Punkten 
Kegelgröße das „Aufgießen“ noch angenommen wer¬ 
den könnte, für die Katholikontype von etwa 11 Punk¬ 
ten ist sie ausgeschlossen. Dr. Zedier meint nun, 
nicht in Blättchen, sondern in das Ende eines Messing¬ 
stabes hätte Gutenberg die Buchstaben graviert und 
diesen Messingstempel zur Herstellung der Blei¬ 
matrize verwendet. Dem Aufgußverfahren und den 
Bleimatrizen schiebt er alles Nichtlinie¬ 
halten, Schiefstehen usw. zu, beziehungs¬ 
weise dünken ihm diese Mängel als 
Beweise für die Annahme jener Her¬ 
stellungsmittel. Es ist nun aber doch 
wirklich nicht einzusehen, warum Gu¬ 
tenberg, wenn er schon dazu kam, bei der Verviel¬ 
fältigung der Buchstaben von einem Metallstempel 
auszugehen, nicht sofort für diesen, für die Punze, 
zu einem härteren Material als Messing, also zu 
Stahl gegriffen haben sollte, der die Herstellung 


bertatem pertinevo non psf ' fu tractaf Pt fubijeit 

funt. ibem erit bicenbum • et fi 1 rj-bt>iterit*cjuot> 

l / : / Jtinj-x ste obi* 
ij eü feruis*<f-i* 

m flgtoluerit. fic ergo feouens fit mbiuiftl (j/ piopter piimam 
quelequenSdt biuifibilis fua natura • cum t ,c m banto ut mfra 

Abbildung 3. Justinianus Digestum novum cum glossa. Gedruckt von Bertholdus Rodt, Basel 
Aus: Adolf Schmidt, Untersuchungen über die Buchdruckertechnik des 15.Jahrhunderts 
Zentralblatt für Bibliothekswesen, 1897, Leipzig, Otto Harrassowltz 



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von gußwiderstandsfähigeren Matrizen als jene von 
Blei gestattete. Der damalige schon hohe Stand 
der Metalltechnik bot ihm ja kein Hindernis. In 
seinen „Gutenbergforschungen“ sagt Dr. Zedier auch 
noch weit richtiger wie später klipp und klar: „Daß 
Gutenberg zur Herstellung der Matrizen sich stäh¬ 
lerner Stempel bediente, unterliegt keinem Zweifel.“ 
Der Apparat aus zwei Winkeln für das Aufgießen war 
gar kein wesentlich einfacherer als ein Gießinstru¬ 
ment, in welchem in einem einzigen und zugleich 
sicheren Arbeitsvorgänge Buchstaben gegossen wer¬ 
den konnten. Jene Mängel sind auch aus diesem 
letzteren Verfahren zu erklären. Unvollkommen gra¬ 
vierte Stempel, schlecht eingeschlagene Matrizen, 
mangelhafte Justierung derselben, fehlerhafte Ein¬ 
stellung des Gießinstrumentes, zu kaltes Blei, das 
nicht ausgegossene Buchstaben zur Folge hat, Lä- 
dierung der Buchstaben beim Fertigmachen können all 
das bedingen, was an den Drucken bemängelt wird. 
Dabei ist noch zu bedenken, daß es auch nicht immer 
gußtechnische Mängel sein müssen, die sich der Be¬ 
obachtung bieten, sondern daß auch der Drucker 
schuld an ihnen tragen kann, der selbst heute noch 
von der besten Schrift nicht gerade stets die besten 
Abdrücke zustande bringt. An Stahlstempel, Kupfer¬ 
matrize und Gießinstrumente als des Erfinders Werk¬ 
zeuge schon für die ältesten uns erhaltenen Arbeiten 
zu denken, wird wohl als das der Wahrscheinlichkeit 
Entsprechendste gelten können. 

Der Erfinder hatte, bevor er diese Werkzeuge in 
Gebrauch nahm, noch eine andre kaum weniger 
schwierige Arbeit zu bewältigen, die darin bestand, 
die Schriftcharaktere in gußtechnisch verwertbare 
Formen zu bringen. Wie sehr er dabei als Künstler 
arbeitete, ist in schönster Weise in dem schon be¬ 
zogenen Vortrag Heinrich Wallaus ausgeführt. Die 
Umwandlung der Handschrift in Gußschrift war keine 
kleine Aufgabe. Die Grundlage war die Schrift der 
liturgischen Bücher usw. Die volle Schreibernach¬ 
ahmung ging nicht, es galt, die unendlich vielen An¬ 
schlußformen zu vereinfachen, zu schematisieren, 
wobei jedoch Gutenberg noch sehr viel aus künst¬ 
lerischen Gründen beibehielt. Erst allmählich ver¬ 
schwanden sie ganz; die wenigen Ligaturen, die wir 
noch haben, sind schwache Erinnerungen daran. 
Gußtechnische Schwierigkeiten boten die Anschlu߬ 
formen neben den selbständigen Buchstaben, sowie 
die Kürzungszeichen, mit denen die Bücherschreiber 
jener Zeit ausgiebig arbeiteten, nur insofern als die 
dazu nötigen Stempel etwas zu zahlreich geworden 
wären. Doch sind nicht alle Formen auf eigne Stem¬ 
pel zurückzuführen. Zusammengesetzte Verbindun¬ 
gen, die behufs ihrer Aneinanderpassung entweder 
einzeln bearbeitet oder schon entsprechend gegossen 
waren, um eine doppelte Verwendung zu ermöglichen, 
ja selbst durch Lötung von zwei Typen hergestellte 


Buchstaben sind nachgewiesen. Trotz alledem ist der 
Kasten unsrer ersten Setzer gegen unsern heutigen 
ganz unverhältnismäßig reicher ausgestattet gewesen. 
Eine wirklich gußtechnische Schwierigkeit mögen nur 
die überhängenden Buchstaben und Kürzungszeichen 
ergeben haben, die, wie jene „Löchlein“, unmögliche 
Erklärungen zeitigten von einem konischen Verlaufen 
oder einer entsprechenden Einbuchtung des anschlie¬ 
ßenden Typenkörpers. Die überhängenden Buch¬ 
stabenbilder waren eben genau wie heute eben über¬ 
hängend, sie brachen darum auch zumeist ab, weshalb 
ja auch in den Drucken nicht gerade selten lädierte 
Buchstaben zu finden sind. 

So wenig an eine vom Rechteck abweichende Form 
des Buchstabenkörpers — vor einigen Jahrzehnten 
waren Schreibschriften auf schiefem und eingebuch¬ 
tetem Kegel in Gebrauch, die aber bald als schwer zu 
gießen und unpraktisch zu verwenden verschwanden 
— technisch für jene erste Zeit des Schriftgusses 
zu denken ist, ebensowenig kann der Fachmann 
sich die Wahrscheinlichkeit vorstellen, daß die Ab¬ 
kürzungszeichen und, wie ein Forscher meint, sogar 
die allerdings eine eigentümliche Mannigfaltigkeit 
zeigenden i-Punkte auf einen eignen kleinen Kegel 
gegossen und angesetzt worden wären. Weit näher 
liegt der Gedanke, daß eben vielerlei Formen schon 
vorhanden waren oder durch Nachguß aus vielleicht 
neu hergestellten Matrizen entstanden. Die Mannig¬ 
faltigkeit stammte eben aus der Absicht der Nach¬ 
ahmung der Schreiberschrift. Bei dieser ergeben sie 
sich von selbst, da die Kürzungen und Zusammen¬ 
ziehungen eine Erleichterung für den Schreiber 
waren, gußtechnisch bildeten sie aber eine Erschwe¬ 
rung. Das in der 42zeiligen Bibel am kompliziertesten 
auftretende Buchstabensystem wurde denn auch nach 
und nach ganz aufgegeben, da jedenfalls seine Nach¬ 
teile eingesehen wurden. Und erst dann, also mit 
der Schaffung eines einfacheren, praktischen Typen¬ 
systems, sowie der Verkleinerung des Typenkegels 
wurden dem Buchdruck die Wege für seine weltum- 
formende Wirkung geebnet*). 

Die Schreiberarbeit war anfangs auch für den 
Setzer maßgebend. In und während der Arbeit bil¬ 
deten sich nach und nach erst andre Regeln. 

Wenn dem Setzer so vielerlei Anschlußformen 
und Kürzungstypen zur Verfügung standen, so wird 
natürlich eine recht verschiedenartige Anwendung 
davon gemacht worden sein. Deren korrekte Be¬ 
nutzung läßt auf eine fortgeschrittene Schulung und 
auf die Einflußnahme des Meisters auf die Arbeit 
schließen. Und noch manches andre vermag ihre 
Anwendung uns zu sagen. Aus dem Abnehmen, be¬ 
ziehentlich Verschwinden der Anschlußformen wird 
auf deren Quantität und jene der vorhandenen Schrift 


*) Zedier, Gutenbergforschungen. Seite 127. 


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überhaupt, aus dem Ab- oder Zunehmen der Kür¬ 
zungen auf das, was man heute Aus- und Einbringen 
in der fachlichen Sprache nennt, und im Zusammen¬ 
hänge damit, sowie mit Rücksicht auf die bessere oder 
mindere Benutzung der Anschlußformen auch auf das 
Vorhandensein von mehreren Setzern und ihr gleich¬ 
zeitiges Arbeiten an einer Arbeit zu schließen sein. 
Bezüglich des Ausschlußmaterials kann manches aus 
Spießen gefolgert werden. Es mag keine große Aus¬ 
wahl vorhanden gewesen sein, denn ein Ausschließen 
in dem Sinne der Raumverteilung bis zur Füllung der 
Zeilen auf gleiche Breite ist anfänglich nicht zu be¬ 
obachten. Die Arbeit bewegte sich zuerst gänzlich 
in der Nachahmung der Handschrift. Diese Vor¬ 
lagen, die dem Drucke dienten, kannten aus ganz 
natürlichen Gründen keinen gleichen Zeilenschluß, 
daher erstrebte ihn also auch der Setzer nicht. Die 
Zeilen wurden rückwärts ausgeschlossen, oft recht 
mangelhaft, denn es zeigen sich die letzten Silben 
der Worte manchmal durch ihr Lockersein schief 
stehend oder gelegt. Ob der Ausschluß gegossen 
oder vielleicht aus Blechstreifen war, wie ja Mes¬ 
singausschluß auch noch heute manchmal hergestellt 
wird, ist wohl zu unbedeutend, um erörtert zu wer¬ 
den. Größerer Ausschluß, Gevierte und Quadraten, 
konnten natürlich nur gegossen worden sein, während 
für Durchschuß in Reglettenform wohl auch Blech¬ 
streifen benutzt worden sein können, für Stege in allen 
Größen hat, wie noch lange in unsre Zeit hinein, jeden¬ 
falls Holz gedient. Zur Ausfüllung größerer leerer 
Räume in den Seiten wurde, wie aus zahlreichen 
beobachteten Blinddrücken hervorgeht, auch Ablege- 
satz benutzt. Diese Benutzung erklärt A. Schmidt in 
der schon bezogenen Abhandlung in so zutreffender 
Weise, daß sie auch einem Fachmann Ehre machen 
würde; er zieht außerdem Schlüsse auf Arbeitsweise 
und Schriftvorrat daraus, die kaum anfechtbar sein 
dürften. Er meint, nicht der Mangel an Ausschluß- 
material allein sei der Grund für solche Benutzung 
gewesen, sondern die sich ergebende Notwendigkeit 
bei nicht durch abzudruckenden Satz ausgefüllten 
Seiten dennoch der Form gleiche Höhe zu geben, 
um beim Druck ein Kippen des Tiegels zu vermeiden. 
Das ist sehr zutreffend, denn auch heute noch stellt 
man bei kleinen Sätzen in der Handpresse schrifthohe 
Klötze in die Ecken des Fundaments. Der Grund 
wäre damit erklärt, aber aus den Blinddrücken er¬ 
geben sich Folgerungen, die sehr interessant sind. 
Aus einem solchen Blinddruck im Katholikon, das 
wohl Gutenberg endgültig zuzuschreiben ist, schließt 
der genannte Forscher, daß Schriftmaterial für min¬ 
destens 40 Seiten vorhanden gewesen sein müsse. 
Sowohl dieses Werk wie die Bibeln, die Psalter und 
die späteren Drucke sind alle so gedruckt, daß sie 
Lagen von meist fünf ineinander gefalzten Blättern 
= 20 Seiten aufweisen. Das 189. Blatt des Katho¬ 


likon zeigt nun am Schlüsse, es ist eine Spitzkolumne, 
vier Zeilen Ablegesatz des 170. Blattes als Blind¬ 
druck, das letztere Blatt ist von der 18. Lage, das 
erstere gehört der 20. Lage an. Die Folgerung wäre 
also, daß die Schrift jener eben zum Ablegen kam 
und zum Satz der 20. verwendet wurde, während 
die 19. eben in Druck war. Diese Verwendung von 
Ablegesatz als Stützen bei mehr oder weniger großen 
leeren Räumen weist A. Schmidt in einer großen Reihe 
von Fällen nach, aber auch zu gleichem Zwecke die 
Verwendung von „aufgesetzten Buchstaben“, wie 
Setzer es kurz bezeichnen, selbst von speziell her¬ 
gestelltem Satz, ferner von Holzstegen in Schrifthöhe 
und von Holzschnitten. Aus der Verwendung von 
Satz zu dem genannten Zwecke folgert Schmidt dann 
noch, was für die Mutmaßungen betreffs der Druck¬ 
ausführung von Bedeutung ist, daß der Satz jeder 
Lage vor Beginn des Druckes vollendet war und die 
Reihenfolge des Druckes jedenfalls auch bei dem als 
sicher anzunehmenden seitenweisen Druck nicht stets 
Seite für Seite vor sich ging. 

Vor einem Eingehen auf die Erörterung der Druck¬ 
ausführung muß aber noch die Presse selbst betrach¬ 
tet werden. In der schon erwähnten Abbildung ist 
die Presse schon mit zwei Einrichtungen versehen, 
die sie anfänglich wohl kaum gehabt haben dürfte: 
die Kurbel und das Rähmchen. Der Karren, eine 
schwere feste Holzplatte, lag unbedingt auf einer 
schienenartigen Einrichtung, die ein leichtes und 
möglichst genaues Ein- und Ausschieben desselben 
mit dem Satze unter den Tiegel gestattete. Diese 
Vorrichtung, das Ein- und Ausführen mit einer Kur¬ 
bel zu bewerkstelligen, war bereits eine große Ver¬ 
besserung. Das Rähmchen stellte eine solche wei¬ 
tere dar. Vienne vermutet, die ältesten Drucker 
hätten es noch nicht gekannt. Schmidt führt als Be¬ 
stätigung der gleichen Vermutung folgende Beobach¬ 
tung an. Er fand gegen den Rand einzelner Bogen 
verschmierte Abdrücke des Textes derselben Seite, 
die im Abzüge weniger Farbe hatten. Beim Um¬ 
legen des Deckels müsse also der Bogen aus den ihn 
haltenden Punkturspitzen herausgefallen und so zwei¬ 
mal mit dem Satze in Berührung gekommen sein. 
Die Abdeckung der Form wäre also, bevor man auf 
das ein Deckungs- und ein Haltemittel zugleich dar¬ 
stellende Rähmchen verfiel, mittels aufgelegter Mas¬ 
ken erfolgt. Den Tiegel, wie überhaupt die ganze 
Presse, können wir uns nur aus Holz denken. Zu 
allen größeren sowie maschinenähnlichen Vorrich¬ 
tungen kannte man damals und lange Zeit danach nur 
Holzkonstruktionen. Ein Drechsler, besagt übrigens 
die Straßburger Prozeßurkunde, hatte Gutenberg die 
Presse gebaut, die er in der Zeit des Werdens seiner 
Erfindung gebrauchte. Die Größe des Tiegels können 
wir uns als nur recht bescheiden vorstellen. Seine 
Maße lassen sich nach den größten Kolumnen 


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bestimmen, die die erhaltenen Erstdrucke aufweisen, 
im Maximum vielleicht 26^2X33 (Aderlaßkalender). 
Auch noch später hatte der Tiegel keine viel größeren 
Maße, so daß zweimaliges Ziehen des Bengels beim 
bogenweisen Drucke notwendig wurde. Der in Schar¬ 
nieren gehende Deckel, auf dem die zu bedruckenden 
Bogen befestigt wurden und der diese, wenn er dann 
umgeschlagen wurde, auf den Satz brachte, müssen 
wir uns als sehr frühen Bestandteil der Presse vor¬ 
stellen. Als allererste Arbeitsweise kann bei den 
Drucken, die noch keinen Widerdruck aufweisen, 
vielleicht ein bloßes Auflegen des Bogens möglich 
gewesen sein. Eine Vorrichtung zur Regelung der 
Druckstärke vermeint Faulmann auf der Abbildung 
der Presse von Jost Amman zu bemerken, denn er 
meint, daß der durch die Preßwände gehende Quer¬ 
balken durch eingelegte Späne zu heben oder zu 
senken gewesen wäre. Auch Wallau schließt aus dem 
gleichmäßig schwachen Abdruck zusammengedruck¬ 
ter Seiten (im Psalter von 1490 Bogen 154/157) eben¬ 
falls auf eine solche Einrichtung. Der Deckel war 
mit einer gröberen oder feineren Leinwand überzogen, 
deren Struktur noch hier und da auf Drucken zu er¬ 
kennen ist. Zur Erklärung wird angenommen, daß 
stets eine größere Anzahl von Bogen auf dem Deckel 
befestigt und jeder bedruckte Bogen immer abge¬ 
nommen wurde, bis nach dem letzten dann eine neue 
Lage an die Reihe kam. Der letzte Bogen einer 
solchen Lage mußte nun bei Abdrücken größerer 
Flächen auf seiner Rückseite Strukturmerkmale auf¬ 
weisen. Das gänzliche Fehlen solcher läßt auf eine 
Einrichtung schließen, die, gleichwie der aus einer 
Anzahl Makulaturbogen hergestellte, bei der Hand¬ 
presse später gebräuchlich gewesene Einlagedeckel, 
einen sogenannten weichen Druck ermöglichte. An 
einen solchen können wir für die Wiegendrucke 
überhaupt nur denken. Wallau erwähnt Schattie¬ 
rungen von der Höhe eines Punktes, es war also 
starker, wahrscheinlich lang angehaltener und weicher 
Druck, der gegeben wurde. Dieser weiche Druck ver¬ 
langte zusammen mit dem jedenfalls sehr stark ge¬ 
feuchteten Papier nicht das, was heute „Zurichten“ 
genannt wird. Unter dieser Bezeichnung verstand 
man übrigens, solange die Holzpressen noch knarr¬ 
ten, gar nicht dasjenige, was heute so benannt 
wird, sondern (Täubel, Wörterbuch II, Seite 3): „Die 
Form in die Presse legen, rücken und befestigen, 
daß alle Abdrucke genau auf die Mitte des Bogens 
fallen und die zweite Form wieder so zu rücken, 
daß die Abdrücke wieder auf die erste Form passen.“ 
In den Einlegedeckel allerdings gab man an den 
Stellen, wo die Seiten nicht gut ausdrucken wollten, 
weitere Papierlagen, welcher Brauch der Vorläufer 
des heutigen Zurichtens sein mag. Zur Befestigung 
der Bogen, sowie zur Erzielung des Registers beim 
Widerdruck dienten Punkturen. Diese sind in vielen 


Erstdrucken nachweisbar, da die Einstiche der Nadeln 
gut zu erkennen sind. Diese zweifache Aufgabe der 
Punkturen dürfte vielleicht manches erklären, zu 
dessen Deutung technisch recht unwahrscheinliche 
Hypothesen aufgestellt wurden. Die verschiedenen 
Pergament- und Papierexemplare des Katholikon und 
der übrigen großen Werke zeigen mannigfaltige 
Punkturen. Aus ihnen nun die Folgerung zu ziehen, 
daß sie je auf einer andern Presse hergestellt seien, 
ist selbst für die Erstlingszeit des Druckes einWider- 
sinn. Auch damals druckte man keine „Exemplare“ 
eines Werkes, sondern, ob nun seiten- oder formen- 
weise, einzelne Bogen, die dann in der Druckerei oder 
vom Buchbinder nach der Vollendung des Druckes zu 
Exemplaren vereinigt wurden; „zusammengetragen“ 
ist dafür der technische Ausdruck. Wohl werden an 
einem so umfangreichen Werke, wie dem Katholikon 
usw. vielleicht mehrere Pressen gearbeitet haben, 
aber man wird sie, um das Schriftmaterial zur Weiter¬ 
führung des Satzes freizubekommen, jedenfalls prak¬ 
tisch ausgenutzt haben. Wenn nun die Pressen nicht 
groß genug zu formenweisem Druck waren, so wird 
auch bei seitenweisem Druck manchmal eine Presse 
den Widerdruck des Schöndruckes einer andern über¬ 
nommen haben, während diese noch mit letztem im 
Gange war. Jedenfalls hat man einer Presse, sobald 
sie frei wurde, sofort den druckreif gewordenen Satz 
zugewiesen. Es wird nun beim Widerdruck oft aus 
dem Grunde, weil ihn ein andrer Drucker übernahm, 
mit den Punkturen und dem Register gehapert haben, 
so daß der Drucker vielleicht neue Punkturen ein¬ 
stechen mußte, die sich vielleicht auch nötig erwiesen, 
um ihre Aufgabe als Halter des Bogens zu erfüllen. 
Mit den Punkturen zusammenhängend ist eine weitere 
Frage, die des formen- oder seitenweisen Druckes, 
Gegenstand verschiedener Beweisführungen gewe¬ 
sen. Die Pressen dürften anfangs kaum ein so großes 
Fundament, wie man heute die auf dem Karren lie¬ 
gende Platte zur Aufnahme der Form bezeichnet, ge¬ 
habt haben, daß zwei Kolumnen der Bibel, des Ka¬ 
tholikon usw. Platz hatten, schon weil es jedenfalls 
eigentlich nur ein starkes Brett war, der Tiegel aber, 
wie erwähnt, selbst in viel späteren Zeiten eine be¬ 
scheidene Größe hatte. Schmidt will nun bei einem 
Ulmer Drucker, Gainer, bei Kleinfolio den formen¬ 
weisen, bei Großfolio den seitenweisen Druck durch 
die schon erwähnten Struktureindrucke der Leinwand 
des Deckels festgestellt haben. Diese Ansicht deckt 
sich mit der obigen ganz einfachen Folgerung. Mit 
dem technisch sich als notwendig ergebenden Ver¬ 
fahren beim Druckvorgange sind die Schlüsse, die aus 
der Verwendung verschiedener Papiergattungen für 
umfangreichere Werke ebensowenig ganz vereinbar 
wie diejenigen, welche aus den Punkturen gezogen 
wurden. Die Mischung der Papiersorten in den er¬ 
haltenen Exemplaren des Katholikon läßt eben wohl 


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erkennen, daß man mehrere Papiersorten hatte und 
bemüht war, beim Zusammentragen der Bogen zu 
Büchern die Papiersorten auseinander zu halten, aber 
sie läßt doch unmöglich den ernstlich gezogenen 
Schluß zu, daß je eine Presse nur ein bestimmtes 
Papier verdruckte. Die Verschiedenheit der Papiere 
erklärt sich ganz ungezwungen aus dem Umstande, daß 
es damals jedenfalls keine großen Vorräte gab, daher 
für den Druckbedarf, der den normalen Schreiber¬ 
bedarf plötzlich überstieg, nach mehreren Sorten ge¬ 
griffen werden mußte. Beim Zusammentragen der 
Exemplare leitete dann die Rücksicht auf tunlichst glei¬ 
ches Aussehen des Papiers. Ein andrer Schluß, der 
aus der Verwendung der verschiedenen Papiersorten 
und ihrem Mischungsverhältnis in den erhaltenen 30 
Exemplaren des Katholikon auf dessen wahrschein¬ 
liche Auflage (in Zedier, Das Catholicon’) gezogen wird, 
ist rechnerisch interessant. Zedier geht von der An¬ 
nahme aus, daß die drei Hauptpapiersorten in gleicher 
Menge benutzt worden seien und rechnet aus dem 
Verhältnis jener 30 Exemplare eine Auflage von 95 
heraus. Diese angenommene Auflage führt dann 
wieder rechnerisch zu einer Druckdauer von unge¬ 
fähr acht Monaten für dieses Werk. Diese Arbeits¬ 
zeit- und Auflagenberechnungen schweben jedenfalls 
etwas sehr in der Luft. Weit mehr interessieren muß 
uns, wie der Druckvorgang selbst war. Auch hier 
sind Meinungen ausgesprochen worden, die ihn weit 
verwickelter darstellen, als der geniale Erfinder und 
die Gehilfen, die er sich heranzog, ihn wahrschein¬ 
lich sich zurechtgelegt hatten. Faulmann meint, daß 
man, dem Vorgang der Kopisten folgend, die Bogen 
in Lagen gefalzt, die Vorderseiten mit Signaturen be¬ 
zeichnet und nun seitenweise den Druck begonnen 
habe, wobei immer die Lagen zusammengehalten 
worden seien. Zedier spricht die Ansicht aus, daß 
diese Lagen je in voller Größe, aber ungefalzt, auf 
dem Deckel befestigt und also bedruckt worden wären. 
Dadurch hätte man zum Druck bei der Presse stets 
Stöße von Papier liegen gehabt. Denn immer eine 
Lage zu fünf Bogen zum Druck je einer Seite oder 
sollen es auch zwei gewesen sein, also bei einer Auf¬ 
lage von nur 100 immer mit 500 Bogen zu hantieren, 
so ungeschickt werden unsre sonst so geschickten 
Vorfahren nicht gewesen sein. Bei seitenweisem 
Druck mag man sich den Vorgang vielleicht so vor¬ 
stellen, daß die Bogen gefalzt auf den Deckel gebracht 
wurden und anfänglich wirklich Seite für Seite zum 
Druck kam. Als man praktischer geworden und nicht 
mehr durch den Schriftvorrat beengt war, dann kann 
vielleicht der Schöndruck der ersten jener der neun¬ 
zehnten gefolgt sein, darauf die zweite und folgend 
die zwanzigste, was zwar ein zweimaliges Umfalzen 
bedungen hätte, aber der an den Schattierungsmerk¬ 
malen durch verschiedene Forscher festgestellten 
vorwärts laufenden Druckfolge entspräche. Bei For¬ 


mendruck ergäbe sich als ganz natürlich die erste 
mit der zwanzigsten, die zweite mit der neunzehnten 
Seite usf. jeder Lage. Und so werden unsre Vor¬ 
fahren auch gedruckt haben, immer von jedem Bogen 
die ganze Auflage. Zur Sicherung des richtigen In- 
einanderlegens wurden die Einzelbogen jedenfalls 
bezeichnet. Solche handschriftliche Bezeichnungen 
finden sich denn auch vor und wurden von verschie¬ 
denen Forschern in mehreren Publikationen mit¬ 
geteilt. Für die Anschauung, daß ganze Lagen in 
oben angeführter Weise zum Drucke kamen, werden 
Eindrücke von Ausschlußstücken, die sich durch¬ 
markierten, geltend gemacht, die vielleicht aber nicht 
richtig gedeutet sind. 

Noch einiger Druckmittel ist zu gedenken, der Punk- 
turen, der Rahmen, der Farbe und der Vorrichtung 
letztere auf die Form zu bringen. Die Punkturen stellt 
man sich im Notfälle auch heute noch auf der Hand¬ 
presse aus einem größeren Reißnagel her. Die erste 
Punktur könnte wohl ähnlich gewesen sein. Ein Stück¬ 
chen mit Kleister bestrichenes Pergament, durch das 
die Spitze eines mit seinem flachen Kopfe ebenfalls 
angekleisterten Nagels gestochen und an der richtigen 
Stelle des Deckels gebracht wurde, bildet eine voll¬ 
kommen genügende Befestigung solcher Punktur, der 
dann später vielleicht erst eine solche folgte, die vom 
Deckelrahmen aus zu befestigen war. Merkmale von 
Punkturen wurden an den großen Erstdrucken fest¬ 
gestellt. Die aus ihnen gezogenen Schlüsse bedürfen 
insoweit einer Richtigstellung, als die Verschiedenheit 
der Punkturen aus dem schon aufgeführten Grunde 
genügend erklärt werden kann. Die Befestigung des 
Satzes auf der Platte in der Presse kann anfänglich 
vielleicht durch ein bloßes Festklemmen in einen 
hölzernen, in der Folge aber metallenen Rahmen ge¬ 
schehen sein. Einen solchen mit Schrauben, der be¬ 
reits ein „Schließen“ der Form gestattete, müssen wir 
für die gutes Register haltenden Bibeldrucke schon 
unbedingt annehmen. Ein besonders kompliziertes, 
viel Nachdenken erforderndes Werkzeug war es nicht. 
Als Farbe mußte für den Druck von Metall eine andre, 
eine ölige Farbe gesucht werden, da das Metall Was¬ 
serfarben nicht wie die Holztafeln annimmt. Die Erst¬ 
drucke weisen Firnisrußfarben von sehr guter Qualität 
auf, deren meist recht gleichmäßige Verteilung uns 
Achtung einflößt vor der ausgezeichneten Hand¬ 
habung der primitiven Auftragwerkzeuge als welche 
uns jene erste Abbildung einer Presse die Ballen 
zeigt. 

An den erhaltenen Druckdenkmälern, die mit ver¬ 
läßlicher Sicherheit dem Erfinder entweder ganz zu¬ 
zuschreiben sind oder die mindestens seine ma߬ 
gebende Einflußnahme nachweisen lassen, sind die 
Entwicklungsstufen bis zur höchsten Vollkommenheit 
festzustellen. Die Donat- und Kalenderdrucke zeigen in 
Schriftformen, in Druck, im Mangel an Vorrichtungen 

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zum Registerhalten, in der Satzausführung die An¬ 
fangsstadien der aber doch schon bis zur praktischen 
Benutzbarkeit gediehenen Erfindung. Der Bibeldruck 
hat alle Schwierigkeiten schon überwunden und weist 
sich bereits als Kunstwerk auf, der Psalter gibt als 
künstlerische und technische Höchstleistung in seinen 
farbigen Initialdrucken sogar der Erklärung seiner 
Herstellung eine nicht leichte Aufgabe. Das Psal- 
terium hat 306 zweifarbige Initialen, die alle ein 
tadelloses Register haben, sowohl gegen den Text 
als, was noch viel mehr besagen will, zwischen Buch¬ 
stabe und dazu gehöriger Verzierung, die diesen 
rundum auf einen Abstand von etwa ein Viertelpetit 
umfassen. Zunächst möchte wohl jedenfalls der mo¬ 
derne Drucker nach dem heutigen technischen Vor¬ 
gänge an Paßdrucke denken und ihn, eingedenk der 
Schwierigkeiten, die solcher auch beim heutigen so 
genauen Material und guten Druckapparaten bietet, 
mit Bewunderung auf seine einstigen Berufszuge¬ 
hörigen blicken lassen. Dann allerdings wird er aber 
erwägen: Die damalige Presse war ein erst im Wer¬ 
den begriffenes Werkzeug, das Papier, das Perga¬ 
ment, auf das man druckte, mußte gefeuchtet werden. 
Heute, wo der Trockendruck Regel und die Papier¬ 
fabriken eignes nicht dehnbares Papier erzeugen, 
kämpft man manchmal im Farbendruck mit Passer¬ 
schwierigkeiten. Das einzige dem Zweck dienliche 
Mittel war den alten Druckern an ihrer Presse nur die 
Punktur. Von der Annahme von Paßdrucken wird man 
also abgehen und zu jenen gleichzeitigen Drückens 
schreiten müssen. Hier fallen Registerschwankungen 
selbstverständlich fort, jedoch bleibt zu erklären, wie 
die Einfärbung erfolgte. In der schon bezogenen Ab¬ 
handlung von A. Schmidt wird die Meinung ver¬ 
fochten, sie sei durch Abdecken der Form mittels 
Masken oder durch Pinselauftrag vorgenommen wor¬ 
den. Das erstere ist bei drei Farben nicht möglich, 
nur bei zwei Farben führen Schablonen zu einem 
Resultate. Der Pinselauftrag ist, wie ich mich prak¬ 
tisch überzeugte, mit etwas verdünnter Farbe mög¬ 
lich, doch gerade aus dem Versuch heraus dünkte er 
mir nicht mehr ganz wahrscheinlich. Initial und Ver¬ 
zierung mußten beim Aufträgen der schwarzen Farbe 
auf die übrige Schriftform abgedeckt werden und nun 
vorsichtig mit Pinseln die beiden Farben auf jene ge¬ 
bracht werden; kräftige Farbendeckung, vor allem 
gleichmäßige, ist dabei nicht erzielbar. Den Stempel¬ 
eindruck, den Faulmann und andre annehmen zu 
müssen glauben, wird nach einem Versuch niemand 
als Erklärung ansehen, denn auch nur wenige tadel¬ 
lose Passer auf solche Weise zustande zu bringen 
wäre ein wahrhaftiges Kunststück. Eine alle Merk¬ 
male der Wahrscheinlichkeit in sich tragende Er¬ 
klärung gibt aber Heinrich Wallau in der Abhandlung 
»Die zweifarbigen Initialen der Psalterdrucke“ in der 
Mainzer Festschrift. Er stellt durch eine sehr ein¬ 


gehende Beweisführung aus den mannigfachen Merk¬ 
malen der Psalterdrucke fest, daß die beiden Farben 
der Initiale (es wechseln Rot und Blau ab) nicht von 
getrennten Stöcken, sondern in einem Druckvorgange 
gedruckt wurden, daß die Einfärbung aber nicht auf 
dem ungetrennten festen Stock stattgefunden, son¬ 
dern daß dieser aus der Verzierung und dem eine 
dünne Metallplatte darstellenden Initialbuchstaben 
bestand, der herauszunehmen und nach der Einfär¬ 
bung wieder einzufügen war. W. Congreve machte 
im Verein mit dem Mechaniker Donkin im Jahre 1824 
eine Erfindung bekannt, die längere Zeit für Bank¬ 
notendruck Verwendung fand und unter des ersteren 
Namen bekannt ist. Es wird gesagt, daß Congreve 
beim Anblick der Psalterdrucke und bei dem Versuch 
der Erklärung derselben zu seiner Entdeckung ge¬ 
kommen sei. Es überschreitet den Raum dieser Aus¬ 
führungen, den Nachweisen H. Wallaus, daß dieser 
Druckvorgang wirklich dem Psalterdrucke zugrunde 
liegt, auch nur summarisch gerecht zu werden. In 
der III. Veröffentlichung der Gutenberg-Gesellschaft 
Seite 41 bis 49 bei der Schilderung des Canon Missae 
vom Jahre 1458 gibt Wallau ebenfalls eine Darstellung 
dieses Druckverfahrens. Man habe sich dasselbe 
so zu denken, daß die Kolumnen einzeln, seiten¬ 
weise gedruckt wurden und zwar alle Farben, Schwarz, 
Rot und Blau durch nur einmaligen Abzug in der 
Presse. War die Seite druckfertig in der Presse, 
wurden die rot zu druckenden Versalien, Worte so¬ 
wie die zweifarbigen Initialen herausgenommen, die 
Räume ausgefüllt und der Auftrag der schwarzen 
Farbe vollzogen. Nun wurden die herausgenommenen 
und inzwischen mit den andern Farben versehenen 
Teile wieder vorsichtig eingefügt und dann der Ab¬ 
druck gemacht. Den Einwendungen gegen die Um¬ 
ständlichkeit des Verfahrens, das nur ein ganz lang¬ 
sames Vorschreiten der Arbeitgestattete, insbesondere 
aber jenen, daß der Satz beim Herausnehmen oft vieler 
Zeilen in einer einzigen Kolumne Zusammenfalle, 
mag vielleicht mit dem Hinweise begegnet werden, 
daß die mittelalterliche Arbeit die Eile unsres heu¬ 
tigen drängenden und hastenden Schaffens nicht 
kannte, im Gegenteil Zeit hatte und die Schrift eben 
eine sehr großkegelige war. Die nebenstehenden Ab¬ 
bildungen 5 und 6, welche jene beiden Arbeiten 
Wallaus begleiteten und von der Gutenberg-Gesell¬ 
schaft zurVerfügung gestellt wurden, versinnbildlichen 
die Druckstockeinrichtung der Initialen nach dieser 
Mutmaßung der Herstellung. In der ganzen Guten¬ 
bergforschung, auch in der historisch-philologischen, 
die bisher weit eingehender als die technische Seite 
bedacht wurde, sind es, wie eingangs gesagt, eben 
Mutmaßungen, die durch die Wahrscheinlichkeit kon¬ 
trolliert werden müssen, auf denen sich das meiste 
aufbauen muß, die technischen haben die technischen 
Möglichkeiten als Korrektur und die vorstehende 


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Erklärung der Herstellung der Psalterdrucke hat die 
eminente Möglichkeit für sich. 

Paßdrucke kommen auch vor, selbst im Psalter 
und stechen hier eben wegen des Registers sehr von 
dem andern Drucke ab. Die roten Rubriken und 
Einzelbuchstaben erscheinen teils mitgedruckt, dann 
ist das oben geschilderte Vorgehen als wahrschein¬ 
lich anzunehmen, oder es liegt ein Paßdruck vor, der 
durch schlechtes Register sich sofort kenntlich macht. 
Die Paßformen wird man jedenfalls mit Zuhilfenahme 
des schwarzen Satzes hergestellt haben, wie hier und 
da selbst jetzt noch Kalenderdrucke so 
gemacht werden, daß die Rotzeilen unter¬ 
legt und in der Folge durch Ausschluß 
ersetzt werden. An¬ 
ders wäre ein sol¬ 
cher Paßformensatz 
bei dem damaligen 




Abbildung 5 und 6. Schematische Darstellung der zer¬ 
legbaren Druckstöcke der zweifarbigen Psalter-Initialen. 
Aus: Heinrich Wallau, die zweifarbigen Initialen der 
Psalterdrucke. Mainz 1900. Festschrift zur Gutenbergfeier 


Material wohl nicht möglich gewesen. Unter Um¬ 
ständen wird man wohl auch Ablegesatz überhaupt 
zum Aussperren der Seiten bis zu dem roten Satz 
in Verwendung genommen haben. A. Schmidt, 
Drucktechnik des 15. Jahrhunderts, Seite 159 führt 
nach erkennbaren Blinddrücken in einer Reihe von 
Beispielen einen diesbezüglichen Nachweis, der in 
einem Falle auch den ganz sicheren Schluß zuläßt, 
daß der Rotdruck nach dem Schwarzdruck erfolgte 
und zwar nach Fertigstellung der Auflage. 

Die Frage, aus welchem Material die Druckstöcke 
der Initialen hergestellt waren, erledigt sich nach der 
Annahme, daß das geschilderte Verfahren dem wirk¬ 
lichen Vorgänge entspricht, selbstverständlich dahin, 
daß Metallschnitte vorliegen. Ein weiterer Grund, 


solche mit ziemlicher Bestimmtheit zu vermuten, ist 
die Scharfrandigkeit des Druckes wie der Schattie¬ 
rung, die bei Holzmaterial infolge der öftern Ver¬ 
wendung und der des Farbenwechsels wegen ganz 
besonders oft nötigen Reinigung, rasch abnehmen 
müßte. Die Initialen sind aber alle gleich scharf. 
Auch aus der glatten reinen Linienführung wird auf 
Metall geschlossen. VorkommendeVerletzungen sind 
im allgemeinen das richtigste Mittel zur Feststellung, 
ob Holz- oder Metallschnitt vorliegt. Aussprengungen 
sehen bei ersterem ganz anders aus als bei letzterem 
und Verbiegungen ganzer Teile können überhaupt 
nur in Metall Vorkommen. Welches Metall zum 
Schnitte diente, kann nur bezüglich des Härtegrades 
ziemlich festgestellt werden. Blei bzw. Schriftmetall 
ist nicht nur wegen seiner baldigen Abnutzung nicht 
anzunehmen, sondern auch darum nicht, weil, wie jeder 
Graveur bestätigen wird, das Arbeiten in weichem 
Metall weit unangenehmer und unsicherer ist als in 
hartem, von dem gerade das Messing sich als das 
allergeeignetste zeigt. Dieses Metall wird also auch 
jedenfalls für die Metallschnitte gedient haben. 

Dank der außerordentlichen Leistungsfähigkeit der 
heutigen Reproduktionstechniken, vor allem des 
Lichtdrucks, ist jetzt die Möglichkeit geboten, daß 
weite Kreise die getreuesten Wiedergaben der alten 
Druckdenkmäler in die Hände bekommen. Das Ver¬ 
dienst der Gutenberg-Gesellschaft, nach dieser Rich¬ 
tung Mustergültiges geboten zu haben, ist besonders 
hoch anzuschlagen. Wenn solche Reproduktionen 
auch nicht einen vollen Ersatz des Originals beim 
Studium der alten Drucke bilden können, so reichen 
sie doch vollständig für viele Fragen und vor allem 
zur Prüfungaufgestellter Behauptungen und Ansichten 
hin. Dieser Versuch einer Zusammenfassung des bis¬ 
her über Gutenbergs Lebenswerk in technischer 
Beziehung Erforschten macht natürlich nicht den 
Anspruch erschöpfend zu sein. Er soll nur einen 
allgemeinen Überblick geben, an den sich später 
eingehendere Einzelerörterungen anschließen mögen. 
Er soll aber auch praktische Buchdrucker, die sich 
berufen fühlen, zur Beteiligung an der Forschung 
über die Entstehungsgeschichte der Gutenbergi- 
schen Erfindung, soweit dieTechnik in Betracht kommt, 
anregen. 


Das Buchgewerbe auf der Mailänder Ausstellung. 


Von Dr. LUDWIG VOLKMANN, Leipzig. 


D ER V. Internationale Verlegerkongreß hat mich 
|in den Tagen vom 5. bis 10. Juni nach Mailand 
geführt und mir dadurch Gelegenheit geboten, 
wenigstens einen Blick in die dortige Ausstellung zu 
werfen, die ich um ihrer selbst willen wohl kaum 
aufgesucht haben würde. Und da ich nun von Natur 


mehr zu stiller Kunstbetrachtung und ruhiger Arbeit 
neige als zu geselligen Veranstaltungen und Massen¬ 
genüssen, so verzichtete ich auf die an sich sehr ver¬ 
lockenden gemeinsamen Ausflüge zur Certosa di 
Pavia und zum Comersee — zumal da mir beides 
wohlbekannt! — und verbrachte diese Tage ganz in 


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der Brera, dem Museum Poldi-Pezzoli, dem kost¬ 
baren Kastell-Museum, sowie in der Ausstellung, in 
der ich mich wiederum streng auf die künstlerischen 
Abteilungen beschränkte, und vor allem, im Hinblick 
auf den Buchgewerbeverein und sein Archiv, einen 
Überblick über die Vertretung der buchgewerblichen 
Zweige zu gewinnen suchte. Einen Niederschlag der 
dabei gewonnenen Eindrücke bilden die folgenden 
Zeilen, die keinerlei Anspruch aufVollständigkeit er¬ 
heben können, um so weniger, als die Ausstellung 
zur Zeit meines Besuches noch von einer geradezu 
erstaunlichen Unfertigkeit war. — 

Zur allgemeinen Orientierung muß nun eines vor¬ 
ausgeschickt werden: die Mailänder Ausstellung war 
ursprünglich, aus Anlaß der Eröffnung des Simplon- 
Tunnels, lediglich oder doch fast ausschließlich als 
eine Ausstellung des Transport- und Verkehrswesens 
geplant, mit starker Betonung speziell des Automo¬ 
bilismus, und diese Zweige, wie Eisenbahnwesen, 
Wagen- und Fahrradbau, Marine und Schiffsbau, 
Luftschiffahrt usw. standen noch unverkennbar im 
Mittelpunkt des Ganzen, während das übrige sich 
wohl etwas zufällig und ohne rechten Plan und Zu¬ 
sammenhang allmählich dazugesellt hatte. So kann von 
einer wirklichen Gesamtvertretung desBuchgewerbes 
auf dieser Ausstellung auch nicht die Rede sein, und 
der Entschluß des Deutschen Buchgewerbevereins, 
von einer deutschen Kollektivausstellung daselbst 
abzusehen, hat sich als durchaus berechtigt und wohl¬ 
begründet erwiesen, um so mehr, als gleichzeitig die 
weitaus näher liegende Aufgabe in Dresden zu er¬ 
füllen war. So ist vom deutschen Buchgewerbe nur 
die buchgewerbliche Maschinen - Industrie stattlich 
zur Stelle, meist durch Vermittlung ihrer Mailänder 
Vertreter; die eigentlichen buchgewerblichen Gesamt- 
Darbietungen aber beschränken sich auf wenige 
Länder, nämlich Italien und Frankreich, Belgien und 
die Schweiz. 

Inderhöchsttreflfendundgeschmackvollals„Galeria 
del lavoro“ (Arbeitshalle) bezeichneten großen Halle 
war zunächst Italien selbst sehr großartig und ein¬ 
drucksvoll durch zahlreiche im vollen Betrieb befind¬ 
liche Maschinen vertreten. Die Firma E . Sonzogno - 
Mailand druckt auf einer 5 Farben-Rotationsmaschine 
von Marinoni & Co. in Paris den „Secolo illustrato“, 
10000 fertig gefalzte Exemplare die Stunde; daneben 
läuft die Zeitung selbst auf einer einfachen Rotations¬ 
maschine, gleichfalls von Marinoni, mit 24000 in 
der Stunde. Auch eine Augsburger Schnellpresse 
sowie die Monotype-Setzmaschine sind hier im Be¬ 
trieb zu sehen, und es darf festgestellt werden, daß 
gerade all diese im Gang befindlichen Maschinen 
die größte Anziehungskraft auf das Publikum aus¬ 
übten, daß es also offenbar kein Fehler ist, die buch- 
gewerblichen Maschinen einer allgemeinen buch¬ 
gewerblichen Ausstellung einzufügen, wenn man 


Besucher in derselben zu haben wünscht. Daneben 
hatte Sonzogno seinen bedeutenden Buch-und Musik¬ 
verlag, zum Teil in sorgsamen Einbänden, ausgestellt 
und brachte als „Clou" auch die Autographen einiger 
bekannten Opernpartituren von Mascagni, Leonca- 
vallo, Dupont u. a. zur Schau. — 

Im benachbarten Flügel läuft der Corriere della Sera 
mit Linotype und Rotationsmaschinen von Hoe & Co. 
in New York, auch hier eine farbige Beilage fertig 
gefalzt und geheftet. Ferner findet sich daselbst eine 
Schnellpresse und zwei Viktoria-Tiegeldruckpressen 
von Rockstroh & Schneider in Dresden. Die Linotype - 
Co. hat durch ihre Vertreter Higgs & Co. in Mailand 
auch noch gesondert ausgestellt, zwei Linotypes und 
zwei Schnellpressen. Marinoni- Paris montierte seine 
Pressen erst, es war also dort noch nichts zu sehen. 
Lambert & Co.-Paris fielen besonders mit ihrer ganz 
eigenartigen Schön- und Widerdruckmaschine „La 
Monocyclette“ in die Augen, ein ganz phantastischer 
Apparat, bei dem der Druckzylinder an zwei Zahn¬ 
stangen schräg auf- und abwärts läuft, wobei er auf¬ 
wärts den Schöndruck, abwärts den Widerdruck aus¬ 
führt. Die Maschine ist namentlich für Akzidenzen 
gedacht, will mir aber etwas kühn oder noch unfertig 
erscheinen. Daneben wurde eben eine Schnellpresse 
für Dreifarbendruck aufgebaut, ein interessantes, 
riesenlanges Ungetüm. — Die große Mailänder Druck- 
und Verlagsfirma G.Ricordi & Co. druckte auf Stein¬ 
druckpressen der Societä Urania gute farbige Plakate; 
über ihre Ausstellung in der Abteilung für dekorative 
Kunst wird später zu berichten sein. Die Societä 
Urania selbst zeigte eine Anzahl Maschinen in Be¬ 
trieb, so vier Buchdruckschnellpressen in Dreifarben¬ 
druck, eine davon mit dem Bogenanleger Dux, ferner 
drei Komplettgießmaschinen, Schneidemaschine usw. 
Als Kuriosum sei erwähnt, daß mich hier ein freund¬ 
liches Fräulein dringend fortkomplimentierte, als ich 
die Maschinen in der Nähe besah; sie hatte wohl 
weder den Zweck der Ausstellung noch meines Be¬ 
suches ganz begriffen, und ich hielt es auch nicht 
für nötig, sie darüber aufzuklären. — Des weiteren 
druckten P. Rocco & Co.-Mailand die offiziellen Aus¬ 
stellungs-Postkarten in Dreifarbendruck auf Pressen 
von Miehle-Chicago und Nebiolo & Co.-Turin sowie 
Tiegeldruckpresse „Ideale“, Bollito & Torchio-Mai- 
land hatten Buch- und Steindruckpresse, Schneide- 
und Liniiermaschine ausgestellt, und A.E. Bacigalupi - 
Genua zeigte seine Zelluloid-Klischees. — Komplett¬ 
gießmaschinenwaren interessant nebeneinander zum 
Vergleiche aufgestellt, zu sehen von Zerboni & Co. 
und R. dalVAglia in Mailand und Kiistermann & Co. in 
Berlin. Joh. Kleinwerfers Söhne in Krefeld (Kalander) 
bauten erst auf, ebenso die Monoline-BerWn und die 
Vertreter von Hogenforst- Leipzig und der Schnell¬ 
pressenfabrik Heidelberg( Scoti Dubini & Co., Mailand). 
Dagegen hatte der Typograph-Berlin zwei Apparate 


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fertig in Betrieb, und vorzüglich waren/. G. Scheltet 
& Giesecke-Leipzlg (durch Lambertenghi & Co., Mai¬ 
land) mit ihrer Windsbraut, Phönixpresse usw., auch 
Proben von Schriften und Autotypien vertreten, sowie 
Gebr. Brehmer, Leipzig (durch Vianini & Co., Mailand), 
mit zahlreichen Falz- und Heftmaschinen. Daneben 
sah man Maschinen von F. E. Jagenberg- Düsseldorf 
(Anleim-Maschine) und der Sachs. Kartonnagen-Ma¬ 
schinen-A,-G. in Dresden, und endlich hatte die Maschi¬ 
nenfabrik Johannisberg eine Zweitourenmaschine mit 
Dux-Bogenanleger und zwei kleine Akzidenzschnell¬ 
pressen aufgestellt, alles in allem gewiß ein stattliches 
Bild der deutschen buchgewerblichen Maschinen¬ 
industrie, der es hoffentlich am greifbaren Erfolg in 
dem schon jetzt nicht unbedeutenden italienischen 
Absatzgebiet nicht fehlen wird. 

Wenden wir uns nun der Abteilung für dekorative 
Kunst zu, so finden sich von deutschen Firmen da¬ 
selbst nur Wachsmuth-Leipzig mit seinen Schulbildern 
und Alex. Koch-Darm stadt mit seinen bekannten kunst¬ 
gewerblichen Publikationen und Zeitschriften. Ver¬ 
einzelt erscheinen, unter andern Lederarbeiten, Er¬ 
zeugnisse italienischer Buchbindekunst, so recht gute 
von Pompeo Mattei in Bologna und F. Clerc in Mai¬ 
land, ziemlich geschmacklose von A. del Zoppo in 
Mailand, verschiedenartiges von Torriani & Co. in 
Mailand und Savoretti & Borgioli in Turin. Am besten 
sind die Italiener auf diesem Gebiete, wenn sie nach 
ihren herrlichen alten Vorbildern arbeiten, während 
die sogenannte „Moderne“ meist recht kraß und un¬ 
verdaut auftritt, nicht nur in der Buchkunst, sondern 
auch im übrigen Kunstgewerbe, z. B. der Möbel¬ 
industrie.—Hier findetsich nun auch einegeschlossene 
buchgewerbliche Abteilung der italienischen Verleger , 
Drucker und Reproduktionsanstalten, die viel Inter¬ 
essantes bietet. Hauptsächlich fallen ins Auge Alfieri 
& Lacroix in Mailand mit schönen Ätzungen, nament¬ 
lich Dreifarbendrucken, in sehr eleganter einheitlicher 
Aufmachung, Danesi in Rom mit Dreifarbendrucken, 
Lichtdrucken usw. vorwiegend aus den großen kunst- 
historischen Werken, für deren musterhafte Her¬ 
stellung die Firma bekannt ist, das Istituto italiano 
d'arti graflche in Bergamo sowie Fumagalli & Co. in 
Mailand mit Heliogravüren und Ätzungen, und die 
Unione Zincografi mit guten Dreifarbenätzungen, zum 
Teil ziemlich stattlichen Formates. G. Ricordi & Co. 
haben hier anschließend ein ganzes Kabinett mit ihren 
musikalischen Werken, Plakaten, Postkarten und 
einigen zum Teil recht geschmackvollen Einbänden 
gefüllt, Brunner & Co. in Zürich und Como zeigen 
schöne Reproduktionen und zahllose Postkarten, 
Lorilleux & Co. in Paris Proben von Farben. Künst¬ 
lerisch anregend ist die Societä „Novissima “ in Rom, 
ein künstlerisch-literarisches Jahrbuch, das seine 
verschiedenen Jahrgänge und den Buchschmuck dar¬ 
aus, auch die Originale, vorführt. Es ist dies ein 


verdienstliches modernes Unternehmen, das wohl in 
ähnlicher Weise die jüngeren künstlerischen Kräfte in 
Italien sammeln möchte, wie bei uns die „Jugend“. 
Sehr amüsant und fesselnd ist endlich die Ausstellung 
des Mailänder Musikverlegers A. Puccio , der seine 
Verlags werke durchweg von Antonio Rubino in einer 
etwas grotesken, aber höchst originellen Manier außen 
und innen mit Schmuck und Illustrationen versehen 
läßt. Von dem eigenartigen phantastischen Künstler, 
den ich zufällig kennen lernte, wird man vielleicht 
noch mehr hören. 

In der englischen Abteilung der Arte decorativa ist 
eine ganze Längswand mit einer graphischen Kollek¬ 
tion gefüllt, die aus Originalzeichnungen, Radierungen, 
Holzschnitten und Lithographien bedeutender Meister 
besteht, aber gar nicht zur Geltung kommt, weil sie 
völlig unscheinbar hinter Verkaufsständen billiger 
Kleinigkeiten, „Souvenirs“ usw., versteckt ist. Und 
doch bietet sie außerordentlich gute Blätter von C. 
H. Shannon, Sidney Lee, A. W. Seaby, Buchillustra¬ 
tionen von Lucien Pissarro, Radierungen von Pennell 
(seine bekannten feinen Städteansichten), Zeichnungen 
von E. J. Sullivan, Annie French, Holzschnitte von 
C. Ricketts u. a. m. Hier hat auch Jos. Zaehnsdorf- 
London einige gute Einbände ausgestellt, und Cedric 
Chivers in Bath seine „Vellucent“ benannten Bände 
mit bunter Bemalung auf durchscheinendem Perga¬ 
ment, dabei wiedersehr reizvolle Sachen, teilweise mit 
Einlagen von Perlmutter u. dgl. Auch Forward & Son 
in London zeigen geschmackvolle Einbände, besonders 
von Gebetbüchern. 

Die Schweiz bietet eine Kollektivausstellung der 
Schweizer graphischen Künste, veranstaltet vom Ver¬ 
ein schweizerischer Lithographie-Besitzer. Dieselbe 
beruht wohl lediglich auf der naheliegenden geschäft¬ 
lichen Beziehung zu Mailand, und hat keine selb¬ 
ständige technisch-künstlerische Bedeutung. Meyer¬ 
hofer Fries & Co. in Winterthur haben vorwiegend 
merkantile Arbeiten ausgestellt, ebenso Hofer & Co. 
in Zürich; Frey & Söhne und das Polygraphische Institut 
in Zürich bringen auch gute Chromolithographien, doch 
ohne künstlerischen Wert, wie leider so vieles in 
dieser Branche. Von Feh &Sohn in Zürich sieht man 
treffliche Kupferdrucke, besonders interessante Ra¬ 
dierungen des ausgezeichneten Schweizer Künstlers 
A. Welti, sowie Heliogravüren. In guter und umfang¬ 
reicher Weise ist die Kartographie durch J . Schlumpf- 
Winterthur und Kümmerly & Frey- Bern vertreten, 
H. Guggenheim & Co. -Zürich zeigen Ansichtspost¬ 
karten, Emil HTrz-Aarau seinen harmlosen kleinen 
Verlag, und Klausfelder in Vevey charakteristische 
Schweizer Schokolade-Packungen usw. 

In der japanischen Abteilung sieht man einige 
Farbenholzschnitte, leider entpuppen sie sich aber 
als billige Massenware, namentlich mit Szenen aus 
dem russischen Krieg. In der stolzen ungarischen 

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Gruppe ist die Klasse für Kupferstich und Holzschnitt 
der Budapester Kunstgewerbeschule für den „Buch- 
gewerbler“ allenfalls interessant, ohne doch Beson¬ 
deres zu bieten. Die Belgier haben ein buchgewerb¬ 
liches Zimmer im Erdgeschoß des geschmackvollen 
belgischen Renaissance-Hauses eingerichtet, es 
war aber leider noch recht unfertig. Es enthält ein 
ziemliches Durcheinander von Büchern in Glas¬ 
kästen, Druckproben, photomechanischen Wieder¬ 
gaben, Schriften und Einbänden, letztere sehr gut von 
Claessens & Fils in Brüssel und van Campenhout 
Freres & Soeur. 

Frankreich endlich, das auf der „Piazza d’armi“ 
ein eignes großes Gebäude für seine dekorativen 
Künste errichtet hat, zeigt darin auch eine stattliche 
buchgewerbliche Kollektivausstellung , die, soweit der 
Verlag in Betracht kommt, wiederum vom Cercle de 
la librairie in Paris in bekannter sorgfältiger Weise 
arrangiert wurde. Es ist das eine reine Verlegeraus¬ 
stellung, genau wie in St. Louis; die Bücher sind in 
verschlossenen Glaskästen und Glasschränken, die 
Tafeln und Kunstblätter in Rahmen einheitlich unter¬ 
gebracht. Alle hervorragenden Firmen sind wieder 
zur Stelle, ich nenne nur Laurens , Masson & Co ., 
Biranger, Firmin-Didot, Pion , Colin, Alcan , Le Sou- 
dier , Carteret & Co. und viele andre und es ist über¬ 
flüssig, den verlegerischen Wert von deren Erzeug¬ 
nissen zu betonen. Die Ausstattung ist im ganzen 
sorgfältig, doch nicht gerade bahnbrechend, und auch 
diesmal hatte man die meisten Bücher nicht einmal 
eingebunden. Eine kleine Kollektivausstellung von 
Einbänden war sehr mäßig; daneben stand eine sehr 
vollzählige Gruppe von Adreßbüchern. Der Musik¬ 
verlag ist durch Grus, Enoch , Durand & Fils und 
Heugel & Co. gut vertreten und zeichnet sich durch 
hübsche flotte Titelblätter aus; Forest- Paris zeigt 
Globen und Landkarten. Verstreut finden sich dann 
noch Ätzungen und Galvanos von V. Michel-Paris und 
technische Holzschnitte von Poyet- Paris, während 
Dubouloz- Paris seinen „Lichtdruck für jedermann“, 
ein bescheidenes Dilettantenverfahren, vorführt. Die 


Gruppe der technischen Verfahren wird sodann in 
vornehmster Weise eröffnet durch die Ausstellung 
der Imprimerie Nationale , die wie in St. Louis nament¬ 
lich mit fremdsprachigen Drucken und prachtvollen 
Reproduktionen glänzt. Im sonstigen Buchdruck 
überwiegen bezeichnender Weise die Dreifarben¬ 
drucke, in der Lithographie das Merkantile. Proben 
eigentlicher künstlerischer Buchausstattung sind hier 
kaum zu sehen. Die künstlerische Anregung der 
Gruppe ist gleich Null, und jedenfalls ist in der neben¬ 
liegenden Abteilung für Kostüme eine weit frucht¬ 
barere Phantasie tätig gewesen, selbst wenn wir uns 
dort auf die Spezialgruppe der bunten Westen be¬ 
schränken wollten, von den Damenkleidern ganz zu 
schweigen. — Wieder an andrer Stelle des Ge¬ 
bäudes findet man dann eine nicht unbedeutende 
photographische Abteilung , die größtenteils aus ge¬ 
werbsmäßigen Photographen besteht, und zum Bei¬ 
spiel auch die Röntgenphotographie sowie einige Re¬ 
produktionsanstalten umfaßt. Die Kunstphotographie 
wird geschlossen durch zwei Vereine repräsentiert, 
den Photo-Club de Paris und die Sociiti frangaise de 
Photographie , die beide sehr hübsche Leistungen 
aufzuweisen haben. 

Dieser flüchtige Überblick mag zeigen, daß die 
Mailänder Ausstellung auf dem Gebiete des Buch¬ 
gewerbes mancherlei Interessantes, aber nicht wirk¬ 
lich Abgeschlossenes enthält, wofür die Ursachen 
oben dargelegt wurden. Erfreulich und lehrreich 
war mir noch ein Besuch der Offizin von E. Sonzogno , 
wo naturgemäß der Zeitungsdruck die Hauptrolle 
spielt, und die Besichtigung der „ Scuola del libro *, 
wo buchgewerbliche Gehilfen in Satz und Druck, 
Photomechanik und Buchbinderei in Abendkursen 
fortgebildet werden. Weitaus das Schönste und An¬ 
regendste aber, schöner und anregender als Aus¬ 
stellung und Verlegerkongreß zusammen (die inter¬ 
nationalen Kollegen mögen es mir verzeihen!), war 
freilich eine anschließende Reise zur See von Genua 
über Neapel nach Sizilien; doch das gehört nicht 
mehr hierher! 


Dr. E. Alberts Ätzstriegel 

Von Prof. Dr. G. AAR LAND, Leipzig. 


D R. E. ALBERT, dem wir so manche wichtige 
I Neuheit auf graphischem Gebiete verdanken, 
ist mit einer weiteren Erfindung vor die 
Öffentlichkeit getreten. 

Es handelt sich um einen kleinen Apparat, der das 
Ätzen in Zink erleichtern und vereinfachen soll. Das 
bisherige Ätzverfahren mit Salpetersäure läßt Ver¬ 
schiedenes zu wünschen übrig. Erstens sind die 
Säuredämpfe für den Arbeiter lästig und auf die 
Dauer gesundheitsschädlich und dann erfordert die 


Platte häufigeres Abdecken und Einwalzen, um die 
richtige Bildwirkung und genügende Tiefe zu erzielen. 
Trotz alledem entspricht die fertige Ätzung häufig 
nicht den Erwartungen. Es kommen Ungleichmäßig¬ 
keit der Druckelemente, Unterätzungen u. dgl. vor. 
Das hat seinen Grund in dem ungenügenden Schau¬ 
keln und Pinseln. Das sich bildende Oxyd wird durch 
diese Handgriffe nicht ordentlich aus allen Vertie¬ 
fungen herausgenommen, und das ganze Ätzver¬ 
fahren beansprucht überhaupt zu viel Zeit. 


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Man war deshalb schon seit Jahren bemüht, die 
Handarbeit durch Maschinenbetrieb zu ersetzen. Die 
erste Ätzmaschine baute Levy, der später die von 
Axel-Holmström folgte. 

Bei beiden Apparaten wird die Säure in fein ver¬ 
teiltem Zustande gegen die zu ätzende Platte ge¬ 
schleudert, die sich außerhalb der Ätzflüssigkeit be¬ 
findet. 

Aber trotz der Verbesserungen, die an diesen 
Maschinen vorgenommen wurden, fanden sie nicht 
den erwarteten Eingang in die Praxis. Der Grund 
hierfür wird wohl zunächst in den hohen Anschaffungs¬ 
und Betriebskosten zu suchen sein. 

Dr. Albert kommt mit viel einfacheren Hilfsmitteln 
zu dem erwünschten Ziele. Er geht von dem rich¬ 
tigen Gedanken aus, „daß die Ätzung um so schneller 
und glatter ver- 
läuft, je mehr 

Säureelemente in ^ “" “ i i" I~P _ | |“ |“ 
derZeiteinheit die N llillll 

zu ätzende Fläche '"" 1111 

berühren“. Um Abbiu 

dies zu erreichen, baute er einen Apparat, der Ähn¬ 
lichkeit mit einem Striegel hat, und dem er deshalb 
den Namen „Ätzstriegel“ gab. 

In der vorstehenden Abbildung 1 ist ein solcher 
Ätzstriegel in einfachster Form in der Seitenansicht 
dargestellt. 

Die gestrichelten Linien bedeuten die Ätzwanne 
und die Flüssigkeitshöhe. A—B ist die zu ätzende 
Platte. Der eigentliche Apparat ist durch die schraf¬ 
fierte Zeichnung wiedergegeben. Er wird auf die Ätz¬ 
wanne aufgesetzt und kann, auf vier Rollen laufend, 
abwechselnd nach den Richtungen m und n bewegt 
werden. Die senkrecht stehenden Wände 
verursachen dabei eine wellenförmige 
Bewegung der Ätzflüssigkeit. Das Pinseln 
und Schaukeln fällt fort. 

Der Apparat wird vorteilhaft mittels 
Vorgelege und Kurbel betrieben, und hat 


des Apparates erforderliche Kraft ist ganz gering. In 
den beigegebenen Abbildungen 2 und 3 ist der Ätz¬ 
striegelapparat in geschlossenem und geöffnetem 
Zustande wiedergegeben. 

Wenn schon aus diesen Abbildungen die Einfach¬ 
heit des Apparates hervorgeht, so daß eine besondere 
Gebrauchsanweisung überflüssig erscheint, so sollen 
doch einige kurze Erläuterungen über seine Hand¬ 
habung, Leistungsfähigkeit und Bedeutung gegeben 
werden. 

Die Ätzwanne hat eine Bodenfläche von 50x80 cm. 
Die Ätzflüssigkeit besteht aus 6 Liter Wasser, 400 
bis 500 ccm Salpetersäure und etwa 50 g „Ätzpulver“. 

Nach Alberts Erfahrungen spielt die atmosphärische 
Luft bei der Oxydbildung eine wichtige Rolle. Das 
Ätzpulver hat den Zweck, der zu ätzenden, am Boden 

liegenden Platte 
d> e erforderliche 




Abbildung 2 



^ die erforderliche 
\ "1 f f "O “ " J ’ Luft zuzuführen. 

t / „Es erfüllt bei Be- 
^ » ' wegung des Ätz- 

mg i Striegels die Ätz¬ 

flüssigkeit mit Millionen von Luftbläschen , so daß 
jeder Teil des Klischees immer gleichzeitig mit einem 
Säureelement und mit Luft in Berührung ist.“ 

Dabei bildet sich auf der Oberfläche ein außer¬ 
ordentlich günstig wirkender Schaum, der die Säure¬ 
dämpfe zurückhält und den Arbeiter davor schützt. 
Eine besondere Lüftungsanlage wird damit hinfällig. 
Über die Zusammensetzung des Ätzpulvers kann 
später vielleicht Mitteilung gemacht werden. 

Die zu ätzenden Platten werden, wie üblich, in die 
Ätzwanne gelegt, und zwar soviel, daß sie der Größe 
des Ätzstriegels entsprechen. Sache des verständ¬ 
nisvollen Ätzers ist es, die zur Ätzung übergebenen 
Platten richtig zu beurteilen. So wird er beispiels¬ 
weise ein härteres, kontrastreicheres Bild bekommen, 
wenn er ohne Unterbrechung fertig ätzt, als 
wenn er die Platte herausnimmt, abbraust, ab¬ 
wischt und dann weiter ätzt. Er entfernt 
dadurch das Oxyd aus den Tiefen und das 
Bild fällt weicher aus. 

Ferner ist die Schnelligkeit der Bewe¬ 
gung von Einfluß auf die Beschaffenheit 
der Ätzung. Aus diesem Grunde ist es 
auch nicht angebracht, die Bewegung durch 
Maschinenkraft hervorzubringen. 

Die Ätzdauer beträgt bei einer normalen 
Zinkautotypie etwa eine Minute. Ungefähr 
2000 Quadratzentimeter Klischees können 
gleichzeitig geätzt werden. 

Aber nicht allein in der wesentlichen 


Abkürzung des Ätzens liegt der Vorteil des 
es der Ätzer ganz in der Hand, durch die Schnellig- Albertschen Apparates, sondern auch in der vorzüg- 
keit der Umdrehung den Ätzungsvorgang zu verlang- liehen Beschaffenheit der Ätzungen selbst, 
samen bzw. zu beschleunigen. Die zur Bewegung Die wellenförmige Bewegung der Säure macht s ich 


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naturgemäß in den kleinen, engen Vertiefungen 
weniger bemerklich als bei größeren Flächen, aus 
denen das sich bildende Oxyd leichter und schneller 
entfernt wird. Die Tiefen des Bildes werden durch 
das vorhandene Oxyd vor der Einwirkung der Ätz¬ 
flüssigkeit geschützt, während die Punkte der Lichter 
schnell spitz und gleichzeitig genügend tief geätzt 
werden. 

Der Ätzvorgang gestaltet sich also schneller, da 
Tiefätzen, Effektätzen und sonstige Nebenarbeiten 
fortfallen. 

Weiter ist bemerkenswert die mittels des Ätz¬ 
striegels erzielte Gleichmäßigkeit und Glattheit. Die 
Punkte sind, wie es sein muß, kegelförmig geätzt, 
glatt und innerhalb einesTonwertes gleichmäßig groß, 
wodurch erhöhte Druckfähigkeit erreicht wird. Eine 
gute autotypische Übertragung auf Zink kann dem¬ 
nach in der kurzen Zeit von 1 bis 2 Minuten etwa 


ohne weiteres fertiggeätzt werden, wie zahlreiche 
Ätzungen von Dr.E. Albert&Co.,J.Hamböck,Meisen¬ 
bach, Riflfarth & Co. in München und Ullstein & Co. 
in Berlin beweisen. Alle diese Ätzungen sind von 
ruhiger Wirkung mit gut wiedergegebenen Licht- und 
Schattenpartien und legen das beste Zeugnis für die 
Leistungsfähigkeit des Apparates ab. Die Kupfer¬ 
ätzung wird durch diese neue Erfindung wohl etwas 
beiseite gedrängt werden. 

Der Albertsche Ätzstriegel ist demnach ein wert¬ 
voller Hilfsapparat bei der Herstellung von Zinkauto¬ 
typien. Kommt es doch heutzutage darauf an, 
„schnell, gut und billig“ zu liefern, eine Tatsache, 
die im Widerspruche steht mit dem stetigen Steigen 
der Preise für alle Bedarfsgegenstände und für Löhne 
in dem graphischen Betriebe. Der Albertsche Ätz¬ 
striegel ist berufen, auch bei diesem Mißverhältnis 
ausgleichend zu wirken! 


Buchgewerbliche Rundschau. 


Buchdruck. 

Das Psalterium von 1459, für welches die Gefahr 
bestand, daß es an einen ausländischen Sammler verkauft 
werde, ist nun doch Deutschland erhalten geblieben. Das 
für 80000 M. angekaufte Exemplar wird der Kgl. Bibliothek 
in Berlin einverleibt werden. Von dem von Fust und 
Schöffer gedruckten Werk besitzt auch die Mainzer Stadt¬ 
bibliothek ein prachtvolles Pergamentexemplar, das in den 
Räumen des Gutenbergmuseums ausgelegt ist. 

Deutscher Buchdruckerverein. Am 18.Juni 1906fandin 
München unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden 
Herrn Max Hesse aus Leipzig die Hauptversammlung des 
Deutschen Buchdruckervereins statt. Ihr wohnte als Ver¬ 
treter der Regierung Herr Regierungsassessor Dr. Schmidt 
bei, der die Versammlung im Namen desStaatsministeriums 
begrüßte und den Wunsch aussprach, daß die zu fassenden 
Beschlüsse der Zukunft des deutschen Buchdruckgewerbes 
zum Segen gereichen mögen. Der Geschäftsbericht stellte 
das erfreuliche Wachstum des Buchdruckervereins fest, 
dem jetzt 3473 Mitglieder angehören, die 3345 Firmen mit 
rund 39000 Gehilfen vertreten. Das Vereinsvermögen be¬ 
trug am Jahresanfang M. 15801.45, die Einnahmen beziffer¬ 
ten sich auf M. 41032.—, die Ausgaben auf M. 34072.26, so 
daß ein Überschuß von M. 6959.74 verblieb, durch den sich 
das Vermögen auf M. 22761.19 erhöht hat. Die Unterstüt¬ 
zungskassen vereinnahmten M. 168777.47 und verausgabten 
M. 163322.76, so daß ein Überschuß von M. 5455.71 erzielt 
wurde. Das Gesamtvermögen der Unterstützungskasse be¬ 
trägt M. 650244.04. Der Geschäftsbericht, der außer der 
Rechnungsablage noch wirtschaftliche Angelegenheiten 
behandelte, und die Voranschläge wurden genehmigt, so¬ 
wie verschiedene vorgeschlagene Abänderungen der Sat¬ 
zungen ohne jede Debatte angenommen. Die erforderlichen 
Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebnis: als erster Vor¬ 
sitzender an Stelle des krankheitshalber ausscheidenden 
Herrn Hofrat Dr. Joh. Baensch-Drugulin Herr Max Hesse 
in Leipzig , als erster Stellvertreter des Vorsitzenden Herr 


Julius Mäser in Leipzig, als zweiter Stellvertreter des Vor¬ 
sitzenden Herr Kommerzienrat Hans Oldenbourg in Mün¬ 
chen, als zweiter Stellvertreter für den Rechnungsführer 
Herr Eugen Mahlau in Frankfurt a. M. Auf Vorschlag des 
Vorstandes wurde nun in die Beratung über die bevor¬ 
stehende Tarifrevision eingetreten, wozu Herr Kommer¬ 
zienrat Büxenstein die Berichterstattung übernommen 
hatte. Die von vormittags 11 Uhr bis abends 7 Uhr sich 
erstreckenden Verhandlungen waren streng vertraulicher 
Natur. DerTeilung des Kreises IV (Südwest) in einen Kreis 
IVa und IVb stimmte die Versammlung ohne Debatte zu. 
Die Punkte: Stellungnahme zu dem Druckereigründungs¬ 
wesen (Berichterstatter Herr Kommerzienrat Oldenbourg- 
München), die Konkurrenz der Gefängnisdruckereien in 
Preußen (Herr Max Hesse-Leipzig) und die Feuerversiche¬ 
rungs-Genossenschaft Deutscher Buchdrucker (Herr Her- 
berger-Schwerin) mußten wegen der vorgeschrittenen Zeit 
von der Tagesordnung abgesetzt werden. Es sollen nun die 
beiden erstgenannten Berichte dem in Broschürenform 
erscheinenden Jahresbericht beigegeben werden. Auf 
ein Gesuch des Deutschen Faktorenbundes um Förderung 
der von ihm begründeten Unterstützungs- und Alterver¬ 
sorgungskassen wird auf Vorschlag des Vorstandes be¬ 
schlossen, den Vereinsmitgliedern zu empfehlen, der Fak¬ 
torenunterstützungskasse für das Jahr und für jeden Faktor 
eines Geschäftes den Betrag von M. 12.— zuzuführen. Die 
Bestimmung des Ortes der nächstjährigen Hauptversamm¬ 
lung wird dem Vorstand übertragen. 

Die Gutenberg-Gesellschaft in Mainz hielt am 
24. Juni 1906 im Stadthause zu Mainz unter dem Vorsitze 
des Oberbürgermeisters Dr. Göttelmann ihre fünfte ordent¬ 
liche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende gedachte, 
nach Begrüßung der Erschienenen, des Todes des Ober¬ 
bürgermeisters Dr. Gassner, dessen hervorragende Wirk¬ 
samkeit an den Bestrebungen der Gutenberg-Gesellschaft 
er besonders betonte. Die Anwesenden erhoben sich 
zum ehrenden Angedenken des Verstorbenen von ihren 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Plätzen. Hierauf erstattete Herr Justizrat Oppenheim den 
Geschäftsbericht, in dem er ebenfalls der Verdienste des 
Oberbürgermeisters Dr. Gassner gedachte. Die Gesell¬ 
schaft dürfe auf ihre bisherigen Veröffentlichungen mit Be¬ 
friedigung blicken, zumal durch diese die Erforschung der 
Anfänge des Buchdrucks wesentlich gefördert worden sei. 
Die diesjährige Veröffentlichung werde mannigfaltigen In¬ 
halts sein und den verschiedenen Interessen der Mitglieder 
Rechnung tragen, sowohl nach der technisch-ästhetischen, 
wie nach der kulturhistorischen Seite. Das Abbildungs¬ 
material werde ein besonders reichhaltiges sein. Herr Karl 
Scholz erstattete dann Rechnungsablegung, nach der sich 
das Vermögen der Gesellschaft auf M. 15300.— beläuft. 
An Mitgliedsbeiträgen gingen M. 7000.— ein, die Über¬ 
weisung an das Gutenbergmuseum betrug M. 200.—. Die 
Mitgliederzahl beträgt 671, darunter 29 Stifter, die einen 
einmaligen Beitrag von M. 300.— gezahlt haben. Nach Er¬ 
ledigung des geschäftlichen Teils hielt Herr Dr. Zedier aus 
Wiesbaden einen sehr interessanten Vortrag über den Guß 
der ersten Schriften Gutenbergs, auf den wir noch zurück¬ 
zukommen gedenken. Zum Schluß der Versammlung 
berichtete Herr Professor Dr. Velke in Mainz noch über das 
Gutenbergmuseum, das im letzten Jahre durch wertvolle 
Stiftungen einen reichen Zuwachs gehabt habe, ferner 
auch gut besucht worden sei. 

Verschiedene Reinigungsmittel. Zum Reinigen von 
Messingteilen an Maschinen empfehle ich die Anwendung 
von Salmiakgeist, mit dem mittels eines wollenen Tuches 
die betreffenden Teile tüchtig abgerieben werden. Die Mes¬ 
singteile werden viel länger glänzend bleiben als bei Ver¬ 
wendung von Putzextrakt. — Sehr oft bilden Fettflecke im 
Papier ein großes Ärgernis und es werden alle möglichen 
Mittel versucht, die aber keinen Erfolg haben. Ein ziem¬ 
lich einfaches Mittel ist folgendes: Man reibe mit zu feinem 
Pulver verkleinerter Weizenstärke, die mit Benzin zu einem 
krümlichen Teig gemacht wird, den Fleck, der in verhält¬ 
nismäßig kurzer Zeit verschwinden wird. Die Masse muß 
aber völlig trocken und nicht breiig sein, sonst bilden 
sich am Fleck Ränder, wie solche bei Verwendung von 
Benzin als Reinigungsmittel stets entstehen. Tintenflecke 
lassen sich aus Papier sehr leicht mit Eau de Javelle ent¬ 
fernen. W—r. 

Schriftgießerei. 

Schriftprobenschau. Der Wettlauf, den die deut¬ 
schen Schriftgießereien in den letzten zwei Jahren bei 
der Schaffung von Schriften, insbesondere aber von Zier- 
material in Biedermeier- und Empirestil unternahmen, 
scheint ein jähes Ende gefunden zu haben, denn, wenn 
nicht alle Anzeichen trügen, dürfte der Zeitpunkt gekom¬ 
men sein, wo sich die Schriftgießereien nach einem neuen 
„Stil“ für Neuheiten umsehen. Sehr erfreulich ist diese 
Aussicht nun allerdings nicht, denn der Buchdrucker ist 
meistens mit dem guten Material der letzten Jahre reichlich 
versehen und nun soll schon wieder ein neuer Stil kommen, 
der ihm neue Opfer auferlegt. Außerdem haben die letzten 
Jahre in künstlerischer Hinsicht immerhin das Gute ge¬ 
habt, daß sie eine vollständige Beseitigung des sogenann¬ 
ten Jugendstils herbeiführten und strengere Ornament¬ 
formen brachten, die nun vielleicht wieder weichlichem 
Platz machen müssen. 

Die in Biedermeier- und Empirestil hergestellten Druck¬ 
sachen trugen zum großen Teil auch ein besseres Gepräge 


als die Arbeiten der vorangegangenen Zeit; sie ließen weiter¬ 
hin erkennen, daß das zu deren Satz geschaffene Material 
in den meisten Fällen mit wesentlich künstlerischem Ver¬ 
ständnis hergestellt wurde als dasjenige im „Jugendstil“. 
Die alte Erfahrung, daß die zeichnerische Betätigung in 
einem der sogenannten historischen Stile weit schwieriger 
ist, als das Entwerfen stilloser Liniengebilde ist bei der 
voraussichtlich bald zu Ende gehenden Empiremode wieder 
einmal zur Wahrheit geworden. Ja, es hat fast den An¬ 
schein, als ob die Schriftgießereien jetzt schon Ornament¬ 
formen zustrebten, deren Einreihung in einen bestimmten 
Stil unmöglich sein wird. Zu befürchten ist dabei aber, 
daß an Stelle des für typographische Zwecke allein geeig¬ 
neten und auch richtigen flächigen Ziermaterials wieder 
solches treten wird, das sich durch die den älteren Re¬ 
naissance-Einfassungen eigenen Schattierungen des Blatt¬ 
werks usw. auszeichnen, also plastische Formen bringen 
wird, daher zu der flächigen Schrift in Gegensatz steht und 
nicht zu ihr paßt. Inwieweit meine Befürchtungen begrün¬ 
det sind, das wird die Zeit lehren. Einige der mir vor¬ 
liegenden neuen ornamentalen Erzeugnisse werden zwar 
von dem vorstehenden Schlußsatz noch nicht getroffen, 
aber ihr Erscheinen dürfte das vorher Gesagte bestätigen. 

Die Firmen H. Berthold , Messinglinienfabrik und Schrift¬ 
gießerei Akt.-Ges. in Berlin und Bauer & Co. in Stuttgart 
veröffentlichen unter dem Namen Corinna- und Anker-Serie 
ein Schrift- und Ziermaterial, das ebensogut unter die 
Bezeichnung „moderne Renaissance“ eingereiht werden 
könnte. Der Zeichner Hans Anker-Berlin hat eine große 
Zahl von Zierstücken geschaffen, bei denen die im Empire¬ 
stil vorkommenden antiken Motive zu wirkungsvollen 
Flachornamenten verarbeitet sind. Ein gut gegliedertes 
Material für Festons, Gehänge, Fruchtrahmen usw. bildet 
den Hauptteil der Ankerserie, während die zum Teil sehr 
geschmackvollen linearen Motive in vielseitigster Weise 
zur Rahmenbildung verwendet werden können. Die Anker¬ 
serie bringt auch eine Anzahl Medaillons von sehr guter 
Schwarz-Weiß-Wirkung und spezifisch antikem Gepräge. 
Die Schrift Corinna ist eine „elegante“ Antiqua, die klare 
Formen hat und technisch sehr gut durchgearbeitet ist. 
Sie paßt sich dem Ziermaterial ausgezeichnet an und 
bringt so den Beweis, daß sie als Akzidenz- und Werkschrift 
verwendbar ist. Das Probeheft verdientob seiner sauberen 
Ausführung und guten Ausstattung noch ein besonderes 
Wort der Anerkennung. 

Von der Schriftgießerei Julius Klinkhardt in Leipzig liegt 
ein umfangreiches und sehr beachtenswertes Heft vor, 
das den Titel führt: „Der Schriftgießer. Mitteilungen und 
Neuheiten für das graphische Gewerbe“. Die Firma beab¬ 
sichtigt in der von ihr gewählten Form ihre Neuheiten in 
geschlossenerer Weise als bisher sowohl ihren ständigen 
Kunden wie auch der Fachwelt überhaupt vorzuführen und 
zugleich erläuternde Bemerkungen zu den einzelnen Er¬ 
zeugnissen zu geben. Der textliche Inhalt des Heftes ist 
sehr reich, er bezieht sich hauptsächlich auf diejenigen 
Neuheiten, welche auf den einzelnen Blättern vorgeführt 
werden. Unter den Schriften ist besonders bemerkenswert 
die von dem Kunstmaler Richard Grimm-Leipzig ent¬ 
worfene Buchschrift Saxonia, von der zunächst nur einige 
Brotschriften vorliegen, zu denen die Saxonia-Initialen, so¬ 
wie die Saxonia - Ornamente eine gute Ergänzung bilden. 
Auf Einzelheiten soll eingegangen werden, wenn alle 

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Garnituren der Saxonia-Schrift vorliegen. Mehrere Sezes¬ 
sionsschriften, Zierat in Biedermeier- und Empirestil, eine 
Weinreben-Einfassung, verschiedene Reklameschriften, 
Vignetten aller Art, sowie Zeitungsmaterial bilden den 
übrigen Inhalt des gut ausgestatteten Probeheftes, das in 
seiner Gesamtform wohl allen Buchdruckern sehr will¬ 
kommen sein dürfte. 

Von der Schriftgießerei Benjamin Krebs Nachfolger in 
Frankfurt a. M. ist Heft 2 der von ihr herausgegebenen 
Typographischen Rundschau eingegangen, das auf sechs 
Seiten verschiedene Aufsätze bringt, die für die Fachwelt 
von Interesse sind. Die weiteren 18 Seiten des Heftes ent¬ 
halten Proben von neueren Erzeugnissen der Firma, die 
zum größeren Teile in dem Archiv für Buchgewerbe schon 
Besprechung gefunden haben. Die Buchschrift Rediviva, 
eine neue Buchschrift, gehört zu den neuzeitlichen Fraktur¬ 
schnitten, sie neigt aber stark zur Schwabacher und ist von 
einem verschnörkelten Zug nicht ganz frei. Die auf der 
Schlußseite des Heftes vorgeführten Inserateinfassungen 
erscheinen ihrer Form nach um etwa 20 Jahre zu spät, so 
daß mir deren Veröffentlichung jetzt nicht recht verständ¬ 
lich erscheint. 

Die Schriftgießerei A. Numrich & Co. in Leipzig begibt 
sich mit der von ihr geschaffenen Florentinereinfassung 
auf das Gebiet des klassischen Ornamentmaterials. Die 
aus einer größeren Anzahl leistenförmiger Stücke, sowie 
dazu passender Ecken, Füllungen usw. bestehende Ein¬ 
fassung macht keinen schlechten Eindruck. Die Wirkung 
der für größere Formate besonders geeigneten Einfassung 
ist auch bei einfarbigem Druck eine dekorative. Die 
von derselben Firma geschaffene moderne enge fette Zei¬ 
tungskursiv wird sich im Anzeigensatz als wirksame Re¬ 
klameschrift bewähren, obgleich der etwas zur reinen An¬ 
tiqua neigende Schnitt die Schrift nicht sehr neuzeitlich 
erscheinen läßt. 

Die Schriftgießerei A. Numrich & Co. in Leipzig ist mit 
ihrer Leipziger Fraktur in den Wettbewerb mit denjenigen 
Firmen getreten, die sich die Schaffung deutlicher und gut 
lesbarer Frakturschriften angelegen sein lassen. Das ist 
sehr erfreulich, erfreulicher aber noch, daß die Leipziger 
Fraktur eine klare, deutliche Schrift ist, die im Bilde groß, 
in der Zeichnung kräftig gehalten ist, aller überflüssigen 
Schnörkel entbehrt und ein ruhiges geschlossenes Bild er¬ 
gibt, alles Eigenschaften, die es mir leicht machen, dem 
gutgeschnittenen Erzeugnis Lob zu spenden und solches 
der Beachtung zu empfehlen. Neben einer Halbfetten sind 
auch passende Initialen für ein- und zweifarbigen Druck 
vorhanden. 

Die Schriftgießerei J. G. Scheiter & Giesecke in Leipzig hat 
die ersten Proben ihrer Scheiter-Antiqua Nr. 24 gesandt, 
deren Formen von denjenigen der gewöhnlichen Antiqua 
ganz erheblich abweichen. Es tritt mehr die geschriebene, 
als die konstruierte oder gemeißelte Buchstabenform in 
Erscheinung. Dadurch erhält die Schrift ein eigenarti¬ 
ges Gepräge. Der runde Eindruck der Schrift ist ange¬ 
nehm, das erzielte Satzbild nicht nur deutlich, sondern auch 
von bester dekorativer Wirkung. Nach der Vorprobe zu 
urteilen, wird zu der Schrift noch eine passende Kursiv 
erscheinen. Mit der Schelter-Antiqua, die nach Erscheinen 
der Hauptprobe eingehend gewürdigt werden soll, ist der 
typographische Schriftsatz um ein wertvolles Erzeugnis 
vermehrt worden, auf das ich die Buchdrucker jetzt schon 


aufmerksam machen möchte. Von der Reklameschrift 
Radium liegt ein umfangreiches Anwendungsheft vor, 
in dem dieses in dem Archiv für Buchgewerbe schon be¬ 
sprochene Erzeugnis in vielseitigster Anwendung vor¬ 
geführt wird. Über die Wallenstein und Lichte Wallenstein 
habe ich schon vor längerer Zeit berichtet. 

Wilhelm Woellmers Schriftgießerei in Berlin gibt in einem 
Sonderheft zahlreiche Proben ihrer Konsulkursiv, einer 
sehr verwendbaren Zirkularschrift in magerem Grotesk¬ 
charakter, die eine Ergänzung zu der längst vorhandenen 
geradestehenden Schrift gleichen Namens ist. In einem 
zweiten Hefte sind die unter dem Namen Kolonial bekann¬ 
ten Schriftgarnituren amerikanischen Ursprungs vereinigt. 
Ein drittes und viertes Heft bringen Anwendungen der 
Engen Marschall und Goethe-Fraktur. Ich gehe auf die 
letztgenannten drei Schriften nicht näher ein, weil ich sie 
schon einmal an dieser Stelle eingehend behandelt, und 
dann auch noch öfters erwähnt habe. Chronos. 

Maschinensatz. 

Lanston- Monotype. Die Reichsdruckerei in Berlin, 
in der unsers Wissens bis jetzt nur eine Linotype in Be¬ 
trieb war, hat nun auch Buchstaben-Gieß- und -Setz¬ 
maschinen angeschafft und zwar drei Monotype-Setz- und 
zwei Monotype-Gießmaschinen. 

Einführung der Setzmaschinen in Deutschland. 
Ein Bild über die Zahl der in Deutschland aufgestellten 
Setzmaschinen gibt eine Ende 1905 von der Zentralkom¬ 
mission der Maschinensetzer aufgenommene Statistik. 
In dem ersten Jahrzehnt, das seit Erscheinen der Setz¬ 
maschinen in Deutschland verflossen ist, haben diese fol¬ 
gende Verbreitung gefunden: Linotype 786, Typograph 439, 
Monoline 136. Eine im Jahre 1903 aufgenommene Statistik 
verzeichnete an Setzmaschinen: Linotype 583, Typo¬ 
graph 352 und Monoline 80. Die Zunahme beträgt sohin 
in zwei Jahren nach vorstehender Reihenfolge 203, 87 und 
56 Maschinen. Die Buchstaben-Setz- und -Gießmaschine 
war Ende 1905 in 35 Setz- (Tastmaschinen) und 25 Gie߬ 
maschinen verbreitet. Insgesamt arbeiteten also Ende 1905 
im Deutschen Reiche in 660 Betrieben 1361 Zeilengie߬ 
maschinen^ Monotype-Gießmaschinen und 38 Monotype- 
Setzmaschinen (Perforierapparate). An den Maschinen 
waren 2069 Setzer beschäfttigt, eine Zahl, die inzwischen 
weit überschritten sein dürfte. S. 

Spießen der Matrize. Über das Spießen der Matrizen 
an der Linotype wurden schon verschiedene Klagen laut, 
auf die dann die Ursachen in der Fachpresse besprochen 
und Ratschläge zur Abhilfe gegeben wurden. Eine bedeut¬ 
same Ursache zur Erzeugung von Spießen mag sein, daß 
die Innenfläche der Auschließbacken durch irgend einen 
zufälligen Umstand im Schraubstock konisch, also nach 
der Gußform zu etwas weiter als hinten geworden sind. 
Es wird nun zwischen der ersten und letzten Matrize und 
der Backenfläche ein kleiner freier Raum entstehen, in den 
beim Guß jeder Zeile das Blei hineinspritzen und, bei zu 
heißem Metall, die Seitenwand der Matrize durchbrennen 
kann. Die Folge ist dann das nachherige Spießen. Bei 
derartigen Backen wird aber auch jede Zeile noch einen 
überhängenden kleinen Bleispan zutage fördern, der bei 
der fertigen Satzspalte stets mit einer Messinglinie abge¬ 
schabt werden muß. Das Konischwerden der Backen kann 
aber auch auf deren Abschmirgeln zurückgeführt werden. 


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Sö ist mir ein Fall bekannt, in dem ein Setzer, der die 
blanken Teile seiner Maschine immer glänzend haben 
wollte, diese regelmäßig abschmirgelte, dabei aber nicht 
beachtete, daß er die Innenflächen schief schliff. Es wurden 
also nicht nur die Kanten rund, sondern die Wände nach 
vorn zu auch weiter. S. 

Spritzer an der Linotype. Wie unangenehm und pein¬ 
lich Spritzer an den Setzmaschinen sind, weiß jeder Maschi¬ 
nensetzer sehr genau. Eine Ursache für Spritzer an der 
Linotype sei im folgenden bekannt gegeben. Wenn das 
Gießrad, kurz vor dem Guß, sich zu zeitig an die Matrizen¬ 
zeile anlegt, und dadurch diese im Stock festpreßt, bevor 
der zweite Ausschließhebel seine Funktion verrichten kann, 
so wird das Blei stets zwischen die Matrizen spritzen, und 
zwar stets zu Anfang der Zeile, wo eben der zweite Aus¬ 
schließhebel nicht mehr hat wirken können. Bei etwas 
kurzenZeilen werden sich die ersten zwei oder drei Matrizen 
schief legen, und der Spritzer ist noch schlimmer. Dieser 
Übelstand ist sehr leicht zu beseitigen, wenn man die ex¬ 
zentrische Laufrolle in der Gußradkurvenscheibe etwas 


zurückstellt, damit das Gießrad sich um ein weniges später 
an die Matrizenzeile anpaßt und zwar nach vollständig 
fertigem Ausschluß. S. 

Zinkdruckverfahren. 

Berichtigung. Zu meiner Richtigstellung im Archiv für 
Buchgewerbe, Band 43, Heft 6, Seite 237 und 238 habe ich 
ergänzend zu bemerken: Die Anregung zum Verfahren Blei¬ 
stiftdruck ging von mir aus, doch hat Herr Maler Langhein, 
Lehrer an der Akademie der bildenden Künste und Leiter 
der lithographischen Lehrabteilung an der Akademie die 
für den „Bleistiftdruck“ unterscheidenden Merkmale, die 
Behandlung der Zeichnung mit Radiergummi, als erster 
und ohne mein Zutun bei einer Reihe erster Versuche prak¬ 
tisch angewendet. 

Erst nachdem Herr Langhein zu meinen Gunsten auf alle 
Rechte an der Erfindung verzichtet hat, kam mir das Recht 
zu, als Erfinder meine Rechte und Ansprüche beim Patent¬ 
amt geltend machen zu können. 

gez. L. Schweinfurth, Steindrucker. 


Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. Die am 20. Juni 1906 stattgehabte gut be¬ 
suchte Sitzung der Graphischen Vereinigung bot einen Vor¬ 
trag des Herrn H. Wunderlich über: Das Zeichnen ein Bil¬ 
dungsmittel für den Buchdrucker, der in lehrreicher Weise 
den Wert einer gewissen zeichnerischen Ausbildung für 
jeden Fachmann schilderte. So verlangt unter anderm 
auch der Tonplattenschnitt einige zeichnerische Fertigkeit. 
Als bestes Mittel zum Zweck empfiehlt Redner das Zeichnen 
nach der Natur, welches das Auge zum richtigen Sehen und 
Erkennen der mannigfaltigen schönen Naturformen erziehe. 
Das spätere Stilisieren der zu Papier gebrachten Pflanzen¬ 
motive bilde einen weiteren Schritt im Zeichenunterricht. 
Nachdem der Vortragende auch Adolf v. Menzels Be¬ 
ziehungen zu den graphischen Künsten gestreift und hier¬ 
bei so manche interessante Episode aus dieses großen 
Künstlers Leben erwähnt hatte, schritt er zu den prak¬ 
tischen Vorführungen im Farbenmischen, Anlegen von 
Tönen auf farbigen Umschlagpapieren usw. Die ausge¬ 
stellten Skizzen und Postkarten in Aquarellmanier legten 
Zeugnis davon ab, welch schöne Ergebnisse bei etwas 
zeichnerischer Begabung, sowie Lust und Liebe zur Sache 
erzielt werden können. Die sich dem Vortrag anschließende 
Aussprache ließ den Wunsch laut werden, daß auch in der 
Graphischen Vereinigung ein Zeichenkursus errichtet wer¬ 
den möge. Der Vorstand wurde mit den diesbezüglichen 
einleitenden Vorarbeiten betraut, um die genügende An¬ 
zahl von Interessenten für den Kursus zu gewinnen. Zum 
Schluß der Sitzung wurde eine Entgegnung des Herrn 
P. Größe-Mannheim auf einen Vereinsbericht in der Buch¬ 
drucker-Woche zur Sprache gebracht. Da in der betreffen¬ 
den Entgegnung eine augenfällige Reklame für die Große¬ 
schen Kartonschnitte zutage tritt, so verzichtet die Gra¬ 
phische Vereinigung darauf, diese Angelegenheit in der 
Fachpresse noch weiter zu behandeln. -o-, 

Berlin. Die Typographische Gesellschaft beschäftigte 
sich in der ersten Junisitzung mit der Frage der einheit¬ 
lichen Plattenstärke für Stereotypien, Galvanos, Strich¬ 


ätzungen und Autotypien. Man war im allgemeinen der 
Ansicht, daß eine Stärke von neun Punkten für alle Platten 
wünschenswert sei, die bei Zinkplatten durch Hintergießen 
mit einer später abzufräsenden Bleifolie zu erreichen sei. 
Dadurch werde gleichzeitig die ungleichmäßige Stärke der 
Zinkplatten beseitigt werden können. Als Unterlagen für 
die Platten wurden eiserne Untersätze empfohlen, da die 
verschiedenen Zwecken dienenden Hohlstege eine genau 
plane Fläche nicht ergeben. Als eine in der Praxis als 
brauchbar bewährte Neuheit wurde die Rosenthalsche 
Porosinmater zur Stereotypie erwähnt. Hierauf sprach 
Herr J. Danz über neuere Ätzverfahren, wobei er an der 
Hand eines Prospektes über den Raster-Klischee-Apparat 
Phönix davor warnte, sich durch die in diesen Prospekten 
aufgestellten Behauptungen ohne genaue Information zum 
Ankauf solcher Apparate verleiten zu lassen. Nach den 
bisherigen Erfahrungen erscheine es durchaus unmöglich, 
zu dem Preise von 450 bis 500 M. Apparate zu liefern, die 
zur Herstellung guter Autotypien und Dreifarbendruck- 
platten brauchbar seien. Es sei aber auch erfahrungsgemäß 
nicht möglich, das Verfahren innerhalb einiger Stunden 
sich anzueignen, da man bisher einer langen praktischen 
Tätigkeit bedurft habe, um das Ätzverfahren so sicher und 
zuverlässig zu beherrschen, wie es die ganze Arbeitsweise 
unsrer Zeit erfordere. Zu beachten sei, daß man für jeden 
Gegenstand das geeignetste Raster verwenden müsse; einen 
70-Linienraster, der für Porträts in kleinen Formaten 
brauchbar sei, dürfe man für Bilder mit großen weißen 
Flächen nicht anwenden, weil die eng zusammenstehenden 
Punkte (4900 auf einen Quadratzentimeter) selbst bei zar¬ 
testem Druck nicht die erforderliche Helligkeit ergeben 
würden; für solche Arbeiten müsse ein gröberes Raster 
Verwendung finden. — In der letzten Sitzung vor den 
Sommerferien sprach der Maler und graphische Zeichner 
Herr Georg Wagner über die Darstellung landschaftlicher 
Motive bei Buchdruckarbeiten. Zur Veranschaulichung 
seiner Ausführungen hatte der Redner im Buchgewerbesaal 

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eine Ausstellung von Skizzen und fertigen Arbeiten von 
seiner Hand, in den verschiedensten Ausführungen, sowie 
Abdrücke derselben in typographischer Ausführung aus¬ 
gestellt. Der Vortragende wies darauf hin, daß landschaft¬ 
liche Motive seit Erfindung der Buchdruckerkunst zum 
Buchschmuck verwendet worden seien, beim Holzschnitt 
sowohl als beim Kupferstich und andern Verfahren, und 
daß neuerdings selbst die großen Tageszeitungen solche, 
in Strichätzungen ausgeführt, zum Abdruck brächten. Die 
Fähigkeit der Künstler, welche die photographischen Auf¬ 
nahmen für die Strichätzung umzeichnen, seien nicht zu 
unterschätzen. Im übrigen unterscheide man Skizzen, 
Studien und fertige Bilder. Die Skizzen seien flüchtig hin¬ 
geworfene Motive, Studien die Vertiefung in die Einzel¬ 
heiten der Motive, fertige Bilder stellten die geistige Ver¬ 
arbeitung verschiedener Studien zu einem abgeschlossenen 
Ganzen dar. Das Zeichnen nach der Natur unterscheide 
sich wesentlich von dem Zeichnen im Atelier; beim land¬ 
schaftlichen Zeichnen sei die Silhouette des Bildes, die 
schon durch wenige Linien gegeben sein könne, von Wich¬ 
tigkeit. Der Maler bemühe sich, das Charakteristische des 
darzustellenden Gegenstandes festzuhalten; alles, was die 
Natur zeige, wiederzugeben, sei der Künstler nicht im¬ 
stande. Darum zeigen verschiedene Bilder ein und des¬ 
selben Gegenstandes oft recht erhebliche Abweichungen, 
je nach der subjektiven Auffassung des Künstlers. Wie bei 
jeder Kunst gehöre auch zur Ausführung der Malkunst 
eine bestimmte handwerksmäßige Fertigkeit, wenn auch 
mancher große Künstler ohne jede theoretische oder 
wissenschaftliche Vorbildung zur höchsten Vollendung ge¬ 
langt und in seinen Werken unsterblich geworden sei. Zum 
Schluß macht HerrErler noch auf die vom Gutenberghaus 
Franz Francke in Schöneberg gebaute deutsche Adressier¬ 
maschine aufmerksam, die mit stereotypierten, auf einer 
endlosen Kette befestigten Adressen arbeitet und etwa 1500 
verschiedene Adressen in der Stunde herstellt. -r. 

Berlin. Anfang dieses Jahres wurde hier ein Verein der 
Plakatfreunde gQ gründet, welcher bereits durch einige Vor¬ 
tragsabende, verbunden mit umfangreichen Ausstellungen, 
an die Öffentlichkeit getreten ist. Vorsitzender ist Herr 
Dr. Hans Sachs, künstlerischer Beirat der Kunstmaler Lu- 
cian Bernhard. Künstler, Kunstfreunde, Graphiker, Re¬ 
klamefachmänner usw. haben sich zusammengeschlossen, 
um das Interesse für künstlerische Plakate zu pflegen und 
durch gegenseitige Anregung (Vorträge, Ausstellungen, 
Tausch usw.) zu fördern. In der letzten Sitzung hielt Herr 
Diplom-Ingenieur M. Lesser einen interessanten Vortrag 
über: Das Tier im Plakat, in dem er unter anderm aus¬ 
führte, daß die Plakatmalerei eine Kunst sei, deren Kunst 
sei, aufzufallen und zu wirken. Zur Erreichung seines Zieles 
bediene sich der Künstler jeden Mittels, das im Leben der 
Kunst eine Rolle spiele. Die Darstellung des Menschen 
nehme den breitesten Raum ein, daß aber auch das Tier 
von Künstlern gern zum Vorwurf genommen werde, das 
werde durch viele bis jetzt herausgebrachte Plakate be¬ 
wiesen. Eine Anzahl Institute, z. B. Zirkus, zoologische 
Gärten usw. brauchen dauernd Tierplakate, legen aber 
teilweise wenig Wert auf künstlerische Ausführung. Es 
gebe aber auch viele durchaus künstlerische Plakate, auf 
welchen Tiere abgebildet seien und die doch nicht zu den 
Tierplakaten gerechnet werden dürften, denn vom Tiere im 
Plakate könne nur gesprochen werden, wenn das Tier die 


Hauptrolle spiele, wenn das Plakat durch dessenWeglassung 
unverständlich werde. Wenn beispielsweise ein Künstler 
auf einem Plakat vier Schiffer einem abfahrenden Dampfer 
nachschauen lasse und neben sie einen Terrier setze, so 
sei das kein Tierplakat, denn ohne Hund wäre die Affiche 
ebensogut. Das Tier müsse entweder die Hauptrolle oder 
in der dargestellten Handlung unentbehrlich sein. Hier¬ 
zu gehören auch solche Plakate, in denen das Tier zum 
Ornament werde. Die wirklichen Tierplakate zerfallen in 
zwei Haupt- und eine Nebengruppe: 1. Die sogenannten 
Sachplakate und 2. die Plakate mit Handlung. Dazwischen 
stehen diejenigen, auf denen das Tier einen Witz oder ein 
Symbol bedeutet. Ein Sachplakat sei ein solches, auf dem 
der zu empfehlende Gegenstand dargestellt ist. Die zweite 
Hauptgruppe seien jene Tierplakate, auf denen das Tier 
meist mit dem Menschen an einer Handlung teilnehme. 
In diese Gruppe seien verschiedene Plakate von Thöophile 
Steinlen in Paris zu rechnen. Es sei schwer, andre Tier¬ 
plakate zu finden, auf welchen die Tiere nicht um ihrer 
selbst willen dargestellt und den Steinlenschen Blättern 
ebenbürtigseien. Diejenigen, die ihnen am nächsten kämen, 
seien meist Innenplakate, die nur in Buchhandlungen, 
Läden, Restaurants usw. hängen. Zwischen den beiden 
Hauptgruppen stehe eine andre, kleinere Gruppe, die ihr 
Tier witzig oder symbolisch wirken lasse, zwei Dinge, die 
oft schwer zu trennen seien. Die ausgestellten Plakate 
wurden von dem Vortragenden eingehend besprochen. 
Herr Regierungsrat Walter von Zur Westen gab dann bei 
der Aussprache noch verschiedene Ergänzungen. S. 

Braunschwelg. Die Typographische Vereinigung ver¬ 
anstaltete anläßlich des Namenstages des Erfinders der 
Buchdruckerkunst eine buchgewerbliche Ausstellung, be¬ 
stehend aus den Arbeiten, welche im letzten Kursus von 
den Mitgliedern der Vereinigung angefertigt worden sind. 
Diese Ausstellung sollte zeigen, daß namentlich der Akzi¬ 
denzsatz in der Typographischen Vereinigung eine hervor¬ 
ragende Pflegestätte gefunden hat, gleichzeitig aber auch 
Zeugnis ablegen von dem regen Schaffensgeist, sowie der 
Arbeitsfreudigkeit der Kursusteilnehmer. Außer diesen 
Arbeiten war noch eine ansehnliche Zahl Tonplatten (Mäser, 
Linoleum, Blei) ausgestellt, die große Beachtung und wohl¬ 
verdiente Anerkennung fand. Die größte Anziehungs¬ 
kraft für die Besucher hatte aber wohl die reichhaltige 
Ausstellung des Kolberger Inseraten-Wettbewerbs, welchen 
der Verband der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften überlassen hatte. Die Entwürfe boten in ihrer 
Vielseitigkeit und Gediegenheit eine Fülle neuer Ideen, 
waren daher nicht nur für den Buchdrucker, sondern auch 
für jeden Geschäftsmann hochinteressant, der den Wert 
des Zeitungsinserates für die moderne Reklame erkannt 
hat. Die Ausstellung wurde vom Vorsitzenden Herrn Rätz 
mit einer Ansprache eröffnet, welche die Zwecke und Ziele 
der Vereinigung darlegte und die anwesenden Ausstellungs¬ 
besucher aufforderte, auch fernerhin die typographische 
Vereinigung in ihren Bestrebungen zu fördern und zu 
unterstützen. -tz-. 

Chemnitz. Der Typographische Klub veranstaltete in 
den Monaten Januar bis Mai einen Skizzierkursus, der als 
erster sich mit dem Schriftgießereimaterial befaßte. Leiter 
des Unterrichts war Herr Dreßler aus Leipzig, welche tüch¬ 
tige Kraft die Typographische Vereinigung in Leipzig 
vermittelt hatte. Obwohl in den letzten Wochen die 


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Teilnehmerzahl immer geringer wurde, so hatte doch eine 
kleine Schar bis zum Schluß ausgehalten und den Kursus 
zu einem recht erfreulichen Abschluß gebracht, dessen 
Ergebnis war, daß dem Typographischen Klub nach Begut¬ 
achtung der Arbeiten durch einige Herren vom Chemnitzer 
Kunstgewerbeverein die Räume der Städtischen Vorbilder¬ 
sammlung für eine dreiwöchige Ausstellung zur Verfügung 
gestellt wurden. Die aus dem Kursus hervorgegangenen 
Arbeiten durften sich sohin an der Stätte zeigen, die sonst 
der hohen Kunst dient. Zur Einführung in die Ausstellung, 
welche Herr Bibliothekar Kunze noch durch die Schrift¬ 
proben von fast allen deutschen Schriftgießereien ergänzt 
hatte, hielt Herr Dreßler vor zahlreicher Zuhörerschaft 
einen beifällig aufgenommenen Vortrag über: Neuzeitliche 
Drucksachenausstattung. Die beiden Veranstaltungen dürf¬ 
ten das Interesse für typographische Arbeiten wohl auch 
in Chemnitz erweckt haben. A 

Frankfurt a. M. Die Typographische Gesellschaft stellte 
Ende Mai die XV. Rundsendung des Verbandes der Deut¬ 
schen Typographischen Gesellschaften aus, die eine Anzahl 
Mainzer Entwürfe zur Erlangung einer Karte enthielt. 
Weiter wurden am gleichen Tage noch ausgestellt die von 
dem Graphischen Klub in Worms zur Verwertung über¬ 
sandten Entwürfe, welche auf das von einerMusikalienhand- 
lung erlassene Preisausschreiben zur Erlangung von Um¬ 
schlägen eingegangen waren. — Am 25. Juni 1906 wurde 
wiederum eine Rundsendung ausgestellt, die eine große 
Anzahl Skizzen und Entwürfe brachte, die aus den von 
Herrn G.E. Poeschel geleiteten Skizzierkursen in Hamburg 
hervorgegangen sind. — Wenn auch etwas spät, so möchte 
ich doch noch kurz über die Internationale Zeitungs-Aus¬ 
stellung berichten, die am 27. Mai 1906 durch eine kurze 
Feier eröffnet wurde, bei der nach einem Lied des Gesang¬ 
vereins Gutenberg und einer kurzen Begrüßung durch den 
Vorsitzenden des Ausstellungskomitees, Herrn Carl Düren, 
Herr Dr. Bröcking die Festrede hielt, die das Thema: Über 
die Bedeutung der Presse in der Kultur behandelte. Die 
Ausstellung fand in den Räumen der ehemaligen Wei߬ 
frauenschule statt und war übersichtlich und gut angeord¬ 
net. Die oberen Säle enthielten in Glasschränken die 
wertvollsten Gegenstände der historischen Ausstellung. 
230 Nummern zählten diejenigen Stücke, die das Frank¬ 
furter Zeitungswesen von 1622 bis zum heutigen Tage 
veranschaulichten. Man sah etwa 30 ältere Zeitungen, 
Relationen usw., ferner 50 Schriftstücke, die auf Zeitungs¬ 
privilegien, Literatur und Zensur Bezug hatten. Auch sehr 
ergötzliche mit Karikaturen geschmückte Blätter waren 
vorhanden, ferner eine Zeitung vom Jahre 1508 mit dem 
Titel: Copia der Newen Zeytung auß Presilig-Land, ein 
Privileg vom Kaiser Ferdinand II. in dem Jahre 1627 erteilt 
zur Herausgabe der Meßrelationen und sonstige alte Selten¬ 
heiten. Neben diesen waren ganze Tableaux mit japanischen 
und chinesischen, zum Teil illustrierten Zeitungen, ferner, 
meist aus Privatsammlungen zur Verfügung gestellt, hand¬ 
schriftliche Zeitungen, Bücher, alte Druckerzeugnisse usw. 
ausgestellt. Über 3000 Zeitungen der deutschen und aus¬ 
ländischen Presse, zum größten Teil aus der Sammlung 
des Leipziger Maschinenmeistervereins, waren in einem 
großen Saal und den Gängen aufgestellt, auf welch letz¬ 
teren auch Proben von Drei- und Vierfarbendruck, Illu¬ 
strationsdruck usw. untergebracht waren. Die technische 
Abteilung, welche sowohl den Fachmann wie den Laien 


mit den Neuerungen zur Herstellung der Zeitungen vertraut 
machte, war in dpn Parterresälen untergebracht. Am 
10. Juni wurde die während ihrer Dauer gut besuchte Aus¬ 
stellung geschlossen. Sch. 

Goslar. Die hiesige Graphische Vereinigung konnte am 
Johannistage auf ihr vierjähriges Bestehen zurückblicken. 
Der Gründungstag wurde durch eine Jahresversammlung 
gewürdigt, in welcher der Jahresbericht auflag. — Am 
Sonntag, den 1 .Juli 1906 besuchten eine Anzahl Mitglieder 
unter Führung des Herrn L. W. H. Klingender die diesjährige 
Goslarische Kunstausstellung, eine reiche Zusammenstel¬ 
lung von Gemälden, Skulpturen, Künstlersteinzeichnungen 
und Exlibris. Der Besuch kann wiederum als das interes¬ 
santeste und lehrreichste Unternehmen des Jahres bezeich¬ 
net werden. Was wird dem lernbegierigen Gutenbergjünger 
an einem Sonntagmorgen nicht alles geboten, noch dazu, 
wenn ihm jemand zur Seite steht, der mit lebendigem Wort 
Vergleiche anstellt, die Bildwerke erläutert und die ver¬ 
schiedenen Techniken erklärt. Und dann die Sonderab¬ 
teilung mit den ins Fach schlagenden Arbeiten. Die hier 
gebotenen Radierungen — Landschaften und Figurenbilder 
von Hans Volkert aus München — bargen Perlen feiner 
poetischer Naturschilderungen. Auch die Künstlerstein¬ 
zeichnungen fanden ein großes Interesse, das sie mit Recht 
verdienen, denn hier handelt es sich um künstlerischen 
Wandschmuck, der ebenso durch seine Wohlfeilheit wie 
durch seinen künstlerischen Wert sich auszeichnet. Eine 
lange Tafel zeigte schließlich noch eine Sammlung von Ex¬ 
libris. Man beobachtete bei dieser Sammlung so recht, wie 
die Phantasie des Künstlers in diesen kleinen Blättern oft 
Erstaunliches schafft. Th. 

Hamburg. Die Typographische Gesellschaft hatte am 
6. Juni 1906 die Rundsendung Nr. 33 des Verbandes der 
Deutschen Typographischen Gesellschaften ausgestellt, 
eine reichhaltige Sammlung spanischer Drucksachen und 
Zeitschriften, die in ihrer Gesamtheit ein Zeichen von Fleiß 
und regem Schaffen ausländischer, namentlich deutscher 
Buchdrucker in Spanien boten. Die originalspanischen 
Arbeiten, das heißt die von spanischen Typographen an¬ 
gefertigten Drucksachen ließen aber nach dieser Richtung 
hin Rückständigkeit erkennen. — Am 13. Juni 1906 wurden 
die aus einem Preisbewerb des Hamburger Buchdrucker¬ 
vereins hervorgegangenen Entwürfe für einen Zeitungskopf, 
sowie eine Festkarte zum Johannisfest ausgestellt und be¬ 
sprochen. Die Beteiligung war wider Erwarten eine sehr 
gute, denn über 100 Entwürfe, davon allein 77 für die Fest¬ 
karte, waren eingegangen. Die Arbeiten zusammen boten 
ein gutesStück Arbeitskraft undSchaffensfreudigkeit, ließen 
aber auch in jeder Beziehung ein erfreuliches Vorwärts¬ 
dringen erkennen. Nur die prämiierten Arbeiten fanden 
keinen Anklang. Dies ist um so bedauerlicher, als dieses 
Mal auch zwei besonders tätige Mitglieder der Typogra¬ 
phischen Gesellschaft dem Preisgericht angehörten. Man 
hätte erwarten dürfen, daß die zur Auszeichnung in engere 
Wahl gekommenen Entwürfe zuerst auf ihren Kunstwert 
geprüft werden würden. Das ist aber nicht geschehen, trotz¬ 
dem einige wirklich künstlerische und auch neue Ideen 
Vorlagen. Will man denn selbst von maßgebender Seite 
den Buchdruck ewig als Handwerk betrachten? Einige Mit¬ 
glieder, die sich an dem Preisausschreiben nicht beteiligt 
haben, gaben in der Aussprache den Herren Preisrichtern 
verschiedene Wahrheiten zu hören. Meines Erachtens ist 


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es ein Unding, wenn jemand, ganz gleich ob Verein oder 
Firma, ein Preisausschreiben erläßt uiyi dann auch die Be¬ 
wertung der Ergebnisse selbst übernimmt. Die verschie¬ 
denen Skizzen waren am 24. Juni 1906 im Vereinslokal für 
die Buchdrucker ausgestellt. — Der vierte Abend für typo¬ 
graphisches Skizzieren fiel aus, dafür aber waren zahlreiche 
Eingänge von Neuheiten deutscher Schriftgießereien zur 
Schau gebracht. — Am 27. Juni 1906 sollte eine von Herrn 
Grabbert zur Verfügung gestellte Sammlung älterer und 
neuer Drucksachen, die namentlich quantitativ bedeutend 
ist, zur Auslage kommen. Leider war dies aber wegen 
Raummangel nicht möglich. Die Sammlung soll nun aber 
innerhalb der Vereinsferien an einem Sonntag in ihrer 
Vollständigkeit zur Ansicht aufliegen. -er. 

Leipzig. In der Typographischen Gesellschaft sprach am 
13. Juni 1906 Herr Hering über: Die deutsche Sprache und 
der Buchdrucker, bei welcher Gelegenheit er das Sichgehen- 
lassen besonders beim Zeitungs- und Inseratenstil geißelte. 
Er empfiehlt das Studium der Grammatik aufs angelegent¬ 
lichste und weist zur Orientierung zunächst auf Grunows 
grammatisches Nachschlagebuch hin, ohne jedoch alles 
dort Angeführte unbedingt zu unterschreiben. Auch Schrö¬ 
ders Papierner Stil sei der Beachtung wert. Die Wünsche 
des Vortragenden werden in dem Meinungsaustausch als 
solche bezeichnet, die nicht immer zu verwirklichen seien. 
Der Inserent bzw. Autor besitze eine nicht unbedeutende 
Gewalt, auch seinerseits die ihm richtig scheinenden For¬ 
men durchzusetzen, so daß der Buchdrucker sich leider 
nur zu oft ans Manuskript halten müsse. — Am 24.Juni fand 
eine Besichtigung des neuen Leipziger Rathauses nebst 
Turmbesteigung statt. — Zu Beginn der Sitzung vom 
27. Juni teilt der Vorsitzende das Ableben eines Ehrenmit¬ 
gliedes der Gesellschaft, des Herrn Direktor Siegfried vom 
Hause F. A. Brockhaus, mit. Zu Ehren des Verstorbenen 
erheben sich die Anwesenden von den Sitzen. Herr Weise 
berichtet hierauf über die von ihm besuchte Nürnberger 
Jubiläums-Landesausstellung. Nach der Schilderung der 
Schönheiten und Eigentümlichkeiten der alten Stadt begibt 
er sich ins Gebiet der Ausstellung, die ihm einen einheit¬ 
lichen, großzügigen Eindruck machte, soweit es die Archi¬ 
tektur, das Gewerbe und die künstlerischen Erzeugnisse 
angeht. Nicht dasselbe kann er von der Buchdruckerkunst 
sagen. Bereits die Ausstellungsdrucksachen lassen die 
Anpassung ans Allgemeine vermissen, sie ragen nicht über 
den Rahmen der landläufigen Aufmachung hinaus. Die Dar¬ 
bietungen der ausstellenden, wenig zahlreichen Firmen sind 
verstreut und unübersichtlich, während andre Gewerbe ge¬ 
schlossen dastehen. Firmen von gutem Namen fehlen. Der 
Vortragende meint, daß der Deutsche Buchdruckerverein 
hier hätte ermunternd eingreifen können. Von den Erzeug¬ 
nissen verschiedener Aussteller lagen Proben zur Ansicht 
aus. Die Herren, welche sich am Meinungsaustausch betei¬ 
ligten, sprachen sich lobend über die Arbeiten aus. ß. 

Leipzig. Die am 13. Juni stattgefundene Sitzung der 
Typographischen Vereinigung brachte zunächst verschie¬ 
dene geschäftliche Mitteilungen, nach deren Kenntnis¬ 
nahme Herr F. Brennecke f graphischer Zeichner und Maler, 
einen lehrreichen Vortrag hielt über: Einiges über Buch¬ 
binden und Handvergoldung. Der Vortragende gab einen 
kurzen geschichtlichen Rückblick, der mit dem Buch in 
Ägypten begann und die wichtigsten Punkte der weiteren 
Jahrhunderte bis zur Neuzeit hervorhob. Hierauf wur¬ 


den die verschiedenen Schnitte, wie Rotschnitt, Sand¬ 
schnitt, Marmorschnitt usw., ferner die Hand- und Pre߬ 
vergoldung eingehend behandelt. Sehr interessant waren 
die Mitteilungen über Vorsatzpapiere, bei denen oft mit 
den einfachsten Mitteln wirkungsvolle Dekorationen erzeugt 
werden können. Eine größere Anzahl Vorsatzpapiere, Ein¬ 
bände und Werkzeuge erläuterten den Vortrag, an dessen 
Schluß der Vortragende noch besonders auf die an der 
Kgl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe 
bestehende Fachklasse für Buchbindekunst hinwies. Nach 
dem Vortrage berichtete der Vorsitzende noch über eine 
stattgehabte Sitzung der Spartenvertreter, in der über die 
Schaffung einer Zentralstelle für Bildungsgelegenheiten in 
der Typographischen Vereinigung beraten worden sei. Mit 
dem Plane hätte sich nur die Maschinenmeister-Vereini¬ 
gung nicht einverstanden erklären können. — Am 27. Juni 
hielt zunächst Herr Lehrer Hiemann einen sehr interes¬ 
santen und beifällig aufgenommenen Vortrag über: Ästhe¬ 
tische Gesichtspunkte beim Einrichten unsrerWohnungen, 
in dem die Wohnung vom Standpunkt des Sozialpolitikers, 
des Hygienikers und dann des Ästhetikers betrachtet wurde. 
Hierauf berichtete Herr R. Günther über die ausgestellten 
Gewerkschaftsdrucksachen, welche aus einem zur Ge¬ 
winnung eines Gedenkblattes zum Gewerkschaftsfest er¬ 
lassenen Preisausschreiben hervorgegangen waren. Trotz 
starker Beteiligung der Buchdrucker seien die ersten Preise 
doch an Lithographen gefallen, die Akzidenzsetzer hätten die 
lobenden Anerkennungen erhalten. In dem Meinungsaus¬ 
tausch, der sich dem Bericht anschloß, kam ein Mitglied auf 
die Skizzierkurse zu sprechen, deren Einführung in Gehilfen¬ 
vereinigungen er für besonders notwendig hält. -eu-. 

Posen. In der Versammlung des Buchdrucker-Fach¬ 
vereins , die am 16. Juni stattfand, hielt Herr Holland einen 
Vortrag über: Papier und Papierhandel, der für jeden Buch¬ 
drucker viel Interessantes und Wissenswertes brachte. Das 
Papier, so begann der Vortragende, sei für das moderne 
Wirtschaftsleben von größter Bedeutung, daher seine Er¬ 
findung eine der wichtigsten. Der Papierverbrauch eines 
Landes könne als Maßstab für dessen kulturelle Stufe und 
den Bildungsgrad seines Volkes angesehen werden. Der 
Papierverbrauch der einzelnen Länder stünde in folgender 
Reihenfolge: Vereinigte Staaten von Nordamerika, England, 
Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Rußland. Es 
folgte nun eine kurze Schilderung der Entwicklung der 
Papierbereitung, die Darstellung der Papierbereitung im 
Hand- und Maschinenbetrieb und eine Besprechung der ver¬ 
schiedenen Papierprüfungsmethoden, von denen einige 
praktisch vorgeführt wurden. Auf den Handel mit Papier 
übergehend, bemerkt der Vortragende, daß dieses ein be¬ 
deutendes Handelserzeugnis des Deutschen Reiches sei, 
da es die meisten Papierfabriken besitze und ein Fünftel 
der gesamten Papiererzeugung auf Deutschland entfalle. 
Hierauf wurden noch die einzelnen Handelsgebräuche, die 
vom Verein Deutscher Papierfabrikanten festgesetzten Nor¬ 
men, sowie die für Lieferungen an die Behörden festge¬ 
setzten Bestimmungen, ferner kurz die Zollverhältnisse 
besprochen. Mit dem Wunsche, daß die deutsche Papier¬ 
industrie ihren einmal eroberten Platz auf dem Weltmarkt 
zum Nutzen des gesamten deutschen Wirtschaftslebens und 
nicht zuletzt zum Vorteile des graphischen Gewerbes 
behaupten möge, schloß Herr Holland seinen beifällig 
aufgenommenen Vortrag. Es wurde dann noch die 


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r ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


37. Rundsendung des Verbandes der Deutschen Typo¬ 
graphischen Gesellschaften, Vergnügungsdrucksachen der 
Altenburger Kollegen enthaltend, besichtigt und be¬ 
sprochen. R-e. 

Stuttgart. Die Lesezirkel des Graphischen Klubs im 
Monat Juni brachten unter anderm eine reiche Auslage 
neuer Schrift- und Einfassungsblätter der verschiedenen 
Schriftgießereien, auch wurden die überzähligen belle¬ 
tristischen Zeitschriften und Bücher der Bibliothek unter 
den anwesenden Mitgliedern verlost. Da die Mittwochs- 
Leseabende zufolge der wärmeren Jahreszeit weniger stark 
besucht werden, so fallen sie während der Monate Juli und 
August aus, dahingegen werden gemeinsame Besuche ver¬ 
anstaltet behufs Besichtigung der einschlägigen Samm¬ 
lungen des Landesgewerbemuseums, der Akademie der 
bildenden Künste, des Kgl. Kupferstichkabinetts und der 
Kgl. öffentlichen Bibliothek, womöglich unter erläuternder 
Führung der betreffenden Vorsteher. %* 

Wien. Die Sommerzeit ladet, besonders bei der herr¬ 
lichen Wiener Umgebung zu Ausflügen ein. Diese auch 
mit den Zwecken der Graphischen Gesellschaft in Verbin¬ 
dung zu bringen, deren Förderung sonst in dieser Jahres¬ 
zeit völlig ruhen müßte, war schon seit Jahren das Be¬ 
streben der Leitung. Diesmal war das romantische 
Pielachtal und zwar Rabenstein in Aussicht genommen, 
wo sich eine Fabrikanlage der Firma E. T. Gleitsmann be¬ 
findet. Die Buchdrucker St. Pöltens beteiligten sich an der 
Besichtigung der zwar nicht umfangreichen, aber immer¬ 
hin den Besuchern ein lehrreiches Bild der heutigen Far¬ 
benfabrikation bietenden Fabrik. Der Vormittag verging 


so mit einer recht willkommenen Erweiterung des tech¬ 
nischen Wissens, der Nachmittag war den Naturschön¬ 
heiten der Gegend und der Geselligkeit gewidmet. P-t. 

Zittau. Vom 17. bis 19.Juni 1906 fand in den Räumen der 
Städtischen Handwerkerschule eine öffentliche Exlibris- 
Ausstellung, verbunden mit einer Ausstellung graphischer 
Entwürfe von Mitgliedern der Graphischen Vereinigung statt. 
— In der am 27.Juni stattgefundenen Sitzung wurde das 
Bewertungsergebnis des Johannisfestdrucksachen-Wett¬ 
bewerbes bekannt gegeben. Mit Auszeichnungen wurden 
bedacht die Herren: P. Junker I. Preis; F. Spindler II. und 
III. Preis. Lobende Erwähnungen erhielten die Entwürfe 
der Herren Hille, Hirsch, Junker, Masel und Spindler. In 
dem Berichte, welcher von den Preisrichtern, dem Arbeits¬ 
ausschuß des Verbandes der Deutschen Typographischen 
Gesellschaften, dem Bewertungsergebnis beigefügt war, 
wurde besonders lobend erwähnt, daß von allen ihm zur 
Beurteilung übergebenen Wettbewerben der vorliegende 
am einheitlichsten gewirkt habe, auch die bisweilen krassen 
Gegensätze im Wert der Skizzen gänzlich gefehlt hätten. 
Grobe Verstöße gegen satz- und drucktechnische Regeln, 
sowie Schönheitsregeln seien überhaupt nicht oder doch 
nur ganz vereinzelt nachzuweisen. Dem Wunsche des Ver¬ 
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften, 
die Entwürfe dieses Wettbewerbes für eine Rundsendung 
zur Verfügung zu stellen, soll entsprochen werden. Die 
vierte Rundsendung, Exlibris-Wettbewerb der Berliner 
Typographischen Gesellschaft, lag auf und wurde an der 
Hand des beigehenden Berichtes einer Besprechung unter¬ 
zogen. -dl-. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 


V Die Technik als Kulturmacht. Eine Studie von Ulrich 
Wendt. Berlin. Verlag von Georg Reimer. Preis M. 6.—. 
In dem vorliegenden Werke des früheren Leiters der Reichs¬ 
druckerei finden wir das Produkt eines völlig selbständig 
arbeitenden Geistes, der kraft seiner Gelehrsamkeit und 
seiner vielseitigen Belesenheit an der Hand klarer Dar¬ 
stellungen von Jahrhundert zu Jahrhundert vor unserm 
geistigen Auge das Werden und Wirken der drei vornehm¬ 
sten Kulturvölker, der Griechen, Römer und Deutschen, 
vorüberziehen läßt. Es ist uns ein Buch, das in historischer 
Abhandlung dieser Art das kulturelle Wachsen der Völker 
oder das Wachsen der Völker durch die Kultur beleuchtet, 
bisher nicht bekannt gewesen. Wir haben es somit mit dem 
vollen Reiz der Neuheit auf uns wirken lassen und können, 
das Gesamturteil vorausnehmend, nur mit Befriedigung 
das treffliche Buch aus der Hand legen, mit Befriedigung 
und in der Gewißheit, daß sein Inhalt uns in Zukunft noch 
häufig zwingen wird, das Werk als ein wertvolles Hilfsmittel 
oder literarisches Beweismittel bei eignen Arbeiten zur 
Hand zu nehmen. Die Schärfe des Geistes, mit welcher der 
Verfasser seine Resultate eines gewiß jahrelangen inten¬ 
siveren Studiums der Frage der Einwirkung der kulturellen 
Fortschritte auf die historische, politische und geistige und 
auf die soziale Entwicklung der jeweilig mächtigsten Völker 
verständlich und fast selbstverständlich macht, muß unbe¬ 
dingt anerkannt werden, selbst wenn man hier und da am 
Endziel eines Gedankens nicht mit Wendt zusammen¬ 


kommt. Das Fesselnde der nach dem ersten Eindruck so 
schlicht erscheinenden, dabei doch so tief vergeistigten 
Schilderungen, das Vielseitige in der Zergliederung des 
Stoffes, das dabei doch so einheitlich Zusammenfiießende 
macht das Werk zu einer angenehm belehrenden Erholungs¬ 
lektüre auch für den Laien. Wendt hat mit einer Gründlich¬ 
keit alle Erscheinungen des kulturellen Fortschrittes durch 
die Technik in großen Zügen klargelegt, die vorbildlich ist. 
Er wiederholt sich fast gar nicht, hat sein Werk nicht mit 
unnötigen Zitaten belastet, sondern zieht andre Autoren 
nur dann an, wenn sie als durchaus notwendige Quellen 
oder Beweiskräfte unbedingt herangezogen werden müssen. 
Seine in der Einleitung niedergelegte Absicht, zu zeigen, 
daß der Fortschritt in der Geschichte, d. h. die steigende 
Blüte der Volksmassen, in erster Linie aus der Technik 
hervorgeht, darf der Autor als erreicht annehmen. Auch 
war es durchaus nicht, wie er meint, eine „Dummheit“, 
sein Ziel in der Einleitung klar dargelegt zu haben, denn er 
hat in der Tat das Studium seines verdienstvollen Werkes 
dem Leser wesentlich erleichtert dadurch, daß „er die ein¬ 
zelnen Kapitel gleich am Ziele messen und mit ihm ver¬ 
gleichen kann“. Für den aufmerksamen Leser, der gewöhnt 
ist, mit dem Bleistift in der Hand zu lesen, sind die Druck¬ 
fehler lästig. Auch mit dem Komma hat es der Autor recht 
gut gemeint, da er es an zahlreichen Stellen bringt, wo es 
nicht hingehört und wo es, namentlich beim lauten Vorlesen, 
als „Stein des Stolperns“ wirkt. Das sind Äußerlichkeiten, 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


die vielleicht mehr auf das Konto des Korrektors kommen. 
Sie können keinesfalls die Freude am Besitz des trefflichen 
Werkes schmälern, dessen Anschaffung und Studium ich 
angelegentlichst empfehlen kann. S. M. 

W Die moderne Gravierkunst. Geschichte und Technik 
des Gravierens dargestellt von C. J. Stahl. Mit 55 Ab¬ 
bildungen. Wien und Leipzig 1906. Verlag von A. Hart¬ 
lebens Verlag. — Die von C. J. Stahl verfaßten, geschicht¬ 
lichen und technischen Darstellungen beanspruchen 
besondere Beachtung, da die im Altertum und Mittelalter 
in hoher Blüte stehende Gravierkunst seither kaum einer 
so eingehenden fachliterarischen Behandlung gewürdigt 
wurde. Für den weiterblickenden Fachmann werden die 
Einleitung und die geschichtlichen Feststellungen ebenso 
interessant sein, wie die Perspektiven, welche der Ver¬ 
fasser hinsichtlich eines erhofPten Aufschwunges der fast 
verloren gegangenen künstlerischen Ausübung des 
Graveurhandwerkes gibt. Die technischen Darstellungen 
hätten an einzelnen Stellen etwas ausführlicher behandelt 
werden müssen; immerhin enthält jedoch das Buch eine 
genügende Anzahl praktischer Winke und Rezepte, um 
auch nach dieser Richtung empfohlen werden zu können. 
Nicht nachahmenswert sind aber die zeichnerischen Dar¬ 
bietungen, die sich zu sehr im Jugendstil bewegen. Hier 
muß — wie übrigens der Verfasser auch selbst empfiehlt 
— das Studium sorgfältig gewählter, gut stilistischer 
Meisterwerke aus der Blütezeit der Metallbildnerei dazu 
beitragen, wieder den künstlerischen Geschmack zu wecken, 
welcher die gute Gesamianlage der zu schmückenden 
Metallfläche an die erste Stelle setzt, die Virtuosität der 
Technik jedoch an die zweite Stelle verweist. Sch-r. 

V Kunstpflege in Haus und Heimat. Von Richard Bruckner. 
Leipzig 1905. Verlag von B. G. Teubner. Preis M.1.25. Als 
77. Bändchen ihrer Sammlung wissenschaftlich-gemein¬ 
verständlicher Darstellungen „Aus Natur und Geisteswelt“ 
hat die Verlagsbuchhandlung das in seinem ganzen Aufbau, 
in seiner Zweckverfolgung und in seiner wissenschaft¬ 
lichen Bedeutung durchaus anzuerkennende Werkchen 
Brückners dem Publikum dargeboten. Die Bewegung, die 
Kunst ins Haus, auch in das Haus des Ärmsten, zu tragen, 
Sinn und Verständnis für Kunst und Kunstpflege in allen 
Bevölkerungsschichten zu erwecken, zu erhalten und zu 
fördern, ist kaum je so intensiv gewesen, als in dem 
letzten Jahrzehnt. „Volkstümliche Kunst“ ist das Losungs¬ 
wort geworden. Das Brücknersche Werk ist aus Vorträgen 
des Verfassers hervorgegangen. Vielleicht ist es gerade 
dieser Umstand, der die Schilderungen so anschaulich und 
ansprechend macht, daß sie den Eindruck, den sie be¬ 
zwecken, weder bei geistig Hochstehenden, noch bei minder 
Gebildeten, namentlich Kunstgebildeten verfehlen werden. 
Den ersteren mag das Büchlein in vieler Beziehung wenig 
Neues bieten, jedenfalls aber dem bereits Bekannten und 


Erkannten neue Belebung bringen. Letzteren wird es ein 
willkommener Wegweiser auf dem Wege zum Wissen und 
zur praktischen Nutzanwendung werden. Brückner schil¬ 
dert ja so schlicht und dabei so eindringlich, daß es ein 
Vergnügen ist, ihm zu folgen. Er will die Kunst zum Ge¬ 
meingut der Menschheit machen, sie nicht für die Für¬ 
nehmen, die das erbärmliche Wort von der „Kunst für die 
Kunst“ geprägt haben, reserviert wissen. Er will aber auch 
zugleich lehren, Kunst zu sehen oder des Sehens Kunst. 
Das Werk ist aufs beste zu empfehlen. Vortrefflich dürfte 
es sich dazu eignen, abschnittweise in größeren und 
kleineren Zirkeln, Vereinen und Gesellschaften vorgelesen 
zu werden, etwa unter Zuhilfenahme von bildlichen Ver¬ 
anschaulichungen, deren einige ja auch dem Büchlein ein¬ 
verleibt worden sind. S. M. 

V Das deutsche Urheberrecht an literarischen, künstle¬ 
rischen und gewerblichen Schöpfungen. Von Dr. Gustav 
Rauter. Leipzig 1905. G.J. Göschensche Verlagsbuchhand¬ 
lung. Preis — .80 M. Die in den letzten Jahren in Kraft ge¬ 
tretenen Gesetze haben eine außergewöhnlich starke Hoch¬ 
flut literarischer Erzeugnisse zur Folge gehabt. Neben dem 
bürgerlichen und dem Handelsgesetzbuche dürften es die 
Urheberrechtsgesetze sein, die ein Interesse in den weite¬ 
sten Kreisen des Publikums beanspruchen, so daß man 
nach einer möglichst ausgiebigen Interpretation dieser Ge¬ 
setze ein ersichtlich vorhandenes Bedürfnis feststellen 
kann. Eben weil die weitesten Kreise interessiert sind, muß 
auch die Art der Darlegung eine durchaus verschiedene 
sein. Die rein juristischen Kommentare allein befriedigen 
das Bedürfnis keineswegs. Die populäre Abhandlung ist 
ein unerläßliches literarisches Werk. Die wohlbekannte 
Göschensche Verlagsbuchhandlung hat daher einen guten 
Griff getan, als sie ihrer Sammlung von Einzeldarstellungen 
das vorliegende Werkchen eines Mannes einverleibte, 
welcher direkt aus der Praxis schöpfen konnte und dabei 
— als Patentanwalt — wohl weit besser verstand, eine 
volkstümliche und wirklich „allgemein verständliche“ Schil¬ 
derung unsres Urheberrechts zu schreiben, als mancher 
Jurist. Rauter gibt nach kurzer Einleitung über die ein¬ 
schlägige Gesetzgebung im allgemeinen scharfe Umrisse 
des Urheberrechts an Werken der Literatur und Kunst und 
behandelt dann das gewerbliche Urheberrecht unter be¬ 
sonderer Schilderung der praktischen Handhabung des Er¬ 
finderschutzes. Auch das Gesetz über den unlauteren Wett¬ 
bewerb zieht er ebenso in den Kreis seiner Betrachtung, 
wie die internationalen Verträge sowohl des gewerblichen 
wie des Urheberrechts an Werken der Literatur und Kunst. 
Knapp und klar — mit diesen Worten können Rauters Dar¬ 
legungen am kürzesten und empfehlendsten gekennzeich¬ 
net werden. Literatur-, Gesetz- und Inhaltsverzeichnis 
erleichtern die praktische Verwertung des guten Büch¬ 
leins. S. M. 


Inhaltsverzeichnis. 


Verzeichnis von Personen undFirmen,dieindenMonaten 
April, Mai und Juni 1906 dem Deutschen Buchgewerbe¬ 
museum Schenkungen überwiesen haben. S. 253. — Be¬ 
kanntmachung. S. 254. —- Der Dreifarbendruck. I. S.254. — 
Der Werdegang von Gutenbergs Erfindung. S. 262. — Das 


Buchgewerbe auf der Mailänder Ausstellung. S. 271. — 
Dr. E. Alberts Ätzstriegel. S.274. — Buchgewerbliche Rund¬ 
schau. S. 276 — Aus den graphischen Vereinigungen. S. 279. 
— Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Ein¬ 
gänge. S.283. — 8 Beilagen . 


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fann. 3u hem am ndchtfen £)onner£tag in 
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untf @ie hierdurch ganj ergebend einjulaben. 

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BERGE. Große Phantasie.Rosenkranz 

4. FEST-FANFAREN über das Sachsenlied • • • Eilhardt 

5. OUVERTÜRE zur Oper „Wilhelm Teil“ • • • Rossini 

6. JÄGER ZU PFERDE. Charakterstück.Lincke 

7. GOLDREGEN. Walzer.Waldteufel 

8. SOLOSTÜCK für Holz- und Strohinstrument 

über „Lang, lang ist’s her“ .Dittrich 

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ABREISE 


ERTIG schon zur Abfahrt steht 
der Wagen, und das Posthorn 
bläst zum letzten Male. Sagt, wo 
bleibt der vierte Mann so lange? 
Ruft ihn, soll er nicht dahinten 
bleiben! — Indes fällt ein rascher 
Sommerregen; eh’ man hundert zählt, ist er vor¬ 
über; fast zu kurz, den heißen Staub zu löschen; 
doch auch diese Letzung ist willkommen. Kühlung 
füllt und Wohlgeruch den weiten Platz, und an den 
Häusern ringsum öffnet sich" ein Blumenfenster 
um das andre. Endlich kommt der junge Mann. 
Geschwinde! Eingestiegen! — Und fort rollt der 
Wagen. Aber sehet, auf dem nassen Pflaster vor 
dem Posthaus, wo er stillgehalten, läßt er einen 
trocknen Fleck zurücke, lang und breit, sogar die 
Räder sieht man angezeigt und wo die Pferde stan¬ 
den. Aber dort in jenem hübschen Hause, drin der 
Jüngling sich so lang verweilte, steht ein Mädchen 
hinterm Fensterladen, blicket auf die weiß gelaßne 
Stelle, hält ihr Tüchlein vors Gesicht und weinet. 
Mag es ihr so ernst sein? Ohne Zweifel; doch der 
Jammer wird nicht lange währen: Mädchenaugen, 
wißt ihr, trocknen hurtig, und eh’ auf dem Markt 
die Steine wieder alle hell geworden von 
der Sonne, könnet ihr den 
Wildfang lachen 
hören. 



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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 

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■jTa/e/z/s. J0ergro/fe (^/foz'cf, z/ezz 6/s/e/z/sezzze 
fa/Sezz, zvzrc/ z/zesezzz zzezzezz zzzafr//&rf/ezz. 


r &zz'£z//ezz ge/T.zzz zzer/azzzfezz, c/a zvzrzzzzzzer/azzz?/ 
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

43. BAND _ AUGUST 1906 _ HEFT 8 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Der Dreifarbendruck. 


Von Professor ARTHUR W. UNGER, Wien. 
II. 


I AA die Erzeugung der Dreifarbenautotypien und 
| 1 deren Druck in den folgenden Kapiteln ein- 

gehender noch behandelt werden wird, er¬ 
übrigt hier nur noch, den Verfahren der Dreifarben¬ 
photographie eine kurze Erörterung angedeihen zu 
lassen. 

Zu beginnen ist hier mit dem bereits erwähnten 
Ausbleichverfahren , das eine direkte Methode der 
Farbenphotographie darstellt, jedoch hier abzuhan¬ 
deln ist, weil man bei seiner Durchführung zumeist 
analog den Dreifarbenverfahren auch drei Pigmente 
benutzt. Theoretisch liegt dem Ausbleichprozeß das 
von 0. Wiener entdeckte Prinzip der Seebeckschen 
und Poitevinschen Photochromien auf Chlorsilber¬ 
papier zugrunde (siehe Heft 7). Wenn nämlich ein 
lichtempfindlicher Körper die Fähigkeit hat, sich im 
Lichte zu verändern und dadurch Farben anzunehmen, 
so wird dies so lange vor sich gehen, bis er die Farbe 
des wirksamen Lichtes angenommen hat. Außer dem 
Chlorsilber, welches Poitevin benutzte und das die 
Farben nur unvollkommen wiedergibt, überdies im 
veränderten, vielfarbigen Zustande nicht dauernd er¬ 
halten werden kann, verfügen wir über keine ähn¬ 
liche homogene Substanz, die solche Befähigung be¬ 
sitzt. Man muß deshalb, und das verspricht auch 
bessere Ergebnisse, diese lichtempfindliche Substanz 
durch Mischen mehrerer verschiedenfarbiger Körper 
erzeugen, welche aber lichtempfindlich sein müssen, 
nämlich im Lichte ausbleichen. Dieser Anforderung 
entsprechen beispielsweise sehr viele der Anilinfarb¬ 
stoffe. Mischt man nun solcher Art empfindliche rote, 
gelbe und blaue Farbstoffe, etwa durch Übereinander- 
legen der drei Pigmentschichten oder auch durch 
Substanzmischung, so gewinnt man einen schwarzen 
oder doch sehr dunkelgrauen Körper (infolge der sub- 
traktiven Wirkung, siehe Heft 7), der bei Bestrahlung 
mittels weißen Lichtes naturgemäß weiß werden 
muß, weil alle drei Farbstoffe ausbleichen, denn im 
weißen Lichte sind eben sämtliche Strahlen enthal¬ 
ten. Anders verhält es sich dagegen, wenn nur eine 


bestimmte farbige Lichtgattung wirksam ist. Bei¬ 
spielsweise wird grünes Licht nur den roten Farb¬ 
stoff ausbleichen, weil es von diesem absorbiert wird 
(und — wie oben dargetan wurde — können nur die 
absorbierten Strahlen chemische Arbeit verrichten), 
während es der gelbe und blaue Farbstoff reflek¬ 
tieren; diese Pigmente bleiben daher unverändert 
und der Körper wird grün erscheinen. In der gleichen 
Weise spielt sich der Vorgang bei allen Lichtarten ab. 
Die wiedergegebene Farbe muß daher identisch mit 
der des wirksamen Lichtes sein (vergleiche von Hiibl, 
Photographische Korrespondenz 1903, S. 104; ferner 
Eder a. O., Donath a. O.). 

R. Ed. Liesegang erörterte als erster (1889) das 
Prinzip des auf solche Weise ausgeübten Ausbleich¬ 
verfahrens und gab (1891) bereits wichtigere Details, 
wie Beschleuniger, Mischung von drei Farben (Gelb, 
Rot und Blau) auf Papier usw. an. Die ersten mit 
dem Ausbleichverfahren erzeugten Photochromien 
stammen jedoch von Vallot (1895), welcher Anilin¬ 
purpur, Curcumagelb und Viktoriablau mischte, da¬ 
mit Papier bestrich und dieses unter Diaphanien be¬ 
lichtete, was enorm lange Zeit beanspruchte (Eder 
a. O.). Die Expositionsdauer abzukürzen war das 
Bestreben zweier Forscher, und zwar des auch um 
die Lippmannschc Farbenphotographie sehr verdien¬ 
ten Neuhauß in Berlin und ferner von Karl Worel in 
Graz. Ihre Bemühungen gingen dahin, Sensibili¬ 
satoren zu finden, welche den Ausbleichprozeß be¬ 
schleunigen und nach erfolgterBelichtung wieder ent¬ 
fernt werden können, um die Farben haltbarer zu 
machen. Genügend empfindliche, das heißt sehr rasch 
ausbleichende Farbstoffe ließen sich ja vielleicht 
finden, aber in gleichem Maße würden solche unbe¬ 
ständige Pigmente bei Betrachtung im weißen Lichte 
rasch verblassende Photochromien ergeben. Neuhauß 
trägt die Farbstoffe mit Gelatine als Bindemittel auf 
und setzt als Sensibilisator Chlorophyll zu, ferner 
wendet er zur Steigerung der Lichtempfindlichkeit 
oxydierende Substanzen, z. B. Wasserstoffsuperoxyd 

38 


293 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 






ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


(gemengt mit Äther) an, welches dann durch Selbstzer¬ 
setzung unwirksam wird. Worel setzt zu gleichem 
Zwecke seinem Farbstoffgemisch Anethol (einen Be¬ 
standteil des Anisöles) zu, welches er nach durch¬ 
geführter Belichtung mit Benzin auswäscht (Eders 
Jahrbuch für Photographie 1902, Seite 544, 1903, 
Seite 68, 1904, Seite 42, 1905, Seite 7; auch von Hübl 
a. O.). Das Fixieren der Ausbleichbilder erfolgt 
durch Behandlung mit Kupfervitriol oder wie Neu - 
hauß später (Eders Jahrbuch für Photographie 1903, 
Seite 54; vergleiche auch ebenda 1904, Seite 62 und 
1905, Seite 51) für seine Gelatine-Farbstoffschichten 
angab, durch Baden in Tanninlösung unter Zusatz 
von essigsaurem Natron, Abspülen mit Wasser, Ein¬ 
tauchen in Brechweinsteinlösung und Baden in einer 
gesättigten Lösung von essigsaurem Blei, worauf 
schließlich gewaschen wird. Durch diese Manipula¬ 
tionen werden nämlich die unbeständigen Anilin¬ 
farben in weitaus dauerhaftere Farblacke umge¬ 
wandelt. 

Eine interessante Variante des Ausbleichverfahrens 
bildet die Methode von J. Szczepanik in Wien. Wäh¬ 
rend nämlich Neuhauß und Worel die Farbstoffe 
zu einem Gemenge mischen und auf Glas beziehungs¬ 
weise Papier auftragen, legt er die drei Pigmente 
unter Benutzung von Gelatine oder Kollodium als 
Bindemittel in drei Schichten übereinander. Da¬ 
durch erzielt er mannigfache Vorteile. Er kann 
Farbstoffe benutzen, die bei direkter Mischung sich 
chemisch beeinflussen würden, kann sie je nach ihrer 
Lichtempfindlichkeit anordnen, für jede einen be¬ 
sonderen Sensibilisator und das jeweils geeignetste 
Bindemittel verwenden. 

Das Ausbleichverfahren, welches als das einzige 
der bisher bekannten direkten Methoden der Farben¬ 
photographie für geeignet gehalten wird, vielleicht 
zur endgültigen Lösung des komplizierten Problems 
zu führen, ist vorläufig noch sehr weit davon ent¬ 
fernt, zu Aufnahmen in der Kamera überhaupt be¬ 
nutzt werden zu können. Die Lichtempfindlichkeit ist 
immer noch eine so geringe, daß man nur nach far¬ 
bigen Diaphanien, Diapositiven und dergleichen in 
kräftigem Lichte Kopien erzeugen kann, die wohl an¬ 
nähernd, aber keineswegs getreu die Farben des 
Originals reproduzieren. Szczepanik hat allerdings 
einen Umweg angegeben, auf welchem farbige Bilder 
nach der Natur mittels des Ausbleichverfahrens her¬ 
stellbar wären. Er schlug vor, gleichwie für den Drei¬ 
farbendruck drei Teilnegative (siehe später), aber 
mit einer besonders gebauten Kamera gleichzeitig 
aufzunehmen, nach diesen Diapositive anzufertigen 
und unter diesen hintereinander die Ausbleich-Farb- 
stoffschicht zu belichten, wobei jedesmal das be¬ 
treffende Diapositiv mit einer komplementär gefärb¬ 
ten Glasscheibe zu bedecken wäre (vergleiche von 
Hübl a. O.). Aber dieser Umweg ist vorläufig noch 


von niemandem praktisch eingeschlagen worden, weil 
er wohl zu umständlich dünkt. 

Gleichsam einen Übergang von den direkten Me¬ 
thoden der Farbenphotographie zu den indirekten 
Dreifarbenverfahren bilden die von Joly in Dublin 
und von den Brüdern August und Louis Lumtire in 
Lyon ausgearbeiteten Prozesse zur Gewinnung von 
Naturfarbenbildern. Sie beruhen auf additiver Syn¬ 
these, indem die roten, grünen und violetten Bild¬ 
anteile in so kleinen Flächenelementen nebeneinander 
gesetzt werden, daß sie vom betrachtenden Auge 
nicht als solche wahrgenommen werden, sondern den 
Eindruck homogen gefärbter Flächen wachrufen, also 
auch Mischfarben wie Gelb, Blau und Weiß, bzw. Grau 
ergeben (siehe oben). Dieses Prinzip gab übrigens 
schon Ducos du Hauron (1868) an, ferner benutzten 
es McDonough, Brasseur , Sampolo und Szczepanik 
(Eder a. O.). Jolys Verfahren besteht beispielsweise 
darin, daß hinter einem Raster, und zwar einer mit 
durchsichtigen sehr feinen (etwa zehn pro Millimeter), 
abwechselnd roten, grünen und violetten Strichen ver¬ 
sehenen Glasplatte, in innigem Kontakte auf eine pan¬ 
chromatische (nämlich für alle Strahlen annähernd 
gleichmäßig empfindliche, siehe später) photographi¬ 
sche Platte in der Kamera eine Aufnahme des bunten 
Objektes gemacht wird. Hierbei wirken die farbigen 
Linien des Rasters als Selektionsfilter. Die von dem 
Originale reflektierten Strahlen werden somit nur 
von den gleichfarbigen Teilen der Rasterplatte hin¬ 
durchgelassen. Beispielsweise passieren die roten 
Strahlen nur die roten Linien und wirken hinter die¬ 
sen auf die lichtempfindliche Schicht, so daß die von 
den roten Rasterlinien bedeckt gewesenen Schichtstel¬ 
len bei der nachfolgenden Entwicklung so weit ge¬ 
schwärzt werden, als dort rotes Licht wirksam war. 
Das gleiche gilt für die grünen und für die blauvio¬ 
letten Rasterpartien. Das weiße Licht wirkt selbst¬ 
verständlich durch alle Linien hindurch. Nach diesem 
Negativ wird nun ein Diapositiv angefertigt, auf wel¬ 
chem nun naturgemäß die verschiedenen Farben¬ 
anteile transparent sein werden. Bringt man hierauf 
das Diapositiv in passenden Kontakt mit der bei der 
Aufnahme verwendeten farbigen Rasterplatte, so ent¬ 
steht bei der Betrachtung in durchfallendem Licht ein 
Bild, welches das Original in annähernd richtigen 
Farben wiedergibt (Eder, Photographische Korrespon¬ 
denz 1899; Hübl , Die Dreifarbenphotographie; Do¬ 
nath a. O.). Das Verfahren ist höchst umständlich 
und schon wegen der für jede Aufnahme besonders 
notwendigen Rasterplatte sehr kostspielig. 

Außerordentlich schwierig durchzuführen ist auch 
die von den Brüdern Lumiere ersonnene Methode. 
Sie Färben Kartoffelstärkekörner von außerordent¬ 
licher Feinheit (mit einem Durchmesser von 15 bis 
20tausendstel mm) teils rot, teils grün und teils 
violett und mischen sie in einem solchen Verhältnisse, 


294 


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Gck igle 


Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


daß ein neutrales graues Gemenge resultiert. Dieses 
Pulver wird hierauf auf einer mit klebrigem Überzüge 
versehenen Glasplatte so aufgebracht, daß nur eine 
einzige Lage dicht benachbarter Körner entsteht, also 
keine übereinandergelagert kommen. Ein Quadrat¬ 
millimeter Oberfläche hat dann ungefähr 2000—3000 
rote, grüne und violette Partikelchen. Die noch vor¬ 
handenen ganz feinen Zwischenräume werden durch 
Überstäuben mit pulverisierter Holzkohle verschlos¬ 
sen, nämlich lichtundurchlässig gemacht. Auf diese 
Körnerschicht gelangt nun eine isolierende Schicht 
aus Firnis, worauf erst die empfindliche, panchroma¬ 
tische Bromsilbergelatine-Emulsion aufgegossen wird. 
Bei der Exposition in der Kamera wird die Platte ver¬ 
kehrt angeordnet, so daß die vom bunten Objekte 
kommenden Strahlen erst die lichtempfindliche Schicht 
treffen, wenn sie die aus den farbigen Körnern ge¬ 
bildete passiert haben. Die roten, grünen und vio¬ 
letten, lichtdurchlässigen Partikeln wirken hierbei 
ganz so wie die Linien des Jo/yschen Rasters. Hier¬ 
auf wird die Platte entwickelt. Von dem Negative 
wird aber kein Positiv erzeugt, sondern es wird selbst 
in ein solches umgekehrt, indem man das vom Ent¬ 
wickler zu metallischem Silber reduzierte belichtete 
Bromsilber auflöst und durch eine zweite Entwicklung 
das unbelichtet gebliebene reduziert, also an den im 
ursprünglichen Negative transparenten Partien un¬ 
durchsichtig macht (vgl. A . und L. Lumiere , Photo¬ 
graphische Korrespondenz, 1904, S. 458). Das normal 
entwickelte Negativ würde das aufgenommene Ob¬ 
jekt naturgemäß umgekehrt, also in den komplemen¬ 
tären Farben zeigen. 

Alsein höchst sinnreich erdachtes, aber nicht mehr 
denn ein sehr interessantes optisches Experiment 
ist die ebenfalls auf additiver Synthese beruhende 
Methode von R. W. Wood zu betrachten, welche von 
Thorp verbessernd abgeändert wurde. Es werden wie 
bei den Dreifarbendruckverfahren unter Verwendung 
von Lichtfiltern und Sensibilisatoren drei Teilnegative 
erzeugt und von diesen Positive angefertigt. Diese 
werden wieder mit Hilfe eines eignen Apparates 
hintereinander auf ein und dieselbe mit lichtempfind¬ 
licher Chromatgelatine versehene Platte aufgenom¬ 
men, und zwar derart, daß bei der Aufnahme 
des den roten Anteil repräsentierenden Positivs die 
Gelatineplatte mit einer Gitterglasplatte, welche 787 
Linien pro Zentimeter enthält, bedeckt wird, während 
bei der Aufnahme des das Grün darstellenden Posi¬ 
tivs eine solche mit 945, bei dem Blauviolettpositiv 
endlich eine mit 1082 Linien pro Zentimeter zur Be¬ 
nutzung gelangt. Entwickelt man hierauf die Gelatine¬ 
schicht mit warmemWasser, so erhält man eine über¬ 
all durchsichtige, farblose Platte, die an den den ver¬ 
schiedenen Farbenflächen entsprechenden Bildstellen 
mit ungleich feinen Gittern bedeckt erscheint. In 
einem besonderen Apparat beleuchtet und betrachtet 


erscheint aber das farbige Bild, weil die Gitter durch 
Beugungs- und Interferenzerscheinungen je nach der 
Dichte der Linien die verschiedenen Farben entstehen 
lassen. Sie sind allerdings als Scheinfarben (siehe 
oben) völlig vom Beleuchtungs- und Betrachtungs¬ 
winkel abhängig und verändern sich oder verschwin¬ 
den ganz, wenn diese geändert werden. (Siehe 
Pfaundler in Eders Jahrbuch für Photographie und 
Reproduktionstechnik. 1901, S. 177.) 

Gleichfalls eine additive Methode stellt das Drei¬ 
farbenverfahren dar, welches mittels optischer Syn¬ 
these , das heißt durch Vereinigung, Mischung der 
drei Teilbilder durch Spiegelung oder Projektion Re¬ 
produktionen von bunten Originalen liefert. Allerdings 
geschieht dies in Gestalt nicht materieller Bilder, da 
monochrome, nämlich schwarz-weißeTeilpositive ver¬ 
wendet werden, welche man erst durch geeignete 
farbige Beleuchtung färbt und dann, durch einen drei¬ 
fachen Projektionsapparat auf eine gemeinsame Fläche 
geworfen oder durch Spiegelung in einem besonderen 
Betrachtungsapparat, zur Deckung bringt. Man stellt 
mittels eigner, in ihrer Wirksamkeit von derjenigen 
der Lichtfilter, die bei den substraktiven Methoden 
dienen, verschiedener Selektionsfilter drei Teilnega¬ 
tive her. Und zwar hinter einem Rotfilter ein Negativ, 
auf welchem Rot und Gelb des Aufnahmeobjektes 
ganz gedeckt sind, während die dem Blau und Grün 
des Originals entsprechenden Partien klar blieben. 
Fertigen wir demnach von diesem Negativ ein Dia¬ 
positiv an und lassen rotes Licht von der Farbe des 
bei der Aufnahme benutzten Strahlenfilters durch¬ 
fallen, so haben wir den roten und gelben Anteil des 
Objektes beleuchtet, während Blau und Grün dunkel 
sind. Hinter einem Grünfilter verfertigt man ein 
Negativ, das Grün und Gelb des Originals gedeckt, 
das Rot und Blau dagegen klar zeigt. Das nach diesem 
Negativ gewonnene Diapositiv, mit grünem Lichte 
bestrahlt, läßt dieses naturgemäß an den dem Grün 
und Gelb des aufgenommenen Objektes entsprechen¬ 
den Stellen durchfallen, während Rot und Blau dunkel 
bleiben. Bringt man nun diese beiden Bilder, nämlich 
das des rot und grün beleuchteten Diapositivs bei¬ 
spielsweise durch Projektion zur Deckung, so werden 
der rote Bildanteil nur durch das erstere, der grüne 
nur durch das zweite, der gelbe aber durch die 
Mischung beider (vergleiche oben) erhalten. Hinter 
einem Blaufilter endlich bekommen wir ein Negativ, 
welches nur Blau gedeckt enthält, während das Rot, 
Gelb und Grün klar sind. Das hiervon kopierte Dia¬ 
positiv wird blau beleuchtet und ergänzt das von den 
andern beiden Diapositiven gelieferte Bild zur fertigen 
vielfarbigen Reproduktion. Projektionsapparate für 
diese Methode stammen von dem verdienstvollen 
Amerikaner Ives, dann von Scott, Vidal, Miethe und 
Donath. Für die Einzelbetrachtung dient ein eigner 
von Ives ersonnener, später von Zink und auch von 

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Miethe verbesserter Apparat, welcher Photochromo- 
skop genannt wird. Es ist ein stufenförmig gebauter 
Kasten, in welchem Spiegel, in einem Winkel von 
45 Grad zur Kastenbasis geneigt, angeordnet sind. 
Die Spiegel sind durchsichtig und reflektieren so nicht 
nur die auf sie von drei Ausschnitten, welche mit den 
drei Diapositiven und den notwendigen drei ver¬ 
schiedenfarbigen Glasplatten (Lichtfiltern) bedeckt 
sind, geworfenen Teilbilder, sondern lassen das des 
rückwärts angebrachten Spiegels hindurch. Auf diese 
Art fallen sämtliche drei Teilbilder in ein Gesamt¬ 
bild zusammen, welches durch ein Okular vom 
Auge des Betrachters wahrgenommen werden kann. 
(Näheres über diese Methode siehe in dem Buche 
E . König , Die Farbenphotographie, 2. Auflage, Ber¬ 
lin 1906.) Die auf diese Art erhaltenen Bilder sind 
sehr farbenprächtig und — vorausgesetzt natürlich, 
daß der Prozeß völlig korrekt durchgeführt wurde 
— von überraschender Treue. Der große Nach¬ 
teil des Verfahrens jedoch, daß die Bilder nur mittels 
Projektion oder mittels des eignen Betrachtungs¬ 
apparates zustande kommen können, läßt wohl eine 
eigentliche größere Bedeutung für die Methode kaum 
je wahrscheinlich werden. Dagegen heben Lion Vidal 
(in seinem Werke „TraitS pratique de Photochromie“, 
Paris 1898) und König (a. O.) mit Recht hervor, daß 
das Photochromoskop für alle, die mit Farben zu tun 
haben, ein außerordentlich wertvolles Instrument dar¬ 
biete, welches die Auffindung harmonischer Farben¬ 
akkorde erleichtern, sowie die Gesetze der Farben¬ 
mischung vorzüglich studieren lasse und schließlich 
wunderhübsche Experimente durch Vertauschen der 
Teilbilder usw. ermögliche. 

Eine ziemliche Verbreitung haben heute dagegen 
die Dreifarben-Kopiermethoden bereits erreicht, und 
zwar sowohl zur Anfertigung farbiger Diapositive für 
Projektionszwecke als auch zu der von Papierbildern. 
Sie beruhen gleich den Dreifarbendruckverfahren auf 
subtraktiver Farbenmischung und benutzt man des¬ 
halb für die Teilbilder die Farbstoffe Gelb, Purpurrot 
und Grünlichblau. Wie später dargetan werden wird, 
könnten theoretisch eigentlich eine große Anzahl von 
Kombinationen dreier Farben gewählt werden. Aber 
praktisch ist es undurchführbar, das Gelb durch sub- 
traktive Mischung von Farbstoffen genügend rein zu 
erhalten. Und da das Auge gerade für Verunreini¬ 
gungen von Gelb außerordentlich empfindlich ist, muß 
Gelb eine der drei Grundfarben sein und ergeben 
sich damit die beiden andern als Purpurrot und Grün¬ 
blau. Die hier in Frage kommenden verschiedenen 
Methoden haben in letzterer Zeit wohl dadurch eine 
wesentliche Förderungerfahren, daß sowohl Objektive, 
wie Aufnahmeapparate,Lichtfilter und Sensibilisatoren 
in bereits vorzüglicher Eignung zur Verfügung stehen« 
Wenn auch jene Dreifarben-Aufnahmekameras,welche 
die Herstellung sämtlicher Teilnegative in einer ein¬ 


zigen Exposition gestatten, die idealsten genannt wer¬ 
den müssen, so sind sie doch, wie beispielsweise die 
von Ives und die von Sanger-Shepheard konstruierten 
(bei welchen das von einem sehr lichtstarken Objektiv 
entworfene optische Bild des bunten Objektes mit 
Hilfe von Prismen und Spiegeln durch drei ent¬ 
sprechende Lichtfilter auf lichtempfindliche Platten 
geworfen wird),wegen ihrer kompliziertenEinrichtung 
und Kostspieligkeit wenig im Gebrauch. Dagegen 
haben Perscheid , dann Prieur & Dubois , Fraschbourg 
und Miethe Kameras für den Zweck ersonnen, bei 
denen die Exposition der drei Teilnegative sowie die 
Auswechslung der Lichtfilter automatisch hinterein¬ 
ander erfolgt. Desgleichen bedeutet eine vorzügliche 
Neuerung der von Haberkom in jüngster Zeit kon¬ 
struierte „Anhang“ (eine zur Aufnahme der drei 
Platten und Filter bestimmte Kassette), welcher an 
jede Kamera angebracht werden kann und das Ein¬ 
stellen auf der Mattscheibe ohne Filter gestattet (siehe 
Photographische Korrespondenz, 1906, Juliheft). 

Die Herstellung der farbigen Kopien nach den er¬ 
zeugten drei Teilnegativen geht in verschiedener 
Weise vor sich. Die Methoden von Hofmann , König , 
Lumidre , Sanger-Shepheard , Seile u. a. bestehen 
durchwegs auf der Verwendung von Chromatgelatine¬ 
schichten. Bekanntlich ist ein Gemenge von Chro¬ 
maten (Kaliumbichromat, Ammoniumbichromat) und 
organischen Substanzen (wie Leim, Gummi, Zucker 
usw.) lichtempfindlich, und zwar verlieren die ge¬ 
nannten Körper infolge der Belichtung ihre Quell¬ 
barkeit (Klebrigkeit), beziehungsweise Löslichkeit in 
Wasser. Dies wird nun im vorliegenden Falle in 
mehrfacher Art ausgenutzt. Z.B. werden in der Sub¬ 
stanz bereits gefärbte chromierte (also lichtempfind¬ 
liche) Gelatineschichten unter dem betreffenden Teil¬ 
negative belichtet und dann mit Wasser behandelt, 
wobei aus den unbelichtet, daher ungegerbt (quellbar, 
löslich) gebliebenen Schichtteilen der Farbstoff aus¬ 
gewaschen wird. Beispielsweise kopiert man die rote 
Gelatineschicht unter dem mittels des grünen Filters 
hergestellten Negativ, in welchem naturgemäß die 
transparenten Partien den roten Bildanteil darstellen, 
da die roten Strahlen, vom grünen Filter absorbiert, 
auf die lichtempfindliche Schicht gar nicht zur Wir¬ 
kung gelangen konnten. Unter diesen durchlässigen 
Negativstellen wird die rotgefärbte Gelatineschicht 
also belichtet und demzufolge gegerbt (unlöslich) 
werden und nun selbstverständlich im Wasserbade 
den inkorporierten Farbstoff festhalten können, wäh¬ 
rend er aus den übrigen Schichtpartikeln ausgelaugt 
wird. Oder man belichtet ungefärbte chromierte 
Gelatineschichten, wäscht sie aus und färbt sie nach¬ 
her an. Für Projektionszwecke werden dann die auf 
sehr dünnen Trägern (z. B. Glimmer- oder Zelluloid¬ 
folien) befindlichenTeilbilderim Passen übereinander- 
geklebt und aufGlasplatten befestigt. Für Papierbilder 


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wurde in jüngster Zeit eine sehr gute Methode von 
der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin- 
Steglitz ausgearbeitet und das hierzu notwendige 
Material in den Handel gebracht. Hinter einem roten, 
grünen und violetten Strahlenfilter wird auf panchro¬ 
matischen Platten (vergleiche oben und später) je ein 
Teilnegativ für die blaue, rote und gelbe Kopie her¬ 
gestellt. Diese werden dann auf Pigmentfolien kopiert, 
welche aus Zelluloidblättern bestehen, die auf einer 
Seite mit der entsprechend gefärbten Gelatineschicht 
versehen sind, welche man vor dem Gebrauche durch 
Baden in einer Chromatlösung lichtempfindlich ge¬ 
staltet und zunächst in einem selbstverständlich 
dunklen Raum trocknen läßt. Die Belichtung der 
Folien erfolgt durch das Zelluloidblättchen hindurch 
(um das Abschwimmen der nur bis in geringe Tiefe 
gegerbten Schicht zu verhindern; dies würde aber 
bei der folgenden Entwicklung in warmem Wasser 
geschehen, falls die Schicht von ihrer Oberfläche her 
belichtet wurde, denn die unterhalb des außerordent¬ 
lich dünnen gegerbten Häutchens an den helleren 
Stellen unverändert gebliebene Gelatine wird gelöst 
und dadurch das Häutchen seines Zusammenhanges 
mit dem Träger beraubt) mit Hilfe eines Photometers, 
weil auf der gleichmäßig intensiv gefärbten Schicht 
der erzielte Kopiergrad nicht zu verfolgen ist. Nach 
dem Entwickeln bringt man die drei Teilbilder pro¬ 
visorisch übereinander, um zu ermitteln, ob die Kom¬ 
ponenten in der Stärke stimmen, eventuell wird das 
eine oder andre durch nochmalige Entwicklung ab¬ 
geschwächt. Die definitive Vereinigung auf dem 
Papier erfolgt schließlich derart, daß das Papierblatt 
und das gelbe Teilbild in einer Gelatinelösung unter¬ 
getaucht und zusammengebracht werden, worauf nach 
dem Trocknen die Zelluloidfolie sich abziehen läßt. 
In derselben Weise bringt man dann im Passen das 
blaue und rote Teilbild auf. (Vgl. Schmidt, „Photo¬ 
graphische Korrespondenz“ 1905, S. 568. Über die 
andern erwähnten Methoden siehe von Hühl, „Die 
Dreifarbenphotographie usw.“, 1. Auflage Halle a. S. 
1897, 2. Auflage 1902; E. König, „Die Farbenphoto¬ 
graphie“, 2. Auflage Berlin 1906; A. Miethe, „Drei¬ 
farbenphotographie nach der Natur“, Halle a.S. 1904; 
A. Hofmann, „Die Praxis der Farbenphotographie“, 
Wiesbaden 1900 usw.) 

Auch mittels des Gummidrucks stellen einzelne 
(z. B. Blumberg, siehe „Photographische Korrespon¬ 
denz“ 1905, S. 123) sehr gelungene Naturfarben¬ 
bilder her. Bei diesem Verfahren werden unmittelbar 
auf dem definitiven Bildträger, und zwar auf Papier 
entsprechend gefärbte, durch Chromsalze sensibel 
gemachte Gummiarabikum-Schichten aufgestrichen, 
unter den betreffenden Teilnegativen belichtet und 
mit warmem Wasser (siehe oben) entwickelt. Von 
einem Dreifarbenverfahren kann hier aber nur inso¬ 
fern die Rede sein, als drei Teilnegative und in der 


Regel auch nur drei Farbstoffe zur Benutzung ge¬ 
langen. Dagegen ist es zumeist notwendig, um ge¬ 
nügende Kraft der drei Komponenten zu erzielen, 
wiederholt gelbe, rote und blaue Schichten aufzu¬ 
tragen, zu kopieren und zu entwickeln. 

Ein sehr merkwürdiges und hochinteressantes 
Verfahren stellt die eigenartige „Pinachromie“ von 
E. König in Höchst a. M. dar. Gewisse organische 
Farbstoffe gehen bei der Reduktion (Sauerstoffver¬ 
lust; z.B. wenn man rotes Rodamin in wässeriger Lö¬ 
sung mit Zinkstaub und Essigsäure, ev. unter Zusatz 
von Natriumazetat, reduziert) in farblose Verbin¬ 
dungen über, die man als die Leukobasen (von 
leukos = weiß) der betreffenden Farbstoffe bezeich¬ 
net. Einige dieser Körper sind im Dunkeln lange 
Zeit haltbar, gehen aber im Lichte (durch photo¬ 
chemisch angeregte Sauerstoffaufnahme, Oxydation) 
allmählich wieder in den früheren farbigen Zustand 
zurück. Auf dieser von 0. Gros in Leipzig (1900) 
entdeckten Lichtempfindlichkeit der Leukoverbin¬ 
dungen beruht die Pinachromie von König. Zur 
Verwendung gelangen ein Blaukollodium, Rotkollo¬ 
dium und Gelbkollodium, die aber natürlich vor der 
Belichtung farblos sind. Das Kollodium ist Farbstoff- 
träger (Bindemittel) und chemischer Sensibilisator zu¬ 
gleich, weil es die Oxydation der Leukoverbindungen 
im Lichte beschleunigt. Ausgeführt wird das Ver¬ 
fahren folgendermaßen. Ein mit gehärteter Gelatine 
vorpräpariertes Papier (um das Einsinken der eigent¬ 
lichen Bildschichten zu verhindern) wird mit dem 
Blaukollodium übergossen und nach dem rasch er¬ 
folgenden Trocknen unter dem hinter dem Rotfilter 
erhaltenen Negativ belichtet, worauf man in ver¬ 
dünnter Monochloressigsäure fixiert, dann wäscht, in 
eine dünne mit Chromalaun versetzte Gelatinelösung 
taucht (diese bildet eine Isolierschicht, welche das 
Auflösen des aus Blaukollodium bestehenden Teil¬ 
bildes durch das nächste aufgegossene Rotkollodium 
unmöglich macht) und trocknet. Nun wird mit Rot¬ 
kollodium überschichtet und unter dem im Passen 
aufgelegten Grünfilternegativ belichtet, worauf die 
gleichen Manipulationen wie oben beschrieben vor¬ 
genommen werden. Den Schluß macht das Gelb¬ 
kollodium, welches unter dem Blauviolettfilter kopiert 
und dann gleichermaßen behandelt wird. Leider 
liefert das Verfahren keine beständigen Bilder. Die 
aus den Leukoverbindungen durch das Licht resti¬ 
tuierten Farbstoffe erfahren nämlich später die 
uns geläufigere Wirkung des Lichtes auf empfind¬ 
liche gefärbte Körper: sie werden wieder, diesmal 
aber definitiv ausgebleicht. Aus diesem Grunde ver¬ 
folgten die Höchster Farbwerke vormals Meister, 
Lucius & Brüning die Methode nicht weiter (näheres 
über diese siehe König, „Photographische Korrespon¬ 
denz“ 1904, S. 521; ferner Eder , „Geschichte der 
Photographie“, 3. Auflage, Halle a. S. 1905, S. 450 


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und desselben „Photochemie“, 3. Auflage, Halle a. S. 
1906). 

Ein andres, mehr versprechendes und sehr 
hübsches Verfahren, die „Pinatypie“ verdanken wir 
gleichfalls Dr. König . Es ist eigentlich keine rechte 
photographische Kopiermethode mehr, sondern es 
bildet einen Übergang zu den Druckverfahren, oder 
ist vielmehr schon ein solches und zwar dem Licht¬ 
drucke vergleichbar, nur daß bei diesem die gehär¬ 
teten Leimpartien der Druckschicht mit fetter 
Druckfarbe versehen und abgedruckt werden, wäh¬ 
rend bei der Pinatypie wasserlösliche Farbstoffe zur 
Benutzung kommen, welche von den quellbar ge¬ 
bliebenen Schichtteilen aufgenommen und dann wie¬ 
der auf das Papier abgegeben werden; also ein Vor¬ 
gang, wie er ähnlich beim Hektographen zu beobach¬ 
ten ist. Vorläufer der Pinatypie ist eine von Sänger - 
Shepheard ausgearbeitete Methode gewesen. Die 
Herstellung von Pinatypien spielt sich ungefähr auf 
folgende Weise ab. Eine miteinerbesonders präparier¬ 
ten, sehr fest haftenden Gelatineschicht überzogene 
Glasplatte wird mit Bichromat lichtempfindlich ge¬ 
macht, getrocknet und unter einem Diapositiv (ein 
solches ist natürlich von allen drei Teilnegativen 
anzufertigen) belichtet. Hierauf wird in kaltem 
Wasser das unveränderte, weil unbelichtet gebliebene 
Chromsalz ausgewaschen. Es resultiert nun ein fast 
unsichtbares, aus gehärteter und ungehärteter Gela¬ 
tine bestehendes Bild, welches sich anfärbt, sobald 
die Platte in die wässerige Lösung eines Pinatypie- 
Farbstoffes gebracht wird. Und zwar wird die un¬ 
gehärtete Gelatine am intensivsten gefärbt, während 
bei den gegerbten Schichtstellen die Anfärbung nur 
in geringerem Maße stattfindet, nämlich soweit, als es 
die noch vorhandene Quellbarkeit zuläßt. Nach Ab¬ 
spülen des anhängenden Farbstoffüberschusses wird 
ein Stück geweichten Pinatypie-Gelatinepapiers auf 
die gefärbte Platte gelegt und beschwert etwa eine 
Viertelstunde mit ihr in Kontakt gelassen. Hierbei 
diffundiert der Farbstoff in die Schicht des aufgeleg¬ 
ten Papiers, welches nach dem Abnehmen ein außer¬ 
ordentlich tonreiches Bild von präzisester Schärfe 
zeigt. Von der Druckplatte lassen sich ziemlich viele 
Abzüge herstellen, jedoch ist es notwendig vor jedem 
Abklatsch die Platte neuerlich in der Farbstofflösung 
zu tingieren. In dieser Weise werden die nach den Dia¬ 
positiven der drei Teilnegative hergestellten Druck¬ 
platten behandelt, und zwar überträgt man auf das ge¬ 
latinierte Papier zuerst das Blaubild, legt dann das 
Blatt noch feucht im Passen auf die rotgefärbte Platte 
(das Aufpassen ist deshalb nicht allzu schwierig, weil 
man in der Durchsicht — das Papier ist genügend 
transparent und die Druckplatte aus Glas — die 
Bildkonturen verhältnismäßig leicht zur Deckung 
bringen kann) und beschließt mit der Gelbplatte. 
Die Pinatypie hat naturgemäß mit dem Dreifarben¬ 


druck viele Vorzüge gemeinsam; voraus hat sie vor 
diesem die Möglichkeit der Verwendung feuriger, 
transparenter Farbstoffe und infolgedessen eine 
reichere Skala reinerer Mischtöne, ferner einen 
größeren Reichtum an Tonabstufungen. Dagegen 
weist sie gegenüber dem Dreifarbenpressendruck 
die Nachteile auf, daß der Prozeß langwierig ist (zur 
Erzeugung eines Dreifarbenbildes ist mehr als eine 
Stunde nötig) und jener Gleichmäßigkeit entraten 
muß, welche den Dreifarbendruck immerhin aus¬ 
zeichnen kann. (Vgl. „Photographische Korrespon¬ 
denz“ 1905, S. 183; ferner von Hiibl, „Lechners Mit¬ 
teilungen“ 1905, S. 311; endlich König, „Die Drei¬ 
farbenphotographie“, 2. Auflage, Berlin 1906.) 

Die Herstellung der Dreifarben-Autotypieklischees. 

Sie scheidet sich selbstverständlich in den photo¬ 
graphischen Aufnahmeprozeß, mit dem die Gewin¬ 
nung dreier Negative durchzuführen ist, welche nur 
ganz bestimmte Farbenanteile des Objektes enthalten, 
nämlich gedeckt zeigen, und in die eigentliche 
Klischeeanfertigung, welche eine Reihe von ver¬ 
schiedenartigen Prozessen umfaßt: die Herstellung 
von Kopien nach den drei Teilnegativen auf den 
Metallplatten, das Ätzen dieser und die Retusche, 
welche teils in partiellem Nachätzen teils in einer oft 
recht durchgreifenden Überarbeitung der Platten mit 
Stichel, Roulette und Polierstahl besteht. 

Das Aufnahmeverfahren steht in innigster Ab¬ 
hängigkeit von der Farbenwahl, das heißt von den 
zum Drucke der drei Teilplatten bestimmten Pigmen¬ 
ten. Bekanntlich benutzen wir zum Dreifarbendruck 
in der Regel Chromgelb, Krapplack und Pariserblau 
(auch Miloriblau, Preußisch- oder Berlinerblau, 
welche alle Pigmente von fast gleicher Zusammen¬ 
setzung darstellen und nur geringe Verschiedenheit 
der Nuance aufweisen). Dieses Grundfarbensystem 
ist nun keineswegs ein völlig einwandfreies, wie 
von Hiibl in seinem wiederholt genannten Buche 
(„Die Dreifarbenphotographie usw.“) in überzeugen¬ 
der Erörterung nachweist. Das System besitzt viel¬ 
mehr eine Reihe sehr namhafter Mängel, welche 
kurz erklärt werden mögen. Sollen bei der Re¬ 
produktion eines bunten, alle möglichen Farben 
besitzenden Objektes nur drei Farbstoffe verwendet 
werden, so müssen sie zur Erreichung weitgehender 
Originaltreue derart beschaffen sein, daß außeror¬ 
dentlich zahlreiche Mischfarben mit ihnen erhalten 
werden können. Denkt man sich alle von unserm 
Auge empfindbaren Farbentöne auf einer Kreisfläche 
(analog dem Newtonschen Farbenkreise) so ange¬ 
ordnet, daß die roten, orangefarbigen, gelben, gelb¬ 
grünen, grünen, blaugrünen, cyanblauen, ultra¬ 
marinblauen, violetten und purpurnen Farben (Violett 
und Rot geben Purpur, das im Spektrum fehlt; es stellt 
also gleichsam das mangelnde Bindeglied dar, welches 


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das Farbenband des Spektrums erst zu einem in sich 
abgeschlossenen, alle Farben enthaltenden machte) 
kontinuierliche Kreisbänder ergeben und die Farben 
in einem vom Zentrum, welches Schwarz verkörpert, 
um so weiter abstehenden Kreise eingegliedert sind, 
je reiner, nämlich je weniger schwärzlich sie er¬ 
scheinen, so ergibt sich folgendes. Theoretisch wäre 
eine fast unendliche Zahl von ganz gleichwertigen 
Dreifarbensystemen möglich. Denn es ist klar, daß 
drei in jedem Farbenkreise je 120 Grad vonein¬ 
ander abstehende Farben durch entsprechende Mi¬ 
schung alle übrigen in diesem Kreise liegenden er¬ 
geben müßten. Praktisch stellt sich die Sache 
allerdings anders. Wenn bei der additiven Mischung 
farbiger Lichter die Durchführung noch gut denkbar 
erscheint (Rot und Grün lassen da z. B. ein Gelb er¬ 
halten ; vergleiche oben), so ist sie bei der subtrak- 
tiven Mischung von Pigmenten, mit der wir es beim 
Dreifarbendrucke aber hauptsächlich zu tun haben 
(nicht durchaus, wie später noch gezeigt werden 
wird), unmöglich zu erreichen. Unser Auge ist näm¬ 
lich für die Verunreinigung der verschiedenen Farben 
nicht gleich stark empfindlich. Selbst bedeutende 
Schwärzlichkeit von Blau, Grün, und selbst von Vio¬ 
lett und Rot schädigt noch nicht allzusehr den Ein¬ 
druck, man hätte es mit einer reinen Farbe zu tun. 
Gelb dagegen verträgt dies nicht, wir empfinden es 
sofort als schmutzige Farbe. Aus diesem Grunde 
muß Gelb eine der Grundfarben beim Dreifarben¬ 
druck bilden und damit ergibt sich auch mit zwingen¬ 
der selbstverständlicher Notwendigkeit die Wahl der 
beiden andern Farben, welche Blaugrün und Pur¬ 
pur sein müssen, weil sie je 120 Grad beiderseits 
vom Gelb im Farbenkreise abstehen. Da die drei 
Farbstoffe eine sehr große Zahl von Mischfarben er¬ 
geben sollen, so müßten sie naturgemäß ein Dreieck 
(und zwar erklärlicherweise ein gleichseitiges) in der 
beschriebenen Kreisfläche einschließen, welches 
einen großen Flächeninhalt aufweist. Man hätte die 
Pigmente also einem der äußeren, vom schwarzen 

*) Als Überdeckungsfehler bezeichnet von Hübl das Ver¬ 
halten von Farbstoffen bei ihrer Mischung durch Über¬ 
einanderlagern vonSchichten, wobei sie nämlich ein andres 
Resultat ergeben, als wenn sie zuerst in der Substanz ge¬ 
mischt und dann erst etwa auf weißes Papier aufgetragen 
werden. Während beispielsweise ein gelber und ein roter 
Farbstoff in der Substanz gemischt ein zwischen beiden 
liegendes Orange ergeben, erhält man mit denselben Pig¬ 
menten, in Schichten übereinandergebracht, das eine Mal 
ein Gelborange, das andre Mal ein Rotorange, je nachdem 
dieser oder der andre Farbstoff die obere Schicht bildet. 
Selbstverständlich wird der Überdeckungsfehler sich um 
so mehr bemerkbar machen, je mehr das Pigment sich einer 
Deckfarbe nähert und je dicker die Farbstoffschicht ist. 
Ganz vermieden ist der Überdeckungsfehler bei den vor¬ 
her erwähnten Dreifarben-Diapositiven, deren viel bewun¬ 
derte Farbenpracht eben durch den Umstand erklärlich 


Zentrum weit entfernten Farbenkreise zu entnehmen, 
in dem sie je 120 Grad voneinander entfernt sind. 
Diesen Anforderungen entsprechen fast vollkommen 
gewisse Teerfarbstoffe, welche rein und feurig sind 
und sehr vollendet dem Farbenmischungsgesetze 
folgen, weil ihre schmalen Absorptionsbänder nicht 
kollidieren (s.oben). Rote und blaue Pigmente werden 
dann naturgemäß immer ein reines Violett ergeben, 
während beispielsweise die an und für sich ziemlich 
rein erscheinenden Pigmente Zinnober und Ultra¬ 
marinblau gemischt zu Braun führen, weshalb diese 
beiden Farbstoffe denTypus von Pigmenten repräsen¬ 
tieren, wie er beim Dreifarbendruck nicht zur Ver¬ 
wendung gelangen darf. Ein in Hinsicht auf die Er¬ 
reichbarkeit von vielen mannigfaltigen Mischfarben 
sehr günstiges Dreifarbensystem wäre Kadmiumgelb 
(ein anorganischer Farbstoff), Nachtrosa und eine 
Mischung von Pfaublau und Viridingrünlack (1:2), 
welche drei Pigmente Teerfarbstoffe sind. Ein mit 
diesen hergestellter Dreifarbendruck ist jedoch höchst 
unbeständig und man wählt daher fast ausschließlich 
lichtechte Pigmente, als welche Chromgelb (dieses ist 
billiger alsdas lasierende Kadmiumgelb, das aber eben¬ 
falls den beständigen Farbstoffen zuzuzählen ist), 
Krapplack und Pariserblau betrachtet werden können. 
Dagegen besitzen sie den Nachteil, daß sie schwärz¬ 
liche Nuancen darstellen, mit ihnen also von vorn¬ 
herein viel weniger zahlreiche Mischfarben nur er¬ 
halten werden können, ferner, daß sie in größerem 
Maße den sogenannten Überdeckungsfehler auf¬ 
weisen.*) Beide Mängel werden aber zum großen 
Teile durch einen Umstand ausgeglichen, der eben 
nur der Autotypie (in gewissem Grade auch andern 
Verfahren, die gleich ihr die Zerlegung homogener 
Halbtöne in Punkt- oder Strichtöne zum Gegenstände 
haben) in solchem Maße eigentümlich ist. 

Bekanntlich erhalten wir bei der Autotypie, wie 
dies bei einem Verfahren, welches in der Buch¬ 
druckerpresse druckbare Formen ergeben soll, übri¬ 
gens selbstverständlich ist, die Abschattierung in Töne 

wird, daß durchfallendes Licht zur Geltung kommt, also 
die resultierende Farbe unbedingt dem Strahlengemisch 
entsprechen muß, welches von den Farbstoffschichten, 
welche das Licht passierte, nicht absorbiert wurde. Beim 
Dreifarbendruckbilde aber wird das auffallende weiße Licht 
von der oder den oberen Farbschichten (wenn sie zu¬ 
sammenhängende solche sind, wie dies beim Lichtdrucke 
und der Heliogravüre annähernd der Fall ist, beim Hoch¬ 
drucke aber nur an voll gedeckten Stellen) nicht genügend 
in die darunterliegende hindurchgelassen. Das ins Auge 
des Beschauers gelangende reflektierte Strahlengemisch 
ist dadurch in mehr oder weniger dominierender Weise von 
der oberen Farbstoffschichte beeinflußt. — Den aus Teer¬ 
farbstoffen erzeugten Lacken kommt im allgemeinen eine 
größere Transparenz zu (es hängt dies allerdings von 
dem Substrat ab, auf welches der Farbstoff gefällt wurde), 
als sie beispielsweise beim Pariserblau und Krapplack 


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verschiedener Valeur durch Systeme von ungleich 
große Flächenelemente darstellenden „Punkten“ 
oder Strichen, die ihrer Stärke entsprechend dichter 
oder in größeren Abständen voneinander gelagert 
sind. Drucken wir eine derartige Form ab, so resul¬ 
tiert ein Bild, dessen Tonabstufungen dadurch zu¬ 
stande kommen, daß zwischen den feinen, von großen 
Zwischenräumen getrennten Punkten die Unterlage 
haupsächlich zur Geltung kommt, während in den 
Mitteltönen bis zu den vollen Flächen immer mehr 
die dichter stehenden, dickeren Punkte oder Striche 
dominieren. Kommen nun verschiedenfarbige so 
kleine Flächenelemente nebeneinander, so werden 
sie nicht als einzelne Komponenten wahrgenommen, 
sondern die von den unterschiedlichen kleinen Flächen 
reflektierten Farben mischen sich optisch derart, daß 
eine einheitliche Farbenempfindung wachgerufen wird. 
Infolgedessen haben wir es bei der Dreifarbenauto¬ 
typie nicht mit einem rein auf subtraktiver Mischung 
(wie dies beispielsweise bei den Dreifarben-Diaposi- 
tiven der Fall ist, die aus drei übereinander gelager¬ 
ten Pigmentschichten bestehen, wobei die ununter¬ 
brochen zusammenhängenden Farbstoffschichten eine 
verschiedene Dicke besitzen) basierenden Verfahren 
zu tun, was wohl einerseits erklärt, daß wir selbst 
mit den schwärzlichen Pigmenten Krapplack und Pa¬ 
riserblau noch ziemlich reine Mischfarben erhalten 
(denn diese werden so gebildet, wie beispielsweise 
Mischfarben eines in Rotation befindlichen, mit meh¬ 
reren Farben versehenen Kreisels), anderseits aber 
die Verhältnisse beim Prozesse in mancher Hinsicht 
kompliziert. Endlich krankt das Grundfarbensystem, 
Chromgelb, Krapplack und Pariserblau noch daran, daß 
diese Farbentöne nicht der Anforderung entsprechen, 
je 120 Grad im Farbenkreise auseinanderzuliegen, 
was selbstverständlich von vornherein eine nicht un¬ 
wesentliche Fehlerquelle bilden muß. Aber man 
vermag dies durch entsprechende Retusche sehr gut 
auszugleichen. 

Die Abhängigkeit des photographischen Prozesses 
von dem gewählten Grundfarbensystem besteht nun 
darin, daß die Farbenselektion gemäß den zum 
Drucke verwendeten Pigmenten durchgeführt wer¬ 
den muß. Das heißt, daß wir dreier Teilnegative 
bedürfen, von welchen das erste den Bildanteil, 
welchen wir mit der Druckfarbe Krapplack reprodu¬ 
zieren in der entsprechenden Abschattierung trans¬ 
parent enthalten muß, während beim zweiten der mit 

zu beachten ist. Bei ihnen ist daher der Überdeckungs¬ 
fehler geringer. Dies, sowie die übrigen Vorgänge der 
reinen feurigen Teerfarbstoffe, von welchen oben die 
Rede war, haben beispielsweise in England mehrere Fir¬ 
men veranlaßt, Pigmente für den Dreifarbendruck zu 
wählen, welche dem genannten Systeme von Hübls ziem¬ 
lich verwandt sind. Die mit solchen Farbstoffen herge¬ 
stellten Dreifarbenautotypiedrucke zeigen allerdings sehr 


Chromgelb wiederzugebende Anteil durchsichtig zu 
sein hat, endlich die nicht dunklen Elemente des 
dritten Negativs die Farbenkomponente des Ob¬ 
jekts repräsentieren, welche wir durch Pariserblau 
beim Druck zu erzielen suchen. Oder umgekehrt: 
auf die drei Negative müssen je die Strahlengattungen 
einwirken, welche von dem betreffenden Farbstoff, 
welcher beim Drucke der nach jedem der Negative 
gewonnenen Form zur Verwendung gelangt, nicht re¬ 
flektiert werden, also die den Farben der Pigmente 
komplementären Strahlengemische. Theoretisch ist 
die Lösung dieser Aufgabe anscheinend recht ein¬ 
fach: wir nehmen entsprechend gefärbte Gläser 
oder Flüssigkeiten, welche die jeweils bei der Her¬ 
stellung der drei Negative auszuschaltenden Strah¬ 
lengattungen absorbieren. Dies gelingt aber aus 
dem einfachen Grunde nicht, weil die gewöhnliche 
photographische Platte nur für Blau hauptsächlich 
empfindlich ist, also das ausgelöste Rot und Gelb gar 
nicht imstande wären, die sensible Schicht zu ver¬ 
ändern. Wir wissen nun, daß wir durch gewisse Farb¬ 
stoffe, die als optische Sensibilisatoren wirken, die 
Schicht auch für andre als blaue Strahlen empfind¬ 
lich machen können; sogar eine nahezu für alle 
Strahlengattungen gleich empfindliche, panchroma¬ 
tische Platte (siehe oben) herzustellen vermögen. Man 
könnte nun wieder meinen, daß man einfach die 
Schicht für die betreffenden Strahlen nur empfind¬ 
lich zu machen brauche. Das ist aber unmöglich, 
weil durch die Sensibilisierung für bestimmte Farb- 
zonen die Eigenempfindlichkeit der Platte gerade im 
Bedarfsfälle nicht aufgehoben wird. Man muß da¬ 
her beides anwenden, nämlich Selektionsfilter und 
Sensibilisierung der lichtempfindlichen Schicht kom¬ 
binieren. 

Die Wirkung von Sensibilisatoren und Lichtfilter 
wird aus der Tafel in Heft 7 sehr leicht ersichtlich 
sein. Die Farbentafel und die Klischees sind dem 
Werke: Eder, „Die Photographie mit Bromsilber- 
Gelatine“ (5. Auflage, Halle a. S. 1903) entnom¬ 
men und sei an dieser Stelle für die Erlaubnis der 
Publikation in vorliegender Abhandlung Herrn Hof¬ 
rat Eder bestens Dank gesagt. Die Edersche 
Farbentafel zeigt fünf Streifen, und zwar Zinnober, 
Chromgelb, Schweinfurtergrün, Ultramarinblau und 
Methylviolett. Sie wird an der k. k. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien zur Vornahme prak¬ 
tischer Erprobungen von photographischen Platten 


hübsche Mischfarben, jedoch fast nie ein annähernd neu¬ 
trales Schwarz, was wohl darauf zurückzuführen sein dürfte, 
daß hier eben nicht so dicke Schichten benutzt werden 
können, wie sie diese Farbstoffe zur Schwarzbildung aber 
erfordern. Bei den Dreifarbenpositiven ist dies dagegen 
leicht möglich, da man ja mit Gelatinepigmentbildern 
naturgemäß dieser Anforderung unschwer entsprechen 
kann. 


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PRINCETON UNtVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


auf ihre Farbenempfindlichkeit (siehe oben) und 
ferner stets als Kontrollobjekt bei Dreifarben¬ 
aufnahmen benutzt, zu welchem Zwecke die rechts 
in Lichtdruck reproduzierte Grauskala (sie gibt die 
Gradation, nämlich die Tonabstufung der Aufnahme 
an und bei den Dreifarbenätzungen zeigt sie sehr 
gut die Intensität der Komponenten beim Überein¬ 
anderdruck) und die drei beim Dreifarbendruck in 
der Regel zur Anwendung gelangenden Pigmente: 
Chromgelb, Krapplack und Pariserblau (Miloriblau, 
Preußischblau) mitgedruckt sind. Für die Farben¬ 
tafel, welche die eigentliche Prüfungstafel darstellt, 
wurde Ultramarinblau gewählt, weil es photogra¬ 
phisch wirksamer als das Miloriblau ist, Zinnober 
an Stelle des Krapprots, weil dieses zu viel Blau re¬ 
flektiert. 

Macht man von dieser Farbentafel photographi¬ 
sche Aufnahmen und stellt von dem erhaltenen 
Negative beispielsweise auf photographischem Pa¬ 
piere Kopien her, so werden die fünf Streifen in 
verschieden hellgrauen, dunkelgrauen oder schwar¬ 
zen Nuancen wiedergegeben erscheinen, je nachdem 
die Farbenflächen (Zinnober, Chromgelb, Schwein- 
furtergrün, Ultramarinblau und Methylviolett) pho¬ 
tographische Wirksamkeit (Aktinität) bei der betref¬ 
fenden Plattensorte besessen haben. Die gewöhnliche 
Bromsilbergelatine-Trockenplatte (Abbildung 1 auf der 
Tafel) gibt das Ultramarinblau am hellsten (fast wie 
Weiß), das Methylviolett gleichfalls noch hell, dage¬ 
gen das Schweinfurtergrün wie dunkles Grau, Zin¬ 
nober und Chromgelb aber fast wie Schwarz. Dies 
ist natürlich dem Empfinden unsres Auges, dem 
Gelb als die optisch hellste, das Blau und Violett 
aber als die dunkelsten Farben erscheinen, diame¬ 
tral entgegengesetzt, was man am besten aus den 
Inschriften „Chromgelb“ und „Ultramarin“ erkennen 
kann. Auf der Farbentafel erscheint das erste Wort, 
blau auf gelbem Grunde gedruckt, etwa wie Dunkel- 
grau auf Weiß, das zweite wie Weiß auf Dunkelgrau. 
Die Bromsilbergelatine-Trockenplatte im gewöhnli¬ 


chen Zustande (Abbildung 1) kehrt dieses Verhältnis 
direkt um. In Abbildung 2 sehen wir die Farben¬ 
tafel schon etwas günstiger repoduziert. Hier 
wurde die photographische Platte durch Zugabe von 
Erythrosinfarbstoff zur empfindlichen Emulsion 
für Gelbgrün sensibilisiert und durch Vorschaltung 
einer hellen Gelbscheibe als Lichtfilter das Blau 
gedämpft. Benutzt man bei Erythrosinplatten (so¬ 
genannte orthochromatische Platten) eine genügend 
dunkle Gelbscheibe, welche Blau und Violett, sowie 
ein wenig Blaugrün durch Absorption noch mehr 
unwirksam macht, so erhalten wir von der Farben¬ 
tafel eine Reproduktion, in welcher die Helligkeits¬ 
werte der fünf Farbstreifen ziemlich so erscheinen, 
wie sie der optischen Helligkeitsempfindung uns¬ 
res Auges entsprechen. Abbildung 4 zeigt die Wie¬ 
dergabe der Erforschen Farbentafel mit einer hinter 
einem Grünfilter exponierten mit Erythrosin sensi¬ 
bilisierten Platte. Das Grünfilter dämpft sowohl 
das Blauviolett, als auch das Orangerot und sogar 
das Gelb, wodurch dem Grün die größte Helligkeit 
erteilt wird. Diese von Eder konstatierte Tatsache 
(„Die Photographie mit Bromsilbergelatine usw.“ 
1903, Seite 669) ist von Wichtigkeit beispielsweise 
bei einem Vierfarbendruck, welcher mittels der Hering- 
sehen Grundfarben Gelb, Rot, Blau und Grün (siehe 
später) durchgeführt werden soll. Naturgemäß wird 
nun die Eigentümlichkeit der gewöhnlichen photo¬ 
graphischen Platte, die oben besprochen wurde, noch 
mehr zum Ausdruck gelangen, wenn man ein Methyl¬ 
violett-Lichtfilter anwendet, welches auch noch das 
Grün ganz dämpft (Abbildung 5). Eine für Rot sensi¬ 
bilisierte Platte, die hinter einem roten Selektions¬ 
filter exponiert wurde, gibt endlich in der Kopie die 
Farbentafel so wieder, wie es in Abbildung 6 auf der 
Tafel dargestellt ist. Schließlich sei noch bemerkt, 
daß die eben besprochenen und auf der beigegebenen 
Tafel abgedruckten Farbentafel-Reproduktionen hier 
lediglich zum Zwecke einer allgemeinen Orientierung 
gebracht wurden. 


Über die Lichtbeständigkeit der Druckfarben 

Von Dr. RÜBENCAMP, Dresden. 


U NTER den Eigenschaften, welche die Farben 
für die graphische Technik geeignet machen, 
ist die Lichtbeständigkeit in vielen Fällen eine 
der wichtigsten. Ich brauche mit Absicht die Ein¬ 
schränkung: in vielen Fällen, denn nicht immer und 
überall ist es nötig auf die Verwendung lichtbestän¬ 
diger Farben Wert zu legen. Wenn z. B. für eine 
Speisenfolge, eine Tanzkarte, Gratulationskarte oder 
ähnliche, nur bestimmten Gelegenheiten dienenden 
und nicht für längere Dauer berechnete Drucksachen 
die Auswahl der Farben mehr mit Rücksicht auf die 


Lebhaftigkeit, Leuchtkraft und Tiefe, als auf deren 
Beständigkeit, geschieht, so ist das vollkommen be¬ 
rechtigt; die Luxuspapierwaren-Fabrikation wird also 
im allgemeinen ohne sonderliche Bedenken von einer 
strengen Prüfung ihres Farbenmaterials nach dieser 
Richtung hin absehen können. Anders steht es aber 
bei vielen Arbeiten des Akzidenzdruckes und man 
darf sich billig wundern, wie sorglos oft von nam¬ 
haften Druckereien Arbeiten angefertigt werden, 
deren ausgesprochener Zweck es ist in Licht und Luft 
dauernd ausgestellt oder aufgehängt zu werden. Wie 

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PRINCETON UNIVERS1TY 


ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


oft trifft man auf vielfarbig ausgeführte Plakate, Fahr¬ 
pläne, Warenemballagen, große Tableaux, welche Ge¬ 
schäftsempfehlungen, mit Fabrikabbildungen, An¬ 
sichten von Bädern usw. enthalten und in Bahnhöfen, 
Restaurationen, Schaufenstern, Geschäftslokalen, also 
immerhin doch nicht in Wind und Wetter, und meist 
nicht einmal direkt der Sonne ausgesetzt, aufgestellt 
und aufgehängt sind, und in mehr oder minder kurzer 
Zeit das Ausbleichen oder Mißfarbigwerden ein¬ 
zelner Farben erkennen lassen, das sich nicht selten 
bis zum vollkommenen Verbleichen einzelner Farben 
steigert. Es kommt dann vor, daß z. B. rotgedruckte 
Textzeilen vollkommen verschwinden und absolut un¬ 
leserlich werden, daß einzelne Partien in Bildern das 
scheinbar unbedruckte weiße Papier oder eine wider¬ 
sinnige Färbung zeigen. 

Nicht nur im Buch- und Steindruck kann man diese 
Beobachtung machen, auch Erzeugnisse der Blech¬ 
druckerei kann man zuweilen antreffen, welche die 
gleichen Mängel zeigen, was dann natürlich, da es 
sich hier um Drucksachen handelt, welche jahrelange 
Dauer und ganz besondere Widerstandsfähigkeit ohne 
weiteres als selbstverständlich voraussetzen, auf eine 
ganz besonders wenig sachverständige und unauf¬ 
merksame Auswahl des Farbenmaterials schließen 
läßt. 

Es mag daher angebracht sein, einige Betrachtungen 
über diese, in vielen Fällen so bedeutungsvolle Eigen¬ 
schaft der Farben hier anzustellen. 

Wenn wir uns die Frage vorlegen: „wann ist eine 
Farbe lichtecht?“, so müssen wir uns zunächst dar¬ 
über klar werden, in welcher Weise sich diese Eigen¬ 
schaft, und wie sich das Nichtvorhandensein dieser 
Eigenschaft äußert. Die letztere Frage ist leichter zu 
beantworten. Setzen wir einen Farbendruck dem 
Sonnenlichte aus — sei es der direkten Bestrahlung 
durch die Sonne, sei es dem zerstreuten Tageslichte 
— so bemerken wir bei nicht lichtbeständigen Farben, 
daß nach kürzerer oder längerer Zeit eine Verfärbung 
eintritt. Diese Verfärbung braucht nicht nur in einem 
Ausbleichen, also Hellerwerden und unter Umständen 
schließlich vollkommen Farbloswerden der betreffen¬ 
den Farbendruckstelle zu bestehen, es kann vielmehr 
auch ein Dunklerwerden, Bräunen, ja Schwärzen der 
ursprünglich vielleicht gelben oder roten oder weißen 
Fläche eintreten, während Partien in demselben Bilde, 
welche mit andern Farben gedruckt sind, ihren 
Farbenton, und auch ihre Farbentiefe vollkommen er¬ 
halten, oder doch nur etwas an Leuchtkraft und Glanz 
einbüßen, d. h. nur etwas unansehnlicher, abgenützter 
sich darstellen. Wir werden im allgemeinen die letz¬ 
teren Farben als lichtbeständig, die erstcharakteri¬ 
sierten als lichtunbeständig bezeichnen, ohne uns 
weiter Rechenschaft darüber abzulegen, ob es wirk¬ 
lich immer nur die Lichtstrahlen sind, welche die 
wahrgenommene Wirkung verursacht haben. 


In der Tat ist es denn auch nicht immer nur das 
Licht allein, welches verändernd auf die Farben ein¬ 
wirkt, vielmehr kommen auch noch Einflüsse in Be¬ 
tracht, welche als — meistens zufällige — Bestand¬ 
teile der Luft oft von recht kräftiger Wirkung auf 
bestimmte Farben sind. Unter dem Begriffe Licht¬ 
echtheit ist also im allgemeinen die Licht- und Luft¬ 
beständigkeit zu verstehen, wobei dann im weiteren 
Sinne alle die Einflüsse zusammengefaßt sind, welchen 
— abgesehen von mechanischer Zerstörung — die 
Drucksachen, je nach der Art ihrer Verwendung, 
ausgesetzt sein können, aber selbstverständlich 
nicht immer ausgesetzt sein müssen. Es erhellt 
also, daß die Beurteilung über die Auswahl von mehr 
oder minder licht- bzw. luftechten Farben auf die 
Art der Verwendung, für welche die in Betracht 
kommende Drucksache bestimmt ist, bezogen werden 
muß. 

Die Wirkung des Lichtes auf die Farben geht von 
Strahlen aus, die dem menschlichen Auge nicht direkt 
sichtbar sind. Zerlegt man das farblose Licht der 
Sonne mittels eines Glasprismas, so erhält man be¬ 
kanntlich das Spektrum des Sonnenlichtes, welches in 
der Farbenfolge Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Vio¬ 
lett die in verschiedener Weise gebrochenen Strah¬ 
len erkennen läßt. Aber dieses Spektrum zeigt uns 
nur diejenigen Strahlen, welche unser Sehorgan, das 
menschliche Auge, wahrzunehmen und zu unserm 
Bewußtsein zu bringen vermag. Vor dem Rot und 
hinter dem Violett können wir unter Zuhilfenahme 
physikalischer Experimente eine unsichtbare Art von 
Strahlen an den Wirkungen, die sie ausüben, er¬ 
kennen; und es sind besonders die hinter dem Violett 
liegenden, die ultravioletten Strahlen, welche hier in 
Betracht kommen, weil diese eine chemische Wirkung 
ausüben. Denn die Wirkung des Lichtes auf aus¬ 
bleichende Farben müssen wir uns als einen chemi¬ 
schen, inneren Zersetzungsprozeß vorstellen. Daß 
es sich um eine solche Wirkung handelt, ist uns seit 
langem bekannt und wir haben von dieser Wirkung 
praktische Anwendung u. a. im photographischen 
Prozeß und im Lichtpauseverfahren gemacht, bei 
denen es sich um durch Belichtung absichtlich her¬ 
beigeführte chemische Umwandlungen der in An¬ 
wendung kommenden Silber-, Eisen-, Manganver- 
bindungen usw. handelt. Ebenso ist die den Licht¬ 
druck begründende Erscheinung, daß chromierte 
Gelatine durch Belichtung in Wasser unlöslich wird, 
die Folge der chemisch wirkenden Lichtstrahlen. Die 
ultravioletten Strahlen sind kurzwellig und stärker 
gebrochen als die sichtbaren Strahlen des Spektrums; 
sie heißen auch aktinische Strahlen und wirken che¬ 
misch ohne viel Wärme zu erzeugen; die ultraroten 
Strahlen dagegen sind längerwellig und weniger ge¬ 
brochen als das sichtbare Spektrum und entwickeln 
Wärme, ohne chemisch zu wirken. 


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PRINCETON UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Diese ultravioletten Strahlen sind es nun also, wie 
wir annehmen, in erster Linie, welche die Zerstörung 
der Farben bewirken, und zwar sind es vorwiegend 
die organischen Farben, d. h. diejenigen Produkte der 
Farbenfabrikation, deren färbendes Prinzip organi¬ 
scher Natur ist, die dieser Einwirkung gegenüber in 
Betracht kommen. Hierher gehören die zahlreichen 
Farblacke, welche aus pflanzlichen und vorallenDingen 
aus Teerfarbstoffen hergestellt werden, und die zwar 
von unerschöpflicher Vielseitigkeit, Tiefe und Feuer 
der Tönung sind, deren mehr oder minder ausgeprägte 
Empfindlichkeit aber leider meist mit der Brillanz des 
Farbtones wächst. Es wäre gänzlich verkehrt — wie 
es von vielen Seiten geschieht, und wie man es auch 
in manchen von Druckerei-Fachleuten herausgege¬ 
benen Schriften, in welchen die Druckfarben behandelt 
werden, lesen kann — die organischen Farben samt 
und sonders als lichtunecht zu bezeichnen, und von 
deren Verwendung überall da, wo die Lichtbeständig¬ 
keit Bedingung ist, abzuraten. Wir haben im Gegen¬ 
teil zahlreiche organische Produkte zur Verfügung, 
welche den anorganischen Farben nicht nur eben¬ 
bürtig, sondern ihnen sogar überlegen sind, und deren 
wir — wie z. B. des Krapplackes für den Dreifarben¬ 
druck — gar nicht entbehren können. Aber es darf 
nicht vergessen werden, daß diese Eigenschaft unter 
den organischen Produkten doch immer nur die Aus¬ 
nahme darstellt, und daß die bei weitem überwiegende 
Mehrzahl nur in sehr mäßigem Grade den Lichtwir¬ 
kungen gegenüber sich haltbar erweist. Der Drucker 
wird also immer genötigt sein, mit Kritik an die Aus¬ 
wahl der Farblacke heranzutreten und sich zunächst 
darüber klar machen müssen, ob und wie weit die 
fertige Drucksache dem Licht ausgesetzt werden 
könnte. 

Neben den organischen sind es aber auch einige 
anorganische Farben, welche vom Licht beeinflußt 
werden, und es äußert sich dieser Einfluß dann nicht 
immer als Ausbleichen, sondern im Gegenteil oft als 
Verdunkelung, oder wenigstens als Mißfärbung. So 
ist bekannt, daß das für manche Zwecke der graphi¬ 
schen Technik sehr gut verwendbare Lithopon — ein 
Gemisch von schwefelsaurem Baryum und Schwefel¬ 
zink—durch andauerndeBelichtungmehroderminder 
grau wird. Nach neueren Forschungen wird diese 
Erscheinung auf die Gegenwart geringer Mengen ver¬ 
unreinigender Bestandteile zurückgeführt und soll 
durch verbesserte Fabrikationsmethoden ausge¬ 
schaltet werden können. Man beobachtet übrigens, 
daß die durch Belichtung grau gewordenen Lithopon¬ 
drucke nach längerem Aufbewahren im Dunkeln ihre 
ursprüngliche Weiße wiedererlangen. Der echte 
Zinnober , welcher allgemein als eine Farbe von der 
Lichtechtheit ersten Grades charakterisiert wird, ist 
dies durchaus nicht. Längere Zeit dem Lichte im 
Freien ausgesetzt, findet innerhalb dieser Schwefel- 


Quecksilberverbindung eine Umlagerung der Mole¬ 
küle statt, und die schöne rote Farbe geht bis in ein 
tiefes Dunkelbraun über. Zinnoberdrucke, welche 
in Innen-Räumen, möglichst auch durch Glas oder 
Firnisüberzüge geschützt, nur dem zerstreuten 
Lichte ausgesetzt sind, oder in Mappen, Büchern 
usw. sich befinden, sind dagegen von so gut wie un¬ 
begrenzter Dauerhaftigkeit. Auch das Milori-, Stahl-, 
Berlinerblau ist nicht von absoluter Lichtbeständig¬ 
keit, wenn diese Erscheinung auch nur da bemerk¬ 
bar wird, wo nicht mit vollgedeckter Farbe intensiv 
gedruckt, vielmehr aufgehellt wurde. Übrigens re¬ 
generiert sich Berlinerblau auch im Dunkeln. Alle 
Chromgelbe dunkeln im Licht allmählich etwas nach, 
sie werden braunstichig, auch Zinkgelb ist nicht voll¬ 
kommen zuverlässig. Von Kadmiumgelb sind die 
dunklen Sorten vollständig beständig, während die 
hellen etwas ausbleichen. Daß Kremserweiß , Mennige 
und die bleihaltigen Farben überhaupt unter Umstän¬ 
den sehr empfindlich sind, ist bekannt. Allerdings 
wirkt hier nicht das Licht, sondern gewisse Verun¬ 
reinigungen der Luft, welche schwefelwasserstoff- 
haltige Gase enthalten, sind das wirksame Moment, 
welches eine Schwärzung der mit Bleifarben be¬ 
druckten Stellen bewirkt. 

Was die organischen Farbprodukte anbelangt, 
welche der graphischen Technik als Farblacke in so 
ungeheuer großer Auswahl zur Verfügung stehen, 
so würde es kaum Zweck haben, und auch viel zu 
weit führen, an dieser Stelle Beispiele für die zer¬ 
störende Wirkung anzuführen, die das Licht so schnell 
und ausgiebig auf deren oft so brillante Farbeneffekte 
auszuüben vermag. Jeder erfahrene Farbendrucker 
hat wohl schon beobachtet, wie ein leuchtendes, tiefes 
Violett, das während eines hellen Sommertages dem 
direkten Sonnenlicht ausgesetzt wurde, bis auf einen 
kaum mehr erkennbaren Schimmer verblaßt war; 
oder wie ein feuriger Geraniumlack gar schnell Feuer 
und Farbton verlor; wie blaue und grüne Lacke, wenn 
auch langsamer, so doch stetig und sicher verzehrt und 
vernichtet wurden. Aber wenn auch die Farblacke in 
ihrer Widerstandsfähigkeit in manchen ihrer Pro¬ 
dukte nur ganz bescheidenen Ansprüchen genügen 
können, so sind doch andre ihrer Glieder vollkommen 
auf der Höhe der Forderungen, die in dieser Bezie¬ 
hung in der graphischen Technik erhoben werden 
müssen. Die schon erwähnten Alizarin- (künstlichen 
Krapp-) Lacke sowohl, wie die aus dem künstlichen 
Indigo hergestellten Lacke sind unzweifelhaft zu¬ 
verlässig lichtechte Produkte, und es hat kein Be¬ 
denken diese—vorausgesetzt, daß sie aus vertrauens¬ 
würdiger Quelle bezogen worden sind — selbst für die 
anspruchsvollsten Zwecke: Banknoten-, Urkunden¬ 
druck usw. zu verwenden. Neben diesen unbedingt 
als lichtecht ersten Grades zu charakterisierenden 
Farblacken stehen aber noch zahlreiche Sorten sehr 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


lebhafter und schöner tiefer Rotlacke, die zwar nicht 
vollkommen auf der Höhe von Alizarin- (Krapp-) und 
Indigolacken stehen, aber doch diesen nur wenig nach¬ 
geben; und es gibt auch blaue, gelbe und grüne Lacke, 
welche einen hohen Grad von Lichtbeständigkeit auf¬ 
weisen, wenn auch bei ihnen von einer besonders 
bemerkenswerten Leuchtkraft und Tiefe allerdings 
nicht die Rede sein kann. So kann man z. B. aus dem 
Alizarin auch blaue und grüne, selbst gelbe und braune 
Lacke herstellen, aber das Vorhandensein von licht¬ 
beständigen Farben dieser Nuancen, welche anorga¬ 
nischer Natur sind, läßt ein Bedürfnis nach organi¬ 
schen Produkten natürlich nicht aufkommen. 

Von den hier zuletzt erwähnten Farblacken, deren 
Lichtbeständigkeit mit 1—2 und in andern Fällen mit 
2 zu bezeichnen wäre, namentlich Vertreter anzu¬ 
führen, dürfte sich nicht empfehlen. Bei der außer¬ 
ordentlichen Vielseitigkeit der Benennung, welche 
jede Fabrik, und in vielen Fällen sogar der Händler, 
nach eignem Belieben seinen Produkten gibt, ist 
die Anzahl der Phantasienamen, von denen ganz gut 
einige Dutzend ein und dasselbe Produkt bezeichnen 
können, derartig gewachsen, daß auf diesem Gebiete 
bedauerlicherweise eine völlige Systemlosigkeit 
herrscht. Man tut in solchen Fällen schon am besten, 
sich mit genaueren Angaben seiner Wünsche und der 
Erfordernisse für die in Betracht kommende Arbeit 
an seinen Farbenlieferanten zu wenden, der dann in 
der Lage ist, geeignete Sorten seiner Produktion 
auszuwählen. 

Um nun das Gesagte zusammenzufassen, sei noch 
einmal darauf hingewiesen, daß der Begriff der Be¬ 
ständigkeit der Farben, welche wir mit dem Worte 
Lichtechtheit bezeichnen, eigentlich weiter zu fassen 
ist; er begreift auch die Luftechtheit in sich und die 
allgemeine Widerstandsfähigkeit gegen die in der 
normalen Luft enthaltenen Bestandteile. Wir haben 
gesehen, daß manche Farben, wenn die damit her¬ 
gestellten Drucke nicht andauernd den Einflüssen von 
Licht und Luft direkt ausgesetzt bleiben, von fast un¬ 
begrenzter Haltbarkeit sein können, während andre, 
welche im allgemeinen der Drucker als „lichtecht“ 
zu betrachten geneigt ist, unter Umständen gar bald 
einer Mißfärbung und Zersetzung unterliegen kön¬ 
nen, wenn an diese ihre Widerstandsfähigkeit zu hohe 
Ansprüche gestellt werden. Unterstützt kann die 
Licht- und Luftbeständigkeit der Farben bis zu einem 
gewissen Grade dadurch werden, daß die damit her- 
gestellte Drucksache mit einem Lack überzogen oder 
unter Glas aufbewahrt wird. Durch einen derartigen 
Schutz kann die Farbe allerdings nicht vollkommen 
erhalten werden, wohl aber wird die zersetzende 
Wirkung der Lichtstrahlen etwas aufgehalten. In dem 
Glase und dem Lacküberzug wird ein Teil der wirk¬ 
samen Strahlen absorbiert. Der Grad der Licht¬ 
beständigkeit eines Farbelackes beruht übrigens nicht 


ausschließlich auf dem angewendeten Farbstoff, wenn 
dieser auch naturgemäß in erster Linie von Einfluß 
ist. Aber auch die Art der Herstellung des Farb- 
lackes ist von nicht unwesentlichem Einfluß. Die 
Wahl des Substrates, ob es zum Beispiel das voll¬ 
kommen transparente Tonerdehydrat oder das opa¬ 
kere Blanc fixe oder endlich Chinaclay ist, worauf der 
Farbstoff fixiert wurde, kann von ebenso wichtigem 
Einfluß sein wie die Art des verwendeten Fixierungs¬ 
mittels oder die Zugabe etwaiger Nuancierungsmittel. 
Weiter kommen die Temperatur, bei welcher die 
Fällung vorgenommen wurde, und mancherlei andre 
Nebenumstände bei Herstellung des Farbproduktes 
zuweilen noch in Betracht. Weiter können in der an¬ 
geriebenen Farbe die Art des Bindemittels, das Ver¬ 
hältnis der Menge des Bindemittels zu der des darin 
verriebenen Farblackes und sodann das Papier, wel¬ 
ches bedruckt wurde, von Einfluß sein, auch die Be¬ 
handlung, welche Steindruckfarbe beim Wischen mit 
ungeeigneten Wischwassermischungen erfahren. Man 
sieht also, daß es sich bei der Lichtbeständigkeit einer 
Farbe unter Umständen um sehr komplizierte Ver¬ 
hältnisse handeln kann. Ein Firnis kann durch Zu¬ 
satz ungeeigneter oder zu reichlicher Sikkativpräpa- 
rate, Papier dadurch, daß es säurehaltig ist oder 
stark vergilbt, der Farbe gefährlich werden. 

Gehen wir nun auf die Frage ein: wie die Licht¬ 
beständigkeit geprüft wird, so muß darauf hingewie¬ 
sen werden, daß eine solche Prüfung in unsern Brei¬ 
tengraden unter Umständen ein sehr zeitraubendes 
Unternehmen sein kann. Zuverlässig sind die Resul¬ 
tate nur dann, wenn die Prüfungen im hellen Sonnen¬ 
licht vorgenommen wurden, und dies steht uns wohl 
im Hochsommer in der benötigten Intensität und 
Dauer, in der übrigen Jahreszeit aber nur mit Unter¬ 
brechung zur Verfügung. Wir Mitteleuropäer haben 
also nur selten günstige Gelegenheit, die erwähnten 
Proben bei uns in ausgedehntem Umfange vorzuneh¬ 
men, was für manche Farbenfabriken die Veranlas¬ 
sung gegeben hat, ihre einschlägigen Versuche im 
sonnigen Süden vornehmen zu lassen. 

Die graphischen Farben werden am besten natür¬ 
lich in der Form probiert, in der sie zur praktischen 
Verwendung kommen, nämlich als Farbendrucke. 
Man stellt sich durch Buch- oder Steindruck glatt 
gedeckte Flächen her, welche auf der einen Seite 
wie ein' Irisdruck auslaufen. Auf der irisartig aus¬ 
laufenden Seite liegt die Farbe in schwächerer Lage 
und feinerer Verteilung auf dem Papier, sie wird 
also hier auch leichter angreifbar als in der stark und 
tief gedeckten Fläche sein. Die vergleichende Beob¬ 
achtung der Lichtwirkung auf die gedeckten und auf 
die irisartigen Stellen gibt also einen Anhaltepunkt 
für den Grad der Beständigkeit und man wird nur 
Farben, welche auch in den feineren Lagen nach 
der Belichtung ein nennenswertes Ausbleichen nicht 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


erkennen lassen, als vollkommen lichtecht erklären 
können. Die bedruckten Blätter, welche etwa die 
Größe eines Oktavblattes haben können, werden mit 
Heftzwecken auf eine harte Unterlage (Pappe, Holz) 
befestigt und zu etwa drei Viertel ihrer Breite mit 
einem schwarzen Kartonblatt zugedeckt, welches 
ebenfalls mit Heftzwecken dicht auf dem bedruckten 
Blatte befestigt wird. In dieser Weise wird nun der 
freigebliebene Teil des Druckes dem Licht und der 
Luft ausgesetzt und zwar am besten frei, ohne Schutz 
einer Glasscheibe. Nach einer bestimmten Zeit, etwa 
nach einem, nach drei Tagen oder nach einer Woche 
— je nach der Empfindlichkeit der Farbe — wird das 
schwarze Kartonblatt um ein Viertel weiter gerückt, 
so daß nun also das halbe Blatt exponiert ist, nach 
abermaliger Belichtung von bestimmter Dauer kann 
dann abermals das Kartonblatt um ein Viertel weiter 
gerückt und dann drei Viertel des Druckes belichtet 
werden. Man hat dann zum Schluß neben dem un¬ 
belichteten vierten Viertel drei Zonen, deren Belich¬ 
tung von verschiedener Dauer war und dementspre¬ 
chende Schlüsse auf die allmähliche Wirkung des 
Lichtes und der Luft oder die dauernde Widerstands¬ 
fähigkeit der Farbe diesen Einflüssen gegenüber zu¬ 
läßt. Vorausgesetzt, daß man hellen Sonnenschein 
längere Zeit (wenn auch mit Unterbrechung) zur Ver¬ 
fügung hat, kann man auf diesem Wege eine syste¬ 
matische Erprobung der Farbendrucke gegen Licht¬ 
einwirkung durchführen. 

Da aber, wie schon bemerkt, solche Proben in 
unsern Breiten immer an bestimmte unregelmäßig 
wiederkehrende und verhältnismäßig kurze Zeit¬ 
perioden gebunden sein werden, so begrüßte man 
mit Freuden eine Lichtquelle, welche vorwiegend 
die chemisch wirksamen ultravioletten Strahlen zur 
Wirkung gelangen läßt, und von der man hoffen durfte, 
daß mit ihrer Hilfe eine vollkommen exakte, sachge¬ 
mäße und zuverlässige Prüfung der Farben auf ihre 
Lichtbeständigkeit unter Bedingungen sich ermög¬ 
lichen lassen würde, welche als allgemeingültige Nor¬ 
men für alle Farbenfabriken durch Übereinkommen 
festgesetzt werden könnten. Es würde unzweifelhaft 
einen erheblichen Fortschritt bedeuten, wenn in sol¬ 
cher Weise die Willkürlicheit der rein persönlichen 
Beurteilung durch bestimmt festgelegte und allgemein 
gültige und anerkannte Maximen ersetzt werden 
könnte. 

Diese Lichtquelle glaubte man in der Quecksilber¬ 
dampflampe gefunden zu haben. Die Quecksilber¬ 
dampflampe ist eine elektrische Lampe, deren Flam¬ 
menbogen durch fein verstäubtes Quecksilber in einer 
Glasröhre von einem zum andern Pol geleitet wird. 
Daß diese Lampe vorwiegend ultraviolettes Licht aus¬ 
strahlt, war bekannt, man hatte aber damit zu rechnen, 
daß die Wände der Glasröhre einen sehr erheblichen 
Teil der ultravioletten Strahlen absorbierten, also 


nicht zur Wirkung gelangen ließen. Nun gelang es 
dem auf dem Gebiete der Herstellung optischerGläser 
so erfolgreichen Glaswerke Schott und Genossen in 
Jena eine Glasmischung zu finden, welche den ultra¬ 
violetten Strahlen fast ungehinderten Durchgang ge¬ 
stattet, und die aus solchem Glase hergestellte Glas¬ 
röhre wurde an einem für den Gebrauch in der Praxis 
konstruierten Stativ in handlicher Weise so ange¬ 
bracht, daß die auf diese Weise entstandene Uviol- 
lampe als leicht anwendbares Werkzeug in die Labo¬ 
ratorien der Farbenfabrikation Eingang finden konnte. 
Das Wort Uviol ist eine Abkürzung von Ultraviolett 
und gebildet, um kurz und prägnant dieses Strahlen¬ 
gebiet zu bezeichnen. Leider aber haben sich die 
der Uviollampe entgegengebrachten Erwartungen 
nicht im vollen Umfange erfüllt. Zwar hat für andre 
Zwecke, z.B. medizinisch-therapeutische und photo¬ 
graphische die Wirkung des ultravioletten Lichtes der 
Lampe bereits ausgiebige und vollbefriedigende Ver¬ 
wendung gefunden, für dieZwecke der Farbenprüfung 
haben aber die bisher angestellten Versuche erwiesen, 
daß eine vollkommen gleichartig mit den Wirkungen 
der Sonnenstrahlen verlaufende Einwirkung des durch 
dieLampe erzeugten Uviollichtes nicht vorhanden ist. 

Dies ist natürlich nicht ein Fehler der Lampe, son¬ 
dern deutet vielmehr darauf hin, daß außer den che¬ 
misch wirkenden Lichtstrahlen wahrscheinlich auch 
noch andre Momente die Beständigkeit der Farben 
beeinflussen. 

Immerhin ist die Uviollampe trotzdem geeignet, als 
Instrument für die Vorprüfung zu dienen, denn in der 
Mehrzahl der Fälle sind die Erscheinungen, die bei 
den auf beide Art und Weisen belichteten Farben¬ 
drucken auftreten, doch von guter, zum Teil sogar 
von vollkommen genauer Übereinstimmung. Dabei 
ist die Wirkung der Uviollampe eine außerordentlich 
intensivere und sie erzeugt in gewissen Fällen in 
Stunden schon die gleiche Wirkung, welche die 
Sonnenstrahlen in Tagen, das zerstreute Tageslicht 
oft in Wochen erst hervorbringt. 

Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß graphische 
Institute, welche sich der photochemischen Hilfs¬ 
mittel bedienen, etwa bei Herstellung von Aufnahmen 
für Autotypien, Lichtdruck usw. auch in vorteilhafter 
Weise der Uviollampe sich bedienen werden; solche 
Institute würden also in der Lampe gleichzeitig ein 
Werkzeug haben, das ihnen eine schnelle Kontrolle 
der Beständigkeit der von ihnen zu Verwendung in 
Aussicht genommenen Farben mit einer großen Zu¬ 
verlässigkeit gestattet. 

Für viele Zwecke wird auch in Zukunft der bis¬ 
herige Weg der Lichtbeständigkeitsprüfung in seiner 
zeitraubenden Umständlichkeit nicht zu umgehen 
sein, und die bezüglichen Klassifikationen in den 
Preislisten unsrer Farbenfabrikation müssen einst¬ 
weilen die bisherigen konventionellen bleiben. 


305 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Hazura und Valenta in Wien haben als erste sy¬ 
stematisch und rationell Prüfungen über die Licht¬ 
echtheit speziell von graphischen Farben angestellt. 
Besonders der letztere, Professor und Leiter des 
photochemischen Laboratoriums an der k. k. graphi¬ 
schen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, hat eine 
Reihe höchst interessanter Versuchsresultate in dem 
von ihm und Eder herausgegebenem Werke: „Bei¬ 
träge zu Photochemie und Spektralanalyse“ veröffent¬ 
licht. Valenta hat auch als erster den — freilich nicht 
durchaus geglückten — Versuch unternomnen die 
Lichtbeständigkeit der verschiedenen Farben in 
ihren Gradabstufungen auf Grund exakterBerechnung 
der Versuchsresultate zahlenmäßig auszudrücken. 

Gehen wir zum Schluß nun noch auf die Frage ein: 
welche Farben sind denn als unter allen Umständen 
licht- und luftbeständig zu bezeichnen, so ist die Ant¬ 
wort in folgendem gegeben. Umbra, Ocker, Terra di 
Siena, und die hierher gehörigen Erdfarben in rohem 
und gebranntem Zustande, die verschiedenen Eisen¬ 
oxydfarben (Englischrot, Caput mortuum), Kobaltblau 
echt, Ultramarin, Berlinerblau in seinen verschiedenen 
Arten (Milori-, Stahl-, Bronze- usw. Blau), Chrom¬ 
oxydgrün, künstliche und natürliche Alizarinlacke, 
künstlicher und natürlicher Indigo und Ruß sind 


unbedingt beständig; ihnen nahe stehen Kremser- 
weiß, Zinkweiß, Lithopon, Neapelgelb, Chromgelb, 
Zinnober und einige vom Alizarin (neben den roten) 
gewonnene Lacke, sowie Lacke aus einigen unsern 
Teerfarbstoffen (Litholrot, Pigmentscharlach, Lack¬ 
rot), ferner einige gelbe Lacke. 

Aus diesen wird also im graphischen Gewerbe die 
Auswahl in erster Linie zu treffen sein, wenn die 
Herstellung von Drucksachen von dauerndem Wert 
in Betracht kommt, und vor allen Dingen dann, 
wenn es sich darum handelt, daß die Drucksache 
dauernd der Einwirkung von Luft und Licht ausge¬ 
setzt sein soll, wie dies bei Plakaten, Tableaux, in 
verschiedenen Farben gedruckten Bekanntmachun¬ 
gen, Fahrplänen, in der Blechdruckerei und der¬ 
gleichen der Fall ist. Immerhin ist dies die Min¬ 
derzahl aller Drucksachen und es hat daher keine 
Bedeutung, daß die Auswahl der zu Gebote stehen¬ 
den Produkte ja freilich keine allzu große ist. Für 
die große Anzahl aller der Drucksachen, von denen 
auch eine dauernde Beständigkeit, aber unter we¬ 
niger strengen Bedingungen verlangt wird, ist dafür 
die Auswahl an Nuancen, welche die heutige Farben¬ 
technik den Konsumenten bietet, eine um so um¬ 
fassendere. 


Nochmals die Versal-SZ-Frage 

Von H. SCHWARZ, Leipzig. 


I N Heft 3 des Archiv für Buchgewerbe ist die noch 
immer der Lösung harrende Versal-SZ-Frage in 
ausführlicher Weise behandelt worden, wobei ein 
umfangreiches Vorschlagsmaterial Verwendung fand, 
das durch einige Einsendungen, die die erwähnte Ab¬ 
handlung zeitigte, noch Ergänzung finden mag. 

Wenn auch kaum anzunehmen ist, daß die gemach¬ 
ten und die im nachstehenden noch folgenden Vor¬ 
schläge zu einem greifbaren, allseitig befriedigenden 
Ergebnis führen werden, so steht doch fest, daß das 
gesammelte Material bei der zu erhoffenden Lösung 
der SZ-Frage wertvolle Anhaltspunkte bieten wird. 

Die erste der vorliegenden Äußerungen zur SZ- 
Frage, die von Hans Kraut in München stammt, lautet 
wie folgt: „Nachdem das Thema über diesen heiklen 
Buchstaben wieder einmal angeschnitten worden ist, 
sollte es nicht eher fallen gelassen werden, als bis 
seine Lösung gelungen ist, denn man kann dem Ver- 
sal-SZ die Existenzberechtigung nicht absprechen. 
Wenn auch durch Verwendung von SS Verwechs¬ 
lungen wohl nicht so leicht Vorkommen, so wäre es 
wenigstens der Korrektheit wegen angebracht, auch 
für diesen Doppelkonsonanten eine reine Form zu 
besitzen, abgesehen davon, daß jene, deren Eigen¬ 
name auf ß endigt, bei Versalsatz gezwungen sind, 
ihren Namen falsch zu schreiben. Heißt zum Beispiel 


Jemand Weiß, Voß und dergleichen, so wird der 
Setzer in solchem Falle bei Druckarbeiten zum Schluß 
immer ss setzen, während der Betreffende bei rich¬ 
tiger Schreibweise ein SZ zu beanspruchen hätte. 
Es wird aber sicher wenig Kunden geben, die sich 
das zusammengesetzte, wirklich scheußliche SZ ge¬ 
fallen lassen, und so muß eben der Name, wenn er 
schließlich aus technischen oder Schönheitsgründen 
in Versalien beibehalten werden soll, direkt falsch 
gesetzt werden. 

Wenn es auch besser ist, daß wir nicht danach 
streben, das Alphabet noch zu vermehren, so dürfen 
wir aber darum nicht Formen weglassen, die ge¬ 
braucht und auch von der Rechtschreibung gefordert 
werden. 

Von den in dieser Sache schon geschriebenen und 
veröffentlichten Briefen soll nur mehr der in Nr. 3 
dieser Zeitschrift im Auszug gebrachte Brief der Ver¬ 
einigung der Schriftgießereibesitzer Deutschlands 
angezogen werden, weil er die zur Schaffung eines 
Versal-SZ notwendigen Bedingungen enthält. Diese 
sind gerecht und praktisch; daß sie sich jedoch nicht 
alle erfüllen lassen, wird im weiteren Inhalt des 
Briefes selbst zugegeben. 

Von den von der Vereinigung vorgeschlagenen 
Lösungen scheint nun aber keine die Zustimmung 


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PRINCETON UNtVERSITY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


der Interessenten gefunden zu haben, obwohl das 
Anhängen eines kleinen z sowohl deutlich wie auch 
ästhetisch befriedigend wäre, außerdem aber den 
Vorteil hätte, daß es dem Schriftgießer wenig und 
dem Buchdrucker jedenfalls gar keine Kosten machen 
würde. Wenn sich aber diese Form trotzdem nicht 
einbürgern kann, so bleibt nur der eine Weg offen, 
die beiden Versalbuchstaben zu verschmelzen, da ein 
einfaches Aneinanderreihen zu breit und unschön 
ist. Der obengenannten Vereinigung muß nun inso¬ 
fern widersprochen werden, als eine Verschmelzung, 
wie weiter unten gezeigt wird, fast gar keine Ver¬ 
breiterung des Versal S ergibt. Die korrekte Form 
wäre dabei gleichfalls ziemlich gewahrt und auch die 
Gewöhnung an die Type würde sich aus diesem 
Grunde wohl bald einstellen. 

Vorgeschlagen seien folgende Formen: 

HU8 SOS HAg BIS 

Sie ließen sich für jeden Antiquaschnitt herstellen 
und würden auch in den kleinen Graden deutlich 
sein*). Zu besprechen wäre dann noch die Einfüh¬ 
rung der Type. Das Beste wäre vielleicht, da ihre 
Notwendigkeit nicht so außerordentlich ist, sie bei 
Neuschnitten selbstverständlich durchwegs einzu¬ 
führen, bei vorhandenen Schriften aber dem Bedarf 
und der Nachfrage entsprechend, was jede Gießerei 
am besten selbst abschätzen kann, oder wieder in der 
Weise, wie die Einführung des gemeinen ß gehand- 
habt wurde, das heißt, daß bis zu einem bestimmten 
Termin von seite der Buchdrucker für diesen Defekt 
ein etwas höherer Preis bezahlt wird, um damit 
dem Schriftgießer einen kleinen Kostenbeitrag zu ge¬ 
währen. 

Vielleicht kann man sich zur Annahme einer der 
gezeigten Formen entschließen, womit dann wieder 
ein altes Schmerzenskind, die Frage des Versal-SZ, 
aus der Welt geschafft wäre.“ 

Der Inhaber der P. Hauptmannschen Verlagshand¬ 
lung in Bonn , Herr C. Hauptmann , schreibt über die 
hier zur Behandlung stehende Frage folgendes: „Mit 
Bezug auf Ihren Artikel, das Antiqua-Versal-SZ, 
scheint mir die Lösung dieser Frage möglich. Die bei¬ 
den Formen o rv bestehen allerdings aus Teilen 
vonSundZ,£i O passen aber nicht zu den übrigen 
Versalien. Unter gleicher Anwendung dieser Teile 
würde ich den Buchstaben konstruieren, der nach 

•) Diese Anschauung des Einsenders dürfte eine irrige 
sein, denn es ist ganz unmöglich, in den Graden Nonpareille, 
Petit usw. auf dem zur Verfügung stehenden engen Raume 
(Dickte) eine noch deutliche Verschlingung des SZ in dem 
vorgeschlagenen Sinne zu erzielen. Abgesehen hiervon 
werden aber die obigen SZ-Formen stets im Zeilenstreifen 
einen Fleck ergeben, der schon bei vereinzeltem Vorkom¬ 
men störend wirkt. Die Schriftleitung. 


meiner Ansicht klarer die Zusammensetzung eines 
S und Z zum Ausdruck bringt und dabei einfacher 
und künstlerischer ist. 

ROS 1USERST MiSIG 

Er Fällt in der Schrift nicht einmal als etwas Außer¬ 
gewöhnliches auf. Sogar der Ausländer wird den¬ 
selben als S lesen und durch den geraden Strich der 
Basis vielleicht auf den Gedanken kommen, daß der 
Buchstabe in ein gewisses verwandtschaftliches Ver¬ 
hältnis mit dem Z getreten ist. Schafft man einen 
neuen Buchstaben, so muß jeder, der ihn zuerst sieht, 
sofort erkennen können, welcher Laut gemeint ist. 
Bei dem kleinen ß wußte jeder Deutsche wenigstens, 
daß dies ein fj war. Sehr zu wünschen wäre übrigens, 
daß für unser deutsches SCH ein einheitlicher Buch¬ 
stabe geschaffen würde, statt dreier, die eine wahre 
Zeit-, Papier-, Tinte- und Druckerschwärze-Vergeu¬ 
dung darstellen. Ein griechisches 2 würde denselben 
Zweck erfüllen. Das Gleiche gilt für CH, welches 
im Griechischen auch mit einem Zeichen geschrieben 
wird. 

Wenn man vielleicht in 100 Jahren sich hierzu 
aufgeschwungen haben wird, werden in weiteren 
100 Jahren vielleicht die Diphthonge an die Reihe 
kommen und man wird statt ei: e, statt au: ä, statt 
eu: e schreiben. Auf diese Weise kommt man dann 
nach langer Zeit wieder einmal auf die Höhe der 
römischen Zeit und der des Mittelalters, wo man für 
bestimmte Buchstabengruppen feststehende Abkür¬ 
zungen hatte, z. B. für die Endungen orum und ium. 
Durch solche Abkürzungen, wenn sie nicht zu zahl¬ 
reich sind, wird das Schriftbild klarer, ebenso wie es 
klarer ist, wenn ich 31 schreibe statt einunddreißig. 
Und wenn der Römer in seinem Briefe schrieb S.D.P. 
— Salutem dicit plurimam (Recht viele Grüße), so 
war das viel vernünftiger, als wenn wir unsern Brief 
mit „hochachtungsvollst ergebenst“ endigen. EinH.e. 
würde genau denselben Dienst tun. Ich schließe 
also h.e. C. Hauptmann.“ 

Entfernt sich der letzte Teil des vorstehenden 
Briefes auch etwas sehr von der SZ-Frage, so fand 
er doch Aufnahme, weil neuerdings auch der Liga¬ 
turen - und Logotypen -Frage wieder erhöhte Beach¬ 
tung geschenkt wird. Im übrigen ist es aber höchst 
erfreulich, wenn die Fachgenossen für das Wesen der 
Schrift und das der Sprache Interesse bekunden, denn 
leider findet in der Jetztzeit eine arge Vernachlässi¬ 
gung dieses ureignen Gebietes des Buchdruckes 
durch seine Angehörigen statt. Selbstverständlich 
kann im Rahmen dieser Abhandlung nicht auf die Ab¬ 
kürzungsvorschläge des Herrn Hauptmann einge¬ 
gangen werden, es ließe sich aber manches für und 
gegen sie sagen. Neueren Anschauungen nach ist 
die Abkürzung eines Wortes eine Verstümmelung 
desselben. Wie etwa ein durch Unfall gekürzter 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Finger einen störenden Eindruck hervorruft, wirkt 
ein doch lediglich aus Bequemlichkeitsgründen ge¬ 
kürztes, besser gesagt „amputiertes“ Wort auf den 
Leser störend. Eine Grenze für die Zulässigkeit der 
Kürzungen zu finden, ist ohnedies schwer. 

Eine etwas weiter zurückliegende Äußerung eines 
österreichischen Fachgenossen über die SZ-Frage 
mag hier ebenfalls eingeschaltet sein. 

Sie lautet: „Anwendung des Buchstabenbildes ß 
auch als Versalbuchstaben.“ Als Versal angewendet, 
brauchte das kleine ß bloß sinngemäß körperlich ver¬ 
größert zu werden, jedoch mit Einhaltung nachfolgen¬ 
der Merkmale: links oben wäre ein Seitenstrich anzu¬ 
bringen, rechts oben eine nur schwache Einkerbung, 
unten müßte eine deutliche Öffnung bleiben. Dies 
alles, um eine Verwechslung mit dem B zu vermeiden. 
Man betrachte die Wörter 

AUßEN M A ßSTAB 

Diese zeigen den gemeinten Buchstaben in zweifacher 
Anwendung. Die Darstellung ist jedoch nur als Skizze 
aufzufassen, deren Ausführung unter der kundigen 
Hand des erfahrenen Stempelschneiders selbstver¬ 
ständlich bedeutend besser zur Geltung kommen 
würde.“ Hier hätte dasselbe Platz zu greifen, was 
schon bei c C, k K, o O, p P, s S, v V, w W, x X, 
y Y und z Z vorhanden ist, nämlich der gemeine und 
der Versalbuchstabe würde so ziemlich die gleiche 
Form aufweisen. Der Einsender glaubt, daß die an¬ 
gegebene Form dem Auge am wenigsten befremdlich 
erscheint, weil der Buchstabe schon im kleinen Alpha¬ 
bet existiert, und meint auch, daß sich dieses Buch¬ 
stabenbild in das allgemeine Versalalphabet har¬ 
monisch einfügen dürfte.“ 

Endlich mag noch auf die Bestrebungen des Ver¬ 
eins für vereinfachte Rechtschreibung hingewiesen 
sein, der in seiner Zeitschrift Reform (Soltau in 
Norden), sowie zeitweilig in Flugblättern für eine ver¬ 
einfachte Rechtschreibung eintritt. Sind die gegebenen 
Anregungen durch die neueste amtliche Recht¬ 
schreibung in ihrer Wirkung zurzeit fast gegenstands¬ 
los geworden, so ist doch manches für die etwaige Ver¬ 
besserung der Rechtschreibung nicht zu unterschät¬ 
zen. Auch die durch die amtlicheRechtschreibungnoch 
nicht erfolgte Festlegung der SZ-Form und deren An¬ 
wendung im Versalsatze wird in einem mir vorliegen¬ 
den neueren Flugblatte berührt. Der genannte Verein 
erachtet SZ und ß für ganz überflüssig, verlangt aber 
eine strenge Scheidung der s-Laute durch Anwendung 
folgender Formen: in der Fraktur 0 für j, 5 für und 
S für jdj, in der Antiqua £ für f, S für ß und g für 
fch. Die sich ganz besonders auf die s-Laute be¬ 
ziehenden Vorschläge bedingen eine solch einschnei¬ 
dende Veränderung der bisherigen S, f, s, S, s usw. 
Formen, daß aus praktischen und schönheitlichen 
Gründen an eine ernstliche Erwägung der sprachlich 


unstreitig begründeten Vorschläge nicht gedacht wer¬ 
den kann. Der über ein Vierteljahrhundert geführte 
Kampf über die endlich angenommene ß-Form hat 
zur Genüge bewiesen, wie ungemein schwierig es ist, 
einer einzigen neuen Buchstabenform allgemeine An¬ 
erkennung zu verschaffen. Ein Haupterfordernis bei 
einer neuen Type ist deren gute Anpassung an den 
Charakter des Gesamtalphabets, d. h. deren stilreine 
Konstruktion, das Nichtherausfallen aus dem Satz¬ 
bilde der Seite. Mit der Übernahme irgend einesBuch- 
staben aus einer verwandten Schrift, der Anbringung 
eines Schnörkels oder durch sonstige gesuchte Ergän¬ 
zungen ist nichts gebessert. 

Es wird von den Anregern neuerBuchstabenformen 
viel zu wenig Gewicht auf die Frage gelegt, wie sich die 
von ihnen empfohlene neue Form, etwa SZ, in der Menge 
von Zier-, Titel-, Auszeichnungsschriften usw. aus¬ 
nimmt, zu denen sie doch notwendigerweise auch vom 
Schriftgießer geschaffen werden muß. Man betrachte 
sich nur einmal nur einige notwendige Abweichun- 

In ähnlicherWeise muß sich auch jede vorgeschlagene 
und die etwa zur Einführung gelangende Versal-SZ- 
Form dem Charakter aller vorhandenen Schriften bis 
in die kleinsten Grade anpassen lassen, sonst ist sie 
ohne weiteres gegenstandslos. 

Ein weiterer Beitrag zur SZ-Frage ist die nach¬ 
folgende Einsendung des Herrn G. Bruchholz in 
Berlin . 

„In Heft 3 des Archiv für Buchgewerbe wurde in 
eingehendster Weise die obenstehende Frage be¬ 
handelt und schließlich ein mit einem senkrechten 
Strich versehenes GJJ als Zeichen für SZ empfohlen. 
Diese Form wird ^ deutschen Lesern aber immer 
fremdsprachlich Vorkommen. Außerdem wird nament¬ 
lich in den kleinen Graden — Nonpareille und Petit — 
der senkrechte Strich im S noch nicht einmal so zu 
sehen sein, als die Pünktchen über Ä, Ö, Ü, und trotz¬ 
dem wird ein baldiges Verschmieren und Undeutlich¬ 
werden dieses Buchstaben nicht zu vermeiden sein. 

Die andre bereits 1879 vorgeschlagene Form, ein 
kleines z unten an das normale S zu hängen, wird 
nicht durchführbar sein, da das angehangene z in den 
kleinen Graden überhaupt nicht mehr als Buchstabe 
zu erkennen sein würde, sondern nur als Farbepatzen. 
Als Versal Unterlänge wird sich dieses O dem Auge 
stets eher aufdrängen als alle andern Sr Buchstaben 
und deshalb auch ästhetisch nicht befriedigen. Vor 
nicht langer Zeit feindete man die von einigen Schrift¬ 
gießereien geschaffenen Versal-Ligaturen deshalb an, 
weil sie teils über, teils unter die Linie der übrigen 
Versaltypen hinausragten und deshalb die einzelnen 
Wortbilder unruhig machten. Auch bei dem Versal-J 
wird schon von einzelnen Gießereien die Unter- 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


längenform vermieden. Gerade der Versalsatz soll ja 
eine ruhige, gleichmäßige Wirkung hervorbringen. 
Auch das in dem Worte Genußsucht angewandte 
ist zu verwerfen, weil es leicht verschmieren 
würde. 

Die Zwitterformen, welche aus der oberen Hälfte 
des S und der unteren des Z oder umgekehrt zu¬ 
sammengestellt /rz 0\ sind und auch der dem russi¬ 
schen Alphabet \0 Zj) entnommene Buchstabe 
werden den deutschen Wortbildern nur ein fremd- O 
ländisches Aussehen verleihen. Auch in derEckmann- 
Schrift ist bereits eine SZ-Ligatur vorhanden SZ (SZ), 
doch ist diese — trotz der überaus großen Verbreitung 
dieser Schrift nur wenig angewandt worden. In die¬ 
ser Ligatur sind beide Buchstabenformen schmäler als 
sonst und dann näher aneinandergezeichnet, jedoch 
tritt auch hier nicht das Z hinter dem S zurück, eher 
wird dasZ durch den kleinen Querstrich noch aufdring¬ 
licher als das reine Z. Mein Vorschlag geht deshalb 
dahin, die im Buchdrucker-Duden vorgeschlagene 
Wiedergabe des SZ in der Weise beizubehalten, in¬ 
dem man eine Versal-Ligatur Qy anfertigt, die das S 
normal wiedergibt, weil es die ^ Aussprache kenn¬ 
zeichnet, das Z jedoch nur nebensächlich — höch¬ 
stens halb so breit als das S — dicht anhängt, um 
der Orthographie gerecht zu werden. Der Vorschlag 
selbst ist bereits 1879 gemacht worden, nur soll jetzt 
das Z schmal werden, weil es in der Aussprache 
nicht zu hören ist. Eine neue SZ-Form wird schlie߬ 
lich doch etwas breiter sein müssen als das reine S. 

Das Zeichen selbst ist einfach und klar und wird 
auch in den kleinsten Graden nicht zu eng in der 
Zeichnung erscheinen, nicht undeutlich wirken oder 
verschmieren. Es wird immer möglich sein, es dem 
Charakter der Schrift anzupassen. Die Form schließt 
sich den übrigen Versalbuchstaben harmonisch an. 
Ein Vorzug vor den andern vorgeschlagenen SZ- 
Formen besteht aber darin, daß eine große Ähnlich¬ 
keit mit der Minuskelform ß vorhanden ist, so daß 
auch dem Schulkinde bei der Erlernung dieser Type 
wenig Schwierigkeiten bereitet werden. 

Wenn gesagt wird, daß in der Antiqua ein Versal-SZ 
nicht notwendig sei, da ja in der Fraktur ein solches 
auch nicht vorhanden wäre, so muß dem entgegen¬ 
gehalten werden, daß es gerade ein Vorzug der Anti¬ 
qua ist, daß man mit ihr lesbaren Versal- und Kapi- 
tälchen-Satz herstellen kann. — 

Zur Erklärung der mit den verschiedenen SZ-Typen 
versehenen Worte muß noch Einiges über die vier 
orthographischen Bezeichnungen des S-Lautes und 
deren Aussprache, selbst gesagt werden. Die Ortho¬ 
graphie macht bei den vier S-Lauten Unterschiede, 
die in der Aussprache sehr oft nicht zur Geltung 
kommen, z. B. in den Worten: 

Du bift, bisroeilen, fiecferbijfen, Siferounbe, er reift, er reifet; 
äufeerlid), preufeijdf), rujji(d) (5luslanb, ^rcufeen, föufelanb). 


Es muß wohl zugegeben werden, daß in den hier 
gruppenweise aufgeführten Worten die Aussprache 
auch bei dialektfreien Personen ohne Unterschied 
gleichmäßig ist. Werden die Worte: BISZ, ER 
REISZT, PREUSZISCH in Versalien vorgeführt, so 
erscheint einem das Z häßlich oder man ist versucht, 
es mit auszusprechen. Dagegen wird man bei Worten, 
wie DISZIPLIN, SZENE, DESZENDENZ, SZEPTER 
schon durch die Aussprache veranlaßt, nach dem Z 
hinter dem S zu suchen. Bei dem Worte TROTZ ist 
das Z selbstverständlich, während das Wortbild 
TROSZ fast tschechisch aussieht, weil das Z nicht 
ausgesprochen wird. Die Gießerei war deshalb im 
Unrecht, als sie an den Buchdruckereibesitzer schrieb, 
daß das Z in dem Worte GIESZEREI ebenso berech¬ 
tigt und nicht häßlicher wäre, wie in dem Worte 
AUSZUG (siehe Heft 3). 


I 

ABSZESS 

11 

ABSZESZ 

AUSZEHRUNG 

AUSZEHRUNG 

ÄUSSERUNG 

ÄUSZERUNG 

ER REIST 

ER REIST 

ER REISST 

ER REISZT 

GEISS 

GEISZ 

GEIZ 

GEIZ 

GIESSEREI 

GIESZEREI 

GENUSSSUCHT 

GENUSZSUCHT 

REISSZEUG 

REISZZEUG 

TROSS 

TROSZ 

PREUSSISCHES 

PREUSZISCHES 

III 

IV 

ABSZES 

ABSZESZ 

AUSZEHRUNG 

AUSZEHRUNG 

ÄUSERUNG 

ÄUSZERUNG 

ER REIST 

ER REIST 

ER REIST 

ER REISZT 

GEIS 

GEISZ 

GEIZ 

GEIZ 

GIESEREI 

GIESZEREI 

GENUSSUCHT 

GENUSZSUCHT 

REISZEUG 

REISZZEUG 

TROS 

TROSZ 

PREUSISCHES 

PREUSZISCHES 



309 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Worte wie: Genußsucht, Großschlächter, Gußstahl, 
Roßstraße, Maßstab, Fußsohle, Schweißsocke, Sto߬ 
seufzer, Baßschlüssel, Nußschale, Schlußsatz usw., 
die in der bisherigen Satzart drei aufeinanderfolgende 
S und in der von Dr. Duden empfohlenen Satzart 
häßliche Wortbilder ergeben, verlangen gewisser¬ 
maßen ein Versal-SZ-Zeichen. 

Sind auch hier einige Worte in Versalien vor¬ 
geführt, die wohl sonst selten für Versalsatz in Be¬ 
tracht kommen, so muß man doch berücksichtigen, 
daß das Versal-SZ-Zeichen auch im Kapitälchensatz 
verwendet wird; eine Auszeichnungsart, die man 
wohl oft in deutsch-sprachlichen Werken nur meidet, 
weil etliche Worte orthographisch nicht richtig wieder¬ 
gegeben werden können. 

Auf eine Inkonsequenz im Buchdrucker-Duden 
möchte ich hierbei noch aufmerksam machen: 


Seite XXVIII 

cf, nid)t d: 3n polniföen unb 
tfdjed>ifd)en Warnen, roie 3 . 23. 
Gfjoboroiecfi, ^elacfi, ift cf ftets 
getrennt $u jetjcn, benn cf tjf 
I)ier fooiel ©ie t$, nidjt et©a ft. 


Seite X 

ftür ß tritt in großer Gdjrift 
(bei 23erjalien unb Kapitalien) 
SZ ein, 3 . 23. MASZE (3Jlafee) 
- aber MASSE (Waffe) -, 
STRASZE, PREUSZEN, 
Meiszner, Vosz. 


In dem einen Fall trennt man ck, weil es die Aus¬ 
sprache verlangt, im anderen nimmt man auf die Aus¬ 
sprache gar keine Rücksicht und empfiehlt die Wie¬ 
dergabe eines Sprechlautes in zwei Einzel-Typen. 
Vorläufig war aber schließlich die Bestimmung für 
die Anwendung des Fraktur-ck ebenso berechtigt, wie 
die für die Wiedergabe des SZ im Versalsatz. 

Könnten hier nicht einmal die Schriftgießereien 
der Orthographie gerecht werden, indem sie ähn¬ 
lich wie es in der Eckmann-Schrift geschah auch für 
die Antiqua ck-, ch-, CK- und CH-Ligaturen schaffen: 
(ß = 6ß S(ß-SCß, jedoch nicht nur bis zum Cicero¬ 
grad, sondern auch für die kleinsten Grade zu jeder 
Antiqua. 

In der Eckmann wurde auch — zum erstenmal in 
einer Schrift, die auf der Antiqua fußt — eine Ich- 
Ligatur geschaffen, so daß man mit dieser Schrift 


Worte, wie ßflusdien, Radieschen, in denen die auf¬ 
einanderfolgenden Buchstaben sch in zwei Lauten 
ausgesprochen werden, wie in der Fraktur mit dem 
runden S und der Ligatur dl wiedergeben kann, wäh¬ 
rend dort, wo sch in einem Laut ausgesprochen wird, 
die Ligatur Ich zur Anwendung kommt. Die nach¬ 
folgenden Wort- und Satzbeispiele sollen das eben 
Gesagte illustrieren: 

Das Häschen im Walde 
Das ßäsdien im Walde 
Das Haschen nach neuen Formen 
Das ßaläien nach neuen Formen 
Röschen Rüschen 
Röschen Rüschen Rüfdien 

Die Rudhardsche Gießerei hat auch im Vorwort zur 
Eckmann-Schriftprobe seinerzeit nur die Ligatur Hl 
und das angewandt, sonst aber die Anwendung des 
langen I vermieden. Die in diesen Zeilen angeführten 
Vorzüge der Eckmann können erst dann den rechten 
Wert erhalten, wenn sie Gemeingut für alle Antiqua¬ 
schriften werden, deshalb wird die Firma Gebr. 
Klingspor (früher Rudhardsche Gießerei) in Offen¬ 
bach a. M. mit dieser Ausbeutung der Eckmannschrift 
eher einverstanden sein, als mit allen bisherigen. 

In vielen Antiquaschriften steht das gemeine c vom 
nachfolgenden h oder k weiter entfernt als von dem 
vorn sich anschließenden Buchstaben, während doch 
gerade darauf geachtet werden sollte, daß ch und ck 
auch in der Zusammensetzung möglichst nahe anein¬ 
anderstehen. Schriften, deren Stempel und Matrizen 
in Amerika hergestellt sind, sollten namentlich dar¬ 
aufhin geprüft werden. Das ist natürlich in den 
großen Graden mehr zu sehen als in den kleinen. 

Die Ligaturen ck, ch, fch, CK, CH und SCH sind 
orthographisch mehr berechtigt, als die seinerzeit ge¬ 
schaffenen Ligaturen: LI, LA, LO usw. und die Logo- 
typen zur Handsatzbeschleunigung“ *). 

*) In verschiedenen neueren Antiquaschriften sind die 
erwähnten Ligaturen bereits aufgenommen worden. 

Die Schriftleitung. 


Allerlei Wünsche zum neuen Buchdrucker-Duden 

Von WILHELM HELLWIG, Leipzig. 


G LEICH kurz nach Erscheinen der „Recht¬ 
schreibung der Buchdruckereien deutscher 
Sprache“ wurde in der Fachpresse ziemlich 
unverhohlen zum Ausdruck gebracht, daß sich der 
deutsche Buchdrucker nun keineswegs der Hoffnung 
hingeben solle, mit diesem Buche sei etwa seinem 
Bedürfnisse in dem erwarteten Maße entsprochen. 
Bereits am 30. Juli 1903 äußerte sich der Allgemeine 
Anzeiger für Druckereien in diesem Sinne. Am 
8. August 1903 brachte sodann der Korrespondent 


einen längeren Artikel, worin darauf hingewiesen 
wurde, wie besonders die heiß ersehnte Einheitlichkeit 
im Buchdrucker-Duden vermißt werde. Weitere Klagen 
wurden in demselben Blatt dann noch in den längeren 
Ausführungen vom 23. und 30. August sowie 3. und 
15. September 1904 laut, und rundherum in deutschen 
Landen fehlte es nicht an Preßäußerungen, die mehr 
oder weniger eingehend und mit größerer oder 
geringerer Sachkenntnis die Mängel eines Buches 
hervorhoben, auf das wohl von vornherein größere 


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Hoffnungen gesetzt worden waren,^als erfüllt werden 
konnten. Vielfach hatte man vergessen, daß der 
Buchdrucker-Duden ja nicht selbst Rechtschreib¬ 
regeln aufstellen konnte, sondern an die Beschlüsse 
der letzten Kommissionsberatungen gebunden war. 
So hätte es eigentlich nicht auffallen sollen, wenn die 
Mängel der neuesten Orthographie, die sich noch in 
der 7. Auflage des Orthographischen Wörterbuches 
vom Januar 1902 gezeigt hatten, auch hier noch er¬ 
sichtlich waren. — Das eine jedoch hatte vor allem 
eine herbe Enttäuschung hervorgerufen, daß nämlich 
auch jetzt noch nicht die Doppelschreibungen beseitigt 
waren. Gerade ihretwegen hatten in erster Linie 
wohl die am 12. Juni 1902 zu Konstanz versammelten 
Buchdruckereibesitzer Deutschlands, Österreichs und 
der Schweiz die Herausgabe eines Orthographie- 
Buches für Buchdrucker beschlossen, und nun spukten 
sie immer noch, die entsetzlichen auchrichtigen For¬ 
men, und drohten auch in Zukunft noch unberechen¬ 
baren Schaden zu verursachen. Allmählich beruhig¬ 
ten sich zwar die Wogen wieder, als aber in letzter 
Zeit bekannt wurde, daß eine Neuherausgabe des 
Buches bevorstehe, da brach der Sturm mit erneuter 
Heftigkeit los. Es wurde in großem Maßstabe mobil 
gemacht, vieles gewünscht, mehrseitige Mithilfe bei 
der Bearbeitung angeboten und bereits in reichem 
Maße vorberaten. Was hierbei alles zutage gefördert 
worden ist, entzieht sich ja zurzeit noch der öffent¬ 
lichen Kenntnis, soweit man aber in der Fachpresse 
oder aus gelegentlichen Äußerungen von Fachleuten 
sich unterrichten konnte über die verschiedenen 
Meinungen und Wünsche, soll den Lesern des Archivs 
hier in kleinen Zügen ein Bild entrollt werden, wie 
groß die Ansprüche sind, die in den interessierten 
Kreisen an die neue Auflage des Buchdrucker-Duden 
gestellt werden. 

Überblickt man dies alles, so muß schon ganz von 
selbst die bange Ahnung aufsteigen, daß es auch 
diesmal wieder manche enttäuschte Hoffnungen geben 
wird, denn die wohlgemeinten VerbesserungsVor¬ 
schläge sind zum Teil undurchführbar oder wider¬ 
sprechen sich selbst, so daß es den Bearbeitern nicht 
immer leicht sein wird, einen Weg zu finden. Nichts¬ 
destoweniger darf man wohl hoffen, die Orthographie¬ 
frage in Deutschland durch den neuen Buchdrucker- 
Duden ihrer Lösung einen Schritt näher gebracht zu 
sehen. 

Auch die nachfolgenden Ausführungen werden 
nicht frei von jenen Fehlern sein, die den übrigen 
hier und da auftauchenden Verbesserungsvorschlägen 
anhaften, denn erstens stützen sie sich auf in Fach¬ 
kreisen umlaufende Meinungen, und dann war es 
bei der Kürze der Zeit doch nicht möglich, alles so 
durchzudenken, wie es notwendig gewesen wäre. 
Wenn trotzdem manches hier nicht unterdrückt wird, 
so geschieht es in der gutgemeinten Absicht, den Be¬ 


arbeitern eine Anregung zu geben, weil denn nun 
einmal die Buchdrucker ihren begehrlichen Sinn dar¬ 
auf gerichtet haben. 

Die Doppelschreibungen stehen auch jetzt wieder 
allgemein im Vordergründe des Interesses, und es ist 
erklärlich, wenn abermals ihre Beseitigung ganz nach¬ 
drücklich verlangt wird, und zwar mit dem Zusatz¬ 
wunsche, der Buchdrucker-Duden möchte in diesem 
Punkte seine Aufgabe etwas weiter fassen, als es nach 
der Seite IV gegebenen Erklärung der ersten Auflage 
geschah. 

Soweit deutsche Wörter in Frage kommen, darf 
sich wohl auch jeder Buchdrucker ohne Vorbehalt 
dem allgemeinen Wunsche anschließen, in der neuen 
Auflage nur eine Schreibung für jedes Wort durch¬ 
geführt zu sehen. Es 'ist vielleicht nicht so schwer¬ 
wiegend, daß nicht dem Buchdrucker-Duden die Ent¬ 
scheidung darüber gelassen werden könnte, ob Fu߬ 
stapfen oder Fußtapfen geschrieben werden soll, 
ob Drilch (als gewissermaßen verstümmelte Form) 
nicht dem schriftgemäßeren Drillich das Feld zu 
räumen habe; ob bloß Küken oder nur Kücken richtig 
sei; auch darüber, ob ferner vielleicht Samt und 
Kramtsvogel allein genügen und somit Sammet und 
Krammetsvogel entbehrlich sind, und noch manches 
andre. Die Verschiedenheit von Essener und Essäer , 
Ellbogen und Ellenbogen , Mairan und Majoran , 
Hesekiel und Ezechiel ist hingegen keine bloß ortho¬ 
graphische und deshalb das Buch nicht zuständig. 
Ein Recht zur Entscheidung über Hilfe und Hülfe , 
gütig und gültig und einige andre besteht ja eben¬ 
sowenig, aber unendlich dankbar wären die Buch¬ 
drucker dafür, wenn sich die Bearbeiter dies Recht 
nehmen würden. 

Im Korrespondent vom 8. August 1903, ebenso an 
verschiedenen andern Stellen werden noch zahlreiche 
andre Beispiele von Doppelschreibungen gegeben, 
von denen viele zwar keine bloßen Doppelschrei¬ 
bungen sind, wie Comptoir und Kontor usw., deren 
eingehende Durchsiebung aber dennoch eindringlich 
empfohlen werden kann. Man könnte hier noch Haber 
neben Hafer , pirschen neben ■ birschen u. a. nennen. 

Einfacher liegt hingegen die Sache hinsichtlich der 
Worte, die sowohl groß als auch klein geschrieben 
werden können. Da nach dem zugrunde liegenden 
Regelbuch (Seite 18) in zweifelhaften Fällen mit 
kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben werden soll, 
so wäre es gewiß durchführbar, alle Großschreibung 
in solchen ZweifelsFällen zu verbannen, so daß z. B. 
nur noch heute abend richtig wäre, und vielleicht 
selbst abgeleitete substantivisch gebrauchte Worte 
wie näheres erfahren usw. klein geschrieben werden 
müßten. Steht der Artikel davor, das Nähere , oder 
wie bei etwas Schönes usw., so widerstrebt die Klein¬ 
schreibung allerdings heute noch dem Sprachgefühl 
der meisten, und man wird dafür besser durchgehend 

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große Anfangsbuchstaben vorschreiben. In einigen 
Fällen könnte man etwas mehr Beispiele wünschen, 
so z. B. bei null; ist dies nun in dem Satze: die Werte 
von null bis C groß oder klein zu schreiben? 

Bezüglich der Fremdwörter läßt sich allerdings die 
Forderung nach einer vollkommen einheitlichen 
Schreibung nicht so ohne weiteres vertreten, denn 
hier steht in den meisten Fällen nichteine rein ortho¬ 
graphische Frage zur Entscheidung, und es würde 
von vielen Seiten mit Recht als ein willkürlicher 
Gewaltakt der Herausgeber des neuen Buches ange¬ 
sehen werden, wenn diese nach ihrem Ermessen die 
eine oder andre Schreibung diktieren wollten. So 
ist es keineswegs Sache der Rechtschreibung, darüber 
zu entscheiden, ob der Deutsche in Zukunft Zyklop 
oder Kyklop, Thrazien oder Thrakien , Lazedämon 
oder Lakedämon usw. zu schreiben und folgerichtig 
dann auch zu sprechen habe. Die Vertreter beider 
Schreibungen haben vollgültige Gründe für die 
Richtigkeit ihrer Meirfung, und man möchte sogar 
sagen, bei solcher Sachlage war das frühere C eine 
Wohltat, deren die neue Rechtschreibung infolge ihres 
Vorwärtsschreitens zur Lautschreibung verlustig ge¬ 
gangen ist; früher stand die Schreibung dieser Worte 
für die meisten fester als heute — geschrieben wurde 
Cyklop usw., sagen konnte dabei jeder wie er wollte. 
Wollte man nun einwenden, dann solle doch die ge¬ 
bräuchlichste Form für unsern Duden gewählt werden, 
also z. B. As/cese, aber Zyklop, so hieße das erst recht 
alle Gegenkräfte entfesseln, denn dann das Rechte 
festzustellen für das ganze deutsche Sprachgebiet, 
würde ans Unmögliche grenzen, keiner würde be¬ 
friedigt sein und der Ruf nach einer baldig erwarteten 
dritten Auflage noch lauter erschallen. Es wäre völlig 
prinziplos gehandelt. Hoffentlich findet man doch noch 
einen Weg, daß wenigstens nicht alle Erwartungen 
in dieser Richtung zunichte werden. Mindestens wäre 
doch zu erwägen, ob nicht Distance, Alliance neben 
dem vorzuziehenden Distanz, Allianz entbehrlich sind. 

Was im übrigen noch als Mangel an Einheitlichkeit 
beanstandet wird, wie mehrfaches Geschlecht (der 
und das Liter, Meter usw.), sowie die verschiedene 
Möglichkeit der Genetivbildung auf -s und -es, das von 
vielen für überflüssig gehaltene e bei Entwick[e]lung 
usw., so dürfte auch die neue Auflage hierin nichts 
ändern können, denn die Orthographie kann sich 
nicht über den Sprachgebrauch stellen, wenn er sich 
so wie diese Formen auf das innere Wesen der 
lebendigen Sprache gründet, und daß man die kürzere 
Form vorziehen soll, ist bereits jetzt durch Ein¬ 
klammerung der bewußten [e] ausgedrückt. 

Erwähnt muß sodann noch werden, daß sich fast 
niemand mit der verschiedenenBehandlungzuszm men¬ 
gehöriger stammverwandter Formen befreunden kann, 
wie Nummer und numerieren, Kartonnage und karto¬ 
nieren u. a. Da dem großen Publikum die Gabe solch 


feiner Unterscheidung abgeht, wie sie die Herleitung 
dieser Schreibungen voraussetzt, wäre es vielleicht 
möglich, hier eine Übereinstimmung herbeizuführen; 
besonders bei Achse und axial wäre sie recht nötig, 
denn noch heute wird letzteres von zahlreichen Au¬ 
toren als Fehler angestrichen und achsial verlangt. 
Warum das griechische anlautende Rho in Rheumatis¬ 
mus anders behandelt wird als in Rachitis ist eben¬ 
falls auffällig. Von weniger ins Gewicht fallenden 
Wörtern sei noch Bajokko mit der Mehrzahl Bajocchi 
erwähnt — konnte man da nicht besser auch in der 
Einzahl beim Bajocco bleiben oder in beiden Fällen 
kk wählen? Es sind ja auch in mancher andern Be¬ 
ziehung Grundregeln durchbrochen worden, z.B. bei 
der Verwendung des k in Worten mit französischer 
Aussprache, so war wohl auch hier das kk bei dem 
italienischen Plural zulässig, das beweisen ja die 
Makkaroni. 

Und nun etwas andres. 

namens. Ein Mann namens Müller wird trotz der 
Erklärung Seite VII von vielen für falsch gehalten, und 
dies auch von Leuten mit sehr ausgebildetem Sprach¬ 
gefühl. Man empfindet das „namens“ in diesem Falle 
zu sehr als Genetiv und unterscheidet es (wohl mit 
Recht) von dem Adverb namens (namens eines andern 
handeln). Auch Wilmanns führt in seinem Kommen¬ 
tar (Berlin 1887) Seite 185 namens (klein geschrieben) 
nur im letzteren Sinne an, neben mangels, inhalts, 
eingangs , mittels, und gibt als Beispiel: „er erklärte 
namensseinesHerm=imNamen seinesHerm“; hier¬ 
zu steht sogar als Note der Zusatz: „Anders: Ein 
Diener Namens Fritz“. Nach der Empfindung der 
meisten Leute hat Wilmanns hier recht. 

Endlich werden noch in den verschiedensten andern 
Beziehungen Abänderungsvorschläge gemacht. Vor 
allem betrifft dies die Abkürzungen. Bei einigen dieser 
ist auch wohl ohne Not zur Antiqua gegriffen, so be¬ 
sonders beim „ca“. Daß diese tausendfältig ge¬ 
brauchte und in aller Munde befindliche Abbreviatur 
wohl gar noch im Fraktursatz Antiqua werden soll, be¬ 
deutet eigentlich ein Ärgernis und reimt sich auch gar 
nicht mit den zahlreichen, mitunter fast gewaltsamen 
Frakturschreibungen wie (Eobe ctoil, (Eorpus juris u. a. 
In der Praxis ist diese Vorschrift hinsichtlich des „ca.“ 
wohl auch nur selten befolgt worden. Im Gegenteil 
könnte bei dergleichen häufig vorkommenden Dingen 
eher öfter zur Fraktur gegriffen werden, so bei jun., 
jen., die ja auch kaum mißzuverstehen sind. Auch die 
Bezeichnung der Thermometerskalen wäre als (L, 9L, 
galjrfj. erwünschter wie als C, R, F, die obendrein 
noch chemische Symbole sind und darum in Werken 
über Chemie usw. nur mit Vorsicht ohne Punkt an¬ 
gewendet werden können. Auch ein alleinstehendes 
Dr. ist kaum zu beanstanden. Das Bestreben des 
Buchdruckers, Schriftmischung zu vermeiden, wo nur 
irgend möglich, ist doch sehr berechtigt, und darum 


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wäre die Zulassung der Fraktur gerade bei solch viel¬ 
gebrauchten Kürzungen ein Vorteil — und welche 
Wohltat vollends, wenn wir uns einmal zu einer ent¬ 
sprechenden Kürzung der Maße und Gewichte in 
Frakturwerken aufgeschwungen hätten, z. B. 2Rtr., C5r., 
£it., %, (£tm.! 

Leider macht sich aber die Frakturliebhaberei oft 
an der verkehrten Stelle bemerkbar; es sei hier nur 
an die chemischen Kunststückchen mancher Zei¬ 
tungen erinnert, die (E 2 Ö 5 ®f 3 *U 9 Mtg, die Behandlung 
der Bilder im Wubabe, statt C 2 H-(Et 3 eugung, Au-23ab 
(= Goldbad) usw. Man könnte auf den Gedanken 
kommen, daß auch im Buchdrucker-Duden ein ge¬ 
eigneter Hinweis angebracht wäre, daß chemische 
Symbole auf alle Fälle im Antiquacharakter zu setzen 
sind. 

Was die Ligaturen ae oe betrifft, so wäre es zweck¬ 
mäßig, die Vorschrift: selbst bei Fraktursatz dürfe 
in französischen Worten auf das kleine ce nicht ver¬ 
zichtet werden, zu streichen, denn der Durchführung 
stehen technische Schwierigkeiten entgegen, weil die 
Type nicht überall und immer passend vorhanden 
sein dürfte, und eine Undeutlichkeit ist nicht zu be¬ 
fürchten, wenn das o und e zusammengesetzt werden: 
doeur Dame usw. Genau richtig ist doch solches 
Fraktur-Französisch ohnehin häufig nicht, denn dazu 
würde auch richtige Akzentuierung gehören, z. B. bei 
(£obe Napoleon ein 6 in Napoleon, ein 6 in Üete usw. 

Nun einige andre Kleinigkeiten. 

Das s euphonicum. Eine Unart, die sich in neuerer 
Zeit breit macht, ist das Weglassen des sogenannten 
„ Wohlklangs-s“ (s euphonicum) in zusammengesetzten 
Wörtern. Manche Schriftsteller, wie Harden, lassen 
es grundsätzlich weg und schreiben Stimmungbild, 
Reichgrenzen,Henkermahlzeit,Glückkind usw.; andre, 
die dieses s für ein Genetiv-s halten, verschmähen 
es nur in den Fällen, wo es ihrer Meinung nach keine 
Berechtigung haben würde, also überall, wo das Be¬ 
stimmungswort ein Femininum ist, wie bei Verwal¬ 
tungsgebäude, Geburt[s]tag , usw. Ob sich schon je¬ 
mand hierbei bis zum Landmann (für Landsmann) ver¬ 
stiegen hat, ist noch nicht festgestellt, jedenfalls wäre 
aber eine Aufklärung angebracht und würde auch 
gegen diese Art von Sprachmißhandlung eine gute 
Wirkung ausüben. Gegen den Ausfall des Wohl- 
klangs-s vor Zischlauten und s, wie bei Geschicht¬ 
schreiber, Sonntagstimmung ist in manchen Fällen 
übrigens nichts einzuwenden. 

Beim Bindestrich (Seite XIII) wäre noch eine kleine 
Belehrung über Kuppelwörter notwendig; ist doch 
der jetzige mißverstandene Hinweis unter 2b, den 
Bindestrich bei besonders unübersichtlichen Zusam¬ 
mensetzungen anzuwenden, vollkommen ungenügend, 
das beweist der törichte Übereifer, alles und jedes 
bis zur gänzlichen Unverständlichkeit in ein Wort 
zusammenzuquetschen, so daß oft geradezu sprach¬ 


widrige Gebilde entstehen: Teeinfus , Plasmaersatz 
usw. Selbst diese kurzen Worte können das Divis fast 
nicht entbehren, bei längeren Wortgebilden ist eine 
Trennung noch notiger, empfehlenswert ist sie bei 
allen Zusammensetzungen mit weniger bekannten 
Fremdwörtern, z. B. Clavellinen-Embryo, Lungen- 
Echinococcus usw. Die Schriftsprache gewinnt nichts 
durch jene Bandwurmkultur, aber sie verliert wesent¬ 
lich an Deutlichkeit. 

Beim Apostroph wäre vielleicht für den Buch¬ 
druckerbedarf noch zweckmäßig, eine weitere Bemer¬ 
kung anzufügen mit dem Hinweis, daß unsre Apo¬ 
strophregeln auf fremdländische, besonders englische 
Benennungen usw. nicht anzuwenden sind, es also 
beispielsweise heißen muß: SBorlb's JJair, SRariner's 
§ome usw. Bei dem jetzigen Absatz 2 (Seite XIV) 
könnte hinter Demosthenes* Reden noch ein spani¬ 
sches Beispiel, vielleicht „Cervantes* Don Quixote“ 
eingefügt werden. 

Das Trema, das im amtlichen Regelbuche ganz mit 
Stillschweigen übergangen ist, hat für unser Buch 
doch mehr Bedeutung. Es wäre sogar zu prüfen, ob 
nicht bei Worten wie Kasein, Tein u. a. die Trenn¬ 
punkte besser gesetzt als weggelassen würden. 

Die Anführungszeichen können unter Umständen 
die Ursache vieler Nörgeleien sein; der Buchdrucker- 
Duden gibt Beispiele für ihre Anwendung, die an 
und für sich zwar nicht anfechtbar sind, aber doch 
aus praktischen Gründen besser eine kleine Abände¬ 
rung erführen. So ist z. B. als Anführung innerhalb 
der Anführung das einfache Antiquakomma fast all¬ 
gemein gebräuchlich (,—‘), nicht die angegebeneVer- 
doppelung der Gänsefüßchen („„—Ferner ist 
es einfacher, bei Unterbrechung eines angeführten 
Satzes die Interpunktion durchgängig vor die Ab¬ 
führung zu setzen, also auch bei: „Ich bin,“ spricht 
jener, „zu sterben bereit.“ Logische Erwägungen 
sprechen ja freilich für die Angabe im Duden, aber 
die praktische Durchführung ist schwerfällig. 

Die Angabe der Teilungen bei schwierig zu trennen¬ 
den fremden wie deutschen Wörtern ist schon mehr¬ 
fach gewünscht worden, letzthin erst wieder im All¬ 
gemeinen Anzeiger. Qualitätsgrade dabei zu unter¬ 
scheiden, z.B. Di||ver i tisse | ment (| = 1, || = 2, i = 3) 
ist kaum nötig, und die feine Linie dürfte durchgängig 
genügen und angenehmer wirken als Divis oder gar 
Bruchziffer. 

Ein sehr schwieriges Kapitel ist die Behandlung 
der zusammengesetzten Zeitwörter , worüber der Setzer 
noch sehr im Dunkeln gelassen ist und nun, dem 
Zuge der Zeit folgend, oft des Guten zuviel tut und 
den Leser mit ellenlangen Wortungeheuern zur Ver¬ 
zweiflung bringt. Eine Aufklärung darüber, ob z. B. 
beim abhängigen Infinitiv mit „zu“ Zwischenräume 
zwischen den Teilen des Verbums zu machen sind 
oder nicht, wäre sehr wünschenswert, ob es also heißt 


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vorwärtszudringen oder vorwärts zu dringen usw., 
ob auch vorüberreiten , auseinanderfallen , entzwei¬ 
gehen und alle verwandtenVerben zusammenzuziehen 
sind, ob ferner von einer neubearbeiteten oder neu 
bearbeiteten Auflage, von weichgekochten oder weich 
gekochten Eiern zu reden ist usw. Es läßt sich frei¬ 
lich darüber streiten, ob ein Orthographiebuch dar¬ 
über aufklären müsse, aber man bedenke doch, daß 
der Buchdrucker-Duden eben für seinen Benutzer 
zugleich Grammatik und Wörterbuch und noch man¬ 
ches andre sein möchte. 

So wäre es beispielsweise auch gut, besonders her¬ 
vorzuheben, daß es im Genetiv Friedrichs IV., nicht 
Friedrich IV. zu heißen hat. 

Sogar die recht gut verständliche Bemerkung über 
den Dativ und Akkusativ (Seite XXI) findet beim Setzer 
ihre mißbräuchliche Auslegung. Wenn ein alter 
Brief oder alter Schriftsteller zitiert wird, der da 
schreibt: „Ich habe Goethen selbst dort gesehen“, 
so ist die Endung -en bei Goethe doch zweifellos zu 
Recht bestehend und unterliegt nicht unsrer moder¬ 
nen Orthographieregel. Außerdem soll wohl die Be¬ 
merkung (Zeile 6 von unten) nicht auf das Dativ-e 
im allgemeinen bezogen werden, denn auch dieses 
hat oft seine große Berechtigung und dürfte durchaus 
nicht dem Setzer und Korrektor für vogelfrei erklärt 
werden. 

Der heikelste Punkt dieser ganzen Ausführungen 
ist wohl die Behandlung der Fremdwörter. Unendlich 
oft ist schon in der Tagespresse, durch kleinere 
Schriften sowie auch in unsrer Fachpresse auf die 
Mißstände hingewiesen worden, die sich aus der ver¬ 
schiedenen Behandlung der Fremdwörter in der neuen 
Rechtschreibung ergeben. Man findet keine Erklä¬ 
rung dafür, daß das ziemlich deutsch-lautrecht ge¬ 
schriebene Connetable mit C, die französisch zu spre¬ 
chenden Konseil, Konduite, Kommis , Komment und 
viele andre aber mit K zu schreiben sind. Kretin ist 
in dieser Form beinahe unverständlich, Piesse nicht 
viel besser, das deutsch ausgesprochene placieren 
mit c ein Widerspruch und hunderterlei andres. 

Was sollen zito und zitissime mit z? — auch wenn 
man sie in der Zeitung mit aus Fraktur setzt, schei¬ 
nen sie immer noch ein Recht aufs c zu haben. 

Ein andres Wort, bei dem das C unbedingt bei¬ 
behalten werden sollte, ist das englische College 
(Hochschule), z. B. Harvard-College, besonders aber 
wenn College für sich allein steht. Ein Kollege mit 
K ist immer ein „Berufsgenosse“, dem College (spr. 
köllidsch) wird darum als Kennzeichen wohl sein 
C verbleiben müssen, solange wir es nicht durch ein 
entsprechendes deutsches Wort ersetzen. Dieses 
Wort wäre also zur Aufnahme neben das französische 
College empfohlen, welch letzteres aber durchaus 
nicht gerade (wie nach Duden) Antiqua sein muß, 
sofern man ihm nur den Akzent läßt, wie man ihn ja 


auch bei Franpaise, Cura^ao, Gar^on, Habituä u. a. 
zugestehen muß. 

Schon längst ist bemängelt worden, daß während 
man sich sonst löblicherweise bemüht, entbehrliche 
Fremdwörter zu beseitigen, unsre neue Orthographie 
mit allen Mitteln daraufhinarbeitet, ganz überflüssige 
fremde Eindringlinge mit Gewalt in den deutschen 
Sprachgebrauch hereinzuziehen, und zwar dadurch, 
daß sie ihnen ein deutschtümliches Gewand verleiht. 
Es sei hier an Sillctboui, das schon erwähnte ftretin, 
entrc nous usw. erinnert. Durch solche Schreibungen 
wird der Anschein erweckt, daß der Gebrauch solcher 
auf fremdem Boden erwachsener Sprachbestandteile 
erwünscht wäre, andernfalls brauchte man sie doch 
nicht mundgerecht zu machen und könnte beim billet 
doux , Crttin oder mindestens Cretin> entre nous 
bleiben. Wie das vermeintlich mundgerecht gemachte 
Wort übrigens erfaßt wird, beweist dann schon die 
Aussprache Billetuks, Krehtihn usw.,— zugleich Be¬ 
weis, daß im Munde derjenigen, die sich mit der 
fremden Schreibung nicht abzufinden wissen, auch 
das fremde Wort lieber nicht geführt würde und sie 
sich besser an die vollkommen zulänglichen deutschen 
Ersatzworte Liebesbrief, Blödsinniger usw. hielten. 
Wäre es da nicht zweckmäßiger, solche unheilge¬ 
bärende Wechselbälge blieben aus dem Buchdrucker- 
Duden fort, denn verboten kann doch die richtige 
Schreibung nicht sein, durch Anführung in der be¬ 
sagten Weise aber wird die vergewaltigte Form doch 
geradezu geboten. 

Über die Pluralbildung gibt der Buchdrucker-Duden 
einige anfechtbare Hinweise; so ist z. B. Kokkusse 
ganz entschieden unstatthaft und sollte nicht der Ge¬ 
wohnheit einiger Unwissender zuliebe zugestanden 
werden; man gestattet ja auch nicht Diakonusse usw. 
Sonderbarerweise fehlt die gute Mehrzahlform Kokken 
unter dem Grundwort ganz, obwohl sie allgemein 
eingebürgert ist und zu Diakonen , Alumnen usw. paßt. 
Auch an Kodexe wird als an einer nicht schriftge¬ 
mäßen Form Anstoß genommen. Wer das Wort Ko¬ 
dex gebraucht, soll sich auch mit den Codices aus¬ 
söhnen, oder beides vermeiden. Tee hat eigentlich 
im Deutschen keinen Plural, die Kaufleute verwen¬ 
den die fremde Form Tees ; das mag hingehen, aber 

Teee (Seite 292)-der korrekte Schriftgebrauch 

wird sich doch am Ende mit „Teesorten“ oder „Tee¬ 
arten“ begnügen müssen! 

Eine andre Gruppe höchst bedenklicher Schrei¬ 
bungen sind die Zusammenziehungen wie 5torpus= 
belifti, ftrcmortartari u. a., obendrein in Fraktur. Durch 
derartige Vorbilder wird die Empfindung für den 
Unterschied von deutsch und nichtdeutsch noch mehr 
geschwächt und das meist schon nur in ganz geringem 
Maße vorhandene Sprachgefühl vollends einge¬ 
schläfert und untergraben. An sie lehnt sich der 
Setzer an, wenn er nun auch in medizinischen Werken 


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ftorpusluteum, ftorpusdbum und in weiterer Anlehnung 
allen möglichen Unsinn setzt, dessen Wert als 
Unsinn auch dadurch nicht geringer wird, wenn er 
im Antiquagewande erscheint: Korpusluteum und 
Gummiarabikum ist am Ende einerlei. Das Gefühl 
dafür, daß man es hier mit einem fremdartigen Ge¬ 
bilde zu tun hat, sollte doch lieber nicht erstickt 
werden, vor allem nicht dadurch, daß man beide Worte 
zusammenzieht — Latein ist nun einmal Latein, zu¬ 
dem brauchen wir das Corpus delicti überhaupt nicht, 
und auch dem Cremor tartari können wir ruhig als 
einem Kunstausdruck der Apotheker sein rein latei¬ 
nisches Kleid lassen, sofern nicht der Handel schon 
deutsche Bezeichnungen (gereinigter Weinstein) da¬ 
für kennt. Jedenfalls wird das Verständnis derjenigen, 
die da vermeintlich etwas von „Krlmmitatri“ gehört 
haben, auch durch die Schreibung Äremortartari nicht 
geläutert, wohl aber durch sie tausend Setzer irre 
geführt. — Wir sahen schon gelegentlich der in all¬ 
gemeinerem Gebrauch üblichen gräkolateinischen 
Fremdwörter, wie das ehemalige C ein Vorteil für ihre 
Schreibung war, bezüglich der medizinischen, natur¬ 
wissenschaftlichen u. a. Fachausdrücke ist dies in noch 
weit höherem Maße der Fall. Glücklicherweise ist Aus¬ 
sicht vorhanden,daß die seinerzeitvon den Professoren 
Spengel in Gießen und Ziegler in Jena angeregte 
Regelung dieser Ausdrücke außerhalb der sonstigen 
Orthographiefestsetzungen zur Wahrheit wird, denn 
schon im November 1904 konnte man lesen, daß eine 
Zusammenkunft berufener Vertreter der Wissenschaf¬ 
ten, des Buchhandels und der Behörden zu diesem 
Zwecke stattgefunden habe, und erst dann, wenn dasC 
hier wieder in seine Rechte eingesetzt sein wird*), 
wird es dem Setzer und Korrektor wieder möglich sein, 
medizinische, pharmazeutische, chemisch-technische 
und naturwissenschaftliche Werke zur bessern Zu¬ 
friedenheit der Autoren zu erledigen. Für den Buch¬ 
drucker-Duden wäre aber wohl die Frage zu erwägen, 
ob es nicht besser sei, alles was den Charakter eines 
Fachausdrucks hat, überhaupt wegzulassen, denn 
schreiben die Fachleute z. B. Leukocyten, Pericard 
usw. — was bringt’s für Schaden, wenn es das übrige 
Publikum auch so liest und schreibt. Derartige Aus¬ 
drücke zu popularisieren ist gefährlich und in den 
meisten Fällen unnötig, und wenn dies nicht beab¬ 
sichtigt werden kann, schadet auch das C nichts! 


*) Welches Unheil hat allein schon das Wort Bazillus mit 
z angerichtet! Davon wissen Hunderte ein Liedchen zu 
singen — der Bacillus und die Bacillen mit c brachten aber 
niemand Schaden. Muß es denn mit Gewalt eine deutsche 
Form geben, so sollte man sich entschließen, die Worte 
Bazill und Bakter für Bacillus und Bacterium allgemeiner 
anzuwenden. Die Schreibung des letzteren Wortes ist nicht 
anzufechten, solange wir Kamel und fidel als richtig aner¬ 
kennen: Kamel, fidel, Bakter, sie unterliegen derselben 
Regel. 


Im Gegenteil wäre es viel wichtiger, der allzu über¬ 
stürzten Popularisierung des Fremden etwas Einhalt 
zu gebieten; hierzu das Folgende: 

Da der Buchdrucker-Duden auch für die meisten 
Zeitungsbetriebe gilt, könnte vielleicht eine Er¬ 
weiterung der Erklärungen über die Anwendung der 
Antiqua nichts schaden und ein strikter Hinweis ge¬ 
geben werden, daß Sprachverstöße wie !Roma faput 
munbi (= Roma caput mundi) und andre unsinnige 
Willkürlichkeiten auch in der Zeitung unstatthaft sind. 
Große Zeitungen, die hierin sehr viel sündigen, sollten 
ihren Lesern den Lesestoff doch in einem anständigen, 
verständlichen und sprachrichtigen Gewände vor¬ 
führen. Die Eile entschuldigt grundsätzliche Fehler¬ 
haftigkeit nicht. Ungeheuerlichkeiten wie der ange¬ 
führte Satz, von denen viele Zeitungen geradezu 
wimmeln, besonders bei der heutigen Sucht, jedes c, 
auch im Französischen und Lateinischen, durch ein k 
zu ersetzen und alle Sprachen in ein einheitliches 
Frakturgewand zu kleiden, sind einfach beschämend. 

Ist man nun einerseits mit Ansprüchen auf Erwei¬ 
terung des Buches nicht sehr zurückhaltend, so heißt 
man anderseits auch eine gewisse Beschränkung will¬ 
kommen, nicht nur, um den Preis vielleicht etwas zu 
ermäßigen, sondern auch zur Erzielung besserer 
Handlich- oder Übersichtlichkeit. So wünschen viele 
die Ausscheidung aller Wörter, deren Schreibweise 
überhaupt keiner Schwankung unterliegen kann, wie 
Fett, Ball und viele tausend andre, und die auch 
ihrer Flexionsformen wegen nicht angeführt zu werden 
brauchen; mit Recht wird auch in der Buchdrucker- 
Woche vom 4. August 1906 vorgeschlagen, daß die 
Flexionsformen nur unter dem Grundwort aufge¬ 
führt sein sollten, also z. B. nur bei Kreis , nicht aber¬ 
mals bei Gesichtskreis usw.; andre glauben wieder, 
daß von den Fremdwörtern alles, was den Charakter 
eines wissenschaftlichen Fachausdrucks hat, weg¬ 
bleiben könnte, denn für bindend wird der Buch¬ 
drucker-Duden darin doch schon jetzt nicht ange¬ 
sehen und durch Anführung einzelner Beispiele, die 
dann mißverständlich oft für ganz andre Verhältnisse 
als vorbildlich dienen, wird obendrein nur Verwirrung 
hervorgerufen. In den Volksgebrauch gehören übri¬ 
gens Bezeichnungen wie Karies, Rektum, Iridozykli¬ 
tis und all die übrigen nicht, und für die Herstellung 
der Fachwerke sind die wenigen angeführten Wörter 
sowieso völlig unzureichend. 

Die Anführung der typographischen Fachausdriicke 
gilt in den Augen der meisten Buchdrucker als eine 
recht einseitige und überflüssige Erweiterung des 
Buches, auf die zugunsten einiger Raumersparnis 
gleichfalls verzichtet werden möchte, wenigstens so¬ 
fern sie nicht durch eine zweifelhafte Schreibweise 
Anlaß zur Anführung geben. So würden z. B. Schnell¬ 
presse, Bürstenabzug, ein werfen, einlaufen, ein¬ 
schießen, durchschießen, Durchschuß, Durchschuß- 


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kästen, durchgehende Breite und zahlreiche andre 
ohne Schaden ausscheiden können, denn anders als 
angegeben kann man sie nicht schreiben, ihre Be¬ 
deutung kennt der Buchdrucker oder würde sie an¬ 
dernfalls aus dem Buche doch nicht erfahren, und für 
andre hat ihre Orthographie kein Interesse. 

Endlich ist noch das Verlangen nach Beigabe eines 
Korrekturschemas geäußert worden, damit auch in 
dieser Hinsicht eine Einheitlichkeit erzielt und den 
darin weniger erfahrenen Autoren eine Vorlage ge¬ 
währt werde. Um die zweckmäßigsten Korrektur¬ 
zeichen festzustellen, haben denn auch bereits die 
Korrektorenvereine auf Anregung des Leipziger Ver¬ 
eins die Sache in die Hand genommen und sind wohl 
schon vielerorts in Beratungen darüber eingetreten, 
so daß sie zur gegebenen Zeit mit bestimmten Vor¬ 
schlägen an die Herausgeber herantreten könnten. 


Dies im groben Umriß die „Anträge“ für das typo¬ 
graphische Allheil-Buch, ohne Gewähr für Vollstän¬ 
digkeit. Manche Verbesserung wird ja erreicht wer¬ 
den, viele Wünsche freilich unerfüllt bleiben müssen. 
So der oft geäußerte Wunsch, die Genetiv- und Dativ¬ 
formen endgültig festgelegt zu sehen (zuletzt noch 
Buchdrucker-Woche vom 4. August 1906), keine ein¬ 
zige Doppelform •) mehr im Buche zu finden usw. usw.; 
aber bei der geäußerten regen Absicht der Heraus¬ 
geber, alles aufzubieten, was dazu beitragen kann, 
das Buch zweckmäßiger auszugestalten, darf man 
immerhin guter Hoffnung sein. 

•) Der Vorschlag eines Herrn W. L. in Elberfeld, laut 
Korrespondent vom 8. August 1903, im fortlaufenden Alpha¬ 
bet nur je eine Schreibung zu bringen und alle unabweis¬ 
baren Doppelformen in einen Anhang zu verweisen, wäre 
eigentlich ernstlicher Erwägung wert. 


Wie man sich an Wettbewerben beteiligt. 


D AS Warenhaus Ury Gebrüder in Leipzig hatte ein 
Preisausschreiben veranstaltet zur Gewinnung eines 
Namenszeichens, verwendbar als Kennzeichen für Zei¬ 
tungsannoncen. Die Bedingungen lauteten: „Die Entwürfe 
müssen entweder die Firma Warenhaus Ury Gebrüder oder 
nur den Namen Ury in künstlerischer Reklamewirkung dar¬ 
stellen, müssen den technischen Anforderungen des Zei¬ 
tungsdruckes entsprechen und sollen auf einer von der 
Firma gratis zu beziehenden Annoncenseite einer Leipziger 
Zeitung an irgend einer Stelle angebracht sein (Zeichnung 
oder fertiger Druck). Behandlung, Form und Größe des 
Entwurfs sind freigestellt innerhalb der Grenze von 10 cm 
in Höhe und Breite. Zur Verteilung kommen drei Preise: 
Erster Preis 500M., zweiter Preis 100M., dritter Preis 75M., 
jedoch ist es den Preisrichtern gestattet, den ersten Preis 
zu halbieren, wenn sie zwei Entwürfe gleichwertig als die 
besten auszeichnen wollen. Die ausschreibende Firma be¬ 
hält sich weiterhin das Ankaufsrecht für eine oder mehrere 
der nicht preisgekrönten Arbeiten zum Preise von je 50 M. 
vor. Preisgekrönte wie angekaufte Entwürfe gehen in das 


vollständige Eigentum der ausschreibenden Firma mit allen 
Benutzungs-, Vervielfältigungs-, Abänderungs-, Ausstel¬ 
lungsrechten usw. über. Die Arbeiten sind, nur mit Kenn¬ 
wort versehen, bis zum 20. Juli 1906, mittags 12 Uhr an die 
Leitung des Buchgewerbemuseums einzusenden; derName 
des Künstlers muß in einem mit gleichem Kennworte ver¬ 
sehenen geschlossenen Briefe beifolgen. Jeder Bewerber 
kann unter verschiedenen Kennworten mehrere Entwürfe 
einreichen. Zugelassen zur Preisbewerbung sind sämtliche 
in Leipzig wohnhaften (bildenden) Künstler und Künstlerin¬ 
nen, Angehörige des graphischen Gewerbes, sowie Schüler 
aller Leipziger Schulen für bildende und graphische Künste." 

Die Bedingungen des Preisausschreibens können nur als 
sehr liberale bezeichnet werden, die ausgesetzten Preise, 
namentlich der erste Preis, waren sehr hoch, auch der zum 
Ankauf von nicht prämiierten Entwürfen festgesetzte Be¬ 
trag von je M. 50.— war ein der zu leistenden Arbeit durch¬ 
aus angemessener. 

Daß die Beteiligung an einem derartigen Preisaus¬ 
schreiben eine sehr rege werden würde, war von vornherein 




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anzunehmen, aber die Zahl der eingegangenen Entwürfe, 
über 800 Stück, übertraf doch alle Erwartungen. Den Herren 
Preisrichtern war es 
sicherlich nicht leicht 
geworden, die rich¬ 
tige Bewertung zu fin¬ 
den, deren Ergebnis 
folgendes war: Der 
erste Preis je zur 
Hälfte den Herren 
Paul Brandt, Litho¬ 
graph, Leipzig-Neu¬ 
stadt und Hermann 
Delitzsch , Lehrer an 
der Kgl. Akademie für 
Graphische Künste 
und Buchgewerbe, 

Leipzig, der zweite 
PreisHerrnOtto/forn, 

Leipzig und der dritte 

Preis dem bereits ge- Signet für die Verlagsanstalt Alexander Koch, Darm- 
nannten Herrn Her - Stadt. Gezeichnet von Ferdinand Nigg, Magdeburg 
mann Delitzsch, Leipzig. 

Nach den Bedingungen sollten die eingegangenen Ent¬ 
würfe in dem Deutschen Buchgewerbehaus zur Schau ge¬ 
bracht werden. Das war aber, weniger wegen der großen 
Zahl als deshalb nicht möglich, weil nur ein kleiner Teil 
der gestellten Anforderung, künstlerische Reklamewirkung, 
entsprach. Ist das schon betrübend, so war noch betrüben¬ 
der, daß unter den ausgestellten Entwürfen sich mehr 
als zwei Dutzend befanden, die weiter nichts als geistige 
Anlehnungen waren. Abbildungen aus Zeitschriften (z. B. 
Simplizissimus), aus Vorlagewerken, Schriftproben usw. 
waren entweder unmittelbar kopiert oder etwas umgeändert 
worden, jedoch so, daß jeder, der in der Buchgewerblichen 
Kunst heimisch ist, sofort und ohne weiteres deren Ur¬ 
sprung nennen konnte. Die beiden stärksten Anlehnungen 
wiesen aber zwei Entwürfe auf, die ich hier neben den 
Originalen wiedergebe. Der eine Wettbewerber hat das 



Entwurf aus dem Wettbewerb des Warenhauses Ury Gebrüder 
Nacbbildner leider unbekannt 


Ferdinand Nigg, Magdeburg für die Verlagsanstalt 
Alexander Koch in Darmstadt gezeichnete Signet, das auch 
auf deren Briefumschlägen angebracht ist, direkt nachge¬ 
ahmt und an Stelle der drei Buchstaben A-K-D das eben 
falls aus drei Buchstaben bestehende Wort URY gesetzt, 
für das Künstlerwappen aber ein schlecht stilisiertes Wap¬ 
pen der Stadt Leipzig angebracht. Der zweite Wettbewerber 
hat das von Lucian Bernhard-Berlin für die Nationalzeitung 
gezeichnete farbige Plakat ohne weiteres verkleinert in 
Schwarz-Weiß gegeben und an Stelle des ursprünglichen 
Textes das Wort Ury gestellt. Diesen beiden Beispielen 
könnte ich noch weitere beigeben, aber sie dürften voll¬ 
kommen für den Beweis genügen, daß in diesen Fällen 
nicht mehr von geistiger Anlehnung, sondern nur noch von 
geistigem Diebstahl gesprochen werden kann. 

Leipzig. Arthur Woernlein. 



von 


Buchgewerbliche Rundschau. 


Buchdruck. 

Walzen mit fester Oberfläche. Lichtdrucker und Buch¬ 
binder, zum Teil auch die Buchdrucker, bedürfen zur Ver¬ 
arbeitung von sehr strenger Farbe Walzen mit entsprechend 
fester Oberfläche. Die an sich sehr feste Masse soll nun 
aber auch noch genügend Zugkraft haben. Harte Walzen¬ 
masse schwindet jedoch ganz schnell, läßt sich auch beim 
Umguß sehr schwer verarbeiten, weil sie schlecht läuft. 
Zur Erzielung von Walzen mit fester Oberfläche wurde nun 
seither das Mittel gebraucht, die mit gewöhnlicher Buch¬ 
druckmasse gegossenen Walzen mit einer Lösung von Gerb¬ 
säure zu bestreichen, wobei aber der Übelstand war, daß 
die Oberfläche der Walze nach kurzer Zeit rissig wurde und 
diese neu gegossen werden mußte. Ich habe nun folgen¬ 
des Mittel versucht, das sich sehr gut bewährt hat. Die 
Walze wird mit Masse gegossen, die etwas fester ist als die 
gewöhnlich von Buchdruckern gebrauchte, und über Nacht 
stehen gelassen. Mit einer Lösung von einem Teil Chrom¬ 
alaun und zehn Teilen Wasser, die eine hellblaue Farbe 


haben muß, wird nun die Walze mittels der Hand gleich¬ 
mäßig eingerieben und dann trocknen gelassen. Die so be¬ 
handelten Walzen behielten noch genügende Zugkraft, ob¬ 
wohl die Oberfläche so fest war, daß die strengsten Farben 
verrieben wurden. W-r. 

Verhütung von falschem Umschlagen. Sehr häufig 
wird durch falsches Umschlagen des Schöndruckes recht 
empfindlicher Schaden verursacht, der sich durch Anwen¬ 
dung folgender erprobter Mittel vermeiden läßt. In jede, 
auch die einfachste Form wird an der Anlage stets ein Non¬ 
pareillegeviert so eingeschlossen, daß die eine Hälfte oder 
auch nur ein kleinerTeil des Geviertes am Rande des Papiers 
mitdruckt. Es entsteht dann durch die ganze Auflage hin¬ 
durch ein sichtbarer Streifen, der sich scharf vom Papier 
abhebt und dem Drucker auch aus größerer Entfernung 
sichtbar ist. Ein Blick genügt, um zu erkennen, ob das 
Papier richtig Umschlagen ist. Dem Buchbinder aber kann 
der Strich als Anhaltepunkt für das Aufstoßen und Schnei¬ 
den dienen. W-r. 

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Schriftgießerei. 

Schriftprobenschau. Die Sommermonate pflegt man 
gewöhnlich die „Stille Zeit“ zu nennen, weil in ihnen der 
Arbeitsgang ein etwas ruhigerer ist als in den andern 
Jahreszeiten. Von einer „Stillen Zeit“ kann aber in dem 
Schriftgießereigewerbe wohl keine Rede sein, denn die 
letzten Wochen brachten nicht weniger als sieben Anwen¬ 
dungshefte neuer Schriftgarnituren und Zierstücke, unter 
denen sich einige Neuheiten befinden, die bei den Ab¬ 
nehmern wegen ihrerOriginalität Beachtung finden dürften. 
Der von den deutschen Schriftgießereien entfaltete Fleiß 
in der Erzeugung neuen und mitunter künstlerischen 
Schriftmaterials verdient alle Anerkennung, aber er 
möchte auch fast Bedenken hervorrufen, ob der Buch¬ 
drucker denn für solchen Segen noch in dem Maße emp¬ 
fänglich ist, daß die ungeheuren Anlagekosten für die 
Herstellung der neuen Schriften auch nur einigermaßen 
Deckung finden. Im Interesse der Schriftgießereien will 
ich es hoffen und wünschen, denn ihre Bemühungen ver¬ 
dienen einen materiellen Erfolg, wenn man manchmal auch 
den Ruf ausstoßen möchte: Etwas weniger ist besser. 

Von der Bauerschen Gießerei in Frankfurt a . Af. liegen 
zwei Probehefte vor, von denen das eine die Florentiner 
Mediäval, das andre die Barlösiusschrift zeigt. Mit der 
Florentiner Mediäval hat die Bauersche Gießerei ihre 
zahlreichen Brotschriften durch ein sehr gutes Erzeugnis 
vermehrt. Die Schrift ist im Renaissance-Charakter flott 
gehalten, das heißt die Strenge der romanischen Grund¬ 
form ist nach Möglichkeit vermieden, die Wirkung ist eine 
sehr gute und das Bild, auch in den kleinen Graden, ein 
klares und leicht lesbares. Zu der Schrift sind Schmuck¬ 
stücke, Florentiner Schmuck genannt, sowie Umrahmungen 
für die Initialen geschaffen worden, die in der Mehrzahl 
von gefälliger Wirkung sind. Die in dem Probeheft noch 
enthaltenen Baby-Vignetten sind in Schwarz-Weiß gut ge¬ 
zeichnet und für die Verwendung bei Gelegenheitsdruck¬ 
sachen sehr geeignet. Die Barlösiusschrift verdankt ihre 
Entstehung der auf dem Gebiete neuzeitlicher Buchkunst 
sehr verdienten Fima Fischer & Franke in Berlin, die vor 
einigen Jahren ein 1 übsch ausgestattetes Buch Till Eulen¬ 
spiegel zur Ausgabe brachte, zu dem die Schrift von dem 
Künstler Georg Ba iösius in Berlin gezeichnet, von der 
Bauerschen Gießerei in Frankfurt a. M. aber geschnitten 
und gegossen worden war. Nun bringt die genannte 
Gießerei, die an der Schaffung der Schrift ein besonderes 
Verdienst hat, ein gut ausgestattetes und sauber gedrucktes 
Probeheft zur Ausgabe, das neben der Barlösiusschrift in 
10 Graden auch noch Schmuck und Vignetten nach Ent¬ 
würfen von Georg Barlösius bringt. Die Barlösiusschrift 
kann von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachtet 
werden. Erstens, sie ist von einem auf dem Gebiete der 
Buchkunst verdienstvollen Künstler entworfen und wirkt 
bei zweckmäßiger Anwendung dekorativ, wenn sie auch 
viel zu wuchtig und schwer ist. Zweitens, die Barlösius¬ 
schrift ist infolge ihres streng gotischen Charakters für den 
Werksatz wohl kaum, für Akzidenzen aber nur in gewissen 
Fällen geeignet. Die Form der Schrift insgesamt, wie die¬ 
jenige einzelner Buchstaben muten etwas sehr fremdartig 
an, ich möchte nur auf J,S, A verweisen, von welchen drei 
Buchstaben ich das S verschiedene Male als „H“ gelesen 
habe. Das Seitenbild eines Buches wirkt infolge des kräf¬ 
tigen Schriftschnittes sehr schwer und ist viel zu schwarz, 


als daß ein leichtes nicht ermüdendes Lesen möglich 
wäre. In unsrer Zeit dürften wohl auch nur wenige 
Personen geneigt sein, Gelegenheitsdrucksachen, seien es 
nun Karten, Briefköpfe, Einladungskarten oder Rund¬ 
schreiben in einer Schrift herstellen zu lassen, die, wenn 
auch ein durchaus originales künstlerisches Erzeugnis, 
doch den Eindruck einer mittelalterlichen Handschrift 
macht. Das sind meine Bedenken, die ich gegen die 
Barlösiusschrift habe; es würde mich freuen, wenn sie 
sich nicht bewahrheiten sollten. Auf die Eigenart des 
Künstlers Barlösius möchte ich hier nicht näher ein- 
gehen, aber doch darauf hinweisen, daß bereits an an¬ 
drer Stelle angedeutet wurde, in den Arbeiten von Bar¬ 
lösius kehre manches von Joseph Sattler in verblüffen¬ 
der Ähnlichkeit wieder. Auch bei dem von Barlösius zu 
seiner Schrift geschaffenen Schmuck kann ich mich dieses 
Eindruckes nicht erwehren. Den Freunden Barlösiusscher 
Zeichenkunst aber wird die vorliegende Schrift mit ihren 
Initialen und Zierstücken sicherlich willkommen sein, der 
Bauerschen Gießerei in Frankfurt a. M. jedoch gebührt 
Dank und Anerkennung dafür, daß sie, ohne Rücksicht auf 
Erfolg oder Mißerfolg, die Schaffung der Barlösiusschrift 
ermöglicht und keine Kosten für deren technisch voll¬ 
endete Ausführung gescheut hat. 

Die Schriftgießerei Julius Klinkhardt in Leipzig hat in 
einem gut angeordneten und sehr sauber gedruckten Quer¬ 
oktavheftchen sechs verschiedene Garnituren Grotesk¬ 
schriften vereinigt, die 46 beliebig miteinander zu ver¬ 
wendende Grade umfassen. Die Schaffung einer solchen 
„Schriftenfamilie“, wie die Firma diese ihre neuesten Er¬ 
zeugnisse im Vorwort des Heftes zusammenfassend nennt, 
ist eine ganz bedeutende Leistung, die unumwundene An¬ 
erkennung verdient. 

Als im Jahre 1900 der amtliche Katalog für die deutsche 
Abteilung auf der Weltausstellung in Paris 1900 erschien, 
fand die zu dessen Satz und Druck verwandte Schrift bei 
allen Freunden einer klaren, deutlichen und leicht lesbaren 
Druckschrift freudigen Beifall. Die von Georg Schiller, 
jetzt Lehrer an der Kgl. Akademie für Graphische Künste 
und Buchgewerbe in Leipzig, gezeichnete und von der 
Reichsdruckerei geschnittene Neudeutsch ist meines 
Wissens aber nur von zwei deutschen Schriftgießereien 
erworben worden. Unter ihnen befindet sich die Schrift¬ 
gießerei C. F. Ruhl in Leipzig , die unstreitig das Verdienst 
hat, das schöne Erzeugnis den Buchdruckereien für den 
allgemeinen Gebrauch vermittelt zu haben. Die Neu¬ 
deutsch, deren Formen ja genügend bekannt sind, hat sich 
zwar erst nach und nach eingeführt, aber wenn nicht alle 
Anzeigen trügen, so wird sie immer mehr und mehr 
Freunde finden, zumal die Firma Rühl bestrebt ist, die 
Schrift durch Schaffung von Initialen und Zierstücken zu 
ergänzen. In dem mir vorliegenden Hefte wird neben der 
Neudeutsch, die in 13 Graden vorhanden ist, ein einfaches 
und doch wirkungsvolles Ziermaterial gezeigt, das eben¬ 
falls von Georg Schiller geschaffen ist und fast ausschlie߬ 
lich aus kleinen Ornamenten besteht, die sich aber der 
schlichten konstruktiven Buchstabenform der Neudeutsch 
anpassen. Eine große Zahl satztechnisch sehr guter Bei¬ 
spiele zeigt, daß das neue Ziermaterial sehr zweckmäßig 
und ohne große Umständlichkeiten zur Schaffung hüb¬ 
scher gefälliger Satzgebilde geeignet ist. Eine weitere gute 
und wertvolle Ergänzung der Neudeutsch bilden die neu- 


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geschaffenen kassettierten Initialen für Ein- und Zwei¬ 
farbendruck. Alles in allem: das neueste Probeheft der 
Schriftgießerei C.F.Rühl verdient nicht nur Anerkennung, 
sondern auch Beachtung bei allen Buchdruckern und sol¬ 
chen Geschäften, die mit Druckerzeugnissen zu tun haben. 

Die Bestrebungen zur Verbesserung, besonders zur Ver¬ 
einfachung der Fraktur liegen nun etwa dreijahrzehnte zu¬ 
rück. Wenn die ersten Versuche ohne Erfolg waren, so lag 
dies daran, daß man etwas zu radikal vorging, das heißt, 
die Fraktur wurde dermaßen aller Schnörkel entkleidet, 
daß von einer Fraktur keine Rede mehr sein konnte. 
A. W. Kafemann in Danzig gebührt das Verdienst, zuerst für 
eine Vereinfachung der Fraktur eingetreten zu sein, indem 
er die Danziger Fraktur schuf, eine Schrift, die unstreitig 
für alle späteren Versuche von Wert war. Einige Jahre 
später erschien dann die Schulfraktur von J.G. Scheiter 
& Giesecke, die wohl von allen schnörkellosen Fraktur¬ 
schriften die weiteste Verbreitung fand. Nach einer Anzahl 
Frakturschriften aus früherer Zeit, kam dann vor etwa vier 
Jahren die durchaus selbständige Offenbacher Fraktur der 
Rudhardschen Gießerei (Gebr. Klingspor) in Offenbach a. M. 

Nun tritt die Firma J. G. Scheiter & Giesecke in Leipzig 
mit einer Jugendfraktur auf den Plan, mit der gleichzeitig 
der Versuch zu einer Vereinfachung gewisser Versalbuch¬ 
staben gemacht wird. Die Jugendfraktur entspricht in 
ihrer Zeichnung und Bildfette der bekannten Schulfraktur 
der Firma, nur ist sie etwas schlanker gehalten. Die 
Schrift macht sowohl im Werk- wie im Titelsatz einen sehr 
guten geschlossenen Eindruck, aber ich glaube, jeder, der 
die Schrift zum ersten Male sieht, wird entsetzt sein über 
einige ganz ungewohnte Versalien, die den Gemeinen aufs 
Haar gleichen. Ich gestehe gern, daß ich auch noch 
nach Lesen des Vorwortes, das die Firma der Schrift mit¬ 
gibt, diese Versalien fremdartig fand. Aber ich bekenne 
auch ehrlich, daß mir nun, nachdem ich die Jugendfraktur 
vielleicht ein Dutzendmal angesehen und gelesen habe, 
die ungewohnten Formen der Versalien vertraut geworden 
sind und mich nicht weniger und nicht mehr stören als 
die althergebrachten Fraktur-Versalien. Ich will damit nun 
durchaus nicht sagen, daß es jedem so gehen wird, son¬ 
dern nur dartun, daß der Versuch der Firma Scheiter 
& Giesecke in gewissem Sinne etwas für sich hat. Viel¬ 
leicht wäre es sogar gut gewesen, wenn die Firma ihren 
Versuch, die Versalien in Übereinstimmung mit den Ge¬ 
meinen zu bringen, nicht nur auf eine bestimmte Zahl 
großer Buchstaben beschränkt, sondern auch noch den 
andern Versalien, wie z. B. F, J, T, die Gestalt der Ge¬ 
meinen gegeben hätte. Aus dem bereits erwähnten Vor¬ 
wort möchte ich einige Sätze in Jugendfraktur hier zum 
Abdruck bringen, da durch sie am besten das zum Aus¬ 
druck kommt, was die Firma J. G. Scheiter & Giesecke zu 
ihrem Versuche bewogen hat. Zunächst heißt es: 

Die erfte anforberung, bie <m bös ftinb aeftellt wttb, ift bie 
Crlemung ber 5 d)riftformen. ln biefer I)inficf)t wirb nun oon 
bcm beutfdjen ftinbe bas Doppelte oon bem oerlangt, roas man 
bem fctnbe einer anberen ftulturnation 3umutet, benn es mufe 
nidjt nur bas beutföe, [onbem aud) bas Iateinijtfje Qlpljabet er* 
lernen, unb aufeerbem aud) nod) in jeber 3wei oerjdjicbcne Dud)* 
jtabenformen, nämlid) bas hieine unb grofee ÖIpf)abet, ba nur 
wenige Dudjjtaben in ben jefct gebräud)li<f)en Sormen fid) ähneln 
ober mit einanber übereinftimmen. I)ier in bem oon bem ftinbe 
im erften 5 d)uljaljr 3unäd)ft 3U bcwältigenben ternftoff mufe 
habet im 5 inne einer Derctnfadjung oor allen Dingen eingefebt 
werben. 


Dann etwas später: 

Eöas nun bie erleidjterung in ber bem ftinbe 3U fteßenben 
temaufgabe betrifft, fo {teilt unfere 

)ugenb» 5 rafctur 

bie wir ber Sadjwelt in biefem Ijefte oor dugen führen, einen 
befebeibenen Derfud) nad) biefer Richtung bin bar. Dte Üufgabe, 
bie wir uns in bie{em 5 inne {teilten, ging babin, bie grojjen 
tmcbftaben, bie Der{alien, mit ben hieinen Dud)ftaben, ben 
gemeinen, in llbereinftimmuna au bringen, ober {ie boeb {0 an* 
3unäbem, bajj bie djarafcterijtifaje eigentümlid)fceit bes Cin3el* 
bud){taben in beiben Sormen fc{tgebalten würbe, unb {omit bie 
Crhennbarheit bie{er Cigen{d)aften {elb{t für bas ungeübte duge 
bes ftinbes ermöglicht wirb. BOir haben aI{o in un{erer neuen 
Jugenbfrahtur nur eine Sorm für bas grobe unb hieine d a, eine 
gememfame Sorm für bas ö b u{w., nur ba& bie gröfeenoerhält* 
ni{{e oon einanber abweicben. Dafc bie groben unb hieinen 
Dudjftaben nicht allenthalben genau übereinjtimmen, bat {einen 
Qrunb barin, bab mit ber {eiterigen Sorm in gewifjer I)inficf)t 
gerechnet werben mubte, um nicht burd) aÜ3u grobe dbrneidjung 
bes gewohnten eine all3u frembartige IDirhung beroor3urufen. 

ln wieweit uns bieje dufgabe gelungen i(t, 3eigt bie 3u* 
jammenjtellung beiber dlpbabete: 

a6cbefg{jtjftImnopqrstut>tD*t)3 
Q6CDe5gi)immnopqRStuou)*i)3 

Dab bieje fleugeftaltung ber Der{aIformen aud) für ben an 
bie althergebrachten Sormen gewöhnten heine 5 d)wicrigheiten 
oerurjacben bürfte, wirb jeber empfinben, ber bie oorliegenben, 
mit unjerer Jugenbfrahtur gebrachten öeiten burchliejt. 

IDir wijjen, bab ®ir mit unjeter neuerang bie üereinfadjung 
ber Schrift nid)t erjehöpfenb Iöjten. Das Durdjgreifcnbfte ober 
nahe3U lbealc würbe ja fein, wie es oon Dielen noch toeiter* 
gehenben neuerem geforbert wirb: Die groben dnfangsbuchftaben 
bei ben Ijouptroörtern burchgeljenb burd) bie Sorm ber hieinen 
Ducbftaben, ber gemeinen 3U erjeben. Diejes De{treben wirb ja 
oielleicht einmal 3ur Durchführung hommen, nur barf ein plöb- 
lieber medjfet bes dlthergebra<hten nicht oerlangt werben. Die 
öhnlichheitsformen, wie wir {ie in unferer „Jugenbfrahtur“ ge* 
fchaffen haben, bürften aber ohne 3 wcifel einen 5 d)ritt weiter 
auf bem IDege 3ur Crreichung biejes 3ieles bilben. 

Viele werden nun wohl die Absicht der Firma billigen, 
aber anderseits eine derartige Veränderung der traditio¬ 
nellen Buchstabenformen schon im Hinblick auf die 
ästhetische Seite der Schrift nicht gutheißen. Ich selbst 
glaube, daß durch ungewohnte Formen die Schönheit 
einer Schrift durchaus nicht leiden wird. Es dürfte aber 
auch der Einwand nicht ausbleiben, daß, wenn bei der 
Fraktur den Versalien die Form der Gemeinen gegeben 
werde, dies auch bei der Antiqua geschehen müsse, 
wo das Kind ebenfalls zwei verschiedene Buchstaben¬ 
formen, das große und kleine Alphabet, lernen müsse. 
Es wäre daher erfreulich, wenn sich die Pädagogen zu 
dem immerhin sehr gewagten oder, wie ihn die Firma 
nennt, „bescheidenen Versuch“ der Änderung einiger 
Versalien äußern würden und ihm auch zustimmen könnten, 
denn die Buchdrucker, sowie auch die große Masse wer¬ 
den, wenn ich mich nicht sehr irren soll, der Neuerung 
wenig oder gar kein Verständnis entgegenbringen. Der 
FirmaSchelter&Giesecke aber gebührt für ihren neuesten 
Versuch zur Vereinfachung der Fraktur alle Anerkennung, 
zumal er immerhin doch ein sehr gewagtes Experiment ist. 

Die Schriftgießerei D. Stempel Akt. - Ges. in Frankfurt 
a.M. bringt unter dem Namen „Frankfurt-Serie“ „eine 
Charakterschrift von geschlossener markiger Wirkung, 
welche überlieferte und bewährte Formen in der Zeich¬ 
nung festhaltend, den künstlerischen Anforderungen 
unsrer Tage entspricht“. Mit diesen von der Heraus¬ 
geberin verfaßten Worten auf dem Titel ist alles gesagt, 

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was ich zur Beurteilung der Schrift sagen könnte. Für 
glatte Texte wird sich die Schrift nur in ganz besonderen 
Ausnahmefällen verwenden lassen, im Titelsatz und in 
Verbindung mit den dazu geschaffenen Zierstucken und 
Initialen wird sie gut wirken, aber ich befürchte, auch hier 
wird sie wegen ihrer Schwere nicht viel zur Anwendung 
kommen. Von der Schriftgießerei D. Stempel Akt.-Ges. 
in Frankfurt a. M. liegen mir noch einige Blätter vor, die 
ich freudigst begrüßt habe, insbesondere deshalb, weil 
die Firma nun auch dazu übergeht, für die Schaffung 
neuer Erzeugnisse tüchtige selbständige Künstler heranzu¬ 
ziehen. Dieses Mal hat im Auftrag der genannten Firma 
Prof. H. Bek-Gran in Nürnberg eine seiner zeichnerischen 
Eigenart entsprechende Werk- und Akzidenzschrift ge¬ 
schaffen, die nun, in den Graden Nonpareille bis acht 
Cicero geschnitten, vorliegt und den Namen des Künstlers 
trägt. Die Bek-Gran-Schrift ist modern-gotischen Charak¬ 
ters und von eigenartiger künstlerischer Wirkung, hat 
aber eine gewisse Ähnlichkeit mit der Behrenstype, die 
jedoch nur eine rein zufällige sein dürfte, denn für die 
Originalarbeit bürgt ja schpn der Name des Künstlers, der 
an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg tätig ist Es liegt 
nach meinem Dafürhalten ein ursprüngliches künst¬ 
lerisches Erzeugnis vor, das sicher viel Freunde finden 
wird, denn die wenigen mir vorliegenden Anwendungs¬ 
proben lassen die vorzügliche geschlossene Wirkung er¬ 
kennen, die die Schrift hervorbringt. Ich werde auf diese 


neue Künstlerschrift noch eingehender zu sprechen 
kommen, wenn die Gesamtprobe vorliegt. 

Die Firma Otto Weisert in Stuttgart hat nun, dem Bei¬ 
spiel andrer Schriftgießereien folgend, sich auch ein Haus¬ 
journal geschaffen mit dem Titel „Schrift und Schmuck, 
Blätter für die Buchindustrie“. Die Firma führt in dem 
Heft ihre jeweils neuesten Erzeugnisse in praktischen 
Anwendungen vor und verhindert so das Verlegen der 
Einzelblätter in den Druckereien. Heft 1, das mir vorliegt, 
enthält Proben der Nürnberger Buchschrift, der Brabanter 
Gotisch, der Grimm-Antiqua, der Michel-Angelo, der 
Schreibschrift Kalligraphia, der Reklameschrift Luna, der 
engen amerikanischen Gotisch, der Ideal-Grotesk, der 
Olbrich-Akzidenz- und Inseraten-Einfassungen, alles Er¬ 
zeugnisse, die an dieserStelle schon kürzer oder eingehen¬ 
der besprochen worden sind. Nicht der Fall ist dies bei 
den ebenfalls in dem betreffenden Hefte vorgeführten 
Margareten-Ornamente und Rosen-Ornamente, die etwas 
süßlich in der Zeichnung sind, und den Modernen Rand¬ 
linien, die für Anzeigensatz sehr brauchbar sein werden. 
Auf den Satz der Anwendungsbeispiele hätte bisweilen et¬ 
was mehr Sorgfalt verwendet werden können, der gelbe 
Umschlag mit den Zeilen aus der Reklameschrift Luna, 
eine schräge Schattenschrift, die wegen ihres plastischen 
Charakters an und für sich für die Flächenkunst des Buch¬ 
druckes nicht geeignet ist, kann aber weder geschmackvoll 
noch schön bezeichnet werden. Chronos. 


Patentliste über neue Erfindungen und Verbesserungen. 

Mitgeteilt vom Patentanwalt PAUL MÜLLER, Berlin SW. 


Deutsche Patente. Nr.160195. Sicherheitsvorrichtung 
fürTiegeldruckpressen. J. G. Scheiter & Giesecke in Leip¬ 
zig. Bei der Sicherheitsvorrichtung fürTiegeldruckpressen, 
bei der eine zwischen dem Fundament und dem Tiegel an der 
gefahrbringenden Stelle parallel zur Tiegeloberkante ange¬ 
ordnete Stange infolge ihrer durch die Finger des Arbeiters 
bewirkten Lageveränderung die Maschine ausrückt, wird 
durch die Lageveränderung der Sicherheitsstange das als 
Triebrad dienende Schwungrad von der Antriebswelle los¬ 
gekuppelt und gleichzeitig eine Bremse für die übrigen 
noch bewegten Teile der Maschine in Tätigkeit gesetzt, so 
daß nicht nur jede weitere Kraftzufuhr zur Maschine auf¬ 
gehoben, sondern auch in der Presse selbst etwa noch vor¬ 
handene lebendige Kraft sofort vernichtet wird. Infolge 
Lageveränderung des Bügels 22, 23, 24 wird eine Sperr¬ 
klinke 16 angehoben und hierdurch ein am Gestell der 
Maschine gelagerter, unter Federdruck stehender und durch 
die Sperrklinke in seiner Lage gesicherter Bolzen 18 so 
ausgelöst, daß er gegen den Ausrückhebel geschleudert 
und damit eine die Kupplung 3a, 7 lösende und zugleich 
die Bremse 9, 10 in Tätigkeit setzende Drehung des Aus¬ 
rückhebels herbeigeführt wird. (Siehe Abbildung.) 

Nr. 160315. Maschine zum Betriebe von Klaviatur¬ 
maschinen. Otto Adolf Wolters in Hannover . Bei der Ma¬ 
schine zum Betriebe von Klaviaturmaschinen, bei der der 
Antrieb durch Stifte erfolgt, die aus einem Magazin durch 
die Löcher des vorbeigeführten gelochten Registerstreifens 
heraustreten, besteht das Stiftmagazin aus einem umlaufen¬ 
den Zylinder, an dem der Registerstreifen so vorbeigeführt 


wird, daß die Stifte durch ihr eignes Gewicht durch die 
Löcher des Registerstreifens heraustreten. Die ausge¬ 
tretenen Stifte werden durch eine an dem zylindrischen 
Stiftmagazin anliegende Walze wieder hineingedrückt. 
Der Registerlochstreifen wird hintereinander über mehrere 
walzenförmige Stiftmagazine geführt, von denen jedes nur 
die einerTeilgruppederzugebendenZeichen entsprechende 
Anzahl Stifte in einer Reihe trägt, zum Zwecke, die Breite 
des Registerlochstreifens zu vermindern. 

Nr. 160317. Vorrichtung zum glatten EinfOhren von 

SICH LEICHT ROLLENDEN BZW. GEROLLTEN BOGEN ALLER 

art in Bronzier-, Puder-, Ein- und Abstaub- und ähn¬ 
lichen Maschinen. Leipziger Schnellpressenfabrik , Akt.- 
Ges. vormals Schmiers, Werner & Stein in Leipzig. Bei der 
Vorrichtung zum glatten Einführen von sich leicht rollen¬ 
den bzw. gerollten Bogen aller Art in Bronzier-, Puder- 
Ein- und Abstaub- und ähnliche Maschinen wird der Bogen 
durch seitlich neben den Laufrollen dicht über dem Zylin¬ 
der angeordnete Bogenglätter / glattgestrichen, nachdem 
er vorher in bekannter Weise mit den Anlegemarken ver¬ 
bundene seitliche Führungen h durchlaufen hat. (Siebe 
Abbildung.) 

Nr. 160414. Heftzange. Frank Wiseman in Washington. 
Bei der Heftzange für Drahtklammern ist an der oberen 
Backe ein unterFederwirkung stehender Heftklammerhalter 
und an der unteren Backe die Umbiegematrize angeordnet. 
Der Preßkorper5, der an der oberen Backe drehbar befestigt 
ist, trägt verschiebbar den HeftklammerhalterD, so daß beide 
zusammen gedreht werden können, um Heftklammern in 


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verschiedenen Stellungen anzubringen, während auf der Wirkung stehenden plattenförmigen Teilen, deren als An- 
Unterbacke entsprechend den verschiedenen Stellungen des schlag für den Bogen dienende Ränder zahnartig ineinander 
Preßkörpers bzw. Heftklammerhalters eine Anzahl Um- greifen, wodurch erreicht wird, daß der zum Anlegen des 
biegematrizen vorgesehen sind. Ferner sind an der Ober- Bogens bestimmte Anschlag wesentlich höher wird, als 
backe bzw. an der auf den Heftklammerhalter wirkenden dies der beim Druck zwischen Tiegelfläche und den Stegen 
Feder Feststellvorrichtungen angeordnet, um den Preß- der Form verbleibende Zwischenraum gestattet, 
körper nebst Heftklammerhalter in jeder Gebrauchsstellung Nr. 160810. Verfahren zur Herstellung von Stereo- 

zu sichern. (Siehe Abbildung.) typplatten zu Druckzwecken. Syndicaat Tot Exploita- 

Nr. 160416. Maschine zum Drucken von Zirkularen tie van Het Proctdd Ter Vervaardiging van Stereotypie Platen 
mit wechselnden Adressen. Joseph Oswald Clement in im Haag (Holl.). Bei dem Verfahren zur Herstellung von 
London. Bei der Maschine zum Drucken von Zirkularen Stereotypplatten zu Druckzwecken werden mittels Typen, 
mit wechselnden Adressen wirkt mit einer in bekannter deren Schriftzeichenkörper mit senkrechten Seitenflächen 
Weise das Aufdrucken des Hauptinhaltes mittels eines so versehen ist, daß die wagerechten Querschnitte jedes 



Tiegels bewirkenden festen Druckform und absatzweise 
bewegten Druckformen, welche wechselnde Ergänzungen 
(Adressen und dergleichen) gleichzeitig aufdrucken, noch 
eine besonders eingefärbte bewegliche Druckform organisch 
zusammen, die bei hochgeklapptem Drucktiegel das an ihm 
befestigte Zirkular noch mit Namensunterschriften oder 
andern Zeichen bedruckt, nachdem der Hauptinhalt und 
die Ergänzungen gedruckt worden sind und bevor das Blatt 
die Maschine verläßt. (Siehe Abbildung.) 

Nr. 160509. Abhebevorrichtung für die Farbauftrag¬ 
walzen AN LITHOGRAPHISCHEN ROTATIONSMASCHINEN. 
Milliam Henry Lock in London und Thomas Merrifield North 
in Ältrincham {Engl.). Bei der Abhebevorrichtung für die 
Farbauftragwalzen an lithographischen Rotationsmaschinen 
sind die Farbauftragwalzen auf je einer drehbar angeord¬ 
neten Platte 31 gelagert, von denen immer je zwei durch 
Verzahnung 33 y 34 derartig miteinander verbunden sind, 
daß das Anheben und Senken der Farbauftragwalzen immer 
paarweise und gleichzeitig durch Bewegung einer in be¬ 
kannter Weise mit Keilflächen 40, 4/, 42 versehenen 
Stange 37 von Hand aus mittels eines Hebels 45 erfolgen 
kann. (Siehe Abbildung.) 

Nr. 160784. Anlegemarke für Tiegeldruckpressen. 
Franz Xaver Bock in Dachau bei München. Die Anlege¬ 
marke für Tiegeldruckpressen besteht aus zwei beweglich 
miteinander verbundenen und unterFeder- oder dergleichen 


Schriftzeichens untereinander gleich sind, in eine Matrizen¬ 
masse durch schreibmaschinenähnliche Vorrichtungen 
nacheinander Eindrücke hergestellt, an deren Abgüssen 
die Schriftoberfläche so weit bearbeitet wird, bis eine 
ebene Fläche mit scharf abgegrenzten Schriftbildflächen 
entsteht. 

Nr. 161239. Einrichtung zum Einstellen des den 
Bogenstapel tragenden Tisches an Bogenzuführungs¬ 
vorrichtungen. American Paper Feeder Company in Boston• 
Bei der Einrichtung zum Einstellen des den Bogenstapel 
tragenden Tisches an Bogenzuführungsvorrichtungen ver¬ 
schieben zwei zu beiden Seiten des Tisches am Maschinen¬ 
gestell angebrachte, miteinander verbundene und von einem 
Handgriff zu beeinflussende Klinken durch Eingriff in Zahn¬ 
stangen des Tisches diesen seitlich, wobei der Tisch hier¬ 
bei von einer in der Höhe einstellbaren, mit Längszähnen 
ausgestatteten Welle getragen und geführt wird, durch deren 
Drehung der Tisch vorwärts oder rückwärts eingestellt 
wird. Zwei gegenüberliegend an den Seiten des Tischge¬ 
stelles angeordnete Klinken G, G 1 werden durch einen ein¬ 
zigen Handhebel Z einzeln derart in Eingriff mit Zahn¬ 
stangen F, Fi am Tisch gebracht, daß bei Drehen des 
Handhebels aus der Mittellage nach der einen Grenzlage 
hin die eine Klinke G in Eingriff mit der einen Zahnstange F 
des Tisches tritt und den Tisch nach der einen Seite seit¬ 
lich verschiebt, während bei Drehen des Handhebels aus 


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der Mittellage nach der andern Grenzlage hin die andre 
Klinke G 1 in Eingriff mit der andern Zahnstange F l tritt 
und den Tisch nach der andern Seite seitlich verschiebt. 
Der Drehpunkt J, J 1 des Klinkenhebels N , N l ist so zum 
Drehpunkt der Klinke an diesem Hebel angeordnet, daß 
das Klinkwerk ein Kniegelenk bildet, das bei Drehung des 
Handhebels gestreckt wird, um eine größere Kraftwirkung 
bei der Tischbewegung ausüben zu können. Der Tisch ist 


an einer Verzahnung D* auf der Querwelle D geführt, 
die in an der Längsseite des Tisches befestigte Zahnstangen 
D 2 eingreift, zu dem Zwecke, den Tisch vorwärts oder rück¬ 
wärts einstellen zu können. Die Drehung der Welle D zum 
Vorwärts- und Rückwärtsverstellen des Tisches wird durch 
eine Klinke Q herbeigeführt, die verschiebbar an dem auf 
der Querwelle D aufgehängten Handhebel Q 1 sitzt. (Siehe 
Abbildung.) 


Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. Die am 18. Juli 1906 stattgefundene Sitzung 
der Graphischen Vereinigung befaßte sich vorwiegend mit 
den neuesten Erzeugnissen der Schriftgießereien. Der Vor¬ 
sitzende hatte hierzu die Berichterstattung übernommen, 
in der er in eingehender Weise die Schulfraktur, die von 
Schiller geschaffenen Zierstücke zur Neudeutsch, sowie die 
Barlösius-Schrift nebst zugehörigem Schmuck besprach. 
Weiter wurde der ausliegende Katalog der Internationalen 
Zeitungsausstellung in Frankfurt a.M. wegen seiner muster¬ 
haften Ausstattung einer näheren Betrachtung unterzogen. 
— Der geplante Zeichenunterricht soll im September unter 
Leitung der Herren O. Heinig und H. Wunderlich in Angriff 
genommen werden. Zunächst soll direktes Zeichnen nach 
der Natur erfolgen, dem sich später Übungen im Stilisieren 
anschließen sollen. -o-. 

Berlin. Der Verband der Deutschen Typographischen 
Gesellschaften, der nun auf eine dreijährige Tätigkeit zu¬ 
rückblicken kann, beruft auf Sonntag, den 23. September 
1906 nach Leipzig in das Deutsche Buchgewerbehaus seinen 
zweiten Vertretertag. Am Sonnabend, den 22. September 
1906 findet, ebenfalls in dem Deutschen Buchgewerbehaus, 
eine Begrüßung der entsandten Vertreter statt. Die Tages¬ 
ordnung, welche noch bekannt gegeben wird, dürfte voraus¬ 
sichtlich eine ziemlich umfangreiche, der Besuch aber 
ein starker werden, da manche Vertreter wohl zum ersten¬ 
mal Gelegenheit haben dürften,das Deutsche Buchgewerbe¬ 
haus und seine Einrichtungen kennen zu lernen, xy. 

Berlin. Die Typographische Gesellschaft konnte nach 
längerer Pause im Juliwieder einmal die Besichtigung eines 
fachgewerblichen Etablissements vornehmen. Etwa 30 Mit¬ 
glieder waren der Einladung des Herrn Hans Wunder in 
Wilhelmsberg bei Berlin gefolgt und waren überrascht 
-von der Ausdehnung, welche die früher im Innern Berlins 
belegene Fabrik hier genommen hat. Der umfangreichen 
Anlage zur Herstellung schwarzer und bunter Farben für 
die verschiedenen graphischen Zwecke mit eigner Firnis¬ 
siederei wurde eine Walzenmassefabrik und Walzengu߬ 
anstalt angefügt. Besonderes Interesse erweckte die mit 
einem Experimentalvortrag des leitenden Chemikers Herrn 
Dr. Scheuer verbundene Führung durch die Abteilung für 
die Gewinnung und Herstellung bunter Farben, durch wel¬ 
chen die Besucher einen Einblick in die Geheimnisse der 
Farbenchemie gewannen und manchen belehrenden Wink 
für die Praxis des Berufslebens mitnehmen konnten. Voll 
befriedigt verließen die Besucher die Anstalt, mehrfach 
wurde aber der Wunsch laut, es möchte den Mitgliedern 
öfter Gelegenheit zu solch lehrreichen Ausflügen gegeben 
werden. -r. 

Bremen. Der Typographische Klub erledigte in seiner 
Sitzung am 6. August 1906 einige geschäftliche Angelegen¬ 


heiten. Der Kasseabschluß für das II. Vierteljahr ergab bei 
einer Einnahme von 110 Mark und etwa 100 Mark Ausgaben 
einen Barbestand von 350 Mark. Sodann kam die Einladung 
zum II. Vertretertag des Verbandes der Deutschen Typo¬ 
graphischen Gesellschaften in Leipzig zur Besprechung. 
Der Vorsitzende gab einen kurzen Rückblick über die Ent¬ 
wicklung des Verbandes und über die Verwirklichung der 
vor drei Jahren angestrebten Ziele. Obwohl in bezug auf 
Austausch von Anschauungsmaterial sehr gute Erfolge ge¬ 
zeitigt wurden, wodurch wiederum das innere Leben der 
Vereine und die Anteilnahme an den aufgetretenen Neue¬ 
rungen eine intensivere geworden sei, so konnten doch 
noch nicht alle Wünsche, die seinerzeit auftauchten, erfüllt 
werden. Verbesserungsbedürftig seien insbesondere: die 
einheitliche Regelung des Skizzierens, die Berichterstatter¬ 
frage, sowie die Prüfung und Vermittelung graphischer 
Literatur. In der Organisation selbst bedarf die Beitrags¬ 
zahlung und einige andre Punkte, so z. B. die Änderung 
der heutigen Einteilung in Bezirke einer eingreifenden Neu¬ 
regelung. Die Versammlung beschloß, einen Vertreter zu 
entsenden, dessen Wahl jedoch, sowie die Stellung von An¬ 
trägen der nächsten Versammlung zu überlassen. R. 

Breslau. Die Typographische Gesellschaft unterzog in 
der Sitzung vom 18. Juli 1906 die in letzter Zeit vom Ver¬ 
band der Deutschen Typographischen Gesellschaften über¬ 
mittelten Schriftproben usw. einer Besprechung. Der Vor¬ 
sitzende, der die Berichterstattung übernommen hatte, wies 
zunächst darauf hin, daß durch den Zusammenschluß der 
Typographischen Gesellschaften die für das graphische 
Gewerbe tätigen Geschäfte eher geneigt seien, Proben ihrer 
Neuheiten den betreffenden Vereinen zugängigzu machen. 
Es sei dies ein großer Fortschritt, der freudigst begrüßt 
werden müsse, sowie ein weiterer Vorteil, den die Grün¬ 
dung des Verbandes gebracht habe. Die Zusammenstellung 
der Neuheiten in zwanglosen Heften, die jetzt von verschie¬ 
denen Gießereien erfolge, habe große Vorzüge, denn es 
würde hierdurch nicht nur das zeitraubende Sammeln der 
einzelnen Blätter ausgeschaltet, sondern auch das Fehlen 
einzelner Neuheiten vermieden. Abzüge von übereinstim¬ 
menden Serien in Schrift und Schmuck für Wettbewerbe 
sollten die Schriftgießereien, allenfalls gegen Berechnung 
der Selbstkosten, zur Verfügung stellen. Das Sammeln der 
Proben in Druckereien werde besser gepflegt werden, wenn 
alle Firmen ihre Neuheiten in Quartheften erscheinen 
ließen. Was die Neuheiten selbst beträfe, so änderten nun 
die Gießereien, nachdem sie schöne kräftige Antiquaschrif¬ 
ten geschaffen hätten, auch die Frakturschriften zu ihrem 
besten. Herr Winkler berichtete sodann über einen von der 
Vereinigung in Troppau eingesandten Wettbewerb zur Er¬ 
langung eines Briefkopfes und Briefumschlages fürVereins- 


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Altenburger seien dadurch aufgefallen, daß sie mehr Ar¬ 
beiten in Akzidenzsatz geliefert hatten. Im ganzen habe 
aber das Preisausschreiben bzw. dessen Ergebnis ein Kön- 
nenderTypographischen Vereinigungen gezeigt,wie man es 
noch vor einigen Jahren nicht gewohnt gewesen sei. In der 
dem Vortrage folgenden Aussprache wurde vor allem der 
mit dem I. Preis ausgezeichnete Entwurf bemängelt. Am 
25. Juli war der größte Teil der Entwürfe ausgestellt, wobei 
sich ein lebhafter Meinungsaustausch entwickelte, aus dem 
zu entnehmen war, daß die Prämiierung vieler Entwürfe 
keine Billigung fand, da diese Ähnlichkeit mit öfter vor¬ 
kommenden Arbeiten zeigten und daher auch keinen An¬ 
spruch auf Anerkennung haben dürften. Der Vorsitzende 
Herr Kirstein machte sodann noch einige Mitteilungen über 
das Ergebnis eines von der Firma Ury veranstalteten Preis¬ 
ausschreibens, bei dem die einfachsten Entwürfe die 
Preise erhalten hätten. Sehr bedauerte er, daß so wenig 
Satzarbeiten unter den Entwürfen sich befunden hätten. 
— Am 29. Juli 1906 besuchten ungefähr 40 Mitglieder mit 
einigen Damen die III. Deutsche Kunstgewerbe-Ausstel¬ 
lung in Dresden, die nur Mustergültiges bietet. Die Gra¬ 
phische Vereinigung in Dresden hatte die Führung über, 
nommen. -eu-. 

München. Das sechzehnte Vereinsjahr der Typographi¬ 
schen Gesellschaft fand mit der am 11 Juli 1906 abgehaltenen 
ordentlichen Generalversammlung seinen Abschluß. Der 
Vorsitzende, Herr Fleischmann , berichtete über die Tätig¬ 
keit der Vorstandschaft und über die mancherlei erfreu¬ 
lichen Erfolge, die auch das letztverflossene Jahr wieder 
aufzuweisen hatte. Im Anschlüsse hieran erstattete Herr 
Roß Bericht über die Kassenverhältnisse, die als sehr gute 
zu bezeichnen sind und einen Saldovortrag von 760 Mark 
für das neue Vereinsjahr ausweisen. Auch die Bibliothek, 
über welche die Bibliothekare berichteten, wies in bezug 
auf Bestand und Benutzung eine nicht unbedeutende Meh¬ 
rung auf. Die Neuwahl der Vorstandschaft vollzog sich 
ohne besondere Schwierigkeiten, da die Herren Fleisch¬ 
mann, Sommer und Roß auf ihren Posten als erster, zweiter 
Vorsitzender und Kassierer verblieben. Das Amt des ersten 
Schriftführers ging infolge bevorstehenden Ortswechsels 
des seitherigen Inhabers an Herrn Waßmann über. Auch 
die übrigen Vorstandsmitglieder blieben zum größten Teil 
in ihren Ämtern. Den früheren langjährigen Ausschußmit¬ 
gliedern Herren Leven und Bammes wurde noch eine be- 
sondereEhrung durch ihre Ernennung zu Ehren-Ausschuß- 
mitgliedern zuteil.— Ein gedruckter Bericht über dieTätig- 
keit der Gesellschaft in den letzten Jahren soll — als Fort¬ 
setzung der früher erschienenen Jahresberichte — in der 
nächsten Zeit erscheinen. -m-. 

Posen, ln der letzten Sitzung des Buchdrucker-Fach- 
Vereins , die am 18. Juli 1906 stattfand, wurde die vom Ver¬ 


band der Deutschen Typographischen Gesellschaften über¬ 
mittelte Rundsendung Nr. 13, Skizzen der Nürnberger Typo¬ 
graphischen Gesellschaft enthaltend, mit regem Interesse 
besichtigt und eingehend besprochen. Ferner wurde eine 
Vorbesprechung abgehalten über ein Preisausschreiben 
zur Erlangung eines originellen zugkräftigen Reklameinse¬ 
rates, das eine hiesige Firma für die Mitglieder des Buch¬ 
drucker-Fachvereins veranstalten will. Aus verschiedenen 
Gründen mußte eine Änderung in den Ämtern bzw. eine 
Ersatzwahl erfolgen, deren Ergebnis war: P. Radke, Kas¬ 
sierer, L. Sarna, Schriftführer, und L. Talarowski, Sachver¬ 
walter. R-e. 

Stuttgart. Der Juli-Lesezirkel des Graphischen Klubs 
brachte außer den neuen Probenblättern der verschiedenen 
Schriftgießereien eine Anzahl Drucksachen der Nürnberger 
Ausstellung. Einen lohnenden Besuch bot die Auslage im 
Landesgewerbemuseum: Graphische Entwürfe verschie¬ 
dener Art, ferner Entwürfe für textile Arbeiten, Stickereien 
usw., sowie landschaftliche Studien und Lithographien der 
Herren Zeichenlehrer Fischer und Maier, sowie des Lehrers 
an der Kgl. Kunstgewerbeschule Herrn Zimmermann. — 
Vom 1. Oktober 1906 ab werden mit Unterstützung des Kgl. 
'Ministeriums für Kirchen- und Schulwesen in der hiesigen 
Buchdrucker-Fachschule Vorträge über künstlerische 
Buchausstattung durch den in Fachkreisen bestens be¬ 
kannten Herrn Professor Cissarz stattfinden. Sie sind aus¬ 
schließlich für Buchdruckergehilfen und für die Schüler 
der kgl. Lehr- und Versuchswerkstätten bestimmt mit dem 
Zweck, den Geschmack im Druck- und Buchgewerbe, was 
Formen, Farben usw. anlangt, nach höheren Gesichts¬ 
punkten zu heben und zu beleben. Der Stuttgarter Buch- 
druckereibesitzer-Verein, von dem wohl die Anregung aus¬ 
geht, hofft auf eine zahlreiche Beteiligung an diesen für 
den einzelnen und das Gesamtgewerbe gewiß förderlichen 
Vorträgen. *,* 

Zittau. In der am 21. Juli 1906 stattgefundenen Sitzung 
der Graphischen Vereinigung lagen aus: die vom Verband 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften übermit¬ 
telte Rundsendung Nr. XVII, moderne teils in Satz, 
teils in Zeichnung ausgeführte Akzidenzen enthaltend, fer¬ 
ner eine reiche Sammlung von Akzidenzarbeiten, die einige 
Mitglieder gelegentlich des Besuches der Nordböhmischen 
Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Reichenberg ge¬ 
sammelt hatten. Die aufgelegten Druckerzeugnisse waren, 
von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, meistens Durch¬ 
schnittsarbeiten, die erkennen ließen, daß seitens vieler 
Auftraggeber noch recht wenig Wert auf vornehm ausge¬ 
stattete Drucksachen gelegt wird. — Die Errichtung eines 
Lesezirkels, der den Mitgliedern nicht nur die Fachliteratur, 
sondern auch alle eingehenden Neuerscheinungen zugäng¬ 
lich macht, ist mitbesondererFreudebegrüßtworden. -dl-. 


I nhaltsverzeichnis. 


Der Dreifarbendruck. II. S.293. — Über die Lichtbestän¬ 
digkeit der Druckfarben. S. 301. — Nochmals die Versal- 
SZ-Frage. S. 306. — Allerlei Wünsche zum neuen Buch¬ 
drucker-Duden. S. 310. — Wie man sich an Wettbewerben 


beteiligt. S. 316. — Buchgewerbliche Rundschau. S. 317. — 
Patentliste über neue Erfindungen und Verbesserungen. 
S. 320. — Aus den graphischen Vereinigungen. S.322. 

8 Beilagen . 


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B. SCHACHENMEYER A.-G. 

IN AUGSBURG 


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mat mit Titelbild. 
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Gr.-Oktavformat 
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M. 10.-. 


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Metamorphosenlehre, 

2. Vortrag: LEONARDO (Begriffe und Anschauungen). Mit einem Exkurs über 
physikalische Optik und Farbenlehre, 

3. Vortrag: DESCARTES (Verstand und Sinnlichkeit). Mit einem Exkurs über 
analytische Geometrie, 

4. Vortrag: BUCHBACH (Kritik und Dogmatismus). Mit einem Exkurs über die 
Geschichte der Philosophie. 

Der durch seine „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts“ in weiten Kreisen be¬ 
kannt gewordene Verfasser war von dem heißen Wunsche beseelt, Kant, dessen 
Morgen jetzt, hundert Jahre nach seinem Tode, zu dämmern beginnt, und dessen 
Weltanschauung einen Grundpfeiler der Kultur der Zukunft bilden muß, allen 
Gebildeten zu einem kostbaren Eigentum zu machen. Der Weg, auf dem er dies 
Ziel zu erreichen hofft, ist der des Vergleiches mit vertrauteren Erscheinungen: 
Wie dieses geschieht, wird durch die vorstehende Inhaltsangabe des Buches an¬ 
gedeutet. Chamberlain hat sich die Form der lebendigen Rede gewählt, wodurch 
seine Ausführungen an Spannung und hinreißender Eindringlichkeit gewinnen, 
während die einem solchen Thema gegenüber notwendige kritische Besonnen¬ 
heit natürlich keinen Augenblick außer acht gelassen wird. 

Chamberlains seltene Gabe, dem Laien schwierige Begriffe verständlich zu 
machen, indem er sie mit plastischer Anschaulichkeit darstellt, seine Meister¬ 
schaft in der Beherrschung der deutschen Sprache, sowie die erstaunliche Viel¬ 
seitigkeit und Gründlichkeit seines Wissens wurden bei den „Grundlagen“ selbst 
von den Gegnern dieses Werkes rühmend anerkannt. 

KARL HERMANN KINDERMANN: 

ALBRECHT DÜRERS KUNST 

ZUM VERSTÄNDNIS SEINER KÜNSTLERISCHEN TATEN 

Ein stattlicher Band in Groß-Oktavformat mit 150 zum größten Teil 
ganzseitigen Abbildungen. Broschiert Mk. 10.—, gebunden Mk. 12.—. 

Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, darzulegen, was an der Kunst 
Albrecht Dürers heute noch lebendig und für die Künstler anregend ist: das 
Wesen seiner Zeichnung. Was geboten wird, ist nicht eine Lebensgeschichte 
Dürers, sondern eine Analyse seiner Kunst, diese sowohl dem chronologischen 


Vom selben Ver¬ 
fasser : 

WORTE 

CHRISTI. 

Mit einer Apolo¬ 
gie und erklären¬ 
der Anmerkung 
Houston Stewart 
Chamberlains. In 
kleinem Format. 
Brosch. M.2.—. In 
Leder gebunden 
M. 3.50. 


Vom selben Ver¬ 
fasser : 

IDEALE 
MALEREI. 
Eine Einführung 
in die Taktik der 
großen Meister. 
Oktavformat mit 
farbigen Illustra¬ 
tionen M. 12.— In 
Ledereinband 
M. 15.—. 






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Ausführliche Anzeigen über die im vorliegenden Prospekt 
genannten Werke werden von der Verlagsanstalt Interes¬ 
senten bereitwilligst umsonst und portofrei zugeschickt. — 
Ihren sehr umfangreichen illustrierten Bücherkatalog ver¬ 
sendet die Verlagsanstalt franko gegen lOPfennig-Marke. 


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Aus Florentiner Mediaeval gesetzt von der Bauerschen Gießerei in Frankfurt am Main 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


Druck von Breitkopf & Härtel, Leipzig 


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PRINCETON UNIVERS1TY 








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Spezial-Rusftellung 

Die Kunft im Bu<hdru<k 

‘ueranftaltet oon der 

typographifchen 6efellfchaft zu Leipzig 

am 20.-22. Oktober 1909 


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Einladung 

zur fleuheiten- und 
Mufterausltellung 

Ma* Rhlers 

Leipzig 


Meine Erzeugnis erhielten 
aufmehreren Rusftellungen 
Preife und Ruszeidmungen 




Die Kunft 

Studien über Wege 
und Ziele der 
modernen Riditung 


Herausgegeben oon 
Prof. Buchmann 


1906 

Hümberg • Stuttgart 


Material: fleudeutfdi und Eierftüche der Schriftgießerei C.F.Rühl in Leipzig 
Beilage zum Rrchio für Budigeioerbe Druck oon Breithopf & Härtel in Leipzig 

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Selerlid) lattgfam 


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5. buttbeslieb 


cd. a. mojart 



Drübber, reidjt bie f)anb 3 um Dunbe! Diefe fd)öne 5reunbfd)aftsftunbe fülpr'uns 



^iitßu lic^=ten f)öl)'n! lafeimas ir^btfd) ift, ent = fließen; unfrer 5reunbfd)aft 



Marino = nien bauern emig feft unb fdjön, bauern emig feft unb fd)ön. 


Preis unb Dank bem tDeltenmeifter, 
Der bie fjc^en, ber bie fleifter 
5ür ein emig tDirfcen fdjuf! 
lid)t unb Red)t unb tugenb Raffen 
Durd) ber IDafyrfyeit fjeil'ge tDaffen, 
5ei uns ^eiliger Deruf. 


lljr, auf biefem 5tem bte Deften. 
lTlenfdjen all' im Oft unb tOeften, 
IDie im 5üben unb im Horb; 
tDaf)rf>eit fud)cn, tugenb üben, 
flott unb Ittettfcfyen f)er 3 lid) lieben, 
Das fei unfer lojungsmort! 


5r. Rod)Iiö 6. Oes Deutfdjen 5d)tout mel.: n )0 mut unb Kraft ic. 

1 . Quf, Drüber, auf, beginnt bas lieb ber tüeilje, [timmt kräftig an ben feft* 
lidjen flejang; bem beutfd)en lanb, bem lanb ber ftraft unb treue, tön' unfer lieb 
mit gellem ]ubelklang! Did) fyaben mir erkoren, bir fjaben mir gefd)moren, o, 
Daterlanb, im Kampfe feft 3 U ftelj'n, für bid), menn's gilt, audj in ben tob 3 U gel)'n! 

2 . Cmpor 3 um Stopfer bringen betne töne, bu beutfdjes lieb, gemüht mit TTlut 
unb ftraft; benn mo flefattg, ba meilet aud) bas 5d)öne, mas Deutfd)lanb Rul)tn 
unb ftelbentaten fdjafft! Das lieb ftef)t mie bic Cid)e im fd)önen beutfdjen Reidje, 
3 um 5d)mur ergebet ftd) bie beutle Fjanb, mit flott für Röntg unb für Daterlanb! 

3. Dir meifj'n mir uns, bu tjeil'ge ITluttererbe, für bid) finb mir 3 U kämpfen 
ftets bereit, fei's mit bent IDort, Jei's mit bem fefjarfen 5d)merte, mir manken ni(f)t, 
mir galten unfern Cib. Dir bleiben mir ergeben im tobe mie im leben; für beinen 
Rul)m nur glühet unfer l)er 3 , bir finb mir treu in Srcube mie im Sd)mer 3 . 

4. 5o blüfje benn, o Deutfdjlanb unb gebeifyc, in Srieben grofc, fiegreid) in 
jebem 5treit, unb bleib', mie einft, bas lanb ber fejten treue, bic Reimat bleib' 
oon Redjt unb Reblidjkeit! llod) lange bir ertöne bas Seftlieb beiner 5öl)ne, unb 
mo ber beutfdjen 5änger Saljne mailt, bort aud) bein Preis, o Daterlanb erfdjallt. 


dus lugenbfrafctur gefegt oon ber Sirma g.Sdjetter & giefeefte 
in Leipzig 


Hage 3unt ard)io für f>ud)geroerbe 


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Drud* uott breithopf & f)ärtel in Leipjig’ 


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PRINCETON UNIVERSITY 




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PRINCETON UN1VERSITY 




l^äJ und öidttungen für unfm Jugend 
€ine ceitkbaltige, ausecmäblte Sammlung 
der bekannteiten nnrdländildjen üolks- 
Sagen, ßtäuben und Diditungen mit 
einem ff nbang ftböner nnrditöter 
üolkslieder* ®elantmelt und 
bearbeitet nun Profeftnr 
ßendrik Peldkamg 


Berlin-GltarlnttettlJitrg 1906 

Drudt und üerlag der Berbertldien Untoerfltäts-Budidrudterei 
3tibaber ©eorg Kitter oon ©aldbeim 


nadföru* mir mit ©cnrljmtgung Des Dcrfaflers gebattet 


Aus öcr .Frankfurt-Serie gelebt non öer Süiriftgieljerei D. Stempel, 
in .Frankfurt am Hlain 


Beilage 5 um Aröiin für Buüigemerbe 

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Drutk non Breitkopf $ 


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tFrankfuct om ffllaln 



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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Bogenzuführungs-Apparat „Universal“ 

Kleim & Ungerer, Leipzig-Lindenau 


I I In allen Kulturstaaten patentiert, 1 1 

1 1 für Schnellpressen aller Systeme. 1 1 


Kein Verschmieren des Druckes, auch des schwersten 
Illustrationsdruckes nicht. 

Arbeitet pneumatisch, kein falzbeinartiges Ausstreichen, 
gestattet deshalb schnellstes Umschlagen d. Auflagen. 
Sicheres Funktionieren auch bei den größten Formaten, 
sowie beim Einlegen von zwei Bogen. 

Folgt jeder Geschwindigkeit der Presse. 

Praktisch f. kleinste Auflagen, da keine Verstellg. nötig. 
Erschwert nicht das Zurichten. 



Budidrud^ereieinriditungen 

o * jeden Umfanges in kürzester Frist © o 


GOLDENE MEDAILLE 
□ □ ST. LOUIS 1904 □ □ 


Einfassungen und Schriften 

0000 aller Gesdimacksriditungen © © © © 


Musterbücher stehen auf Wunsch unberechnet und franko zu Diensten 

Kunst-Anstalt für Kupfer- und Zinkätzung, Photographie, Holzschnitt 




Die RASTER-EINSTELLUNG „Hebel und Schraube“ 

D. R. G. M. Nr. 225219, ist unerreicht in bezug auf 
Genauigkeit des Abstandes 
Dauerhaftigkeit der Ausführung 
Bequemlichkeit der Handhabung. 

Hebel und Schraube kann ebenso einfach vor 
wie während der Exposition eingestellt werden, 

ist 

an jeder Kamera anzubringen und wird allgemein 

als die beste 

heute bekannte Raster-Einstellung bezeichnet. 

Alleinige Fabrikanten 

FALZ & WERNER 

LEIPZIG-LI. 

Fabrik photographischer Apparate. Gegr. 1890. 


325 


42 


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PRINCETON UNIVERS1TY 










































ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



GEBR-3HNECKES 
FR-SCHNEEMANN 


FABRIK VON SCHWARZEN uBUNTEN 

BUCH u STEINDRUCK FARBEN 

FIRNISSE und WALZENMASSE 

HANNOVER 

MOSKAU. NEWAKK ru 


[ COessin^-Schriften 

j ( Verzierungen, Garnituren etc in v 'B^^’ 
) ,-f.. V 1 r *3 r * ■■ I 

u j'jrFt^ndVergoldung liefert in 
mrjstergaltigstFr fyisfuhrang IHI 


Gravir-Anstalt m elerir. Betrieb J 

] JCrefeld. (Rbeinl.) f 

f5goldeneN\edaillenduf intern 7\ussteUungenJj 


unzälige freiwillige Anerkennungen 
Muster zu Diensten 


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Büxenftein 
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Berlin SID. 

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Kunftanftalt 

Autotypien, Phototypicn, 
Chemigraphien, Photogranure, 
Kupferbruck. 

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Drei« unb ITTehrfarbenbrudte. 


THEODOR PLENGE -LEIPZIG 


Alleiniger Importeur der Englischen Originalwalzenmasse »The Durable“. 
Lager von DRUCKFARBEN der Firma Gebr.Jänecke & Fr. Schneemann. 


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Preisanfd]ldge mit muftem zu Dienten. 
Prompte Lieferung. 


rbeiten zu teuer 


wenn Sie 

zum Beschneiden von Büchern 
23 oder gefalzten Papieren ßS 

nicht 


KARL KRAUSES 
^."„Doppelten 
Dreischneider 


V ^\Sr^^ 0000 □□□□□ benutzen.□□□□□ 

Nach dem für die Buchbindereien von Leipzig, Berlin und Stuttgart 
gültigen Lohntarif 

■ erspart man 30 Prozent ■ 

bei Verwendung von Krauses doppeltem Dreischneider gegenüber dem 
Dreischneider, und gar 53 Prozent gegenüber dem Beschneiden 
auf gewöhnlichen Schneidemaschinen! 


buchgeroerbliche 

Cmpfehlungen 

finben 

hefte üerbreitung 

im flrdiir für 
Bucbgeroerbe 


Folgende Leipziger Firmen benutzen Krauses doppelten Dreischneider 

Bibliograph. Institut (2 Stück). Gebr. Hoffmann (2 Stück). 
Böttcher & Bongartz. Hübel & Denk. 

F. A. Brockhaus. Ernst Keils Nachf. 

Dampfbuchbinderei vorm. L. A. Klepzig. 

F. A. Barthel. leipziger Buchbinderei Akt.-Ges. 

E. A. Enders. vorm. Gustav Fritzsche, 

H. Fikentscher. Abt. Baumbach & Co. 

Fischer & Wittig (2 Stück). Otto Spamer. 

Frankenstein & Wagner. H. Sperling (2 Stück). 

E. O. Friedrich. B. G. Teubner. 


KARL KRAUSE □ LEIPZIG 


326 


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Original fru-m 

PRIINCETON UN1VERSITY 















f ^J/iugerY\ 

r\. l£e/pz/cjf J? 


40 Filialen 


9 Fabriken 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = .. 


Weltausstellung St. Louis 1904: Grand Prix 
Weltausstellung Lüttich 1905: Zwei Grand Prix 


EOUhelm öronau’s 
Schriftgießerei 

Berlin UX-Schöneberg 

empfiehlt iljre 

lebten Deuheifen 

Recamier-Ornamcnfe 

in 2 Sollen 

SduDflrjtDeiß-Ornamenfe 
Enge Kolumbus 

in 10 6rad<n 

Umoerfal feile Eggpfienne 

in 12 6roden 

Oluderblätter flehen 311 Dienflen 




Prämiiert: 

London 1862 — Paris 1865 
Paris 1867 — Wien 1873 
Paris 1878 — Melbourne 1881 
Amsterdam 1883 — Ant¬ 
werpen 1885 — Mitglied 
der Jury außer Konkurrenz : 
Paris 1889 — Brüssel 1897 
Paris 1900 


Ch. Lorilleux & Co. 


Kommandit-Gesellscbaft auf Aktien es Gegr. 1818 

Die größte und älteste Druckfarbenfabrik der Welt 

LEIPZIG 

- Buchgewerbehaus - 

Fabriken von schwarzen und bunten Buch-, 
Stein-, Kupfer- und Lichtdruckfarben, Buch¬ 
binderfarben, Firnis, Ruße, Valzenmasse 

Walzenguß-Anstalt 


Vereinigte Bautzner Papierfabriken 

HALBSTOFF- UND HOLZSTOFF-FABRIKEN 


TAGES-ERZEUGUNG 35000 KILO cztooo 7 PAPIER MASCHINEN 


11 = Bautzen in Sachsen -- = 

liefern 

Kupfer-, Bunt-, Karten-,Werk-, Noten-, Licht-, Autotypiedruckpapiere 
in Bogen und Rollen, o Brief-, Normal-, Kanzlei-, Konzept- und Karton¬ 
papiere. ca Gestrichene Kunstdruckpapiere, o Geklebte Elfenbeinkartons 

ROHPAPIERE für Karton-, Kunstdruck-, 

Luxus-, Chromo- und Buntpapier-Fabriken 


VERTRETER: Charlottenburg: PaulOetter, Bleil 
Paul Hcysestr.30— Leipzig: Edgar Ziegler, Kohlgai 


327 


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PRiNCETON UNIVERSITY 










































Hermann Scheibe ■ Leipzig 

Gegründet 1857 Brief-Kll VCft“ Fäbrik Kurprinzstraßei 

Reichhaltiges Lager von Kuverts, sowie 
Anfertigung in allen gewünschten Größen. 

Spezialität: Versandtaschen f. Kataloge, Drucksachen usw. 


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Buchbinderei 

von Th. Knaur, Leipzig 

Gegründet 1846 

übernimmt sämtliche 
Buchbinderarbeiten zu mäßigem Preise. 


Preusse & Compagnie, Leipzig. 


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Quetschfalten selbst in starken Papieren 
u. verstellbaren Doppel-Faden-Heflapparaten, 
auch für feinsten Kunst- u. Illustrationsdruck. 


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Altbewährte Spezialitäten: 

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BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

43. BAND SEPTEMBER 1906 HEFT 9 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Der Dreifarbendruck. 


Von Professor ARTHUR W. UNGER, Wien. 


D IE Bestimmung der für Dreifarben-Aufnahmen 
(notwendigen Strahlenfilter und Sensibilisa¬ 
toren kann selbstverständlich nicht nach 
bloßer Beurteilung durch das Auge erfolgen. Es ist 
vielmehr eine sehr schwierige Aufgabe, die mit Hilfe 
des Spektroskopes zunächst durchgeführt wird, mit 
welchem man die Absorption, beziehungsweise die 
Reflexion der Pigmente und die Absorption undDurch- 
lässigkeit für einzelne Strahlengattungen der dement¬ 
sprechend zu wählenden Filter zu bestimmen ver¬ 
mag. Das Verhalten der sensibilisierenden Farbstoffe, 
nämlich ihre Wirkung auf die photographische Platte 
untersucht man teils durch spektralanalytische Auf¬ 
nahmen mit dem Spektrographen, teils durch empi¬ 
risch-praktische Erprobungen, welche in Vergleichs¬ 
aufnahmen einer Farbentafel (siehe oben) bestehen. 
Um die Ermittelung der günstigsten Normen zur Auf¬ 
findung geeigneter Filter und Sensibilisatoren haben 
sich Aarland , Eder , Hazura , Hruza , von Hübl, Miethe y 
Valenta, Vogel und andere große Verdienste erworben. 
Auf die Eigenschaften, welche den sensibilisierenden 
Farbstoffen, sowie den Selektionsfiltern zukommen 
müssen, sowie darauf, in welcher Weise sie den 
photographischen Prozeß verschieden beeinflussen, 
kann hier nicht näher eingegangen werden. Dies¬ 
bezüglich muß auf die genannten Spezialwerke 
verwiesen werden, desgleichen rücksichtlich der 
genauen Daten, welche diese beiden wichtigen 
Faktoren: Herstellung von Selektionsfiltern und Sen¬ 
sibilisierung der photographischen Platten nach den 
verschiedenen Methoden, betreffen. Es sei nur 
ganz kurz erwähnt, daß sensibilisierende Farbstoffe 
nur solche sein können, welche lichtempfindlich 
sind, und welche das sensible Reagens (Bromsilber) 
anzufärben vermögen, sich also mit diesem verbin¬ 
den. Für die Kompliziertheit der bei der photo¬ 
graphischen Farbenselektion mittels Filter und 
Sensibilisatoren zu beobachtenden Umstände zeugt 
besonders eine Erscheinung, welche aus der Fülle 
noch herausgegriffen sei. Der Farbstoff, welcher 

333 


die photographische Platte für bestimmte Strahlen¬ 
gattungen empfindlich machen soll, muß diese selbst¬ 
verständlich absorbieren und das gleiche Vermögen 
dem Bromsilber mitteilen. Nun ist aber die licht¬ 
empfindliche Substanz in einem Bindemittel (Gela¬ 
tine, Kollodium) eingebettet, welches gleichfalls 
angefärbt wird, infolgedessen aber als höchst un¬ 
willkommenes, weil entgegengesetzt wirkendes 
Lichtfilter auftritt. Zum Beispiel: wir benutzen, um 
ein Negativ für eine Rotdruckplatte zu erhalten, einer¬ 
seits ein grünes Lichtfilter, das die roten Strahlen 
durch Verschluckung nicht zur Wirkung kommen 
läßt, und sensibilisieren anderseits die empfindliche 
Schicht für die grünen Strahlen mit dem roten Farb¬ 
stoff Erythrosin, welches naturgemäß die komple¬ 
mentär gefärbten Strahlen absorbiert. Gleichzeitig 
wird aber die Gelatine rot angefärbt und wirkt da¬ 
durch als Lichtfilter für eben die Strahlen, welche 
einwirken sollen. Die Sensibilisierung muß daher 
diese Schirmwirkung — so nannte von Hübl das 
Phänomen, welches er zuerst beschrieb — über¬ 
treffen, das heißt die Schirmwirkung darf sich nur 
auf eine schmälere Zone erstrecken, als es die ist, 
für welche die Schicht sensibilisiert wurde. Übri¬ 
gens verhalten sich in diesem Punkte Gelatine und 
Kollodium nicht gleich. Selbstverständlich beein¬ 
flussen Lichtfilter und Sensibilisatoren in hohem 
Grade die Expositionszeiten, kurz es gibt eine 
Menge recht verwickelter Umstände, die hier streng 
zu beachten sind. 

Deshalb ist der gesamte Prozeß beim photographi¬ 
schen Dreifarben-Aufnahmeverfahren für Reproduk¬ 
tionszwecke ein außerordentlich heikler und auf das 
subtilste durchzuführender. Das Objektiv beispiels¬ 
weise muß ein besonders achromatisiertes*) sein, 

•) Objektive, welche aus Linsen nur einer Glassorte be¬ 
stehen, weisen den durch prismatische Farbenzerstreuung 
hervorgerufenen Fehler der chromatischen Aberration auf 
oder —wie man auch sagt — sie besitzen Fokusdifferenz. 
Und zwar besteht der Fehler in folgendem. Beim Eintritt 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


weil hinter drei verschiedenen Lichtfiltern stets andre 
Strahlengattungen auf die empfindliche Schicht zur 
Wirkung kommen. Die Selektionsfilter werden ent¬ 
weder in der Form von mit gefärbten Gelatine¬ 
schichten (auch Kollodium- oder Lackschichten) über¬ 
zogenen, planparallelen Spiegelglasplatten (es werden 
zwei mit Kanadabalsam zusammengekittet) als Trok- 
kenfilter oder in der Form von Flüssigkeitsfiltern 
verwendet, wobei eine sorgfältig hergestellte plan- 
parallele Glaswanne (Küvette) die wässerige Farb¬ 
stofflösung aufnimmt. Die Praktiker ziehen gewöhn¬ 
lich die erstgenannten Trockenfilter vor. Die Art 
der photographischen Platte hängt davon ab, ob die 
direkte oder indirekte Methode der Herstellung von 
Teilnegativen für Dreifarben-Autotypie (nur bei dieser 
kann von einer direkten und einer indirekten Methode 
gesprochen werden; beim Dreifarbenlichtdruck oder 
bei der Dreifarbenheliogravüre fällt dieser Umstand 
fort) benutzt wird. Unter der direkten Methode ver¬ 
stehen wir hier, daß von dem zu reproduzierenden 
Original (das durch kräftiges Tageslicht oder mittels 
elektrischer Bogenlampen intensiv beleuchtet werden 

der Lichtstrahlen in die Linse und bei ihrem Austritte in 
die Luft werden sie, die in ihrer Gesamtheit das weiße 
Licht ergeben, ungleich abgelenkt, das heißt, das weiße 
Licht wird in seine einzelnen homogenen Farben zerlegt, 
gebrochen. Am wenigsten abgelenkt werden die roten, am 
stärksten die violetten Strahlen. Es ist daher klar, daß der 
Brennpunkt (Fokus) der stärker gebrochenen Strahlen vor 
denen der weniger gebrochenen (z. B. der gelben) zu liegen 
kommen wird. Während nun beim Scharfeinstellen des 
Bildes auf der Visierscheibe das Auge nach dem von ihm 
wahrgenommenen optischen Bilde urteilt, bei welchem die 
sogenannten optisch hellen Strahlen (hauptsächlich Gelb, 
dann Gelbgrün, Orange) die Hauptrolle spielen, kommt das 
photochemische Bild auf der Platte, wie uns bekannt ist, 
vor allem durch die blauen, ferner durch die violetten (die 
optisch dunklen) Strahlen zustande. Die Folge ist dann bei 
chromatisch unkorrigierten Objektiven die, daß die Ein¬ 
stellebene und die photochemische Bildebene nicht koi'n- 
zidieren, sondern die Fokusdifferenz durch Verschiebung, 
nämlich Annäherung des Objektivs an die photographische 
Platte nach dem Einstellen, aber vor der Exposition, aus¬ 
geglichen werden muß. Aus diesem Grunde werden alle 
besseren Objektive durch Verwendung verschiedener Glas¬ 
sorten zu den Linsen achromatisiert. Während dies aber 
für die gewöhnlichen photographischen Zwecke verhältnis¬ 
mäßig leicht fällt, bedarf es bei Objektiven für Dreifarben- 
Aufnahmen besonders errechneter, weitgehender Korrek¬ 
tur. (Über die hierbei in Betracht kommenden Strahlen¬ 
gebiete siehe Eder , „Spektralanalytische Studien über 
photographischen Dreifarbendruck“, Denkschriften der 
Kais. Akademie der Wissenschaften, Bd.LXXII, Wien 1902.) 

*) Die heute bei der Porträt- und Landschaftsphoto¬ 
graphie, sowie bei den meisten wissenschaftlichen Zweigen, 
welche der Photographie als Hilfsmittel bedürfen, fast aus¬ 
schließlich verwendete Trockenplatte ist im allgemeinen 
wohl jedermann bekannt. Es sei darum hier nur das Wesent¬ 
lichste angegeben. Die Trockenplatten werden fabriks¬ 


muß; die elektrische Beleuchtung ist in vielen Be¬ 
trieben ausschließlich eingeführt, um sich vom Tages¬ 
licht unabhängig zu machen, welches während eines 
großen Teiles des Jahres höchst unsicher ist) un¬ 
mittelbar Rasternegative angefertigt werden, welche 
man dann sofort auf Metallplatten kopieren kann. 
Sie wird aus mancherlei Gründen, welche später bei 
der Beschreibung des Verfahrens selbst genannt 
werden sollen, bei der Reproduktion schwieriger 
Originale seltener angewendet als die indirekte 
Methode, bei der vom bunten Originale zuerst drei 
Halbton-Teilnegative, nach diesen als weitere Zwi¬ 
schenglieder zunächst monochrome Positive verfertigt 
werden, welche dann zur Gewinnung der eigentlichen 
Rasternegative dienen. 

Beim indirekten Verfahren kommt für alle drei Auf¬ 
nahmen als Sensibilisator nur einer der in den letzten 
Jahren gefundenen zu diesem Zwecke vorzüglich 
geeigneten Farbstoffe (Königs Pinachrom und Pina- 
cyanol der Farbenfabriken Meister , Lucius & Brüning 
in Höchst a. M., Miethes Äthylrot) zur Verwendung, 
mit welchem Trockenplatten *) annähernd panchro- 

mäßig erzeugt. Man überzieht die Glastafeln mit einer 
sogenannten Emulsion, nämlich einer Gelatinelösung, 
welche das hochempfindliche Bromsilber in feinstverteil- 
tem Zustande suspendiert enthält. Nach dem Erstarren 
zeigen die Platten eine transparente, grünlich gelbe, matte 
Schicht. Sie sind im trockenen Zustande jahrelang halt¬ 
bar und zeichnen sich durch hohe Lichtempfindlichkeit 
aus. Diese beiden Vorzüge erklären zunächst die enorme 
VerbreitungderTrockenplatte und den Umstand,daß sie alle 
andern in den oben genannten photographischen Fächern 
verdrängte. Dazu kommt aber noch die große Bequemlich¬ 
keit,daßdie in Menge mitzuführenden,stets zurVerwendung 
bereiten Trockenplatten nach ihrer Exposition bis zur wei¬ 
teren Behandlung wieder lange Zeit aufbewahrt werden 
können. — Beim Belichten der Trockenplatte entsteht kein 
sichtbares Bild, sondern ein unsichtbares, sogenanntes la¬ 
tentes Lichtbild, welches erst durch Substanzen, welche 
kräftig reduzierend wirken (z.B. Hydrochinon, Metol, Pyro- 
gallol usw.), hervorgerufen, entwickelt werden muß. Und 
zwar spricht man bei Trockenplatten von einer chemischen 
Entwicklung: das belichtete Bromsilber wird zu metalli¬ 
schem Silber reduziert, wobei das Bild in die Schichte 
hinein entwickelt wird. Durch die nachfolgende Fixierung 
mit Fixiernatron wird das unbelichtet gebliebene, daher 
unveränderte Bromsilber gelöst und entfernt, wodurch 
das Bild der entwickelten Platte zu einem dauernden ge¬ 
macht ist. Noch sei erwähnt, daß die Gelatine nicht nur 
die Aufgabe eines Bindemittels erfüllt, sondern auch 
die Empfindlichkeit des Bromsilbers erhöht; sie spielt 
also die Rolle eines chemischen Sensibilisators (im Gegen¬ 
sätze zu den als optische Sensibilisatoren angesprochenen 
Farbstoffen). — Die erwähnten bedeutenden Vorzüge der 
Trockenplatte regen zu unausgesetzten Versuchen an, 
sie auch für die Reproduktionsphotographie ebenso brauch¬ 
bar zu gestalten, wie die nassen Kollodiumplatten (siehe 
später); aber bisher blieb dies ohne bemerkenswerten 
Erfolg. 


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matisch sensibilisiert werden (dies erfolgt nämlich 
nicht für alle Farben des sichtbaren Spektrums, wie 
es die Bezeichnung panchromatisch eigentlich erfor¬ 
derte, sondern nur für die Bezirke von Rotorange 
bis Blauviolett, mit einem Minimum im Blaugrün). 
Zu diesem Zwecke badet man die Platten in einer 
sehr verdünnten, wäßrigen Farbstofflösung (die auch 
mit Alkohol versetzt wird; Genaues hierüber siehe 
in Eder „Rezepte und Tabellen für Photographie und 
Reproduktionstechnik“ 6. Auflage, Halle a. S. 1905), 
wäscht sie in mehrmals gewechseltem Wasser und 
läßt sie rasch trocknen (selbstverständlich in einem 
ganz finstern Raume, wie überhaupt farbenempfind¬ 
liche Platten bei allen vor ihrer Fixierung mit ihnen 
vorzunehmenden Manipulationen auch vor schwacher 
Lichteinwirkung möglichst zu schützen sind. Die 
Dunkelkammerbeleuchtung muß beim Arbeiten 
mit Platten, welche für bestimmte Farbenzonen 
sensibilisiert sind, naturgemäß so beschaffen sein, 
daß sie keine Strahlen enthält, welche auf die emp¬ 
findliche Schicht einwirken können. Bei hauptsäch¬ 
lich rotempfindlichen Platten ist also grünes, bei grün¬ 
empfindlichen rotes Licht usw. zu benutzen). Auf 
solcherart präparierten Platten werden nun hinter 
einem Violettfilter (mit Kristallviolett gefärbte Gela¬ 
tine für Trockenfilter; Methylviolettlösung 1:10000 
in 1 cm dicker Schicht in einer Wanne als Flüssig¬ 
keitsfilter, siehe oben) das die Druckplatte für Gelb 
später ergebende Negativ hergestellt, hinter einem 
Grünfilter (Gelatine für Trockenfilter mit Rapidfilter¬ 
grün; für Flüssigkeitsfilter eine Lösung von Patent¬ 
blau und Ammoniumpikrat) das Negativ für die Rot¬ 
druckplatte, endlich das Negativ für die Blaudruck- 

*) Das nasse Kollodiumverfahren, welches vor Erfindung 
der Trockenplatte durch lange Zeit hindurch, nachdem es 
die Daguereotypie abgelöst hatte, das beinahe alleinig ge¬ 
übte war, ist heute der Allgemeinheit nur sehr wenig be¬ 
kannt. Eine um so größere Rolle spielt es aber selbst jetzt 
noch in der Reproduktionsphotographie, namentlich bei 
Strichaufnahmen, wo die „geschnittene“ Schärfe und die 
Klarheit der Kollodiumnegative von unersetzbarem Werte 
sind. Ganz besonders gilt dies für Autotypie-Aufnahmen, 
bei denen es sich um so zarte, auf außerordentlich kleine 
Flächenelemente beschränkte Bildteile handelt. Das Ver¬ 
fahren besteht darin, daß unmittelbar vor dem Gebrauche 
eine blank geputzte, mit Kautschuklösung (zur besseren 
Haftung der folgenden Schicht) vorpräparierte Glasplatte 
mit Jodsalz enthaltendem Kollodium (Lösung von einer 
besonderen Art Schießbaumwolle) übergossen und in einer 
Silbernitratlösung gebadet wird. Hierin erhält die Platte 
ihre Lichtempfindlichkeit durch Bildung von Jodsilber und 
sie muß nun naß (nur so lange hält die Sensibilität an, da¬ 
her der Name „nasses Verfahren“) exponiert werden. Dies 
erfordert infolge der geringeren Empfindlichkeit des Jod¬ 
silbers weit mehr Zeit, als es die hochempfindlichen Brom¬ 
silber-Trockenplatten erfordern. Auch auf den Kollodium ¬ 
platten entsteht aber kein sichtbares, sondern, gleichwie 
bei den Trockenplatten ein latentes Bild, das durch ge- 


platte hinter einem rotorangefarbigen Filter (Gelatine 
für Trockenfilter mit Rapidfilterrot — es sind hier 
von König angegebene Farbstoffe nur genannt — 
gefärbt; für Flüssigkeitsfilter eine Lösung von Naph- 
tolorange, siehe Eder a. O.). Die Expositionszeiten 
sind bei den Aufnahmen verschieden. 

Von den sorgfältig entwickelten, fixierten und ge¬ 
trockneten Negativen werden nun im Kontakt Dia¬ 
positive verfertigt. Beispielsweise geschieht dies so, 
daß das Negativ und eine gewöhnliche Trockenplatte 
mit den Schichtseiten zusammenstoßend in die Kas¬ 
sette gelegt und in der Kamera, welche man gegen 
eine beleuchtete weiße Fläche mit dem Objektive 
richtet, belichtet werden. Hierbei verhüllt man das 
Objektiv mit einem transparenten Papier, um das 
Licht zu zerstreuen. Die Trockenplatten werden hier¬ 
auf in der üblichen Weise entwickelt und fixiert und 
zeigen nun die ausgelösten drei Farbenanteile Gelb, 
Rot und Blau des Originales positiv. Hier sei daran 
erinnert, daß mit dem zu reproduzierenden Objekte 
zur Kontrolle der Farbenselektion geeignete Farben¬ 
tafeln, zur Beurteilung der Abstufung der Tonwerte 
im Negative (Gradation) eine Grauskala und endlich 
zur Ermöglichung des Registerhaltens beim An¬ 
druckender, noch die später wegzuhobelnden Platten¬ 
ränder besitzenden, Klischees auf weißem Papier ge¬ 
zeichnete Paßkreuze (zj^) mitphotographiert werden. 

Die Diapositive werden schließlich im durchfal¬ 
lenden Lichte oder, hinterkleidet mit weißem Papier 
im auffallenden Lichte (was seltener üblich ist) unter 
Verwendung eines Rasters mit Hilfe des gewöhn¬ 
lichen nassen Kollodiumverfahrens*) photographiert, 
womit der Aufnahmeprozeß beendet ist. 

eignete Substanzen (Lösungen von Eisenvitriol oder von 
diesem und Kupfervitriol, die angesäuert werden) hervorge¬ 
rufen wird, was zum Unterschiede von der chemischen Ent¬ 
wicklung der Bromsilbergelatineplatten auf physikalischem 
Wege vor sich geht, indem die als Entwickler benützten 
Flüssigkeiten aus der der Platte anhaftenden Silbernitrat¬ 
lösung metallisches Silber als sehr feines Pulver aus- 
scheiden, welches sich im Entstehungszustande an das 
belichtetejodsilber anlagert, also das Bild über der Schichte 
sich aufbaut. Fixiert wird in der Regel mit Cyankalium. 
Die Deckung des Negativs kann auch weitergetrieben 
werden, indem man es verstärkt (welche Manipulation wie 
die entgegengesetzte, das Abschwächen übrigens auch bei 
Trockenplatten oft durchgeführt werden), was bei Kollo¬ 
diumnegativen fast immer geschieht. Zu diesem Zwecke 
behandelt man beispielsweise die Platten vor dem Fixieren 
mit Silbernitratlösung und beschleunigt die Wirkung — es 
findet wieder eine Anlagerung metallischen Silbers statt — 
durch Zusatz von Hydrochinon oder Metol; nach dem 
Fixieren gelangt eine Lösung von Bromkalium und Kupfer¬ 
vitriollösung zur Anwendung, worauf die Platte gewaschen 
und mit einerSilbernitratlösung geschwärzt wird (vergleiche 
Tschörner , „Photogr. Korresp.“ 1902, S. 456). Alle Manipu¬ 
lationen, das Entwickeln, Fixieren, Verstärken usw. gehen 
beim Kollodiumverfahren viel rascher vor sich als bei 

43* 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Die eben geschilderte indirekte Methode hat eine 
Reihe von bedeutenden Vorteilen. Die Benutzung 
der hochempfindlichen Trockenplatte, sowie der Um¬ 
stand, daß bei den drei Teilaufnahmen selbst kein 
Raster verwendet wird, welcher immer das Licht 
enorm schwächen muß, ermöglicht sehr kurze Exposi¬ 
tionszeiten, was bei der photographischen Farben¬ 
auslösung von außerordentlicher Bedeutung ist. Ganz 
besonders trifft dies zu, wenn Naturobjekte aufzu¬ 
nehmen sind, deren Zustand sich in kurzer Zeit ver¬ 
ändert,beispielsweise Blumen, die durch Welkwerden 
die Lage verändern, also ein Passen unmöglich 
machen. Ferner sind dadurch Expositionsfehler viel 
leichter zu vermeiden. Die Verwendung von in ein 
und derselben Weise panchromatisch sensibilisierten 
Trockenplatten läßt eine identische Behandlung der 
Negative zu. Desgleichen ist die Herstellung der 
Rasternegative nach den Diapositiven in der einfach¬ 
sten Weise und bei allen drei Aufnahmen überein¬ 
stimmend durchführbar. Die Verwendung eines 
Umkehrprismas oder Umkehrspiegels bei den drei 
Teilaufnahmen entfällt, während solche beim direkten 
Verfahren benutzt werden müssen (siehe später). 
Ferner können sowohl das Halbtonnegativ wie auch 
das nach diesem angefertigte Halbtondiapositiv aus¬ 
giebig retuschiert werden. Dies ist bei Rasternega¬ 
tiven, welche das Bild aus präzisen, sehr kleinen 
Punkt- und Strichelementen zusammengesetzt ent¬ 
halten, erklärlicherweise unmöglich. Leider ist aber 
eine mehr oder weniger umfangreiche Retusche auch 
heute noch bei der Dreifarbenautotypie unerläßlich, 
will man in bezug auf Originalähnlichkeit befriedi¬ 
gende Resultate erzielen, denn die Zahl der Fehler¬ 
quellen ist eine sehr große. Beim direkten Verfahren 
beschränkt sich nun die Retusche auf die schwierige 
Überarbeitung der Klischees, welche bei Anwendung 
der indirekten Methode eben auf ein geringes Maß 
reduziert werden kann, weil die größten Mängel durch 

Trockenplatten, weil das langweilige Baden in Tassen fort¬ 
fällt und ein Übergießen, kurzes Abspülen usf. genügt. 
Ein weiterer Vorzug ist die Billigkeit, die namentlich bei 
großem Formate ins Gewicht fällt. — Der Vollständigkeit 
wegen sei hier noch ganz kurz die Erzeugung von Auto¬ 
typie-Negativen gestreift. Um nach Halbtonoriginalen 
(solche sind die Dreifarbendiapositive) mittels der Pho¬ 
tographie in der Buchdruckpresse druckbare Klischees 
herstellen zu können, ist es notwendig, der lichtempfind¬ 
lichen Platte einen Raster (das sind zwei verkittete Glas¬ 
tafeln, deren Lineaturen zusammen ein dichtes Netz von 
schwarzen gekreuzten Linien bilden) in gewissem Abstande 
vorzuschalten. Er wandelt die homogenen Halbtöne in 
Punkt- oder Strichtöne um, weil er wie ein System von 
Lochkameras wirkt, indem jeder transparente Rasterpunkt 
ein Bild der Blendenöffnung auf die empfindliche Platte pro¬ 
jiziert. Dabei entstehen außer dem Kernschatten derRaster- 
lineatur Halbschatten, die ungleich wirksam sind, weil dies 
von der Helligkeit des betreffenden Teiles des vom Objek- 


Retuschierung der Halbtonnegative und Diapositive 
beseitigt werden. Endlich ist ein namhafter Vorzug 
darin gelegen, daß die Diapositive dem Ätzer vor¬ 
treffliche Vorlagen bei seiner Arbeit abgeben, denn 
er hat in Schwarz-Weiß das Bild des betreffenden 
Farbenanteils vor sich, welches das von ihm zu 
ätzende Klischee im Abdrucke schließlich zu ergeben 
hat. Neben diesen wertvollen guten Eigenschaften 
hat aber die indirekte Methode eine schlechte, welche 
allerdings nur sehr selten sich in so störender Weise 
bemerkbar macht, daß man deshalb das Verfahren 
nicht benutzen kann. Durch die wiederholten Auf¬ 
nahmen und das Kopieren des Diapositiv leidet näm¬ 
lich die Schärfe feiner Details. 

Das direkte Verfahren, bei dem die drei Farben- 
Teilnegative unmittelbar als Rasteraufnahmen nach 
dem Objekte hergestellt werden, ist ein weniger 
umfangreicher Prozeß. Aber nur scheinbar ist es 
deshalb ein billigeres (sofern es sich nicht um 
„Massenfabrikation“, sondern um die schwierige 
Wiedergabe komplizierter Originale handelt). Es 
gibt weit häufiger Fehlresultate und was vielleicht am 
Aufnahmeprozeß erspart wird, setzt man doppelt bei 
der Herstellung der Klischees selbst zu. Die Methode 
ist übrigens dadurch wesentlich kompliziert, daß ver¬ 
schiedene Plattensorten zur Verwendung kommen 
(eine der panchromatischen Bromsilbergelatine-Trok- 
kenplatten analoge, gleich gut verwendbare panchro¬ 
matische Kollodiumplatte gibt es vorläufig trotz viel¬ 
facher Versuche noch nicht). Und zwar benutzt man die 
gewöhnliche nasse Kollodiumplatte nur zum Negativ 
für die Gelbdruckplatte, wobei infolge der Unempfind¬ 
lichkeit der Schicht für gelbe Strahlen kein Lichtfilter 
notwendig ist (also wird in diesem Falle weder ein 
Filter noch ein Sensibilisator angewendet), nur muß 
man zur Vermeidung von Größenunterschieden eine 
ungefärbte Spiegelglasscheibe (von genau derselben 
Dicke, wie sie das bei den andern beiden Aufnahmen 

tive entworfenen optischen Bildes abhängt. Auf diese Weise 
kommen die verschiedenen Punktgrößen zustande, welche 
die Tonflächen einer Autotypie aufweisen. Durch Vorbe¬ 
lichten auf weißes Papier mit kleiner Blende bewirkt 
man, daß auch die tiefsten Schatten wenigstens von ganz 
kleinen offenen Punkten durchsetzt sind. Die Exposition 
auf das Original wird gleichfalls in Etappen unter Aus¬ 
wechslung der Blenden durchgeführt (die Form und Größe 
des Blendenausschnittes ist einleuchtenderweise von be¬ 
stimmendem Einfluß auf die Form und Größe der Auto¬ 
typiepunkte), um Kontrast und endlich „Schluß“ in den 
Lichtern zu erzielen. Den Charakter wirklicher Schwarz- 
Weiß-Negative erhalten die Autotypie-Aufnahmeplatten 
aber erst durch die oben bereits angegebene Verstärkung 
und nachfolgende Behandlung mit einer Lösung von Jod 
und Jodkalium, dann von Cyankalium, wobei die zarten, 
die Rasterpunkte umgebenden Säume durch Zerstörung 
des Jodsilbers daselbst klar und infolgedessen die Punkte 
selbst scharf gemacht werden. 


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Original fro-m 

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gebrauchte Grün- und Orangefilter besitzen) oder 
die mit Wasser angefüllte Filterkuvette vorschalten. 
Das Negativ für die Rotdruckplatte hinter dem Grün¬ 
filter und das Negativ für die Blaudruckplatte hinter 
dem Orangefilter werden dagegen auf mit Monobrom- 
fluorescein- beziehungsweise mit Äthylviolett-Lösung 
(s. Eder a. O.) sensibilisierten sogenannten Emul¬ 
sionsplatten*) hergestellt. 

Damit die fertigen Dreifarbendrucke ein bezüglich 
links und rechts seitenrichtiges Bild zeigen, müssen 
die direkten Rasteraufnahmen mit Hilfe eines Um¬ 
kehrprismas oder eines Umkehrspiegels verkehrt 
gemacht werden**), während beim indirekten Ver¬ 
fahren einfach die Diapositive zur Aufnahme ent¬ 
sprechend umgedreht anzuordnen sind. Von beson¬ 
derer Wichtigkeit bei den drei Autotypieaufnahmen 
ist die Stellung des Rasters. Und zwar muß dieser 
nach jeder Aufnahme um annähernd 30 Grad gedreht 
werden. Im Wesen der Dreifarbenautotypien ist es 
nämlich begründet und war davon auch schon die 
Rede, daß die verschiedenfarbigen Flächenelemente 
tunlichst nebeneinander gelagert werden müssen. 
Eine Winkelung nun, die von 30 Grad wesentlich ab¬ 
weicht (nämlich mehr als um etwa 3 Grad) bewirkt 
beim Übereinanderdruck der drei Klischees mit den 


*) Hier handelt es sich um eine Bromsilberkollodium¬ 
emulsion; an Stelle der Gelatine ist also Kollodium das 
Bindemittel, in welchem das Bromsilber äußerst fein ver¬ 
teilt ist. Während die beim gewöhnlichen nassen Verfahren 
(siehe vorher) mit Jodkollodium überschichtete Glasplatte 
erst im Silbernitratbade infolge Bildung von Jodsilber emp¬ 
findlich wird, ist die mit Bromsilberkollodium überzogene 
Platte schon sensibel und wird gleichfalls sofort naß ex¬ 
poniert. Entwickelt werden Emulsionsplatten chemisch, 
z. B. mit Hydrochinonlösung. Dagegen muß man die Far¬ 
benempfindlichkeit der mit Monobromfluorescein sensibi¬ 
lisierten Kollodiumemulsionsplatte durch nachfolgendes 
Baden in einer Silbernitratlösung steigern. Bei der mittels 
Äthylviolett für Orange sensibilisierten Platte, welche zur 
Herstellung des Blaunegativs dient, wird das Silberbad nicht 
verwendet, sondern die Platte vor der Exposition nur mit 
Wasser gewaschen. 

**) Das Umkehrprisma ist dem Objektive derart vorge¬ 
schaltet, daß die auf die eine Kathetenfläche auffallenden 
Lichtstrahlen von der Hypothenusenfläche, die zwecks 
vollkommener Reflexion versilbert ist, im rechten Winkel 
auf das Objektiv reflektiert werden. Heute benutzt man 
aber fast ausschließlich einen Magnaliumspiegel, welcher 
so angeordnet wird, daß er eine gleiche Stellung wie die 
Hypothenusenfläche des Prismas einnimmt. In beiden 
Fällen muß naturgemäß die Kamera so gedreht werden, 
daß ihre Längsachse parallel mit dem aufzunehmenden 
Bilde läuft. Die Notwendigkeit, einen Umkehrspiegel beim 
direkten Verfahren benutzen zu müssen, wird jedem sofort 
einleuchten, wenn er folgende Betrachtung anstellt: das 
Negativ ist bekanntlich nicht nur bezüglich Schwarz und 
Weiß gegenüber dem Originale verkehrt geartet, sondern 
es zeigt auch in betreff der Seiten den Umtausch in ein 


feinen Strich- und Punktlagen das Entstehen merkwür¬ 
diger schachbrettartiger Muster, welche Erscheinung 
man Moiree nennt. Die modernen Reproduktions¬ 
kameras besitzen deshalb kreisrunde Rasterplatten, 
die mittels besondrer Vorrichtung entsprechend ge¬ 
dreht werden können. 

Große Schwierigkeiten bereiten mitunter Öl¬ 
gemälde der Dreifarbenreproduktion, nämlich der 
Aufnahme, dadurch, daß einerseits die Maltechnik im 
Druckbilde soweit als möglich erkenntlich sein soll, 
man also die pastosen Stellen markiert finden will, 
während anderseits keine falschen Schattenbildungen 
dabei resultieren dürfen. Es entstehen bei großen 
pastosen Ölgemälden gerne Spitzlichter, die nur 
eine sorgfältige Regulierung der Beleuchtung ver¬ 
meiden läßt, aber gerne hier und da durch Bestrei¬ 
chen des Originales mit verschiedenen Substanzen 
bekämpft werden, was als grober Unfug zu bezeich¬ 
nen ist. 

Die Rasternegative werden ausnahmslos direkt 
auf die Metallplatten (gewöhnlich auf Zinkplatten, bei 
feinen Arbeiten aber auch sehr häufig auf Kupfer¬ 
oder Messingplatten) kopiert. Das Chromat-Eiweiß- 
verfahren***) wird hierbei seltener angewendet als das 
Emailverfahren f), denn dieses gibt ohne Schwierig- 


Spiegelbild; die Kopie aufder Metallplatte (unsererspäteren 
Druckform) würde dagegen seitenrichtig, der Abdruck aber 
hiervon selbstverständlich wieder falsch sein. Mit Hilfe 
des Spiegels erhält man aber ein Negativ, welches links 
und rechts identisch mit dem Originale zeigt, infolgedessen 
wird die Kopie auf der Druckplatte seitenverkehrt, der Ab¬ 
druck jedoch richtig. 

***) Das Chromat-Eiweißverfahren wird so ausgeübt, daß 
Hühnereiweiß zu Schnee geschlagen und hierauf überNacht 
absetzen gelassen wird. Dieses Albumin macht man mittels 
einer mit Alkohol und Ammoniak versetzten wäßrigen 
Ammoniumbichromatlösung lichtempfindlich, gießt es auf 
die Zinkplatte, läßt ablaufen und trocknet auf dem Schleu¬ 
derapparat, worauf unter dem Negative kopiert wird. Nun 
übergießt man die Platte mit einer Harzlösung oder über- 
walzt die ganze Eiweißschichte mit einer harzhaltigen, ätz¬ 
festen Druckerschwärze (was häufiger geschieht) und bringt 
die Platte in kaltes Wasser. Hierin kommen die unbelichtet 
gebliebenen Partikelchen der Eiweißschicht zur Lösung 
und beim Überfahren der Platte mit einem Wattebausch 
schwimmen die auf den löslich gebliebenen Schichtteilen 
sitzenden Farbkörperchen ab. Das zurückbleibende Bild 
wird nach dem Trocknen der Platte durch Bestäuben mit 
Asphaltpulver und Anschmelzen dieses(wodurch sich Farbe 
und Harzpulver zu einer festen Kruste vereinigen) gegen 
die Ätzflüssigkeit noch widerstandsfähiger gemacht. Als 
Ätzflüssigkeiten dienen bei Zinkplatten verdünnte Salpeter¬ 
säure (mitunter unter Zusatz von Gummi, siehe Tschörner, 
„Photogr. Korrespond.“, 1901, Seite 679), für Kupfer und 
Messing Eisenchloridlösungen. 

f) Das amerikanische Emailverfahren ist wie das vorher 
beschriebene Chromatalbuminverfahren gleichfalls ein 
Zweig der Chromatphotographie. Man benützt hierbei in 


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keiten sehr weiche gleichmäßige Kopien; beim Al¬ 
buminprozeß kann überdies das Entwickeln mit dem 
Wattebausch Schaden bringen. 

Das Ätzen von Dreifarbenklischees erfordert natür¬ 
lich ebenfalls große Sorgfalt, Übung und Erfahrung. 
Vom Ätzer hängt in außerordentlichem Maße die 
Qualität des erzielten Ergebnisses ab und die beste 
photographische Farbenauslösung ist ganz wertlos, 
wennderÄtzer seine Sachenicht durchaus versteht. Ist 
dies aber der Fall, so kann er sogar Mängel der Selek¬ 
tion durch entsprechendes Ätzen verbessern und da¬ 
mit die Metallretusche wesentlich vermindern helfen. 
Sobald die Klischeeplatten anscheinend fertig geätzt 
sind, werden sie angedruckt, das heißt, man macht 
mit den drei Druckfarben Gelb, Rot und Blau Probe¬ 
drucke, wozu man jetzt besondere sehr kräftig gebaute 
Kniehebel-Handpressen verwendet, da die sonst von 
den chemigraphischen Anstalten zur Anfertigung von 
Probeabzügen monochromer Klischees benützten 
Walzenpressen hier ungeeignet sind. Das Register¬ 
halten wird durch die in die Plattenränder eingeätzten 
Paßkreuze erzielt. Nach diesen Probedrucken, welche 
insofern viel Zeit erfordern, als man wie beim Auf¬ 
lagedruck zwischen jedem Formwechsel so viel Zeit 
verstreichen lassen muß, bis die vorher aufgedruckte 
Farbschicht trocken geworden ist, werden die Platten 
nochmals stellenweise nachgeätzt, beziehungsweise 
mittels Stichels, Roulette und Polierstahl retuschiert. 
DurchNachschneiden mit dem Stichel oder Überfahren 
mit dem Zahnrädchen der Roulette werden gewisse 
Stellen, die dessen bedürfen, aufgehellt (der auf¬ 
stehende Grat wird mit einem Schabeisen entfernt), 
durch Übergehen mit dem aufgedrückten Polierstahl 
verbreitert man die Druckoberfläche der Punkte oder 
Striche da und dort, verdunkelt also die betroffenen 
Partien. Die Metallretusche wird zumeist von beson¬ 
ders hierzu angestellten Xylographen vorgenommen, 
die natürlich die größte Handfertigkeit besitzen (über 
das Nachschneiden von Autotypien veröffentlichte 
sehr gute Abhandlungen R.Ruß in der „Zeitschrift für 
Reproduktionstechnik“ 1903 und in „Klimsch’ Jahr- 

der Regel Fischleim (unter Zusatz von Albumin) und macht 
ihn mittels Ammoniumbichromat lichtempfindlich. Die 
filtrierte Lösung gießt man in einem staubfreien Raum 
(Staub ist jedoch bei der dickeren Fischleimschicht lange 
nicht so gefährlich wie bei dem sehr dünnen Chromat- 
Eiweißhäutchen, weil er, in der stärkeren Lage ganz ein¬ 
gebettet, fast unschädlich ist) auf die Metallplatte und 
trocknet unter Einwirkung von geringer Hitze auf einem 
Schleuderapparate, wodurch die Schicht eine gleichmäßige 
Verteilung erfährt. Nach dem Kopieren gelangt die Platte 
in kaltes Wasser, worin sich die von Lichteinwirkung ver¬ 
schont gebliebenen Leimpartikeln lösen und nur das aus 
dem gegerbten Leim bestehende Bild zurückbleibt, welches 
durch Anfärben mittels einer Methylviolettlösung gut be¬ 
urteilbar gemacht werden kann. Dieses Leimbild ist natür¬ 
lich nicht ätzfest. Das wird es erst, wenn man die Platte 


buch“ 1906; ferner stammen von diesem Autor noch 
eine Reihe instruktiver Artikel über die Dreifarben¬ 
ätzung, welche in der genannten Zeitschrift 1903 bis 
1906 enthalten sind). Von den retuschierten Platten 
macht man sodann abermals Probedrucke, ätzt und 
retuschiert, wenn erforderlich, nochmals, welcher 
Vorgang manchmal ziemlich oft zu wiederholen ist. 
Der fertige endgültige Andruck soll schließlich das 
beste Ergebnis zeigen, das ohne Künstelei mit den 
drei Klischees zu erhalten ist. Hierauf wird im Ka¬ 
pitel über den Druck wohl noch zurückzukommen 
sein. 

Vorher möge noch eine knappe Erörterung des Vier¬ 
farbendruckes Platz finden. Bekanntlich fand vor 
einigen Jahren eine sehr lebhaft geführte fachliche 
Auseinandersetzung darüber statt, ob das Prinzip des 
Dreifarbendrucks oder ob das des Vierfarbendrucks 
das bessere sei. Unter dem letzteren verstand man 
dabei die Methode, die drei Farbenplatten Gelb, Rot 
und Blau durch eine vierte, welche in Schwarz ge¬ 
druckt wurde, zu ergänzen. Die Verteidiger des Vier¬ 
farbendruckes führten damals nicht ohne Berechtigung 
an, daß bei nicht ganz korrekter Durchführung des 
Dreifarbendruckes dieser dem mit vier Platten nach¬ 
zustellen sei. Heute haben sich wohl die Ansichten 
darüber geklärt und nicht minder haben die großen, 
durch die außerordentlich rasch vor sich gegangene 
Verbreitung des Verfahrens der photomechanischen 
Farbenreproduktion verursachten Fortschritte auf 
diesem Gebiete dazu beigetragen, daß der Dreifarben¬ 
druck wohl in der Mehrzahl der Fälle, der Vierfarben¬ 
druck dagegen nur dann, wenn es notwendig ist, 
herangezogen werden. 

Ist beispielsweise ein Original zu reproduzieren, 
das seine Stimmung durch hauptsächlich grau ab¬ 
schattierte Farbenflächen erhält, so empfiehlt es sich 
eine vierte Platte herzustellen, die dann in dem do¬ 
minierenden neutralen Grau (beispielsweise violett¬ 
grau) gedruckt wird. Zu diesem Zwecke stellt man 
in der Regel ein besondres Negativ her (die Platte 
wird zu einer orthochromatischen sensibilisiert, so 

so kräftig erhitzt, daß das Bild braun dasteht: das Leimbild 
ist damit emailliert und nun gegen Säure absolut wider¬ 
standsfähig geworden. — Der Ätzprozeß wird, einerlei ob 
das Chromat-Eiweißverfahren oder das Emailverfahren 
zur Herstellung der Kopie benützt wurde, bekanntlich 
in Etappen durchgeführt, indem man ihn wiederholt unter¬ 
bricht, die Platte abspült, trocknet, einzelne Partien, welche 
genügend geätzt sind, mit Asphaltlösung abdeckt, even¬ 
tuell mit fetter Kreide Retuschen vornimmt, dann die Platte 
einwalzt, mit Harz bestäubt, dieses anschmilzt (beim Tief¬ 
ätzen so weit, daß durch Herunterfließen des Harzes die 
Seitenflächen der Druckkörper geschützt werden) und 
weiterätzt. Selbstverständlich müssen auch von vornherein 
die Ränder und die Rückseite der Platten durch Überziehen 
mit Asphalt gegen die Einwirkung der Ätzflüssigkeit Schutz 
erhalten. 


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daß sie die Farben annähernd nach ihrem optischen dem das Grundfarbensystem Rot, Gelb, Grün und 
Helligkeitswerte wiedergibt; ferner ist zur Vermeidung Blau als Basis dient, und das sehr günstige Ergeb- 
der Moireebildung bei zwei der vier Aufnahmen mit- nisse liefern dürfte. Auch von Hiibl sagt in seinem 
tels Schlitzblende die eine Rasterlinienlage aufzu- wiederholt zitierten, 1897 in der ersten Auflage er¬ 
heben, und zwar abwechselnd; eine vierte Winkelung schienenen Buche, daß der Ausführung eines Vier¬ 
des Kreuzrasters um 30 Grad ist natürlich nicht mög- farbendrucks mit den lichtechten Pigmenten Chrom- 
lich, weil die Lineatur dann mit der der ersten Stellung gelb, Krapplack, einem beständigen Blaulack und 
zusammenfiele), welches die reinen Farbenflächen endlich einem Grünlack sich keinerlei Hindernisse 
ganz gedeckt zeigen soll, weil diese sonst schmutzig theoretischer Natur entgegenstellen, daß vielmehr die 
würden. Auf diesem Prinzipe, die Graubildung durch Grundfarben sehr leicht so gewählt werden können, 
eine eigne Platte zu erzielen und den drei Platten für daß sie gleiche Abstände im Farbenkreise besitzen 
Gelb, Rot und Blau hauptsächlich nur die Aufgabe (vergleiche oben) und somit ein Quadrat bilden, 
zuzuweisen, die reinen Farbenflächen zu reprodu- welches fast die ganze Kreisfläche einschließt, also 
zieren, beruht auch die Citochromie von Dr. E. Albert, zur Wiedergabe aller praktisch vorkommenden 
Aber eigentlich haben wir es dabei doch nur mit einem Mischfarben genügen, von Hübl meinte aber damals, 
Dreifarbenverfahren zu tun, weil Grau oder Schwarz daß sich gegenüber einem solchen Vierfarbendruck 
(das unter Umständen übrigens recht gefährlich ist große Schwierigkeiten technischer Natur auftürmen, 
und bewirkt, daß die solcherart hergestellten Farben- namentlich der Überdeckungsfehler sich außerordent- 
drucke kaum über dem Niveau des kolorierten Schwarz- lieh störend bemerkbar machen müsse. Bei autoty- 
weißbildes stehen) doch nicht als Farbe anzusehen pischen Klischees mit ihren Rastertönen dürfte dies 
sind. Tatsächlich sollen sie ja auch darauf beschränkt jedoch kaum so sehr der Fall sein, daß dadurch allein 
bleiben, nur die Graubildung zu unterstützen. die Anwendung des Verfahrens ausgeschlossen wäre. 

Anders verhält es sich aber mit dem richtigen Vier- Eine weitere Schwierigkeit bietet dagegen die Aus¬ 
farbendrucke, nämlich dem, welchem das Grund- lösungdesgrünenFarbenanteilsbeiderphotographi- 
farbensystemder/Zm/igschenFarbenwahrnehmungs- sehen Aufnahme. Die gelben Pigmente reflektieren 
theorie zugrunde liegt. Hering nimmt im Gegensätze zu nämlich zumeist die spektralen Farben von Rot bis 
Young (dessen Hypothese vergleiche oben) als Grund- inklusive Grün, es ist daher die Annahme gerecht- 
empfindungen die komplementären Farbenpaare Rot fertigt, daß das Grün vom Gelb nicht getrennt werden 
und Grün und Gelb und Blau, endlich auch Schwarz kann, das heißt, daß bei dem Negative für die Grün- 
und Weiß an. Und zwar sollen diese Grundempfin- druckplatte das Gelb gleichfalls so weit ohne Deckung 
düngen dadurch ausgelöst werden, daß drei ver- bleibt, daher im Positiv so weit mitkommt, als seinem 
schiedene Bestandteile der Sehsubstanz chemische Anteil an Grün entspricht. Der notwendigen Forde- 
Veränderungen erleiden, welche Hering als Dissimilie- rung, daß bei der Aufnahme des Negativs für die 
rung anspricht, wenn sie durch die primäre Erregung Gelbdruckplatte Grün wie Weiß, Gelb aber gleich 
verursacht sind, dagegen als Assimilierung, wenn im Rot und Blau wie Schwarz wirken müssen, kommt 
Zustande der Ruhe oder durch die Wirkung anderer auch die früher erwähnte Erythrosinplatte hinter 
Farbenstrahlen, die Veränderung, welche die Sehsub- einem Grünfilter nicht nach. Hier muß also in 
stanz durch die frühere Erregungerfahren hatte, infolge ausgiebiger Weise die Retusche einsetzen. 
eines umgekehrt verlaufenden chemischen Prozesses Der Vierfarbendruck mit den //mrcgschen Grund- 
wieder behoben wird. Durch Dissimilierung der drei färben wäre dann namentlich von großer Bedeutung, 
Sehsubstanz-Bestandteile würden also die Empfin- wenn bunte Originale zu reproduzieren sind, die neben 
düngen Weiß, Rot und Gelb, durch ihre Assimilierung feurigem Grün ein reines Violett aufweisen. Diese 
Schwarz, beziehungsweise Grün und Blau verursacht. Mischfarben gleichmäßig rein mittels Dreifarben- 
DieseTheorie vermag beispielsweise die Erscheinung, drucks zu erhalten, ist unmöglich, hier ist die Grenze 
daß das durch langes Hinsehen auf eine rot gefärbte seiner Leistungsfähigkeit überschritten. Um ein reines 
Fläche ermüdete Auge schließlich Grün zu sehen Violett zu erhalten muß ein Blau benützt werden, 
vermeint und andre ähnliche Phänomene viel eher welches das Zustandekommen eines ungebrochenen 
zu erklären, als es mittels der Young-Helmholtzschen Grüns ausschließt. Beim Vierfarbendruck der be- 
Theorie möglich ist (vergleiche von Hiibl , „Die Drei- schriebenen Art fiele dies weg, weil das Grün von 
farbenphotographie usw.“ Seite 29 ff.). einer Grundfarbe gebildet wird, infolgedessen das 

Eder hat nun im Januar 1896 gelegentlich eines Blau so beschaffen sein kann, daß es mit dem Rot 
Vortrages (siehe „Schriften des Vereines zur Ver- ein schönes Violett liefert. Tatsächlich sind derartige 
breitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse“ XXXVI. Vierfarbendrucke auch schon praktisch ausgeführt 
Seite235) bereits ausgesprochen, daß sich der beim worden; es sei beispielsweise auf das Plakat „Katzen- 
Dreifarbendruck beobachtete Modus ohne Schwierig- Zungen“ der Farbenfabrik von Jänecke& Schneemann 
keit auch auf einen Vierfarbendruck anpassen läßt, in Hannover hingewiesen, welches seinerzeit sowohl 

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in Chromolithographie als in Vierfarbenautotypie (mit 
Gelb, Rot, Blau und Grün) reproduziert worden ist 
und welche beiden Blätter sehr lehrreiche Vergleichs¬ 
objekte abgeben. Trotz dieser praktischen Anwen¬ 
dung und der Bekanntgabe des Frinzipes seitens 
Eders und von Hübls hat neuestens Karl Gustav 
Zander in London beim Kaiserlich Deutschen Reichs¬ 
patentamt (unter Zahl 4451, Klasse 576) ein System 
des Vierfarbendrucks zum Patente angemeldet, mit 
einem Patentansprüche („Verfahren zur Erzeugung 
naturfarbiger, photographischer und photomecha¬ 
nischer Reproduktionen, dadurch gekennzeichnet, daß 
sowohl die Aufnahmen als auch die Wiedergaben 
unter Benützung von vier Grundfarben — Rot, Gelb, 
Grün und Blau — geschehen, von denen immer je 
zwei annähernd Komplementärfarben sind“), der 
längst Bekanntes und auch schon Geübtes usurpiert. 
Die von Zander gewählten Grundfarben schließen 
jedoch weder ein Quadrat ein (sie sind nämlich nach 
der Ausdehnung im Normalspektrum bestimmt), noch 
entsprechen sie dem Patentansprüche, daß je zwei 
komplementär sind. Und zwar sind es ein Orange 
und ein dieses nicht ergänzendes rotstichiges Blau, 
während dem Grün das diesem komplementäre 
Purpur gegenübersteht, von Hübl bemerkt hierüber 
(in den „Wiener Mitteilungen“ 1906, S. 179 ff.), daß 
diese Farbenwahl keineswegs eine glückliche sein 
dürfte. Zunächst läßt sich kein reines Gelb bei einem 
mit diesen Farben durchgeführten Vierfarbendruck 
erzielen. Ferner komplizieren sie weit mehr die 


Durchführung des photographischen Aufnahmever¬ 
fahrens als die Heringschen Grundfarben, von Hübl 
wiederholt bei dieser Gelegenheit seine Bedenken 
gegen den Vierfarbendruck, indem erauf die Schwierig¬ 
keiten der Farbenselektion, auf den gesteigerten 
Überdeckungsfehler und auf die Unreinheit der Pig¬ 
mente hinweist. Er kommt zu dem Schlüsse, daß im 
allgemeinen der Vierfarbendruck dem Dreifarben¬ 
drucke nachstehe, weil er das Schmutzen der Misch¬ 
töne begünstige. Nur in besonderen Fällen dürfte er 
— unter Anwendung sehr weitgehender Retusche — 
günstigere Ergebnisse liefern. 

In letzterer Zeit ist die Vervollkommnung des Drei¬ 
farben-Aufnahmeverfahrens (Filter, welche eine 
rasche Exposition der drei Teilnegative hintereinan¬ 
der gestatten, panchromatische Trockenplatten, be¬ 
sondere für Dreifarbenaufnahmen eingerichtete Ka¬ 
meras usw.) so weit gediehen, daß man vielenorts 
die Naturfarbenaufnahme stark kultiviert und nach 
diesen Aufnahmen Dreifarbenklischees erzeugt, wel¬ 
che nicht nur für Ansichtskarten u. dgl. dienen, 
sondern auch zu illustrativen Zwecken herange¬ 
zogen werden. Eine interessante Erscheinung dieser 
Art ist beispielsweise das eben herausgegebene Werk 
„Die Welt in Farben“ (Berlin-SchÖneberg 1906, Inter¬ 
nationaler Verlag), das ausschließlich mittels Drei¬ 
farbenklischees nach Naturaufnahmen illustriert wird. 
Hier hat sich namentlich Miethe in Berlin um die 
Ausgestaltung des Verfahrens große Verdienste er¬ 
worben. 


Plattenunterlagen und Facettenhalter. 

Von ARNOLD HOFFMANN, Hannover. 


N ACHDEM die Stereotypie mit ihren Platten 
sich mehr und mehr Eingang verschafft hatte, 
trat das Bedürfnis nach einer guten Druck- 
und Befestigungs-Unterlage für diese in den Vorder¬ 
grund. In erster Linie wurde dafür wohl das Holz¬ 
brett bzw. die Holzunterlage benutzt, auf welche die 
Platten aufgenagelt oder aufgeschraubt wurden. Da 
aber Holz trotz Präparieren mit Firnis, Pa 
raffinöl, Wachslösungen usw. stets dem 
Sichwerfen, dem Quellen und dem Ein¬ 
trocknen unterworfen blieb, so be¬ 
gann bald die Suche nach wider¬ 
standsfähigeren Unterlagen, als wel¬ 
che solche von Blei oder Eisen in 
Gebrauch kamen. 

Für den Buchdrucker war die Be¬ 
nutzung der vorhandenen Bleistege Abbildung i 
naheliegend. Da diese jedoch nur etwa neun Punkte 
niedriger sind als die Schrifthöhe, die Stereotyp¬ 
platten aber eine Stärke von zwölf Punkten haben, so 
blieb nichts weiter übrig, als beim Druck der Platten 


von den gewöhnlichen Bleistegen den Druckzylinder, 
die Walzen, die Zahnstangen usw. höher zu stellen. 
Eine derartige Veränderung an der Maschine kostete 
aber viel Zeit, wenn nicht etwa ständig eine Maschine 
mit Platten auf diesen Stegen in Betrieb war. Diese 
Unannehmlichkeiten führten sehr bald auf die Idee, 
die Bleistege für den Druck von Stereotypplatten 
niedriger herstellen zu las¬ 
sen. Man findet daher gegen¬ 
wärtig in einzelnen Drucke¬ 
reien Bleistege von zweierlei 
Höhe, die höheren für den 
allgemeinen Gebrauch, die 
niedrigeren dagegen als Un¬ 
terlagematerial für den Plat¬ 
tendruck. In andren Drucke¬ 
reien ist man dazu über¬ 
gegangen im allgemeinen nur Bleistege zu benutzen, 
welche zwölf Punkte niedriger wie Schrifthöhe sind, so 
daß sämtliche vorhandenen Bleistege, sowohl als 
Unterlagen für die Stereotypplatten, als auch für den 



Abbildung 2 


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sonstigen allgemeinen Gebrauch benutzt werden 
können. Diese letztere Einrichtung ist als die bessere 
zu bezeichnen, weil bei ihr das Material viel verwen¬ 
dungsfähiger ist. Bei Neueinrichtung von Drucke¬ 
reien, ja sogar schon bei Neuanschaffungen von 
Bleistegen sollte deshalb stets darauf Rücksicht ge¬ 
nommen werden, daß nur eine Sorte und zwar die¬ 
jenige vorhanden ist, die zwölf Punkt niedriger als die 
Schrifthöhe ist. In Druckereien, wo viel Plattendruck 
vorkommt, benutzt man besondere Plattenunterlag- 
stege aus Eisen. Für den Druck wieder¬ 
kehrender Arbeiten, deren Herstellung 
von Platten erfolgt, werden Unter¬ 
sätze in bestimmter Größe be¬ 
nutzt, so daß immer nur eine 
Auswechselungder Platten not¬ 
wendig ist. 

Die Befestigung der Platten 
auf Bleistegen geschah im An¬ 
fänge mittels einzelner etwa 
ein bis zwei Konkordanz langer Facettenhalter, auch 
Facetten genannt, die Halbpetitstärke hatten und in 
gewöhnlicher Weise mit Quadraten um die Platte 
herum ausgeschlossen wurden. Diese einfachen Fa¬ 
cettenhalter (Abbildung 1) hatten aber den Übelstand, 
daß sie durch das unvermeidliche Federn der Platten 
während des Druckes in die Höhe gezogen wurden, 
so daß Spieße unausbleiblich waren und die Platten 
lose lagen, was wiederum fortwährend Aufenthalt, 
Ärger und Verdruß verursachte. Zur Abhilfe dieser 
Unannehmlichkeiten wurden die Facettenhalter nun 
entweder an Blöcke von Mahagoni- oder Eichenholz, 
oder an solche von Blei oder Eisen angeschraubt. 
Die letzteren, auch Plattenschuhe genannt, sind auch 
heute noch vielfach in Gebrauch. Das Festhalten der 
Facetten wurde nun auch noch in andrer Weise er¬ 
reicht, indem Facettenhalter aus Messing hergestellt 
wurden, die nach beiden Seiten, also oben und unten 
schräg umgebogen waren (Abbildung 2). Die zu ver¬ 
wendenden Stege waren am Rande in entsprechender 
Weise mit einer Facette schräg bestoßen, so daß der 
Halter unten hineingriff und 
vor dem Steigen geschützt 
war. In ähnlicherWeise wur¬ 
den vor einiger Zeit von Emil 
Mosig in Leipzig Facetten¬ 
halter hergestellt, nur war bei diesen 
der Fuß nicht schräg umgebogen, 
sondern mit einem Ansatz versehen, 
der in eine Nut am Fuße der Unter- 
lagstege griff (Abbildung 3). Auch 
die Viktoriawerke Nürnberg fabri¬ 
zierten früher Plattenhalter, die einen ähnlichen in 
der Mitte befindlichen Ansatz hatten, der in eine 
korrespondierende Nut der Unterlagstege griff (Abbil¬ 
dung 4). Unterlagsplatten dieser Art mit ringsherum¬ 


laufender Nut zum Anlegen der Facettenhalter von 
allen Seiten werden für immer wiederkehrende For¬ 
mate benutzt. Sogenannte Plattendoppelhalter 
(s.Abbildung4 rechts) ermöglichten die Aneinander¬ 
legung der Platten bis auf die Stärke der Halter. 

Auf eine sehr einfache Weise ist dem Steigen der 
Facetten durch nebenstehende Form abgeholfen, 
bei der die Facette sowohl über als unter die Platte 
faßt, wodurch das Steigen der Facette zur Unmög¬ 
lichkeit wird, da die etwa fe¬ 
dernde Platte die Facette beim 
Druck immer wieder selbst 
niederdrückt. Diese Art Fa¬ 
cettenhalter sind in denjenigen 
Plattenformen angewendet,von 
welchen weiter unten die Rede 
sein wird. 

Die Befestigung der Platten sowie deren 
Unterlagen selbst wurde noch in andrer 
Art herzustellen versucht. So hatte in London 
ein Buchdruckereibesitzer ein Verfahren eingeführt, 
bei dem die Platten auf die dafür bestimmten, des 
leichteren Gewichts wegen hohl gegossenen Blöcke 
mit einer Art Kitt aus Wachs, Harz und gelbem Pech 
aufgeklebt wurden. Die Platte wurde auf die mit der 
warmen Masse bestrichene Unterlage unter dem Druck 
einer Handpresse aufgepresst und nun einesteils durch 
den an den Rändern überquellenden Kitt, andernteils 
durch den atmosphärischen Druck festgehalten, da 
zwischen Platte und Unterlageblock jedwede Luft 
herausgepreßt war. Durch Erwärmen wurden derart 
befestigte Platten leicht wieder abgehoben. Eine Zu¬ 
richtung unter den Platten, wie solche heute wohl 
immer ausgeführt wird, war bei derartig befestigten 
Platten allerdings nicht denkbar. 

Ein weiteres englisches Verfahren bestand darin, 
daß dieUnterlagplatten an einerSeite, etwa ein Viertel 
ihrer Länge nach, niedriger hergestellt, das Ende der 
höheren Fläche aber mit einem schrägen Vorsprung 
versehen .wurde (Abbildung 5). Die in entgegen¬ 
gesetzter Weise passend hergestellte Stereotypplatte 
konnte sich, wenn die Platte 
von allen Seiten mit Stegen 
umgeben und geschlossen 
war, nicht mehr aus ihrer 
Lage verändern. 

Eine neuere Befestigungsart, die 
mit der vorerwähnten gewisse Ähn¬ 
lichkeit hat, ist diejenige vermittels 
der sogenannten Unterzugfacetten 
vom Kempewerk in Nürnberg. Die 
Platten werden hierbei mittels eines 
besonders konstruierten Hobels unterhalb des Schrift¬ 
bildes mit einer Facette versehen, in die der hierfür 
passende Facettenhalter eingreift (Abbildung 6). 
Diese Befestigungsart eignet sich besonders für den 

44 


341 



Abbildung 3 



Abbildung 4 


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Abbildung 5 


Druck der Plattenkorrespondenzspalten, weil die An¬ 
bringung von Spaltenlinien oder Satz dicht an die 
Platten nach oben und unten ungehindert möglich 
ist, dann aber auch überhaupt für den Druck solcher 
Platten, die dicht 
aneinander gestellt 
werden müssen. 

Als Unterlagen für 
Platten werden auch 
ziemlich häufig 
eiserne Fundamente 

verwendet, die von allen Utensilienhandlungen, so¬ 
wie auch vom Kempewerk in Nürnberg zu beziehen 
sind. Die Oberfläche dieser Fundamente ist mit einem 
Netzwerk in Cicero-, Konkordanz- oder Zentimeter- 
Einteilung versehen, wodurch das Auflegen der 
Platten, sowie das Formatmachen bedeutend erleich¬ 
tertwird (Abbild. 7). 

Die in diagona¬ 
ler Richtung durch 
die Platten gehen¬ 
den Rinnen dienen 
zur Befestigung 
der Platten mittels 
der in den Rinnen 
einfügbaren Facet¬ 
tenhalter. Die Rin¬ 
nen der zweiSorten 
Fundamente,die 
das Kempewerk 
Nürnberg baut, 
sind verschiedener 
Art. Die eine ist 
schräg (schwalben¬ 
schwanzartig) wie 
bei vorstehender, 
die andre eckig, wie 

bei Abbildung 8. Auch die hierzu gehörigen Facetten¬ 
halter sind verschieden, und zwar die eine Art nicht 
drehbar,die andre aber drehbar, für schrägzustellende 
oder nicht rechtwinkelige Platten (Abbildung 9). Für 
Platten, die genauestes Rücken (z.B. bei Mehrfarben¬ 
druck) erfordern, wurden von Fischer & Krecke in 
Berlin Facettenhalter auf 
den Markt gebracht, bei 
welchen die Scheibe, 
die die eigent- 
lichePlattehält, 
rund ist. Das 
Loch für die 
Befestigungs- 
Schraube ist 
nicht in der 
Mitte, sondern 
seitlich einge¬ 
bohrt, SO daß Abbildung 8 


Abbildung 6 


Abbildung 7 


sich die Facettenhalter exzentrisch drehen lassen, wo¬ 
durch ein Rücken der Platten nach jeder gewünschten 
Richtung hin in bequemster 
Weise mög¬ 
lich ist. Der 
Facetten¬ 
haltererhält 
die ge¬ 
wünschte 
Lage da¬ 
durch, daß 
ermiteinem 
Schlüssel, 

der in zwei Löcher desselben greift, festgehalten und 
die Befestigungsschraube mit einem Schraubenzieher 
angezogen wird. Zur leichteren Beurteilung der Ver¬ 
schiebung ist auf der oberen Fläche des Facetten¬ 
halters eine Grad¬ 
einteilung ange¬ 
bracht. 

Ein Plattenfun¬ 
dament der Firma 
G. E. Reinhardt in 
Leipzig besitzt 
rechtwinklige Nu¬ 
ten und infolge¬ 
dessen den Vorteil 
(Abbildung 10),daß 
sich die Facetten¬ 
halter an jeder be 
liebigen Stelle von 
oben in die Nut 
hineinbringen las¬ 
sen. Der Facetten¬ 
halter wird durch 
keilförmigen Ver¬ 
schluß in der Nut 
festgehalten. — So gut sich nun im allgemeinen die 
Plattenfundamente bewähren, so ist ihre Verwend¬ 
barkeit doch eine beschränkte, weil sich auf ihnen 
ja nur Platten drucken lassen. Wie häufig ergibt aber 
die Praxis die Notwendigkeit Platten und Satz zu 
gleicher Zeit zu drucken. Wie häufig ist es nötig 

an einer Platte herum¬ 
zuflicken, und hier ein 
paar Worte, dort 
einen ganzen 
Satz anzufü¬ 
gen. Hier be¬ 
währen sich 
nun die vom 


Kempewerk 
in Nürnberg 
in den Handel 
gebrachten zu- 
sammensetz- 


342 


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Original frorn 

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baren Plattenuntersätze (Abbildung 11). Die bereits (Abbildung 13) befestigt. Die Unterlagplatten und 
früher erwähnten in Verbindung mit den gewöhn- Plattenhalter des Kempewerkes in Nürnberg haben 
liehen Bleistegen oder mit systematischen eisernen ebenfalls Facettenhalter, die durch Schrauben ver- 
Unterlagstegen Verwendung findenden Facettenhalter stellbar sind (Abbildung 14), jedoch erfolgt deren 
haben jedoch einen Übelstand. Die Unterlagstege Drehung und das dadurch bedingte Anziehen der 
müssen in Größe der Platten zusammengesetzt Halter durch einen senkrecht eingeführten Schlüssel. 



werden. Da aber nun die Platten wohl selten gerade 
eine solche Größe haben werden, daß mit vollen 
Stegen gearbeitet werden kann, so müssen Qua¬ 
draten und Regletten zu Hilfe genommen werden, 


Abbildung 9 


Abbildung 12 


Abbildung 10 


die aber wiederum niedriger als der gewöhnliche Aus- Zur zweiten Gruppe gehört die von der Schrift¬ 
schluß sein müssen. gießerei Flinsch in Frankfurt a. M. in den Handel 

Eine Anzahl von Facettenhaltern sind konstruiert gebrachte Hampelsche Plattenform, welche die Vor¬ 
worden um hier Abhilfe zu schaffen. Sie zerfallen in teile eines Plattenfundaments mit denjenigen der zu- 
zwei Gruppen, in solche, bei denen die Facettenhalter sammensetzbaren Plattenunterlagen in sich vereinigt 
sich durch Schraube verändern lassen und solche, (Abbildung 15). Die Plattenform ist aus 4 Cicero im 
bei denen sie durch Ausschluß verstellbar sind. Zur Quadrat starken hohlen Bleistegen zusammengesetzt, 
ersten Gruppe gehören die (Abbildung 12) Platten- Der Facettenkörper, ebenfalls 4 Cicero im Quadrat 
untersätze mit Facettenhalter von Fischer & Krecke, messend, besteht aus dem Facettenhalter und Viertel- 
Berlin, die durch eine mit einem Zahnrädchen ver- petitquadraten, alles zusammengehalten durch zwei 

sehene Schraube hin und her , , i ---» . -- - Messingklammern. 

bewegt werden können. Wenn c< c Dieser Facetten- 

die Untersätze in passende _;_-_-____ - > j körper läßt sich 

Größe zusammengestellt / _ " an jederbeliebigen 

und im Rahmen ge- — Awk 8/ Stelle der Platten¬ 
schlossen sind, so / 6 e rf MfSP form einfügen, der Fa- 

werden die Platten 7 - JHp cettenhalter abermitHilfe 

selbst daraufgelegt r \ / 1 ^ ^ V* S • 0 KT der im Körper enthaltenen 

und mit einem sog. Hp vms unk- __ J Viertelpetitquadraten in jede 

Schraubentreiber Abbildung u gewünschte Lage bringen. Die 


343 


44* 


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Original fram 

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entsprechend, niedriger, wodurch ein Schmieren der¬ 
selben ausgeschlossen ist. — Während bei Stereotyp- 
_ und galvanischen Platten, die 

f fast immer geradlinige und 
rechteckige Formen haben, die 
einfachenFacettenhalter völlig 


r 


Abbildung 13 


Abbildung 14 


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37 '— 



Zum Artikel: Hoffmann, Plattenunterlagen und Facettenhalter 


Silage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Go gle 


Druck von Breitkopf & Härtel, Leipzig 

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Gck igle 


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können im Notfälle auch in einem Stereotypgie߬ 
instrument selbst hergestellt werden. 

Bei gleichzeitigem Druck von Platten in der Stärke 
von 1 Cicero und den schwächeren Zink- oder Kupfer¬ 
platten sollten, wenn irgend angängig, auch zweierlei 
hohe Unterlagen benutzt und nur im Notfälle die 
schwächeren Zink- oder Kupferplattten in die stär¬ 
keren eingelötet oder in der bekannten Weise einge¬ 
gossen werden. 

Von Vorteil sind die Doppel-Ausfüllstücke von 
Emil Mosig in Leipzig, da sie die Anschaffung von 
Unterlagstegen in zweierlei Höhe erübrigen (Ab¬ 
bildung 20). Diese Doppel-Ausfüllstücke sind Unter- 
lagstege aus Eisen, die auf die breite Seite gelegt, 
zum Druck der Stereotypplatten in Stärke von 1 Cicero, 
auf die schmale Seite gelegt aber zum Druck von 
Autotypien in Stärke von 2 mm verwendet werden 
können. Allerdings sind jedoch zweierlei Facetten¬ 
stege erforderlich. Die gewünschte Länge und Breite 
der Untersätze wird bei Stereotypplatten in gewohnter 
Weise durch Ausschluß, bei Autotypplatten durch 
genau auf die nötige Höhe gehobelte */ 49 i / i und 
1 Cicero starke Messingplatten hergestellt. 

Für den ein- und mehrfarbigen Druck von An¬ 
sichtspostkarten haben die Firmen Fischer & Krecke 
in Berlin, sowie neuerdings J. G. Scheiter & Giesecke 


in Leipzig, sich besondere Unterlagen schützen 
lassen (Abbildung 21). Diejenigen der ersten Firma 
bestehen aus einem Eisenblock, der ein wenig größer 
als eine Postkarte ist und dessen eine Seite mit 
fester Facette versehen ist, während die andern drei 
Seiten schwalbenschwanzförmige Einschnitte haben, 
die mit festem Holz ausgefüllt sind, so daß Platten 
verschiedener Größe und auch mit nicht ganz gerad¬ 
linigen Rändern darauf festgenagelt werden können 
(Abbildung 22). Die Postkartenunterlagen der Firma 
J. G. Scheiter & Giesecke bestehen ebenfalls aus 
einem Eisenblock in der erforderlichen Größe, jedoch 
sind hier an zwei Seiten feste Facetten angebracht, 
während an den beiden andern Seiten Einschnitte 
angebracht sind, in welchen durch Schrauben ver¬ 
stellbare Facetten laufen. Die Schrauben haben als 
Kopf ein kleines Handrädchen, so daß die Vor- und 
Rückwärtsbewegung der Facette sowohl mit der 
Hand, als auch, bei geschlossener Form, vermittels 
eines Schraubentreibers erfolgen kann. Die Platten 
können infolge gesetzlich geschützter Einrichtung 
bis auf etwa 5 mm aneinander gebracht werden. Die 
Verwendung dieser Blocks bei sich annähernd in 
Größe gleichbleibenden Platten hat den Vorteil, daß 
sie zum Zurichten von unten, sowie zum Auswechseln 
leicht abgenommen werden können. 


Neuerungen in der Zeitungstechnik. 

Von CARL HERRMANN, Direktor der Neuen Freien Presse, Wien. 


W ÄHREND auf allen Gebieten des mannig¬ 
faltigen Zeitungsbetriebes Verbesserungen 
und Neuerungen stetig aufeinanderfolgten 
und die Technik Schritt für Schritt die manuelle Ar¬ 
beit verdrängte, blieb das Stereotypieverfahren für 
Zeitungen seit Jahrzehnten dasselbe, bis endlich in 
den fertigen Matrizentafeln ein kleiner Fortschritt zu 
verzeichnen war, der unverkennbar, gerade für die 
schnellere Herstellung der Matrizen einen wesent¬ 
lichen Vorteil gegenüber der bisher geübten Arbeits¬ 
weise bietet. Immerhin haben wir es hier nur mit 
einer jener Zwischenstationen zu tun, die schließlich 
zur Lösung technisch so gut durchdachter Probleme 
führen müssen, wie wir sie in dem neuen Stereo¬ 
typieverfahren kennen lernen. Die wohldurchdachten 
Probleme scheinen aber auch berufen, nicht nur eine 
vollständige Umwälzung in der Zeitungstechnik her¬ 
beizuführen, sondern auch das Stereotypieverfahren 
auf eine Arbeitsweise zu beschränken, bei der ein 
Minimum von Geschicklichkeit mit einem Maximum 
von Geschwindigkeit vereinigt ist. Wenn bisher die 
Herstellung der Stereotypieplatten für den Rotations¬ 
druck mit den einfachsten Hilfsmitteln bewerkstelligt 
werden mußte, so ermöglichen nun die neuerlichen 
Vervollkommnungen die Anfertigung der Platten in 


kürzester Zeit, so daß hierdurch die Nachteile des 
bis jetzt üblichen Verfahrens in wirksamer Weise be¬ 
seitigt erscheinen. Durch die äußerst sinnreiche 
Vereinigung der verschiedenen für die Stereotypie 
erforderlichen Apparate, welche durchwegs automa¬ 
tisch die mannigfachen Arbeiten, die zur Herstellung 
von Druckplatten für Rotationsmaschinen erforderlich 
sind, vollführen, ist eine bedeutend einheitlichere 
Arbeitsweise geschaffen. Die von mir in nachstehen¬ 
den Zeilen behandelten Einrichtungen, die sich in 
ihrer technischen Durchführung ziemlich ähneln, ver¬ 
richten ganz selbsttätig und mit einem geringen Auf¬ 
wand von Hilfskräften dieselbe Arbeit, zu der bisher 
ein größeres Personal notwendig war. Diese neueren 
Konstruktionen sind ein gewaltiger Fortschritt, denn 
die ganze Arbeitsweise vollzieht sich mit außerordent¬ 
licher Schnelligkeit und Genauigkeit, das Schriftbild 
ist ein viel besseres als bei dem bisherigen Verfahren, 
die erzeugten Platten aber übertreffen weitaus jene, 
welche mittels Handarbeit gewonnen werden. Es sind 
wohldurchdachte Werke der Mechanik, deren Beherr¬ 
schung nur eine ganz kurze Praxis erfordert und deren 
Gesamtkonstruktion eine so einfache ist, daß die damit 
Beschäftigten schon nach kurzer Anleitung imstande 
sind, die Apparate vollkommen zu beherrschen. 


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A. Die Citoplate. 

Diese derzeit in Deutschland gebaute Anlage be¬ 
steht aus einem etwa 200 Zentimeter hohen, runden 
Schmelzofen, an den je nach Bedarf ein bis drei Gie߬ 
instrumente so anmontiert sind, daß sie zur Auf¬ 
nahme des Metalls durch Hebeldruck an die Seiten 
des Gießkessels angedrückt werden können, und 
ferner aus einer Anzahl selbsttätig wirkender Justier¬ 
apparate bzw. Vollendungsmechanismen, die in der 
Gesamtkonstruktion vereinigt sind und das Gießen, 
sowie Bearbeiten der Platten automatisch besorgen. 
Die Gußform besteht aus einem hohlen Zylinder, der 

den Kern bildet, ,_ 

und 


sonderer Härte sind. So lange das Blei in die untere 
Hälfte des Zylinders gegossen wird, stehen die äuße¬ 
ren konkaven Teile unbeweglich aufeinander, damit 
die Platte die notwendige Stärke erhält. Eine automa¬ 
tische Kühlvorrichtung, welche stetig kaltes Wasser 
durch beideTeile des Gießapparates fließen läßt, beugt 
einer Erhitzung des Gießinstrumentes vor, sorgt aber 
auch gleichzeitig für eine schnelle Abkühlung der ge¬ 
gossenen Platte. Nach dem Guß kehrt der äußere 
Zylinderdeckel in seine ursprüngliche Ruhestellung 
zurück, dabei gleichzeitig auch die Matrize mit¬ 
nehmend. Der Zylinder jedoch macht eine kleine Be- 

durch 


wegung 

welche die Platte 
von der Matrize 
gelöst wird. 
Durch einmali¬ 
ges Umdrehen 
desZylindersum 
seineAchsewird 
mittels Fräser 
die Platte an bei¬ 
den Seiten facet¬ 
tenartig ange¬ 
fräst. Sobald die 
Platte nach oben 
gedreht ist, wird 
sie durch einen 
Mechanismus 
vomZylinderab- 
gehoben und 
unter einen ge- 
wölbtenBehälter 
geschoben, in 
dem sie dann 
festgehalten und 
von rotierenden Messern auf der Innenseite gleich¬ 
mäßig egalisiert wird. Zu bemerken ist, daß der 
Anguß, der sich nicht am Fuß, sondern seitlich an 
der Platte befindet, durch die obenerwähnten Fräser 
beim Anfräsen der Facetten abgetrennt wird. Aus 
dem Egalisierapparat kommen sodann die gegossenen 
Platten in ziemlich schneller Aufeinanderfolge auf 
die Justierständer, wo dann durch den elektrisch be¬ 
triebenen automatischen Fräser eventuelle höhere 
Stellen ebenso leicht wie schnell weggenommen 
werden können. Sind die benötigten Güsse von einer 
Blattseite erledigt, so wird die Matrize entfernt, um 
durch die nächstfolgende ersetzt zu werden, was 
übrigens in der allerkürzesten Zeit geschieht. Wenn 
die Matrize einmal in das Gießinstrument eingeführt 
und befestigt ist, dann erfordert der hierauf folgende 
automatische Herstellungsprozeß so lange keine wei¬ 
tere Aufmerksamkeit, bis die gewünschte Anzahl von 
Platten gegossen ist. Die Maschine behandelt die 
Matrize mit solcher Sorgfalt und Genauigkeit, daß 


zwei 

äußeren konka¬ 
ven Teilen. 

Nachdem dieMa- 
trize in den Gie߬ 
apparat einge¬ 
spannt ist, wird 
dieser geschlos¬ 
sen und hierauf 
durch Nieder¬ 
drücken des He¬ 
bels das Funk¬ 
tionieren des 
Gießapparates 
bewirkt,derohne 
Fehlgüsse die 
gewünschte Plat¬ 
tenanzahl von 
ein und dersel- 
benMatrizegießt 
und jedesmal zu 
den Justierappa¬ 
raten leitet. Die 
Matrize selbst erfährt bei dem Gießvorgang die 
größte Schonung, so daß von ein und derselben 
Mater jede beliebige Anzahl von Platten in tadel¬ 
loser Weise hergestellt werden kann. Das Ankleben 
der Gußfahne fällt fort, die Matrize bleibt wäh¬ 
rend sämtlicher Güsse im Gießapparat, etwa an¬ 
haftendes Federweiß wird durch ein selbsttätiges 
Gebläse entfernt. Das zur Verwendung gelangende 
Metall, das keine besondere Legierung erfordert, 
kann durch jedwede beliebige Feuerung flüssig ge¬ 
macht werden und wird ständig selbsttätig umgerührt, 
so daß beim Guß nur gleichmäßig gemischtes Metall 
in die Gußform einströmt. Der automatische Steig¬ 
guß erfolgt ziemlich luftfrei, ergibt daher gute Güsse. 
Das Metall selbst wird weniger verkrätzt, so daß da¬ 
her der Metallverlust auch ein ziemlich mäßiger ist, 
zumal auch das Abkrätzen nur alle 8 Tage notwendig 
ist. Der ungemein kräftige Druck des Metalls im Kessel, 
das beim Öffnen des Ventils in die Gußform dringt, 
bewirkt sehr scharf ausgegossene Platten, die von be- 


Die Citoplate 


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eine sehr große Anzahl von Platten durch eine einzige 
Gießform hergestellt werden kann, ohne daß hier¬ 
durch die Matrize den geringsten Schaden erleidet. 
Für die Genauigkeit der Arbeitsweise der Cito¬ 
plate spricht auch der Umstand, daß alle Matrizen, 
sowohl die selbstgefertigten, wie auch die verschie¬ 
denen Trockenmatrizen anstandslos zur Verwendung 
kommen können. Die Maschine führt außer dem Ein¬ 
legen der Matrize in die Gußform alle Arbeiten bis 
zur vollständigen Fertigstellung der Platte ganz selbst¬ 
tätig aus, so daß von der bedienenden Person nur 
die fertigen Platten vom Sattel abgehoben und in den 
Maschinensaal 
befördert zu wer¬ 
den brauchen. 

Mit jedem Instru¬ 
ment können in 
derMinutewenig- 
stens zwei Plat¬ 
ten gegossen 
werden. Je nach 
Notwendigkeit 
des Bedarfes an 
Platten ist nun 
die Möglichkeit 
gegeben,an einer 
Anlage auch zwei 
oder drei Gie߬ 
instrumente an¬ 
zubringen, wo¬ 
durch den 
allergrößten An¬ 
forderungen an 
die Stereotypie 
entsprochen wer¬ 
den kann. Selbst¬ 
verständlich er¬ 
fordert jeder Apparat eine Bedienungs- bzw. Über¬ 
wachungsperson, so daß daher je nach Anbringung 
von Apparaten auch die entsprechende Zahl Leute 
nötig ist. Die meiste Zeit, jedesmal ungefähr zwan¬ 
zig Sekunden, erfordert das Erstarren des Metalls, 
während die sonstigen Manipulationen, einschließlich 
des Matrizenauswechselns, in etwa zehn Sekunden 
erledigt werden können. 

B. Die Autoplate , 

ein Geschwisterkind der vorbeschriebenen Citoplate, 
ist bereits ebenfalls in Verwendung, jedoch sehe ich 
von einer eingehenden Besprechung dieser Maschine 
ab, da ein Hinweis auf den von Herrn Regierungsrat 
Georg Fritz in Wien verfaßten Aufsatz in Heft 1 
Jahrgang 1905 dieser Zeitschrift genügen dürfte. 

C. Kombinierter Stereotypie-Ofen mit Pumpen. 

Durch einen ähnlichen Apparat, wie Citoplate und 
Autoplate, suchen auch R. Hoe & Cie. das Stereotypie¬ 


verfahren zu beschleunigen. Die ungemein kräftig 
gehaltene Konstruktion besteht in der Vereinigung 
eines Stereotypieofens mit Horizontal-Gießformen, 
Gleichgewichts-Selbstbalancierung und Verschlu߬ 
anordnungen zum Gießen gebogener Platten. Die 
Arbeitsweise dieser Anlage soll einen weiteren 
Fortschritt auf dem Gebiete der Stereotypie bedeuten 
und als die neueste, schnellste, sowie bequemste 
Methode zur Erzeugung vollkommenster Stereotyp¬ 
platten gelten. Mit einer Ausrüstung des Kessels 
von zwei Gießflaschen, welch letztere mitdem Schmelz¬ 
kessel oberhalb durch ein Rohr zum Einströmen des 

Metalls verbun¬ 
den sind, sollen 
bei abwechseln¬ 
der Benutzung 
der beiden Gie߬ 
formen 15 Zei¬ 
tungs-Stereotyp¬ 
platten in fünf 
Minuten durch 
einen Stereo¬ 
typeur und einen 
Hilfsarbeiter her¬ 
gestellt werden 
können. Daswäre 
eine Stunden¬ 
leistung von 
180 Platten. Die 
Wandungen des 
Ofens sind un- 
gemein stark aus 
Kesselblech her¬ 
gestellt, sowie 
mit Feuerziegeln 
ausgefüttert. Zur 
Feuerung kann 
widerstandsfähige Kohle oder Gas benutzt werden. 
Bei Verwendung von Gas wird ein Brenner, sowie 
ein Bläser mitgeliefert. Der Schmelzkessel kann mit 
drei oder mehr Pumpen und Gießformen ausgerüstet 
werden, wodurch die schnelle Anfertigung einer großen 
Anzahl von Platten bei erheblich geringeren Kosten 
als bei andern Verfahren ermöglicht wird, sowohl hin¬ 
sichtlich der Installations- als auch der Arbeits- und 
Erhaltungskosten. Der mit zwei Pumpen ausge¬ 
rüstete Schmelzkessel hat einen Fassungsraum von 
etwa 5000 kg Metall, während das kleinere System 
etwa 2250 kg Metall aufzunehmen vermag. Es ist 
aber auch berücksichtigt worden, den Gießlöffel mit 
zwei Handhaben für kleinere Arbeiten anzuwenden. 
Der größere Schmelzkessel kann, wenn erforderlich, 
mit drei Pumpen ausgestattet werden, wobei immer 
noch Raum für den Gebrauch eines Gießlöffels übrig¬ 
bleibt. Die beiden Pumpen sind so angeordnet, daß 
das Metall in ihnen abfließt, eine Störung durch 



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weiteres Metallzusetzen aber nicht hervorgerufen 
wird. Ein leichtes Anziehen des Hebels nach abwärts 
stößt die genaue Menge des zum Guß benötigten 
Metalls aus, wobei, da die Ausgußrohre durch den 
Verschluß der Gießform abgesperrt wird, keine 
Spritzer stattfinden. Da das Metall mehr von unten 
abfließt, so ist es frei von Unreinigkeiten, ferner ist, 
da es in einem weiten und dünnen Strom ausfließt, 
die Zusammensetzung des Metalls und die Tempe¬ 
ratur des Gusses gleichmäßig. Die konkave Hälfte 
der Gleichgewichts-Gießform ist auf vier Rollen ge¬ 
stützt, welche dergestalt auf zwei Rahmen mit Riegeln 
ruhen, daß die Form in jeder Bewegungslage be¬ 
schwert bleibt. Hierdurch wird es möglich, sie von 
der horizontalen in die vertikale Lage und umgekehrt 
zu bewegen. Die konvexe Hälfte, gewöhnlich der Deckel 
genannt, befindet sich in einer stehend vertikalen 
Lage; sie ist ausgehöhlt behufs Zirkulation von 
kaltem Wasser, welches durch feste Pipen ein- und 
austritt, ohne daß hierbei die üblichen biegsamen 
Schlauchverbindungen Anwendung gefunden haben. 
In der horizontalen Lage ist die konkave Hälfte höher 
als bei den gewöhnlichen Gießformen, so daß das 
Einlegen der Matrizen in bequemer Weise erfolgen 
kann. Die Seitenmaße (Leere, Spurweite) neigen 
zur Form und können leicht in die Lage geschwungen 
werden. Geschlossen ist sie niedriger als andre Appa¬ 
rate, so daß das Eingießen des Metalls bequemer 
ist. Das Öffnen und Schließen der Gießform erfolgt 
mittels Welldaumen, welche durch einen Handhebel 
auf jeder Seite eingeschaltet werden. Die Well¬ 
daumen sind so konstruiert, daß sie die Gießform 
mit einer Parallelbewegung öffnen, wodurch die Rip¬ 
pen der Platte leicht von den Rinnen (Nuten) befreit 
werden. Wenn die konkave Hälfte schnell von der 
horizontalen in die vertikale Lage gerollt wird, so 
schließen die Welldaumen die Gießform automatisch. 
Die Anmontierung der Gießflaschen, die in jede ge¬ 
wünschte Lage gedreht werden können, kann sowohl 
in schräger wie vertikaler Anordnung erfolgen. Dem 
Gießapparat wird ein Abschneidezylinder mit zwei 
Abschneidern beigegeben. Die Bewegung der Mecha¬ 
nismen erfolgt automatisch durch Motorantrieb. Diese 


Apparate werden sowohl für alle Zylinderdurch¬ 
messer, als auch für alle andern Konstruktionen er¬ 
zeugt. Obwohl sich der Preis dieser Anlage verhält¬ 
nismäßig billig stellt, muß doch berücksichtigtwerden, 
daß bei ihr gegenüber der Citoplate und Autoplate 
mit einer Zweiteilung der Arbeit zu rechnen ist. 

* * 

• 

Das Prinzip in der Durchführung der Mechanismen, 
sowie die übereinstimmende Arbeitsweise aller drei 
Systeme ist so ähnlich, daß von einer Einzel¬ 
beschreibung Abstand genommen werden kann. 
Welchem von den drei Systemen der Vorrang ge¬ 
bührt, wird die Zukunft und die Praxis entscheiden. 
Ganz abgesehen von den Ersparnissen, die durch die 
Konzentrierung so vieler Handarbeit in ganz auto¬ 
matisch arbeitenden Maschinen erzielt werden, liegt 
der größere Wert dieser Apparate wohl in der Mög¬ 
lichkeit, durch die schnellere Anfertigung der Platten 
den Druckbeginn bedeutend früher zu erreichen. 
Man vergegenwärtige sich zunächst einmal die große 
Zeitersparnis, welche durch Anwendung dieser Ap¬ 
parate erzielt wird, ferner die Tatsache, daß der Zeit¬ 
raum, der zwischen dem Schließen der letzten Ko¬ 
lumne und dem Druckbeginn liegt, bei der Citoplate 
nach meinen eignen Feststellungen 4 Minuten be¬ 
trägt und daß der Druck der Zeitung gleichzeitig 
mit mehreren Rotationsmaschinen begonnen werden 
kann. Aus allen diesen Einzelumständen ergibt sich, 
daß sehr viel kostbare Zeit, die zur Anfertigung der 
Platten benötigt wird, dem Druckbeginn zugute 
kommt. Man darf daher voraussetzen, daß dieser 
bedeutende Fortschritt in der Zeitungstechnik das 
Interesse aller Fachkreise wachrufen wird, zumal 
jetzt die ersten Einrichtungen dieser Art praktisch 
zur Anwendung gelangen. Daß diese genialen 
Maschinenkonstruktionen der Zeitungsherstellung in 
bezug auf Raschheit geradezu gewaltigen Vorschub 
leisten, ist klar, des weiteren sind aber auch die 
großen Vorzüge in gesundheitlicher Beziehung nicht 
zu verkennen, die eine ganz bedeutende Verbesserung 
des jetzt zumeist so ungesunden und lästigen Stereo¬ 
typieraumes herbeiführen werden. 


Der Ersatz des Unterbandes 

Von EDUARD KÜHNAST, Magdeburg. 


I N einem Handbuche für Buchdrucker, das in neue¬ 
ster Zeit erschien, ist folgende wohl zutreffende 
Stelle enthalten: „Über die Abschaffung der Ober¬ 
und Unterbänder an unseren einfachen Maschinen 
ist schonviel diskutiert und laboriert worden. Aber alle 
diesbezüglichen Patente und Neuerungen sind, so 
schnell wie sie gekommen, wieder ins Reich der Ver¬ 
gessenheit gesunken. Es fehlte allen das Einfache, 


was das Band hat, und sich schwer ersetzen läßt“. 
Gegen vorstehende Ausführungen läßt sich nach 
Lage der Verhältnisse eigentlich nichts einwenden. 
Danach bleibt es also bei den unsicheren Zylinder¬ 
bändern, die im Druckereibetriebe schon so vieler¬ 
lei Unheil angerichtet haben. 

Es mag stimmen, daß seitens einzelner Maschinen¬ 
fabriken Versuche dahingehend gemacht worden 


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sind, um den Druckzylinder bandfrei zu gestal¬ 
ten, damit ein schnelles, sicheres und ungehindertes 
Arbeiten auch an einfachen Schnellpressen ermöglicht 
wird. Dem Verfasser dieses war beschieden, eine 
derartige Vorrichtung zum Ersatz der Zylinderbänder 
kennen zu lernen, aber seine Zufriedenheit konnte 
sie leider nicht finden. Diese Einrichtung wies ver¬ 
schiedene Mängel auf, die ich in Kürze kennzeich¬ 
nen möchte. Auf einer unterhalb des Greiferkanals 
befindlichen Stange waren sechs Federn angebracht, 
die bis in die Nähe der Druckform reichten und am 
Endpunkte kleine Röllchen besaßen, die den Bogen 
am Stürzen hinderten und so auf das genaue Passen 
der Drucke einwirkten. Wenn sich in der alles be¬ 
herrschenden Praxis die Dinge so abwickelten, wie 
dies sich die Erzeuger solcher Neuerungen ungefähr 
vorstellen, so wäre damit wohl auszukommen gewe¬ 
sen. Aber schon bei der geringsten Unvorsichtigkeit 
in der Maschinenbedienung versagen solche Schöp¬ 
fungen, die Rückkehr nach dem Unterband ist dann 
die schließliche Folge hiervon. Abgesehen davon, 
daß diese Federn immer zwischen den Greifern an¬ 
gebracht werden mußten, um unliebsame Störungen 
auszuschließen, so reichten die Röllchen doch nicht 
weit genug an den Druckpunkt heran, um auch beim 
letzten Teil des Abdrucks ein genaues Register zu 
sichern. Ebenso haben die an den Druckzylindern 
sich anschmiegenden Stahlzungen ihre Probe zum 
Ersatz des Unterbandes in der täglichen Praxis, wo 
die Arbeiten und Formate dem ständigen Wechsel 
unterworfen sind, nicht bestanden, weil ihr Vorhan¬ 
densein für das wertvolle Typen- und Klischee- 
material viel zu gefährlich war. Auf die Ausführung 
des Bogens ohne Oberband komme ich noch später zu 
sprechen, im vorliegenden Falle handelte es sich um 
eine patentierte Einrichtung, die den Bogen durch 
Schnäbel und Gummiröllchen auf die Brückenwalze 
bzw. die Ringtrommel gleiten ließ, von wo er dann 
durch die Schnüre oder Bänder dem Auslegetisch 
zugeführt wurde. Hier war ein ziemlich einfacher 
Mechanismus geschaffen worden,um desOberbandes 
völlig entraten zu können, aber da diese Schnäbel, 
die sich beim Durchgänge des Bogens öffneten, nur 
in der Mitte und an den Rändern des Papiers ange¬ 
bracht werden konnten, so waren fast tägliche Stok- 
kungen beim Bogenausgang zu verzeichnen, die in 
der jeweiligen Qualität des Papiers begründet waren. 
Also auch hier ließ die Praxis eine Neuerung 
nicht aufkommen, die in ihrer ganzen Ausführung 
trotzdem als gelungen bezeichnet werden konnte. 
Auch gegen das Schleppen der Bogen bei großen 
Formaten hatte die patentierte Einrichtung zum Er¬ 
satz des Unterbandes etwas Vorsorge getroffen in 
Form einiger Federn, auf die sich der Bogen legte, 
der somit auf der Form nicht schleifen konnte. Mit 
der vorstehend erläuterten Einrichtung zum Fort¬ 


fall der Zylinderbänder konnte sich der Drucker 
bei Ausführung nicht besonders schwieriger Druck¬ 
arbeiten schon abfinden, obwohl dazu einigermaßen 
Erfahrung erforderlich war und vielleicht um so mehr 
für jene, die die überlieferten Zylinderbänder für 
unausrottbar halten. Da jedoch die Vorrichtungen für 
letztere gänzlich fehlten, also ein Band überhaupt nicht 
eingezogen werden konnte, so schwand auch die Mög¬ 
lichkeit, beispielweise eine Kartonarbeit sauber aus 
der Maschine zu bringen, wofür die Vorbedingungen 
auch bei bandlosen Maschinen gegeben sein müssen. 

Schon viele Jahre zuvor, als ich die Vorrichtungen 
zum Ersatz des Unterbandes in anderer Gestalt 
wahrnehmen konnte, habe ich mich mit der Frage 
beschäftigt, wie die Zylinderbänder entbehrlich ge¬ 
macht werden könnten, um ein rationelles Arbeiten 
bei jeder sonstwie gearteten Druckarbeit herbeizu¬ 
führen. Handelte es sich vorhin um patentierte Vor¬ 
richtungen, so wird bei den nachfolgend beschriebe¬ 
nen Sachen nicht der geringste Anspruch darauf 
erhoben, denn es sind frei erfundene Gegenstände, 
die sich der einzelne in der täglichen Praxis aus¬ 
denkt, um sich ein angenehmeres Arbeiten zu ver¬ 
schaffen gegenüber der mannigfachen Hantierungen 
mit den Zylinderbändern. Der ganze Zweck der 
letzteren, dem zum Druck gebrachten Bogen den 
erforderlichen Halt während der Druckperiode zu 
sichern, läßt sich auch durch Anwendung kleiner 
Bürsten erreichen, weil diese wie kein anderes Ma¬ 
terial die Eigenschaft besitzen, den Bogen zufolge 
ihrer Elastizität in der nötigen Spannung zu erhalten. 
Die Hauptsache ist nur die Form der Anwendung 
solcher Hilfsmittel, die ich im folgenden zum bes¬ 
seren Verständnis ein wenig erläutern muß. Auf 
Grund einer langjährigen Praxis mit verschiedenen 
Unterbandersatzapparaten, die ab und zu abgeändert 
worden sind, bin ich zu der Auffassung gelangt, daß 
der angelegte Bogen gleich zu Anfang, nachdem sich 
die Greifer kaum geschlossen haben, einem leichten 
Glattstreichen unterworfen werden muß, wozu sich 
die erwähnten kleinen Bürsten wie geschaffen erwei¬ 
sen. Diese Bürsten werden von einer unterhalb der 
Greifer befindlichen Stange aufgenommen. Ihre 
Zahl kann je nach der Breite der Maschine 4 bis 8 
betragen. Als Form der Bürste denke man sich eine 
Bandrolle mit Ansatz, welch letzterer zweireihige 
Borsten bekommt, die sich beim Gange der Maschine 
an den Zylinder drücken, um hier das Entweichen 
der Luft und Glattstreichen des Bogens zu bewirken. 
Durch das Vorhandensein einer Stellschraube ist 
ein seitliches Verrücken der Bürsten leicht zu er¬ 
reichen, ebenso können sie mehr oder weniger den 
Bogen bestreichen, um etwa zur Beseitigung auf¬ 
tretender Falten beizutragen. 

An der die Bürsten tragenden Stange läßt sich 
noch ein transportables Schutzblech anbringen, das 

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für die Sauberhaltung der Druckarbeiten unerläßlich 
ist, denn die Bauart der heutigen Schnellpressen 
läßt Druck- und Farbzylinder so dicht Zusammen¬ 
stößen, daß kaum Raum ist für die Bänder oder das 



Abbildung 1 


Schutzblech. Letzteres bevorzuge ich an dieser 
engen Stelle, da seine Anbringung gerade noch ge¬ 
lingt, selbst wenn es sich um Maschinen mit vier Auf¬ 
tragwalzen handelt. Aus 
der Abbildung 2 ist die 
Anlage dieses Gegenstan¬ 
des unschwer zu ersehen, 
dessen Entfernung, je nach 
der Art der Arbeit, mit 
wenigen Handgriffen mög¬ 
lich sein mußim Gegensatz 
zu dem festgeschraubten 
Schutz, den ich aus rein 
praktischen Gründen, auf 
die ich noch eingehe, als veraltet ansehe. Dem an¬ 
gelegten Bogen kann also schon beim Eintritt in 
das Innere der Maschine durch die Bürsten ein 
gewisser Halt gegeben werden, aber dieser würde 
bis zum Druckpunkt nicht ausreichen. Aus diesem 
Grunde erscheint es geboten, die vordere Band¬ 
spindel zu Hilfe zu nehmen, um einen direkten Ein¬ 
fluß auf das Passen der Drucke auszuüben durch 
leichtes Anstreichen des Bogens an den Zylinder 
fast bis an das Druckende durch weitere Bürsten, 
die in die Bandstange eingefügt werden. Mit dieser 
ganz einfachen Vorrichtung habe ich seit Jahren die 
besten Erfolge erzielt, soweit es sich um die Ent- 




Abbildung 3 

behrlichmachung der Unterbänder handelt. Die Ab¬ 
bildung 3 veranschaulicht diese Einrichtung, wobei 
ich darauf hinweisen möchte, daß die vermeintliche 
Verunstaltung der vorderen Bandspindel nicht etwa 


nur an einer, sondern an sämtlichen Schnellpressen 
der betreffenden Druckerei vorgenommen wurde, um 
für dauernd die Möglichkeit zu erhalten, mit den Zy¬ 
linderbändern aufräumen zu können. Diese lassen 
sich zwar nicht ganz aus der Welt schaffen, wenig¬ 
stens nicht an der einfachen Schnellpresse, aber 
die Verhältnisse liegen doch derart, daß in irgend 
einem Maschinensaal schießlich nur eine Schnell¬ 
presse in Frage kommt, die ab und zu mit Unterbän¬ 
dern arbeiten muß, um wirklich genau passende 
Drucke herzustellen, soweit es die den Bogen leicht 
an den Druckzylinder drückenden Bürsten nicht 
vermögen. Für die große Masse der vorkom¬ 
menden Arbeiten aber kann eine derartige völlige 
Genauigkeit gar nicht in Frage kommen, denn es ge¬ 
nügt wohl, wenn der Bogen einen erforderlichen Halt 
findet, damit er nicht über die Form geschleift wird. 

Die von mir verfertigte Bürsteneinrichtung zum 
Ersatz des Unterbandes hat noch einige weitere 
Dinge zur Voraussetzung, die ich in der Abbildung 4 
zusammenfasse. 

Um das Schleppen großer Formate, mit welchen die 
Gesamtdruckfläche ausgenutzt wird, zu verhindern, 
werden in die hintere Bandstange verschiebbare 
Federn eingefügt, auf die sich der Rand des Bogens 
legt, wodurch ein Verschmieren durch die Druckform 
ausgeschlossen ist. Mittels mehrerer Löcher sind die 
Federn beliebig verstellbar; etwaige Fehler im An¬ 
legen der Bogen, wenn solche keinen glatten Durch¬ 
gang finden, können kein Unheil anrichten, weil 



sich die Federn bei irgendwelchen Stockungen von 
selbst zurückschieben und zwar bis zu dem am vor¬ 
deren Teile sichtbaren Ansatz, mit dem der für alle 
möglichen Fälle nötige Raum gesichert ist. Derartige 
Andeutungen können eigentlich nur bei denjenigen 
die richtige Beurteilung finden, welche sich mit 
diesen Mechanismen seit Jahren befassen und da¬ 
durch deren Wert zu schätzen vermögen. 

Die auf der Abbildung 4 weiter oben sichtbare, 
mit einem Gummiring versehene Rolle dient zum 
Transport der Bogen, zu welchem Zwecke sie an 
den Zylinder gedrückt wird. Macht sich das Einzie¬ 
hen des Unterbandes notwendig, so entfernt man den 
Gummiring und rückt die Rolle ein wenig vom Zy¬ 
linder ab, worauf sie für die Bandleitung gebrauchs¬ 
fertig ist. Da von Zeit zu Zeit durchgehende Sätze 
zu drucken sind, so werden zwei Rollen benutzt, die 


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auf die Ränder des Bogens wirken. Selbst wenn 
auf jeder Seite nur ein Cicero Raum verbleibt, so 
wird der Bogen, auch das kleinste Format, unter 
Anwendung der Rollen mit bestimmter Sicherheit 
auf die Brücke geleitet. Voraussetzung ist aller¬ 
dings, daß die mit Gummiring versehenen Rollen 
möglichst nahe an die Bogenschneidewalze gebracht 
werden. In der Praxis hat sich auch ergeben, daß 
für die Rollen ein Durchmesser von 6 cm wün¬ 
schenswert erscheint, damit eine bessere vom Druck¬ 
zylinder bewirkte Rotation erreicht wird. Um in der 
skizzierten Weise arbeiten zu können wird es mehr¬ 
fach notwendig sein, die Stange mit den Rollen etwas 
zu versetzen, um in die richtige Nähe des Druckzy¬ 
linders zu gelangen. 

Die aufder Brückenwalze liegende Bandleitung stellt 
jene Vorrichtung zum Druck ohne Oberband dar, die 
bereits vor mehr als vier Jahrzehnten seitens einer 
rheinischen Maschinenfabrik erfunden worden ist und 
heute noch in genau derselben Gestalt wie damals 
hergestellt wird, was jedenfalls für die Güte dieser 
Erfindung spricht. Damit soll freilich nicht gesagt 
sein, daß die Einrichtung zum Drucken ohne Ober¬ 
band überall zur Anwendung gelangt, vielmehr läßt 
sich vermuten, daß die dazu gehörigen Gegenstände 
nicht selten achtlos beiseite gelegt werden, um 
schließlich in Vergessenheit zu geraten. Das mag ein 
wenig paradox klingen, aber Tatsachen sprechen eben 
als Beweise. Erst jüngst wollte es der Zufall, 
daß ein solch nützlicher Gegenstand unter altem 
auf dem Papierboden liegenden Gerümpel aufge¬ 
spürt und seiner Bestimmung zugeführt wurde. Genau 
elf lange Jahre hatte er dort geschlummert, weil man 
von seinem Vorhandensein keine blasse Ahnung 
hatte. Es kann auch möglich sein, daß auf seine Mit¬ 
lieferung bei Aufstellung der Presse kein besonderer 
Wert gelegt worden war, obwohl schon seit Jahren 
sämtliche Pressen dieser Druckerei ständig ohne 
Zylinderbänder drucken und sehr gut arbeiten, ab¬ 
gesehen von den wenigen Arbeiten, die vorüberge¬ 
hend Bänder erheischen. 

Wenn ich im Fortfall der Zylinderbänder das Mittel 
zur Erzielung eines schnelleren, bequemeren und 
sicheren Arbeitens erblicke und deren Ersatz durch 
die Bürsteneinrichtungen bewirke, so werden sich 
doch bei Betrachtung der angeführten und abge¬ 
bildeten Gegenstände mancherlei Bedenken ein¬ 
schleichen, die ich nach Möglichkeit zerstreuen 
möchte. Es ist hier nicht die Rede von der aus 
früherer Zeit bekannten durchgehenden Bürste, die 
ihrer ganzen Anlage nach bei unsatinierten Papieren 
zuviel Staub entwickeln mußte. Ich habe mich in 
früheren Jahren auch mit durchgehenden, also der 
Breite des Druckzylinders entsprechenden Bürsten 
befaßt, die ich zwischen Bandrolle und Druckpunkt 
anbrachte und mit denen ich ohne Unterband selbst 


bei bunten Arbeiten auszukommen vermochte, aber 
das ab und zu sich nötig machende Einziehen eines 
Unterbandes bot bei dieser Anlage so viel Schwierig¬ 
keiten, daß ich doch davon abkommen und mich mit 
3 cm breiten Bürsten begnügen mußte, mit denen 
näher an den Druckpunkt heranzukommen war. 

Wenn nun von Vorrichtungen die Rede ist, die in 
die Bandstangen eingefügt werden sollen, so ver¬ 
steht sich eigentlich ganz von selbst, daß die letzteren 
stillgesetzt werden müssen, um den erwähnten Bür¬ 
sten und Federn die nötige Sicherheit gegen etwaige 
Veränderung zu gewähren. Das Stillsetzen dieser 
Gegenstände geschieht durch seitliches Festschrau¬ 
ben der Stange mittels der Spitzschrauben, die ja 
nicht übermäßig fest angezogen zu werden brauchen. 
Man läßt bei dieser Handhabung lediglich das Ge¬ 
fühl maßgebend sein, um die Überzeugung zu erlan¬ 
gen, daß Bürsten und Federn samt den Bandspindeln 
genau so sicher und fest ruhen, wie jeder andere 
Maschinenteil. Wenn Bürsten und Federn eine Cicero 
über Schrifthöhe eingestellt wurden und die Maschine 
sich trotz Vorhandenseins dieserNeuerungen bequem 
zurückdrehen läßt, wie das beim Aufzuge der „Straf¬ 
fen“ öfter notwendig ist, dann wird sich ganz zweifel¬ 
los ein anstandsloses Drucken der gangbarsten Ar¬ 
beiten ergeben. Obwohl der Bogen nur leicht an 
den Bürsten vorbeistreicht und dessen Halt nicht 
mehr durch das Unterband ausgeübt wird, so ist doch 
der genauen Regulierung der Greifer mehr Aufmerk¬ 
samkeit als bisher zu schenken. Über das durch die 
Wirksamkeit der vier bis acht kleinen Bürsten her¬ 
vorgerufene winzige Stäuben des Papiers will ich 
mich nicht weiter auslassen, da fast ausnahmslos sa¬ 
tinierte Stoffe in Gebrauch sind und die Praxis hin¬ 
reichend lehrt, daß jedes Papier etwas Staub absetzt, 
ob mit oder ohne Bürsten gearbeitet wird. Von durch¬ 
gehenden Bürsten kann hier keine Rede sein, denn 
diese sind dem neueren Zeitgeiste gewichen. Ganz mit 
Recht könnte wohl der Einwand erhoben werden, daß 
mehrfach durch die Maschine gehende frische Drucke 
dem Verschmieren ausgesetzt sein müssen, wenn sie 
mit der Bürste in Berührung kommen. Aber auch 
hier sind die Befürchtungen mit den Tatsachen 
schwer in Einklang zu bringen, da doch nur eine 
weiche Bürste in Frage kommen kann, die selbst bei 
ganz frischen Drucken kaum sichtbare Spuren hin¬ 
terlassen wird. Über auftretende Schwierigkeiten 
beim Druck muß man eben hinwegzukommen ver¬ 
suchen, sei es durch schnelltrocknende Farben, sei 
es durch vorübergehende Wegnahme der Bürsten, 
was ungefähr dieselbe Zeit beansprucht wie das Ein¬ 
ziehen eines Bandes. Wo Einrichtungen geschaffen 
sind, um das Unterband zu entbehren, da rechnet 
man nur selten mit den angeführten Möglichkeiten, 
aber selbst wenn diese auftreten sollten, dann ist 
die Entfernung der Stangen dadurch zu umgehen, 

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daß die Bürsten auch seitlich verstellbar angeordnet 
sind, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, einzelne 
Bürsten von satten Druckflächen wegzurücken, um 
deren Verschmieren zu verhindern, sofern es sich 
um ganz frischen Druck handelt. Seitlich verstell¬ 
bare Bürsten und Federn sind nur an einer Maschine 
der betreffenden Druckerei angebracht, um bei so¬ 
genannten besseren Arbeiten nicht in Verlegenheit 
zu kommen, wenn es sich um deren peinlich saubere 
Ausführung handelt. Auch hier ist die Möglich¬ 
keit geschaffen, mit Unterbändern zu arbeiten, ohne 
daß es notwendig wird, die Vorrichtungen zu deren 
Ersatz zeitweilig zu entfernen. Wenn der Maschinen¬ 
meister vor die Aufgabe gestellt wird, eine das 
genaueste Passen erfordernde Kartonarbeit auf der 
Schnellpresse auszuführen, weil die Tiegelpresse 
zur Deckung großer Flächen nicht hinreicht oder 
diese sich als zu klein erweist, dann würden die 
Bürsten das erforderliche Register nicht zu gewähr¬ 
leisten vermögen. In einem solchen Falle kann nur 
im Einziehen eines oder mehrerer Bänder ein Aus¬ 
weg gefunden werden, da bei deren Fehlen der Rand 
des Kartons verschmiert werden würde. In solchen 


Ausnahmefällen schreitet man zur Entfernung des 
Schutzbleches und nimmt die auf Abbildung 1 sicht¬ 
baren Bandrollen in Gebrauch, die sich auf der 
Stange drehen und demzufolge die Entfernung der 
Bürsten überflüssig machen. Aus dem Gesagten er¬ 
gibt sich daher, daß die Einrichtung zum Fortfall des 
Unterbandes selbst bei Ingebrauchnahme eines sol¬ 
chen gänzlich unberührt bleibt, weil sich die Band¬ 
rollen beliebig verstellen lassen und sich auf der 
Stange viel leichter drehen, als wenn das Unterband 
diese beim jedesmaligen Anlauf in Bewegung zu set¬ 
zen hat. Die sonst üblichen Bänder von 4 bis 5 mm 
Breite genügen mir zu Kartonarbeiten nicht, deshalb 
sind an deren Stelle Rotationsbänder getreten, die 
etwa vierfachem Karton einen festen Halt während 
der Druckperiode sichern. Infolge dieser Abände¬ 
rung sind natürlich auch breite, in der Abbildung er¬ 
sichtliche Bandrollen in Gebrauch. 

In die vorstehend ziemlich ausführlich beschriebe¬ 
nen Vorrichtungen zum Ersatz des Unterbandes muß 
man sich erst hineindenken, ehe deren Wert heraus¬ 
gefunden wird. Nur in den ganz seltenen Fällen, auf die 
ich ja hinwies, kommen noch Unterbänder in Betracht. 


Die Buchgewewerbliche Abteilung 
auf der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung Dresden 1906. 


U NSERN Lesern ist bekannt, daß der Deutsche 
Buchgewerbeverein auf der III. Deutschen 
Kunstgewerbe-Ausstellung Dresden 1906 
auf Ansuchen des Direktoriums und des Regierungs¬ 
kommissars die Veranstaltung und Durchführung 
einer Buchgewerblichen Sammelausstellung über¬ 
nommen hat, die in der Kunstindustriehalle I in 
einem in sich abgeschlossenen Raum von 600 qm 
Bodenfläche untergebracht ist. Wir haben über diese 
buchgewerbliche Gruppe, an der 68 Firmen beteiligt 
sind, bis jetzt noch nichts veröffentlicht, weil der 
Buchgewerbeverein selbst die Durchführung und An¬ 
ordnung dieser buchgewerblichen Ausstellung be¬ 
sorgte. Nun bringt das im Verlag von E. A. Seemann 
in Leipzig erscheinende Kunstgewerbeblatt , eine in 
Kunstkreisen besonders beachtete und geschätzte 
Kunstzeitschrift, in Heft 11, Jahrgang 1906 über die 
III. Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 
einen von Herrn Professor Dr. Paul Schumann in 
Dresden verfaßten längeren Aufsatz, dem wir mit 
freundlicher Genehmigung des Verfassers und des 
Verlegers folgenden Abschnitt entnehmen. 

Die Schriftleitung. 
Das deutsche Buchgeiverbe. 

Das Beste in der Abteilung Kunstindustrie hat 
ganz entschieden das deutsche Buchgewerbe geleistet. 
Für diese Unterabteilung hat der Deutsche Buch¬ 


gewerbeverein einen von Direktor Woemlein be¬ 
arbeiteten Sonderkatalog herausgegeben, der nur 
60 Pfennig kostet und dabei als ein Musterstück 
buchgewerblicher Ausstattung bezeichnet werden 
muß, so daß man ihn mit Vergnügen in die Hand 
nimmt. Das ist um so erfreulicher, als man das 
gleiche von dem Amtlichen Ausstellungskatalog 
(Verlag von Wilhelm Baensch) gewiß nicht sagen 
kann. Die Ausstellung selbst aber liefert den Beweis, 
daß das deutsche Buchgewerbe sich in den letzten 
Jahren zu einer Höhe der Leistungsfähigkeit empor¬ 
geschwungen hat, die voller Anerkennung wert ist 
und uns zu frohem Stolz auf seine künstlerischen 
Bestrebungen und Erfolge berechtigt. Das ist denn 
auch vom Preisgericht gebührend anerkannt worden, 
denn von den 18 höchsten Auszeichnungen, den 
Ehrenurkunden, entfielen 10 auf Künstler, 8 auf die 
Industrie, darunter aber die Hälfte auf das Buch¬ 
gewerbe: der Reichsdruckerei in Berlin, den Ge - 
briidern Klingspor in Offenbach a.M. (Schriftgießerei, 
chemigraphische und galvanoplastische Anstalt), dem 
Inselverlag in Leipzig und dem Verlag Eugen Diederichs 
in Jena wird damit ausdrücklich das hohe Verdienst 
bezeugt, daß sie durch ihre Erzeugnisse die künst¬ 
lerische Kultur in Deutschland gefördert haben. Es 
ist in der Tat ein hoher künstlerischer Genuß, die vor¬ 
nehmen reichgeschmückten Druckwerke der Reichs- 


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druckerei wie die Nibelungen von Joseph Sattler zu 
sehen, und die Nachbildungen farbiger Schabkunst¬ 
blätter sowie der Rembrandtschen Radierungen sind 
unübertrefflich. Nicht minder köstlich und bewun¬ 
derungswürdig sind die zahlreichen künstlerischen 
Schriften, Druckproben, Proben von Buchschmuck 
und Bildern von Gebrüder Klingspor. Was Eugen 
Diederichs und der Inselverlag für Buchschmuck 
und guten Druck geleistet haben, ist ja weithin 
bekannt. 

Weiter erhielten sieben Aussteller des Buchge¬ 
werbes die Staatsmedaille für die außerordentlichen 
Verdienste, die sie sich durch Förderung der Wissen¬ 
schaft und durch die Ausbreitung guten Geschmacks 
erworben haben: Breitkopf & Härtel in Leipzig für 
Buchdruck und Musikalien, die Kunstanstalt Wilhelm 
Hoffmann in Dresden für Künstlerplakate und getreue 
Nachbildung von Künstlerzeichnungen (z.B.vonMax 
Klinger, Leibi und Thoma), Sinsel & Co. in Leipzig- 
Ötzsch für ihre Heliogravüre und kombinierte Druck¬ 
verfahren, Verlagsanstalt F. Bruckmann in Mün¬ 
chen für ihre Gravüren, B. G.Teubner und R. Voigt¬ 
länder, beide in Leipzig, für ihre bekannten farbigen 
Steinzeichnungen und endlich die Pastoralkonferenz 
zu Straßburg gemeinsam mit Otto Hupp zu Schlei߬ 
heim, Heinrich Wallau, Professor Joh. Ficker-Straß- 
burg, Philipp von Zabern in Mainz, Karl Spindeierzu 
St. Leonhard für ihre erfolgreichen Bemühungen, 
Druck und Einband des evangelischen Gesangbuchs 
für Elsaß-Lothringen künstlerisch zu gestalten. 

Unter den Künstlern, deren Wirksamkeit das Buch¬ 
gewerbe in neue Bahnen guten Geschmacks geleitet 
hat, sind zu nennen Fritz Hellmut Ehmcke, Düssel¬ 
dorf und Walter Tiemann, Leipzig. Die Leistungen 
Tiemanns, als Bücher, Illustrationen, Titel, Anzeigen, 
Exlibris, Buchschmuck bilden einen Teil der Abtei¬ 
lung Leipziger Buchgewerbekünstler, die in einem 
besonderen Raume von Max Hans Kühne in vor¬ 
nehmer Weise ausgestellt haben. Die Leitung hatte 
Professor Dr. Seliger, der Direktor der Akademie für 
Graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig, 
der selbst als Lehrer und Künstler sich hohe Ver¬ 
dienste um das Buchgewerbe erworben hat. Auch 
Georg Belwe, Professor Franz Hein, Georg Schiller 
und Wilhelm Kleukens sind in dieser Richtung her¬ 
vorzuheben. Vorzügliche Bucheinbände haben so¬ 
dann ausgestellt Paul Kersten in Berlin, der auch als 
Leiter der Buchbinderfachschule zu Berlin ausge¬ 
zeichnete Leistungen aufzuweisen hat, J. A.Louber in 
Elberfeld (Batikeinbände), Hans Dannhorn in Leipzig, 
Franz Weiße in Elberfeld, W.Collin in Berlin, Karl 
Schultze in Düsseldorf und andre. Von Firmen, die 
sich durch Herstellung und Auswahl guter Einbände 
auszeichnen, sind zu nennen: Hübel & Denck in 
Leipzig sowie K. F. Köhlers Barsortiment in Leipzig. 
Weitere Einzelleistungen hier aufzuführen verbietet 


der Raum. Reich vertreten ist aber weiter der Drei¬ 
farbendruck, besonders durch Dr. E. Albert & Co. in 
München, Förster & Borries in Zwickau, Römmler 
& Jonas in Dresden. Die Mehrzahl der Preisrichter 
war allerdings der Meinung, daß der Dreifarbendruck 
auf seiner jetzigen Entwicklungsstufe noch nicht völlig 
zur Wiedergabe von Gemälden geeignet sei, weil die 
Farben- und Tonwerte durch ihn verschoben und ver¬ 
wirrt würden. Mit Recht hat aber Dr. Willrich, der 
Direktor des Buchgewerbemuseums zu Leipzig, sein 
besonderes Urteil also abgegeben: „Der Dreifarben¬ 
druck ist für sonstige wissenschaftliche Zwecke, auch 
für kunstwissenschaftliche, von großer Bedeutung. 
Selbstverständlich darf man von einem Reproduk¬ 
tionsverfahren nicht unmittelbaren ästhetischen Ge¬ 
nuß verlangen; jede Reproduktion ist eigentlich nur 
eine abgekürzte Beschreibung. Der Kunstwissen¬ 
schaft, die immer mehr von äußerlicher Beschrei¬ 
bung zur Erörterung der eigentlichen künstlerischen 
Probleme übergeht, hat der Dreifarbendruck durch 
die Reproduktion von Gemälden sehr hoch anzu¬ 
schlagende Dienste geleistet. In der Tat verfolgen 
namhafte Kunstgelehrte diese Veröffentlichungen mit 
regem Interesse.“ Keinerlei Bedenken liegen natür¬ 
lich vor gegen die Dreifarbendruckwiedergabe von 
farbigen Gegenständen der Natur und der Technik, 
da hier die Farben- und Tonwerte nicht dieselbe 
wesentliche Rolle spielen. In diesem Sinne erhielten 
die drei genannten Firmen die goldene Medaille; 
dieselbe Auszeichnung erhielt die Firma Meißner 
& Buch, Leipzig für ihr besonderes durchaus ein¬ 
wandfreies Verfahren farbiger Reproduktion von Ge¬ 
mälden. Weiter sind hervorzuheben die vorzüglichen 
Heliogravüren und Kupferdrucke von Meisenbach 
Riffarth & Co., Berlin, sowie die farbige Wiedergabe 
von Naturaufnahmen von Nenke & Ostermaier, 
Dresden. Welch große Fortschritte die künstlerische 
Photographie gemacht hat, bezeugen vor allem die 
Bildnisaufnahmen von Hugo Erfurt, Dresden, Nicola 
Perscheid, Leipzig, Ernst Müller, Dresden (auch 
Naturaufnahmen), R. Dührkoop, Hamburg und Hils- 
dorf in Bingen. Ein besonderes Verdienst hat sich 
Fräulein Anna Simons, Düsseldorf erworben durch 
ihre erfolgreichen Bestrebungen, die Kunst der Hand¬ 
schrift wieder zu beleben, ist diese doch die not¬ 
wendige Grundlage für jede gesunde künstlerische 
Entwicklung der Druckschrift. 

Endlich nennen wir noch als diejenigen Firmen, 
die in hervorragender Weise die verschiedenen Re¬ 
produktionsverfahren ausgebildet und angewendet 
haben, oder sich in ihrem Verlag in besonderem 
Maße von künstlerischen Absichten leiten lassen und 
demgemäß vom Preisgericht ausgezeichnet worden 
sind: E. A. Seemann in Leipzig (für ihre gesamte Ver¬ 
lagstätigkeit), Genzsch & Heyse in Hamburg (Druck¬ 
schriften), Theodor Beyer in Dresden (Plakate), 


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Georg Büxenstein in Berlin (technische Ausführung 
von Heliogravüren), Elsässische Druckerei und Ver¬ 
lagsanstalt in Straßburg (gute wissenschaftliche Re¬ 
produktionen), Hollerbaum & Schmidt in Berlin 
(Plakate), Verlag von J. Zeitler in Leipzig (Verlags¬ 
werke). 

ln so umfassender und ehrenvoller Weise wie das 
deutsche Buchgewerbe ist keine zweite deutsche 


Kunstindustrie in der Dresdener Kunstgewerbe- 
Ausstellung vertreten. Fügen wir noch hinzu, daß 
das Verdienst dieser ehrenvollen Ausstellung zum 
großen Teile dem Deutschen Buchgewerbeverein ge¬ 
bührt. Denn ohne dessen zielbewußte Mitwirkung 
wäre eine gleich vollständige Vertretung des Besten, 
was das deutsche Buchgewerbe leistet, schwerlich 
zustande gekommen. 


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Der schräge Falzkegel der Schreibschriften. 


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I N Heft 7, Jahrgang 1906 des Archiv für Buch¬ 
gewerbe sagt auf Seite 266 der Verfasser des 
Aufsatzes: Der Werdegang von Gutenbergs 
Erfindung: „Vor einigen Jahr¬ 
zehnten waren Schreibschrif¬ 
ten auf schiefem und ein¬ 
gebuchtetem Kegel in Ge¬ 
brauch, die aber bald als 
schwer zu gießen und un¬ 
praktisch zu verwenden ver¬ 
schwanden.“ Abbildung 1. Reform! 

Der Herr Verfasser zeigt 
sich hier schlecht unterrichtet. Ganz abgesehen 
davon, daß nicht erst vor einigen Jahrzehnten 
Schreibschriften auf schiefem und 
eingebuchteten Kegel in Gebrauch 
waren, sondern schon vor hundert / 

Jahren (Firmin Didot, 1764 bis 1836, 

der Erfinder des Falzkegels, hat ihn / 

1806 bei seinen Schreibschriften / 
zur Anwendung gebracht; im Hand- / 
buch der Buchdruckerkunst von 1827 / 
findet sich eine ausführliche An- / 
leitung zum Satz solcher Schriften), 
stimmt es durchaus nicht, daß sie ^ 
als unpraktisch zu verwenden ver¬ 
schwanden. Seit etwa 20 Jahren 
gießt die Schriftgießerei Genzsch Abbildunß2 - Bucbs “ b < 
& Heyse in Hamburg ihre Barokko-Schreibschriften 
und seit etwa 10 Jahren ihre Venetianische Schreib¬ 
schrift auf einen schrägen Falzkegel, /-— 

der vor etwa 3 Jahren mit der Ein- / 

führung der Schreibschrift Litho- / a 

graph noch verbessert worden ist / / 

und seitdem als gesetzlich ge- / M 

schützter Reformfalzkegel für den 
Guß aller schräg liegenden Schreib- 
Schriften angewendet wird. 

Dieser Falzkegel bedarf freilich 
besonders gebauter Gießinstru- xOsSi 

mente, der Guß ist wie derjenige 
aller Schreibschriften schwieriger Abbildung 3 . Buchstabe: 


Abbildung 1. Reformfalzkegel im Grundriß 


Abbildung 2. Buchstabe auf Rcformfalzkegel, vorn 


Abbildung3. Buchstabe auf Reformfalzkegel, hinten 


als der Guß rechteckiger Typen, er hat sich indessen 
ganz vortrefflich bewährt, dies beweist schon die 
starke Verbreitung der obengenannten Schriften. 

Der schräge Falzkegel bietet 
den praktisch bedeutsamen 
Vorzug, daß das Bild der Buch¬ 
staben auf vollem festen Fuße 
ruht, also nicht überhängt. 
Die zum Teil weit ausladenden 
Züge vieler Buchstaben kön- 
kegei 1 m Grundriß nen deshalb auch nicht ab¬ 

brechen, wie es bei Schreib¬ 
schriften, die auf geraden Kegel gegossen sind, zum 
Ärger und zum Schaden der Buchdrucker sehr häufig 
geschieht, und der Satz ist durchaus 
^ nicht schwieriger. 

. Wie aus Abbildung 1 zu ersehen 

ist, haben die schrägen Seiten¬ 
flächen der Typen eine kleine Stufe, 
die über die Mitte der Anschlu߬ 
stellen trifft; sie durchschneidet 
diese in einem weniger spitzen 
Winkel, wodurch die Anschlüsse 
der Buchstaben verbessert werden. 
^00^ Um das den älteren Falzkegelschrif¬ 

ten eigentümliche unangenehme 
Übereinandergleiten der Buchstaben 
f Rcformfalzkegel, vom j m Winkelhaken und in der fertigen 

Kolumne zu verhüten, sind nun die Buchstaben, wie 
aus den Abbildungen 2 und 3 zu ersehen ist, an der 
vorderen oberen Ecke vom Fuß bis 
r\ etwa zwei Drittel der Höhe ab- 

geschrägt; an der entgegenstehen- 
den oberen hinteren Ecke haben die 
Buchstaben einen dreieckigen Vor- 
/sprung, der genau in den schrägen 
r Ausschnitt des nächsten Buch- 

W stabens paßt. Auf diese Weise stützt 

y sich ein Buchstabe auf den andern 

/ und die ganze Zeile steht so fest zu- 

sammen, daß sie wie ein Stück auf 
Reformfaizkegei, hinten gehoben werden kann. S. W-n. 





= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = 

Buchgewerbliche Rundschau. 


Buchdruck 

Skizzier- und Zeichenkurse in den Typographischen 
Vereinigungen. Der Wert des Skizzierens für den Akzi¬ 
denzsetzer ist selbst von ersten Fachleuten unseres Ge¬ 
werbes zum öfteren betont worden. Es würde sich daher 
erübrigen, immer wieder auf dessen Nutzen hinzuweisen, 
wenn nicht von verschiedenen Seiten von Zeit zu Zeit ver¬ 
sucht würde, den Wert des fachlichen Skizzierens als ein 
Nichts, als eine unnütze und zwecklose Zeitvergeudung 
hinzustellen. Wenn gesagt wird, daß im praktischen Be¬ 
rufe heute auch in den seltensten Fällen eine wirklich 
genaue Skizze angefertigt werde, da hierzu keine Zeit 
vorhanden sei, der Satz auch oft schneller gehe als eine 
genaue, mit der späteren Ausführung übereinstimmende 
Skizze, so mag dies in gewissem Sinne nicht ganz unrichtig 
sein, aber auch nur insofern, als ein wirklich tüchtiger Ak¬ 
zidenzsetzer sich zu Arbeiten, die schneller im Satz als in 
der Skizze hergestellt sind , überhaupt keine Skizze machen 
wird. Dies war aber schon vor zehn und noch mehr 
Jahren der Fall. Und warum? Weil in einem solchen Falle 
eine Skizze ein großer Unsinn wäre, der den Setzer der 
Lächerlichkeit — bekanntlich die empfindlichste Strafe 
— preisgeben würde. Für mehrfarbige komplizierte Ar¬ 
beiten aber ist die Anfertigung einer möglichst genauen 
Skizze nach wie vor eine Bedingung, die sich, schon des 
Bestellers wegen, nicht umgehen läßt. Es ist daher unbe¬ 
dingt nötig, daß der Akzidenzsetzer auch fernerhin sein 
zeichnerisches Können in Zeichenkursen und Privatarbeit 
soviel wie möglich vervollkommnet. Bei einem planlosen 
Drauflosarbeiten würden noch größere Ungeheuerlich¬ 
keiten zutage treten, als solche heute schon, trotz Fortbil- 
dungs- und Fachschulen, zu verzeichnen sind. 

Der richtige Skizzierkursus hat oder soll vor allem den 
Zweck haben, die Teilnehmer mit der Anwendung des auf 
den Markt gebrachten , also vorhandenen Materials einer¬ 
seits vertraut zu machen , anderseits aber durch Kenntnis 
der verschiedenen Stile , sowie durch eine beschränkte zeich¬ 
nerische Tätigkeit zu einer allgemeinen Geschmacksbildung 
zu erziehen , die das berufliche Schaffen erleichtert und Ver¬ 
ständnis für die Kunst im Buchgewerbe vermittelt. Der Ler¬ 
nende soll nicht, wie es leider heute noch zum größten 
Teile in den Kursen der verschiedenen Vereinigungen ge¬ 
schieht, Schrift, Ornamente, Vignetten und Blumen nach¬ 
zeichnen, sondern nur, das sei ausdrücklich hervorgehoben, 
nach künstlerischen Gesichtspunkten die wirklich prak¬ 
tische, technisch richtige Anwendung von vorhandenen Or¬ 
namenten, allein und in Verbindung mit Vignetten, und 
Schrift üben. Was nutzt dem Akzidenzsetzer im praktischen 
Leben das „Genau nachzeichnen können“ von Schriften 
usw., wie es heute auch in den Fortbildungsschulen gelehrt 
wird, wenn er nicht fähig ist, die vorhandenen und gerade 
zu der betreffenden Arbeit geeigneten Ornamente und 
Schriften zu einem einheitlich schönen Ganzen zu gestal¬ 
ten? Ich glaube gar nichts! Oft wird ja freilich behauptet, 
daß der Akzidenzsetzer, wenn er einmal eine recht schwie¬ 
rige Vignette oder etwas anderes sauber, oder schärfer aus- 
gedrückt peinlich sauber, nachzeichnen oder gar eine 
Blume stilisieren könne, auch fähig sei, eine tadellose Ar¬ 
beit mit gegebenem Schriftgießereimaterial herzustellen. 


Dem ist jedoch nicht so. Die Hauptbedingung zur letzteren 
ist die völlige Beherrschung des von den Schriftgießereien 
auf den Markt gebrachten Materials in Form und Stil. Nur 
derjenige Setzer, der auch hier auf der Höhe ist, dürfte 
seine Aufgabe richtig erfaßt haben und unter seinesgleichen 
eine bevorzugte Stellung einnehmen. Hierzu ist aber nötig, 
die freie Zeit zuhilfe zu nehmen, um auf dem in der Lehre 
und dem in den Skizzenkursen gelegten Grunde weiter zu 
bauen und zu schaffen. Viele denken natürlich nicht daran, 
sondern halten sich, sobald sie solch einen Unterrichts¬ 
kursus oder gar Technikum oder Akademie besucht haben, 
für hervorragende Akzidenzkünstler, die erhaben über den 
andern stehen und eine Weiterbildung durchaus nicht 
mehr nötig haben. Und doch ist Praxis und unermüdliche 
Arbeit die Hauptsache, um das gesteckte Ziel: ein tüchtiger 
Akzidenzsetzer zu werden, zu erreichen. Es ist bekanntlich 
oft leichter — und auch angenehmer —, eine Arbeit nach 
freiem Ermessen zu entwerfen, als nach vorhandenem und 
gegebenem Material. 

Wie in der Schule, so wird es auch in jedem Zeichen¬ 
kursus verschieden veranlagte Teilnehmer geben. Das liegt 
in der Natur der Sache. Der Unterrichtsleiter muß daher 
jeden einzelnen prüfen und nach der Individualität der 
Schüler den Lehrgang einrichten. Zur eigentlichen Übung 
wird am besten Pauspapier benutzt, auf dem mit feinen 
Bleistiftstrichen Format und Einteilung angerissen wird. 
Das Pauspapier wird auf die Ornamente gelegt und Stück 
für Stück nachgezeichnet, bis das Ganze fertig ist. Eine 
solche auf weißes Papier gelegte Pause läßt die Zeichnung 
in Form und Ausführung klar erkennen und ein Urteil zu, 
ob sie zum Übertrag auf das Zeichenpapier gut oder ob 
eine Änderung notwendig ist. Wenn der Unterricht in dieser 
Art gehandhabt wird, dann wird sich nicht nur ein erfreu¬ 
liches Fortschreiten zeigen, sondern Lehrer und Schüler 
werden auch mit Lust und Liebe bei der Sache sein, was 
jetzt, wie aus dem allerorts wahrzunehmenden Nachlassen 
des Besuches zu ersehen ist, nicht immer der Fall ist. Aber 
noch eins, und zwar der Hauptzweck, wird auf diese Weise 
erreicht. Die Schüler werden sich das Material der ver¬ 
schiedenen Gießereien ins Gedächtnis prägen, daher im 
Ernstfälle nicht erst lange probieren und studieren müssen. 
Im zweiten Kursus erst gehe man dazu über, Farben in die 
jetzt besser und besser werdenden Entwürfe zu legen. Aber 
auch hier muß Maß und Ziel gehalten werden, vor allem 
dürfen nicht Farben gebracht werden, die im Buchdruck 
auch nicht annähernd wiedergegeben werden können. In 
der ersten Zeit benutzte man als Vorlagen Proben der ver¬ 
schiedenen Gießereien oder unter Leitung von Künstlern 
entstandene Druckarbeiten, um dem Auge die nötige Übung 
zu geben. Wenn sich nun unter den Teilnehmern einige 
finden sollten, die ein ausgesprochenes Zeichentalent, ferner 
die nötige Ruhe und Lust besitzen, dann sei dem Lehrer 
freigestellt, mit diesen Schülern das Zeichnen nach der 
Natur, das Stilisieren von Blumen oder aber auch das 
selbständige Entwerfen von Ornamenten zu üben — immer 
jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze, denn der Buch¬ 
drucker soll eben nur Buchdrucker sein, das Zeichnen 
und Entwerfen aber dem in langjährigem nicht allzu leich¬ 
tem Studium herangereiften Künstler überlassen. Man 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


gedenke stets der Worte: Viele sind berufen, aber nur 
wenige auserwählt. E. S. 

Fortbildungswesen. 

Buchgewerblicher Unterricht. An der Buchhändler- 
Lehranstalt zu Leipzig begann mit dem Winterhalbjahre ein 
Unterricht für Buchgewerbekunde. Dieser wird folgende 
Gegenstände behandeln: A. Die Geschichte des Buches. Das 
Buch vom Altertum bis zur Neuzeit. — B. Die Materialien 
zur Herstellung des Buches: 1. Die Bereitung des Papiers 
und der Pappe. 2. Die Papiersorten und die Papierprüfung. 

3. Die Herstellung der Schrifttypen. 4. Die Schrifthöhe, der 
Schriftkegel und das typographische Rechnen. 5. Die Druck¬ 
farbenfabrikation. — C. Die Technik des Satzes und des 
Druckes. 1. Werk-, Akzidenz-, Musiknoten-, Anzeigensatz. 
2.DieSatzbeschleunigung(Setzmaschinen,Logotypen).3.Die 
Kennzeichen der verschiedenen Druckarten: das Zurichten 
von Satz und Illustrationen; die Herstellung der Ausschnitte. 

4. Die Schnellpresse, die Tiegeldruckpresse, die Rotations¬ 
maschine. 5. Die Stereotypie und Galvanoplastik. — D.Die 
Illustration des Buches. 1. Hochdruck: a) Der Holzschnitt, 
b) Erläuterung der Photographie; die Zinkographie, c) Die 
ein- und mehrfarbige Autotypie; die Chromotypie; die 
Spitzertypie. 2. Der Flachdruck: a) Lithographie und Chro¬ 
molithographie. b) Die Algraphie (Aluminiumdruck)und der 
Zinkdruck, c) Der Ein- und Mehrfarben-Lichtdruck. 3. Der 
Tiefdruck: a) Die Radierung, der Stahlstich und der Kupfer¬ 
stich. b) Die Heliogravüre (Photogravüre). 4. Tief- und 
Flachdruck vereinigt. DerMusikaliennoten-Stich und -Druck. 
— E. Die Ausstattung des Buches. Die Kunst in der Buch¬ 
ausstattung. — F. Die Fertigstellung des Buches. Das Bro¬ 
schieren und Einbinden. — G. Der Vertrieb des Buches. Die 
Preisberechnung und der Absatz des Buches. 

Den Unterricht erteilt Herr Arthur Woemlein, Ver¬ 
waltungsdirektor des Deutschen Buchgewerbevereins, Leip¬ 
zig. Als Erläuterung beim Unterricht dient ein reichhaltiges 
Anschauungsmaterial von Platten, Werkzeugen, schema¬ 
tischen Darstellungen von Maschinen und Musterblättern, 
die bis zur Vervollständigung der Lehrgegenstände der 
Buchhändler-Lehranstalt in freundlicher Weise von dem 
Deutschen Buchgewerbeverein aus seinen Sammlungen 
geliehen werden. Unsers Wissens ist die Buchhändler- 
Lehranstalt zu Leipzig die erste buchhändlerische Schule, 
die ihren Schülern Unterricht in Buchgewerbekunde erteilen 
und sie so mit den Techniken der einzelnen Zweige des Buch¬ 
gewerbes vertraut machen läßt. Wir beglückwünschen die 
Anstalt zu dieser Erweiterung ihres Lehrplans, die sicher 
von bestem Erfolg für das praktische Wissen ihrer Schüler 
sein wird. 

Verschiedenes. 

Das Erdbeben von San Francisco. Von Herrn Paul 
Freygang, Mitinhaber der Firma Freygang-Leary Co. in San 
Francisco erhielt der Deutsche Buchgewerbeverein einen 
längeren Brief, dem wir folgende Stellen entnehmen,die auch 
für die Angehörigen des deutschen Buchgewerbes von Inter- 
esse sein werden: „Deutsche Maschinenfabriken hätten hier 
ganz bedeutende Geschäfte machen können, wenn sie sich 
nach dem 18. April 1906 an hiesige Geschäftsleute gewandt 
haben würden. Rastriermaschinen, die ich im Mai bestellt 
habe, sind noch nicht hier und werdenvor AnfangSeptember 
nicht hier sein; ebenso verhält es sich mit allen andern 
Branchen. Freygang & Leary schicken einen Reisenden 
nach Europa, um lithographische Steine für uns alle einzu¬ 


kaufen. Deutsche Firmen hätten in 60 Tagen über Panama, 
oder in 90 Tagen mit Kosmos-Dampfer liefern können. Die 
Miehle Printing Press Mfg. Co. in Chicago hat bis heute 
etwa 105 Schnellpressen für hiesige Buchdruckereien zu 
liefern, deren Gesamtwert sich auf etwa £350000— oder 
M. 1500000 beläuft. Meine Liste deutscher Bezugsquellen 
ist auch verbrannt, während wir Haupt- und Kassa-Bücher 
gerettet haben. Ersuche Firmen, die mit uns in Korrespon¬ 
denz standen, ihre Adressen einsenden zu wollen. Im ganzen 
sind 165graphischeAnstalten einschließlich 16Buchbinde- 
reien den Flammen zum Opfer gefallen, deren Verlust auf 
£4000000 mit einer Feuerversicherung von £ 1500000 ge¬ 
schätzt wird. 

Das Verfahren der meisten deutschen Feuerversiche¬ 
rungsgesellschaften, die sich hinter alle möglichen und 
unmöglichen Klauseln zu verstecken suchen, um den 
Versicherten wenig oder gar nichts (Rhein-Mosel Feuer¬ 
versicherungs-Gesellschaft, Transatlantisch-Hamburg) zu 
bezahlen, wird dem deutschen Handel großen Schaden zu¬ 
fügen. Hiesige Deutsche sprechen davon, an den Reichstag 
eine Petition einzureichen, wenn das von verschiedenen 
Kompagnien eingeleitete Verschleppungsverfahren still¬ 
schweigende Billigung der Regierung finden sollte. 

Wie mir vom Sekretär des hiesigen Deutschen Konsulats 
mitgeteilt wird, bin ich vom Berliner Lokal-Anzeiger als 
verunglückt und gestorben gemeldet worden. Glücklicher¬ 
weise ist dies ein Irrtum. Wohl aber habe ich meine Dienste 
dem hiesigen Deutschen Hospital, ebenso wie meine andern 
Herren Kollegen vom Verwaltungsrat, für zwei Wochen 
während und nach der Katastrophe zur Verfügung gestellt.“ 
Amerikanische Rechtschreibung. Der Präsident Roose- 
velt hat am 24. August 1906 eine Bestimmung erlassen, nach 
der in derRegierungsdruckerei zu Washington alle Vorlagen 
und Beschlüsse des Kongresses in einer der englischen 
Weltsprache neuen, wenn auch schon lange angestrebten, 
mehr lauttreuen, also vereinfachten Rechtschreibung ge¬ 
druckt werden müssen. Er stützt sich mit diesem Entschluß 
auf die Vorarbeiten einsichtiger Wissenschaftsmänner 
in der American Philological Association, der National 
Education Association, ferner der British Philological So¬ 
ciety, welche die tonlosen einfachen oder doppelten Kon¬ 
sonanten, aber auch sonst unnütze fremde Wörter aus¬ 
schalten möchten. Die Arbeit nach der Bestimmung des 
Präsidenten ist für den Anfang keine geringe, da sie 
300 Wörter betrifft, welche in ihrer neuen Gestalt allmäh¬ 
lich auch bei den Regierungen und Behörden der Union 
Annahme finden werden, zum Teil aber schon längst im 
Century, Standard oder Webster Dictionary, ja sogar bei 
Shakespeare und andern berühmten Dichtern zu finden 
sind. Wörter, wie catalogue, Programme, werden nun auch, 
ihren wirklich hörbaren Lauten entsprechend, catalog, Pro¬ 
gramm geschrieben; der Aussprache folgend wird man in 
Zukunft auch lauttreuer fiber und meter anstatt fibre und 
metre schreiben müssen. Wörter wie through und though 
werden des stummen Ballastes entledigt, als thru und tho 
verzeichnet und dadurch auch Fremden das Studium des 
Englischen mehr erleichtert. Weitere Änderungen beziehen 
sich auf die Kürzung solcher Wörter, welche zwar in der 
Schriftsprache leben, in dem Sprachgebrauch aber längst 
entschieden sind, z. B. drest für dressed, heapt für heaped. 
Für die Engländer ist die amerikanische Rechtschreibung 
nicht verbindlich und sie geben ihrer diesbezüglichen 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Meinung auch vereinzelt in den Tagesblättern Ausdruck, in¬ 
dem sie spöttisch fragen: wie sieht das aus?, obgleich sie sehr 
wohl wissen, daß manche der heutigen Änderungen schon 
zu den Zeiten der Königin Elisabeth eingeführt waren. G.T. 

Schwedische Rechtschreibung. Auch in Schweden 
haben die Bemühungen der Lehrerschaft des ganzen Lan¬ 
des um eine möglichst lautgetreue Schriftsprache wieder¬ 
holt zu neuen Ergebnissen geführt, die, dem Unterrichts¬ 
minister zur weiteren Veranlassung unterbreitet und durch 
die schwedische Akademie geprüft, Aufnahme in die amt¬ 
lichen Wörterverzeichnisse fanden, von denen das letzte, 
siebente, nunmehr zu ergänzen ist. Die Kleinschreibung 
der Hauptwörter ist schon längst zur Regel geworden, ja 
sie wurde, wie in andern Ländern, schon vor Jahrhunder¬ 
ten versucht, und nur in Fällen, wo Länder- und Orts¬ 
namen, Titel oder Anreden angeführt werden, sind diese 
mit großen Anfangsbuchstaben zu bezeichnen. Von Ge¬ 
schäftsleuten und Privaten werden diese Rechtschreibungs¬ 
neuerungen selbstverständlich vielfach nicht beachtet; für 
sie sind die gegebenen Vorschriften eine freie persönliche 
Angelegenheit, ein Umhang oder Mantel zur Sprache, den 
man gegebenenfalls nach Belieben mit einem andern ver¬ 
tauschen darf; für die Buchdrucker des Landes aber bietet 
das amtliche Wörterverzeichnis eine neue Pflicht, der ge¬ 
genüber die älteren dieser Art kaum erlöschen. Zur An¬ 
wendung kommen zunächst stufenweise in allen Schulen 
die Änderungen der Lautbezeichnung in Wörtern mit dt als 
t oder bei Verstärkung mit tt; die Bezeichnung für f, fv oder 
hv wird durch den v-Laut abgelöst, der im Stammwort bei 
der Deklination mit t und s beibehalten wird, wogegen das 
Hilfszeitwort haft als Ausnahme bestehen bleibt. Bei einer 


so gründlichen Beugungsform der Stammwörter, wie sie 
nun beliebt wird, kommen aber wieder verwandte Wort¬ 
formen, die sich bisher durch mehr unterschiedliche 
Schreibung auszeichneten, zur Verwechslung, namentlich, 
wenn sich der Verfasser des Werkes oder der Abhandlung 
ein paar Seiten lang nicht deutlich genug ausdrückt. Man wird 
deshalb zu der Erkenntnis gelangen, daß alle Verbesserung 
in dieser Richtung doch eine Grenze haben muß; Beispiele 
Wie blött und blödt , lett und ledt , sitt und sidt , rätt und 
rddt , die in Zukunft nur die übereinstimmenden tt-Laute 
erhalten, werden in Gedichten auch Schwierigkeiten be¬ 
reiten und sind kaum zufriedenstellende Lösungen. Auch 
das y, ein in den nordischen Sprachen, wie Isländisch, 
Dänisch, Norwegisch und Schwedisch, oft angewandter 
Vokal, wird durch i ausgeschaltet, wenigstens in Lehn¬ 
wörtern, wie cylinder, mysterium. Das q ist bereits seit 
acht Jahren durch kv ergänzt, z. B. im Wort kvantum, 
und nur Wörterbücher älterer Auflagen führen noch die 
lateinische Grundform. In unveränderten Lehnwörtern 
aus dem Französischen wird man das y als mouillierenden 
Laut aber beibehalten; die griechischen Lehnwörter sind 
längst vereinfacht, z. B. Fotograf!. Doppelkonsonanten 
werden in Zukunft weniger beliebt, sie werden überall fort¬ 
bleiben, wo das nun in Vorbereitung befindliche Wörter¬ 
verzeichnis Beispiele gibt. Binnen fünf Jahren hofft man 
mit dieser Neuordnung der „lautgetreuen“ Einheitsschrei¬ 
bung fertig zu sein, der sicherlich dann wieder Verände¬ 
rungen, der neuesten Erfahrung entsprechend, folgen wer¬ 
den. In den Schulen hat man den stufenweisen Fortschritt 
angeordnet, um den ökonomischen Schwierigkeiten nach 
dieser Richtung möglichst vorzubeugen. G. Taubei, Berlin. 


Patentliste über neue Erfindungen und Verbesserungen. 

Mitgeteilt vom Patentanwalt PAUL MÜLLER, Berlin SW. 


Deutsche Patente. Nr. 160785. In Richtung seiner 
Längsachse hin und her bewegbarer Farbeabstrei¬ 
cher an Druckpressen mit um eine senkrechte Achse 
schwingbarer Druckplatte. Maschinenfabrik Örlikon 
in Örlikon (Schweiz). Bei dem in Richtung seiner Längs¬ 
achse hin und her bewegbaren Farbeabstreicher an Druck¬ 
pressen mit um eine vertikale Achse schwingbarer Druck¬ 
platte kann der Abstreicher um eine zu seiner Arbeitskante 
parallele Achse schwingen und bei diesen in den Zwischen¬ 
pausen erfolgenden Schwingungen seine Arbeitskante an 
einem federnd gelagerten Schleifstein abziehen. 

Nr. 160786. Anfeuchtevorrichtung für die Druck¬ 
platte bei Lichtdruckschnellpressen. Carl Wagner 
und Ferdinand Stange inBerlin. Bei der Anfeuchtevorrich¬ 
tung für die Druckplatte bei Lichtdruckschnellpressen sind 
ganz nahe dem Druckzylinder mehrere Walzen a, b, c in 
seitlichen, der Rundung des Druckzylinders entsprechend 
geformten Lagerböcken abhebbar angeordnet, so daß die 
Feuchtigkeit von der oberen mitFlanell oderFilz bezogenen 
Walze c durch Vermittelung der Walze b an die in bekann¬ 
ter Weise mit einer Leim- oder Gelatineschicht versehene 
Walze a übertragen und von dieser über die Druckplatte 
gleichmäßig verteilt wird. (Siehe Abbildung.) 

Nr. 160911. Tiegeldruckpresse mit schwingbarem 
Formträger für Ein- und Mehrfarbendruck. George 


Henry Pierce in Quincy (V. St. A.). Bei der Tiegeldruck¬ 
presse mit schwingbarem Formträger für Ein- und Mehr¬ 
farbendruck, bei welcher um den Formträger eine endlose, 
die Farbwalzen über die Form leitende Kette sich bewegt, 
liegt der Drehzapfen des Formträgers außerhalb des von 
der endlosen Kette und derForm eingeschlossenen Raumes. 
Der Antrieb der Kette erfolgt unter Zwischenschaltung von 
Zahnrädern von einem auf den Drehzapfen des Formträgers 
aufgesetzten Antriebrade aus, so daß die in einer Richtung 
vor sich gehende Bewegung der Farbwalzen während der 
Schwingungen des Formträgers keine Unterbrechung er¬ 
fährt. 

Nr. 160912. Vorrichtung zum Abheben der Farbauf¬ 
tragwalzen und des Druckzylinders bei lithogra¬ 
phischen Rotationsmaschinen. William Henry Lock in 
London und Thomas Merrifield North in Altrincham (Engl.). 
Bei der Vorrichtung zum Abheben der Farbauftragwalzen 
und des Druckzylinders bei lithographischen Rotations¬ 
maschinen erfolgt das Abheben der Farbauftragwalzen 9 
und des Druckzylinders 4 vom Formzylinder 2 aus selbst¬ 
tätig und gleichzeitig, wobei die Regelung der Hand des 
Arbeiters unterworfen ist. Die exzentrischen Buchsen 52, 
in welch letzteren der Druckzylinder in bekannter Weise 
gelagert ist, erhalten durch eine Kurvennutscheibe 51 an 
dem Formzylinder eine Schwingbewegung. Ferner sind die 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Buchsen mit den Farbauftragewalzen 9 durch gesteuerte 
Schaltklinken 78, 79 derart in Verbindung gebracht, daß, 
wenn die Lagerbüchsen behufs Abhebens des Druckzylin¬ 
ders gedreht werden, die Farbauftragwalzen gleichfalls ab¬ 
gehoben werden, auch wird eine mit Anschlägen 69, 70 
versehene Zahnsegmentscheibe 64 mittels einer Kurven- 
nutscheibe5/ um eine feste Achse hin und hergeschwungen, 
um welch letztere ein Arm 72 gleichfalls schwingen kann, 
während eine an dem Arm 72 drehbar befestigte Klinke 77 
durch einen Handhebel 73 derart einstellbar ist, daß sie 
mit dem einen oder andern der Anschläge behufs Übertra¬ 
gung der Bewegung auf die exzentrischen Lagerbüchsen 52 


schließlich von der Einspannvorrichtung 17 freigegeben 
wird, worauf letztere zur Aufnahme einer neuen Zeile in 
die Anfangsstellung zurückkehrt. Der Einspannrahmen 17 
erhält seine Bewegung von einer umlaufenden Welle 12 
aus, unter Vermittelung zweier um 180° gegeneinander ver- 
setzterKegelradsegmente 34,35, die mit einem Kegelrad 33 
abwechselnd links und rechts in Eingriff kommen, dessen 
Welle 32 ein Zahnrad 31 trägt, welches mit einer zur Dreh¬ 
achse 18 der Einspannvorrichtung 17 gleichachsigen, mit 
dem Einspannrahmen fest verbundenen Zahnstange JO bei 
jeder Winkelstellung des Rahmens 17 im Eingriff bleibt. 
(Siehe Abbildungen.) 



des Druckzylinders in Eingriff kommen kann. (Siehe Ab¬ 
bildung.) 

Nr. 161237. Vorrichtung zur Überführung der ge¬ 
setzten Zeile in die Ausschliessvorrichtung bei dem 
Verfahren zur Herstellung von Druckformen mittels 
Matrizensetz- und Typengiessmaschine nach Patent 
135374. Henry James Sydney Gilbert-Stringer in Westbourne 
Park (Engl.). Bei der Vorrichtung zur Überführung der 
gesetzten Zeile in die Ausschließvorrichtung bei dem Ver¬ 
fahren zur Herstellung von Druckformen mittels Matrizen¬ 
setz- und Typengießmaschine wirkt zwischen der Setzstelle 
und der Ausschließvorrichtung ein hin und her gehender 
Sammelkasten 1 mit einer die Zeile aus dem Sammelkasten 
in die Ausschließvorrichtung einschiebenden Einspannvor¬ 
richtung 1 7, derart zusammen, daß die im Sammelkasten 1 
befindliche Matrizenzeile zuerst durch Verschiebung des 
Sammelkastens an das eine Ende der Ausschließvorrichtung 
herangebracht, sodann von der Einspannvorrichtung 17 
erfaßt und in die Ausschließvorrichtung eingeschoben wird 
(während der Sammelkasten 1 gleichzeitig zur Aufnahme 
einer neuen Zeile in die Anfangsstellung zurückkehrt) und 


Nr. 161238. Pneumatische Bogenabhebevorrichtung 

MIT GEGEN DIE SAUGWALZE HIN BEWEGLICHEN STAPEL- 
träger. The Carter Automatic Sheet Feeder Syndicate 
Limited in London. Bei der pneumatischen Bogenabhebe¬ 
vorrichtung mit gegen die Saugwalze hin beweglichem 
Stapelträger erhält derStapelträgera gegen die Saugwalze 6 
hin eine ruckweise, der Bogenentnahme entsprechende 
vorschreitende Bewegung, wobei ein gegen den obersten 
Bogen des Stapels drückender Fingerrahmen s bei der am 
Ende der Vorschubbewegung des Stapelträgers erfolgenden 
Entnahme desselben rasch abgehoben wird. Die jedes¬ 
malige Bewegung desRahmenss wird durch Hebelgestänge 
13 auf den Stapelträger derart übertragen, daß dadurch die 
gleichmäßige schrittweise Vorbewegung des Stapelträgers 
selbsttätig geregelt wird. Der Rahmen s ist vermittels Ge¬ 
lenke w an dem Stapelträger a bzw. an dem Rahmengestell 
derartangeordnet,daß ereinerseitsdurchseinEigengewicht 
gegen den Stapel anliegt und dadurch eine gleichbleibende 
ordentliche Stapellage der Bogen erzielt wird, anderseits 
parallel zu sich selbst und zum Stapel von letzterem ab¬ 
gehoben wird. (Siehe Abbildung.) 


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- - ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE r . 

Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. In der am 8. August 1906 stattgefundenen 
Sitzung der Graphischen Vereinigung wurde die Bewertung 
der Johannisfestkarten-Entwürfe durch die Typographische 
Gesellschaft Mannheim-Ludwigshafen bekannt gegeben. 
Die Preisrichter sprachen sich in ihrem ausführlichen Be¬ 
richt recht anerkennend über die geleistete Arbeit aus und 
lobten besonders die sorgfältige Durcharbeitung der meisten 
eingereichten Skizzen. Die drei ausgesetzten Preise wurden 
den Herren H. Wunderlich, A. M. Watzulik und A. Scholz 
zugesprochen. Den von Herrn J. Benndorf eingereichten 
Arbeiten wurde eine lobende Anerkennung zuteil. Zur 
Auslage gelangte Rundsendung Nr. XXI, die auf 19 Tafeln 
Diplomentwürfe der Hamburger Schwestervereinigung auf¬ 
wies. Der der Sendung beigegebene Bericht, der die Aus¬ 
stattungsweise des Diploms näher behandelte, gab dem 
Setzer beachtenswerte Fingerzeige, die nicht nur dem 
jungen Fachgenossen, sondern auch dem reiferen Akzidenz¬ 
setzer von Nutzen waren. Durch Vermittelung eines 
Mitgliedes konnte der Versammlung auch eine Anzahl 
Akzidenzdrucksachen aus Sao Paulo (Brasilien) unter¬ 
breitet werden. Die Arbeiten lassen in ihrer Satztechnik 
unschwer den deutschen Einfluß erkennen, bewegen sich 
aber größtenteils noch in der weit hinter uns liegenden 
Freimanier. — Die Sitzung am 29. August war wohl 
infolge der auf der Tagesordnung angekündigten Aus¬ 
stellung der Johannisfestdrucksachen stark besucht. Der 
Vorsitzende hatte hierzu die Berichterstattung übernom¬ 
men, mußte sich aber in Hinsicht auf die ungemein reich¬ 
haltige Sammlung darauf beschränken, die interessantesten 
Arbeiten herauszugreifen und zu besprechen. Durch 
Gegenüberstellung einer Reihe von Altenburger Johannis¬ 
festkarten aus den letzten Jahrzehnten wies der Bericht¬ 
erstatter auf die gegenwärtige hohe Entwicklung des 
deutschen Akzidenzsatzes hin, die auf das Mitwirken be¬ 
deutender Künstler und graphischer Zeichner zurückzu¬ 
führen sei. Aber auch den typographischen Gesellschaften 
ist ein gewisses Verdienst um die Hebung und Förderung 
der technischen Fähigkeiten ihrer Mitglieder nicht abzu¬ 
sprechen. Die aus Wettbewerben dieser Vereinigung her¬ 
vorgegangenen Arbeiten zählen mit zu den besten. Es ge¬ 
langte dann noch Rundsendung Nr.XXVII zur Auslage, die 
auf 50 Tafeln hervorragende Dreifarbendrucke der Firma 
Förster & Borries in Zwickau vereinigte. Unter den zahl¬ 
reichen Eingängen erregten die von der Gugler Litho¬ 
graphie Co. in Milwaukee (U. S. A.) gesandten lithographi¬ 
schen Briefköpfe allseitiges Interesse. -o-. 

Berlin. Die Typographische Gesellschaft beschäftigte 
sich in ihrer ersten Sitzung nach den Sommerferien mit 
den im Buchgewerbesaal ausgestellten Arbeiten. Zunächst 
sprach Herr Kulte über einige Arbeiten des Graphikers 
und Landschaftsmalers Oskar Michaelis, die geeignet waren, 
denjenigen Mitgliedern der Gesellschaft, welche sich mit 
dem Zeichnen nach der Natur beschäftigen wollen, als 
Richtschnur zu dienen. Besonderes Interesse erregten auch 
einige Glasradierungen, bei welchen die Zeichnung mit 
der Nadel auf die geschwärzte Platte geritzt war und mit 
welchen durch direktes Kopieren auf die Zinkplatte auch 
Hochdruckplatten hergestellt werden können. Die weiter 
ausgestellten zahlreichen Drucksachen für das diesjährige 


Johannisfest wurden durch Herrn Könitzer einer ausführ¬ 
lichen Besprechung unterzogen. Der Vortragende hatte 
die Arbeiten in verschiedene Gruppen geteilt, von denen 
die eine die auf buntfarbigem Papier hergestellten, eine 
andere die mit eigenen Zeichnungen der Hersteller ver¬ 
sehenen und eine dritte Gruppe die im Empire- oder Beh¬ 
rensstil gehaltenen Arbeiten zeigte. Der Vortragende be¬ 
merkte hierzu, daß die dunklen Papiere schon wegen der 
technischen Schwierigkeiten, die sich beim Druck bieten, 
nicht sehr geeignet seien, es seien deshalb auch die neu¬ 
tralen grauen Papiere bevorzugt worden. Bei der Verwen¬ 
dungselbstgezeichneter Vignetten habe man im allgemeinen 
ein bescheidenes Maß gehalten und dadurch gute Erfolge 
erzielt. In einer letzen Gruppe waren diejenigen Arbeiten 
zusammengestellt, welche sich in bekannten Formen be¬ 
wegten und nichts Besonderes zeigten. Durch eine eigen¬ 
artige Aufmachung zeichneten sich nur einzelne Arbeiten 
aus. DerJRedner kam am Schlüsse seiner Ausführungen 
zu dem Ergebnis, daß die ausgestellte Sammlung vieles 
Lehrreiche zeige und den Mitgliedern manche Anregungen 
bieten könne. Hierauf sprach Herr Georg Erler über die 
Arbeiten des bevorstehenden zweiten Vertretertages des 
Verbandes derDeutschen Typographischen Gesellschaften, 
der voraussichtlich von 26 Vertretern besucht sein werde. 
Er erkannte dankbar an, daß der Deutsche Buchgewerbe¬ 
verein die prächtigen Räume des Buchgewerbehauses für 
die Verhandlungen zur Verfügung gestellt habe. Aus der 
Mitte der Versammlung wurden noch folgende Anträge 
für den Vertretertag gestellt: 1. Der Vertretertag wolle all¬ 
gemeine Bestimmungen für die typographischen Wettbe¬ 
werbe festsetzen, welche der Praxis entsprechen und auch 
die idealen Ziele der typographischen Vereinigungen ver¬ 
wirklichen helfen. 2. Es möge die Bestimmung in die 
Satzungen aufgenommen werden, daß der Vorstand und 
die Mitglieder des Arbeitsausschusses alljährlich einmal 
zu einer Besprechung Zusammenkommen. 3. Der Ver¬ 
tretertag möge beschließen, das die einzelnen Vereine 
Material sammeln zur Herstellung und Drucklegung eines 
literarischen Verzeichnisses, das alle Werke der Fach¬ 
literatur nicht nur namentlich aufführt, sondern auch 
eine kurze Besprechung des Inhaltes enthalten soll. Außer¬ 
dem wurde als empfehlenswert bezeichnet den Verband in 
mehrere große Bezirke zu teilen, innerhalb deren eine 
Überwachung der Rundsendungen des Verbandes ausgeübt 
werden möge von innerhalb des Bezirkes wirkenden Mit¬ 
gliedern. Die Gesellschaft erklärte sich mit diesen An¬ 
trägen einverstanden. Zum Schluß teilte Herr Georg Wag¬ 
ner noch mit, daß sich an einem von ihm ins Leben ge¬ 
rufenen zwangslosen Skizzierkursus nach der Natur fünf 
Mitglieder beteiligt hätten und er gerne bereit sei, diesen 
Kursus fortzusetzen. B. 

Braunschweig. Die Typographische Vereinigung hielt 
am 20. August 1906 eine außerordentliche Generalversamm¬ 
lung ab, in der, nach Besprechung verschiedener Eingänge, 
über die Entsendung eines Vertreters zum II. Vertretertag 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften beraten wurde. Der Vorsitzende wies in kurzen 
Zügen auf die bisherige Tätigkeit des genannten Verbandes 
hin und machte auf die von ihm seither gebotenen Vorteile 

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aufmerksam. Es entspann sich sodann ein lebhafter Mei¬ 
nungsaustausch, dessen Ergebnis der Beschluß war, daß 
die Typographische Vereinigung, welche bei der Gründung 
des Verbandes anwesend war, auch zum zweiten Vertreter¬ 
tag einen Vertreter entsenden solle. Von der Stellung be¬ 
stimmter Anträge wurde abgesehen, da ja unter dem Punkt 
Verschiedenes etwaige innere Angelegenheiten Erwähnung 
finden könnten. Bei dem zweiten Gegenstand der Tages¬ 
ordnung: Festsetzung des Winterprogramms wies der Vor¬ 
sitzende auf die vorjährige Tätigkeit hin und entwickelte 
dann einen sorgsam ausgearbeiteten Plan für die Winter¬ 
veranstaltungen. Er empfahl, dem Zeichnen nach der Natur 
besondere Beachtung zu schenken und wenn nötig eine 
geeignete Persönlichkeit für die Leitung des Unterrichts 
zu gewinnen, welche Anträge zur Ausführung angenommen 
wurden. Es sind noch weitere Neuerungen in Aussicht 
genommen, vor allem sollen die Besprechungsabende 
möglichst mit Vorträgen über berufliche Dinge gefüllt 
werden. Auch der Besuch von Museen- und Kirchenbauten 
soll gepflegt werden, damit die Mitglieder Gelegenheit zur 
Bildung des Geschmacks- und Farbensinnes haben, -tz. 

Bremen. In der Augustsitzung des Typographischen 
Klubs wurden die in letzter Versammlung geäußerten 
Wünsche zu Anträgen für den Vertretertag des Verbandes 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften verdichtet 
und Herr Miller als Vertreter, Herr Blosfeld als Stellver¬ 
treter bestimmt. Es folgte ein Bericht über die diesjährigen 
Johannisfestdrucksachen, die infolge der gewonnenen Aus¬ 
breitung und regen Teilnahme in ihrer Gesamtheit, sowie 
durch die jetzt organisierte Vermittelung eine Übersicht 
über die Entwickelung des Akzidenzsatzes in Deutschland 
gäben. Ziehe man in Betracht, daß neben mit bestem Ma¬ 
terial ausgestatteten und den Akzidenzsatz als Sonderheit 
pflegenden Druckereien auch solche beteiligt seien, denen 
farbige und bessere Arbeiten weniger geläufig seien, dann 
habe man die Grundlage geschaffen, auf der die Beurtei¬ 
lung einsetzen könne. Unter Berücksichtigung dieser Um¬ 
stände werde man auch in diesem Jahre einen unverkenn¬ 
baren Fortschritt feststellen können. Insbesondere die ein¬ 
heitliche Verwendung von gleichen Schriftcharakteren sei 
als Hauptvorzug der diesjährigen Arbeiten zu bezeichnen. 
Mit Vorliebe seien kräftige markige Schriften verwandt und 
nur vereinzelt Bedingungen an die wieder mehr hervor¬ 
tretende Versüßlichung der Schriften gemacht worden. 
Bei der Druckausführung fände sich, neben einzelnen her¬ 
vorragenden Farbenzusammenstellungen, leider noch eine 
große Anzahl, die nicht gut gelungen sei. Die Verwendung 
farbiger Kartons sei vielfach günstig ausgenützt worden, 
doch müsse vor dem Gebrauch allzu dunkler Papiere für 
Festdrucksachen gewarnt werden. R. 

Breslau. Am 22. August 1906 hielt die Typographische 
Gesellschaft innerhalb der Ferienzeit eine Sitzung ab, die 
die wichtigen Angelegenheiten: Stellung von Anträgen und 
Wahl von Vertretern zum zweiten Vertretertag des Ver¬ 
bandes der Deutschen Typographischen Gesellschaften 
behandelte. Das Ergebnis der Beratungen war der Beschluß 
mehrere Anträge zu stellen und zwei Vertreter zur Tagung 
zu entsenden. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß die 
Typographische Vereinigung in Glogau und Posen die 
Breslauer Typographische Gesellschaft um Vertretung auf 
dem Verbandstage ersucht haben, welchem Wunsche auch 
entsprochen worden sei. Vor Eintritt in die Tagesordnung 


hielt Herr Zantke einen Vortrag über: Der Buchdruck 
auf der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dres¬ 
den 1900. Zunächst gab der Vortragende einen kurzen 
Gesamtüberblick über die in allen Teilen mustergültige 
Ausstellung, bei der die Leitung bemüht gewesen sei, auf 
allen Gebieten des Kunstgewerbes nur gute Vorbilder zu 
zeigen. Besonders hervorzuheben seien unter anderem 
die Kirchenräume, die Friedhofs-Anlage, welche einen feier¬ 
lich ernsten Eindruck mache, das neuzeitliche Zimmer eines 
zoologischen Museums, ein Amtsgerichts-Sitzungszimmer, 
ein Standesamtszimmer mit Vorraum und die in sanitärer 
Hinsicht mustergültigen Bahnhofszimmer. Auch für die 
Anlage von Landschulen seien sehr gute Vorbilder ge¬ 
geben. Nach Erläuterung der von Prof. Wilhelm Kreis 
entworfenen Bibliothek wurden die graphischen Darbie¬ 
tungen eingehend behandelt, worüber aber hier nicht aus¬ 
führlich zu berichten ist, weil die umfangreichen Aufsätze in 
den verschiedenen Zeitschriften bekannt sein dürften. Er¬ 
wähnt soll aber werden, daß die Mehrzahl der ausgestellten 
Gegenstände Künstlerzeichnungen und Bilderdrucke in 
allen Größen sind, satztechnische Arbeiten aber nur 
verhältnismäßig schwach vertreten sind. Daß das Buch¬ 
gewerbe auch in Wirklichkeit gute Drucksachen herzu¬ 
stellen vermag, das zeigten die auf der Ausstellung in 
Dresden gesammelten etwa 70 Drucksachen, die im Durch¬ 
schnitt aisgut,einigesogaralsvorzüglich bezeichnetwerden 
mußten. Das ist sehr erfreulich, denn die Hauptsache ist 
doch, daß in der Praxis auch das zur Ausführung kommt, 
was sonst nur als Schaustücke gezeigt wird. Daß das aber 
nicht immer der Fall ist, bewies ein von der Kgl. Hofoper in 
Dresden herausgegebener Theaterzettel, der nichts weniger 
als schön und vornehm war. Ein Kunstinstitut wie die 
Dresdner Hofoper, das einen Weltruf genießt, sollte doch 
etwas mehrSorgfaltauf die von ihr herausgegebenen Druck¬ 
sachen legen — oder hört nach dessen Ansicht bei dem 
Buchgewerbe vielleicht die Kunst auf? Sch-r. 

Goslar. In der am 1. September 1906 stattgehabten Sit¬ 
zung der Graphischen Vereinigung mußten die anwesenden 
Mitglieder leider davon absehen, zudem zweiten Vertreter¬ 
tag des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften einen Abgeordneten zu entsenden, ferner den 
Antrag auf Erhöhung des Mitgliedsbeitrages für die dem¬ 
nächst stattfindende außerordentliche Hauptversammlung 
zurückstellen. Zwei Rundsendungen des Verbandes der 
Typographischen Gesellschaften, die ausgestellt waren, 
fanden bei den Mitgliedern großes Interesse. Besonders 
waren es die Modernen Buchumschläge der Leipziger 
Typographischen Gesellschaft, die Anlaß zu einem regen 
Meinungsaustausch gaben, wobei der Tätigkeit genannter 
Gesellschaft besondere Anerkennung gezollt wurde, u. 

Hamburg. Die Typographische Gesellschaft begann am 
5.September 1906 wieder ihre Vereinstätigkeit, die im kom¬ 
menden Winterhalbjahr eine recht rege werden dürfte. Der 
aufgestellte Arbeitsplan, der in Form eines sauber gedruck¬ 
ten und gut ausgestatteten Heftchens den Mitgliedern zu¬ 
ging, sieht an Veranstaltungen vor: Ausbau und Fortführung 
des im Mai 1906 begonnenen Skizzierkurses; praktische 
Übungen im farbigen Entwurf und Plattenschnitt, sowie ein 
Kolorierkursus. Für das erste Viertel des nächsten Jahres 
ist eine Plakat-Ausstellung geplant. An den schon seit 
längererZeit eingeführten Diskussions- sowie Leseabenden 
werden auch in Zukunft fachtechnische Fragen behandelt 


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werden, ferner sämtliche deutsche Fachzeitschriften aus¬ 
liegen. Den Mitgliedern soll Gelegenheit geboten werden, 
ihr typographisches und zeichneriches Können bei Preis¬ 
ausschreiben zu zeigen, während Ausstellungen von 
mustergültigen Erzeugnissen des Buchgewerbes der Bil¬ 
dung des Geschmacks dienen und Anregungen zu neuen 
Ideen geben sollen. -er. 

Leipzig. Zu Anfang der Sitzung, die die Typographische 
Gesellschaft am 8. August 1906 abhielt, gab der Vorsitzende 
verschiedene Anregungen zum zweiten Vertretertag des 
Verbandes der DeutschenTypographischen Gesellschaften 
und ersuchte etwaige Anträge an den Vorstand der Typo¬ 
graphischen Gesellschaft Leipzig baldigst einreichen zu 
wollen. Herr Lindner hielt hierauf einen Vortrag über: 
Neue Ligaturen in der Antiqua. Er hält das ck, ch, tz in 
den modernen Schriften, wie Eckmann, Behrens und an¬ 
dern, bzw. die Zusammenziehung dieserBuchstaben insbe¬ 
sondere in den Antiqua- und Bastardschriften für über¬ 
flüssig. Diejenigen Schriften, die h, z usw. nicht als 
Unterlängen haben, sollten die gewaltsamen Zusammen¬ 
zerrungen der erwähnten Ligaturen lieber nicht aufweisen. 
In dem Meinungsaustausch wird bemerkt, daß dieSchaffung 
dieser Ligaturen aus ästhetischen Gründen geschehen sei, 
daher könne man sich den Ausführungen des Herrn Vor¬ 
tragenden nicht ohne weiteres anschließen.— Am 22. August 
berichtete Herr Küttner über Ausstattung von graphischen 
Festdrucksachen, wobei er als Material den neuen Jahr¬ 
gang seines Johannisfest-Drucksachen-Austausches vor¬ 
legte. Die Arbeiten erfordern nach ihren Charaktern als 
Einladungsdrucksachen, Programme, Liedertexte usw. 
eine Scheidung und bezüglich ihres Zweckes eine sinn¬ 
entsprechende Behandlung. Ein Programm z. B. in Quart 
oder Großquart werde immer etwas unbeholfen und leich¬ 
ter dem Verderben preisgegeben sein, ferner beim Gebrauch 
Störungen verursachen. Die dunklen Papierfarben, sowie 
kleine dünne Schrift oder Überladung mit Text seien für 
Drucksachen, die Abendfeiern dienen sollen, unpraktisch; 
das sei auch eingesehen und in der neuen Folge möglichst 
vermieden worden. Eine einfache, genau gesetzte, nur den 
nötigen Text enthaltende Einladungsdrucksache rege so¬ 
zusagen zum Mitfeiern an. Der Berichterstatter verweist 
auf mehrere in der Sammlung enthaltene vorzügliche 
Leistungen, z. B. Kaiserslautern, Düsseldorf, Melle, Frank¬ 
furt a.M., Mainz. Einladungsschreiben seien von München 
und Stuttgart beigesteuert. Zu den gutgeluftgenen Pro¬ 
grammdrucken müßten die Arbeiten von Frankfurt a.M., 
Stuttgart, München, Mainz, Offenbach, Essen, Kaisers¬ 
lautern und viele andre gezählt werden. Einiges zeuge von 
vielem Fleiße, aber durch unpassende Mittel sei der ge¬ 
wollte Zweck nicht erreicht; man vergesse zuweilen, daß 
zu reichlicher Schmuck der Arbeit eher schade als nütze. 
Eine reiche Anzahl von Festliedern, Festschriften und Zei¬ 
tungen bereichern die Sammlung. Hübsche Postkarten 
haben Düsseldorf, Düren und Aschersleben angefertigt. Die 
Karte von Straßburg dürfte etwas zu phantastisch sein. 
Die Versammlung bezeugte ihre Befriedigung mit den dies¬ 
jährigen Drucksachen und bemerkte, daß allenthalben ein 
löbliches Vorwärtsschreiten in der modernen Akzidenzkunst 
zu erkennen sei. Zur Vorlage und zur Besprechung kam 
dann noch der neue systematisch verstellbare Winkelhaken 
Triumph, der günstig beurteilt wurde, da er für die Praxis 
manche Verbesserung aufweise. ß 


Leipzig. In der Typographischen Vereinigung hielt am 
9. August 1906 Herr R. Wendler einen Vortrag über Drei¬ 
farbendrucke, zu welchem eine Rundsendung die Veranlas¬ 
sung gegeben hatte. Hierauf entspann sich nochmals ein 
Meinungsaustausch über die Kolberger Wettbewerbungs¬ 
arbeiten. Herr Zeh besprach alsdann die zur Begutachtung 
von Magdeburg geschickten Skizzen eines Programms und 
eines Briefkopfs, wobei die Programm-Entwürfe, die Ergeb¬ 
nisse eines Skizzierkursus, für bedeutend besser erklärt 
wurden als die Briefköpfe. Zum Schluß der Sitzung ver¬ 
wies der Vorstand nochmals auf den im September statt¬ 
findenden zweiten Vertretertag des Verbandes der Deut¬ 
schen Typographischen Gesellschaften. — In der Sitzung 
am 22. August unterzog Herr Karl Künne ein schon vor zwei 
Jahren stattgefundenes Preisausschreiben über Exlibris der 
Berliner Typographischen Gesellschaft einer eingehenden 
Beurteilung, wobei er auch die Entstehung und die Aus¬ 
schmückung der Exlibris näher erläuterte. Herr Kirstein 
stellte dann die zum Vertretertag des Verbandes der Typo¬ 
graphischen Gesellschaften einzureichenden Anträge zur 
Besprechung. Die Anwesenden einigten sich auf folgende 
zu stellende Anträge: 1. Bessere Entlohnung der Akzidenz¬ 
setzer; 2. Chiffre-Anzeigen; 3. Ausschaltung von Nach¬ 
ahmungen bei Wettbewerben; 4. Referentenfrage; 5. Ab¬ 
stempelung von Mustern; 6. Festsetzung einer Norm über 
die Beiträge der einzelnen Gesellschaften. -eu-. 

Stuttgart. Eine willkommene Abwechslung in der so¬ 
genannten stillen Zeit brachte der Graphische Klub im 
August-Lesezirkel durch Auslage der diesjährigen Johannis- 
fest-Drucksachen, die durch ihre Mannigfaltigkeit in Satz¬ 
ausführung und Farbengebung ein reiches Studienmaterial 
boten. Die dem Lesezirkel angeschlossene Sitzung des 
Gesamtvorstandes befaßte sich mit der Aufstellung des 
Programms für das kommende Winterhalbjahr, sowie mit 
den Anträgen zu dem bevorstehenden zweiten Vertretertag 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften, zu dem von seiten des Klubs ein Abgeordneter 
gesandt werden soll. Am 26. August wurde die Rembrandt- 
Ausstellung im Museum der bildenden Künste besucht. 

Wien.- Die Graphische Gesellschaft hat nun im Buch¬ 
druckervereinshause (VII. Seidengasse 17) ein ständiges 
Vereinslokal, in dem die Bibliothek untergebracht ist und 
jeden Donnerstag Leseabende abgehalten werden. Die 
Offertenausschreibung zur Besetzung der Druckereileiter¬ 
stelle hatte den Einlauf zahlreicher Bewerbungen zur Folge. 
Gewählt wurde K. Zörer, einer der Gründer der Gesell¬ 
schaft. Gleichzeitig mit dem Rücktritte des Druckereileiters 
erfolgte auch jener des Sekretärs der Gesellschaft, R.Lohner, 
dessen Geschäftsarbeiten mit der Buchführung der 
Druckerei verbunden und dem seit deren Gründung dort 
tätigen Kollegen Dunkler übertragen wurden. Mannigfache 
persönliche Mißhelligkeiten im Geschäftsbetriebe und in 
der Gesellschaft bildeten die Ursache beider Demissionen. 
Die Nachfolger haben keinen leichten Stand, doch hoffen 
die Freunde der gedeihlichen Weiterentwickelung der Ge¬ 
sellschaft und der Förderung ihrer so schönen Zwecke, daß 
es ihnen gelingen möge, allen Schwierigkeiten Herr zu wer¬ 
den. Das Experiment der Druckereigründung hatte viele 
Gegner, nun da sie geschaffen ist, ist es Ehrenpflicht der 
in dem Unternehmen direkt Beschäftigten wie jedes Ge¬ 
sellschaftsmitgliedes, die Voraussage, daß es schließlich 
mißlingen werde, zunichte zu machen. P-t. 


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Zittau. In der Sitzung der Graphischen Vereinigung am 
1. September waren ausgelegt die diesjährigen Johannisfest- 
Drucksachen (Küttners Austausch), ferner die Rundsendung 
Nr. XVIII des Verbandes der Deutschen Typographischen 
Gesellschaften, 20 Tafeln moderne Akzidenzen. Beson¬ 
dere Beachtung fanden die zur Verfügung gestellten Druck¬ 
sachen der Dresdener Kunstgewerbe-Ausstellung. Zum 
Vertretertagdes Verbandes der Deutschen Typographischen 


Gesellschaften wird ein Mitglied entsandt werden. — 
An dem von der Städtischen Handwerkerschule veran¬ 
stalteten Wettbewerb zur Erlangung eines Entwurfes für 
ein Diplom für hervorragende Schülerleistungen beteilig¬ 
ten sich auch Teilnehmer an dem von der Graphischen 
Vereinigung veranstalteten Zeichenkursus mit bestem Er¬ 
folg, denn von den ausgesetzten drei Preisen entfielen 
auf sie zwei Preise. -dl-. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 


V Wegweiser auf dem Gebiete der Technik des Buchdrucks 
und des geschäftlichen Verkehrs für Buchdrucker und Buch¬ 
händler. Von M. Pellnitz. Leipzig. Verlag von Hermann 
Beyer. Preis gebunden M. 3.—. „Was muß der Buchdrucker 
alles wissen? — Dies sollte eigentlich der ursprüngliche 
Titel dieses Büchleins sein.“ — So beginnt das Vorwort des 
vorliegenden „Büchleins“, und mit diesem Ausspruch ist 
das „Büchlein“ in mehrfacher Hinsicht treffend gekenn¬ 
zeichnet. Als ob das, was der Buchdrucker alles wissen 
muß, in ein „Büchlein“ zusammengefaßt werden könnte! 
Dazu bedürfte es ganzer Bände, besonders dann, wenn die 
Sache so gemütlich angefaßt würde wie im vorliegenden 
„Wegweiser“. Das Buch ist zweifellos gut gemeint, aber 
der Verfasser verspricht mehr als er bietet. Wir finden ein 
wunderliches Gemisch von guten Gedanken, hausbackenen 
Ratschlägen, sachlichen Irrtümern und vielen Abschreib¬ 
und Druckfehlern in einem flüchtigen Deutsch zusammen¬ 
getragen, das sogar von belustigenden Stilblüten nicht frei 
ist. Ein Wegweiser, wie dies Buch einer sein will, ist ein 
überaus nützliches Buch; wer aber einen Wegweiser fragt, 
der will eine kurze und bündige, dabei zuverlässige Ant¬ 
wort, keine langen Geschichten und Anekdoten hören und 
auch nicht auf Umwegen zum Ziele kommen. Manches, 
was hier auf einer Seite erzählt wird, könnte in drei Zeilen 
gesagt sein, und mancher Ratschlag würde besser nicht 
gegeben, weil sich auch auf anderm Wege das gleiche Ziel 
erreichen läßt. Einige Kapitel bieten wenig eigenes, andere 
sind ungenügend durchgearbeitet; so wichtige Abschnitte, 
wie das Berechnen der Druckarbeiten, dürfen nur gründ¬ 
lich oder gar nicht behandelt werden, und Fehler (wie z. B. 
die Berechnung der Stereotypie-Matrizen und -Platten mit 
0,05, 0,04 und 0,03 Pf., anstatt mit 0,5 Pf. usw.) dürfen 
nicht Vorkommen. Geradezu bedenklich sind die Kosten¬ 
anschläge für die Neueinrichtung von Buchdruckereien. 
Nicht nur darum, weil die Preise solcher Anschläge schon 
nach wenigen Jahren veraltet sind, hätte sich der Verfasser 
mit seinen „Ratschlägen“ begnügen und die Aufstellungen 
weglassen sollen, sondern auch, weil beide nicht zusammen 
stimmen. In den ersteren heißt es z. B.: „Die beste Ma¬ 
schine sei ihm gerade gut genug“; im Kostenanschlag für 
eine kleine Akzidenzdruckerei steht aber als einzige Druck¬ 
maschine „eine gute Tiegeldruckpresse komplett M. 1000.—“ 
Ein Kommentar dazu ist überflüssig. In der Aufstellung 
für eine kleine Akzidenz- und Werkdruckerei finden sich 
zwölf kleine Kasten, die aufgeführten Regale bieten aber 
Platz für 30 solcher Kasten, und zur Unterbringung der zur 
Anschaffung empfohlenen Schriften wären etwa 45 Kasten 
erforderlich. Dieselbe Druckerei soll — um nur noch einen 
Punkt herauszugreifen — mit je 1 Kilo feinen und punk¬ 


tierten Messinglinien und mit 2 Kilo Viertelpetit-Regletten 
auskommen. — Ein ungeheurer Schnitzer, der wahrschein¬ 
lich beispielslos in der Fachliteratur dasteht, ist dem Ver¬ 
fasser in dem Kapitel über die Setzmaschinenfrage unter¬ 
laufen. In der Rentabilitätsrechnung für die Monotype 
rechnet er unter Anlagekapital und laufenden Ausgaben 
mit zwei Gießmaschinen und drei Tastern und bei den 
gegenübergestellten Leistungen mit zwei Gießmaschinen 
und zwei Tastern. Daß da ein wunderliches Ergebnis („Ver¬ 
lust per Tag M. 23,10“) herauskommt, ist nicht verwunder¬ 
lich; erstaunlich ist es aber, daß der Verfasser dabei nichts 
gemerkt hat. — Einigermaßen oberflächlich ist auch das 
Kapitel über das Papier,und die entsprechenden Kenntnisse 
des Verfassers werden u. a. dadurch gekennzeichnet, daß 
ungeleimte Papiere „ordinären Drucksachen, sowie dem 
Zeitungsdruck dienen“ sollen. Der Verfasser weiß wohl 
nicht, daß gerade die besten Papiere, die guten Kupferdruck¬ 
papiere nicht geleimt sind. — Doch genug davon. — Der 
Stil des Buches ist mehr als flüchtig. Das Buch wimmelt 
nur so von überflüssigen Fremdwörtern wie „per“, „resp.“, 
„etc.“, „ca.“ usw. (Beispiele: „10 Proz. per anno“, „Ziffern 
rechnet man per je 1 Kilo“). Auf Seite 20 lesen wir den 
„schönen“ Nachsatz: „da es sich um einewissenschaftliche 
Arbeit handelt, dienurbeschränkte Liebhaberhat“; Seite35: 
„seinen Arbeitern etwas verdienen lassen“. — Die Satz¬ 
ausführung des Buches (offenbar Setzmaschine) endlich 
läßt auch viel zu wünschen übrig. Vor allem stören die un- 
erhört vielen schlechten Silbentrennungen am Zeilenschluß; 
dafür nur einige Beispiele: Akzidenzar-beiten, Vorfra-gen. 
Maschinenfabriken, Buchsta-ben, Bo-genzahl, Satzmate¬ 
rie (!), kei-nerlei, die-ses (!), nö-tig (!), üb-rigen (!) usw. Man 
mag dasBuch aufschlagen, wo man will: überall treten uns 
schlechte Trennungen entgegen, die sich zudem oft ohne 
zwingenden Grund zu ganzen Reihen untereinander an¬ 
häufen. Auch Zeilenenden wie u. | dergl. 2 1 /« I Pfg., sowie 
überflüssige und falsche Abkürzungen, wie Stck. statt Stück, 
Mk. statt M., ko. statt kg, cm. statt cm sind häufig; alles Satz¬ 
mängel, die selbst in flüchtigster Zeitungsarbeit nur selten 
anzutreffen sind, die aber in einem Buche für Buchdrucker 
nicht Vorkommen sollten. In einem solchen Buche dürfen 
auch nicht zweierlei grundverschiedene Ziffern benutzt 
werden: im Korpussatz Mediävalziffern, in der Petit (Ta¬ 
bellen, Aufstellungen u. dgl.) aber moderne Ziffern. Der 
Titel des Buches soll wahrscheinlich modern gesetzt sein, 
er ist aber ungewöhnlich häßlich. — Alles in allem: ein 
Buch mit gutem Grundgedanken, aber schriftstellerisch und 
technisch so, wie es nicht sein sollte. F—r. 

W Dreßlers Kunstjahrbuch 1906. Leipzig 1906. Verlag 
von E. Haberland. Preis Mark 6.—. In einem zarten und 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


recht geschmackvollen, der modernen Richtung durchaus 
entsprechenden Einband, der unserm Buchgewerbe ebenso 
Ehre macht, wie die sonstige musterhafte Ausstattung des 
vorliegenden Werkes, präsentiert sich der handliche Band 
mit dem schönen Heliogravürbildnis Meister Hans Tho¬ 
mas recht verlockend und einladend. Der sonstige bildne¬ 
rische Schmuck, der den ersten Bogen des Werkes ziert, 
ist ebenfalls recht zeitgemäß geschmackvoll. Auch das 
Weihe- oder Widmungsgedicht an Thoma von Paul Fried¬ 
rich kann man sich gefallen lassen. Und liest man das 
ein Inhaltsverzeichnis darstellende Blatt: „Wo finde ich?“, 
das am Kopfe einen Schlüssel neben einem Fragezeichen 
aufweist, so muß man bekennen, daß der Herausgeber für 
ein derartiges Nachschlagewerk recht gutes Organisations¬ 
talent bekundet. Also: Der Verlag hat viel getan, sich 
selbst mit diesem erstmalig erscheinenden Werke Aner¬ 
kennung und Ehre zu erkämpfen, vielleicht mehr als nötig 
für ein periodisch erscheinendes Werk. Der Herausgeber 
und — nach dem Vorwort — auch Vater des Gedankens 
hat dazu den nötigen Fonds des Könnens bewiesen — in¬ 
dessen — I Doch schicken wir hier voraus, daß der Her¬ 
ausgeber im Vorwort um „Nachsicht bittet für Fehler, die 
sich trotz aller Gewissenhaftigkeit in dieser ersten Ausgabe 
etwa eingeschlichen“ (seil, haben). Daran hat er gut ge¬ 
tan und wir haben auch gern allen guten Willen in uns ge¬ 
sammelt, als wir an die Prüfung des Werkes, die sich, dessen 
Natur entsprechend, nur auf Stichproben beschränken 
mußte, gegangen sind. Und nochmals: indessenI Wenn 
schon Stichproben so reichhaltige Mängel eines Werkes 
ergeben, wie im vorliegenden Falle, dann kann einem die 
Nachsicht doch recht unangebracht erscheinen, besonders 
unangebracht im Interesse des Werkes selbst, daß zu för¬ 
dern wir gern hierdurch bereit sind. Zunächst eines: Bei 
aller Anerkennung der guten äußeren Anlage oder Gliede¬ 
rung des Stoffes muß man doch den Mangel empfinden, der 
im gänzlichen Fehlen eines Künstlerverzeichnisses liegt, 
das —profan gesprochen—-nach Branchen geordnet ist. Ge¬ 
rade für den geschäftlichen praktischen Gebrauch, für den 
das Buch doch auch bestimmt ist, z. B. für das Buchgewerbe 
wäre es sehr schön, wenn eine Liste bestünde, in welcher 
man einen Hinweis auf jene im alphabetischen Namens¬ 
verzeichnis ausführlicher behandelten Künstler findet, die 
als Graphiker in erster Linie in Betracht kommen, etwa 
nach der Art der „Städteschau“ in Kürschners Literatur¬ 
kalender. Ferner: warum inkonsequent in der Anordnung, 
warum z. B. bei dem einen Künstler die Angabe über seine 
literarischen Biographien, bei andern, über die auch schon 
sehr viel geschrieben ist, aber gar keine Angabe hierüber. 
Hinrichs’ Bücherkataloge geben in leichtester Weise hier¬ 
über Aufschluß, man darf sich die Mühe, denn eine solche 
ist es, nur nicht verdrießen lassen. Hinrichs’ Kataloge 
hätten auch zur Vervollständigung herangozogen werden 
müssen, so fehlt bei Max Klinger dessen Biographie von 
Brieger-Wasservogel. Dies nur eins für viele Beispiele. 
Sehr erschwert wird die Benutzung dadurch, daß das alpha¬ 
betische Künstlerverzeichnis nicht streng einheitlich alpha¬ 
betisch in sich geordnet ist: z. B. folgende Reihenfolge: 
Kühn — Kuhn — Kühn, dann: Sturtevant und hinterher 
Stüttgen, hingegen erst Maennchen und dann Malchin, also 
einmal das e des Umlauts als selbständiger Buchstabe be¬ 
rücksichtigt, dann wieder nicht. Derartige Inkonsequenzen 
müssen ineinem Nachschlagewerke, von dem man schnellste 


Auskunft verlangen muß, unbedingt vermieden oder besser: 
unterlassen werden. Bei aller Nachsicht aber — um noch 
einen der größten Mängel des Werkes zu erwähnen — wird 
man ganz gewaltig verstimmt, wenn man Namen vermißt 
wie Hans Licht (Architekt), Seffner, Karl Ziegler, J.G.Drey- 
dorff, Honegger, Werner Stein, Weidenbach, Magnussen, 
Stuck, Kühl, Sascha Schneider, Mayr, Sturm (Bildhauer), 
Vogeler und viele, viele andere! Es finden sich Namen 
in Dreßlers Buch, die weitere Kreise noch nie gehört haben; 
das soll kein Vorwurfsein, im Gegenteil, aber dann müssen 
auch Namen genannt werden, die vielen — und zwar nicht 
den schlechtesten — Kreisen des großen Publikums 
Bilder und Werke vors Auge zaubern, die ihnen lieb ge¬ 
worden sind und die sie nicht vermissen wollen. Der Hilfs¬ 
mittel gibt es da so sehr viel, um Vollständigkeit erzielen 
zu können. Lieber das Erscheinen des Werkes hinaus¬ 
schieben. Auch in der Aufzählung der hervorragendsten 
Schöpfungen der einzelnen Künstler herrscht meist eine 
geradezu unbegreifliche Lückenhaftigkeit und Dürftigkeit. 
Dreßler stellt zwischen seinem Werke und Kürschners 
Literaturkalender in dem dem Werke beigefügten Be¬ 
sprechungs-Waschzettel Vergleiche an: Möge ersteres 
dem ’etzteren ähnlich werden, nicht nur an äußerem 
Aufbau, sondern auch an innerer Brauchbarkeit! Sonst 
wird der Schlüssel neben dem Fragezeichen falsch ge¬ 
deutet werden. S. M. 

V Graphische Festdrucksachen. In den letzten Wochen 
sind uns Drucksachen für Festlichkeiten in so großer Zahl 
zugegangen, daß eine Besprechung aller Arbeiten auch mit 
dem besten Willen nicht möglich ist. Wir greifen aus den 
Festdrucksachen einige heraus, denen wir ein paar Worte 
widmen, während wir von den andern hier nicht beson¬ 
ders angeführten Gegenständen gern anerkennen, daß sie 
technisch vorzüglich sind, dabei aber auch das Bestreben 
nach künstlerischer Ausbildung zeigen. — Der Faktoren¬ 
verein für Nürnberg und Umgebung hat anläßlich der zu Pfing¬ 
sten 1906 in Nürnberg stattgefundenen Tagung des Krei¬ 
ses V (Bayern) des Deutschen Faktoren-Bundes ein Fest¬ 
buch geschaffen, das nicht nur durch seine gute graphische 
Ausstattung (Druck der Königl. Bayer. Hofbuchdruckerei 
G.P.I. Bieling-Dietz, Nürnberg), sondern auch durch seine 
Aufmachung den Beifall derFestteilnehmer gefunden haben 
wird. Wir können übrigens der Aufmachung durchaus 
keinen Geschmack abgewinnen, denn ein Buch soll doch 
die Form des Buchblockes (Rechteck usw.) haben, nicht 
aber diejenige eines Turmes. Das ist unsres Erachtens 
vielleicht (?) bei Kinderspielbüchern angebracht, nicht aber 
bei einer Festschrift, die einen gediegenen Inhalt hat und 
technisch in jeder Hinsicht ohne Tadel ist. Neben der 
Beschreibung der 10jährigen Wirksamkeit des Faktoren- 
Bundes, dem Programm, einer Aufzählung der Nürnberger 
Sehenswürdigkeiten bringt das Buch auch eine von Carl 
Kempe sen. in Nürnberg verfaßte Abhandlung über die 
graphische Industrie Bayerns, die trotz ihrer Kürze sehr 
interessant ist und der Festgabe erhöhten Wert verleiht.— 
Die Kommission der Drucker und Maschinenmeister im Buch¬ 
druckgewerbe zu Leipzig hat zu ihrem am 7. und 8. Juli 1906 
stattgefundenen X. Stiftungsfest eine knapp gefaßte Fest¬ 
schrift herausgegeben, die eine Übersicht über die Ent¬ 
wicklung des Vereins, sowie über seine Arbeit auf gewerk¬ 
schaftlichem und technischem Gebiete gibt. Das Heftchen, 
ganz aus Augsburger Fraktur gesetzt, verdient ob seiner 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


sehr hübschen und einheitlichen Ausstattung besondere 
Anerkennung. — Die Typographische Vereinigung Leipzig 
hat anläßlich ihres II. Stiftungsfestes einen Tätigkeitsbericht 
mit gleichzeitiger Beifügung des Festprogramms heraus¬ 
gegeben. Die Ausstattung des Heftes, von dem wir in Heft 4 
des Archiv für Buchgewerbe einige Proben als Beilagen 
brachten, ist eine durchaus vornehme und einheitliche und 
zeigt, daß die Pflege, die die genannte Vereinigung beson¬ 
ders der künstlerischen Druckausstattung widmet, gute Er¬ 
folge hat. — Unter den vielen Eingängen von Johannisfest¬ 
drucksachen befindet sich eine große Zahl sehr guter Lei¬ 
stungen, die ebenso das rege Streben der Fachgenossen auf 
technischem Gebiete, wie das mehr und mehr zunehmende 
Verständnis für künstlerische Ausstattung erkennen lassen. 
Die anhaltenden Bemühungen der buchgewerblichen Ver¬ 
einigungen für Ausbildung ihrer Angehörigen sind nicht 
ohne Einfluß geblieben, so daß die Zukunft das Beste er¬ 
hoffen läßt. Leider können wir wegen Raummangel auch 
nicht auf die besten Arbeiten eingehen, wir bitten aber alle 
Einsender überzeugt zu sein, daß die Johannisfestdruck¬ 
sachen in den Sammlungen des Deutschen Buchgewerbe¬ 
museums entsprechende Würdigung finden werden. W.S. 

V E. Brandts Kolorier-Tafeln für Buchdrucker mitFarben- 
Erklärungen und Anleitung zum Kolorieren. Preis M. 2.—. 
Verlag von E. Brandt & 0. Brinckmann , Hamburg. Mit dem 
vorliegenden Werke ist der Versuch gemacht, den Fach¬ 
genossen auf die einfachste Art in das Wesen der Farbe 
einzuführen. In einem kleinen Heftchen ist eine kurze 
Farbentheorie enthalten, die in erklärender Form die Far¬ 
benzusammenstellungen und Mischungen beschreibt. Der 
Inhalt dieses Heftchens bezieht sich besonders auf eine in 
einem Quartsonderheft enthaltene größere Anzahl in der 
Farbe matt gehaltener Akzidenzvordrucke, die derErwerber 
des Werkes übungshalber zu kolorieren hat. Ich halte das 
Ganze für recht praktisch; besonders dort wird sich das 
Ganze gut bewähren, wo die Möglichkeit nicht vorliegt, zuvor 
Probedrucke von Sätzen zu machen. Als einen Mangel der 
Tafeln erscheint mir aber das Fehlen farbiger Papiere, auf 
denen das Arbeiten mit Farben besonderer Übung be¬ 
darf. Bekanntlich wirft ein bunter Papierstoff alle theore¬ 
tische Farbenmischung über den Haufen, so daß hier der 
praktische Versuch das einzige Mittel ist, das zum Ziele 
führt. S. 

W Katalog der Firma Koenig & Bauer , Maschinenfabrik 
Kloster Oberzell , G. m. b. H. in Würzburg. In einem umfang¬ 
reichen Bande gibt die bestbekannte Firma der Fachwelt 
ein Bild von der großartigen Entwicklung des Rotations¬ 
maschinenbaues und von der zunehmenden Verbreitung 
dieser Druckmaschinengattung. Neben Maschinen für ge¬ 
wöhnlichen Zeitungsdruck enthält der Katalog zahlreiche 
Abbildungen von Rotationsmaschinen für Werk-, Illustra¬ 
tions- und Mehrfarbendruck, sowie solchen für wechselnde 


Formate. Die veranschaulichten Maschinen sind in großer 
Zahl im In- und Auslande verbreitet, aus den Abbildungen 
aber geht hervor, welche Sonderwünsche die Fabrik zu er¬ 
füllen hatte und wie vielseitig die Anforderungen sind, die 
die schnelle Erzeugung der Drucksachen wiederum hervor- 
rufen. Über die fortschreitende Leistungsfähigkeit der 
Firma Koenig & Bauer Worte zu verlieren, erübrigt sich; 
ein Blick in den vorliegenden Katalog gibt einen Beweis 
von dem Umfange und der Produktion der Firma auf dem 
Gebiete des Schnellpressenbaues. S. 

V Neue Druckproben von J. Adolf Schwarz in Lindenberg 

im Algäu. Über die Leistungen dieser aufstrebenden Firma 
konnte ich mich schon des öftern in sehr günstigem Sinne 
äußern. Aus Anlaß der Bayrischen Jubiläums-Ausstellung 
in Nürnberg hat nun der Inhaber der Firma, Herr J. Adolf 
Schwarz, ein sehr gut ausgestattetes Empfehlungsheftchen 
herausgegeben, das auch eine von ihm verfaßte kurze Ab¬ 
handlung über die Kunst und deren Einfluß auf den Buch¬ 
druck enthält. Der Inhalt läßt erkennen, daß der Verfasser 
neben seiner Berufstätigkeit auch der modernen Bewegung 
im Buchdruck sein Interesse zuwendet und hierdurch wie 
durch die gute Ausstattung seiner Erzeugnisse viel Ver¬ 
ständnis für die gesamte Buchkunst bekundet. S. 

V Geschichte der Photographie von Hofrat Professor 

Dr. J. M. Eder f Direktor der k. k. graphischen Lehr- und 
Versuchsanstalt in Wien. Mit 148 Abbildungen und 12 Ta¬ 
feln. Dritte gänzlich umgearbeitete und vermehrte Auflage. 
Halle a. S. 1906. Verlag von Wilh. Knapp. Preis M. 12.—. 
Während die erste Auflage dieses hervorragenden Werkes 
nur geringen Umfang besaß, ist die dritte Bearbeitung zu 
einem stattlichen Band von nahezu 500 Seiten angewach* 
sen, ein Beweis dafür, wie sehr der geschätzte Autor be¬ 
müht gewesen ist, diese „Geschichte der Photographie“ 
durch Herbeischaffung weiteren Materiales zu vervoll¬ 
ständigen. Sie ist bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fort¬ 
geführt, und zwar mit solcher Sorgfalt, daß das Werk als 
zuverlässiger Führer bei allen einschlägigen Forschun¬ 
gen dienen kann. Daß bei dem umfangreichen Gebiete 
immer noch zu ergänzen und zu verbessern ist, wird dem 
einsichtigen Leser ohne weiteres verständlich sein. So 
sollte der Ausdruck „panchromatische Platten“ ausgemerzt 
werden, solange es noch keine solchen gibt. Man muß 
sich beizeiten daran gewöhnen, die richtige Bezeichnung 
für eine Sache zu wählen; hier wäre der geeignete Platz 
für solche Richtigstellungen. Dem Werke sind weiter eine 
Anzahl hochinteressanter Abbildungen, die auf die Photo¬ 
graphie Bezug haben und die selten geworden, oder schwer 
zugänglich sind, beigegeben worden. Sie tragen wesentlich 
zum Verständnis bei. Namentlich unter den 12 Tafeln sind 
sprechende Belege für wertvolle Leistungen aus der Erst¬ 
lingszeit der Photographie vorhanden. Einer besonderen 
Empfehlung bedarf das Werk nicht. Ad. 


Inhaltsverzeichnis. 


Der Dreifarbendruck. III. S. 333. — Plattenunterlagen und 
Facettenhalter. S.340. — Neuerungen in der Zeitungstech¬ 
nik. S. 345. — Der Ersatz des Unterbandes. S.348. — Die 
Buchgewerbliche Abteilung auf der III. Deutschen Kunst¬ 
gewerbe-Ausstellung Dresden 1906. S. 352. — Der schräge 


Falzkegel der Schreibschriften. S. 354. — Buchgewerb* 
liehe Rundschau. S. 355. — Patentliste über neue Erfin¬ 
dungen und Verbesserungen. S. 357. — Aus den graphi¬ 
schen Vereinigungen. S.359. — Bücher- und Zeitschriften¬ 
schau; verschiedene Eingänge. S. 362. — 8 Beilagen. 


364 


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Original frorn 

PRINCETON UNtVERSITY 



rippfpr 





Gedruckt mit Material 

Beilage zum Jlrchiv für Buchgewerbe aus der Schriftgiesserei Genzsch er Tieyse 

in Hamburg 


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Original frörri 

PRINCETON UNIVERSITY 


















Erfolg brr Brrabnrr ßunftgrmrrbr=Busftrllung ftrfjt 
mobl frft; mit tßrftbmad) und Brrftänbnia ift allrs auf= 
M| grftrlltunbgrorbnrt,manfrrutfiri)anbrnaltrn0d)äbrn, 

(M IaJ H$ an mandjrm iflrurn, man rrfäbrt, mas bri uns auf birfrn 
mritrn ißrbirtrn grlrbrt, grarbritrt unb rrftrrbt mirb. Qm 
fo rrnftrr ift Uir tßrfabr brr autb bort uorhommrnbrn 
Jfarbrnhranhbrit, brr Bbftumpfung unb Brrhommrnbrit brs farbrn* 
fmns. Bir Busftfllungslritung trifft hrinr Örijulb; mas fir in bir %anb 
nahm, ift im Kolorit brmrrbrnsmrrt frrubig unb frifdj. Jflun hommt 
man auf bir rrlrfrnrn Ißrifpirlr mobrrnrr brutfdjrr töaumhunft. d&otjl 
in hriurm anbrrn iTanbr brr SHrlt mirb augrnblidilid) fo oirl intrnfior 
griftigr Brbrit auf birfrs ßunftgrbirt orrmanbt. ßann mau fidj mobl 
giinftigrrr Borbrbingungrn brnhrn? 

^rn brr ßrramih, untrr brn Mdtrrrirn unb autb in rinigrn anbrrrn 
ij Bbtrilungrn ift auf holorirrtrm tSrbirt oirl Erfrrulidjrs =u frbrn, ba= 
grgrn mirbrn bir in allrn ITrilrn Brutftblanbs grfdjaffrnrn 2immrr= 
rinritbtungrn brbrüriirnb. iflidjt mrgrn brr pbvfifdjrn ßrrinfluffung all 
brr triibrn Jfarbrn, fonbrrn mrgrn brr fidj öffnrnbrn Busblithr in bir 
tSrgrnmart unb Zuhunft. Iribrr muß man annrbmrn, ba& brn mafc= 
grbrnbftrn ßaumhünftlrrn, brn brritrftrn Ödjidjtrn brr iBroölhrrung 
brr JFarbrnfinn unb bir JFarbrnfrrubr abbanbrn grhommrn finb. ßrlbft= 
orrftänblid) Ijaltrn bir ßünftlrr unb ßunftlirbbabrr bir lönr nidjt für 
fdjmutjig, fonbrrn für raffinirrt unb fubtil. Jjd) hrnnr unb lirbr fubtil 
raffinirrtrlönr. SHrsbalb nidjt rinfad) in brn tßartrn grljrn, bort Irrnrn, 
mo oirlr jRlriftrr Irrntrn. Ujirr ftrbrn Zinnirn, gan= grmöljnlidjr IÖaurrn= 
blumrn; haum möglitb, bir ßraft birfrr frltrnrn, märdjrnbaftrn farbrn 
*u übrrbirtrn. ißlübrnbra Bjodjrot, mildjigrs tiolbhupfrr, pflaumrn= 
farbigrs flflagrnta unb rin brllfrijrorfligra tßrlb. Bann ftubirrr man an 
lDflan=rn, mir bir lönr brr ßlütrn unb brr Üinofprn surinanbrr ftrbrn, 
mir =u birfrn bas balb hräftigrrr, balb =artrrr #rün brr Ödjutjblättrr 
unb JMrngrl barmonirrt. Jüan brobatbtr bir farbrnbarmonirn rinrr 
lüirfrr, iljrrr jjlabrln, brr Bftr, brr brn Ötamm umgrbrnbrn <§räfrr. 
rxinb in irgrnb rinrr lDrriobr irgrnb rinrs Bolbra bir farbrnlrljrrn 
Z2 brr ßlumm orrhannt roorbrn? !Jn brinrr! Bir Öhala ift mandjmal 
orrfrinrrt, mandjmal brrb, immrr, ob im Brirnt obrr im lBh=ibrnt, in 
hlaffifdjrr Zrit, ob im jRlittrlaltrr, im JTouis Buin=r obrr im lßirbrrmrirr= 
grftbmadi, immrr nnb übrrall finbrt man rrinr unb frifdjr farbrn. 


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Original from 

PRINCETON UNiVERSITY 







>iir farbrn brr ijrutf üblidjrn IJnnrnräumr pnb, um nirfjt oor rinrm 
Isj rrdjtrn jpamrn surütfe’uftbrrthrn: ßrbritbtbaufrntönr. Brrblaptr 
unb orrftboffrnr Xönr babrn rinrn unfäglitbrn ßris, botb frtjrn pr nur 
urfprünglitb hräftigr, hlarr farbr ooraus. Sarum hönnrn bir |rt|iffrn, 
hünftliib brgrabirrtrn farbrn nir autb nur annäbrrnb jrnr nirllriibt 
hranhbaftr, aber botb mrrtnoür Stbönljrit rrrridjrn. lBrim tßrbrautb 
mrrbm pr balb, frbr balb brn grnaurn Xon brr im Sibut? unb Staub 
brrumlirgrnbrn Xumprn rrrridjrm Sirs bir brlirbtr, üblidjr farbrn= 
umgrbung unfrrrr grbilbrtftrn ßrrifr. 

£*usftblirplitb bntnrr farbrn miirbrn uns nidjt =ufagrn; rs gibt abrr 
Jfl autb rdjtr rinmanbsfrrir Xönr, bir munbrrooü orrmittrlm So pnb 
jpaturfarbrn, bir mattrn, ftumpfrn Xönr brr orrftbirbrnrn ißrftrinr unb 
BjoUartrn brroorragrnb fdjön. ßushin, brffrn farbrnpnn unübrrtrrff= 
litb mar, brr rrinr, irurbtrnbr farbrn als bödjftr iBffrnbarung brgriprrt 
prirs, brn bir Eimmrr frinrr brutigrn brutfdjm ßrmunbrrrr in lfiafrrri= 
ausbriidjr orrfrprn miirbrn, Jobn iftushin tjirlt brn ipintrrgrunb oon 
orrftbirbrnfarbigrn Strinrn für münpbrnsmrrtrr als jrbr nrrgänglitbr 
frrshomalrrri; nur bas faft unsrrftörbarr jfHofaiit lirp rr nod) brftrprn. 
So ift autb blaffr, mattr ßrramih, fo oorpdjtig man rinr Paur tßrfamt= 
mirhung orrmribrn folltr, mril luft= unb lidjtrtbt, oollauf brrrdjtigt. 
Trn rinigrn ßäumrn pnb frrilitb autb bräftigr farbrn =u frbrn, birfr 
•l) töäumr mirhrn ftblimm! So mar =u rotrm jplabagoni rin rotrr Stoff 
orrmanbt, brr =um ipimmrl ftbrir. Soltbr hrapfarbrnrn groprltrrlidjrn 
unb rltrrlitbrn Eimmrr pnb rbrnfo „mobrrn“ mir bir fdjmutffarbrnrn, 
unb orrbupt fragt man ptb, ob brnn gar hrinr orrfrinrrtr farbrnfrrubr 
brutr in Srutfdjlanb brftrpt. Jlft birfr Surllr rrinrn anrrgrnbrn ißrnuffrs 
orrprgt? üjabrn fo oirlr hrinrn tßrfallrn am tirfrn ßupfrrorangrgolb 
brr jftbrnbglut in Brrbinbung mit brn =art frrgrünrn Xönrn brr obrrrn 
Xuft unb am mattrn Xila brr übrr brm bunftropgrn öftlitbrn Bjimmrl 
fdjmrbrnbrn SHolhrn? jbm fanftrn $Hrip brr flflaiglödubrn im brll= 
Irudjtrnbrn Xaub? iQrfdjränht ptb iljrr jpugrnmribr nur auf orrborrtr 
Strpprn, auf naffr mintrrlidjr Straprn obrr anbrrrrfrits auf bas im 
Ütrru=ftidj grarbritrtr buntr Sofahiffrn brr ißropmuttrr? ßomponirrrn 
pr nur auf birfr farbrnrlrmrntr bin ibrr Eimmrr? 
irs banbrlt fltb boffrntlitb nur um rinr oorübrrgrbrnbr fpifobr. i£ng= 
VL lanb mar in brr plittr brs nrun=rbntrn tjaprljunbrrts, mas farbrn 
anbrtrifft, in brrrtbtigtrm Brrruf; brutr ftrbt rs barin an rrftrr Strllr. 


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PRINCETON UNSVERSITY 






für öir Jluaftattung örr nerlirgrnörn Britrn 
arrmrnörtrn mir öir aan uns in 11 tßraörn 
unö ?roar non ßrtit bis 6=<ffirrra grgeffrnr 




Sir |E>faitrr*tßotifdj ift rin örn moörrnrn fln= 
forörrungrn rntfprrdjrnörr jfirufdjnitt jrnrr 
lBud)fd)rift, mit mridjrr öaa fu(t=Bdjöffrr'fdjr 
I^faitrrium aua örm tfaljrr 1457, örffrn Bar* 
brrritung nodj töutrnbrrg ?u?ufd)rribrn ift, 
grörudit murör. Safe öirfr Bdjrift aud) örm 
ijrutigrn Zritgrfdjmad» rntfpridjt, srigrn öir 
oorlirgrnörn pnmrnöungrn, mridjr inoi|l iljrr 
öaurrnör £d)änl)rit brmrifrn. Sir Brrmrnö* 
barhrit örr |E>faltrr=iSotifdj ift öraljalb and) 
faft unbrgrrn?t. IJn grfdjloffrnrr finorönung 
ift öir ßdjrift oon auagrgridjnrtrr flädjrn» 
roirhung, mir fir anörrrrfrita rbrnfo oer?üg= 
lid) für fpirnöiörn tSröidjtfntj unö jjlrriörn?rn 
mannidjfadjftrr prt grrignrt ift. Sdjrift unö 
ßdjmudimatrriai aua örrödjriftgirftrrri nan 


ißrn?fdj & Ibryfr, Bjamiiurg 


iSrudi örr üjiiusörudirrri 
örr Ödjriftgirftrrri oon ißrnsfd) & Ujryfr 
in tyaniburg 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 










c7 Cergestellt mit Scßriften und Ornamenten 
der o Tirma Scße'lter 6j giesedie, Leipzig 


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Beilage zum fstrcfjiv für 3&ud)gewer6e 
2)rud< von fBreitßopf 6f fKärtel, Leipzig 


Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSiTY 











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Original fram 

PRINCETON UNiVERSITY 




FREIE BUHNE 

RHEINISCHE ZEITSCHRIFT 
FÜR BÜHNENDICHTKUNST 

I. JAHRGANG - JANUAR 1907- HEFT 1 


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HEINRICH REICHENBACH 

DORTMUND 



mgSRmsEEgm&ssRBissRmsiEm: 


i jurn Archiv fär Buc! 














































































1 









Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 







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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 


Beilage /um Brdjip für Budjgeroerbe Druck oon Breitkopf & Partei, feip/ig 

























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Original ffom 

PRINCETON UNiVERSITY 




OIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIO 


Eugen Friedberger & Sohn • Düsseldorf 

Beilage zu 



OIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIOIO 

m Archiv für Buchgewerbe Druck von Breitkopf & Hin 

tel, Leipzig 



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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



mm 


Qesetfticfi gefcTütjtes 
Öriginaf-Grseugnis % 
St. ßouis: 5ofd. ( IJled. 


förianon“ 

<£) Schriß und Schmuck nach 
Zeichnungen von Qch. Wieynk 
bfeibt froh affer Dlachfchöpfungen 
das beßgeeignetße ffllateriaf zur 
vornehmßen SfLusßattung von 
SfLccidenzen , fyrifchen Werken 
etc . Q5iefe Schriß bedeutet die 
(Srfüffung affer Wünfche nach 
einer kurfiven Drucktype auf der 
Qrundfage after, fchwungvoffer 
Schreib formen des achtzehnten 
£'Jahrhunderts . ££> Qfroben ver= 
fendet nur an fJntereffenten die 


Qesefiticfi gefertigtes 
Original Grseugnis %■ 
St. ßouis: Gofd. c ffled. 


fßauerfche Cfießerei, Frankfurt a. (flXain 




ei Anschaffung 

von Brotschriften 


beachte man: 

unsere Original-Schnitte! 
unsere Schriftlinien-Reform! 
unsere billigen Preise! 


QENZSCH & HEYSE 

Schriftgiesserei in Hamburg 

Neuheit: Bavaria-Cursiv • Originalschnitt .-> Deutsche Normallinic (Universallinie) 


Man verlange unsere neuen Preislisten 


365 


47 


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Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 

























ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 




Sämtliche Maschinen werden im Betriehe vorgefilhrt in Xiirnberg, Wodanstraße 81, 
gegenüber llauptportal Jubiläumsausstellung, Interessenten sind zur Besichtigung 
dieser Buchbindereieinrichtung häßlichst eingeladen. 


oho« J*( 1 m B&ndvr • W#ch»*l, dH Vorrichtung grg.n 
Qatuehfelioo •rlbu in •ttrk.a Papt«rcn und ».r.t.ll- 
bir«o Dopp»l-F* 4 to-I!*ftapp*rtMa. 


Preusse & Compagnie, Maschinen-Fabrik, Leipzig. 

Gegründet 1888 Filialen: Berlin, Paria. 

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örsafzpapieren 

nact) CnttDÖrfen 1. Künftler 
slnb erfdjlenen unb liefert 
bfe graphische Kunst-nnstalt oon 

C.Bufcfi-MalloisSoehne 

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Probeblätter zu m ■ ■ ■ mm 4 

r——n Wilhelm Uloellmers 

l Schriftgießerei • Berlin SW. 

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Telegramm - Adresse : 
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Telephon: VI, No. 3051. i 


«1 


pNl 


wm 


mm 


SAXONIA-SCHRIFT 

in mageren und fetten Schnitten, mit Initialen 
X2t\ und 3icrat nad) Entwürfen von Richard Grimm. 
Die Saxonia eignet fid> in den kleineren Graden 
vorzüglich zum Sa$e von modernen Büchern, 
3eitfd)riften,Katalogen l Riindfd)reibenetc.etc. 
Als Akzidenz- und Reklamefdjrift ift pe äußerft 
verwendbar und von fel}r dekorativer lUirkung. 

l—. =i Ausführliche Änwendungsproben auf Verlangen i =i 

Julius Klinkljardt in Leipzig 

:: Schriftgießerei und Mefßnglinien-Fabrik :: 






























ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Bogenzuführungs-Apparat „Universal* 

Kleim & Ungerer, Leipzig-Lindenau 

□ ln allen Kulturstaaten patentiert, I I j vL 

für Schnellpressen aller Systeme. |_| 

Kein Verschmieren des Druckes, auch des schwersten §|B Jr 

Illustrationsdruckes nicht. '' z 1 / 0 

Arbeitet pneumatisch,kein falzbeinartiges Ausstreichen, *■ 1 A & j j Jl 

gestattet deshalb schnellstes Umschlagen d. Auflagen. tjÄwS 

Sicheres Funktionieren auch bei den größten Formaten, f 

sowie beim Einlegen von zwei Bogen. Bisher 1 (’ ‘ 1 

Folgt jeder Geschwindigkeit der Presse. etwa 750 Stück 

Praktisch f. kleinste Auflagen, da keine Verstellg. nötig. an erste Firmen -'W / 

Erschwert nicht das Zurichten. geliefert. 


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Gch igle 


Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 


Gebrauchte Maschinen, 


bei Lieferung neuer in Zahlung ge¬ 
nommen, gründlich durchgesehen 
und repariert, sind stets vorrätig 
und preiswert abzugeben. 
Lagerliste zur Verfügung. 

KARL KRAUSE, LEIPZIG. 


367 







































ssssü? 


- ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE — 


VERGOLDE,- 
Presse Krause 

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368 


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Beilage zum „Archiv für Buchgewerbe“. 


Gedruckt in der Akademie. 


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PRINCETON UNIVERSITY 






ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 

43. BAND _ OKTOBER 1906 _ HEFT 10 

HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 


Verzeichnis von Personen und Firmen 

die in den Monaten Juli, August und September 1906 dem Deutschen Buchgewerbemuseum 

Schenkungen überwiesen haben. 


Art. Institut Orell Füßli, Zürich: Häuselmann, Kleine 
Farbenlehre, 2. Auflage. — Bard, Marquardt & Co., Berlin: 
Die Kultur, Band 8 und 9; Die Literatur, Band 31,32 und 33. 

— Hans Bartholdi, Wismar: Goeßler, Erziehung zur Kunst. 

— Herrn. Böhlaus Nachfolger, Weimar: Dr. Martin Luthers 
Werke, Band 32. — J. C. C. Bruns Verlag, Minden: Hage¬ 
mann, Worte Ruskins; Regener, Worte Buddhas; Hage¬ 
mann, Wilde-Brevier.— Olaf M. Bryde, Christiania: Eine 
Anzahl Drucksachen. — Buchhandlung des Stenographen- 
Verbandes Stolze-Schrey, Berlin: Kürzungsverfahren nach 
Stolze-Schrey, Teil 1 und 2; Systemurkunde. —Joh. Bur¬ 
meisters Buchhandlung, Stettin: Busch, Deutsche Kurz¬ 
schrift, 1. Stufe. — Compagnie Laferme, Dresden: Eine An¬ 
zahl Plakate. — Desered Sunday School Union, Salt Lake 
City: Bible Lesson Pictures. — Deutsche Verlags-Anstalt, 
Stuttgart: Rembrandt-Almanach 1906, 1907. — Deutscher 
Künstlerbund, Weimar: Zwei Plakate. — Wilh. Engelmann, 
Leipzig: Wundt, Essays, 2. Auflage. — Fäsi & Beer, Zürich: 
Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, Band 7,1. 

— Ernst Frensdorff, Berlin: Gaudy, Karikaturenbuch. — 
H. Geiser, Grasse: Drucksachen. — Gesellschaft zur Ver¬ 
breitung klassischer Kunst, Berlin: Jacobi, Rembrandt.— 
Globus-Verlag, Berlin: Ewers, Führer durch die moderne 
Literatur. — Großherzoglich Badische Hof- und Landes¬ 
bibliothek, Karlsruhe: Holder, Die Reichenauer Handschrif¬ 
ten, Band 1. — G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, Berlin: 
Pochhammer, Ein Dantekranz, Lieferung 1 und 2. — Har¬ 
monie, Berlin: Hochstetter, Prinz Romeo. — Herrn. Hey¬ 
felder, Freiburg: Lamprecht, Deutsche Geschichte. — 
H.Hohmann, Darmstadt: Ein Plakat. — Insel-Verlag : Boc¬ 
caccio, Fiametta; Lermontoff, Ein Held unserer Zeit; Mur- 
ger, Die Bohfeme. — Axel Juncker Verlag, Berlin: Lasker, 
Das Peter Hille-Buch. — P. Kehrein, Neuwied: Schultz, 
Musteralphabete. — W. Knapp, Halle: Unger, Die Her¬ 
stellung von Büchern, Illustrationen, Akzidenzen usw.; 
Blecher, Verwendung des Zinks; Miethe, Künstlerische 
Landschaftsphotographie, 2. Auflage; Enzyklopädie der 
Photographie, Band 53 und 54; Katechismen der Photo¬ 
graphie, Band 10. — C. H. Knorr, A.-G., Heilbronn: Eine 
Anzahl Plakate. — Kunstgewerbe- und Handwerkerschule 
Magdeburg: Zwei Drucksachen. — Kurverwaltung, Bad 
Nauheim: Zwei Plakate. — Albert Langen, München: Eine 
Anzahl Plakate. — G. Löffler, Riga: Vorsatzpapiere; Drei 


russische Märchenbücher. — Meisenbach, Riffarth & Co., 
München: Drucksachen vom XV. Deutschen Bundes¬ 
schießen in München 1906. — Georg Merseburger, Leipzig: 
Kielland, Novellen. — Meullenhoff & Co., Amsterdam: 
Drucksachen. — H. Miethke, Wien: Ein Plakat. — Mattheus 
Müller, Eltville: Zwei Plakate. — A. Müller-Fröbelhaus, 
Dresden: Kuhlmann, Beiträge zu neuen Wegen des Zeichen¬ 
unterrichts, Heft 1, 3,4, 5. — Museum der bildenden Künste, 
Leipzig: Zwei Plakate. — L. Oehmigkes Verlag, Berlin: 
Schulz, Hand-Fibel. — Joh. Paul, Leipzig: Paul und Leh¬ 
mann, Hilfsbuch bei Herstellung und Preisberechnung von 
Druckwerken, 4. Auflage. — Carl Ernst Poeschel, Leipzig: 
Knoll & Reuther, Theaterreformen; Rothenburg-Mens, 
Verhältnis der Schauspielkunst zum Drama; Brosius, 
Sprachsünden. — Fr. Ant. Prantl, München: Drucksachen 
vom XV. Deutschen Bundesschießen in München 1906. — 
J. H. Robolsky, Leipzig: Henseler, Leitfaden zur Erlernung 
des zweiten Teils „Deutsche Eilschrift“. — M. Rockenstein, 
Berlin: Merkbüchlein für den Reform-Zeichenunterricht. 

— Fr. Rothbarth, G. m. b. H., Leipzig: Roeßler, Die Frau, 
Band 8 und 9. — O. W. Scharenberg, Königl.Baurat, Leipzig: 
Ein Plakat. — Gust. Schmidt, Berlin: Offizieller Kata¬ 
log der allgemeinen photographischen Ausstellung Berlin 
1906; Vogel, Taschenbuch der praktischen Photographie 
1906. — Theodor Schnitzler, Düsseldorf: Zwei Plakate. 

— Schöneberger Centralbuchhandlung, Berlin-Schöneberg: 
Voß, Stenographie. — Jos. Scholz, Mainz: Jüttner, Backe, 
Backe Kuchen; Liebermann, Kindersang, Heimatklang. 

— Schulbuchhandlung von F. G. L. Greßler, Langen¬ 
salza: Geyer, Der neue Zeichenunterricht, Heft 1 bis 3. 

— B. G. Teubner, Leipzig: Aus Natur und Geisteswelt, 
Band 87, 100, 116; Reiff, Praktische Kunsterziehung; 
Röthig, Lehrbuch der Verkehrsschrift; Keller, Die Er¬ 
ziehung als Kunst. — Union, Deutsche Verlagsgesellschaft• 
Stuttgart: Katalog der großen Berliner Kunst-Ausstellung 
1906. — Velhagen und Klasing, Bielefeld: Künstler-Mono¬ 
graphien, Band 3, 76 bis 84. — Verlag der Deutschen 
Dichter Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel: Volks¬ 
bücher, Band 1 bis 10; Hausbücherei, Band 1 bis 19. 

— Verlag der Lustigen Blätter, Dr. Eysler & Co., G. m. 
b. H., Berlin: Almanach der Lustigen Blätter 1906, 1907; 
Eine Anzahl Plakate. — Deutsches Verlagshaus Bong & Co., 
Berlin: Kraemer, Der Mensch und die Erde, Band 1. — 

48 


373 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Fr. Vieweg & Sohn, Braunschweig: Meyer, Jahrbuch der 
Chemie 1905; Handbuch der chemischen Technologie, 
Neue Folge, Lieferung 13 und 14. — Wilh. Weicher, Leip¬ 
zig: Hach, Rembrandt. — Weidmannsche Buchhandlung, 
Berlin: Berliner Bibliothekenführer. — A. Wertheim, Ber¬ 
lin: Zwei Plakate. — A. W. Zickfeldt, Osterwieck: Winkler, 


Stenographisches Schönschreibheft 1 bis 4; Federle, Kur¬ 
zer Lehrgang der Stenographie Gabelsberger. — Ottmar 
Zieher, München: Drucksachen vom XV. Deutschen Bun¬ 
desschießen, München 1906. — W. Zimmermann , Mün¬ 
chen: Drucksachen vom XV. Deutschen Bundesschießen, 
München 1906. 


Allen freundlichen Gebern sagen wir auch an dieser Stelle aufrichtigen Dank und bitten, dem Buch- 
gewerbemuseum auch künftig Druckarbeiten aller Art, Bücher, Einzelblätter, Zirkulare und andre 
Akzidenzen, soweit sie technisch oder künstlerisch von Interesse sind, überweisen zu wollen. 


Der Vorstand des Deutschen Buchgewerbevereins. 


Der Dreifarbendruck. 

Von Professor ARTHUR W.UNGER.Wien. 
IV. 

Der Druck von Dreifarben-Autotypien. 


E S ist wohl überflüssig, des langen und breiten 
auseinanderzusetzen, daß der Dreifarbendruck 
an den Buchdrucker ganz besonders hohe An¬ 
forderungen stellt und zu seiner Buchführung tüch¬ 
tiger, gut geschulter Kräfte bedarf. Die beim gewöhn¬ 
lichen, nämlich dem monochromen Illustrationsdrucke 
zu beobachtenden Regeln haben natürlich auch hier 
volle Gültigkeit. Der Einfluß der unterschiedlichen 
Faktoren, welche in großem Maße auf das Endresultat 
im typographischen Bilderdrucke einwirken, ist je¬ 
doch da ein noch größerer, bestimmenderer. Und zu 
den mancherlei Eigenschaften, die den Illustrations¬ 
drucker zieren sollen, muß sich beim Dreifarben¬ 
drucke eine sehr wichtige dazugesellen, nämlich 
Farbensinn, den man leider nicht allzuhäufig antrifft. 

Das Allgemeine betreffend ist zunächst hervorzu¬ 
heben, daß selbstverständlich eine sorgfältige Egali¬ 
sierung und eine ebenso durchgeführte Zurichtung 
Grundbedingung sind. Und wie beim Klischeedruck 
überhaupt, kann nicht warm genug auch hier empfoh¬ 
len werden, die Egalisierung (und selbst die Zurich¬ 
tung unter Umständen) zwischen Platte und Unter¬ 
lage anzubringen. Stehen Facettenblöcke, einerlei 
welcher Art, im Gebrauche, so begegnet dies keiner¬ 
lei Schwierigkeit. Bei auf Holz aufgenagelten Plat¬ 
ten ist es schon nicht mehr so leicht, sondern viel 
umständlicher durchzuführen. Namentlich besteht in 
diesem Falle die Gefahr, daß die Klischeeplatten, 
wenn die zwischen ihnen und den Unterlagen ein¬ 
gefügten Zurichtungen dicker sind und die Stöcke in 
einer Zylinderschnellpresse gedruckt werden, wäh¬ 
rend des Auflagedrucks allmählich verschoben, ja 
selbst von den Hölzern losgerissen werden. Nicht 
immer helfen dagegen zahlreich angebrachte Nägel. 
Sicherer ist man schon, wenn man die Platte, Zwi¬ 
schenlage und Stock mit Fischleim bestreicht, dann 
nagelt und beschwert trocknen läßt, wodurch die Ein¬ 
zelteile allerdings zu einem Komplex verkittet wer¬ 


den. Empfehlenswert ist dieser Vorgang aber nur 
bedingt, weil im Falle der Notwendigkeit, die Holz¬ 
unterlage etwa durch eine neue ersetzen zu müssen, 
nur sehr schwer die Trennung der verklebten Plat¬ 
ten zu bewirken ist. Erleiden sie aberVerschiebungen, 
so ist zumindest ein großer Teil der Auflage maku¬ 
liert. Oftmals trägt aber an dem Herunterdrängen 
der Platte vom Holzstocke, namentlich wenn sie mit 
guten Nägeln auf zähem Ahornholz befestigt sind, 
nur die angewendete übermäßig große Druckspannung 
schuld, was bedauerlicherweise sehr oft zu beobach¬ 
ten ist. Verursacht wird dies wohl dadurch, daß einer¬ 
seits Autotypien selbst bei viel zu kräftigem Drucke 
infolge der ungemein dichten Lagerung der Druckele¬ 
mente nur an den Rändern eine Schattierung zeigen 
(bei Holzschnitten würden längst die mehr oder weni¬ 
ger freistehenden Bildteile auf der Rückseite des Pa¬ 
pierblattes ein Relief aufweisen), daher die Beur¬ 
teilung der Druckspannung nach der Schattierung zu 
Trugschlüssen führt, und anderseits die Zurich¬ 
tungen häufig eine noch immer übertriebene Dicken¬ 
abstufung besitzen. Solche Zurichtungen mit zu 
dickem Relief erzwingen nach ihrem Aufbringen auf 
den Tiegel oder Zylinder (unter die Platte gebracht 
ist dies natürlich nicht der Fall, es muß da im 
Gegenteile durch einen Ausschnitt aus dünnem 
Florpost auf dem Zylinder in der Regel nachgeholfen 
werden) stets eine namhafte Steigerung der Druck¬ 
spannung, weil die zarten Mitteltöne und die hellen 
Partien, dank der „Kraftzurichtung 0 , sonst ausbleiben 
würden. Ein zu starker Druck bewirkt aber noch den 
weiteren Übelstand, daß die Druckfarbe in die feinen 
Bunzen der dunklen Mitteltöne und Schatten ge¬ 
quetscht wird, diese also völlig schließen, was selbst¬ 
verständlich Verschiebungen in dem Farbenton der 
betreffenden Flächen zur Folge hat. Darüber wird 
später noch zu sprechen sein. Leider ist es ein 
Nachteil der heute für den Farbendruck besonders ge¬ 
bauten, sonst gewiß ganz ausgezeichneten Maschinen, 


374 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


daß sie einen so starken Druck ohne weiteres zu¬ 
lassen und nicht rechtzeitig stecken bleiben, um 
vielleicht so den Maschinenmeister manchmal darauf 
aufmerksam zu machen, daß er zu weit gegangen ist. 

Bei der Zurichtung von Dreifarbenklischees ist 
besonders darauf Rücksicht zu nehmen, daß die 
Platten hier und da nicht alle Druckelemente korrekt 
in gleicher Ebene aufweisen. Von den Albertschen 
Reliefklischees ist dabei natürlich nicht die Rede, 
denn diese erhalten ja absichtlich ein verschiedenes 
Niveau der zarten und kräftigen Druckpartien, um 
die Zurichtung zu ersparen; es liegen nämlich die 
helleren Stellen entsprechend tiefer als die dunklen. 
Gemeint sind vielmehr Platten, welche stellenweise 
mit dem Polierstahl behandelt wurden, damit einzelne 
Bildteile kräftiger im Drucke erscheinen (siehe den 
vorhergehenden Abschnitt). Die solcherart bewirkte 
Verstärkung hat aber zur Folge, daß die betreffen¬ 
den Formteile ein Niveau erhalten, welches sowohl 
mit Rücksicht auf die Einfärbung wie bezüglich des 
Aussatzes von vornherein ungünstig ist. Wird die 
polierte Stelle nicht genügend bei der Egalisierung 
überlegt, so kommt sie schwächer, als sie erschienen 
wäre, hätte man sie nicht poliert. Damit dergleichen 
sicher vermieden werde, ist es notwendig, daß die 
Ätzanstalten nach einigermaßen wichtigen Retuschen 
nicht nur neue Probedrucke machen, welche das 
fertige Dreifarbenbild schließlich zeigen, sondern auch 
richtige Skalendrucke anfertigen, welche dem Druk- 
ker immer als Vorlagen dienen sollen, nach denen er 
sich genau zu richten hat. Denn in den allermeisten 
Fällen steht in der Buchdruckerei das Original, wel¬ 
ches für die Bestimmung der fraglichen Stärke ein¬ 
zelner Partien Anhaltspunkte geben kann, nicht 
zur Verfügung; man kann also keine Vergleiche an¬ 
stellen, sondern ist eben auf die Skalendrucke der 
Ätzanstalten oder auf einen regelrecht durchzu¬ 
führenden Vorversuch angewiesen. 

Eine oft behandelte Frage ist die, ob die Dreifarben¬ 
klischees unter Verwendung der jeweiligen Druck¬ 
farbe eingerichtet werden sollen oder unter Benut¬ 
zung von Schwärze. Begreiflicherweise hat der 
letztere Vorgang Vorzüge, die nicht erst aufgezählt 
zu werden brauchen. Aber auch den großen Nachteil, 
daß das Farbewerk nur mit viel Zeitaufwand gründ¬ 
lich gereinigt werden kann. Es sei denn, man färbt 
mit der Handwalze ein oder man benützt etwa nur 
besondre, diesem Zwecke reservierte wenige Walzen, 
z. B. zwei Auftragwalzen und einen Ulmer, also nicht 
das ganze Farbewerk, was auch vollkommen über¬ 
flüssig ist. Übrigens kommt die Einrichtung mit 
Schwarz wohl nur bei der Gelbdruckplatte mit Be¬ 
rechtigung in Frage, weil die rote und blaue Druck¬ 
farbe fast ebenso wie Schwarz eine gute Beurteilung 
des Aussatzes gestattet, während dies bei Gelb aller¬ 
dings nicht der Fall ist. Das oft empfohlene Mittel, 


den Gelbdruck durch blaugefärbte Gläser zu betrach¬ 
ten, ist nicht viel wert; damit die gelbe Fläche dunkel 
genug erscheint, müssen nämlich Gläser verwendet 
werden, die das Licht so schwächen, daß man kaum 
von Feinheiten etwas wahrnimmt, denn unser Auge 
ist ja nicht wie die photographische Platte blau- und 
violettempfindlich. Am vorteilhaftesten in ökonomi¬ 
scher Hinsicht und am förderlichsten für das Ergebnis 
ist wohl der Vorgang, die Dreifarbenklischees auf 
einer dieser Aufgabe bestimmten Presse zu egali¬ 
sieren und zuzurichten (etwa mit der mechanischen 
Kreidezurichtung, welche in dieser Zeitschrift im 
Februarhefte dieses Jahrgangs beschrieben worden 
ist, oder mittels eines andern geeigneten mechani¬ 
schen Verfahrens), um dann beim Auflagedrucke diese 
zeitraubenden Manipulationen ersparen zu können. 
In Offizinen, die sich mit dem Dreifarbendrucke in 
größerem Maße befassen, ist diese Arbeitsweise auch 
zumeist üblich. 

Was die für den Dreifarbendruck geeignetste 
Maschine betrifft, so ist jedenfalls eine Spezialpresse 
mit Frontbogenausführung, die das lästige Verschmie¬ 
ren des frischen Druckes, das sonst kaum ganz zu 
vermeiden ist, unmöglich macht, allen andern vorzu¬ 
ziehen. Aber hiervon abgesehen, ist jede Presse, 
die genügend starken Druck zuläßt (einen solchen er¬ 
fordern Klischees ja immerhin), ferner ein Farbewerk, 
welches eine weitgehende Verreibung auch strenger 
Druckfarben gestattet, sowie entsprechende zur 
Erzielung eines guten Registers notwendige Einrich¬ 
tungen für die Bogenanlage usw. besitzt und endlich 
zu gleichem Ziele in allen Teilen sorgfältig gearbeitet 
ist, zur Ausführung von Dreifarbendrucken geeignet. 
Für kleinere Formate weisen die modernen Tiegel¬ 
druckschnellpressen eine vortreffliche Eignung auf, 
was an dieser Stelle vom Verfasser bereits im Vor¬ 
jahre ausführlich erörtert worden ist. Sehr zu emp¬ 
fehlen ist es jedoch, wenn man die für Farbendruck 
bestimmten Maschinen mit verschiedener Geschwin¬ 
digkeit laufen lassen kann, was am sichersten vor- 
läufignoch immer durch Vorgelege mit Stufenscheiben 
geschieht. Bei elektromotorischem Einzelantriebe 
kann man wohl auch mit Hilfe des Anlaßwiderstandes 
(Rheostaten) einen langsameren Gang erzielen, aber, 
wenn man weniger Strom in die Armatur schickt, 
läuft der Motor nicht nur mit weniger Touren, son¬ 
dern er wird auch schwächer und bleibt dann gern 
mitsamt der Presse stecken. Man tut deshalb gut 
daran, bei für Illustrationsdruck bestimmten Maschi¬ 
nen einen etwas kräftigeren Motor zu installieren, 
der auch dann noch die Maschine zieht, im übrigen 
aber von vornherein eine geringere Tourenzahl 
besitzt. 

Von ausschlaggebender Bedeutung beim Drei¬ 
farbendruck ist die Beschaffenheit des zur Auflage 
verwendeten Papiers, das hier fast selbstverständlich 

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eingestrichenes sein muß. Nicht nur deshalbbrauchen 
wir ein Chromo- oder Kunstdruckpapier, weil deren 
glatte, weiße Oberfläche in hervorragendem Maße 
einen guten Druck der Autotypien zuläßt, sondern 
auch aus dem Grunde, weil ungestrichenes Papier, 
selbst wenn es noch so gute Abdrucke ergäbe, die 
Farben nur sehr unvollkommen zur Geltung gelangen 
lassen könnte. Die unbedeckte Papierfaser (beim 
Chromopapier befindet sich über ihr die mineralische 
Substanz der Streichschicht) wird durch Aufsaugung 
des dem‘Pigmente als Bindemittel dienenden Fir¬ 
nisses zumindest oberflächlich transparent, verliert 
somit die Eigenschaft, das auffallende Licht fast ganz 
zu reflektieren, wodurch aber der Farbendruck seine 
Brillanz einbüßt. Diese zeigt dagegen der Dreifarben¬ 
druck auf dem mit einem kräftig reflektierenden, 
schön weißen mineralischen Pulver, das mittels Leim 
oder Kasein gebunden ist, gestrichenen Papier in 
hohem Grade. Leider sind aber die gestrichenen 
Papiersorten häufig mit Mängeln behaftet, die schon 
beim monochromen Druck, noch mehr aber beim 
Mehrfarbendruck arg zu schaffen geben. Die Schicht 
ist oft nicht homogen und gleichmäßig, es gibt dann 
manchmal recht artige Löcher im Drucke und kaum 
ein Mittel zur Abhilfe. Das Papier rupft, man muß 
mit schwacher Farbe und bei langsamem Maschinen¬ 
gange arbeiten. Erwähnt sei hier, daß in diesem Falle 
das Verdünnen mit schwachem Firnis weniger ratsam 
ist, als das gründliche Verreiben der Druckfarbe (nicht 
Auftropfen auf die Farbwalzen) mit etwas Inkoleum, 
Petroleumsprit oder dergleichen. Dies aber nur dann, 
wenn schon die erste Druckfarbe rupft. AndresPapier 
läßt sich wieder ganz vorzüglich bedrucken, dagegen 
trocknet die Druckfarbe auf der stark gebundenen 
Schicht äußerst schlecht, ja man kann mitunter noch 
nach Monaten das ganze Dreifarbenbild durch Reiben 
völlig entfernen. Selbstverständlich sind auf solchem 
Papier gedruckte Reproduktionen gegen Scheuern usw. 
äußerst empfindlich. Darauf hat man zu achten und der 
ersten zur Verwendung gelangenden Druckfarbe etwas 
borsaures Manganoxydul beizufügen. Ist die erste 
Farbschicht fest auf das Papier gebunden, halten 
natürlich auch die beiden andern. Nicht weniger un¬ 
angenehm ist der umgekehrte Fall: das Papier saugt 
begierig den vielleicht zu schwachen Firnis des in 
der Regel zuerst gedruckten Chromgelbs ab und das 
Farbpulver liegt fast lose auf der Oberfläche. Der 
zweite Aufdruck will dann nicht haften, im Gegen¬ 
teil, es wird von der Form das zuerst aufgebrachte 
Pigment nicht unbeträchtlich abgehoben. Verdünnen 
der roten Druckfarbe mit schwachem Firnis führt 
wohl manchmal zum Erfolge, aber fast immer leidet 
dann das zweite Teilbild. Hier und da ist die Auf¬ 
lage jedoch nur dadurch zu retten, daß das erste Bild 
durch Aufdruck farblosen Firnisses fixiert wird. Nicht 
gar zu selten erleidet, vielleicht infolge ungünstiger 


Lagerung, schwankender Luftfeuchtigkeitsverhält- 
nisse im Arbeitsraume usw., auch das gestrichene 
Papier zwischen dem Druck der einen und dem der 
nächsten Platte Dimensionsveränderungen, die zu 
sehr bedeutenden Register-Differenzen Anlaß geben 
können. Man hilft sich dann recht mühselig durch 
Einstellen der Klischees ins durchschnittliche Mittel, 
durch Veränderung des Aufzuges (braucht man den 
Druck länger, wird er dicker, als es das Normale 
beträgt, gemacht, dagegen dünner, wenn man einen 
kürzeren Druck erreichen will), besser wohl, durch 
Einlagerung des bedruckten Papiers in einen trocke¬ 
neren bzw. feuchteren Raum (durch Heizen, Auf¬ 
spritzen usw.). Das eben erwähnte Auskunftsmittel, 
den Aufzug in der Dicke zu verändern (was natur¬ 
gemäß nur beim Zylinder zutrifft), soll nur ange¬ 
wendet werden, wenn ein andres nicht gut möglich 
ist. Denn manchmal ist die Registerdifferenz durch 
nichts sonst verursacht, als durch einen falschen 
Aufzug. 

Das Einpassen von in größerer Zahl zu einer Form 
vereinigten Dreifarbenklischees macht nicht wenigen 
enorme Schwierigkeiten. Und doch ist es verhält¬ 
nismäßig leicht und rasch durchführbar, wenn man 
systematisch (immer genau der Reihe nach) verfährt, 
von vornherein zwischen den Klischees entsprechend 
kegelschwaches Material und einige Papierspäne 
bringt, so zwar, daß auch mäßige Schrägstellungen 
vorgenommen werden können, und durch Anwendung 
durchlaufender Leisten ein Verziehen mit dem 
Schließzeug verhindert oder das Verkeilen benutzt. 
Von größter Wichtigkeit ist es wohl immer, daß die 
erste Form während des Fortdruckens nicht mehr 
aufgeschlossen werde, und, wenn dies doch geschieht, 
in der Auflage durch Einlegen von Streifen das Er¬ 
eignis markiert wird. Ferner rächt sich in sehr un¬ 
angenehmer Weise eine mangelhafte Ausrichtung 
schaukelnder Klischees. Notwendige sehr wesent¬ 
liche Schrägstellungen sind durch Neuaufnageln der 
Platte vorzunehmen und nicht durch Positionsände¬ 
rung des Stockes in der Form. 

Eine gleichfalls immer wieder in Erörterung gezo¬ 
gene Frage ist die der Druckfolge, nämlich welche 
Farbenplatte zuerst zu drucken ist, welche zuletzt. 
Die am häufigsten beobachtete Reihenfolge: Gelb, 
Rot, Blau ist wohl auch in der Regel die richtigste. 
Und zwar aus folgenden Gründen. Das zumeist als 
Pigment für die Gelbdruckplatte benutzte Chromgelb, 
welches die Vorzüge: billig und gut druckfähigzu sein, 
vereinigt, ist eine Deckfarbe. Es läßt daher das bei¬ 
spielsweise darunter liegende Rot nicht genügend zur 
Wirkung kommen, der Überdeckungsfehler tritt also 
stark in Erscheinung. Abgesehen davon, daß wir in 
den Mittel- und Dunkeltönen dann vielleicht ein 
falsches, ein zu sehr gelbes Orange erhalten, ergibt 
sich in den tiefen Schatten gewöhnlich ein grünlicher 


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Ton. Gewiß erleichtert es dagegen die Beurteilung 
des Gelb, wenn man Rot zuerst und dann Gelb druckt, 
in welchem Falle zu einem transparenten Gelblack 
gegriffen werden muß. Aber auch da liegt die Gefahr 
nahe, daß man mehr schmutzigbräunliche Töne er¬ 
hält. Verfasser hat übrigens die Erfahrung gemacht, 
daß Fehlergebnisse viel öfter zubeobachten sind, wenn 
das Gelb als zweite Farbe gedruckt wird, daß gerade 
in diesem Falle die Maschinenmeister die Intensität 
weniger richtig abschätzen. Daß Blau die Farbe sein 
muß, welche den Druck beschließt, ist wohl einleuch¬ 
tend. Als die optisch dunkelste Farbe, welche das 
Blau vorstellt, wird uns ein blaustichiger Schatten 
kaum irritieren, auch ein solcher vielleicht noch nicht, 
der ein wenig ins Violette spielt. Aber ein grünlicher 
oder bräunlicher stört gewaltig. Damit soll aber 
nicht geleugnet werden, daß hier und da ein Abweichen 
von der Gepflogenheit geboten erscheine. Zum Bei¬ 
spiel bei Bildern, auf welchen das Grün vorherrscht, 
wird man manchmal gut tun, zuerst Rot und dann 
Gelb zu drucken. Eine der bedeutendsten Kunst¬ 
anstalten Münchens, die sich fast ausschließlich mit 
Vierfarben-Ätzung und -Druck befaßt, beobachtet 
durchaus die Reihenfolge: Gelb, Blau, Rot, Schwarz. 

Ein Abweichen von der Regel findet aber wohl 
häufiger bei der Wahl der drei Pigmente in bezug 
auf ihre Nuance statt. In dieser Abhandlung wurde 
früher dargelegt, daß der photographische Prozeß in 
innigem Zusammenhang mit den Druckfarben steht, 
weil Lichtfilter und Sensibilisierung von der Wahl der 
Pigmente abhängt. Und nirgends ist es notwendiger, 
daß auf einer festen, wissenschaftlich begründeten 
Basis gearbeitet werde, als beim Dreifarbenverfahren. 
von Hübl hat recht, wenn er sagt, daß das planlose 
Versuchen da nur zu ganz unbrauchbaren Ergebnissen 
führen kann und dazu hinleite, daß Fehler des Pro¬ 
zesses in verkehrter Richtung gesucht und bekämpft 
werden. Das ist gewiß selbstverständlich und unan¬ 
greifbar. Ist aber etwas einwandfrei-theoretisch fun¬ 
diert und beherrscht der auf dem Gebiete Arbeitende 
diese Grundlagen, dann wird er um so eher in der Lage 
sein, einmal von der Regel abzuweichen, wenn es die 
Umstände erheischen. Namentlich ist dies nun der Fall 
bei der Wahl der Farbennuance der drei Pigmente. 
Das Verfahren besitzt so reichlich viel Fehlerquellen, 
daß Mängel oft kaum zu vermeiden sind. Gewisse 
zu verbessern, gelingt häufig, wenn man entspre¬ 
chende Druckfarben benutzt. Als „Normalfarben“ 
sind wohl im allgemeinen die kalten Töne von Chrom¬ 
gelb, Krapplack und Pariserblau (Miloriblau) zu 
betrachten. Aber einmal wird ein wärmeres Gelb 
oder Rot, das andremal vielleicht ein violettstichiges 
Blau vorzuziehen sein. Eine Tingierung des Blau ist 
häufig sogar ganz unvermeidlich, wenn die Farben¬ 
gebung beim Druck der Gelb- oder der Rotplatte 
vom Drucker falsch geschah. Man kann da die Auf¬ 


lage noch retten, wenn man bei zu viel Gelb (was 
grünliche Töne gäbe) dem Blau etwas Rot zumengt, 
dagegen bei zu viel Rot es etwas grünstichig macht. 
Daß das Ergebnis kein einwandfreies sein wird, ist 
natürlich klar; aber es wurde wenigstens brauchbar. 
In den meisten Fällen benutzen schon die Ätzanstalten 
diesen Ausweg. Hierbei ist es natürlich wichtig, daß 
dem Buchdrucker genau die Farbe anzeigende Skalen¬ 
drucke übermittelt werden. Sind aber Klischees 
mehrerer Sujets in einer Form zu drucken, muß 
selbstverständlich die Forderung erhoben werden, 
daß die Ätzanstalten zum Andrucken aller, also 
auch zur Herstellung der das komplette Dreifarben¬ 
bild besitzenden Abzüge (nicht nur der Teildrucke) 
ein und dieselben drei Pigmente benutzen. Wie 
weitgehend aber hier Abweichungen von den „Nor¬ 
malfarben“ möglich, ja am Platze sind, beweisen 
wohl die vor einiger Zeit von einer der ersten Ätz¬ 
anstalten hergestellten, vortrefflichen Reproduktionen 
von Moulagen, welche mittels Gelb, Rot und Schwarz 
verfertigt wurden. 

Am meisten wird wohl darüber geklagt, daß die 
Rotplatte so häufig das Bild beeinträchtige, ja rui¬ 
niere, weil ein bißchen zu viel oder zu wenig den 
ganzen Charakter bis zur Unkenntlichkeit verändere. 
Tatsache ist, daß schon die Herstellung des Negativs 
für die Rotdruckplatte und die Ätzung des Rot¬ 
klischees erhebliche Schwierigkeiten verursachen. 
Die Einen suchen die größte Schuld in der geringen 
Blaugrünempfindlichkeit der photographischen Platte, 
andre suchen den Fehler darin, daß beispielsweise 
das aus dem Gelb und Blau gebildete Grün infolge 
der Schmutzigkeit, welche den Pigmenten anhaftet, 
schon für die geringsten Mengen Rot empfindlich ist. 
Nicht selten wird daher bezüglich des Druckes der 
Rotplatte vorgeschrieben, es sei mit sowenig Farbstoff 
wie möglich zu drucken. Dieser Vorgang ist sicher ein 
schlechter, weil gerade dann geringe Schwankungen, 
die fast nicht zu vermeiden sind, sich sehr bemerk¬ 
bar machen. Viel richtiger ist es, die Rotplatte durch 
Retusche (Ätzen, Metallretusche) abzustimmen. Die 
Farbschicht beim Druck soll bei allen Klischees so 
dick sein, daß die Punkte und Striche gedeckt sind. 
Als Gradmesser können die dunklen Töne gelten, 
deren Bunzen noch offen sein müssen. Freilich 
kommt es hierbei wesentlich darauf an, wie die Kon¬ 
sistenz der Druckfarbe beschaffen ist. Die seichten, 
weil außerordentlich kleinen Vertiefungen der Mittel¬ 
töne und Schatten werden um so eher verschmiert wer¬ 
den, je flüssiger die Druckfarbe ist. Eine große Rolle 
spielt die Dünn- oder Zähflüssigkeit der Pigmente 
bei den Drei- und Vierfarbendruckmaschinen von 
Lambert in Paris, auf welchen die drei oder vier 
Teilklischees unmittelbar hintereinander aufgedruckt 
werden. Damit die frischen Abdrücke den Farbstoff 
von der nächsten Platte abheben, muß dieser immer 


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dünnflüssiger als der vorher aufgedruckte sein; die 
Druckfarbe der ersten Form ist also die strengste, 
die der letzten die schwächste. Daß die Fertigstel¬ 
lung eines Drei- oder Vierfarbendrucks in einem 
Arbeitsvorgänge an und für sich außerordentliche 
Vorteile aufwiese, ist unleugbar. Braucht man doch 
hierbei nur daran zu denken, daß falsche Abstimmung 
der einzelnen Farbenkomponenten in Nuance oder 
Intensität, ferner Paßfehler unmittelbar beobachtet 
werden können. Anderseits muß man es vorder¬ 
hand noch bezweifeln, daß auf diese Weise Blätter 
zustande kommen können, die strengen Anforderungen 
zu genügen haben. 

Sollen zum Schlüsse Betrachtungen darüber an¬ 
gestellt werden, wie weit man die Dreifarbendruck¬ 
methode zur Reproduktion farbiger Originale heran¬ 
ziehen könne, so genügt es zu sagen, daß sie ein 

•) Die Frage, ob wir mit dem Dreifarbendruck ein Ori¬ 
ginal faksimile wiederzugeben in der Lage sind, ist eine 
müßige. Gewiß ist unter Umständen sogar dies möglich, 
wenn auch nur höchst selten. Aber es ist auch nur höchst 
selten notwendig, eine solche Aufgabe erfüllen zu müssen. 
In der Regel soll die Bestimmung der Reproduktionsver¬ 
fahren gar nicht darin gesucht werden, daß man mit ihrer 


vorzügliches Illustrationsmittel schon heute darstellt, 
dessen wir uns in hohem Maße erfreuen können*). 
Denn wenn auch im allgemeinen das Bedürfnis nach 
einem farbigen Bilde dem weniger gebildeten, nament¬ 
lich weniger kunstverständigen Menschen eigentüm¬ 
lich ist und diesem ein schlechter bunter Druck fast 
stets viel lieber als der beste monochrome ist, so be¬ 
sitzen wir gerade in der farbigen, der großen Menge 
zugänglichen Illustration ein mächtiges Bildungsmittel. 
Mit ihrer Hilfe sind wir ja imstande, erziehlich zu 
wirken, dem zu Belehrenden nicht nur die Form, 
sondern auch die wesentlichen Farben besprochener 
Gegenstände zu vermitteln und vielleicht sogar seinen 
Sinn für Sehen zu erwecken. Und die Vervollkomm¬ 
nung dieses wichtigen graphischen Zweiges ist daher 
ein Ziel, dem entgegenzustreben eine unsrer vor¬ 
nehmsten und aktuellsten Aufgaben bildet. 

Hilfe ein Original vortäusche. Sondern wir sollen durch 
sie eine ehrliche Übersetzung liefern, welche in der ihnen 
zukommenden charakteristischen Weise — da allerdings 
möglichst vollkommen — an das Objekt erinnert. Wie 
lächerlich erschiene auch ein Maler, der vorhätte, die 
wirkliche Natur durch sein Gemälde Vortäuschen zu 
wollen! 


25 Jahre Akzidenz 

Von E. O. GUTH, München. 


V OR mir liegen auf Tischen, Stühlen, ja sogar 
teilweise auf dem Fußboden ausgebreitet, 
eine Anzahl Blätter, alte liebe Bekannte, 
welche die Erinnerung an vergangene Zeiten wach¬ 
rufen, in welchen ich mit gleichgesinnten Fachange¬ 
hörigen die Kgl. Kunstakademie in Leipzig (jetzt kgl. 
Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe) 
besuchte oder die Unterrichtskurse im Skizzieren 
und Entwerfen von Drucksachen durchmachte. Wer 
kein Verständnis für die schwarze Kunst hat, der wird 
mich für einen wunderlichen Kauz halten, weil ich 
den alten Plunder nicht ins Feuer werfe. Aber es 
wäre schade darum, denn viel Lehrreiches bieten 
diese Arbeiten, die zugleich auch ein Bild geben von: 
25 Jahre Akzidenz . 

Die in entsprechender Reihenfolge geordneten Er¬ 
zeugnisse, die den Gegenstand meiner Betrachtung 
bilden sollen, sind aber nicht von mir allein, sondern 
auch von lieben Freunden oder andern, mir zum Teil 
nur dem Namen nach bekannten Fachgenossen, die 
mir dieselben in Austausch zukommen ließen. Ich 
sagte Reihenfolge, obwohl ich manchen fragen höre, 
ob denn eine solche bei dem Wirrwarr von Akzidenz¬ 
arbeiten überhaupt möglich ist. Beinahe könnte 
allerdings an einer solchen Möglichkeit gezweifelt 
werden, aber mit der erforderlichen Liebe zur Sache 
und nötigen Geduld kann das Ganze doch syste¬ 


matisch angeordnet werden. Wir brauchen uns nur 
einmal um 25 Jahre zurückzuversetzen und dann vor 
unsern Augen die Entwicklung der Akzidenz mit 
ihren verschiedenartigsten Ausstattungsformen vor¬ 
überziehen zu lassen, dann werden wir feststellen 
können, daß eine gewisse Reihenfolge eingehalten 
werden kann und muß. 

25 Jahre sind in der heutigen schnelllebigen Zeit 
nur eine ganz kurze Spanne Zeit und doch, welcher 
Wechsel hat sich während ihr in der Geschmacks¬ 
richtung des Buchdrucks vollzogen. Für den Buch¬ 
drucker ist es ein lehrreiches Durcheinander von 
Ansichten, teilweise sogar auch Geschmackslaunen, 
die sich in gewissen Beziehungen wiederholen, 
manchmal aber auch ganz neue Wege einschlagen. 

Die vornehmste Aufgabe des Buchdruckers ist, 
daß er die Schrift in guter, klarer und übersichtlicher 
Weise anordnet. Zum Schmuck seiner Schriftsätze 
stand ihm als einfachstes Ziermaterial die Linie zur 
Verfügung, die aber mit der Zeit nicht mehr genügte. 
Es wurden daher eine Menge Zierstücke geschaffen, 
deren Aufführung allein schon eine Aufgabe für sich 
wäre, mit der ich mich aber nicht beschäftigen will. 
Ich werde nur diejenigen Verzierungen nennen, die 
als charakteristisch für die verschiedenen Stil¬ 
richtungen gelten, ja manchmal auch geradeso gut als 
Modeerscheinungen bezeichnet werden können. Aber 


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nicht nur das Ornament hatte Einfluß auf die Aus¬ 
stattung der Akzidenzarbeiten, sondern auch die Art 
der Anordnung von Schrift und Ornament war für 
manche Richtung von Bedeutung. 

Die Umgebung eines Satzes mit einer Einfassung 
liegt so nahe, daß der Rahmenbau als älteste Orna- 
mentierungsform selbstverständlich erscheint. Die 
Röschen und ähnliche Einfassungen, bei welchen 
sämtliche Stücke mit Nummern versehen waren und 
die in den Stärken von Diamant bis 2 Cicero oft 
an 100 Bilder zeigten, machten dem Setzer beim 
Zusammenfügen manche Schwierigkeiten. Diese 
wurden noch dadurch erhöht, daß beim Rahmenbau 
Ornament und Linie nebeneinander immer mehr zur 
Anwendung kamen. Der Rahmen sollte plastisch 
wirken, was durch regelrechte Zusammenstellung 
von Linie und Einfassungsornament möglich war, je¬ 
doch wurde dabei, wie auch heute noch so häufig, 
vergessen, daß der Buchdruck eine Flächenver¬ 
zierung ist, in die kein plastisches Ornament gehört. 
Es wurden die verschiedensten Regeln aufgestellt. 
Nach der einen sollte der Schwerpunkt des Rahmens 
in der Mitte, nach der andern aber auf einer Seite 
der Einfassung liegen. Die Zusammensetzung der 
einzelnen Linien und Ornamente erforderte stets 
eine Trennung durch achtel oder viertel Petit-Durch¬ 
schuß, durch die die Arbeit ganz gewaltig erschwert 
wurde. Die Wirkung von Rahmenbauten, in denen 
lineare und laufende Ornamente abwechselten, 
letztere aber nicht vorherrschten, warkeineschlechte, 
ja selbst heute noch haben derartige Rahmenbauten 
ihre Berechtigung. 

Anders ist es aber mit dem sogenannten archi¬ 
tektonischen Stily der anfangs der 80er Jahre des 
vorigen Jahrhunderts sich entfaltete und der sein 
Dasein nicht zum wenigsten der Ansicht zu verdanken 
hatte, daß der Buchdruck mit der Lithographie, die 
doch ein ganz andres Druckverfahren und daher 
auch andre Ausdrucksformen hat, in Wettbewerb 
treten müsse. Die Lithographie hatte nämlich viele 
Arbeiten, die früher auf dem Wege des Buchdrucks 
hergestellt waren, an sich gezogen. Der Akzidenz¬ 
satz sollte nun das verlorene Feld wieder erobern 
und es gelang auch, denn viele Arbeiten, die früher 
nur auf lithographischem Wege hergestellt waren, 
wurden nach und nach dem Akzidenzsetzer zur Aus¬ 
führung überwiesen. Da jedoch die Arbeiten meistens 
den lithographischen Vorlagen möglichst genau nach¬ 
gesetzt werden sollten oder nachgebildet wurden, 
kamen die Schriftgießereien den Wünschen der 
Buchdrucker durch Schaffung geeigneten Materials, 
vor allem eines architektonischen Ziermaterials nach. 
Es entstand die Griechische Einfassung, der bald die 
Akanthea und Germania folgten. Eine Reihe von 
Nachbildungen gaben dem Setzer die Möglichkeit, die 
schönsten möglichen und unmöglichen architektoni¬ 


schen Bauereien ausführen zu können. Viele Arbeiten 
mißglückten kläglich, weil den meisten Akzidenz¬ 
setzern Kenntnisse der Architektur fehlten, ihnen 
auch jede Empfindung hierfür mangelte. Es wurden 
Satzbauten geschaffen, die den einfachsten archi¬ 
tektonischen Grundsätzen direkt widersprachen oder 
diese auf den Kopf stellten. Daß daneben aber auch 
Arbeiten entstanden, die nach der damaligen Ge¬ 
schmacksrichtung als gute bezeichnet werden müssen, 
darf und soll nicht verschwiegen werden. 

Die Gießereien waren inzwischen unermüdlich in 
der Schaffung von neuen Einfassungen, die den ver¬ 
schiedensten Stilarten entnommen waren. Es ent¬ 
standen die sogenannten Akzidenzornamente , von 
denen die Friebelschen Ornamente auch heute noch 
ab und zu Anwendung finden, ferner die Renaissance- 
Einfassungen, Gotischen Züge usw. 

Obwohl diese zahlreichen Ornamente jedem etwas 
brachten, so trat doch kein Stillstand ein, weder in der 
Erzeugung weiteren neuen Materials noch in der Aus- 
stattungder Akzidenzen. Die letztere brachte etwa 1884 
den sogenannten Altdeutschen Stil, der hauptsächlich 
in Süddeutschland und in diesem wieder in München 
eine besondere Pflege fand. Von den vielen Stilarten 
war dieser Stil für den Akzidenzsatz die beste und 
dankbarste, so daß sie auch heute noch nicht ganz auf¬ 
gehört hat. Starkes Papier, gute lesbare Schrift und 
guter Druck, vor allem aber kräftige Farben, die nicht 
nur in dem üblichen Rot und Schwarz, sondern auch 
in blau, gold oder braun bestanden, verliehen den 
Druckarbeiten einen selbständigen frischen Reiz, der 
auch jetzt noch nicht ohne Wirkung ist. 

Ein schönes und reiches Ziermaterial besaß der 
Buchdrucker in der Gotik . Die malerisch belebten 
Ornamente, die auchnaturalisticheMotive aufkommen 
ließen, ergaben in Verwendung mit den prächtigen 
gotischen Schriften Drucksachen von sehr guter Ge¬ 
samtwirkung. Einen wichtigen Abschnitt in dem Akzi¬ 
denzsatz der letzten 25 Jahre bildet auch die Renais¬ 
sance. Wie es in der Kunstgeschichte eine Früh-, 
Hoch- und Spätrenaissance gibt, so gab es auch in 
dem Akzidenzsatz verschiedene Formen der Renais¬ 
sance. Vor allem waren es diejenigen der italienischen 
und dann der deutschen Renaissance. Zu der ersteren 
gehören die Florentiner und Römische Einfassung, 
welch beide sehr verbreitet waren, zu der zweiten die 
Holbein- und MünchenerRenaissance-Einfassung. Alle 
Renaissance-Einfassungen konnten aber nur in ge¬ 
schlossenen Rahmen stilgerecht angewandt werden 
und dies dürfte auch wohl die Ursache gewesen sein, 
daß die deutsche Akzidenzausstattung, trotzdem sie mit 
den Renaissance-Einfassungen die größten Triumphe 
feierte, diese bald als langweilig wirkendes Material 
wieder beiseite schob. 

Der Vollständigkeit halber dürfen die Barock- und 
Rokoko-Einfassungen nicht unerwähnt bleiben, die 


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einen Übergang von der gesunden kräftigen Aus- 
stattung der Drucksachen zu derjenigen der freien 
Richtung bildeten. Sie trugen viel mit dazu bei, alle 
Regeln, die bis dahin als Gesetz angesehen wurden, 
über den Haufen zu werfen. Das Rechteck im Rahmen¬ 
bau wurde aufgelöst, die Anordnung des Materials 
wurde ungezwungener und regelloser, es entstand 
die Freiheit der Formen, die sich in den ver¬ 
schiedensten Formaten, den Ausladungen des Satzes 
geltend machen. Zu dieser Freiheit trug auch der auf 
gesunden Grundlagen aufgebaute Japanische Stil viel 
bei, der aber selbst nach Schaffung der Mikado-Ein¬ 
fassung nur eine kurze Lebensdauer hatte. Eine gute 
Begleiterscheinung aber hatte der Japanische Stil. Er 
lehrte den Buchdrucker wieder die Schätzung kräftiger 
ungebrochener Farben, die bei den andern Stilarten 
durch flaue süßliche Farbtöne verdrängt worden 
waren. 

Vom Ausland und zwar von England, hauptsäch¬ 
lich aber von Amerika, machte sich nun auf die Aus¬ 
stattung der Akzidenzarbeiten ein Einfluß bemerkbar, 
den wir heute nur als einen ungünstigen bezeichnen 
können. Er brachte wieder die Linie, die vor der 
Renaissancezeit zwar sehr gute Dienste geleistet aber 
infolge der vielen unnützen Satzbauerei auch die Her¬ 
stellungskosten mancher Drucksache sehr verteuerte. 
Von Amerika aus kamen zu uns Druckarbeiten, die 
infolge geschickt verschobener Zeilen und eigens ge¬ 
bogener Linien dasjenige Aussehen hatten, das man 
landläufig mit „originell und apart“ zu bezeichnen 
pflegt. Der Deutsche nahm diese Ausstattungsweise, 
wie alles aus dem Auslande Kommende, mit offenen 
Armen auf. Es entstand die freie Richtung , eine sogar 
in damaliger Zeit mit sehr geteilten Empfindungen 
aufgenommene Modeerscheinung, die länger als gut 
war ihren Platz behauptete. Und doch wirkte die freie 
Richtung in jener Zeit mit ihren vielen Stilarten gleich¬ 
sam befreiend. Alle Regeln wurden für null und 
nichtig erklärt und nur derjenige Akzidenzsetzer als 
ein tüchtiger Fachmann geschätzt, der nach recht viel 
Linienbiegungen und Zusammenlöten von Linien ein 
Satzwerk hergestellt hatte, das wohl nicht so leicht 
nachgebaut, aber auch von keinem Auftraggeber be¬ 
zahlt werden konnte. Es entstanden, wie treffend ein 
amerikanischer Berufsangehöriger sich ausdrückte, 
wahre Ungeheuer von Unnatürlichkeit und Über¬ 
ladung. Da erschien die Vignette und brachte in 
die Akzidenzausstattung eine Einfachheit, die im 
ersten Augenblick gar nicht begriffen werden konnte. 
Aber allmählich waren eine Eckvignette mit ein 
paar Linien und Ausläufern, eine Zeilengruppie¬ 
rung nach englischem Muster (Leicester-Manier), 
sowie Schriften amerikanischen Schnittes an der 
Tagesordnung. 

So kam das Jahr 1900 heran, das der deutschen 
Buchdruckerwelt die 500jährige Feier der Erfindung 


der Buchdruckerkunst brachte, zugleich aber auch, so 
wurde wenigstens damals geschrieben, ihre Wieder¬ 
geburt werden solle. Wieviel sich von letzterem be¬ 
wahrheitet, das brauche ich wohl nicht zu sagen. Die 
Feier der 500jährigen Erfindung der Buchdruckkunst 
aber brachte nach eifriger Werbung durch Kunst- 
gelehrte den Druckern das Bewußtsein, daß die Buch¬ 
druckerkunst eine Kunst ist, durch deren künstle¬ 
rische Arbeiten der Geschmack der großen Menge 
gehoben werden kann. Auch Künstler, die früher 
der Buchdruckerkunst keine Bedeutung schenkten, 
wandten ihr nun ihre Aufmerksamkeit zu und waren 
gern bereit, für sie zu schaffen und z i wirken. Dazu 
kam noch, daß in dem Kunstgewerbe eine Bewegung 
entstanden war, die dahin ging, eine neue selbständige 
Stilart zu schaffen. Es entstand nun auch für den 
Buchdruck ein neues Ziermaterial, das so neu war, 
daß es auf die meisten befremdend wirkte. Die Jugend¬ 
richtung oder, wie man heute in abfälligem Sinne sagt, 
der Jugendstil war da. Vignetten mit Gegenständen 
aus der heimischen Flora erschienen, denn überall 
tönte der Ruf: Zurück zur Natur. Disteln, Wasser¬ 
rosen, Linien usw. wuchsen aus nichts empor,Fliegen, 
Käfer und andres Getier tummelte sich auf ihnen. 
Jede gerade Linie wurde verbannt, dagegen aber band- 
wurmartige Gebilde,Jugend- oderEdellinien genannt, 
mit besonderer Vorliebe angewandt. 

Lange aber konnte sich der Jugendstil seines Da¬ 
seins nicht erfreuen. Ernsthafte selbständige Künst¬ 
ler, Kunstgelehrte und Männer der täglichen Praxis 
sahen mit künstlerischem Empfinden, was dem Buch¬ 
druck fehlte. Teils auf ihre Veranlassung, teils aus 
eignem Antrieb entstanden künstlerische Schriften von 
kräftigem und doch klarem, leicht leserlichen Bilde. 
Ich brauche diese Schriften nicht zu nennen, aber 
der modernen Satzrichtung muß ich noch gedenken, 
in der wir ja jetzt noch stehen. Sie begann mit der 
Reform in der Anordnung der Satzfläche. Die Zeilen 
wurden nicht mehr willkürlich und nach Belieben über 
die Papierfläche verstreut, sondern in wohl erwogene 
Gruppen gebracht. Die Verwendung von ein und 
derselben Schrift in verschiedenen Graden wurde als 
Hauptgrundsatz aufgestellt. Die Schriften wurden 
kräftiger, bestimmter und lesbarer. Auch die Linie 
kam wieder zum Vorschein, aber nicht die feinen 
Linien, die früher mit schraffierten und fetten ab¬ 
wechselten, sondern die fette viertel Petit-Linie, die 
in denBehrens-Linienund Behrens-Ornamenten ihren 
Höhepunkt erreichte. Man war fast geneigt zu glauben, 
daß sich die frühere Linienbauerei wiederholen werde, 
da tauchte schon wieder ein neuer Stil, der Bieder¬ 
maier - und Empire-Stil, auf, dessen Lebensdauer jetzt 
noch nicht bestimmt werden kann. 

Was uns die Zukunft bringen wird, das wissen wir 
nicht. Aber wenn wir dem Grundsatz treu bleiben, 
daß die Schrift die Hauptsache bei jeder Druckarbeit 


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sein und in guter gefälliger, blockförmiger Anordnung 
gegeben werden muß, daß ferner dem Inhalt jeder 
Drucksache die Schrift, Ornamente und Farbe an¬ 
gepaßt werden muß, dann wird der Akzidenzsatz stets 
gute Erzeugnisse aufweisen. Befolgen wir bei allen 


unsern Arbeiten ein ernstes künstlerisches Streben, 
dann werden wir, selbst wenn die Mode manches 
Neue bringt, hoffentlich nicht nochmals so viele ver¬ 
schiedene Stilrichtungen durchzumachen haben wie 
in den letzten „25 Jahren Akzidenz 


Die lithographische Federzeichnung. 


Von JOHANN MAI, Tilsit. 


I N der Lithographie spielt neben der Kreide- und 
Graviermanier die Federzeichnung auf lithogra¬ 
phischem Stein eine bedeutende Rolle, denn in 
sogenannter Federmanier werden nicht nur die mit 
der Feder oder dem Pinsel herzustellenden direkten 
Zeichnungen, sondern auch die verschiedenen Far¬ 
benplatten für den lithographischen Bunt- und Chro- 
modruck erzeugt. Die feinpunktierten Farbenplatten 
für den Chromodruck zeigen, daß mit der Federmanier 
Wirkungen erzielt werden können, die der Kreide¬ 
zeichnung auf Stein, der Strichmanier des Holz¬ 
schnittes oder, bei entsprechend fein zugeschnittenen 
Federn, selbst den Gravierungen inStein oder Kupfer 
ähnlich sind. Wenn kräftige, satte Schriften, Zeich¬ 
nungen oder volle Flächen in Lithographie hergestellt 
werden sollen, dann wird ausschließlich die Feder¬ 
zeichnung angewandt, weil mit ihr sowohl die saftig¬ 
sten, tiefsten, als auch die feinsten Teile getreu 
wiedergegeben werden können. Ein ganz wesentlicher 
Vorteil ist jedoch, daß eine Federzeichnung auf Stein 
nach der chemischen Präparation oder Ätzung direkt 
als Druckplatte dienen kann. 

In gleicher Weise wie der Zeichner mit Feder und 
Tusche seine Arbeit in Strichmanier auf Papier aus¬ 
führt, so zeichnet der Lithograph — aber spiegelver¬ 
kehrt — auf den Stein, jedoch mit einer fetten 
schwarzen Tusche, die der späteren Ätzung des 
Steines genügend widersteht, die fette Druckfarbe 
annimmt und beim folgenden Druck an das Papier 
abgibt. Die Federmanier ist für Zeichnung und Schrift 
die billigste Arbeitsweise, da Herstellung und Druck 
bedeutend schneller vor sich gehen als bei der Gra¬ 
vierung, ferner die Wirkung der schwarzen Zeichnung 
sich leichter beurteilen läßt. Daher ist auch für Druck¬ 
sachen, die in saftiger flächiger kräftiger Schwarz¬ 
zeichnung oder in Buntdruck ausgeführt werden 
sollen, die Federzeichnung, sowie die mit ihr in Ver¬ 
bindung stehenden neueren Hilfsmittel verschiedener 
Art, das geeignetste Verfahren. 

Die zu Federzeichnungen zu verwendenden Steine 
müssen fehlerfrei sein, wenn der Druck ohne Schwie¬ 
rigkeiten erfolgen soll. Ein bereits gebrauchter Stein 
muß mittels feinen Sand so gründlich geschliffen 
werden, daß die vorher auf ihm befindliche Arbeit 
bezw. deren chemische Präparatur, besonders aber 
die ziemlich tief in der Steinmasse liegenden fettigen 


(Nachdruck verboten.) 

Bestandteile entfernt werden. Dies geschieht aber 
nicht immer mit der wünschenswerten Sorgfalt. Das 
Sandschleifen und das dann folgende Schleifen mit 
Bimsstein wird oft so ausgeübt, daß wohl die obere 
Schicht beseitigt wird, das Fett aber noch so reich¬ 
lich vorhanden ist, daß es später allerlei Übelstände 
hervorruft. Häufig wird auch nur mit Bimsstein allein 
geschliffen, welche Arbeitsweise zur Entfernung der 
Fettschicht nicht ausreicht, außerdem bei häufiger 
Wiederholung auch unegale Steine zur Folge hat. 
Eine Federzeichnung mit kräftigen Partien (das 
Gleiche gilt auch für Umdrucksteine), die lange Zeit 
auf dem Steine stand, wird sich so in die Innenmasse 
gezogen haben, daß ihre Entfernung nur durch ordent¬ 
liches Schleifen des Steines mit Sand möglich ist. 
Wenn dies nicht oder nur unvollkommen geschieht, 
dann wird die alte, anscheinend entfernte Zeichnung 
sich in der unangenehmsten Weise dann bemerkbar 
machen, wenn die neue Arbeit zum Weiterdruck fer¬ 
tiggemacht ist. Das ungenügende Schleifen entfernt 
indessen nicht nur das Fett mangelhaft, sondern 
hinterläßt auch noch einen Rest der chemischen 
Präparatur der Ätzung, die ebenfalls ziemlich tief in 
den Stein eindringt. Es findet sohin eine doppelte 
Beeinträchtigung der neuen lithographischen Arbeit 
statt, die einesteils keinen festen Halt hat, weil die 
alte Ätzschicht die fette Tusche und die Farbe abstößt, 
andernteils aber unter dem mit Recht so gefürchteten 
Tonen oder Schmutzen oder unter schlechter Farben¬ 
annahme leidet, welche Übelstände durch das schon 
erwähnte mehr oder weniger Hervorkommen der 
alten Zeichnung verursacht werden. Die hier ge¬ 
schilderten Übelstände, besonders das mit Recht so 
sehr befürchtete Schmutzen oder Tonen, machen 
sich in allen Steindruckereien bemerkbar und sind 
meistens auf unsachgemäßes Schleifen zurückzufüh¬ 
ren. Wenn die Steine mit feingesiebtem Sande solange 
geschliffen werden, bis auf der sauber abgewaschenen 
und trocken gemachten Fläche nach Anhauchen keine 
Spur der alten Zeichnung mehr hervortritt, dann kann 
der Stein mit Zuverlässigkeit als „gut geschliffen“ be¬ 
zeichnet werden. Je länger die alteZeichnung auf dem 
Steine stand, desto länger muß geschliffen werden. 

Verschliffene Steine werden solche genannt, die 
eine unebene Oberfläche haben, also entweder in der 
Mitte oder am Rande höher sind. Sie entstehen durch 

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ausschließliches oder öfteres Bimssteinschleifen und 
lassen sich schon durch den Lithographen schwer 
bearbeiten, weil z. B. das Lineal oder das Dreieck 
nicht flach aufliegt, sondern so schaukelt, daß das 
Ziehen einer gerade laufenden Liniatur eine Unmög¬ 
lichkeitist. In derSteindruckhandpressezerplatzendie 
Reiber, oder wohl gar der Stein selbst, wenn der Um¬ 
drucker gleichscharfe Umdruckabzüge machen will, 
und in der Schnellpresse tritt die Gefahr des Steine¬ 
springens sehr leicht ein, weil auch hier um ein gutes 
Ausdrucken zu ermöglichen eine starke Zylinder¬ 
spannung bzw. Druck gegeben werden muß, um die 
tiefer liegenden Partien der Steinzeichnung auf das 
Druckpapier zu bekommen. Die Übelstände und Ver¬ 
luste, die sich auf ungenügende oder verschliffene 
Steine zurückführen lassen, können aber zum großen 
Teile verhütet werden, wenn mit dem Steinschleifen 
zuverlässige Arbeiter betraut werden, die diese so 
wichtige Verrichtung mit Sorgfalt ausführen. 

Die Egalität der Steinoberfläche kann genau kon¬ 
trolliert werden, indem ein großes eisernes Lineal 
hochkantig mit der Ziehfläche nach unten gekehrt 
von den Ecken, sowie von der Mitte aus über den 
Stein gelegt und von seitwärts her gegen das Licht 
nachgesehen wird, ob es überall gleichmäßig aufliegt. 
Ist dies nicht der Fall, dann muß der Stein sandge¬ 
schliffen werden, gleichviel ob er für Federarbeit, 
Umdruck oder Fortdruck bestimmt ist. Auch der 
Lithograph soll die Steine vor Beginn seiner Arbeit 
stets in der angegebenen Weise untersuchen und 
verschliffene oder zu wenig geschliffene Steine zu¬ 
rückweisen. 

Der durch Sandschleifen egalisierte Stein wird 
vermittels natürlichen oder künstlichen Bimssteins 
glatt geschliffen, die scharfkantigen Ränder werden 
zuerst mit einer groben und dann mit einer feineren 
Feile abgerundet, worauf noch das Glätten mit Bims¬ 
stein erfolgt. Adern, geringfügige Kalkflecke usw. 
schaden bei Federarbeiten weniger als bei Gravuren, 
wenn sonst die Masse des Steines gut d. h. verhält¬ 
nismäßig hart genug ist. Gelbe weiche Steine sind 
für gewöhnliche Arbeiten, die eine geringe Auflage 
aushalten sollen, brauchbar, dagegen für große Auf¬ 
lagen nicht, weil die Zeichnung entweder schwindet 
oder breiter wird und tont. Für feine Federarbeiten 
sollen nur die gelben Primasteine oder die noch 
besseren blaugrauen harten Sorten gewählt werden. 
Wenn der Lithograph den zur Bearbeitung erhaltenen 
Stein ohne Fehler gefunden hat, dann reibt er ihn mit 
rektifiziertem Terpentinöl und sauberen Lappen ab, 
wodurch die fette Tusche leichter aus der Feder fließt 
und besser auf dem Steine haftet. Hierauf wird mit 
Bleistift die Einteilung gemacht, weil es bei vielen 
Arbeiten wünschenswert ist, den genauen Winkel oder 
das sogenannte Kreuz zu haben, um alle senk-und wag¬ 
rechten Linien, sowie die Bogenanlage nach diesem 


ziehen zu können. Nun wird die Pause nach dem 
Winkel angelegt, am Rande befestigt und die Kopie 
mittels Rötel- oder Blaupapier gemacht. 

Die weitere Bearbeitung mit Feder und lithogra¬ 
phischer Tusche erfordert, daß der Lithograph sich 
der größten Sauberkeit und Reinhaltung des Steines 
befleißigt, denn Staub, Lampenruß, Kopfschuppen, 
fettige, schweißige Finger verursachen das Schmutzen 
des Steines. Bei großen Arbeiten, die mehrere Tage 
oder Wochen dauern, ist daher eine Papiermaske zu 
benutzen, welche die Zeichenfläche frei läßt, dagegen 
aber den übrigen Teil derselben bedeckt. 

Als fette lithographische Tusche soll eine solche 
verwandt werden, die auf dem Steine tiefschwarze 
Striche ergibt und eine sofortige Beurteilung über 
die Wirkung der Zeichnung zuläßt, was bei den aus¬ 
ländischen braunen Fabrikaten nicht möglich ist. 
Schwarz gezeichnete Federarbeiten haben auch un¬ 
bedingte Widerstandskraft gegen das Ätzen, jedoch 
darf die Tusche nicht zu wässerig angerieben, son¬ 
dern muß so beschaffen sein, daß sie etwas dicklich 
aber immer noch leicht aus der Feder fließt und auf 
dem Steine etwas Glanz hat. Statt der käuflichen 
Lithographiefedern werden, wenn es sich um feinste 
Partien handelt, mit Vorteil die aus Federstahl selbst¬ 
geschnittenen, wenn es sich um kräftige Sachen han¬ 
delt jedoch die käuflichen Federn verwandt. Für feine 
Arbeiten sind auch die sogenannten Miniatur- oder 
Augenpinsel empfehlenswert, die eine äußerst feine 
scharfe Spitze haben. 

Die Entfernung fehlerhaft gezeichneter Partien 
geschieht mit der Spitze eines weichen, wischer¬ 
förmig zusammengedrehten und mit rektifiziertem 
Terpentinöl gefeuchteten Flanelläppchens. Das Flanell 
muß aber mehrmals gewechselt und frisch gefeuchtet 
werden, bis die Stelle völlig rein von fetter Tusche 
ist. Nach dem Trocknen des Terpentins kann die 
Richtigzeichnung erfolgen. 

Für die Ausführung von Schriften oder Zeich¬ 
nungen lassen sich keine besonderen Hinweise geben, 
weil bei ihr die Befähigung und Gewandtheit des Litho¬ 
graphen entscheidet, der je nach der Verschiedenheit 
der Arbeiten mehr oder weniger die mechanischen 
Hilfsmittel der neuesten Zeit anwenden kann. Zu 
diesen gehören vor allem die Schnellschattierungs¬ 
oder Punktierapparate, die das geisttötende, zeit¬ 
raubende Handschattieren oder Punktieren größerer 
Flächen wesentlich erleichtern und beschleunigen. 
Diese Apparate bestehen in der Hauptsache aus einem 
einfachen Rahmen, an dem eine Feststellvorrichtung 
angebracht ist. In letztere werden viereckige Holz¬ 
rahmen eingespannt, deren Innenfläche mit einem 
durchsichtigen, elastischen Felle überspannt ist, das 
auf seiner Vorderseite in tadelloser Prägung entweder 
eine Punktur, eine Liniatur oder eine Körnung trägt. 
Wenn die Prägung mit fetter Farbe eingewalzt ist, so 

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gibt sie diese bei leisem Überschattieren der Rückseite 
an den Stein ab, auf dem dann je nach der verwendeten 
Prägung ein Abdruck von Punktur, Liniatur oder Kör¬ 
nung entsteht. 

Man kann daher auch die mit der Feder fertig- 
gemachte Zeichnung oder Ton- oder Farbplatte auf 
dem Steine an den gewünschten Stellen unter Ver¬ 
meidung der mühsamen Handschattierung mit den er¬ 
wähnten Schattierungen versehen. Die Hauptsache 
ist aber, daß mit dem Verfahren selbst von weniger 
tüchtigen Lithographen die schönsten harmonisch 
wirkenden Übergänge vom tiefsten Schatten bis zu 
den höchsten Lichten erzeugt werden können. Große 
Flächen, die früher eine tagelange Handpunktierung 
erforderten, werden unter Zuhilfenahme des ent¬ 
sprechenden Punktierungsfelles vielleicht eine oder 
mehrere Stunden Arbeit benötigen, ein Umstand, der 
für den großen Wert dieses Hilfsapparates für die 
Lithographie spricht. Trotzdem gibt es aber noch eine 
Anzahl hervorragenderlithographischer Anstalten, die 
den verhältnismäßig billigen Apparat noch nicht be¬ 
nutzen, ferner noch viele Lithographen, die entweder 
die äußerst einfache Arbeitsweise nicht kennen oder 
ein Vorurteil gegen das ganze Verfahren haben. Die 
Hinfälligkeit des Vorurteils ergibt sich aber schon dar¬ 
aus, daß die fortschrittlich gesonnenen Anstalten die 
meisten derlithographischen Chromo- und Buntdruck¬ 
platten nur noch vermittels der Schnellschattierungs¬ 
apparate herstellen lassen, folglich auch bedeutend 
billigere Arbeiten liefern können als die Gegner dieser 
Neuerung. 

Soll eine mit der Feder fertiggezeichnete Ton- oder 
Farbenplatte oder eine Originallithographie mit irgend 
einer Schattierung versehen werden, so werden auf 
dem Steine, nachdem die fetten lithographischen 
Tuschstriche trocken sind, alle Stellen, die keine 
Schattierungen erhalten sollen, mit etwas Gummi¬ 
lösung abgedeckt, wobei jedoch darauf zu achten 
ist, daß in ihr keine Staubkörnchen oder scharfe 
Splitter enthalten sind, da durch diese das elastische 
Schattierungsfell beziehungsweise die Prägung be¬ 
schädigt werden kann. Die durch Leinwand gepreßte 
und dadurch von jeder Unreinheit befreite Gummi¬ 
lösung wird, um ihr Farbe zu geben, mit etwas feinst- 
pulverisiertem Rotsteine durchgerieben und schlie߬ 
lich noch eine Spur Salpetersäure hinzugegeben, durch 
die die abgedeckte Fläche angeätzt wird. Der Auftrag 
der Lösung ist ganz flach und nicht zu dick auszu¬ 
führen, damit eine von Knoten freie Oberfläche er¬ 
halten wird. Wenn alles gut und genau, ferner auch 
die Ränder des Steines abgedeckt sind, dann wird voll¬ 
kommen trocken gemacht und zur Übertragung der 
Schattierung geschritten. 

Soll die betreffende Farbenplatte z. B. eine Chromo- 
punktierung oder einen Linienraster oder ein Spritz¬ 
korn (Kreidekorn) erhalten, so wird der Holzrahmen 


mit dem betreffenden Muster so auf einen als Unter¬ 
lage dienenden gleichgroßen Stein gelegt, daß die 
elastische Schattierungshaut mit der erhaben stehen¬ 
den Prägung nach oben zu liegen kommt. Der Holz¬ 
rahmen selbst muß über den Steinrand hinausragen, 
die Haut jedoch auf dem darunterliegenden Steine 
glatt aufliegen. Auf die Schattierungshaut bzw. die 
erhaben stehende Prägung wird nun mittels einer 
glatten Gummiwalze fette Umdruckfarbe ohne be¬ 
sonders starken Druck aufgewalzt. Die scharfen 
Ränder der Walze müssen jedoch vor Benutzung durch 
Abwalzen auf dem Farbstein von der Farbe etwas be¬ 
freit werden, da sonst auf der Schattierungshaut leicht 
Streifen entstehen, die sich auf den Stein übertragen 
und Fehler verursachen würden. Beim Einwalzen 
darf auf der Gummiwalze sich nicht zuviel Farbe be¬ 
finden, weil sonst nicht nur die erhaben stehenden 
Punkte oder Linien, sondern auch die Vertiefungen 
mit Farbe getroffen und keine reinen Schattierungen, 
sondern verschmierte Flächen erzielt werden. Das 
Einwalzen darf auch nur leicht und ohne besonderen 
Druck erfolgen, andernfalls die Farbe in die Ver¬ 
tiefungen der Prägung eingepreßt wird. Der Erhalt 
einer guten reinen Deckung der Prägungsoberfläche 
ist die Hauptsache, die Einwalzung der Schattierungs¬ 
häute spielt deshalb auch die wichtigste Rolle bei dem 
ganzen Verfahren. Die Prüfung, ob diese gut erfolgt 
ist, geschieht, indem der Rahmen gegen das Fenster 
gehalten oder mit der Rückseite auf einen weißen 
flachen, auf die Steinunterlage gegebenen Papier¬ 
bogen gelegt wird. In beiden Fällen wird man deut¬ 
lich sehen, ob die Linien oder Punkte rein schwarz, 
der Grund aber frei von irgendeinem Farbentone ist. 
Sollte dies nicht der Fall sein, dann wird die Haut 
des auf den Unterlagestein gelegten Rahmens mit 
rektifiziertem Terpentinöl und ganz reinen weichen 
Lappen recht sauber und mehrmals abgewaschen, mit 
einem zweiten weichen Lappen trocken gemacht, leicht 
nachgeputzt und nach Verflüchtigung des Terpentin¬ 
öles wiederum eingewalzt. Wenn die Einwalzung zur 
Zufriedenheit ausgefallen ist, dann wird der Rahmen 
in die Feststellvorrichtung so eingespannt, daß die ein¬ 
gewalzte Prägeseite nach unten gekehrt auf den zu 
bearbeitenden Stein zu liegen kommt. Auf der glatten 
Rückseite der Haut werden nun mit einem weichen 
Papierwischer oder einem zugespitzten sandfreien 
Radiergummi je nach der Stärke der Linien mit kräf¬ 
tigem oder schwachem Druck alle jene Partien nach¬ 
schattiert, welche auf dem Steine nicht abgedeckt 
wurden. Die vollkommen glasige Durchsicht der 
Schattierungshaut läßt, trotz der Einschwärzung, die 
auf dem Steine befindliche Konturzeichnung usw. ge¬ 
nau erkennen, außerdem kann der Rahmen zur Kon- 
trollierung der Arbeit in die Höhe geklappt werden, 
ohne daß er sich in der Feststellvorrichtung ver¬ 
schiebt. Besonders kräftig gewünschte tiefe Schatten 

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werden erhalten, wenn die Haut des aus dem Apparate 
genommenen Rahmens nochmals eingewalzt, der 
Rahmen wieder eingespannt und die kräftig ge¬ 
wünschten Partien nachschattiert werden. Die kleinen 
Stellschrauben des Rahmens können hierbei etwas 
nach rechts oder links gedreht werden, wodurch sich 
dieser entsprechend verschiebt und beim Abreiben 
der Haut stärkere Linien oder Punkte auf dem Steine 
entstehen. Mit den Linienrasterhäuten können auch 
verschiedene Kreuzlagen auf dem Steine erzeugt 
werden, wenn z.B. nach der ersten wagrechten Linien- 
schaltierung auf dem Steine die Haut des ausge¬ 
spannten Holzrahmens mit frischer Farbe versehen 
und entweder der Stein herumgedreht oder der Rah¬ 
men so eingesetzt wird, daß sich die zweite Liniatur 
mit der ersten bereits auf dem Steine befindlichen 
diagonal kreuzt. Den Punktur- und andern Mustern 
können entweder durch kleine Rahmenverschiebung 
nach rechts oder links oder durch die Drehung des 
Rahmens ganz verschiedenartige Gestaltungen ge¬ 
geben werden, wie solche mit der Hand niemals 
möglich sind. 

Die Schattierung oder Punktierung auf dem Steine 
geht spielend leicht vor sich, trotzdem aber halten die 
feinsten Töne die übliche Ätzung und weitere Be¬ 
handlung aus, ohne daß sie schwach werden oder 
sich verschmieren. Die fertige Arbeit wird, wie jede 
andre Federarbeit, auf dem Steine mit feinstpulve- 
risiertem Kolophonium und neuer weicher Watte sanft 
eingepudert, nachher mit Talkum überwischt und 
schwach geätzt, gummiert und trocken gemacht. Die 
Gummierung wird nach einer halben Stunde mit dem 
Wasserschwamme entfernt, der Stein schwach d. h. 
mit wässeriger Gummilösung überzogen und die 
Schattierung mit etwas Umdruckfarbe (Anreibefarbe) 
leicht angerieben, damit sie sich kräftigt. Nach dieser 
Behandlung wird der Stein zunächst etwas ruhen ge¬ 
lassen, dann aber mit feinpulverisiertem Kolophonium 
eingepudert, sauber abgestaubt und dieZeichnung mit 
der Stichflamme mäßig angebrannt, worauf die ge¬ 
wöhnliche Originalätzung (nicht Hochätzung) vorge¬ 
nommen werden kann. Nach dem späteren Aus¬ 
waschen mit Terpentin und Wasser kann zum Um¬ 
druck usw. geschritten werden. 

Durch den Gebrauch des Verfahrens kann bei 
richtiger Ausnutzung und Berechnung der zu er¬ 
zeugenden Tonwerte im Mehrfarbendruck eine Er¬ 
sparnis an Farbenplatten eintreten. So ist z.B. einem 
Lithographen, der den Drei- oder Vierfarbenstein¬ 
druck kennt, die Möglichkeit gegeben, mit dem 
Schattierungsapparat bei Verwendung der autotypie¬ 
ähnlichen Schattierungshäute oder der engen 
Linienrasterhäute entsprechende Farbenplatten auf 
Stein, Zink oder Aluminium herstellen zu können, 
die den photographischen Rasteraufnahmen der Drei¬ 
farbenautotypie entsprechen. 


Als ein weiteres Hilfsmittel zur Erzeugung punk¬ 
tierter Flächen für den lithographischen Mehrfarben¬ 
druck ist noch die Spritzmanier zu nennen, mit der 
die Erzeugung kornähnlicher Töne in kürzester Zeit 
möglich ist. Auch diese vorzügliche Arbeitsweise 
wird in den lithographischen Anstalten noch viel zu 
wenig benutzt, trotzdem die Anschaffungskosten der 
gesamten Einrichtung gar nicht in Frage kommen 
können, da nur ein Drahtsieb für Spritzmanier und 
in steif haariger harter Borstenpinsel oder eine ab¬ 
genutzte aber noch gute Zahnbürste notwendig sind. 

Die fertige lithographische Federzeichnung (Ori¬ 
ginal- oder Farbenplatte) wird trocken gemacht, dann 
alles dasjenige, was keinen Spritzton bekommen soll, 
mit leicht angesäuerter Gummilösung sauber und ge¬ 
nau bis zum Steinrande abgedeckt. Scharf abge¬ 
grenzte Partien werden mit der Ziehfeder und Lineal 
gezogen, die Gummilösung mit etwas pulverisiertem 
Rotstein gefärbt, damit jeder Pinsel- oder Ziehfeder¬ 
strich deutlich zu sehen ist. Die Gummibedeckung 
muß gut trocken sein, bevor das Spritzen beginnt. 
Neben den Stein wird ein Stück weißes Papier gelegt, 
auf dem durch eine Spritzprobe die Tiefe des auf dem 
Steine zu erzeugenden Tones festgestellt wird. Zum 
Spritzen wird fette Tusche und zwar die sogenannte 
tiefschwarze deutsche verwendet, damit sich der 
Spritzton sicher beurteilen läßt, was bei Verwendung 
der bräunlichen ausländischen Tuschen durchaus 
nicht möglich ist. Die etwas dicklich angeriebene 
Tusche wird in eine flache Schale gegossen. Der 
Pinsel oder die Zahnbürste wird nun in der Tusche 
nicht zu stark gesättigt, dann über das Netz gefahren, 
wobei ein Spritzen der Farbe entsteht. Zunächst 
spritzt man 3—4 mal in die Luft, damit das Netz 
selbst angefeuchtet wird. Ist dies der Fall, dann 
wird mit dem wieder mit Tusche gesättigten Borsten¬ 
pinsel einige Male in die Luft und dann 2—3 mal 
auf das Papier gespritzt. Ist auf letzterem der Spritz¬ 
ton gut ausgefallen, dann wird der Stein bespritzt, 
über den das Netz etwa 15 cm hoch gehalten wird. 
Kleine Flächen können mit einer einmaligen Sätti¬ 
gung der Bürste fertiggespritzt werden, während 
große Flächen eine zwei- bis dreimalige Sätti¬ 
gung erfordern. Hierbei muß aber stets nach dem 
Eintauchen durch mehrmaliges Überstreichen des 
Siebes der Überschuß aus der Bürste in die Luft ent¬ 
fernt werden, die Fortsetzung des Spritzens aber erst 
dann erfolgen, wenn auf neuen weißen Papierbogen 
der Spritzton genau mit dem ersten Bogen überein¬ 
stimmt. Ist in dieser Weise die Gesamtwirkung der 
hellsten Tonwirkung erreicht, so werden jene Stellen, 
wo vielleicht zu starke Punkte entstanden sind, mit 
der Nadel nachkorrigiert oder andernfalls mit der 
Feder nachpunktiert. Wenn alles fertig ist, dann wird 
trocknen lassen und der genügend helle Ton mit 
Gummilösung abgedeckt. Die stärker und kräftiger 


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gewünschten Partien werden hierbei ausgespart. Nach 
Trocknung der Gummideckung wird das weitere 
Spritzen begonnen, das eine Verdichtung des ersten 
Tones herbeiführt. Ist die gewünschte Dicke er¬ 
reicht, dann wird die Tusche trocken gemacht, aber¬ 
mals mit Gummilösung abgedeckt usw. bis schlie߬ 
lich die kräftigsten Partien fertiggestellt sind. 

Bei der Spritzarbeit ist im allgemeinen zu beachten, 
daß nach jedesmaligem Übertonen der ganzen Fläche 
nicht sofort mit der nächsten Spritzung begonnen 
werden darf. Die Tusche muß auf dem Steine mit 
der Windfahne erst getrocknet werden, um ein Aus¬ 
einanderlaufen der noch nassen Punkte zu verhindern, 
das ohne weiteres eintreten würde, wenn eine Sprit¬ 
zung nach der andern folgen würde. Die Gummi¬ 
deckung darf selbstverständlich nicht früher vorge¬ 
nommen werden, bis die Tusche vollkommen trocken 
ist, weil sonst beide miteinander verlaufen und die 
Arbeit mehr oder weniger verdorben würde. Ferner 
empfehle ich statt des Borstenpinsels nur die abge¬ 
brauchte Zahnbürste, weil sich mit ihr das Überstrei¬ 
chen über das Drahtsieb sehr leicht und sicher aus¬ 
führen läßt. 

Glatte verlaufende Töne erfordern eine öftere 
Deckung mit Gummilösung und Spritzung. Über¬ 
gänge, die sich zu deutlich markieren, werden mit 
der Nadel, aber erst nach erfolgter Ätzung des Steines 
ausgeglichen. Auch mit der Feder kann eine nach¬ 
trägliche Punktierung hineingearbeitet werden, wenn 
der geätzte mit Farbe eingewalzte und mit Talkum 
ausgiebig eingepuderte Stein entätzt, d. h. mit ganz 
verdünntem Essigsäurewasser (10 Teile chemisch 
reine Essigsäure, 100 Teile Regen- oder Flußwasser) 


zwei bis drei Minuten angefeuchtet und nachher reich¬ 
lich unter der Wasserleitung abgespült bzw. mit Watte 
abgerieben wird. Sind alle erforderlichen Arbeiten 
erledigt, dann wird talkumiert, der Stein nochmals 
geätzt, gummiert, getrocknet und wie bei jeder 
andern Umdruck- oder Federarbeit weiter behandelt. 

Die Spritztechnik wird besonders bei großen Far¬ 
ben- oder Tonplatten angewendet, da deren Bearbei¬ 
tung mit der Handpunktierung nicht nur mühevoll, 
sondern auch sehr zeitraubend wäre. 

Zur Schnellschattierung großer Flächen wurden 
früher verschiedene andre Hilfsmittel benutzt, so 
z. B. besonders die sogenannten Raster, die vermittels 
der lithographischen Liniiermaschine auf einen Gra¬ 
vurstein gezogen, d. h. graviert waren. Von diesen 
Steinen wurden Abdrücke auf Umdruckpapier ge¬ 
macht und auf die Farbplatte oder dergleichen um¬ 
gedruckt, nachdem vorher jene Flächen, die keinerlei 
Schattierung bzw. Linientöne erhalten sollten, mit 
Gummilösung abgedeckt waren. Im weiteren Verlaufe 
kreuzte man je nach der zu erreichenden Schattie¬ 
rungstiefe die Liniatur noch ein- oder zweimal. Das 
Verfahren war unzuverlässig, da verschiedene Zu¬ 
fälligkeiten eintreten und die ganze Arbeit in Frage 
stellen konnten. Die Schnellschattierungsapparate 
sind zuverlässiger und sicherer, außerdem bieten sie 
bei der Herstellung von Federzeichnungen oder Far¬ 
ben- und Tonplatten auf Stein, Aluminium und Zink 
so große und bedeutende Vorteile, daß die Behaup¬ 
tung, die lithographische Federtechnik sei durch 
diese Neuerung erst auf die höchste Stufe der 
Vollendung gebracht worden, durchaus keine allzu 
kühne ist. 


Einiges vom Farbwerk. 

Von EDUARD KÜHNAST, Magdeburg. 


W ENN die Erkenntnis richtig ist, daß eine 
gut gepflegte Walze die Seele des Druckes 
darstellt, so steht in engster Verbindung 
damit die Konstruktion des Farbkastens, die Entnahme 
der Farbe und deren für die rasche Verarbeitung fri¬ 
schen Druckes notwendige Verreibung und Übertra¬ 
gung. Über den letzteren Gegenstand glaube ich mich 
neuerdings hinreichend verbreitet zu haben, somit 
erübrigt sich ein näheres Eingehen hierauf, obwohl 
die ausgiebigste Verreibung der Farbe für jede Druck¬ 
presse gerade gut genug ist. Infolge des Vorwärts¬ 
drängens von seiten der Fachgenossen kann ja ohne 
besondere Mühe die Beobachtung gemacht werden, 
daß sich auf diesem Gebiete die besten Fortschritte 
offenbaren, was die Vertreter des Druckes nur mit 
Genugtuung erfüllen kann. Die Anforderungen, die 
heute an die Druckausführung gestellt werden, sind 
in ständiger Steigerung begriffen, deshalb werden 


allerlei Vorteile zu erzielen gesucht, um die Farbe¬ 
entnahme nach Möglichkeit zu vereinfachen. Dies 
läßt die Entwicklung des Farbkastens erkennen, den 
man in früherer Zeit aus einem Stück herstellte, so¬ 
weit es sich um das Farblineal handelt. Wer mit 
diesem unvollkommenen Objekt hantieren mußte, 
dem wird die Schwierigkeit derdamaligen Farbegebung 
noch ganz lebhaft in der Erinnerung geblieben sein. 
Angesichts dieser Sachlage bildete der einmal geteilte 
Farbkasten schon ein ziemliches Wunder, denn jetzt 
war die Möglichkeit vorhanden, ungleiche Druck¬ 
flächen besser als vorher behandeln zu können. Es war 
ein Fortschritt, der durch dasvier- und mehrfacheTeilen 
des Farblineals noch ausgeprägter in Erscheinung 
trat. Obwohl man auf Grund gemachter Erfahrungen, 
die sich auf alle vorbenannten Konstruktionen er¬ 
strecken, zu der Meinung gelangen könnte, daß mit 
einem mehrfach geteilten Farbkasten bei jeder Art 


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des Druckes auszukommen sei, so konnte sich diese 
Auffassung doch nur so lange ungemindert erhalten 
als etwas Besseres nicht anzutreffen war. Das än¬ 
derte sich plötzlich mit der Einführung des amerika¬ 
nischen Farbwerkes, das gestattete, jeden einzelnen 
Streifen der Druckform mit mehr oder weniger Farbe 
zu versehen, eine Einrichtung, die besonders beim 
Illustrationsdruck von hohem Werte ist. Das federnde 
Farbmesser bildet sonach in der Jetztzeit den Höhe¬ 
punkt der Farbegebung und wer mehr als ein Jahrzehnt 
ständig mit dieser Einrichtung zu tun hatte, dem 
würde es bedauerlich erscheinen, zum ein-oder mehr¬ 
fach geteilten Farbkasten zurückkehren zu müssen. 

Es läßt sich nun nicht bestreiten, daß gerade 
das federnde Farblineal eine recht peinliche Behand¬ 
lung erfordert, um in seiner ursprünglichen 
GebrauchsFähigkeit erhalten zu bleiben. Es 
muß, sozusagen, mit Sinn und Verstand ge- 
handhabtwerden. Seine Einstellung gestaltet 
sich höchst einfach und ist bei gereinigtem 
Farbkasten vorzunehmen. Das Stahlband 
wird durch Zurückdrehender Reihe von Stell¬ 
schrauben in seine gewöhnliche Lage gebracht, hier¬ 
auf ist der Farbkasten um ein weniges, etwa um ein 
starkes Kartonblatt, vom Duktor abzurücken, dann wird 
das Lineal durch Anziehen sämtlicher Stellschrauben 
gespannt, um einen gleichmäßigen Farbton zu erhalten. 
Die Spitze der Schrauben hat das Stahlband um die 
Stärke des Kartonblattes angehoben, durch diesen 
Vorgang wird ermöglicht, jeden einzelnen Teil des 
Stahlbandes bzw. Farblineals je nach Bedarf durch 
Offnen der Stellschraube zurückzuziehen, wodurch 
sich dann mehr oder weniger fette Farbstreifen er¬ 
zielen lassen. Aus dieser Darstellung ergibt sich, 
daß die Farbezufuhr ganz beliebig geregelt werden 
kann, je nachdem die einzelnen Stellen des Stahlban¬ 
des mehr oder weniger Öffnung zum Duktor erhalten. 
Es ist hiernach unter genauer Beobachtung der Eigen¬ 
tümlichkeiten des amerikanischen Farbwerkes die 
Regulierung der 
Farbe auf das fein¬ 
ste zu bewerkstel¬ 
ligen. Angenommen 
der Farbkasten besitze bei einer 


eine wirklich genaue Arbeit lebhaft zu wünschen. 
Zum Zwecke der möglichsten Schonung des Farb¬ 
lineals liegt ein Vorteil darin, es nicht zu fest an den 
Duktor zu bringen, um die Abnutzung auf das ge¬ 
ringste Maß zu beschränken. Hat man nun das Farb¬ 
messer zur Erzielung des gleichmäßigen Farbetons 
angehoben, wie vorhin auseinandergesetzt, so würde 
es beim Vorkommen leerer Stellen in der Druckform 
erforderlich sein, einzelne Stellschrauben noch schär¬ 
fer anzuspannen, um die Farbe abzudrängen, wodurch 
allerdings die ebene Fläche des Stahlbandes 
leiden müßte. Es würde jene Abnutzung 
entstehen, die bisher die völlige 
Aufnahme des amerikanischen 
Farbkastens in den Druk- 
kersälen zum Teil 
verhinderte. Ge¬ 
rade die vorzei¬ 
tige Abnutzung 
des Stahlbandes, 
hervorgerufen 
durch ZWeck¬ 



Abbildung 1 

Farbkasten amerikanischen Systems 


Abbildung 2. 

Druckfläche von 
70X100 zwanzig Stellschrauben, so liegt darin wohl 
unstreitig das Vollkommenste der heutigen Farbe¬ 
gebunggegenüber den primitiven Vorrichtungen einer 
früheren Zeit (Abbildung 1). 

Bei Bestellung oder Ingebrauchnahme des ameri¬ 
kanischen Farbkastens setzt man als ganz selbstver¬ 
ständlich voraus, daß alle seine Teile, insbesondere 
das Stahlband, peinlich genau gearbeitet sind, weil 
sonst die Wirkung der Stellschrauben nicht voll be¬ 
friedigen und der Wert einer derartigen Farbkasten¬ 
einrichtung herabgemindert würde. Da dies in der 
Praxis ab und zu festzustellen ist, so ist gerade hier 


widrige Handhabung, hat das federnde Farblineal nicht 
allenthalben beliebt gemacht. Es mußte daher versucht 
werden, die zu häufige Berührung der Stellschrauben 
nach Möglichkeit zu umgehen und das zu feste An¬ 
drücken einzelner Teile des Stahlbandes an den Duk¬ 
tor auszuschließen durch Schaffung einer verstellbaren 
Leckwalze, die in Abbildung 2 veranschaulicht ist. 
Durch ihre Verwendung wird die Farbeentnahme bei 
gewissen Druckformen ganz wesentlich vereinfacht, 
da schmale und breite Massestücke beliebig in Ge¬ 
brauchgenommenwerdenkönnen. Leere Stellen in der 
Druckform werden beim Vorhandensein eines verstell¬ 
baren Hebers nicht mehr durch vermehrtes Anziehen 
der Stellschrauben des Farbkastens, oder dem wieder¬ 
holten Abziehen der Farbe von den Walzen behandelt, 
sondern lediglich dadurch, daß die Leckwalze ganz 
der Druckform entsprechend zubereitet wird. In der 

Schaffung einer der¬ 
artig ausgebildeten 
Walze erblicke ich 
verstellbare Lcckwaize au f Grund mehr¬ 


jähriger Erfahrungen ein sehr vorzügliches Mittel 
zur Schonung des Farblineals und der vereinfachten 
Farbegebung. Die verstellbare Leckwalze macht 
das sonstige Zerschneiden des Hebers überflüssig, 
nur muß sorgfältig darauf geachtet werden, daß 
sämtliche Teile derselben zu gleicher Zeit gegossen 
werden, um eine Veränderung des Umfanges zu ver¬ 
meiden. Den verstellbaren Heber als kompletteWalze 
zu benutzen, dazu ist er nicht geschaffen, denn es 
würden sich in solchem Falle immerhin einige Diffe¬ 
renzen im Durchmesser der einzelnen Teile ergeben, 
weil sie doch mehr oder weniger in Gebrauch kom¬ 
men. Da zu jeder Maschine zwei normale Heber 


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geliefert werden, so ist die verstellbare Walze nur in 
Teilstrecken gedacht, wobei sich ihre Nützlichkeit 
durchaus erwiesen hat. Geteilte Walzen sind ja nichts 
Neues. Bereits vor einem Vierteljahrhundert schuf 
man solche zu dem Zwecke, den Gang der Maschine 
zu erleichtern und die Farbe auf der Hälfte der Ma¬ 
schine abzugrenzen. Hierzu mag jedenfalls das un¬ 
geteilte Farbwerk den Anstoß gegeben haben, was 
schon daraus zu folgern ist, daß Leck- und Auftrag¬ 
walzen in zwei gleiche Hälften zerlegt waren, die im 
einzelnen oder auch als ganze Walze benutzt werden 
konnten. Ohne Zweifel hat das unregelmäßige Schwin¬ 
den der Walzenmasse alsbald gelehrt, daß zusam¬ 
mengesetzte Auftragwalzen keine Sicherheit für das 


vollkommene Farberegulierung vor sich zu haben, die 
ja auch gebraucht wird. 

Im Anschluß hieran möchte ich noch eine Vorrich¬ 
tung skizzieren, die das Festhalten der Farbeklötze 
zum Zwecke und vielleicht auch den Vorzug hat, sich 
gegenüber andern nützlichen Objekten gleicher Art 
durch sehr große Einfachheit auszuzeichnen. Es 
dürfte genügend bekannt sein, daß strenge Farbe die 
Eigenschaft besitzt, die Farbebrocken durch die Be¬ 
wegung des Duktors seitlich zu verdrängen, womit 
sich Mängel in der Einfärbung der Form verbinden. 
Das absolute Stillsetzen dieser Brocken wird daher 
zur Notwendigkeit. Abbildung 3 veranschaulicht die 
Möglichkeit hierzu, indem die Farbeklötze in kleine 



genaue Einfärben der Druckform verbürgen. Deshalb 
kann man jedoch ruhig bei geteilten und verstell¬ 
baren Leckwalzen stehen bleiben, weil hier die Sache 
wegen der Veränderung der Masse etwas günstiger 
liegt. 

Für die Schonung des Farblineals, indem es nicht 
zu fest an den Duktor gedrückt zu werden braucht, 
um vorzeitige Abnutzung zu verhindern, erweist sich 
die Abstufung der Farbeentnahme von nicht zu unter¬ 
schätzender Bedeutung, denn es ist von ganz unter¬ 
schiedlicher Wirkung auf das Farbmesser, wenn nicht 
nur drei, sondern zwölf Farbeabstufungen vorhanden 
sind. Bei nur wenigen Abstufungen wird man die 
Stellschrauben des Farbkastens fortwährend in Mit¬ 
leidenschaft ziehen, da es schon die Sicherheit des 
Druckes bedingt, das Farbwerk stets mitlaufen zu 
lassen. Es wird also das Stahlband den Duktor zumeist 
zu fest berühren*im Gegensatz zu Einrichtungen, wo 
die Farbeentnahme alle 1—12 Bogen möglich ist. 
Rechnet man hierzu noch das kürzere oder längere 
Verweilen des Hebers an der Duktorwalze, um ver¬ 
schiedene breite Streifen bei der Farbeentnahme zu 
erzielen, so ist der Schluß berechtigt, eine ziemlich 


an der Rückwand des Farbkastens befindliche Ein¬ 
schnitte gestellt und so am seitlichen Entweichen ge¬ 
hindert werden. Diese Einschnitte brauchen nur 
1—2 mm tief zu sein, welcher kleinen Öffnung sich 
der Farbklotz durch eine besondere Form anzupassen 
hat, wie solche in Abbildung 4 dargestellt wird. Mit 
Bleibrocken würde der gedachte Zweck des Festhal¬ 
tens nicht für dauernd zu erreichen sein, weil der 
hintere Teil des Brockens durch das Waschen und 
sonstige Abnutzung seine ursprünglicheForm bald ein¬ 
büßen müßte. Es macht sich deshalb die Anfertigung 
von Metallbrocken nötig, die nebenbei noch den Vor¬ 
zug besitzen, durch ihre stets gleichbleibende Be¬ 
schaffenheit die Farbe dauernd gut abzuschließen. 
Metallklötze könnten wohl insofern einigen Bedenken 
begegnen, als angenommen werden kann, mit ihnen 
müsse eine größere Abnutzung des Duktors verbun¬ 
den sein als bei den weichen Bleiklötzen, die sich in 
dieser Hinsicht allerdings ungefährlicher ausnehmen. 
Aber in der Praxis schwinden diese Bedenken, da 
zwischen Metallbrocken und Duktor stets eine ölige 
Farbschicht vorhanden ist, die die befürchtete Ab¬ 
nutzung auf ein Minimum beschränkt. 


Vom Steigen des Ausschlusses. 

Von BRUNO ENDERS, Magdeburg. 


B EIM Durchblättern der verschiedenen Fachzeit¬ 
schriften finden sich so mancherlei technische 
Hinweise, die für den einzelnen schon aus 
dem einen Grunde wertvoll erscheinen, weil sie un¬ 
willkürlich zum Vergleichen der an den einzelnen 
Orten sich herausgebildeten verschiedenen Arbeits¬ 
methode anregen. Wenn diese technischen Hinweise 


etwas gründlich geprüft werden, so wird sich zeigen, 
daß sie gerade nicht viel Neues bringen. Das ist aber 
durchaus kein Fehler, denn auch alte Forderungen 
verdienen uneingeschränkte Anerkennung und Befol¬ 
gung, zumal wenn es gilt, einem Übel zu begegnen, wie 
z.B. dem allseitig bekannten Hervortreten der Spieße. 
Diese ungebetenen Gäste werden eigentümlicher- 


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weise bei Klischeedrucken als etwas Selbstverständ¬ 
liches und Unausrottbares betrachtet, soweit es sich 
um in den Satz gestellte Druckstöcke handelt, die ja 
ihrer ganzen Natur nach die Ursache für die Spieße 
bilden. Diese Auffassung kann nur bis zu einem ge¬ 
wissen Grade als berechtigt anerkannt werden, weil 
die tagtägliche Praxis hinreichend lehrt, daß auch 
Druckformen ohne Klischees ein mehr oder weniger 
wahrnehmbares Steigen des Ausschlusses erkennen 
lassen. Die Ursachen dieses Vorganges müssen dem¬ 
nach etwas tiefer sitzen, als wie der Fachgenosse für 
gewöhnlich anzunehmen geneigt ist. Bei Besprechung 
einiger Möglichkeiten für die Spießbildung kann es 
mir gar nicht einfallen, die Vorbedingungen für eine 
glatte Druckherstellung irgendwie antasten zu wollen, 
die bekanntermaßen im genauen Ausschließen des 
Satzes und guter Abrichtung der Druckstöcke ihren 
Ausdruck finden. Aber ich meine, man darf sich nicht 
allzusehr auf diese Punkte festlegen, wenn die Ursache 
der Spieße erforscht werden soll, was sowieso ein 
meistenteils ergebnisloses Beginnen darstellt, da hier¬ 
bei so vielerlei Umstände mitspielen, daß es schwer 
hält, den richtigen Pfad zu finden. Die Möglichkeit 
einer ziemlich verringerten Spießbildung erblicke ich 
im ruhigen Gang einer Schnellpresse, der über alle 
Hindernisse in der angedeuteten Richtung hinwegzu¬ 
helfen geeignet ist. Es fragt sich nur, wie aus dem 
vibrierenden Gange einer Maschine ein solcher ge¬ 
macht werden kann, der keine Erschütterungen zeigt 
und das Steigen des Ausschlusses weniger aufkom- 
men läßt. Hier hat die schon längst einsetzende stär¬ 
kere Bauart unsrer Druckmaschinen die bereits viel 
früher ersehnte Besserung gebracht und zu einer be¬ 
friedigenden Arbeitsweise im Druckersaal beigetra¬ 
gen. Selbst wenn eine stark und festgebaute Presse 
den für einen ruhigen Gang unerläßlichen massiven 
Untergrund in Form eines zementierten Bodens im 
Parterreraum nicht besitzen kann, so wird man an 
ihr nicht jene Mängel beim Druck entdecken, die den 
schwächlichen Bauarten einer früheren Periode nun 
einmal anhaften. Aus diesen Darlegungen würde zu 
folgern sein, daß Klischeeformen auf dazu geeigneten 
Maschinen herzustellen sind. Wo eine derartige Aus¬ 
wahl nicht vorhanden ist, würde es sich empfehlen, 
die Formen im halben Format zu drucken, um eine 
übermäßige Erschütterung schwach gebauter Maschi¬ 
nen zu vermeiden, die den Ausschluß aus leicht denk¬ 
baren Gründen hochrütteln müssen. 

Das Thema über die Spieße ist ein schier uner¬ 
schöpfliches. Wenn dann alle Möglichkeiten des Er¬ 
scheinens derselben hinreichend erörtert worden 
sind, ohne daß sie den Reiz der Neuheit beanspruchen 
können, so werden noch weitere Punkte herangezo¬ 
gen, die der Spießekalamität Einhalt zu bieten geeig¬ 
net erscheinen. Vielleicht würde der ausnahmsweise 
verlangsamte Gang der Maschine beim Illustrations¬ 


druck die Spieße weniger in Erscheinung treten las¬ 
sen, als wenn die Höchstgeschwindigkeit von etwa 
1400 Zylinderumdrehungen in der Stunde beibehalten 
wird. Die vorübergehend verminderte Geschwindig¬ 
keit der Presse dürfte durch die Stetigkeit des Fort¬ 
drucks reichlich aufgewogen werden. 

Es erscheint leicht denkbar, daß Bestrebungen, die 
auf eine Verminderung der Erzeugung abzielen, wohl 
von keiner Seite Unterstützung finden dürften. Eine 
Ausnahme dürften diejenigen machen, welche beim 
Klischeedruck herausgefunden haben, daß beim 
schnellen Gange der Maschine der zum Druck ge¬ 
brachte Bogen geradezu von der Form abgerissen 
wird, welcher Vorgang für die Güte der Arbeit sicher¬ 
lich nicht vorteilhaft sein kann. Man denke an den 
Druck von Autos, bei dem eine strenge Farbe sehr 
am Platze ist und durch die der Gang ganz von selbst 
verlangsamt wird, sofern eine gute und satte Deckung 
größerer Druckflächen erreicht werden soll. Bei 
dieser Arbeitsweise wird das Spießübel schon weni¬ 
ger sichtbar werden, denn einmal wird der Abdruck 
regelrecht von der Form abgehoben und zum andern 
ist der verminderte Gang der Maschine frei von be¬ 
sonders wahrnehmbaren Erschütterungen. Das soll 
kein Idealzustand sein, aber ein durch die tägliche 
Praxis gebotener Ausweg, um auch mit Klischeefor¬ 
men zu einem guten Ende zu kommen, ohne daß das 
Satzmaterial in Mitleidenschaft gezogen wird. Wieder¬ 
holt zu betonen ist, daß ein ganz gewaltiger Vorteil 
darin liegt, wenn schwierige Druckformen nur solchen 
Maschinen zugewiesen werden, die zufolge der neue¬ 
ren Bauart alle jene Vorteile bieten, die zu einer er¬ 
höhten Leistungsfähigkeit unumgänglich notwendig 
sind. 

Einige andre Punkte, die zur Spießbildung nicht 
minder beitragen, möchte ich bei diesem Thema noch 
festhalten, weil sie nicht immer die nötige Beachtung 
finden. Dieser Umstand dürfte begründet sein durch 
die hastende Tätigkeit, die heute mehr als früher an¬ 
zutreffen ist und durch die Verwöhnung der Besteller, 
die für die Herstellung der Drucksachen so kurze 
Lieferzeit bewilligen, daß ein Schnellschuß den an¬ 
dern ablösen muß. Unter diesen Verhältnissen fehlt 
die zur sorgfältigen Vorbereitung einer Klischeeform 
erforderliche Zeit und die Druckstöcke können nicht 
die peinlich genaue Abrichtung finden, weil das Haupt¬ 
interesse auf den möglichst schnellen Fortdruck ge¬ 
richtet ist. Darunter leidet jedoch die Sorgfalt der 
Zurichtung, was wiederum vermehrte Spieße im Ge¬ 
folge hat, denn je schärfer und ungleichmäßiger der 
Abdruck ist, desto größer wird die Abnutzung der 
Druckform und das Steigen des Ausschlusses sein, 
welch letzterer sich nur bei ganz leichter Berührung 
des Schriftbildes in den ihm gezogenen Grenzen 
halten läßt, sofern er nicht durch eine übermäßige 
Vibration des Druckfundamentes ganz von selbst an 


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die Oberfläche kommt. Bei Betrachtung aller dieser 
Mängel kommt man ganz von selbst dahin, Druck¬ 
formen, deren Satz Klischees enthalten, eine von 
dem sonstigen Arbeiten etwas abweichende Behand¬ 
lung zuteil werden zu lassen, damit das Material un¬ 
beschädigt aus der Maschine gebracht werden kann, 
wozu freilich die Zeit nicht zu kurz bemessen sein 
darf. 

Für Druckformen, welche ihrer Natur nach Spieße 
erwarten lassen, empfiehlt sich auch ein genau be¬ 
rechneter Zylinderaufzug, der die regelrechte Ab¬ 
wicklung mit dem Druckfundament verbürgt und 
daher kein Schieben, Drängen oder Quetschen der 
Druckform zuläßt, wie das bei zu dicker Bekleidung 
des Druckzylinders der Fall sein müßte. Man übe 
gerade in diesem Punkte große Mäßigkeit und ver¬ 
meide die dicken Polster, die keinen rationellen Druck 
zulassen. Ein ganz bestimmtes Maß für die Stärke 
des Zylinderaufzuges läßt sich zwar nicht gut angeben, 
da ein Druckzylinder mehr oder weniger abgedreht 
ist, aber eine Druckstärke von 1 mm dürfte als ziem¬ 
lich maßgebend zu betrachten sein. Schenkt der 
Maschinenmeister der hier bezeichneten Aufzugs¬ 
stärke die nötige Beachtung und beherzigt er ab und 
zu das einfache Mittel, den Abdruck mit der Form zu 
messen, um festzustellen, ob beides übereinstimmt, 
dann wird er vor zu großen Überraschungen in der 
Spießbildung einigermaßen gesichert sein. 


Die Art der Zylinderbekleidung kann auf die Spieße 
nicht ohne Einfluß bleiben. Bei einer etwas elasti¬ 
schen Unterlage, wie wir solche in den verschiede¬ 
nen Gummitüchern kennen, kann sich die Unebenheit 
der Druckstöcke und damit das Auftreten der Spieße 
nicht in gleichem Maße äußern, wie bei dem harten 
Zylinderaufzug, der dafür aber einen schärferen Ab¬ 
druck sichert als die weiche Unterlage, die bei abge¬ 
nutztem Material zu bevorzugen ist. Hier muß die 
Erfahrung die beste Lehrmeisterin abgeben, da alle 
Erwägungen darauf abzielen, wie man am besten und 
am schnellsten zum Ziele kommt. Besser wäre es 
schon, wenn heute angeordnet werden könnte, daß 
von morgen ab an Stelle der Holzunterlagen ein vor¬ 
teilhafteres Material zu treten hat, welches sich den 
Einflüssen der Witterung und der schlechten Bear¬ 
beitung weniger zugänglich erweist. Da jedoch auch 
in glatten Satzformen Spieße auftauchen, die mit der 
berührten Vibration unsrer Druckpressen in Ver¬ 
bindung stehen, so liegt bei größeren Auflagen ein 
ziemlicher Vorteil im Druck von Galvanoplatten, die 
zufolge ihrer Metall- oder Bleiunterlagen die vor¬ 
stehend gekennzeichneten Übelstände in Form von 
Spießen nicht auf kommen lassen. In der Verwendung 
solchen Materials liegt fast der einzige Weg, um auch 
Klischeedrucke ohne Spieße herstellen zu können, 
ohne daß die Einschränkung der Tourenzahl der Ma¬ 
schine notwendig ist. 


Weiteres zur Versal-SZ-Frage 

Von H. SCHWARZ, Leipzig. 


D ER in Heft 3 des Archiv für Buchgewerbe 
| enthaltene und in Heft 8 fortgesetzte Artikel 
über dasVersal-SZ hat das Interesse weiterer 
sachkundiger Kreise erweckt, das in zahlreichen der 
Schriftleitung zugegangenen Zuschriften zum Aus¬ 
druck kommt. Es ist natürlich nicht möglich alle Vor¬ 
schläge und Anregungen hier wiederzugeben, wir 
bringen daher nur zwei Briefe, die wesentlich neue 
Gesichtspunkte enthalten, zum Abdruck. 

Herr Hofrat L. Petzendorfer, Direktor der Biblio¬ 
thek der Königlichen Zentralstelle für Gewerbe und 
Handel in Stuttgart, schreibt: 

„Ich möchte mich nicht weiter in die, im letzten 
Heft des Archiv wieder behandelte SZ-Frage ein- 
mischen, aber bemerken möchte ich, daß mir auffällt, 
daß noch niemand die mir als die einfachste und rich¬ 
tigste dünkende Lösung y gefunden hat. Erwähnt 
habe ich diese Form, ^ welche gewiß keine typo¬ 
graphische Entgleisung bedeuten würde, wenigstens 
noch nicht gesehen. Wenn schon das SS, das ich für 
ganz gut halte, durch ein besonderes Zeichen in ge- 
wissenFällen verdrängt werden soll, dann ist mir mein 
immer noch viel lieber. Das tschechische magya¬ 
rische SZ ist allerdings das unsympathischste, 


was es gibt, und ich wundere mich deshalb nicht, daß 
von so vielen Seiten Sturm dagegen gelaufen wird. 
Der Laut SZ, nicht so scharf wie SS, aber schärfer als S, 
würde meiner Ansicht nach durch das Zeichen ^ 
dasdieFormendesSmitderZugrichtungdesZjZ.B. Q 

STRA8E 

vereinigt, eine ganz charakteristische Darstellung 
finden.“ 

Herr Otto Scheffers, Zeichenlehrer an der Herzog¬ 
lichen Oberrealschule in Dessau, gibt zu derSZ-Frage 
folgende interessante Ausführungen und beachtens¬ 
werte Anregungen: 

„Gestatten Sie mir als Laien einen kleinen Bei¬ 
trag zu der SZ-Frage. Auch ich bin der Ansicht des 
„österreichischen Fachgenossen“, daß das kleine ß 
sinngemäß zu vergrößern ist. Das einfache Über¬ 
tragen genau desselben Zeichens auf die Versalien 
aber erscheint mir deshalb unstatthaft, weil es als¬ 
dann aus dem Rahmen der Bildungsgesetze heraus¬ 
fällt, nach denen die Versalien gestaltet sind. Der 
Zeichner, welcher ein neues Alphabet entwirft, macht 
sich unwillkürlich solche Gesetze, durch deren Be¬ 
folgung die einzelnen Buchstaben miteinander in eine 

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geistige Beziehung treten, d. h. Einheit bekommen. 
Solche ungeschriebenen Gesetze, die z. B. Leonardo 
da Vinci, Felice Feliciano, Fra Luca Paccioli, Albrecht 
Dürer, Johann Neudörfer u. a. bei der Konstruktion 
ihrer Antiqua-Versalien vorgeschwebt haben, lauten: 

1. Wo eine gekrümmte Linie auftritt, darf sie nicht 
öfter als einmal die Richtung wechseln. 

2. Die Umrißlinien der Buchstaben sind gebildet 
entweder aus geraden Linien oder aus Kreis¬ 
bogen oder aus Zusammensetzungen beider. 

3. Wo gerade Linien in Bogen oder wo Bogen in 
andre Bogen übergehen, geschieht das knick¬ 
los, d. h. nach dem Prinzip des tangentialen An¬ 
schlusses, oder es wird ein sehr deutlicher Knick 
markiert, z. B. bei G usw. 

Mit dem ersten dieser Gesetze steht nun das neue 
Zeichen in Widerspruch. Selbst das S wechselt nur 
einmal die Richtung, das rk aber zweimal. Außer¬ 
dem enthält das Zeichen e in ganz neues Motiv, 
das Seitenhäkchen. 

Ich meine deshalb, das neue Zeichen müßte im 
Sinne der bei den Versalien befolgten Gesetze ab¬ 
gewandelt, vereinfacht werden. Der nächstliegende 
Gedanke ist, das U wie bei Abbildung 1 einfach herum¬ 
zudrehen: 

nßßßß 

1 2 3 4 5 

Ich bitte mit den beigelegten Buchstaben A, E, G, 
M, N die Worte „Maße, außen, Guß, muß“ zusammen¬ 


stellen zu wollen. Gewiß wird man sich sehr schnell 
an das neue Zeichen gewöhnen. Hält man aber den¬ 
noch eine Unterscheidung von dem umgekehrten U für 
nötig, so könnte man Formen wählen wie bei 2, 3, 4 
oder 5. Die beiden letzten Formen unterscheiden 
sich nur in der oberen Hälfte voneinander. Hat näm¬ 
lich das U einen Korbbogen, so muß folgerichtig auch 
das SZ einen bekommen, hat das U aber einen reinen 
Kreisbogen, so muß dieser auch bei SZ angewandt 
werden. Von den fünf Formen gefällt mir am meisten 
4 und 5.“ 

Dem Wunsche des Herrn Scheffers entsprechend, 
sind hier einige Worte unter Verwendung der von 
genanntem Herrn entworfenen Buchstaben 

MAIL STRAUß GUß 
BIß GIEßEREI 

gegeben. Die Leser sind dadurch in der Lage, sich 
selbst ein Urteil bilden zu können. Auf alle Fälle er¬ 
gänzen die von beiden Herren gemachten Vorschläge 
das bisher gesammelte und veröffentlichte Material 
über die SZ-Frage auf das vorteilhafteste. Die von 
Herrn Otto Scheffers vorgeschlagenen SZ-Formen be¬ 
stätigen aber auch die Richtigkeit der im ersten Artikel 
aufgestellten Behauptungen, daß eine neuzuschaffende 
Buchstabenform sich unter allen Umständen in ihrer 
Konstruktion an die übrigen Buchstaben des Alpha¬ 
bets anzupassen hat. Selbstverständlich würde es 
Aufgabe der Stempelschneider sein müssen, die vor¬ 
geschlagene Form in zweckmäßigster Ausführung 
für die verschiedenen Schriftgattungen zu verwerten. 


Der Zweite Vertretertag des Verbandes der 
Deutschen Typographischen Gesellschaften 


Am 22. und 23. September 1906 fand in Leipzig 
ZA der Zweite Vertretertag des Verbandes der 
JlJL Deutschen Typographischen Gesellschaften 
statt. Die Bedeutung Leipzigs als Druckstadt mochte 
wohl ebenso den zahlreichen Besuch des Tages ver¬ 
anlaßt haben, wie der Wunsch der Einzelvereine, 
einmal mit ihrem Hauptvorstande in Fühlung zu 
kommen. Daß in Leipzig alle Vorbedingungen für 
die Abhaltung solcher graphischer Zusammenkünfte 
erfüllt sind, hat der Verlauf des Vertretertages 
bewiesen, denn dank dem freundlichen Entgegen¬ 
kommen des Deutschen Buchgewerbevereins konnte 
die Hauptsitzung in der prächtigen Gutenberghalle 
abgehalten werden, während in den verschiedensten 
Räumlichkeiten des Deutschen Buchgewerbehauses 
hochinteressante Ausstellungen graphischer Erzeug¬ 
nisse untergebracht waren, deren eingehendere Prü¬ 
fung allein Tage erfordert hätte. Die dem Verbände 


angeschlossenen beiden Leipziger graphischen Ver¬ 
eine hatten es sich ferner angelegen sein lassen, den 
erschienenen auswärtigen Herren den Aufenthalt so 
angenehm wie möglich zu machen. 

Schon am Sonnabend, den 22. September 1906 
waren Abgeordnete aus den verschiedensten Städten 
Deutschlands, sowie der Verbandsvorstand im Hotel 
Sachsenhof eingetroffen, in dessen Saale die Typo¬ 
graphische Gesellschaft zu Leipzig einen zwanglosen 
Empfangsabend veranstaltet hatte. 

Nach stattgehabter Vorstandssitzung hieß Herr 
Schwarz aus Leipzig die erschienenen auswärtigen 
Herren im Namen der Leipziger Mitglieder will¬ 
kommen, dem Wunsche Ausdruck gebend, daß die 
bevorstehenden Verhandlungen von nachhaltigster 
Wirkung auf die künftige Verbandsarbeit sein mögen. 
Der Verbandsvorstand war vertreten durch die Herren 
G.Erler und G.Könitzer, Berlin, Fr.Bauer, Hamburg, 


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C. Schmidt, Breslau, F. Fleischmann, München, 
O. Schmidt, Leipzig, H. Sieberts, Düsseldorf und 
Fr. Dietz, Stuttgart. Eine namentliche Vorstellung, 
durch die die Anwesenden schnell bekannt wurden, 
ergab bereits die Anwesenheit von Vertretern aus 
etwa 30 Städten, während etwa 50 Leipziger Herren 
erschienen waren. Der Arbeitsausschuß des Ver¬ 
bandes war durch die Herren C.Rinck, Kassierer, und 
W. Großmann, Sammlungsverwalter, vertreten. Vor 
Eintritt in die geschäftliche Vorberatung begrüßte 
noch Herr Verwaltungsdirektor Arthur Woernlein die 
Versammlung im Namen des Deutschen Buchgewerbe¬ 
vereins, dem ja die Mehrzahl der Verbandsvereine 
als korporative Mitglieder angehören. 

Die notwendige Geschäftsordnung für die am 
nächsten Tage stattfindende Hauptversammlung war 
bald aufgestellt und nach Erledigung einiger Vereins¬ 
fragen konnte der gemütliche Teil des Abends seinen 
Anfang nehmen. Daß die Buchdrucker auch ein 
lustiges Volk sein können, bewiesen die wenigen 
Stunden, die noch in gemeinschaftlicher Fidelitas 
verbracht wurden. Schon die schnell Platz greifende 
lebhafte Generaldiskussion, an der sich sämtliche 
Anwesenden anhaltend beteiligten, ließ erkennen, 
daß sich Ost und West, Nord und Süd in bester 
Stimmung befanden. Ein vorzüglicher Stoff bildete 
den Hauptbehandlungsgegenstand des Abends. Lustige 
Vorträge der Herren Düren aus Frankfurt am Main, 
Bischler aus Karlsruhe, Süßespeck aus Leipzig, so¬ 
wie einige passende Festlieder trugen zur Hebung 
der Stimmung erheblich bei. Gegen 12 Uhr fand der 
gelungene Abend seinen Abschluß. 

Am Sonntag, den 23. September 1906, früh 9 Uhr 
versammelten sich die inzwischen vollzählig erschie¬ 
nenen Vertreter der Zweigvereine in der Guten¬ 
berghalle, um zunächst einen Rundgang durch das 
Buchgewerbehaus zu unternehmen. Herr Verwal¬ 
tungsdirektor Arthur Woernlein machte die Erschie¬ 
nenen mit den Zielen des Buchgewerbevereins und 
den Zwecken sowie Einrichtungen des Buchgewerbe¬ 
hauses ausführlicher bekannt und erklärte in lehr¬ 
reicher Form die verschiedenen Ausstellungen und 
buchgewerblichen Schätze, die das Buchgewerbehaus 
enthält. Die Besucher hatten auch Gelegenheit das 
Buchgewerbemuseum, dessen Lese- und Zeichensaal 
zu besichtigen und den derzeitigen Direktor des Buch¬ 
gewerbemuseums, Herrn Dr. Erich Willrich, kennen 
zu lernen. Besonderes Interesse fanden die in den 
Parterreräumen des Buchgewerbehauses befindlichen 
Sonder-Ausstellungen. Die Typographische Gesell¬ 
schaft hatte durch die freundliche Vermittelung des 
Graphischen Klubs in Stuttgart eine vortreffliche Aus¬ 
stellung Stuttgarter Druckerzeugnisse, die Typogra¬ 
phische Vereinigung dagegen eine gelungene Aus¬ 
stellung von Postkarten (nach Verfahren geordnet) 
veranstaltet. Zur Erinnerung wurde den Teilnehmern 


an dem Rundgang von Herrn Woernlein eine Anzahl 
Postkarten mit Abbildungen des Buchgewerbehauses, 
der Gutenberghalle und deren Wandbilder überreicht. 

Um V 2 11 Uhr nahm die Hauptversammlung ihren 
Anfang. Der Vorsitzende Herr Erler gab seiner Freude 
Ausdruck, daß die Verhandlungen in der prächtigen 
Gutenberghalle stattfinden könnten, und glaubte be¬ 
tonen zu dürfen, daß schon die Weihe des Ortes von 
gutem Einflüsse auf den Verlauf der Beratungen sein 
müsse. Leider war der 1. Vorsitzende des Deutschen 
Buchgewerbevereins, Herr Dr. Volkmann, verhindert 
an der Versammlung teilzunehmen, es begrüßte da¬ 
her in dessen Auftrag Herr Verwaltungsdirektor 
Woernlein den Vertretertag im Namen des Buch¬ 
gewerbevereins, darauf hinweisend, daß der Buch¬ 
gewerbeverein und der Verband je gleichem Ziele 
zustreben, daß aber beide Vereine eine sich ergän¬ 
zende Tätigkeit zu entfalten haben, was auch bisher 
geschehen sei. Herr Erler dankte dem Redner für 
seine freundlichen Worte. Hierauf gab der Vor¬ 
sitzende, Herr Erler, einen kurzen Bericht über die 
abgelaufene dreijährige Geschäftsperiode des Ver¬ 
bandes. Er skizzierte kurz das Entstehen des Ver¬ 
bandes, kennzeichnete von neuem dessen Ziele, die 
lediglich darauf gerichtet seien, die in den Einzelver¬ 
einen geleistete Arbeit zu verallgemeinern und einen 
Austausch der praktischen Erfahrungen herbeizu¬ 
führen. Daneben bemühe sich der Verband um die 
Unterstützung der aufstrebenden Kräfte, ohne in das 
innere Vereinsleben der Zweigvereine überzugreifen. 
In der Öffentlichkeit zu wirken liege nicht im Pro¬ 
gramm des Verbandes, er soll nur eine vermittelnde 
Hauptstelle sein, an die sich die angegliederten Ver¬ 
eine in allen einschlägigen Fragen wenden können. 
Der abgelaufene dreijährige Zeitabschnitt habe natur¬ 
gemäß nicht ausgereicht, um die gestellten Aufgaben 
alle durchzuführen, denn die nach und nach erfolgte 
Angliederung der Vereine habe viel Arbeit und Mühe 
verursacht, auch habe es schwer gehalten, dieWünsche 
der dem Verbände jetzt angehörenden etwa 60 Ver¬ 
eine mit etwa 3000 Mitgliedern immer zu erfüllen. 
Die Lebensfähigkeit des Verbandes beweise die starke 
Beschickung des Vertretertages und das anhaltende 
Interesse, das dem Verbände allerseits entgegen¬ 
gebracht werde. Die Zukunft werde sicher noch 
bessere Erfolge zeitigen. Nach diesen mit Beifall 
aufgenommenen Mitteilungen berichtete Herr C. Rinck 
über die Finanzlage des Verbandes. Die Einnahmen 
desVerbandes betrugen 1904 Einnahmen M. 1334,50, 
die Ausgaben M. 458,20, 1905 Einnahmen M. 1241,95, 
die Ausgaben M.473,38, 1906 Einnahmen M. 1246,50, 
die Ausgaben M. 570,25. Die Einnahmen und Aus¬ 
gaben für 1906 verstehen sich nur bis Ende September. 

Herr Großmann gab einen Bericht über die vom 
Verbände veranstalteten Vortrags- und Material-Rund¬ 
sendungen an die Einzelvereine. Im ganzen wurden 

50 * 


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43 Sendungen auf den Weg gebracht, die für 623 
Abende Beratungsstoff boten. Der Redner dankte 
den Vereinen, die den Arbeitsausschuß durch Über¬ 
weisung von Material oder fertigen Rundsendungen 
unterstützten. 

In der sich anschließenden Aussprache über die 
vorgetragenen Berichte wurden einzelne Punkte er¬ 
örtert, die sich auf die fernere Gestaltung der Ver¬ 
bandsarbeit bezogen, worauf dem Vorstande für seine 
mühevolle Arbeit im abgelaufenen Zeiträume gedankt 
wurde und eine Genehmigung der Berichte erfolgte. 

Es standen nun noch 40 Anträge der angeschlos¬ 
senen Vereine zur Beratung, von denen sich jedoch 
eine größere Anzahl deckten, so daß eine Abkürzung 
in deren Behandlung erfolgen konnte. Die Mehrzahl 
der Anträge bezweckte eine straffere Organisation des 
Verbandes, die durch eine Einteilung in Kreise er¬ 
folgen soll. Als Kreisvororte wurden aufgestellt: 
Berlin, Leipzig, Stuttgart, München, Frankfurt a. M., 
Cöln a.Rh., Breslau, Hamburg. Die Vororte haben 
künftig die Verbandsarbeit in Gemeinschaft mit dem 
Arbeitsausschüsse innerhalb des betreffenden Kreises 
zu leiten. Die Beitragsfrage bildete auch einen der 
Hauptpunkte, die zur Beratung standen. Künftig 
zahlen die Vereine unter 50 Mitgliedern für jedes 
Mitglied im Jahr 50 Pfg., für jedes überschießende 
Mitglied sind dagegen nur noch 25 Pfg. für das Jahr 
zu entrichten. 

Die ungenügende Zustellung der Schriftgießerei¬ 
proben an die Einzelvereine wurde erörtert und der 
Vorstand veranlaßt, erneut an die Vereinigung der 
Schriftgießereibesitzer heranzutreten, damit eine noch 
bessere Regelung dieser Angelegenheit erfolgt. Die 
Referentenfrage soll durch die Neuorganisation des 
Verbandes nach Möglichkeit ihre Lösung erfahren. 
Ebenso sollen für die sich mehrenden Preisaus¬ 
schreiben Grundsätze festgelegt werden. Einen 
Entwurf hierfür hatte die Berliner Typographische 
Gesellschaft eingereicht, dessen Prüfung den Einzel¬ 


vereinen obliegt. Verschiedene Anträge wurden dem 
Hauptvorstande zur weiteren Behandlung mit den 
Kreisvorständen überwiesen. Unter anderm soll 
der Vorstand ein einheitliches Pappenmaterial für 
die Blattsammlungen der Vereine beschaffen und 
vorrätig halten, die Verbandsmitteilungen sollen in¬ 
haltlich erweitert, sowie in ihrer Ausstattung ver¬ 
bessert werden, ferner soll, einem Anträge Berlins 
zufolge, ein kritisches Verzeichnis der Fachliteratur 
geschaffen werden. 

Bei der Vorstandswahl handelte es sich lediglich 
um die Neuwahl des Vorsitzenden, als welcher Herr 
G. Erler, Berlin einstimmig wieder gewählt wurde. 
Die Diätenfrage fand in angemessener Weise ihre 
Erledigung, ebenso wurde dem Vorstande und dem 
Arbeitsausschuß ein entsprechender Betrag für seine 
Mühewaltung und zur Deckung der gehabten Aus¬ 
lagen überwiesen. 

Nach Dankesworten des Vorsitzenden an alle Ver¬ 
sammlungsteilnehmer und an den Buchgewerbeverein 
fand die Sitzung gegen 8 Uhr ihr Ende. Der Verlauf 
der mühevollen Verhandlungen, in denen es galt die 
verschiedensten Wünsche zu erfüllen, darf als ein 
allgemein befriedigender bezeichnet werden. 

Erwähnt sei noch, daß die Verhandlungen durch 
ein gemeinsames Mittagsmahl im Gutenbergkeller 
eine etwa einstündige Unterbrechung erfuhren, wo¬ 
bei Herr Prof. v. Weißenbach, das langjährige Ehren¬ 
mitglied der Leipziger Typographischen Gesellschaft, 
einen Trinkspruch auf den Verband ausbrachte. Den 
Schluß des Verbandstages bildete ein von der Typo¬ 
graphischen Vereinigung zu Leipzig veranstalteter 
wohlgelungener Kommers im Restaurant Johannistal, 
bei dem Herr Dreßler die zahlreichen Gäste begrüßte 
und nochmals der getanen Arbeit gedachte. Nach 
wenigen Stunden eilten die Besucher des Verbands¬ 
tages ihrer Heimat wieder zu in dem Bewußtsein, 
ihren Teil zu dem ferneren Gelingen der Verbands¬ 
arbeit beigetragen zu haben. -r-. 


Hermann Cohn 


4 Mil. Oktober 1906 starb in Breslau ein bedeu- 
tender Gelehrter, den seine Forschungen in 
A. naheBeziehungen zu der graphischenTechnik 
gebracht haben. Der Professor der Universität Bres¬ 
lau, Geheimer Medizinalrat Dr. phil.et med. Hermann 
Cohn wurde im Jahre 1838 zu Breslau geboren. Er 
studierte Naturwissenschaften und später Medizin 
und widmete sich dem Spezialgebiet der Augenheil¬ 
kunde, auf dem er es zu der hervorragendsten Bedeu¬ 
tung eines der allerersten Ophthalmologen brachte. 

Mit ganz besonderer Vorliebe und Erfolg pflegte 
Cohn die ophthalmologische Schulhygiene; er hat 
die Augen von über 10000 Schulkindern in Volks¬ 


schulen untersucht und an die Veröffentlichung des 
Resultates dieser Untersuchungen Vorschläge zu 
Verbesserungen der den Augen nachteiligen Schul¬ 
einrichtungen geknüpft. Auf der Berliner hygie¬ 
nischen Ausstellung 1883 stellte Cohn eine Kurven¬ 
tafel über die Zunahme der myopischen Schüler von 
Klasse zu Klasse in 24 deutschen Gymnasien und 
Realschulen aus, welche mit der goldenen Medaille 
prämiirt worden ist. 

Das Ergebnis von Cohns Untersuchungen der Schul¬ 
kinder bestand in der Erkenntnis, daß die Zahl der 
Kurzsichtigen mit der Höhe der Schulkategorie 
steigt; in den Dorfschulen fand er 1, in den Elemen- 


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tarschulen 6, in Mittelschulen 10, in den Gymnasien 
26 v. H. Kurzsichtige; ferner steigen die Zahl der 
Kurzsichtigen und der Durchschnittsgrad der Kurz¬ 
sichtigkeit von Klasse zu Klasse stetig. 

Die Ursache für diese Erscheinung fand Cohn 
nicht nur in der mangelhaften Beleuchtung der Schul¬ 
räume, sondern auch in den verschiedenartigen un¬ 
geeigneten Subsellien, ganz besonders auch in dem 
den hygienischen Anforderungen widersprechenden 
Druck der Schulbücher. Und diese Erkenntnis führte 
ihn dazu sich mit der Frage des typographischen 
und lithographischen Druckes im allgemeinen ein¬ 
gehend zu beschäftigen. Erstellte eingehende Unter¬ 
suchungen über die Große, Dicke und Form der 
Buchstaben an, über Zeilenabstand, Approche, 
Zeilenlänge, Druckdichtigkeit (für deren Messung 
er einen kleinen einfachen Apparat, den Zeilen¬ 
zähler ersann) sowie über Papier und Schwärze, und 
sein Beispiel veranlaßte eine große Anzahl von nam¬ 
haften Gelehrten und Ärzten auf dem gleichen Ge¬ 
biete eine wertvolle Tätigkeit zu entwickeln. 

Cohn hat die Ergebnisse seiner Forschungen in dem 
1903 bei Vieweg & Sohn in Braunschweig erschie¬ 
nenen Buche: Wie sollen Bücher und Zeitungen ge¬ 
druckt werden?*), zu dem der Unterzeichnete das 
Kapitel über die technischen Fragen beitragen durfte, 
in außerordentlich interessanter und lehrreicher 
Weise zusammengestellt. Als Grundlage für einen 
in augenhygienischer Beziehung einwandsfreien 
Druck verlangte er, daß die Höhe des kleinsten n 

*) Vergleiche Archiv für Buchgewerbe, Jahrgang 1903, 
Heft 9, Seite 369 u. f. 


nicht unter 1,5 mm, der Durchschuß nicht unter 
2,5 mm, die geringste Dicke der Grundstriche nicht 
unter 0,25 mm, die größte Zeilenlänge höchstens 
100 mm und die größte Zahl der Buchstaben auf 
einer Zeile nur 60 betragen darf. Wenn es natürlich 
auch nicht möglich ist, diesen Anforderungen allge¬ 
meine Anerkennung und Erfolg zu verschaffen, so 
ist es doch mehrfach schon dort geschehen, wo es 
für den Zweck der Hygiene am wichtigsten ist, näm¬ 
lich beim Druck der Schulbücher. Eine Reihe von 
Schulbehörden hat Cohns Forderungen als Norm für 
den Druck der in ihrem Bereich zu verwendenden 
Schulbücher anerkannt und deren Innehaltung teils 
dringend empfohlen, teils im Verordnungswege vor¬ 
geschrieben, so u. a. die städtischen Schulbehörden 
in Berlin und Breslau und das Schweizerische Er¬ 
ziehungsministerium. In einem der letzten Aufsätze, 
die Cohn veröffentlichte, trat er für die allgemeine 
Einführung der Antiquaschrift ihrer leichteren Les¬ 
barkeit wegen gegenüber der Fraktur ein. 

Cohns Untersuchungen und Veröffentlichungen 
über den graphischen Druck sind noch zu neu und 
der Umstand, daß sie von Verlegern und Druckern 
gewisse Opfer verlangen, fördert ihr allgemeines 
Durchdringen natürlich nicht. Aber der zwingenden 
Logik, die in ihnen liegt, kann sich kein Unbefangener 
verschließen, und so steht zu erwarten, daß die Spur 
von Hermann Cohns Erdentagen, von seinem Wirken 
und Wollen gerade in der Graphik nicht verschwinden, 
sondern nur immer deutlicher werden wird, zu Nutz 
und Frommen unsres jungen Nachwuchses und da¬ 
mit zum Segen unsres Vaterlandes. Dr. Rübencamp. 


Buchgewerbliche Rundschau. 


Schriftgießerei. 

Schriftprobenschau. Die letzten Wochen brachten 
wieder eine große Zahl von Probeheften, in welchen die 
deutschen Schriftgießereien der Buchdruckerwelt ihre 
Neuheiten vorführen. Man muß einerseits die Schaffens¬ 
freudigkeit der Gießereien bewundern, die stets und dabei 
in ziemlich schneller Folge neue Erzeugnisse hervor¬ 
bringen, anderseits aber auch die Aufnahmefähigkeit der 
Buchdruckereien, die immer wieder Aufwendungen für 
neue Anschaffungen machen. Nicht wenig dürfte hierzu 
die starke Beschäftigung der Buchdruckereien beitragen, 
die hoffentlich noch recht lange anhalten wird. 

Die Firmen H. Berthold Akt.-Ges. in Berlin und Bauer & Co. 
in Stuttgart bringen als weitere Erscheinung in der großen 
Reihe ihrer Neuheiten unter der Bezeichnung Sorbonne 
eine Serie neuer Buch- und Akzidenzschriften. Die Sor¬ 
bonne,die auf amerikanische Vorbilder zurückgeht, ist eine 
Mediävalschrift mit sogenannten kleinen Gemeinen, das 
heißt die Bildhöhe der gemeinen Buchstaben geht nur 
knapp bis in die Mitte der Versalien. Die Sorbonne macht 
einen guten Eindruck, sie ist klar, von kräftigem Schnitte 
und leicht lesbar. Mich stört jedoch das ß, welches keine 


schöne Form hat und in der Reihe der andern Buchstaben 
etwas aufdringlich erscheint. Die Sorbonne Kursiv, wie 
auch die halbfette Sorbonne sind ebenfalls von bester 
Wirkung, so daß der Buchdrucker mit dem neuen Erzeug¬ 
nisse ein praktisches Material erhält, das für alle Zwecke 
gute Verwendung finden kann. Ein besonderes Lob ver¬ 
dient noch die Anordnung der gezeigten Beispiele, die in 
geschlossener Satzanordnung und mit einfacher Linien¬ 
umrahmung vornehm wirken. Schade, daß auf einer Seite 
das sogenannte Übereinanderlegen von zwei Beispielen 
vorkommt. Die Wirkung dieser Seite leidet unter dieser 
Anwendung ungemein. Auf einem besonderen Blatte zeigt 
die genannte Firma noch Anwendungen ihrer Ankerserie 
und Sorbonne. 

Von der Schriftgießerei Genzsch & Heyse in Hamburg 
liegt ein reichhaltiges und hübsch ausgestattetes Heftchen 
vor, das als Nachträge zur Handprobe die seit Erscheinen 
des genannten Probebandes geschaffenen Neuheiten ent¬ 
hält. Von diesen verdient besondere Erwähnung die Ham¬ 
burger Druckschrift, eine kräftige klare Frakturschrift, die 
nicht nur als Akzidenz-, sondern auch als Buchschrift 
sicher bald die verdiente Aufnahme und Anwendung finden 


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wird. Die halbfette Hamburger Druckschrift als Auszeich¬ 
nungsschrift, sowie hübsche Initialen für ein- und zwei¬ 
farbigen Druck ergänzen das neueste und treffliche Erzeug¬ 
nis der Hamburger Firma aufs beste. Weiter ist aus dem 
Nachtragshefte noch die Bavaria-Kursiv hervorzuheben, 
eine Schrift, die trotz sehr kräftigen Bildes doch gefällige 
Formen hat und insbesondere für Anzeigensatz sehr ver¬ 
wendbar sein wird. Mit den Zierschriften Lichte Block¬ 
schrift, Lichte Negrita, der Grauschrift Albingia und der 
schraffierten Kartenschrift kann ich mich nicht befreunden, 
weil ich den Standpunkt vertrete, daß die Buchdrucker¬ 
kunst keine plastischen Formen verwenden soll, der Buch¬ 
drucker auch wohl ohne Zierschriften auskommen wird. — 
Von den „Bunten Blättern“, welche die Schriftgießerei 
Genzsch & Heyse in Hamburg seit etwa Jahresfrist heraus¬ 
gibt, ist Heft 1 des zweiten Bandes erschienen. Der Text¬ 
teil des Heftes ist aus der von Georges Auriol in Paris 
gezeichneten Antiquaschrift Auriol gesetzt, während die 
einzelnen Proben solche Erzeugnisse vorführen, die von 
mir bereits besprochen sind. Einen breiteren Raum nimmt 
bei den Beispielen der Mignon-Zierat ein, der in den Fach¬ 
kreisen mit Recht eine beifällige Aufnahme gefunden hat. 

Von der Schriftgießerei Gebr. Klingspor in Offenbach a.M. 
liegen mir zwei neue Probehefte vor. Das eine Heft führt 
die Jugendschrift vor, die in erster Linie als eine vorteil¬ 
hafte Ergänzung des Vogeler-Schmuckes gelten darf. Die 
Jugendschrift ist eine flotte Empireschrift, die anscheinend 
französischen Vorbildern ihre Entstehung verdankt. Sie 
wirkt ungemein dekorativ, gefällig, vornehm und doch deut¬ 
lich, trotzdem die Versalien etwas reichlich mit Schnörkeln 
versehen sind. Ein ausgezeichneter künstlerischer Zu¬ 
sammenklang findet sich in allen denjenigen Beispielen, 
in welchen die Jugendschrift in Verbindung mit dem präch¬ 
tigen Vogeler-Schmuck verwendet worden ist. Die Firma 
Gebr. Klingspor hat mit der Schaffung der Jugendschrift 
einen weiteren beachtenswerten Schritt auf der Bahn ihres 
künstlerischen Schaffens getan. Das zweite Heft enthält 
die von Heinz König in Lüneburg gezeichnete Reklame¬ 
schrift Falstaff, eine neuzeitliche in ihren Formen abge¬ 
rundet erscheinende halbschmale Römisch von kräftiger 
Zeichnung, großer Lesbarkeit und einwandfreien Selb¬ 
ständigkeit. Bei der Falstaff sind sowohl die künstlerischen 
wie praktischen Forderungen berücksichtigt, so daß sie für 
die Schaffung typographisch künstlerischer Akzidenzen, 
sowie für Anzeigen besonders geeignet ist. 

Die Schriftgießerei Benjamin Krebs Nachf. in Frank¬ 
furt a. M. hat ein umfangreiches Probeheft übersandt, in 
dem die vielseitige Verwendbarkeit ihrer Ridingerschrift 
gezeigt wird, die von mir vor einiger Zeit schon im Archiv 
für Buchgewerbe gebührend gewürdigt worden ist. Die 
Schrift, die zu jedem neuen Ziermaterial paßt und mit ihm 
verwendet werden kann, hat in neuester Zeit eine recht 
große Verbreitung gefunden, die durch den immer mehr 
zunehmenden Empire- und Biedermeierstil eine besondere 
Förderung erfährt. 

Ludwig & Mayer, Schriftgießerei in Frankfurt a. AL, führen 
in einem Hefte eine neue Werk- und Akzidenzschrift vor, 
die nach dem ersten Frankfurter Buchdrucker Christian 
Egenolff getauft ist. Die Christian Egenolff-Schrift gehört 
zu den sogenannten Bastardschriften; sie ist klar, deutlich 
und leicht lesbar, läßt aber eine selbständige künstlerische 
Eigenart vermissen. Die Schrift wird für Buchsatz sowohl 


als auch für die Herstellung von Akzidenzen aller Art 
sich sehr gut verwenden lassen, zumal sie durch die von 
J. V. Cissarz entworfenen Initialen für ein- und zweifarbigen 
Druck, sowie durch einen von demselben Künstler gezeich¬ 
neten Schmuck vorteilhaft ergänzt wird. Es ist sehr er¬ 
freulich, daß die Frankfurter Schriftgießereifirmen immer 
mehr und mehr tüchtige künstlerische Kräfte zur Mitarbeit 
gewinnen, und bemüht sind, gute künstlerische Erzeugnisse 
auf den Markt zu bringen. Die Christian Egenolff-Schrift, 
sowie die neuesten Cissarzschen Schöpfungen werden 
sicher viel Freunde finden. 

Die Firma A. Numrich & Co., Schriftgießerei und Messing¬ 
linienfabrik in Leipzig, die erst vor kurzem eine sehr schöne 
Frakturschrift, die Leipziger Fraktur, herausgebracht hat, 
veröffentlich ein weiteres eigenartiges Erzeugnis und zwar 
die von Max Fröhlich in Berlin entworfene Bauernschrift, 
die von großer Deutlichkeit ist und bis zu einem gewissen 
Grade die Vorzüge der Antiqua mit denjenigen der Fraktur 
in sich vereinigt, ohne aber dem einen oder andern dieser 
beiden Schriftcharakter eingereiht werden zu können. Die 
Bauernschrift ist besonders für einheitlich zu gestaltende 
Akzidenzen geeignet, im Werksatz wird sie wohl weniger 
Verwendung finden können. Verschiedener ebenfalls von 
Max Fröhlich gezeichneter sehr gefälliger und origineller 
Zierat, sowie Initialen für ein- und zweifarbigen Druck 
vervollständigen die eigenartige und hübsche Bauern¬ 
schrift, deren gute Verwendbarkeit in zahlreichen und gut 
angeordneten Anwendungsproben gezeigt wird. Der Firma 
Numrich & Co. gebührt für ihre Schaffensfreudigkeit in 
künstlerischer Richtung vollste Anerkennung. Möchten 
recht viele andre Firmen ihrem Beispiel folgen! Chronos. 

Maschinensatz. 

Abzugsrohre an Setzmaschinen. Wohl an den meisten 
Zeilen-Setzmaschinen sind Abzugsrohre angebracht, die 
sich für den Setzer in hygienischer Beziehung als ungemein 
nützlich erwiesen haben. Auch bei den jetzt sich verbreiten¬ 
den Lanston-Monotype-Gießmaschinen dürfte die Anbrin¬ 
gung von Abzugsrohren nur von Vorteil sein, zumal gerade 
bei diesen Maschinen durch das Ölen des Gießmundes 
leicht Öl in das flüssige Blei gerät, wodurch sich dann 
Dämpfe entwickeln, die nicht nur äußerst unangenehm 
riechen, sondern auch gesundheitsschädlich sind. Die Ab¬ 
zugsrohre werden am besten in eine Esse geleitet, damit 
die Nachbarschaft keinen Anlaß zur Beschwerde erhält. 
Bei der Anlage von Lanston-Monotype-Betrieben empfiehlt 
sich auch, die Tastmaschinen von den Gießmaschinen 
durch einen Verschlag zu trennen, damit derSetzer während 
seiner geistigen Tastarbeit von dem starken Geräusch der 
Gießmaschine verschont und seine Leistung nicht beein¬ 
trächtigt wird. S. 

Flache Kästen für Linotypemaschinen. Für Werk¬ 
setzereien, die mit Linotype-Setzmaschinen arbeiten und 
öfteren Schriftwechsel haben, empfiehlt sich die Anfer¬ 
tigung von flachen Kästen, in welche der Setzer bei Aus¬ 
lassen der Matrizen aus dem Magazin, einen Teil derselben, 
d. h. von jedem im Magazin befindlichen Zeichen einige 
Stück, legen kann. Die Fächer dieser Kästen könnten ja 
dem Handsetzkasten entsprechend angeordnet werden. Der 
Vorteil bei Verwendung derartiger Kästen besteht in der 
Möglichkeit beim Aufflnden eines Fehlers oder einer be¬ 
schädigten Zeile in einer Maschinensatzform, die sich 


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schon in der Maschine befindet, eine oder einige Zeilen 
schnell mit der Hand setzen zu können, wenn sich die 
Schrift nicht mehr im Magazin befindet. Es wird dadurch 
bedeutend an Zeit gewonnen, als wenn die Schrift womög¬ 
lich aus dem Magazin herausgelassen und dafür die andre 
hineingeleitet wird. S. 

Quecksilberregulator an der Linotype. Viele Maschi¬ 
nensetzer schenken leider dem Quecksilberregulator wenig 
oder gar keine Beachtung, weil sie glauben, den Gasdruck 
auch ohne diesen, also nur durch Stellen des Gashahnes 
gleichmäßig regeln zu können. An vielen Linotypemaschi¬ 
nen ist daher auch der Quecksilberregulator, der zum Re¬ 
gulieren des Gasdruckes dienen soll, nicht in Ordnung. 
Aber gerade jetzt, wo die Tageshelle abnimmt und das 
immer zeitiger beginnende Gasbrennen ein fortwährendes 
Schwanken des Gasdruckes verursacht, sollte der genannte 
Regulator in ordentlichem Zustande sein. Wie leicht kann 
es Vorkommen, daß der Gasdruck sich verändert, ohne daß 
der Setzer es bemerkt und den Hahn dementsprechend 
stellt. Das Blei wird dann entweder zu heiß oder zu kalt, 
in beiden Fällen aber sind schlecht gegossene Zeilen das 
Ergebnis. S. 

Papier und Papierverarbeitung. 

Papierprüfungsanstalt Winkler Leipzig. Diese von 
dem derzeitigen Inhaber und Leiter, Herrn Otto Winkler, 
am 1. Mai 1885 gegründete Anstalt veröffentlichte ihren 
20. Jahresbericht auf das Jahr 1905, aus dem hervorgeht, 
daß die Anstalt im 21. Jahre ihres Bestehens (1905) stärker 
als in allen vorhergegangenen Jahren in Anspruch genom¬ 
men war, so daß sie Anfang Mai den 10000. Prüfungsantrag 
vermerken konnte. Die Anstalt erledigte 1541 Prüfungen 
(gegen etwa 1300 im Vorjahre), von denen Papierfabrikan¬ 
ten und Rohstofferzeuger 1091 einbrachten, während Papier¬ 
verbraucher und Händler nur mit 450 Anträgen beteiligt 
sind, darunter Staats- und Stadtbehörden. Unter den viel¬ 
gestaltigen Anforderungen an die Anstalt sind als meistge- 
fordert zu nennen: Festigkeits- und Widerstandsmessungen 
449; Faserstoffbestimmungen nach mikroskopischer Prü¬ 
fung 401, Mineralgehaltsangaben 502. Der Trockengehalt 
von Faserstoffen war bei 761 Verwiegungen festzustellen, 
die Leimfestigkeit in 161, die Transparenz in 59 Fällen. Die 
Frage nach Zweckmäßigkeit oder Brauchbarkeit von Papier 
nach vorschriftsmäßiger oder Probe entsprechender Liefe¬ 
rung wurde in 331 Fällen beantwortet. Eine früher nicht 
geforderte Untersuchung, die sich auf die Siebweite der 
Metalltücher (Siebe) bezieht, wurde im Berichtsjahre von 
mehreren Seiten wiederholt verlangt. Untersuchungen der 


Fabrikationswässer auf Reinheit und Verwendbarkeit, der 
Abwässer auf Gehalt an Fasern und Chemikalien, der Füll¬ 
stoffe auf Güte und Trockengehalt, des Harzleims auf Ge¬ 
halt an Wasser und Alkali neben freiem und gebundenem 
Harz wurden gefordert. Allerlei Faserstoffe, einheimische 
wie auch ausländischer Herkunft, kamen zur Prüfung auf 
Qualität und Verwendbarkeit. Oft galt es die Ursachen von 
Fehlanfertigungen, von Flecken und Mängeln aller Art zu 
suchen. 

Besonders das Druckgewerbe brachte manche berech¬ 
tigte Klage über ungeeignete Waren. Viele Differenzen 
zwischen Lieferant und Besteller konnten vermittelnd be¬ 
seitigt werden. Prozesse wurden dadurch meist vermieden 
oder sie konnten bald durch Klarstellung des Sachverhaltes 
entschieden werden. 

Im Technikum für Buchdrucker hörten etwa 50 Kurs¬ 
besucher eine Reihe von Vorträgen über Papier, die von 
Anstaltsbeamten abgehalten wurden. Verschiedene Fach¬ 
leute, namentlich Papiertechniker, suchten und erhielten 
Anleitung zur Ausübung der Prüfungspraxis nach den 
Methoden der Anstalt. 

Kostenlose Auskünfte erteilte die Anstalt ihren Freunden 
und Antragstellern bereitwilligst, sofern die Antworten ohne 
größeren Zeitaufwand persönlich zu erteilen waren, da¬ 
gegen lehnt sie es grundsätzlich ab, ein von ihr abgegebenes 
Gutachten kostenlos näher zu erläutern oder zu recht- 
fertigen, sofern diese Aufklärung nicht persönlich erfolgen 
kann. Für schriftliche Berichtigungen irriger Auffassung 
oder nähere Begründungen wird Vergütung der aufgewen¬ 
deten Zeit in Rechnung gestellt. Fachleute und Laien 
erhalten kostenlos Rat für Aufstellung von Lieferungs¬ 
bedingungen bei Sonderanfertigung von Papieren, weil der 
Papierindustrie nur mit klaren und sachgemäßen Vorschrif¬ 
ten gedient ist. Auch die mit der Anstalt im besonderen 
Vertragsverhältnis stehenden Feinpapierfabriken haben An¬ 
spruch auf kostenlose Raterteilung. Nur dann kommt (bei 
Schwierigkeiten in der Fabrikation) eine geringe Vergütung 
für Zeitaufwand zur Verrechnung, wenn sich umständ¬ 
lichere Untersuchungen oder ein eingehenderes Gutachten 
nötig machen. 

Anfragen über Papierpreise und Sondererzeugnisse der 
Papierfabrikation gelangen häufig an die Anstalt. Über 
Preise zu berichten lehnt sie in den meisten Fällen ab, weil 
für die Preisbildung vielerlei Verhältnisse (z. B. Bezugs¬ 
menge, Zahlungsweise usw.) maßgebend sind und Papier 
eine Ware ist, die selbst in den niedrigsten Qualitäten nicht 
börsenmäßig gehandelt wird. 


Patentliste über neue Erfindungen und Verbesserungen. 

Mitgeteilt vom Patentanwalt PAUL MÜLLER, Berlin SW. 


Deutsche Patente. Nr. 161416. Verfahren zur Her¬ 
stellung von Hochdruckformen aus einer mit Füll¬ 
stoffen VERSEHENEN LEIMMASSE DURCH AUFBRINGEN DER 
Zeichnung in wasserunlöslicher Farbe und Lösen 

DER VON DER ZEICHNUNG NICHT BEDECKTEN STELLEN. 
Fritz Scholl in München. Bei dem Verfahren zur Her¬ 
stellung von Hochdruckformen aus einer mit Füllstoffen 
versehenen Leimmasse durch Aufbringen der Zeich¬ 
nung in wasserunlöslicher Farbe und Lösen der von 


der Zeichnung nicht bedeckten Stellen werden die ge¬ 
lösten Stellen mit aufsaugendem Papier oder Stoff abge¬ 
hoben. 

Nr. 161241. Verfahren zur Zusammensetzung grösse¬ 
rer Lithographie - Drucksteine oder Druckwalzen 
durch Verkittung von kleinen Steinen. Charlotten¬ 
burger Farbwerke^ Akt.-Ges. in Charlottenburg. Bei dem 
Verfahren zur Zusammensetzung größerer Lithographie- 
Drucksteine oder Druckwalzen durch Verkittung von 


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kleinen Steinen besteht das zur Anwendung kommende 
Verbindungsmittel im wesentlichen aus Schellack. 

Nr. 161494. Herstellung von Druckformen für 
den Flachdruck aus Metallplatten. George Bower in 
St. Neofs Hunts (Engl.) und Frederick William Gauntlett 
in London. Eine Herstellung von Druckformen für den 
Flachdruck aus Metallplatten, deren Oberfläche durch Er¬ 
hitzen mit Oxyd überzogen ist, insbesondere von Eisen- 
und Stahlplatten mit einem so erzeugten Überzug von 
magnetischem Eisenoxyd. 

Nr. 161525. Letternauswerfer für Setzmaschinen, 

BEI DENEN DIE GEZAHNTEN STOSSSTANGEN MIT EINER VON 


Taste 50 verbunden, mittels deren die Stoßstange 15 außer 
Eingriff mit der Zahnwalze gebracht werden kann, falls die 
Auswerfestange 8 durch irgendeine Ursache an der gänz¬ 
lichen Beendigung des Vorschubes gehindert sein sollte. 
Nr. 161526. Vorrichtung zum selbsttätigen Schlie- 

SSEN EINES ELEKTRISCHEN STROMKREISES ZWECKS Aß- 
STELLENS EINER LETTERN-GIESS- UND SETZMASCHINE ODER 

zum Auslösen eines Signals bei fehlerhafter Aus¬ 
schliessung einer Zeile. Elektrizitäts-Akt.-Ges. vorm. 
Schuckert & Co. in Nürnberg. Bei der Vorrichtung zum 
selbsttätigen Schließen eines elektrischen Stromkreises 
zwecks Abstellens einer Lettern-Gieß- und Setzmaschine 


EINER STÄNDIG UMLAUFENDEN TRIEBSCHEIBE DURCH REI¬ 
BUNG MITGENOMMENEN ZAHNWALZE ZEITWEISE IN EINGRIFF 

kommen. Frank Nie Clintock in Mount Vernon (V.-St. y A.). 
Bei dem Letternauswerfer für Setzmaschinen, bei denen 
die gezahnten Stoßstangen mit einer von einer ständig um¬ 
laufenden Triebscheibe durch Reibung mitgenommenen 
Zahnwalze zeitweise in Eingriff kommen, besitzt die Sto߬ 
stange 15 am vorderen Ende eine seitliche Führungs¬ 
schiene 40, welche nach dem Anheben der Stange 
über einen am Rahmen angebrachten Vorsprung 42 des 
Führungsblockes 43 gleitet und sie 15 bis ans Ende des 
Vorschubes mit der Zahnwalze in Eingriff hält, worauf die 
Stange 15 unter Einwirkung einer Feder 13 wieder in die 
Ruhelage zurückgebracht werden kann. Der Führungs¬ 
block 43 ist durch ein Seil oder einen Draht 51 mit einer 


oder zum Auslösen eines Signals bei fehlerhafter Aus¬ 
schließung einer Zeile, ist mit dem Zeilenschlitten ein 
mit drei verschieden hohen Auflageflächen versehener 
Auslösehebel 5 verbunden, der durch einen Zahn 11 
eines beim Setzen der Lettern in bekannter Weise fort¬ 
schreitenden Fühlers 4 derart beeinflußt wird, daß er je 
nach der Lage des Zahnes 11 zu den Auflageflächen 
nach dem Schluß der Zeile entweder (bei richtig aus¬ 
geschlossener Zeile) ohne weiteres die Seitwärtsbewegung 
des Zeilenschlittens gestattet oder aber (bei fehlerhafter 
Ausschließung) mittels eines auf der Oberkante des Aus- 
lösehebels befindlichen Anschlages 9 eine Hebel- oder 
Schieberanordnung beeinflußt, welche mit Hilfe von 
Zwischengliedern den das Abstellen der Maschine oder 
eine Signalabgabe bewirkenden Stromkreis schließt. 


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■■ ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE == 

Aus den graphischen Vereinigungen. 


Altenburg. Die Graphische Vereinigung befaßte sich in 
der Sitzung am 19.September 1906 mit zwei Rundsendungen 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften. Boten auch die von Künstlern entworfenen Buch¬ 
umschläge und andern Drucksachen keine direkten Vor¬ 
lagen für den Setzer, so konnte dieser doch sowohl aus der 
Farbengebung wie aus der eigenartigen Behandlung des ge¬ 
gebenen Textes neue Anregungen gewinnen. Die von den 
angeschlossenenTypographischen Gesellschaften zum Ver¬ 
tretertag gestellten Anträge gaben Anlaß zu einer regen 
Aussprache, deren Ergebnisse dem Vertreter zur Richt¬ 
schnur bei den Verhandlungen dienen dürften.— Der von 
der Firma König & Bauer in Würzburg übersandte Kata¬ 
log über Rotationsmaschinen wurde einer Besprechung 
unterzogen, worauf nach Erledigung verschiedener Ver¬ 
einsangelegenheiten die Versammlung beendigt wurde, -o-. 

Berlin. In der Sitzung der Berliner Typographischen Ge¬ 
sellschaft vom 18. September 1906 wurden vom Vorsitzen¬ 
den, Herrn Könitzer , die zahlreich ausgestellten modernen 
Druck-und Umschlagpapiere, sowie die ausgelegten Schrift¬ 
gießerei-Neuheiten besprochen und ihrem Werte nach ge¬ 
würdigt. Hierauf gab Herr Lehfeldt einen Bericht über den 
Inhalt des letzten Jahrganges der Schweizer Graphischen 
Mitteilungen und knüpfte an die einzelnen Artikel, die er 
herausgegriffen hatte, lehrreiche persönliche Betrach¬ 
tungen. Aus Anlaß eines Artikels des Herrn Wernicke wies 
der Berichterstatter darauf hin, daß die Künstlersich keines¬ 
wegs unberufenerweise den Buchdruckern aufgedrängt 
hätten, sondern daß die Künstler auf Anregung der Kunst¬ 
gelehrten von den Buchdruckern zur Mitwirkung an ihren 
Arbeiten herangezogen worden seien. Darum erscheine es 
gerechtfertigt, wenn ein diesbezüglicher Vorwurf von dem 
Maler Bürk energisch zurückgewiesen worden sei. — Die 
nächste Sitzung fand in dem neuen Versammlungsräume, 
dem Buchgewerbesaal im Berliner Papierhaus statt. Nach 
einer Begrüßung durch den Vorsitzenden Herrn Könitzer 
richtete der Stifter des Papierhauses, Herr Geheimer Re¬ 
gierungsrat Dr. Ing. Hofmann einige herzliche Worte an die 
Versammlung mit dem Wunsche, daß die Typographische 
Gesellschaft sich in diesem Raume wohl fühlen und auch 
ferner blühen und gedeihen möge. Hierauf sprach Herr 
A. Böhm über das Thema: Hebt der Verkauf illustrierter 
Zeitschriften im Straßenhandel den künstlerischen Ge¬ 
schmack der Menge? Erwies auf die abweichende Ansicht 
der Künstler dieser Frage gegenüber hin, von denen die 
einen dem Grundsatz „L’art pour l’art“ huldigen, während 
die andern die Forderung „Die Kunst ins Volk hinein“ 
stellen. Er wies dann nach, daß die im allgemeinen nach 
Momentaufnahmen und flüchtig hergestellten Illustrationen 
der im Straßenhandel käuflichen Zeitschriften weder an 
sich geeignet seien, künstlerisch zu wirken, noch von den 
Käufern mit derjenigen Muße und Sammlung betrachtet 
würden, deren man zum Genüsse eines Kunstwerkes be¬ 
dürfe. Auch Blätter mit künstlerisch empfundenen Bildern, 
wie z. B. die Jugend, würden wohl mehr des Textes als der 
Bilder wegen gekauft. Dagegen seien Künstler-Postkarten 
und andre gute Wiedergaben künstlerischer Meisterwerke 
geeignet, den Minderbemittelten in den Stunden der Muße 
über das Alltägliche zu erheben, und böten ihm Gelegen¬ 


heit, sein Heim mit Kunstverständnis zu schmücken. 
Manche Blätter seien nur geeignet, die Sinnlichkeitzu reizen, 
und diese gerade würden von jungen Leuten auf der Straße 
gekauft, während man sich scheuen würde, sie beim Buch¬ 
händler zu fordern. Die gestellte Frage müsse vom rein 
künstlerischen Standpunkt aus verneint werden, wenn man 
auch zugeben müsse, daß die große Menge der illustrierten 
Zeitschriften nicht nur unterhaltend, sondern auch be¬ 
lehrend zu wirken geeignet seien. — Der Vortrag zeitigte 
einen lebhaften Meinungsaustausch, in welchem den Aus¬ 
führungen des Redners zugestimmt wurde. B. 

Berlin* Am 1. Oktober wurde der Berliner Buchgewerbe- 
saaly der zahlreichen buchgewerblichen Vereinigungen als 
Versammlungs- und Ausstellungsraum dient, von der Fried¬ 
richstraße 231 nach dem Geheimrat Hofmannschen Papier¬ 
haus, Dessauerstraße 2, verlegt. Der Buchgewerbesaal be¬ 
findet sich dort im Vorderhaus 3 Treppen und ist, wie 
bisher, täglich von 11 Uhr vormittag bis 2 Uhr nachmittag 
geöffnet. Die neuesten Fachzeitschriften liegen aus, ferner 
steht den Besuchern auf Wunsch die Bibliothek der Ber¬ 
liner Typographischen Gesellschaft während der Lese¬ 
stunden zur Verfügung. 

Berlin. Der Deutsche Faktorenbund hielt am 22. und 
23. September 1906 eine außerordentliche Generalver¬ 
sammlung ab, die von Vertretern aus allen dem Bunde an- 
gehörigen Kreisen Deutschlands besucht war. Den Haupt¬ 
gegenstand der Tagesordnung bildete die Besprechung über 
den Beschluß der Hauptversammlung des Deutschen Buch¬ 
druckervereins am 18. Juni 1906 zu München betreffend 
Beisteuer zu der Kasse des Deutschen Faktorenbundes. 
Im Laufe der Beratungen wurde von allen Seiten die seitens 
der Arbeitgeber zu leistende Beisteuer von 12 M. jährlich 
für jeden Faktor mit Freuden begrüßt. Beschlossen wurde, 
den von den Arbeitgebern zu leistenden Beitrag durch den 
Bundesvorstand einziehen zu lassen. Über die Notwendig¬ 
keit der Einberufung einer außerordentlichen Generalver¬ 
sammlung wurde seitens des Bundesvorstandes Aufklärung 
gegeben. Bekanntlich war die Ansetzung einer außerordent¬ 
lichen Generalversammlung von mehreren Seiten als nicht 
notwendig bezeichnet worden. — Aus den weiteren Ver¬ 
handlungen ist von Wichtigkeit, daß das Invalidengeld er¬ 
höht wird, ferner das Sterbegeld und die Witwenunter¬ 
stützung. Eine Folge davon wird jedoch sein, daß der Bund 
im nächsten Jahre auch den Beitrag um 50 Pfg. pro Monat 
erhöhen wird. Die übrigen Anträge aufSatzungsänderungen 
betreffend Umzugsunterstützung, Mitgliedsbücher usw. 
wurden dem Vorstand als Material für die nächste General¬ 
versammlung überwiesen. Nach Schluß der Versammlung 
am Sonnabend fand ein gemütliches Beisammensein statt. 
Am Sonntag früh unternahmen die Vertreter unter Führung 
Berliner Berufsangehörigen eine Rundfahrt durch die Stadt, 
nach deren Beendigung die Verhandlungen fortgesetzt 
wurden. Em. 

Berlin. Durch freundliches Entgegenkommen des Ver¬ 
eins für deutsches Kunstgewerbe waren die Mitglieder des 
Vereins der Plakatfreunde am 3. Oktober 1906 nach dem 
Künstlerhause eingeladen, woselbst Herr Regierungsrat 
Walter von Zur Westen einen Vortrag über Deutsche Künst¬ 
lerplakate hielt. Der große Saal, sowie dessen Nebenräume 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


waren mit einer großen Anzahl Künstlerplakate aus ganz 
Deutschland geschmückt, welche einen guten Überblick 
über den heutigen Stand, sowie die bisherigen Leistungen 
auf dem Gebiete des künstlerischen Plakats boten. Die 
Ausstellung, sowie der zahlreiche Besuch lieferten den 
Beweis, daß ein gewisses Interesse für künstlerische Plakate 
schon in weitere Volkskreise gedrungen ist. In großen 
Zügen schilderte der Vortragende die Entwicklung des Pla¬ 
kats in Deutschland bis in die neuere Zeit, ferner die Schöp¬ 
fung des modernen Plakatstils in Frankreich, worauf dann 
eine Besprechung der seit Mitte der 90er Jahre des vorigen 
Jahrhunderts entstandenen deutschen Künstlerplakate er¬ 
folgte. Die damals kräftig einsetzende Bewegung habe in 
künstlerischer Beziehung nicht das erfüllt, was Kunst¬ 
freunde von ihr erwarteten. Viele gute Leistungen seien 
zwar zu verzeichnen, aber die bis jetzt vorliegenden Er¬ 
gebnisse könnten noch nicht in allen Teilen befriedigen. 
Manche Künstlerplakate seien in der Wirkung noch zu 
banal oder wiesen eine rohe Behandlung in der Zeichnung 
auf. Die Plakatbewegung sei demnach bei uns mehr in die 
Breite, weniger in die Tiefe gegangen. Es wäre Unrecht, 
wenn für die teilweisen Mißerfolge die Künstler allein ver¬ 
antwortlich gemacht würden, denn nicht selten scheitere 
die Ausführung einer hübschen Idee an dem Unverständnis 
des Bestellers in künstlerischen Dingen. Zuweilen würden 
auch dem Künstler zu enge Grenzen in der Ausführung ge¬ 
zogen oder die Auftraggeber träfen noch zu viel Änderungen 
am Entwürfe, wodurch der künstlerische Wert leide. Hinzu 
komme noch die Schnelligkeit, mit der die Aufträge erledigt 
werden müssen. Auch der Kostenpunkt spiele häufig eine 
große Rolle. Als den Typus des deutschen Künstlerplakats 
bezeichnete der Vortragende das von Otto Fischer gemalte 
Plakat für die Alte Stadt, Dresden 1896. In Deutschland 
habe jede größere Stadt betreffs der Künstlerplakate ihre 
Spezialität. So stünden beispielsweise in Berlin die reinen 
Sachplakate, das sind solche, auf welchen die anzupreisen¬ 
den Gegenstände dargestellt sind, im Vordergründe. Auch 
die reinen Schriftplakate, wie z. B. solche von L. Bernhard, 
seien eine Berliner Spezialität. Seinen mit vielen Licht¬ 
bildern erläuterten Vortrag schloß Herr Regierungsrat von 
Zur Westen mit dem Hinweis auf die Bedeutung der künst¬ 
lerischen Plakate für die Erziehung des deutschen Volkes 
zur künstlerischen Kultur. Die Plakattafeln seien gleich¬ 
sam der Salon der Straße, den jeder ohne Entrichtung von 
Eintrittsgeld besichtigen könne. Jeder könne sein Interesse 
am künstlerischen Plakat bekunden und die Bewegung auf 
seine Weise fördern. — In der Sitzung am 9. Oktober hatte 
Herr Regierungsrat Walter von Zur Westen aus seiner um¬ 
fangreichen Sammlung dänische Plakate zu einer Ausstel¬ 
lung vereinigt, die von ihm in eingehender Weise be¬ 
sprochen wurden. S. 

Bern. Die Tätigkeit des Schweizer Graphischen Klubs 
nimmt immer größere Umfänge an, besonders in bezug auf 
Unterstützung der Fachkurse. Es ist eine Freude, zu sehen, 
wie besonders den staatlich geleiteten Schulen immer mehr 
Interesse entgegengebracht wird. Eine solche Schule be¬ 
steht in Bern seit 10 Jahren und wird das nächste Winter¬ 
semester 10 Klassen mit etwa 130 Schülern aufweisen. 
Aber auch in Basel, St. Gallen und Zürich sollen die Buch¬ 
druckerschulen staatlich betrieben werden, was natürlich 
zu der Möglichkeit verhilft, daß die großen Kosten besser 
bewältigt und die Lehrpläne systematischer durchgeführt 


werden können, wie das bereits in Bern der Fall ist. Es 
würde zu weit führen, auf die verschiedenen Programme 
näher einzugehen; in den großen Druckorten wird überall 
darauf hingearbeitet, möglichst alle graphischen Zweige in 
die Lehrpläne einzubeziehen. In Basel und Bern ist be¬ 
sonders das Ornamentzeichnen gepflegt worden, wogegen 
in St. Gallen und Zürich mehr nach Gießereierzeugnissen 
skizziert wurde und zwar in der Art, daß die Schriften, 
Ornamente und Vignetten durchgepaust und hierauf die 
Pausen koloriert wurden. Das ist zweifellos die beste Lehr¬ 
weise, da bei ihr die Skizze der fertigen Arbeit am besten 
nahe kommt. In Bern kam dann noch das Skizzieren für 
Tonplattenschnitt und Zinkätzung dazu. Die Schülerarbeiten 
aller dieser Städte haben denn auch überall, wo sie ausge¬ 
legt wurden, berechtigten Beifall gefunden. Ich möchte 
allen graphischen Vereinigungen anraten, ihre Schüler¬ 
arbeiten gegenseitig auszutauschen und auszustellen, da 
hierdurch die Sache nur gefördert werden kann. — Die 
Schweizerische Klubzentrale, welche zurzeit in den Händen 
des Typographischen Klubs St. Gallen liegt, stellt sich be¬ 
sonders schöne Aufgaben. So fand seinerzeit in Zürich 
eine Versammlung der Schweizer Kursleiter statt, in der 
verschiedene beachtenswerte Vorträge gehalten wurden, 
die als Leitfaden für Fachlehrer in Buchform erscheinen 
werden. Die Zentrale veranstaltet ferner Wandervorträge, 
sowie Wanderausstellungen und stellt wichtige fachtech¬ 
nische Fragen auf, die von den verschiedenen Klubs ge¬ 
prüft und beantwortet werden. — Wie anderwärts wurden 
auch in der Schweiz zahlreiche Preisausschreiben besonders 
für die offiziellen Festdrucksachen der Buchdrucker veran¬ 
staltet, in Bern auch solche für Lehrlinge und zwar in Form 
einfarbiger Skizzen für die Praxis. F. N. 

Braunschweig. Die Typographische Gesellschaft hatte 
ihre nunmehr beendeten Sommerferien schon länger unter¬ 
brochen. In den Übungen, das heißt in Zeichen- und 
Sprachunterricht, hat es übrigens gar keine Ferien gegeben, 
vielmehr ist auch im Sommer tapfer gearbeitet worden. — 
Da nachweislich seit dem Jahre 1506 hier gedruckt wird 
(das älteste Buch aus Braunschweig trägt diese Jahreszahl), 
hatte der Vorstand eine Jubiläumsausstellung geplant und 
deshalb schon im August eine Versammlung berufen, die 
den Plan genehmigte. Als im September ein Vertreter für 
den Leipziger Tag gewählt werden mußte, fand ebenfalls 
eine Versammlung statt. Auf den 10. Oktober 1906 aber 
ward abermals zum Appell geblasen. Der erste Schriftführer 
hatte sein Amt niedergelegt, dieNeuwahl fiel auf L. Irmisch. 
Dann wurden Aufnahmen vollzogen und hierauf berichtet 
über den Stand der Ausstellungsfrage. Die Ausstellung soll 
sämtliche graphische Zweige umfassen und vom 3. Novem¬ 
ber an im Städtischen Museum stattfinden, wo die erforder¬ 
lichen Räume und Geräte unentgeltlich zur Verfügung ge¬ 
stellt werden, die besten Lichtverhältnisse bestehen und 
die Dauer der Ausstellung eine längere sein kann. Der 
Besuch darf allerdings nur stattfinden an den Tagen und 
während der Stunden, zu denen das Museum selber geöffnet 
ist. Einladungen zur Beschickung der Ausstellung sind zu¬ 
nächst an alle Druckereien usw. im Herzogtum versandt 
worden. — Nach diesem Berichte folgte ein solcher über 
den Leipziger Vertretertag von Herrn W. Schmidt erstattet.— 
Als Einleitung zu einem am23.0ktoberbeginnendenKursus 
in der englischen Sprache hielt Herr Kessler, der auch den 
Lateinkursus zu Ende geleitet hat, einen Vortrag über die 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Erlernung fremder Sprachen. Der Vortrag fand großen Bei¬ 
fall; für den Kursus haben sich schon mehr als zwanzig 
Teilnehmer gefunden. Durch den Sprachunterricht werden 
namentlich viele Werksetzer zur Gesellschaft gezogen, die 
ihr sonst fremd bleiben würden, weil Zeichnen, Farben¬ 
lehre, Akzidenzsatz und Rundsendungen diesen Berufs¬ 
angehörigen, zumal den älteren, keinen greifbaren Vorteil 
bieten. — Auch der von dem Maler Herrn Schnüge geleitete 
Zeichen- und Malkursus wird von vorn beginnen; die bis¬ 
herigen Teilnehmer haben gute Erfolge erzielt, sie sind 
auch zu Studien in der freien Natur gekommen. Für jeden 
Kursus, gleichviel ob im Zeichnen, in Sprachen oderandern 
Dingen, kommt es aber — und das wurde scharf betont — 
auf regelmäßigen Besuch der Stunden an. — Zum Schluß 
der Versammlung wurde noch der Fragekasten geleert, der 
Anregung gab zur Erörterung praktischer Fragen und zur 
Besprechung der Gesellschaftsbücherei. L. I. 

Bremen. In der Sitzung, die der Typographische Klub 
am 17. September 1906 abhielt, wurden die im Laufe des 
Sommers eingegangenen Drucksachen und Schriftproben 
besprochen. Bei letzteren konnte wiederum eine gedeih¬ 
liche Entwicklung in dem Frakturcharakter festgestellt 
werden. Erwähnung fanden unter anderm die Königtype, 
die Bauernschrift und, infolge ihrer Eigenart, besonders die 
Jugendfraktur. Den Zweck dieser Schrift konnte ein Redner 
als gelungen bezeichnen, denn ein angestellter Versuch 
ergab, daß ein erst mit den „kleinen“ Buchstaben unter¬ 
richtetes Kind die Versalien derjugendfraktur ohne weiteres 
zu lesen vermochte. Wenn sie sich nun auch das Feld nicht 
im Sturm erobern wird, so muß diese Schrift doch als eine 
anerkennenswerte Neuerung bezeichnet werden. Die Bar- 
lösius fand gerade nicht die beste Aufnahme, weil sie leider 
trotz teilweiser Vorzüge für eine allgemeine Verwendung 
wenig geeignet erscheint. — Am 1. Oktober berichtete Herr 
Biosfeld ausführlich über die Verhandlungen des Vertreter¬ 
tages in Leipzig. Man gab sich mit den Beschlüssen zu¬ 
frieden und erhofft eine gedeihliche Weiterentwicklung des 
Verbandes. Über die Ausstellungen im Buchgewerbehaus 
und die interessante Führung durch dasselbe wird später 
ein besonderer Bericht erstattet. R. 

Breslau. In der am 18. September 1906 stattgefundenen 
Sitzung der Typographischen Gesellschaft waren die anlä߬ 
lich der Jubelfeier des Stuttgarter Graphischen Klubs zur 
Schau gebrachten Arbeiten ausgestellt, die Herr A. Kirch- 
hoff in Stuttgart im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts 
angefertigt hat. Alle Buchdrucker, insbesondere die 
jüngeren, können an diesen Akzidenzen die verschiedenen 
Stile der letzten 25 Jahre kennen lernen. Allerdings geben 
die Arbeiten kein lückenloses Bild, da einerseits nur die 
süddeutschen Verhältnisse in Betracht kommen, ferner das 
in früheren Jahren sehr beliebte Material der Gießerei 
Bauer & Co. in Stuttgart Verwendung fand, anderseits 
aber Herr Kirchhoff nicht allen Richtungen seine Gunst 
zugewandt hat. So ist z. B. die freie Richtung fast gar nicht 
oder doch nur spärlich vertreten. Die ausgestellten Blätter 
aber lassen die anerkennenswerte Liebe und Sorgfalt er¬ 
kennen, mit denen die Arbeiten hergestellt wurden. Herr 
Vorsitzender Schmidt , der die ausgestellten Blätter be¬ 
sprach, wies daraufhin, daß in einer Zeit, in der die Schrift¬ 
gießereien nicht den zehnten Teil der heutigen Erzeugung 
auf den Markt gebracht hätten, in der die Tonplatten unbe¬ 
kannt gewesen und farbige Drucksachen nur unter den 


schwierigsten Verhältnissen zustande gekommen seien, 
viel Idealismus dazu gehört habe, um solch schöne Arbeiten 
hervorzubringen. Wenn man einen Vergleich mit den 
heutigen Leistungen anstelle, so dürfte dieser zuungunsten 
der letzteren ausfallen. Dies Urteil könne aber nicht ganz 
der Interesselosigkeit zur Last gelegt werden, denn es trage 
auch die Hast unsrer Zeit viel dazu bei, daß weniger gut 
durchdachte Druckarbeiten die Presse verlassen. Es möge 
aber jeder bestrebt sein, gleich gute Arbeiten wie die aus¬ 
gestellten zu schaffen. Es wurden sodann die Anträge zum 
zweiten Vertretertag des Verbandes der Deutschen Typo¬ 
graphischen Gesellschaften zur Besprechung gestellt, in 
der sich die Anwesenden teils zustimmend, teils ablehnend 
äußerten. — Am 16. September fand eine größere Aus¬ 
stellungstatt, inderdiejohannisfestdrucksachen die Haupt¬ 
sache bildeten und denen sich die Kirchhoffschen Arbeiten, 
sowie Wiener Schülerarbeiten anschlossen. Ferner waren 
noch ausgestellt: Schriftgießereierzeugnisse, Prägearbeiten 
usw. Der Vorsitzende Herr Schmidt erläuterte kurz die zur 
Schau gebrachten Gegenstände.—Am2. Oktober berichtete 
der Vorsitzende über den II. Vertretertag des Verbandes 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften und im 
Anschluß daran Herr Winkler über: Eine Wanderung durch 
das Deutsche Buchgewerbehaus und andre graphischen 
Stätten Leipzigs. An der Hand von Abbildungen erklärte 
Herr Winkler das Deutsche Buchgewerbehaus und seine 
Einrichtungen, sowie insbesondere die Gutenberghalle, er¬ 
wähnte hierbei die von der Leipziger Typographischen Ver¬ 
einigung veranstaltete Postkartenausstellung, sowie den 
hierzu erschienenen Katalog, der ein Führer durch die 
Reproduktionsverfahren sei, die Stuttgarter Druckarbeiten 
und andres, um zum Schlüsse besonders hervorzuheben, 
daß die Bestrebungen des Deutschen Buchgewerbevereins 
zu unterstützen sind. Der Besuch des Technikums von 
Julius Mäser war sehr lehrreich, ebenso auch die Besich¬ 
tigung der Maschinenfabrik Karl Krause, deren Einrich¬ 
tungen und Betrieb mustergültig sind. Sch-r. 

Goslar. Die Graphische Vereinigung beschloß in ihrer 
letzten, Ende September stattgefundenen Sitzung die Er¬ 
höhung des monatlichen Mitgliedsbeitrages auf 25 Pfennig 
und wählte sodann die bisherigen Vorstandsmitglieder 
wieder. u. 

Hamburg. Die Mitglieder der Typographischen Gesell¬ 
schaft besprachen in der Sitzung am 5. September 1906, in 
der auch die Beiträge des Küttnerschen Austausches von 
Johannisfestdrucksachen ausgelegt waren, die vorliegenden 
Anträge zum II. Vertretertag des Verbandes der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften. — Am 9. September fand 
in den Vereinsräumen eine Ausstellung alter und neuer 
Drucksachen statt, die infolge eines von dem Eigentümer 
der Blätter, Herrn Grabbert , gehaltenen lehrreichen Vor¬ 
trages viel zum Verständnis des Entwicklungsganges des 
Akzidenzsatzes beitrug. — An zwei Abenden wurden prak¬ 
tische Skizzierkurse abgehalten, von denen der eine die Mit¬ 
teilung, der andre die Rechnung behandelte. Ein Lese- und 
Besprechungsabend, der einen Austausch über die Neu¬ 
erscheinungen der Schriftgießereien brachte, ferner die 
Ausstellung von Rundsendungen des Verbandes der Deut¬ 
schen Typographischen Gesellschaften (Mainzer Skizzen) 
vervollständigten das Programm für den Monat September. 
— Am 3. Oktober fand eine Ausstellung von hamburgischen 
Druckerzeugnissen statt, die für die hiesigen Kreise 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


hochinteressant war und bewies, daß das so oft behauptete, 
aber von verschiedenen Leuten als unwahrscheinlich be- 
zeichnete Vorwärtsdrängen in typographisch-künstlerischer 
Ausstattung der in Hamburg hergestellten Akzidenzen 
Tatsache ist Besonders gute Arbeiten hatten ausgestellt: 
Druckerei-Gesellschaft Hartung & Co. m. b. H., H. O. Per- 
siehl, Paul Bendschneider,Brandt &Brinckmann,Langhans 
&Jürgens und andre. Es war ein besonderer Genuß, aus 
den Arbeiten die Entfaltung eines ehrlichen Strebens und 
Wettbewerbes herausfühlen zu können. -er. 

Hannover. In der Typographischen Vereinigung , die in 
den Sommermonaten nur alle MTageSitzung hatte, hielt am 
18. August 1906 Herr Lorenz Miller aus Bremen einen mit 
lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über: Die Satz¬ 
technik, ihre Wandlungen in den letzten Jahren. — Am 
26. August fand eine Ausstellung der diesjährigen Johannis¬ 
festdrucksachen statt. Am 28. August stellte Herr Fritz 
Müller in Mainz einegrößere Anzahl selbstgefertigterZeich- 
nungen, Entwürfe und Satzmuster aus. Die mit Fleiß und 
Geschick ausgeführten, von Herrn Leiter besprochenen 
Arbeiten zeigten eine beachtenswerte Vielseitigkeit und 
ein Beherrschen der modernen Technik. — Am 11. Sep¬ 
tember wurde die Generalversammlung abgehalten, in der 
ein Antrag des Vorstandes auf Beitragserhöhung ange¬ 
nommen wurde. Der Kassenbericht ergab für das be¬ 
endete Geschäftsjahr einen Umsatz von 253,50 M. Der neu 
bzw. wiedergewählte Vorstand besteht aus den Herren: 
Wilhelm Wandelt, Vorsitzender, August Schütte, Kassierer, 
Wilhelm Busse, Schriftführer, A. Korpmann und Karl Staub, 
Bibliothekaren, August Erfurdt und Emil Leiter, technische 
Leiter, Fritz Naumann und Josef Senger, Revisoren. — In 
der ersten Sitzung des neuen Jahres, am 18. September, 
wurde das Jahresprogramm vorgelegt, das umfaßt: Blei¬ 
schnitt, Prägeschnitt, Kolorierübungen auf dunklen Pa¬ 
pieren, ferner Vorträge über alle Arten der Technik, für 
welche nach Möglichkeit auswärtige Berichterstatter ge¬ 
wonnenwerden sollen. Außerdem wurden die Anträge zum 
Vertretertage des Verbandes der Typographischen Gesell¬ 
schaften beraten. -ss-. 

Leipzig. In der Sitzung, welche die Typographische Ge¬ 
sellschaft am 5. September 1906 abhielt, gab Herr Prof, von 
Weißenbach in einem ausgezeichneten humorgewürzten 
Vortrag: Einführung in die japanische Ornamentik, Er¬ 
läuterungen über die Grundbestandteile des japanischen 
Flächenschmuckes zum besten. Das regsamste Volk der 
gelben Rasse, das auch durch den verflossenen russisch- 
japanischen Krieg sich Hochachtungzu verschaffen wußte, 
stehe hinsichtlich der Zeichen- und Malkunst auf hoher 
Stufe. Der Japaner hänge an der Natur, dringe in sie ein 
und zeichne nach ihr. Mit Vorliebe entnehme er seine 
Motive der Tier- und Pflanzenwelt und bringe sie auf Hänge¬ 
wänden, Windschirmen, Nippsachen und ähnlichem, also 
auf begrenzter Fläche, geschickt zur Geltung. Die Textil¬ 
industrie, das Bemalen von Stoffen in den beliebten bunten 
Farben, biete ihm ein weites Feld der Tätigkeit auf unbe¬ 
grenzter Fläche und hier lasse er seiner Phantasie freien 
Lauf. Zum Übertragen benutze er die im 17. Jahrhundert 
erfundene Schablone, durch die er die farbreichsten 
Figuren und Ornamente auf den Stoff zaubere. Eine große 
Anzahl solcher Schablonen, sowie andrer Kunstblätter 
hatte der Herr Vortragende aus seiner Privatsammlung 
zur Auslage gebracht. In seinem Schlußwort gab Herr 


Professor von Weißenbach seiner Ansicht Ausdruck, 
daß unsre Kunstgewerbetreibenden nach japanischen 
Mustern denken und schaffen lernen, sich aber als Deut¬ 
sche fühlen sollten. — Am 19. September sprach Herr 
Schwarz über: Das typographische Ziermaterial in den 
letzten 25 Jahren, wobei er einen Überblick gab über das 
reichlich ausgestellte Gießereimaterial aus den Beständen 
der Gesellschaft, sowie aus den zahlreichen neuen Ein¬ 
sendungen der Gießereifirmen. Während man sich früher 
mit einzelnen Blättern begnügt habe, schaffe man jetzt 
ganze, kostspielige Hefte, um dem Buchdrucker eine Ein¬ 
fassung oder eine Schrift in ihren Verwendungsformen zu 
zeigen. — Nach dem Bericht fand eine Aussprache über 
einzelne Punkte der für den Vertretertag der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften vorliegenden Tagesord¬ 
nung statt. Für den Tag selbst waren seitens der Gesell¬ 
schaft die Herren Schwarz, Dünkel, Wetzig und Weise als 
Vertreter gewählt. Zur Besichtigung für die fremden Gäste 
war im Gesellschaftslokal eine nach chronologischen und 
stilistischen Grundsätzen geordnete Ausstellung von Gieße¬ 
reiproben veranstaltet worden, die, soweit es die knapp be¬ 
messene Zeit erlaubte, gute Beachtung fand. ß. 

Leipzig. Die Typographische Vereinigung bot ihren Mit¬ 
gliedern am 5. September einen Vortrag über: Sind Unter¬ 
richtskurse zeitgemäß?, den Herr Bruno Dreßler trefflich 
und gemeinverständlich zu behandeln wußte. Er sprach 
zunächst über die Bildung im allgemeinen und ging dann 
näher auf die Fachkurse ein, begründete deren Notwendig¬ 
keit, stellte ferner Betrachtungen über selbstmitgemachte 
Kurse bei den Herren Poeschel und Rauschenbach an und 
gab seine Erfahrungen in den von ihm geleiteten Chem¬ 
nitzer Skizzierkursus zum besten. Die daselbst ange¬ 
fertigten Entwürfe erläuterten seinen Vortrag. In der Aus¬ 
sprache konnten sich einige Redner mit dem Zeichnen der 
Schrift nicht einverstanden erklären. — Am 19. September 
gab der Vorsitzende zunächst die im Oktober beginnenden 
Unterrichtskurse bekannt. Skizzier- und Farbenmisch¬ 
kursus, Kurse in Deutsch, Englisch und Französisch, sowie 
Akademiekurse in Naturzeichnen, Zinkätzen und Holz¬ 
schneiden werden den Mitgliedern Gelegenheit zur 
weiteren Vervollkommnung ihres Wissens und Könnens 
geben. Hierauf folgte ein ausführlicher Vortrag des Herrn 
Sack über: Die Entwicklung der Setzmaschine und ihr Ein¬ 
fluß in den Werkbetrieben. Von den ersten Versuchen in den 
zwanzigerjahren des letztenjahrhunderts ausgehend, führte 
er die verschiedensten Setzmaschinensysteme auf, von 
denen in Deutschland die Zeilengießmaschinen am verbrei¬ 
tetsten seien, da von diesen zur Zeit 660 in Betrieb stünden. 
Die Monotype eigne sich am besten zur Herstellung 
schwierigen Satzes. Im folgenden Meinungsaustausch gab 
er noch die Vorteile des Elektrotypograph bekannt. — Zu 
Ehren der hier anwesenden Vertreter der Typographischen 
Gesellschaften hatte die Vereinigung am 23. September im 
Vereinslokal Johannisthal eine fröhlich verlaufene Ab¬ 
schiedsfeier veranstaltet. -eu-. 

Lübeck. In der Typographischen Gesellschaft , welche 
am 13. September ihre erste Versammlung in diesem 
Winter abhielt, machte der Vorsitzende Herr T. von 
Zawadzki eine Reihe Mitteilungen. Außer den zahlreichen 
Fachzeitschriften waren eine Reihe von Neuheiten verschie¬ 
dener Schriftgießereien eingegangen. Zur Ausstellung 
gelangten zwei Rundsendungen, enthaltend Arbeiten zum 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Wettbewerb für Erlangung einer Festkarte für das 25. Stif¬ 
tungsfest des Bezirksvereins in Mannheim und solche des 
Liegnitzer Wettbewerbes zur Erlangung einer Neujahrs¬ 
karte. Im Anschluß an die Versammlung gab Herr 
Rahtgens jun. einige äußerst interessante Schilderungen 
über seine vor mehreren Jahren nach Amerika unter¬ 
nommene Reise. In anschaulicher Weise skizzierte der 
Vortragende insbesondere den bedeutenden Betrieb der 
Zeitungsdruckereien in New York und berührte dann zum 
Schluß seiner Ausführungen das Leben und die Verhält¬ 
nisse in Amerika. Em. 

Magdeburg. Nach einer längeren, durch die Sommer¬ 
monate hervorgerufenen Pause fanden sich die Mitglieder 
der Graphischen Gesellschaft am 18. September zu einer 
Sitzung zusammen, um zu dem Vertretertag der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften Stellung zu nehmen. Das 
allseitige Interesse, welches dieser Tagung entgegenge¬ 
bracht wurde, fand Ausdruck durch die Entsendung des 
Vorsitzenden Herrn Strunze nach Leipzig, damit ihm zu¬ 
gleich Gelegenheit geboten sei, mit den auswärtigen Ver¬ 
tretern in engere Fühlung zu kommen. Im weiteren konnte 
die erfreuliche Mitteilung gemacht werden, daß der hiesige 
Ortsverein des Verbandes der Deutschen Buchdrucker für 
die Zwecke der Graphischen Gesellschaft 100 M. bewilligt 
habe, damit die technischen Aufgaben eine umfassendere 
Erledigung als bisher finden möchten. Infolge dieser An¬ 
regung und auf Grund des bereits eingehend besprochenen 
Arbeitsprogramms wird die Wintertätigkeit mit einer am 
14. Oktober stattfindenden Festsitzung einsetzen, zugleich 
die achte Stiftungsfeier der Gesellschaft darstellend. Die 
Herren Erler und Könitzer aus Berlin haben den Vortrag 
über ein zeitgemäßes Thema übernommen. Daneben 
werden die bei den letzten beiden Preisausschreiben ein¬ 
gelieferten Arbeiten zur Ausstellung gelangen. E. K. 

Mannheim. Bei dem am 3. Oktober abgehaltenen Ver¬ 
einsabend der Typographischen Gesellschaft Mannheim- 
Ludwigshafen erstattete der Vorsitzende unter anderm Be¬ 
richt über den II. Vertretertag des Verbandes der Deutschen 
Typographischen Gesellschaften. Die vom Vertretertag auf¬ 
gestellten Bestimmungen für typographische Wettbewerbe 
wurden nach einigen kleinen Abänderungen für gut er¬ 
achtet. Auf allgemeinen Wunsch wird im kommenden 
Wintersemester die Fortsetzung des im Vorjahre be¬ 
gonnenen Skizzierkursus stattfinden, zu dem Herr O. Jansen 
als Kursleiter gewählt wurde. In enger Verbindung mit ihm 
werden durch Herrn Gewerbelehrer Beethäuser eine Reihe 
Vorträge über die Farbenlehre abgehalten. — Am 8.0ktober 
berichtete Herr Oscar Sievers aus Dresden-Heidenau über 
das zeitgemäße Thema: Die Arbeitsweise der Tiegeldruck¬ 
pressen beim Prägen und Stanzen, sowie über die moderne 
Drucktecbnik im allgemeinen. Der Vortrag wurde durch 
eine umfangreiche Ausstellung moderner Druckerzeug¬ 
nisse sehr gut erläutert. -n-. 

München. Die Typographische Gesellschaft eröffnete 
nach Ablauf der üblichen Sommerpause ihre Tätigkeit am 
19. September 1906 mit einer gut besuchten Versammlung. 
Mit trefflichen Worten erinnerte der Vorsitzende in seiner 
Begrüßungsrede an die Aufgaben und Ziele der Gesell¬ 
schaft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß bei reger An¬ 
teilnahme der Berufsangehörigen sich den bisherigen guten 
Erfolgen immer wieder neue und schönere anreihen möch¬ 
ten. Nach Erledigung einiger Neuaufnahmen gelangte eine 


Anregung des Maschinenmeistervereins München, die bis¬ 
her in Leipzig und Frankfurt a. M. mit großem Erfolge ver¬ 
anstaltet gewesene Zeitungsausstellung gemeinsam mit der 
Typographischen Gesellschaft auch in München vorzu¬ 
führen, zur Besprechung. Das Ergebnis war, daß nunmehr 
die Vorstandschaft beider Vereinigungen gemeinsame 
Schritte in diesem Sinne unternehmen werden, wobei aller¬ 
dings vorausgesetzt wurde, daß entweder eine interessante 
und möglichst vollkommene Ausstellung zu bieten, oder 
falls dies nicht möglich, der Gedanke überhaupt fallen zu 
lassen sei. Der bevorstehende Vertretertag des Verbandes 
der Deutschen Typographischen Gesellschaften gab weite¬ 
ren Anlaß zu gründlicher Aussprache; es wurde haupt¬ 
sächlich eine Herabsetzung des zu hoch bemessenen Bei¬ 
trags gefordert und der als Vertreter gewählte Vorsitzende 
beauftragt, diesen bereits von andern Orten gestellten 
Antrag energisch zu unterstützen. Unter den mancherlei 
Anregungen und Wünschen der Mitglieder, welche der 
weitere Verlauf des Abends zutage förderte, war besonders 
das Verlangen nach Einrichtung neuer Unterrichtskurse 
von Interesse. Die an der neubegründeten Fachschule 
tätigen Mitglieder Herren Bammes und Krach gaben er¬ 
schöpfende Auskunft über die Möglichkeit, an der Schule 
auch Gehilfenkurse einzurichten und über die Art, wie 
solche zu veranstalten wären. Es sei hierbei in erster Linie 
den Bedürfnissen der jüngeren Gehilfenschaft Rechnung 
zu tragen und von Grund aus vorzugehen, so daß vorläufig 
die Wünsche der bereits vorgeschrittenen Gehilfen auf 
Einrichtung von Sonderkursen noch nicht erfüllt werden 
könnten. Immerhin werde sich aber ein gangbarer Weg 
finden lassen, um nach Möglichkeit allen billigen Anforde¬ 
rungen Rechnung zu tragen. Die Fachlehrer werden sich 
mit der Angelegenheit weiter befassen und auf Grundlage 
des von ihnen aufzustellenden Lehrplanes soll die Gesell¬ 
schaft weitere Schritte bei der Schulverwaltung einleiten. 
Nach Erledigung einiger weiterer Vereinsangelegenheiten 
fand die anregend verlaufende Versammlung ihr Ende. -m-. 

Posen. In der am 29. September 1906 stattgefundenen 
Sitzung des Buchdrucker-Fachvereins wurde mitgeteilt, daß 
von der Entsendung eines Vertreters zum II. Vertretertag 
des Verbandes der Deutschen Typographischen Gesell¬ 
schaften abgesehen worden sei, nachdem die Breslauer 
Typographische Gesellschaft die Vertretung des Buch¬ 
drucker-Fachvereins übernommen habe. Zu den vorliegen¬ 
den Anträgen, die inzwischen ja genügend bekannt wurden, 
gaben die anwesenden Mitglieder ihre Zustimmung. Unter 
den ausliegenden Neueingängen interessierten besonders 
der Katalog der Maschinenfabrik König & Bauer, Kloster 
Oberzell, Würzburg und eine Sammlung in Lithographie 
bzw. Steindruck hergestellter Briefköpfe der Finna The 
Gugler Lithografie Co., Milwaukee. Nach einigen geschäft¬ 
lichen Mitteilungen wurde das Ergebnis des von einem 
hiesigen Geschäfte veranstalteten Anzeigenwettbewerbes 
bekannt gegeben. Eingegangen waren 18 Entwürfe, die in 
drei Gruppen geteilt bewertet wurden. Es erhielten von 
seiten der Firma Auszeichnungen: Gruppe I: Herr Fitzner 
1. Preis; Gruppe II und III: Herr Wieseler je den 1.Preis; 
Gruppe I, II und III: Herr Radke je den 2. Preis. Lobende 
Anerkennungen von seiten des Vereins erhielten in 
folgender Reihe: Fitzner, Nowitzki, Wieseler, Nastowski. 
Nach der Erledigung dieser Angelegenheit wurde noch 
eine Rundsendung des Verbandes der Typographischen 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Gesellschaften, welche Schriftgießereineuheiten enthielt, 
besichtigt und besprochen. R-e. 

Stuttgart. Außer dem Lesezirkel mit den eingelaufenen 
Neuheiten brachte der Monat September den Mitgliedern 
des Graphischen Klubs noch die anläßlich der 78. Ver¬ 
sammlung deutscher Naturforscher und Ärzte veranstaltete 
Ausstellung, die außer wissenschaftlicher Literatur auch 
ein reiches Material von Katalogen und sonstigen Druck¬ 
sachen bot. Infolge wiederholter aus Fachkreisen er¬ 
gangener Anfragen über die Arbeitsweise an Tiegeldruck¬ 
pressen beim Präge- und Stanzverfahren sah sich die 
Maschinenfabrik Rockstroh & Schneider Nachf. in Dresden- 
Heidenau veranlaßt, am 23. September 1906 durch einen 
Fachmann sowohl über dieses Thema wie auch über die 
moderne Drucktechnik im allgemeinen einen Vortrag halten 
zu lassen. Zur näheren Erläuterung der lehrreichen Aus¬ 
führungen diente eine Ausstellung von zahlreichen Druck¬ 
proben.— Am 29. September 1906 besuchte der Klub die 
Papierfabrik Salach mit Filiale Süßen, wo die Teilnehmer 
unter Führung des Herrn Direktor Stanger Gelegenheit 
hatten, den umfangreichen Betrieb zu besichtigen und die 
Herstellung der Papiere kennen zu lernen. Eine nach- 
herige Aussprache über das Gesehene und Gehörte brachte 
zum Ausdruck, daß derartige Ausflüge für die Fortbildung 
jedes Einzelnen eine Notwendigkeit sind. %• 

Wien. Die Graphische Gesellschaft hat in einer außer¬ 
ordentlichen Generalversammlung vom 23. September 1906 
die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages um 4 Heller be¬ 
schlossen, um den großen finanziellen Anforderungen, die 
der gesellschaftliche Gesamtbetrieb stellt, entsprechen zu 


können. Das für den Winter seitens des technischen Komi¬ 
tees aufgestellte Programm ist sehr reichhaltig, und weist 
auch vier interessante Vorträge mit Lichtbildern auf, und 
zwar von Dr. Rübencamp über: Farben; von R. v. Larisch 
über: Ornamentale Schrift; von Architekten Roller über: 
Kunstgewerbliche Bestrebungen und von C. Glosemeyer 
über: Moderne Schnellpressen. Außerdem finden Ausflüge 
statt in eine Reproduktions- und eine Lichtdruckanstalt, in 
die Wiener Werkstätte und, mit Führung, in die Museen der 
Kaiserstadt. Den bislang abgehaltenen Kursen über Skiz¬ 
zieren und Tonplattenschneiden, sowie dem Druckkurs in 
der Gesellschaftsdruckerei gliedern sich noch an: einer 
über Freihandzeichnen und einer über Kolorieren von 
Drucksachen. Außerdem sind eine Zeitungsausstellung, 
eine Kalender-, sowie verschiedene Drucksachenaus¬ 
stellungen in Aussicht genommen. P-t. 

Zittau. In der am 27. September 1906 stattgefundenen 
Sitzung der Graphischen Vereinigung erstattete der Vor¬ 
sitzende Bericht über den II. Vertretertag des Verbandes der 
Deutschen Typographischen Gesellschaften. Im weiteren 
Verlauf der Sitzung wurde die Bewertung von Entwürfen für 
eine Mitgliedskarte des Bautzener Graphischen Klubs vor¬ 
genommen. Ausgelegt waren Drucksachen der Nürnberger 
Jubiläumsausstellung, sowie eine Sammlung mustergültiger 
Druckarbeiten der Firma Gebrüder Stiepel in Reichenberg. 
— Zu einem mehrtägigen Besuche der Dritten Deutschen 
Kunstgewerbeausstellung in Dresden erhielten drei Mit¬ 
glieder unsrer Vereinigung als Zeichenkursteilnehmer an 
der Städtischen Handwerkerschule eine namhafte Beihilfe 
seitens des Königlichen Ministeriums des Innern, -dl-. 


Bücher- und Zeitschriftenschau; verschiedene Eingänge. 


V Die Farben-Photographie. Eine gemeinverständliche 
Darstellung der verschiedenen Verfahren nebst Anleitung 
zu ihrer Ausführung von Dr. E. König. Zweite vermehrte 
und verbesserte Auflage. Mit einer Farbentafel, einer Ton¬ 
drucktafel und zwei Figuren im Text. Berlin 1906. Verlag 
von Gust. Schmidt. Preis geheftet M. 2.50, gebunden M. 3.—. 
Es wäre wünschenswert gewesen, daß der Verfasser bei 
Bearbeitung der zweiten Auflage seines Buches das Unzu¬ 
treffende ausgeschaltet, bzw. richtiggestellt hätte. Auf 
Seite 14 steht z. B. wiederum, daß neuerdings Apparate mit 
pneumatischer Filterwechslung gebaut würden, während 
Dr. Krügener in Frankfurt a. M. nachweislich bereits 1901 
solche Apparate für Dreifarbenstereoskopaufnahmen ge¬ 
fertigt hat. Referent besitzt einen solchen. Ferner ge¬ 
braucht der Verfasser immer noch die Bezeichnung „pan¬ 
chromatisch“ für Platten, die diese Eigenschaft gar nicht 
besitzen. Der Verfasser gibt auf Seite 27 selbst zu, daß die 
Rotempfindlichkeit meist viel zu wünschen übrig lasse; 
und sieben Zeilen weiter heißt es, daß die Pinachrombade- 
platten die käuflichen „panchromatischen“ Platten an 
Grün- und Rotempfindlichkeit ganz bedeutend übertreffen! 
Wenn eine Platte nicht rot- und grünempfindlich ist, nun 
dann ist sie eben nicht „panchromatisch“. Leider bedienen 
sich auch noch andre Autoren dieser irreführenden Aus¬ 
drucksweise. Es wäre doch wirklich an der Zeit, mit dieser 
Unsitte ein Ende zu machen. Der etwaige Einwurf, daß das 
Wort „panchromatisch“ nun einmal in der Photographie 


eingeführt sei, ist nicht stichhaltig. Etwas „Eingeführtes“ 
braucht, um mit Hans Schmidt zu reden, noch lange nicht 
einwandfrei zu sein. Die jetzt bekannten Sensibilisatoren ver¬ 
leihen den Platten Empfindlichkeit fürGelbgrün bis Orange. 
Nur Pinocyanol geht nach den Untersuchungen von Hübls 
weiter ins Rot, besitzt aber keineGrünempfindlichkeit. Eine 
Wirkung auf das sommerliche Blattgrün geht überhaupt 
allen Sensibilisatoren ausnahmslos ab. Recht lehrreich ist 
die auf Seite 24 eingefügte Tafel, die Aufnahmen einer von 
Eder vorgeschlagenen Farbentafel auf Pinachrombade- 
platten mit Königschen Dreifarbenfiltern enthält. Sie wird 
besonders lehrreich, wenn man diese Tafel mitTafel 1 und 2 
vergleicht, die in Eders Handbuch, zehntes Heft (Praxis 
der Photographie mit Gelatineemulsionen) enthalten sind. 
Die Edersche Farbentafel ist auf beiden Tafeln daselbst 
ebenfalls enthalten und zwar aufgenommen mit gewöhn¬ 
licher Bromsilbergelatineplatte und mit Erythrosinplatten 
mit und ohne Lichtfilter. Die Drucke sind im Ederschen 
Buche im ganzen dunkler, aber sonst — nur mäßige Unter¬ 
schiede!! Die der Königschen Tafel noch beigefügten Auf¬ 
nahmen mittels Gitterspektrographen beweisen, daß Äthyl- 
rot und Pinachrom nur orangeempfindlich sind, während 
Pinacyanol bis zur Wellenlänge 671, also etwa Rotorange, 
geht! — Wenn man einen guten käuflichen Filtersatz für 
Dreifarbenaufnahmen nimmt und mit diesem auf käuf¬ 
lichen farbenempfindlichen, fälschlich „panchromatisch“ 
genannten Platten eine Farbentafel aufnimmt, so wird man 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


finden, daß wesentliche Unterschiede nicht vorhanden sind. 
Bei dem jetzigen niedrigen Stande der Dreifarbenverfahren 
braucht man also gar nicht so ängstlich in der Wahl der 
Mittel zu sein. Bunte Bilder kommen auf alle Fälle dabei 
heraus, und die genügen, wie man sieht, der großen Menge 
vollständig. — Ich denke hierbei nicht an die Dreifarben¬ 
autotypie, deren zum Teil recht schöne Leistungen durch 
geschickte Bearbeitung der Druckplatten hervorgebracht 
werden. Auf Seite 81 hält der Verfasser an der Anschau¬ 
ung fest, daß es wohl angängig sei, entgegen der Ansicht 
mancher Autoren, Dreifarbennegative abzuschwächen, zu 
verstärken, oder nach eignem Empfinden zu behandeln. 
„Da nicht alle Farbenaufnahmen gelängen, könne man 
durch zielbewußte vernünftige Korrektur dennoch schöne 
Bilder erzielen.“ Dieses Verfahren muß unter allen Um¬ 
ständen als untunlich bezeichnet werden. Nach solcher 
Behandlung ist es keine Naturaufnahme mehr, sondern 
ein durch menschliche Willkür entstandenes Bild. Es wird 
niemand so verwegen sein, von sich behaupten zu wollen, 
daß er in der Lage sei, nach geschehener Aufnahme die 
weitere Bearbeitung der Negative bzw. Positive so zu 
deichseln, daß sie der Natur entsprechen! Je mehr sich 
das Verfahren zur Erzeugung von Dreifarbendrucken ma¬ 
schinenmäßig und mit mathematischer Genauigkeit gestaltet, 
um so naturwahrcr, gleichmäßiger werden die Bilder aus- 
fallen. Solche Verfahren haben wir aber leider noch nicht. 
Auch Donath sagt in seinem Buche „Grundlagen der Far¬ 
bentheorie“ S. 123: „Ganz unzulässig ist jedenfalls eine 
Verstärkung des einen oder andern Teilbildes, da hierdurch 
die Kontraste, d. h. die Deckungsverhältnisse innerhalb 
eines Bildes verändert werden. Ein erheblicher Farben¬ 
fehler muß dann die Folge sein. Was für die Verstärkung 
gesagt ist, gilt natürlich in gleicher Weise auch für jede 
Abschwächung.“ Und S. 151: „Die in der Praxis oft durch¬ 
geführte Einzelsensibilisierung mit verschiedenen Farb- 
flüssigkeiten und die oft auch getrennte weitere Behand¬ 
lung der Teilplatten gibt immer Veranlassung zu Unrichtig¬ 
keiten und Zufallsresultaten.“ — Ganz einverstanden bin 
ich mit dem Schlußsatz des Verfassers (S.95), wo es heißt: 
„Auch die neuen Methoden sind für den Durchschnitts¬ 
amateur .... immer noch zu umständlich (und vor allem 
unzuverlässig, R.), und so wird die Dreifarbenphotographie 
auch in Zukunft nur eine verhältnismäßig kleine Schar von 
Jüngern zählen.“ Ad. 

V Die bildmäßige Photographie. Eine Sammlung von 
Kunstphotographien mit begleitendem Text, herausgegeben 
von F. Matthies-Masuren in Halle a. S. Lieferung 3: Figur 
und Staffage. Halle a. S. 1905. Verlag von Wilh. Knapp. 
Preis M. 5.50, im Abonnement M. 4.—. Von dem in vier 
Lieferungen erscheinenden Werke Matthies-Masurens über 
bildmäßige Photographie liegt die dritte Lieferung vor. 
Der Autor will namentlich durch das Anschauen guter 
Bilder belehrend wirken. Er gibt ja auch begleitenden 
Text, der aber mehr unterstützender Natur ist. Durch ein 
paar Worte, mit denen man auf das Fehlerhafte eines Bil¬ 
des hinweist, erreicht man in diesem Falle mehr, als durch 
langatmige Artikel, die die wenigsten lesen. Der Verfasser 
betont wiederholt, daß das menschliche Auge anders sieht, 
als die photographische Linse, und daß es großer Schulung 
bedarf, um eine wirkliche, auf künstlerischen Wert An¬ 
spruch erhebende Leistung zu vollbringen. Weiter beklagt 
sich Matthies, und das mit Recht, „daß der Photograph viel 


zu wenig die Natur studiere und sich noch weniger mit 
tüchtigen Werken der Malerei beschäftige, die sehr zur 
Selbsterziehung und zum Verständnis der wenigen grund¬ 
legenden Regeln beitragen könnten“. „Auf den Ausstel¬ 
lungen photographischer Bilder merke man von einer Ent¬ 
wicklung, einer Verfeinerung des Blickes für Linie und 
Ton nichts.“ Der Verfasser hat ganz recht, aber es ist 
auch eine bekannte Tatsache, daß in den Vereinen eine 
gewisse Ausstellungsmüdigkeit eingetreten ist. Die meisten 
sind durch angestrengte berufliche Tätigkeit verhindert, 
sich mit solchen Nebenarbeiten zu befassen, die, wenn sie 
gut ausfallen sollen, viel Zeit und Aufmerksamkeit in An¬ 
spruch nehmen. 

Die dritte Lieferung der bildmäßigen Photographie ist 
wieder reich mit Bildern geschmückt, Bildern, die von 
dem Verfasser mit bekannter Sorgfalt für diesen Zweck 
ausgewählt worden sind. Diese und die begleitenden 
Worte seien allen, die sich mit künstlerischer Photo¬ 
graphie befassen wollen, dringend empfohlen. Ad. 

V Photochemie von Hofrat Professor Dr. J. M. Eder , Di¬ 
rektor der k. k. graphischen Lehr- und Versuchsanstalt zu 
Wien. Mit 51 Abbildungen. Dritte gänzlich umgearbeitete 
und vermehrte Auflage. Halle a.S. 1906. Verlag von Wilh. 
Knapp. Preis M. 15.—. Dieses wichtige Werk ist des ersten 
Bandes zweiter Teil von dem ausführlichen Handbuche 
der Photographie des verdienstvollen Verfassers. Es ent¬ 
hält die so überaus wichtigen chemischen Wirkungen, die 
das Licht auf die verschiedenen Körper ausübt. Wer sich 
wissenschaftlich mit photographischen Arbeiten befaßt, 
dem sind die Kenntnisse dieser Lichtwirkungen unerlä߬ 
lich. Das Buch ist mit großer Sachkenntnis und Gründ¬ 
lichkeit geschrieben worden und bis auf die Neuzeit fort¬ 
geführt. Es würde zu weit führen, auf den Inhalt dieser 
umfangreichen und interessanten Arbeit — das Buch ent¬ 
hält 533 Seiten — einzugehen, der Name des Verfassers 
bürgt dafür, daß nichts Wesentliches vergessen worden 
ist. Jedes einzelne Kapitel ist lesenswert und gibt zum 
Nachdenken Veranlassung. Wie viel wertvolles Material 
steckt darin! Das Werk kann jedem gebildeten Photo¬ 
graphen wärmstens zum Studium empfohlen werden. Ad. 

V Die photographische Kunst im Jahre 1905. Vierter 

Jahrg., herausgegeben von F. Matthies-Masuren. Halle a.S. 
Verlag von Wilh. Knapp. Preis geh. M. 8.— , geb. M. 9.—. 
Wie die früheren Jahrgänge, über die seinerzeit berichtet 
wurde, enthält auch dieser neueste Band eine Sammlung 
hervorragender Bilder des abgelaufenen Jahres, die in 
guter Wiedergabe vorliegen. Wie Matthies-Masuren in der 
Vorrede sagt „ist es hauptsächlich diese Bildersammlung, 
die den Käufer des Buches in erster Linie interessiert“. 
Man begegnet wenig neuen Namen. Immer dieselben 
Kunstphotographen bringen ihre Leistungen dar. Unter 
den literarischen Beiträgen finden sich, ebenfalls von be¬ 
kannten Autoren, recht beachtenswerte Arbeiten. So 
schreibt Fuchs über die Photographie und die Kultur des 
Auges. Schur in Charlottenburg gibt die Anregung — die 
übrigens nicht neu ist — zur Gründung eines photographi¬ 
schen Museums. „Der Symbolismus und die Grenzen der 
Photographie“ heißt ein Artikel von Dr. F. Knapp in Berlin. 
Das reich mit Bildern ausgestattete Jahrbuch reiht sich 
seinen Vorgängern würdig an und dürfte bei dem beschei¬ 
denen Preise von acht Mark bald in allen Büchersamm¬ 
lungen anzutrelfen sein. Ad. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


V Musterheft der Spitzertypie-Gesellschaft in München. 

G. m. b. H. Die Spitzertypie-Gesellschaft in München hat 
ein Musterheft herausgegeben, das die jetzigen Leistungen 
der Anstalt darstellt. Wie aus den Begleitworten hervor¬ 
geht, werden dieSpitzertypien zunächst nur in Kupfer aus¬ 
geführt. Es heißt dann weiter: „Zunächst hat die Gesell¬ 
schaft die Wiedergabe von Halbton-Reproduktionen mit 
feinsten Details auf allen Gebieten der Wissenschaft, der 
Kunst, des Kunstgewerbes und der Industrie zu einer be¬ 
sonderen Spezialität erhoben, ein Feld, auf welchem sich 
die Qualität der nach dem neuen Verfahren hergestellten 
Druckstöcke besonders überlegen über das bisher be¬ 
stehende erwiesen hat.“ Das geht entschieden zu weit. 
Dafür müssen von der Gesellschaft doch noch andre Lei¬ 
stungen geboten werden. Wir sind weit entfernt die Spitzer- 
typie herabsetzen zu wollen, aber auf der Höhe, auf die sie 
sich selbst stellt, ist sie noch nicht angelangt. Der erwähnte 
„angenehm wirkende, ruhige Charakter in den Tönen“ läßt 
meist noch zu wünschen übrig und die „große Kraft in den 
Kontrasten“ führt zu recht fatalen Härten. Wenn wir nun¬ 
mehr auf die Bilder der Mappe eingehen, so zeigt sich, daß 
das Verfahren vorzüglich geeignet ist zur Wiedergabe von 
wenig kontrastreichen Gegenständen, wie beispielsweise 
Münzen, anatomischen Tuschzeichnungen, Kupferstichen, 
Holzschnitten und ähnlichen Vorlagen. Sobald aber das 
Original einigermaßen Kontraste zeigt, wie z. B. die Mond¬ 
scheinlandschaft oder die Gebirgslandschaft mit See, dann 
zeigen sich Härten und es tritt leicht Unruhe im Bilde ein. 
Das gleiche gilt von dem beigegebenen Vierfarbendrucke 
nach dem Leibischen Ölgemälde. Recht hübsch ist der 
Vierfarbendruck nach einer aquarellierten Federzeichnung. 
Hier liegen eben die Verhältnisse insofern günstiger als 
der schwarzen Federzeichnung nur einfache, glatte Farben¬ 
töne zugefügt sind. Das gleiche gilt von einer aquarellier¬ 
ten Bleistiftzeichnung von Müller-Kämpf. DieMustermappe 
beweist aber, daß die Anstalt sich Mühe gibt fortzuschreiten 
und, daß dieser Fortschritt auch ersichtlich ist. Es wird 
sich hauptsächlich darum handeln, das recht widerspen¬ 
stige Verfahren gehörig bemeistern zu lernen. Da wird wohl 
noch einige Zeit vergehen; aber weitere Fortschritte sollen 
gern zugestanden und kundgegeben werden. Auch wäre 
es recht erfreulich, wenn die Spitzertypie-Gesellschaft die 
am Schluß der einführenden Worte angegebenen Preise 
für die Dauer einhalten könnte. Ad. 

V Druckproben der Universitäts-Buchdruckerei C.A. Wag¬ 
ner, Freiburg i. Br. In einem umfangreichen Quartheft hat 
die genannte Firma eine große Anzahl Druckproben ver¬ 
einigt, deren sorgfältige und kunstgerechte Ausführung 
einen Beweis der Leistungsfähigkeit dieser altangesehenen 
Anstalt gibt. Die Muster zahlreicher Werkkolumnen lassen 
die reiche Auswahl an Buchschriften der Firma ebenso er¬ 
kennen, wie sie ein Bild geben von der vielseitigen Betäti¬ 


gung, die sie auf satztechnischem Gebiete entfaltet. Der 
einfachen Werkseite ist gleiche Sorgfalt gewidmet wie den 
Seiten aus griechischer oder hebräischer Schrift, dem Ge¬ 
dicht- oder mathematischen Satze. Die gezeigten Akzi¬ 
denzen sind von flottem Entwurf und guter Farbengebung. 
Der Illustrationsdruck sowie der Mehrfarbendruck ver¬ 
dienen alle Anerkennung. Eine große Anzahl farbiger 
Blätter sind vorzüglich gedruckt und beweisen, daß die 
Wagnersche Druckerei auch den schwierigsten Aufgaben 
gewachsen ist. Das ganze Heft darf als eine der schönsten 
Sammlungen dieser Art bezeichnet werden, das die Heraus¬ 
geberin aufs beste zu empfehlen geeignet ist. S. 

V Katalog der Internationalen Zeitungsausstellung , 
Frankfurt a. M. Der Buchdruckmaschinenmeister-Verein 
Frankfurt a. M.-Offenbach hatte im Verein mit der Typo¬ 
graphischen Gesellschaft Frankfurt a. M. unter Benutzung 
desjenigen Materials, das seinerzeit im Buchgewerbehause 
zu Leipzig eine Zeitungsausstellung bildete, eine erweiterte 
Ausstellung veranstaltet, bei der auch die Entwicklung des 
Zeitungswesens veranschaulicht wurde. Der aus diesem 
Anlaß erschienene Katalog ist von besonderem Interesse 
sowohl seines textlichen Inhalts halber als auch wegen 
seiner vollkommenen, sehr hübschen typographischen 
Ausstattung, die allen Beteiligten Ehre macht. Eine größere, 
durch mehrere sehr interessante Reproduktionen illu¬ 
strierte Abhandlung, die dem Zeitungswesen Frankfurts ge¬ 
widmet ist, bildet einen beachtenswerten Beitrag zur Ge¬ 
schichte der Entwicklung des Zeitungswesens im allgemei¬ 
nen. Der Katalog verdient daher volle Beachtung von 
allen, die sich für gute Ausstattung oder das Zeitungswesen 
interessieren. S. 

W Sperlings Zeitschriften-Adreßbuch. 43. Ausgabe. Stutt¬ 
gart 1906. Verlag von H. O. Sperling. Preis M. 6.—. Die 
Zeitschriftenverzeichnisse unsrer großen „Annoncen-Expe- 
ditions-Bureaus“sind zwar ganz schätzenswerte Hilfsmittel, 
bleiben aber immerhin noch recht viele Fragen schuldig, 
die sowohl von der Geschäftswelt, als auch und namentlich 
aus den Gelehrten- und Schriftstellerkreisen oft in recht 
dringenden Fällen gestellt werden. Das Sperlingsche Nach¬ 
schlagewerk ist in dieser Beziehung weit gefälliger und 
auch praktischer in seiner äußeren Gestalt und inneren 
Einteilung. Dazu kommt das gute Register, das die Hand¬ 
habung wesentlich erleichtert. Eine Durchprüfung von 
A bis Z konnte naturgemäß nicht erfolgen. Soweit aber 
Stichproben gemacht wurden — und zwar in recht erkleck¬ 
licher Anzahl und nach den verschiedensten Richtungen 
hin — hat das Adreßbuch nicht ein einziges Mal im Stich 
gelassen, sowohl hinsichtlich des Vorhandenseins des ge¬ 
suchten Zeitschriftentitels, als der vielerlei Angaben über 
die Organisation der einzelnen Zeitschriften. Interessenten 
kann also dieses billige und dauerhaft ausgestattete Hilfs¬ 
buch gern empfohlen werden. S. M. 


I nhaltsverzeichnis. 


Verzeichnis von Personen und Firmen, die in den Monaten 
Juli, August und September 1906 dem Deutschen Buchge¬ 
werbemuseum Schenkungen überwiesen haben. S. 373. — 
Der Dreifarbendruck. IV. S. 374. — 25 Jahre Akzidenz. S. 378. 
— Die lithographische Federzeichnung. S. 381.— Einiges 
vom Farbwerk. S. 385. — Vom Steigen des Ausschlusses. 
S.387. —Weiteres zur Versal-SZ-Frage. S.389. — DerZweite 


Vertretertag desVerbandes derDeutschenTypographischen 
Gesellschaften. S.390. — Hermann Cohn f. S.392. — Buch¬ 
gewerbliche Rundschau. S. 393. — Patentliste über neue 
Erfindungen und Verbesserungen. S.395. — Aus den graphi¬ 
schen Vereinigungen. S.397. — Bücher- und Zeitschriften¬ 
schau; verschiedene Eingänge. S. 402. 

8 Beilagen. 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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Druck von Breltkopf & Härtel, Leipzig 


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Beilage zam Archiv für Buchgewerbe 
Druck tou Breitkopf & Hirtel, Leipzig 


































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Dienstag, 30. Oktober 1906 
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Leipzig 1904 


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405 


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das beftgeeignetfte fTlateriaf zur 
vornehmften SfLusftattung von 
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etc . Q5iefe Schrift bedeutet die 
Grfüffung affer Wünfche nach 
einer kurfiven (Drucktype auf der 
Qrundfage after, Jchwungvoffer 
Schreibformen des achtzehnten 
£Jahrhunderts. Qfroben ver* 
fendet nur an fJntereffenten die 


Qesefifiefi gefcüüfites 
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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Paul Heysestr.30— Leipzig: Edgar Ziegler, Kohlgartenstr.20 — Bremen: F.W.Dahlhaus 


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Paris 1889 — Brüssel 1897 
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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



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welche eine besondere Förderung 
deutscher Kulturarbeit bedeutet 


ist die infolge unserer Anregung und auf Grund unserer Vorarbeiten zur allge¬ 
meinen Einführung gelangte Deutsche NormahSchriftiinie 
— nach dem Urteil der Dresdner Kunst-Preisrichter zwar nicht, wohl aber — 
nach dem Urteil aller kunstsinnigen praktischen Buchdrucker . 
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Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 1906: Goldene Medaille 


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-- ■ — - — ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE - 


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der Benutzung zugängig. 


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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortlicher Schriftleiter: Arthur Woernlein 
— Druck: Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig == . = = .= 



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Reproduktion nach der Originalradierung mit freundlicher Genehmigung des Verlags von Alphons Dürr, Leipzig 


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Zum Artikel: 

Prof. Dr. Hans W. Singer, Weihnachten in der graphischen Kunst 


GisittaaMst, 










ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 


43. BAND NOVEMBER-DEZEMBER 1906 HEFT 11/12 


HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 




EINLADUNG ZUM JAHRESBEZUG 


Der ** anc * unsrer Vereinszeitschrift Archiv für Buchgewerbe findet mit dem 
vorliegenden Doppelheft 11/12 seinen Abschluß. Auch der nun ablaufende Jahr¬ 
gang hat gewiß den deutlichen Beweis erbracht, daß das Archiv für Buchgewerbe ' 
r J] ein völlig unabhängiges Fachblatt ist, das in selbständiger sachlicher Weise der 
Förderung des gesamten Buchgewerbes dient. Ohne Rücksicht auf persönliche oder sonstige Son¬ 
derinteressen wirkt die Vereinszeitschrift durch ihre gediegenen theoretischen sowie aus der 
Praxis hervorgegangenen Aufsätze für weitere technische und künstlerische Ausbildung ihrer 
Leser und Freunde. Zahlreiche und mustergültige Beilagen geben dem strebsamen Berufsange¬ 
hörigen Anregungen zu weiterem Schaffen. Der Abschnitt „Aus den graphischen Vereinigungen“ 
bildet ein Bindeglied nicht nur zwischen dem Deutschen Buchgewerbeverein und seinen korpora¬ 
tiven Mitgliedern, den verschiedenen typographischen Gesellschaften, sondern auch unter den letz¬ 
teren selbst, die allmonatlich über die Tätigkeit ihrer Schwestergesellschaften unterrichtet werden. 

Das stetige Steigen unsers Leserkreises, sowie die uns zahlreich zugegangenen Anerkennungen 
über die Unabhängigkeit, den Inhalt und die Ausstattung unsrer Vereinszeitschrift sind uns der 
beste Beweis für die Richtigkeit unsrer Grundsätze. Wir werden daher auch fernerhin den be- 
schrittenen Weg verfolgen und für den weiteren Ausbau des Archiv für Buchgewerbe in gleicher 
Weise wie bisher besorgt sein. 

Unsre Leser und überhaupt alle Angehörigen und Freunde des Buchgewerbes, die unserm 
Verein als Mitglieder noch nicht angehören, bitten wir den neuen Jahrgang bei der nächsten 
Buchhandlung oder bei der Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins baldigst bestellen 
zu wollen. 

Die Mitglieder des Deutschen Buchgewerbevereins erhalten für den Jahresbeitrag von M. 15.— 
die Vereinszeitschrift kostenlos , nur ist von denjenigen, die eine direkte Zusendung unter Streif¬ 
band wünschen, das Porto, Inland M. 2.40, Ausland M. 5. —, an die Geschäftsstelle einzusenden. 
Der Beitritt zum Deutschen Buchgewerbeverein ist daher für alle Angehörigen und Freunde des 
Buchgewerbes von besonderem Nutzen. 

Leipzig, Deutsches Buchgewerbehaus, im Dezember 1906 
DerVorstand des Deutschen Buchgewerbevereins 

Dr. L. Volkmann , I. Vorsteher 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor 









ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

Bekanntmachung. 


In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat November 


I. Für das Jahr 1906. 
a) als Einzel-Mitglieder: 

1. Karl Curtius, i. Fa. Karl Curtius, Buchhandlung, 
Berlin. 

2. Hans Ebhardt , i. Fa. J. C. König & Ebhardt, Buch- 
und Steindruckerei, Hannover. 

3. Jean Goebel, Fabrikbesitzer, i. Fa. Gandenberger- 
sche Maschinenfabrik Georg Goebel, Darmstadt. 

4. Richard Hoh, i. Fa. Hoh & Hahne, Fabrik photo¬ 
graphischer Apparate, Leipzig. 

5. M. Hertzberg , i. Fa. Lilius & Hertzberg, Kunst¬ 
anstalt, Helsingfors. 

6. Adolf Hug, i. Fa. Hug & Co., Musikalienhandlung, 
Zürich . 

7. Heinrich Ließner , i. Fa. H. Ließner & D. Sobko, 
Kunstanstalt, Moskau. 

8. Emil Rauh, i. Fa. Schmidt&Busch, Buchdruckerei, 
Leipzig. 


1906 als Mitglieder aufgenommen: 

9. Albert Sandfuchs, i. Fa. Aug. Sandfuchs, Buch¬ 
handlung und Buchdruckerei, Wolfach. 

10. C. Schrveickhardt , i. Fa. St. Johannis-Druckerei 
(C. Schweickhardt), Dinglingen. 

11. Franz Weiße, Kunstbuchbinder, Elberfeld. 

12. Felix Wittig, i.Fa. Hermann Scheibe, 
Briefumschlagfabrik, Leipzig. 

b) als korporatives Mitglied: 

13. Verein DeutscherBahnhofs-BuchhändlerzuLeipzig, 
Leipzig. 

II. Für das Jahr 1907. 
a) als Einzel-Mitglieder: 

14. Rudolf Arnold, Papierhandlung, Leipzig. 

15. Max Wöller, Geislingen. 


b) als korporatives Mitglied: 

16. Typographischer Klub, Memmingen. 


Leipzig , im Dezember 1906 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Arthur Woernlein, Verwaltungsdirektor. 


Weihnachten in der graphischen Kunst 

Von Prof. Dr. HANS W. SINGER, Dresden. 


D AS Feiern unsres herrlichen deutschen Weih- 
| nachtsfestes gehört zu den Sitten, die sich 
langsam die Welt erobern werden: vorder¬ 
hand stehen wir noch ziemlich allein darin da. In 
Amerika, wohin die eingewanderten Deutschen es 
sozusagen körperlich mit eingeführt haben, über¬ 
nehmen es auch die angelsächsischen Familien 
in immer steigendem Maße. In England läßt man 
wenigstens den Tag einen Tag der Freude und der 
Geschenke sein, wenn man ihn auch in spröderer 
Weise als wir, und am Morgen des Weihnachtstages, 
nicht am Vorabend feiert. In Frankreich aber geht 
der Tag bekanntlich noch ziemlich allgemein leer 
aus, während man sich dort zu Neujahr Geschenke 
macht. 

Selbst bei uns gilt der schöne Brauch noch nicht 
so lange, als wie mancher wohl glaubt. Das lehrt uns 
schon einmal, wenn wir es aus andern Quellen nicht 
wüßten, die Kunst. Die Kunst, namentlich die schwarz¬ 
weiße, die sich an die weitesten Kreise des Volkes 
wendet, spiegelt ja deren Interessen auf das genau¬ 
este wider. Als ich bei einer ähnlichen Gelegenheit 
mich nach Weihnachtsfestdarstellungen in der graphi¬ 
schen Kunst umsah, war ich ziemlich erstaunt, keine 


Ausbeute finden zu können. Daß es unter den Werken 
der berühmten Meister solche Darstellungen nicht 
gab, war mir ja schon bekannt, aber ich suchte auch 
die Werke der weniger künstlerisch hervorragenden 
Stecher, Radierer und Holzschneider so ziemlich ver¬ 
geblich durch bis hinab zu den lediglich eine kultur¬ 
geschichtliche Bedeutung habenden Blättern, deren 
Urheber im Gefühl ihres eignen Unwertes es unter¬ 
lassen haben, ihre Namen auf die Arbeiten zu setzen. 
Wenn ich mich richtig erinnere, stieß ich erst bei 
Chodowiecki, jenem intimsten Sittenschilderer, auf 
eine Weihnachtsfestdarstellung, und auch hier fehlte 
der Mittelpunkt der Feier, der Weihnachtsbaum: einige 
gewöhnliche brennende Kerzen bloß vertraten ihn. 

Mag das zuerst auch befremden, so wird einem der 
Grund bei längerer Überlegung unschwer klar. Es 
gibt Situationen von einer so großen Intimität, daß 
sie sich nur in den engsten Grenzen halten können. 
Sie werden von Gefühlswerten getragen, und sobald 
nur einen Augenblick die Gefahr vorliegt, daß eine 
Abspannung oder etwas von außen Störendes herein¬ 
brechen könne, zerfallen sie: der Schritt, hier, vom 
Erhabenen zum Lächerlichen ist zu klein und drohend. 
Eine solche Situation ist unsre Weihnachtsfeier: jeder 


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PR1NCETON UNEVERSITY 




ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 



Agostino de’ Musi (Veneziano), Die Geburt Christi 


ist mit sich selbst beschäftigt, den Regungen ist ein 
idealer Boden entzogen, da sie in diesem Augenblick 
Reaktionen sind. Die Kunst aber scheut sich natur¬ 
gemäß vor Darstellungen, wobei sie den Spott des 
Verständnislosen fürchten muß. Wie nahe aber diese 
Gefahr liegt, beweist der Umstand, daß sich die Kari¬ 
katur mit großerVorliebe bei uns sowohl wie inEngland 
und Amerika mit dem Weihnachtsfest beschäftigt. 

Nur eine so seltene Erscheinung wie Ludwig 
Richter mit seinem im schön¬ 
sten Sinne des Wortes ein¬ 
fältigen Gemüt durfte es 
wagen, sich dieses schwierige 
Thema vorzunehmen, ohne 
den Spott fürchten zu müssen. 

Denn bei ihm war die Emp¬ 
findung tatsächlich eben so 
lauter und einfach wie tief, und 
vor etwas wirklich Wahrem 
wird die ganze Welt stets in 
Ehrfurcht verharren. Er, selbst 
ein ewiges Kind in der Ge¬ 
nügsamkeit seiner geistigen 
Freude, hat uns alle die Herr¬ 
lichkeiten des Festes, seine 
Überraschungen, seinenLicht- 
glanz, seine religiöse Weihe, 
ja selbst alle die mehr pos¬ 
sierlichen Assoziationen, die 
es für eine Kinderseele mit 
sich bringt, in schlackenlo¬ 
ser Schönheit verkörpert. Er 


spricht zu uns als zu 
Kindern, nicht mit uns 
über Kinder; so ver¬ 
fällt er nicht der Klein¬ 
lichkeit, denn wir 
fühlen unwillkürlich, 
daß wir diesen Dingen 
noch einmal Ernst ent¬ 
gegenbringen müssen, 
gleich wie wir es ein¬ 
stens getan haben. 
Das Gefühl seiner 
Schwäche war zugleich 
seine Macht. Richter 
war sich bewußt, daß 
erverwickelteren psy¬ 
chologischen Vorgän¬ 
gen keinen Formen¬ 
ausdruck verleihen 
konnte, daher ver¬ 
suchte er nur die Dar¬ 
stellung der einfach¬ 
sten, mit dem schönen 
Ergebnis, daß sie über¬ 
zeugend ist. Seine Kinder sind eben nicht die alt¬ 
klugen, selbstironisierenden Geschöpfe, die wir bei 
den Nachahmern so oft antreffen. 

Beschränken wir aber unsre Betrachtungen über 
„Weihnachten in der graphischen Kunst“ auf das erste 
Weihnachten, so verändert sich die Lage völlig und 
in einerWeise, die das Wort „Beschränken“ deplaziert 
erscheinen läßt. Wir stehen vor einem schier un¬ 
übersehbaren Feld. Die Geburt des Heilandes mit 



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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


den beiden Nebenepisoden der Anbetung der Hirten 
und der Anbetung der Heiligen Drei Könige ist eins 
der großen Weltthemata der Kunst. Bei weitem die 
Mehrzahl aller großen Künstler haben sich daran 
versucht, oft selbst auch solche, die ihrem Haupt¬ 
trachten nach in ganz andre Geleise eingefahren 
sind. An der Hand des reichen Materials, das einem 
hier zu Gebote steht, könnte man beinahe schon eine 
Kulturgeschichte, sicher aber eine Geschichte des 
künstlerischen Geschmacks in Angriff nehmen. 



Die kleine Blütenlese, die unsre Abbildungen vor¬ 
führen, ist nicht ganz eine reine Zufallswahl, — 
wenngleich wohl eine jede Zusammenstellung von 
einem halben Dutzend aus einer Gesamtzahl von 
vielen Tausenden mehr oder minder diesen Charakter 
tragen wird. 

Sie beginnt mit dem prächtigen Stich des Floren¬ 
tiners Robetta, der um das Jahr 1500 arbeitete. In 
seiner Formensprache lehnt er sich an Botticelli und 
Fra Lippo Lippi, die er mitunter direkt kopiert hat, an: 
auch der schöne mildeMeisterFrancia klingtgelegent- 
lich aus seinen Werken heraus. Einen eigentümlichen 
Reiz bietet der Gegensatz zwischen der etwas un¬ 


gelenken spröden Linienführung im einzelnen und 
dem vornehmen, auf freier Anschauung beruhenden 
Fluß der Form. Das Blatt mag um die Zeit der frühen 
— nicht frühesten Dürers entstanden sein. Wie¬ 
viel unbeholfener ist es in der Technik, als dieser, 
und zugleich wieviel reiner, verfeinerter in denTypen 
und in der Bewegung. Alles in allem, ein Mann, der 
das glückliche Kind einer hohen Kulturepoche ist, 
aus eignem Geist aber nicht allzuviel beiträgt. 
Robetta war ein Goldschmied und kam als solcher 
zum Kupferstich herüber; demnach trat er vom Ge¬ 
werbe, nicht von Seiten der freien Kunst ein. 

Etwa um eine Generation später mag das nächste 
Bild entstanden sein, das Agostino de’ Musi — nach 
seiner Vaterstadt Agostino Veneziano benannt — auf 
Grund einer Zeichnung des Raphaelschülers Giulio 
de’ Gianuzzi (Giulio Romano) stach* In der Zwischen¬ 
zeit war die Kunst völlig dazu gelangt, sich selbst zu 
fühlen. Dort hatten wir naive Empfindung und ziem¬ 
lich reine Erzählung: jetzt ist es Vart pour l'art ge¬ 
worden. Aus dem einfachen Vorwurf ist ein Beleuch¬ 
tungsproblem entstanden, und zwar eins, das den 
Künstler weit mehr als den Laien interessiert. Wie 
das magische, vom Jesuskind ausgehende Licht seine 
Schatten auswirft, wie die Tierköpfe dadurch per¬ 
spektivisch entstellt an die Wand geworfen werden, 
das hat den Künstler zunächst interessiert, und das In¬ 
teresse bestand, trotzdem das Problem über sein Ver¬ 
mögen hinausging. Auch bei den Hirten sehen wir 
nichts von der natürlichen Ruhe und der scheuen 
Zurückhaltung, die der Situation angepaßt wären, son¬ 
dern eine äußerst lebhafte, auffallende Bewegung, die 
künstlerisch zu bewältigen einen großen Reiz bietet. 
In allen Punkten kam es dem Künstler also nicht 
darauf an zu erzählen und die Situation dem Laien 
zu vergegenwärtigen, sondern er benutzte den Vor¬ 
wurf, um an dessen Hand selbstherrisch seinen eig¬ 
nen, rein künstlerischen Gedanken zu entwickeln. 

Das herrliche Idyll, der Kupferstich von Dürer, hat 
von jeher schlechthin „Weihnachten“ geheißen. Darin 
spricht sich schon aus, wie sehr es auch noch für uns 
heute, die getragene, selbstvergessene Weihnachts¬ 
stimmung unserm Gemüt nahe legt. Für Dürer ist 
das Einkleiden in die Form etwas Selbstverständ¬ 
liches, vermöge seiner unerschöpflichen Phantasie; 
das braucht er sich gar nicht etwa erst zu überlegen. 
Wohl aber überlegt er sich als echter deutscher 
Künstler, wie er den Stoff, den Inhalt, möglichst 
packend vorführen könne. Es ist nicht einfache Naivi¬ 
tät der alten Zeit, wenn er die heilige Geschichte im 
Gewand seiner Zeit darstellt: gelegentlich greift er 
auch zur fremdländischen, phantastischen Tracht. In 
diesem Blatt aber will er den Stimmungsinhalt der Be¬ 
gebenheit nachdrücklich dem Betrachter auf die Seele 
binden, und daher versetzt er, als zeitlich erster, ab¬ 
sichtlich die Begebenheit in die eigne Zeit. Technisch 


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REMBRANDT VAN RIJN, DIE GEBURT CHRISTI 


Zum Artikel: 

Prof. Dr. Hans W. Singer , Weihnachten in der graphischen Kunst 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


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& Härtel, Leipzig 





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Zum Artikel: 

Prof. Dr. Hans W. Singer, Weihnachten in der graphischen Kunst 


ilnge zum Archiv fir B&kfcfewerte 


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Albrecbi Dürer, Die Anbetung der Heiligen drei Könige (Holzschnitt) 


ist das herrliche Blatt 
eines seiner Meister¬ 
stücke mit dem Stichel: 
ausdrucksvoll und weit¬ 
gehend in der Behand¬ 
lung, doch nicht bis zu 
jenem Grad der Eleganz 
durchgeführt, bei dem 
derStichelinSpielereien 
verfällt. 

Dürers größte Kraft 
hat sich wohl in seinen 
Holzschnitten offenbart. 

Hier bewahrte er sich 
stets das Feingefühl für 
die Grenzen eines rei- 
nenStils. Manmuß diese 
Erwägung auch zum 
Ausgangspunkt nehmen, 
wenn man so ein Blatt 
wie die Anbetung der 
Könige betrachtet. An 
seinen Typen, an seinen 
Formen und Bewegun¬ 
gen überhaupt, wird 
mancher Laie leicht 
stoßen, das taten wohl 
schon mitunter die Zeit¬ 
genossen. Aber wie er 
mit reifer Überlegung 
dasVerhältnis derStrich- 
stärke zur Anlage der 
Komposition und Größe 
des Blattes bestimmt, 
wie er sorgfältig das 
Papierweiß gegen die 
Linien und schwarzen 
Flecken abwägt, vor 
allem wie er stets der 
Entstehungsart seiner 
Arbeit Rechnung trägt 
und von demHolzschnei- 
dernurdas verlangt, was 
dessen Werkzeug von 
selbst hergibt, in einem Wort sein Stilgefühl, das 
ist es, worin ihm wenige gleich kamen und worin nie¬ 
mand ihn übertreffen konnte. Im Holzschnitt hat er 
sich nie durch unverstandene realistische Neigungen, 
noch durch manierierte Willkür irre leiten lassen. Auch 
unser Blatt ist der zufälligen Beziehungen bar, und 
dennoch schön mit menschlich empfundenen Zügen 
ausgestattet, wie z.B. dem drolligen Hineingreifen des 
Christkindes in das Schatzkästlein. 

Die merkwürdige Radierung Glaubers nach einer 
Zeichnung G. Lairesses liegt weltenweit von den bis¬ 
her betrachteten Bildern getrennt. Es hat sich unter¬ 


dessen ein neuer Zug in die Kunstübung einge¬ 
schlichen, -— das Zurückgreifen auf ältere Vorbilder. 
Die Frau mit dem Korb auf dem Kopf ist eine unmit¬ 
telbare Anlehnung an R. Santi; die ganze Komposition, 
die nach 1660 entstanden ist, geht auf Vorbilder der 
italienischen Hochrenaissance zurück. Doch ist nicht 
etwa bloß der Fall eingetreten, daß dem Künstler ein¬ 
mal eine ältere Figur oder Gruppe imponiert hätte, 
die er einfach frisch und unbesorgt neu verwendet. 
Der Hintergedanke ist vielmehr der, daß der Be¬ 
trachter in vollem Bewußtsein an die ältere Kunst er¬ 
innert werden soll. Man soll nicht nur das Werk als 


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gut empfinden, man soll das Gefühl haben, daß in 
ihm die alte große Kunst wieder auflebt. Der ganze 
Vorgang beruht auf Überlegung aus zweiter Hand. 
Dem entspricht auch der durch und durch manierierte 
Vortrag, der die Modellierung mittels nur einer Strich¬ 
lage, das Bild gleichsam wie unter einem Schleier, 
entstehen läßt. Diesen Einfall haben viele Leute 
gehabt, und er taucht, nachdem er in Vergessen¬ 
heit geraten ist, immer wieder an neuer Stelle 
auf, — auch in unsern Tagen. Aber bei jeder 
Wiederholung geht etwas von der Wirkung, die sich 
im letzten Grund auf die Überraschung stützt, ver¬ 
loren. Sehen wir das erste Werk eines solchen 
Künstlers, so erstaunen wir ob seiner Geschick¬ 
lichkeit; sehen wir das zwanzigste, so langweilt sie 
uns. 

Unter den Künstlern vergangener Zeiten steht uns 
Rembrandt am nächsten. Er scheint alles in sich zu 
vereinigen, wonach wir uns sehnen und wohin wir 
uns durcharbeiten möchten. Ein starkes Gefühls¬ 


leben, von aller Sentimentalität frei; eine stolze Über¬ 
zeugung von der Würde seiner Kunst, die keinen pro¬ 
fanierenden Wünschen Gehör schenkt; ein Verfolgen 
höchster, geläutertster Ideale, deren Verständnis nur 
dem tätigen, ernsten und freien Geist gegeben ist. 
Das alles entrückt sein Werk dem Genuß gewöhn¬ 
licher Sterblicher, die ja nicht ohne weiteres seine 
Höhen erklimmen können. Da kommt ihnen die edle 
Menschlichkeit Rembrandts zu Hilfe, und sie ist der 
gemeinsame Boden, auf dem er sich auch mit dem 
Mann aus dem Volke zusammenfindet. Auch ihm gab 
ein Gott zu sagen, was er leide, und er hat gelitten, 
alles, dessen die menschliche Seele fähig ist, von der 
höchsten Freude bis zum tiefsten Schmerz. Der Blick, 
den Maria auf unserm Bild aus ihrer armseligen Um¬ 
hüllung dem Kind zuwirft, die innige Bewegung, mit 
der sie es an sich drückt, verraten sie nicht ein sen¬ 
sibles Gemüt, das auf die allerfeinsten, allermensch¬ 
lichsten Regungen mit unbeschreiblichem Mitgefühl 
reagiert? 


Die Papierfabrikation im Jahre 1906 

Von Dr. PAUL KLEMM, Gautzsch bei Leipzig. 


D IE Papierfabrikation sieht auf ein Jahr regsten 
| Schaffens zurück, noch regeren wie im Jahre 
vorher, und selbst Schwarzseher können zur¬ 
zeit für ihre Befürchtungen einer ungünstigen Wand¬ 
lung der Absatzverhältnisse kaum Gründe angeben, 
die überzeugend wirken, sondern nur die allgemeinen, 
daß auf Zeiten guten Geschäftsganges noch immer 
wieder einmal schlechte gefolgt sind, und daß man, 
da es der Industrie schon längere Zeit gut gegangen 
sei, sich nun jeden Augenblick auf den Rückschlag 
gefaßt machen müsse. 

Daß die Absatzverhältnisse in der Papierindustrie 
so günstig waren, steht natürlich in Zusammenhang 
mit der außerordentlich lebhaften allgemeinen Ge¬ 
schäftstätigkeit, die jetzt in allen Kulturländern 
herrscht. Man geht wohl nicht fehl, wenn man dies 
mit der Tatsache in Verbindung bringt, daß wir in 
einer Periode der Ausbreitung der europäischen Kul¬ 
tur auf bisher noch nicht erschlossene ausgedehnte 
Länder der Erde leben und daß diese Periode sich 
keineswegs ihrem Ende zuneigt, sondern erst beginnt, 
allerdings nachdem diese Keime der Kultur mit man¬ 
chem Tropfen Schweiß und manchem Tropfen Blut 
gedüngt worden sind. Die modernen Verkehrsmittel, 
für die keine Entfernung mehr zu weit und keine Last 
mehr zu groß ist, ermöglichen heute Beziehungen im 
dunkelsten Afrika und im tiefsten Innern Asiens an¬ 
zuknüpfen und aufrecht zu erhalten, an die man noch 
vor einigen Jahren kaum als nahe bevorstehend 
denken konnte, sie ermöglichen, Länder dem wirt¬ 
schaftlichen Verkehr zu erschließen, mit denen Be¬ 


ziehungen anzubahnen man bis vor kurzem kaum ein 
andres als etwa wissenschaftliches Interesse hatte. 
Auch wenn diese Erschließung ohne wesentliche 
Störungen verläuft, wird sie in den alten Kultur¬ 
ländern auf lange Zeit hinaus manche Hand und man¬ 
che Kraft beschäftigen. Deshalb dürfte auch die 
günstige Konjunktur sich sobald nicht ändern, es 
müßte denn der friedliche Wettbewerb der Kultur¬ 
bringer in einen kriegerischen ausarten. 

Papier spielt bei diesem regen Leben des großen 
Weltverkehrs und der Lösung der weltwirtschaft¬ 
lichen Aufgaben, an denen unsre Zeit arbeitet, eine 
große Rolle; vom ersten Plane bis zur Verwirk¬ 
lichung einer Schöpfung ist es unentbehrlich und 
bleibt auch zur Aufrechterhaltung unentbehrlich. 

In dieser Entwicklung der Dinge ist es begründet, 
daß die Absatzverhältnisse so günstig waren und ge¬ 
blieben sind, trotzdem die erzeugten Papiermengen 
jedenfalls sehr gewachsen sind, besonders in solchen 
Papierindustrieländern,die über noch unerschlossene 
Rohstoffquellen verfügen. Tatsache ist, daß zahlreiche 
neue Betriebe ihre Tätigkeit aufgenommen und zahl¬ 
reiche bestehende ihre quantitative Leistungsfähigkeit 
erweitert haben. Da von Übererzeugung nirgends die 
Rede ist, muß der Bedarf also in etwa gleichem Maße 
zugenommen haben. 

Durch diese allgemein günstigen Absatzverhältnisse 
haben die Wettbewerbskämpfe an Schärfe verloren 
und bewirken, daß die Fabriken sich mehr und mehr 
auf die Erzeugung solcher Papiere beschränken 
können, für deren Herstellung sie besonders befähigt 


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sind, sei es aus Gründen, die in der Lage der Fabrik, 
den von der Natur gebotenen Bedingungen, den 
Einrichtungen oder der Erfahrung des Fabrikanten 
liegen. 

Diese Arbeitsteilung ist aber in gleicher Weise für 
die Erzeuger wie auch die Abnehmer einer Ware 
günstig. Sie erleichtert die Verständigung, die Gewähr 
für die Sicherheit der Erfüllung besonderer Anfor¬ 
derungen wird erhöht, ohne daß viele Auseinander¬ 
setzungen nötig wären. 

Der Wegfall banger Sorgen um den Absatz ermög¬ 
licht aber nicht nur die Fürsorge und Disposition auf 
längere Zeit hinaus, er drängt geradezu auf diese hin 
und bringt damit Stetigkeit in die geschäftlichen Be¬ 
ziehungen zwischen dem Rohstofflieferanten und 
Papierfabrikanten so gut wie zwischen diesem und 
seinen Abnehmern. Und gerade das ist eine sehr heil¬ 
same Wirkung. 

Für den Austausch der Papierfabrikate auf dem 
Weltmärkte wird das handelsgeschichtliche Ereignis 
des Jahres 1906, das Inkrafttreten der neuen Handels¬ 
verträge zwischen wichtigen europäischen Industrie¬ 
ländern gewiß nicht ohne Verschiebungen zugunsten 
deseinenoderandern der Vertragsstaaten bleiben. Für 
die deutsche Papierfabrikation, die mit ihrer 1 Million 
Tonnen jährlich wahrscheinlich nun übersteigenden 
Erzeugung in der alten Welt an erster Stelle steht 
und ein Ausfuhrbedürfnis für etwa den vierten Teil 
ihrer Erzeugung besitzt, bargen die Zollverträge von 
vornherein manche Bedenken. Gewiß wäre es ver¬ 
früht, jetzt, nachdem die Verträge noch nicht 1 Jahr 
in Kraft sind, ein allgemeines Urteil über die Wirkung 
zu Fällen, das wird erst möglich sein, wenn die Ab¬ 
satzverhältnisse auch einmal weniger günstig gewesen 
sind wie in letzter Zeit. Aber mit Befriedigung ist 
doch zu erkennen, daß die Verträge im großen Ganzen 
die Weiterentwicklung der deutschen Papierausfuhr 
nicht zu verhindern vermocht haben. Gewiß ist aber 
auch bereits, daß einzelne Zweige schwer gelitten 
haben. Besonders ist die Fabrikation höherer Wert¬ 
stufen von Packpapieren von den Schädigungen be¬ 
troffen worden, da alle Packpapiere, mögen sie im 
Werte noch so verschieden sein, mit dem gleichen 
niedrigen Eingangszoll von 3 Mark belegt sind, so daß 
es dem über wohlfeiles Holz und günstigere Fabrika¬ 
tionsbedingungen verfügenden Auslande möglich ist, 
die deutschen Fabrikate in Deutschland zu unter¬ 
bieten. 

Scherereien bei der Zollbehandlung und willkür¬ 
liche egoistische Auslegungen der Vereinbarungen 
sind auch nicht ausgeblieben, so z. B. erhebt Öster¬ 
reich auf die billigen, dem Pergamentpapier äußer¬ 
lich ähnlichen glasigen Zellstoffpapiere (Pergamyn, 
Pergamentersatz) den gleichen sehr hohen Eingangs¬ 
zoll (15 Kronen) wie auf echtes Pergamentpapier. 
Im Absatz nach außen behindert, beim Absatz im 


Inlande durch das Ausland bedroht, sieht der keines¬ 
wegs unbedeutende Zweig der Fabrikation glasiger 
Zellstoffpapiere schweren Zeiten, vielleicht seiner 
völligen Lahmlegung in Deutschland entgegen. 

Die außer den am 1. März in Kraft getretenen 
Handelsverträgen seither noch getroffenen zollpoli¬ 
tischen Vereinbarungen haben der deutschen Papier¬ 
fabrikation keine sonderlichen Vorteile gebracht, so 
der mit Bulgarien. Der Vertrag mit Schweden aber 
erleichtert den schwedischen Zellstoffpapieren sehr 
zum Schaden der deutschen Fabrikation die Einfuhr. 
Die deutsche Papierausfuhr nach den Vereinigten 
Staaten von Nordamerika, die bisher bis zu 60 Prozent 
der amerikanischen Papiereinfuhr ausmachte, hat 
durch das Handelsprovisorium nichts gewonnen als 
Versprechungen der Abschaffung einiger unerträg¬ 
licher Scherereien, obwohl Amerika die niedrigen 
deutschen Vertragszollsätze zugestanden worden sind. 

Der spanische Markt würde aber, wenn es nicht 
gelingt, ganz bedeutende Ermäßigungen seines auto¬ 
nomen Tarifs durch den in Vorbereitung begriffenen 
Vertrag zu erreichen, so gut wie völlig für Deutsch¬ 
land verloren gehen. 

Die prohibitiv wirkenden Zölle Österreichs für viele 
Waren der Papierverarbeitung machen sich natürlich 
auch in den Zweigen der Papier- und Pappenfabrika¬ 
tion unangenehm bemerkbar, vondenen solche Waren 
hergestellt werden, die der Papierverarbeitung als 
Rohstoff dienen. 

Daß die Nachteile der Zollverträge sich nicht noch 
mehr äußern, ist wahrscheinlich den allgemein gün¬ 
stigen Absatzverhältnissen zu danken. 

Sehr zufrieden darf die deutsche Papierindustrie 
damit sein, daß über die Schutzzollbestrebungen Eng¬ 
lands die Entscheidung im Sinne einer Ablehnung 
gefallen ist. Hier stand sehr viel auf dem Spiele, da 
England Deutschlands bester Abnehmer von Papief 
ist; bezog es doch in den letzten Jahren für mehr als 
30 Millionen M. Papier von uns. 

Über das Gedeihen einer Industrie entscheiden aber 
nicht die Absatzverhältnisse allein. Nicht minder 
wichtig ist die Rohstoffversorgung. 

In bezug auf diese bringt die Entwicklung der Ver¬ 
hältnisse immer mehr Verteuerungen und Erschwe¬ 
rungen. So gut wie ausnahmslos haben die wichtigsten 
Roh- und Hilfsstoffe und die Halbstoffe Verteuerungen 
erfahren. Lumpen, Holz, Stroh, die Faserhalbstoffe 
aus diesen Rohstoffen sind teurer geworden, auch der 
wichtigste Leimungskörper, das Harz, und der wich¬ 
tigste Füllstoff, die Porzellanerde. 

Ein merkwürdiger und teilweise erbitterter inter¬ 
nationaler Kampf ist in diesem Jahre um die Lumpen 
ausgefochten worden, denen man im Zeitalter der 
Vorherrschaft des Holzes als Hauptfaserstoffquelle 
lange kaum mehr besondere Beachtung geschenkt 
hatte. Der Aufkauf europäischer Lumpen durch die 


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Vereinigten Staaten hatte nicht nur eine Lumpen¬ 
teuerung, sondern selbst einen empfindlichen Lum¬ 
penmangel heraufbeschworen, so daß in Frankreich 
und in Deutschland das Verlangen nach einem Lum¬ 
penausfuhrzoll auftauchte. In Deutschland schien es 
anfänglich, als sollte dem Verlangen von der Re¬ 
gierung Folge gegeben werden, die Entscheidung ist 
schließlich doch nach einer überaus heftigen Polemik 
der Interessenten Amerikas die Ablehnung des Lum¬ 
penausfuhrzolls gewesen. In Frankreich ist die Ent¬ 
scheidung noch nicht erfolgt, man scheint aber auch 
dort gegen die Einführung des Ausfuhrzolls Bedenken 
zu haben. Die Folge ist natürlich eine dauernde Er¬ 
höhung der Lumpenpreise. 

Auch die von Holz gewonnenen Halbstoffe sind in¬ 
folge der regen Nachfrage, zu der noch hinzugekom¬ 
men ist, daß die skandinavischen Länder infolge von 
Wassermangel, der in manchen Gegenden seit dem 
Frühjahr angehalten, die Herbeischaffung des Holzes 
durch Flößen und den Betrieb durch Einschränkung 
der Wasserkräfte erschwert hat, im Preise gestiegen. 
Bei Holzzellstoff ist wahrscheinlich der Umstand nicht 
mehr ohne Einfluß, daß auch die Entwicklung der 
Fabrikation von Zellstoffgespinsten und -Geweben 
jetzt bereits täglich gegen 10 000 kg, also im Jahr 
etwa 3 Millionen Kilo Zellstoff beansprucht. 

Die Verteuerung des Harzes ist auf Preistreiberei 
des Ringes der amerikanischen Harzhändler zurück¬ 
zuführen, der den Markt so vollkommen beherrscht, 
daß man dagegen machtlos ist, so lange nicht ander¬ 
weitig Ersatz geschafft worden ist, wofür vorläufig 
wenig Aussicht ist. Die von der Papierfabrikation 
verwendeten Harzmengen spielen aber keineswegs 
eine unbedeutende Rolle, denn schon zu Druckpapieren 
werden 1 bis2 Prozent Harzleim gebraucht, zu Schreib¬ 
papieren aber bis 5 Prozent. 

Die zu erwartende Verteuerung des wichtigsten 
Füllstoffes, des Kaolins, hängt mit dem Zusammen¬ 
schluß der kontinentalen Lieferanten zu einer Ver¬ 
kaufsvereinigung, die ihren Sitz in Dresden hat, zu¬ 
sammen. 

Aber nicht allein die Bestandteile des Papiers sind 
teurer geworden, sondern auch die Betriebsmittel, 
wie überhaupt die Fabrikationskosten, soweit diese 
von dem Verbrauch unterworfenen Substanzen und 
von den Arbeitslöhnen abhängen. 

Unter den Betriebsmitteln ist besonders die Ver¬ 
teuerung der Kohle von Belang, dieses wichtigen 
Kraftspenders, dessen Konto auch in der Papierfabri¬ 
kation eine Hauptrolle spielt. Die dem oft raschen 
Verbrauch unterworfenen Drahtsiebe und Filze sind 
gleichfalls im Preise gestiegen. 

Hierzu kommt noch das stetige Steigen der Arbeits¬ 
löhne, für welches das Heraufrücken des von der Be¬ 
rufsgenossenschaft ermittelten Durchschnittlohns den 
Beweis liefert. Zum Glück sind die Lohnerhöhungen 


in der Papierfabrikation nicht durch Streikbewegungen 
erkämpfte, sondern auf friedlichem Wege erlangte. 
Überhaupt erfreut sich die Papierfabrikation im all¬ 
gemeinen noch immer eines guten Verhältnisses 
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zum Teil 
mag dazu der Umstand beitragen, daß die Papier¬ 
industrie nicht eine Industrie der großen Städte ist, 
zum Teil auch die Gepflogenheit der Papierfabrikan¬ 
ten, für allerhand Wohlfahrtseinrichtungen nach Kräf¬ 
ten zu sorgen. Hetzerische Agitation ist allerdings 
auch hier am Werke und hat es in diesem Jahre doch 
auch fertig gebracht, in mehreren deutschen Papier¬ 
fabriken allerdings bald unterdrückte Arbeitsein¬ 
stellungen anzustiften. 

Die für das Gedeihen einer Industrie so wichtigen 
Hauptfaktoren des Rohstoffbezuges und der Arbeits¬ 
bedingungen lagen also weit weniger günstig wie die 
Absatzverhältnisse und haben im letzten Jahre eine 
Verschiebung zu Ungunsten erfahren. Die Erzeu¬ 
gungskosten des Papiers sind dadurch wesentlich 
gestiegen. Die Marktpreise dagegen sind dies nicht 
oder nicht in einem der Erhöhung der Erzeugungs¬ 
kosten entsprechenden Maße. Die Papierfabrikation 
arbeitet demnach mit einem immer enger werdenden 
Spielraum zwischen Erzeugungs- und Marktpreisen. 
Daß die letzteren trotzdem und trotz der nun zwei 
Jahre bestehenden starken Nachfrage sich nicht haben 
entsprechend erhöhen lassen, ist eine volkswirtschaft¬ 
lich bemerkenswerte Erscheinung, die beweist, daß 
das Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot auch 
einmal für lange Zeit nicht von bestimmendem Ein¬ 
fluß auf den Preis sein kann. 

Hohe Gewinne wirft unter diesen Verhältnissen 
die Papierfabrikation nicht ab, zumal fortwährend 
neues Kapital in die Anlagen hineingesteckt werden 
muß, um mit den Neuanlagen, die von vornherein 
mit allen Errungenschaften der rastlos fortschrei¬ 
tenden Technik arbeiten, gleichen Schritt halten zu 
können. 

Noch vor einem Jahrzehnt würde wahrscheinlich 
ein so enger Spielraum zwischen Erzeugungskosten 
und Marktpreis für eine ganze Reihe von Fabriken 
verhängnisvoll geworden sein. Daß man jetzt bei 
demselbenbestehenkann, ist hauptsächlich dem hohen 
Stande der Technik zu verdanken, die in letzter Zeit 
besonders darauf hingearbeitet hat, die Arbeitsge¬ 
schwindigkeit und die Sicherheit des ununterbroche¬ 
nen Arbeitens gerade solcher Papiermaschinen zu er¬ 
höhen, die billige Massenpapiere herstellen. Das 
verlangt höchste Präzision des Arbeitens, denn bei 
jeder Störung türmen sich die Ausschußmassen zu 
gewaltigen Bergen an. 

Es ist noch nicht lange her, daß man bei uns stau¬ 
nend die Kunde vernahm, es würde drüben im Lande 
der unbegrenzten Möglichkeiten mit Arbeitsgeschwin¬ 
digkeiten von 120 m und mehr in der Minute gearbeitet. 

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Heute werden in Deutschland Papiermaschinen ge¬ 
baut, die bei 3 m Siebbreite mit einer Geschwindig¬ 
keit von 160 m in der Minute zu arbeiten imstande 
sind. Bei ununterbrochener Arbeit würde eine solche 
Maschine in einer Stunde ein Band von 9,6 km Länge, 
in einem Tage von 230km, in einem Jahre (zu 300Tagen 
gerechnet) von 69 120 km Länge erzeugen. Ein sol¬ 
ches Papierband würde dazu reichen, die Erde von 
Pol zu Pol 1,7 mal zu umwickeln. Bei 3 m Arbeits¬ 
breite würde die in anderthalb Jahren erzeugte Papier¬ 
fläche (311 qkm) annähernd genügen, um das Fürsten¬ 
tum Reuß ä. L. (316 qkm) mit Papier zu bedecken. 

Weiter hat aber die Technik besonders auf mög¬ 
lichste Vermeidung von Stoffverlusten hingearbeitet 
durch Vorrichtungen, die aus dem von der Papier¬ 
maschine abfließenden Wasser die festen Bestandteile 
zurückhalten. So arbeitet die Technik unablässig, um 
die Einrichtungen aufs äußerste ausnutzbar zu ge¬ 
stalten, die Arbeit zu verbilligen und die Ausbeute zu 
erhöhen, und die Papierfabrikation muß es sich unter 
den obwaltenden Verhältnissen angelegen sein lassen, 
von den Errungenschaften derTechnik möglichst rasch 
Nutzen zu ziehen; das ist Existenzfrage geworden. 

Wenn man die an dieser Stelle gewiß noch ange¬ 
brachte Frage aufwirft, ob das verflossene Jahr Neu¬ 


heiten von Papieren gebracht hat, die das Buch¬ 
gewerbe angehen und einen besonderen Fortschritt für 
dieses bedeuten, so ist über derartige Leistungen 
recht wenig zu berichten; ich wüßte als wirkliche 
Neuheit nur ein Erzeugnis der Ersten deutschen 
Kunstdruck-Papierfabrik von Scheufeien in Oberlen¬ 
ningen zu nennen, nämlich ein mattes Kunstdruck¬ 
papier: „ Glanzlos Phönix-Kunstdruck“ . Einige Druck¬ 
proben in den Schweizer Graphischen Mitteilungen 
(25. Jahrgang, Heft 1/2) bringen mehrere landschaft¬ 
liche Autotypiebilder, die auf diesem völlig matten 
gelblich getönten Papiere von hoher künstlerischer 
Wirkung sind und Lichtdrucken sehr ähneln. Das 
Papier dürfte sich für feine Illustrationsdrucke, die 
schonender Behandlung gewiß sein dürfen, bald Bahn 
brechen. Den Fortschritt wird niemand in Abrede 
stellen, der darin liegt, zu einem nicht spiegelnden 
Kunstdruckpapier greifen zu können. 

Die Papierindustrie hat in diesem Jahre sich 
als ungemein rührige und schaffensfrohe Industrie 
erwiesen, die bei keineswegs glänzendem Gewinn 
und durchaus nicht besonders günstigen Arbeitsbe¬ 
dingungen, allerdings bei ungehindertem Absatz, zu 
bestehen und sich gesund weiter zu entwickeln ver¬ 
mochte. 


Die Druckfarbenfabrikation im Jahre 1906 

Von Dr. L. DORN, Stuttgart. 


D AS Streben der Farbenfabriken war im ver- 
| flossenen Jahre ganz besonders und noch 
mehr als in früheren Jahren darauf gerichtet, 
die Schnelligkeit des Trocknens der schwarzen Buch¬ 
druckfarben von den billigsten Zeitungsfarben bis zu 
den teuersten Illustrationsfarben zu erhöhen, ohne die 
Farben in der Weise nachteilig zu beeinflussen, daß 
dieselben auf die Walzen trocknen und dort Krusten 
bilden. Wir haben heute schwarze Farben, die in 
bezug auf Schnelligkeit des Trocknens alle älteren 
Produkte ganz bedeutend übertreffen; was dieNuance 
dieser Farben betrifft, so werden immer noch die 
ausgesprochen blaustichigen Farben bevorzugt. Auch 
in bezug auf die Ausgiebigkeit und Druckfähigkeit 
der schwarzen Farben sind erfreuliche Fortschritte 
zu verzeichnen. Dies ist um so mehr anzuerkennen, 
als die Rohstoffe, welche speziell zur Herstellung der 
Zeitungsfarben dienen, im verflossenen Jahre noch 
weiter gestiegen sind, so daß von einem Nutzen bei 
diesem billigen Massenartikel, der doch den höchsten 
Anforderungen genügt, welche die gesteigerte Ge¬ 
schwindigkeit der Rotationspressen stellt, nicht mehr 
gesprochen werden kann. 

Bei den Illustrationsfarben wird meistens noch auf 
einen ausgesprochenen Glanz gesehen, doch bricht 
sich daneben eine neue Richtung, welche nach matten 

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Farben verlangt, Bahn. Ganz besonders werden sol¬ 
che für matte Papiere verlangt, so z.B. für das glanz¬ 
lose Kunstdruckpapier, das die Firma C. Scheufeien, 
Oberlenningen neben ihrem glänzenden PhÖnix- 
Kunstdruckpapier seit einiger Zeit fabriziert. 

Unter den bunten Farben sind es — wie auch 
ein Blick in die Beilagen der Fachzeitschriften zeigt 
— ganz besonders die Drei- und Vierfarbendruck¬ 
farben, deren Verbesserung die Farbenfabriken un¬ 
ausgesetzt ihre größte Aufmerksamkeit zuwenden.*) 
So bleiben namentlich einzelne Fabriken unausgesetzt 
bemüht, die Lichtechtheit ihrer Drei- und Vierfarben¬ 
druckfarben zu erhöhen. Von andrer Seite wird auf 
die Lichtechtheit dieser Farben gar keine Rücksicht 
genommen; so werden zum Beispiel für den Zander- 
schen Komplementärfarbendruck die Farben: Gelb, 
Violett, Grün und Rot in solchen Nuancen empfohlen, 
die zum Teil sich bis jetzt noch nicht lichtecht her'- 
stellen lassen. Neben den hochfeinen aber teuren 
Produkten, wie sie die Reproduktion von Gemälden 
und andern Kunsterzeugnissen verlangt, müssendem 

*) Ein knappes, aber klares Bild von der Entwicklung und 
der heute hauptsächlich geübten Durchführung des Drei¬ 
farbendruck-Verfahrens gibt die Abhandlung von Prof. 
Arthur W. Unger, siehe Archiv für Buchgewerbe Heft 7, 
Seite254 u. ff., Heft8, Seite 293 u. ff. und Heft 9, Seite333 u. ff. 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Bedürfnis derjenigen Druckereien entsprechend, 
welche billige Postkarten, Katalogarbeiten u. dgl. her- 
stellen, auch weniger feine und doch gut druckende 
billige Drei- und Vierfarbendruckfarben erzeugt 
werden. Da gegenwärtig die alte Reihenfolge im Drei¬ 
farbendruck: Gelb, Rot und Blau häufig nicht einge¬ 
halten wird, so könnte die Aufgabe des Farbenfabri¬ 
kanten, etwas Zweckentsprechendes zu liefern durch 
Angabe der Reihenfolge, in welcher die Farben je¬ 
weils gedruckt werden sollen, erleichtert werden. 

Die Anwendung der Doppelton-*) (Biton, Metaton 
usw.) Farben ist, trotzdem diese Farben von ver¬ 
schiedenen Fabriken im vergangenen Jahre weiter 
verbessert wurden, im Rückgang begriffen, und wo 
es der Preis gestattet wird die Duplexautotypie vor¬ 
gezogen. 

Auch das vergangene Jahr hat die Zahl der licht¬ 
echten**), aus Teerprodukten gewonnenen bunten 
Farben vermehrt, namentlich sind hier zu nennen 
einige vorzüglich druckende und dabei in der Echt¬ 
heit den Krapplacken kaum nachstehende rote Far¬ 
ben wie Echtkarmin, Phänomenrot, Verbenalack L 
u.a., sowie einige Braunlacke (siehez.B. diein diesem 
Heft enthaltene Beilage von Photographiebraun). 

Die hohen Metall-, namentlich die Bleipreise, wel¬ 
che sich der Buchdruckerwelt bei Beschaffung ihres 
Metallbedarfs für Schriften usw. im verflossenen 
Jahre sehr fühlbar machten, haben auch die Her¬ 
stellungskosten der meisten bunten Farben erhöht 
(vor allem gilt dies für die eigentlichen Bleifarben, 
wie Kremserweiß und Chromgelb), so daß die Far¬ 
benfabriken angesichts der hohen Preise für die 
Rohmaterialien wohl bei einzelnen Farben genötigt 
sein werden, Preiserhöhungen eintreten zu lassen. 
Andererseits erscheint es für den Buchdrucker ange¬ 
sichts der hohen Metallpreise angezeigt, nur gute, 
ausgiebige, erstklassige Farben zu verwenden, durch 
welche das Druckmaterial weniger angegriffen wird 
als durch manche billige Farben. Abgesehen davon, 
daß diese billigsten Farben selbstverständlich in 
der Ausgiebigkeit den teuren bedeutend nachstehen, 
haben sie häufig einen größeren Verbrauch an Schrif¬ 
ten und Klischees zur Folge. 

*) Wir möchten nicht unterlassen, auf die für jeden In¬ 
teressenten sehr beachtenswerte Abhandlung über Doppel¬ 
tonfarben von M.Müller im Archiv für Buchgewerbe, Heft 2 
dieses Jahrgangs, Seite 58 u. ff. hinzuweisen. 

**) Über die Lichtbeständigkeit der Druckfarben von 
Dr. Rübenkamp s. Archiv für Buchgewerbe Heft 8, Seite 301, 
und über die Echtheit der Druckfarben von Dr. L. Dorn 
s. Jahrbuch für das lithographische Gewerbe von C. Kluth. 


Beim Druck von farbigen Umschlagpapieren wer¬ 
den sehr häufig gewöhnliche Buchdruckfarben ver¬ 
wendet, die auch in manchen Fällen einen guten 
Effekt ergeben. Essei aber an dieser Stelle daraufhin¬ 
gewiesen, daß sich für diesen Zweck die eigentlichen 
Umschlagfarben, wie sie von vielen Farbenfabriken 
hergestellt werden, wegen ihrer größeren Deckkraft 
besser eignen und daher den Vorzug verdienen. 

Das gleiche kann von den Farben für Zink- und 
Aluminiumdruck gesagt werden; auch hiefür werden 
in der Regel die gewöhnlichen lithographischen Far¬ 
ben gebraucht, obschon von einzelnen Firmen Spe¬ 
zialfarben für Metalldruck gemacht werden, mit 
welchen ein besseres Druckergebnis als mit den ge¬ 
wöhnlichen Steindruckfarben erzielt wird*). 

Die angeriebenen Gold- und Silberfarben finden 
häufig noch nicht die ihnen gebührende Beachtung, 
obschon auch diese Farben in letzter Zeit von ein¬ 
zelnen Farbenfabriken ganz bedeutend verbessert 
wurden. Bei richtiger Anwendung läßt sich mit die¬ 
sen Farben in sehr vielen Fällen ein vorzüglicher 
Druckeffekt erzielen. Für zarte Einfassungen, Auto¬ 
typien u. dgl. sind sie allerdings nicht geeignet, 
wohl aber für den Druck von Flächen und derben 
Linien. Besonders wirkungsvoll machen sich die 
angeriebenen Bronzen, wenn sie auf farbige Pa¬ 
piere gedruckt werden. Das allgemeine Verlangen, 
das Trocknen der Druckfarben zu beschleunigen, hat 
auch im verflossenen Jahre wieder eine ganze Reihe 
von verschiedenen Mitteln, welche diesem Zwecke 
dienen sollen, in den Handel gebracht, die zum 
Teil als Sikkative bezeichnet, zum Teil mit den ver¬ 
schiedensten Phantasienamen belegt werden. Bei 
ihrer Verwendung ist größte Vorsicht anzuraten, 
da nicht alle diese Erzeugnisse zweckentsprechend 
zusammengesetzt sind. Jedenfalls fährt der Kon¬ 
sument im allgemeinen besser, wenn er seine 
Trockenmittel auch von der Farbenfabrik bezieht, 
welche ihm die Farben liefert. Diese wird gegebe¬ 
nenfalls auch in der Lage sein, Anhaltspunkte darüber 
zu geben, wieviel Trockenstoff der einen oder andern 
Farbe zuzusetzen ist. Ebenso werden zum Verdünnen 
der Farben oft die sonderbarsten und geradezu schäd¬ 
lichen Mittelchen mit einem großen Aufwand von 
Reklame empfohlen; daher ist auch hier größte Vor¬ 
sicht am Platze. In der Regel wird, wenn eine Farbe 
etwas zu stark ist, ein Zusatz von schwachem Leinöl¬ 
firnis das allerbeste und zugleich das billigste sein. 

*) Über das Zinkdruckverfahren Dr. Streckers s. die 
Abhandlung von Langbein, Archiv für Buchgewerbe, Heft 2, 
Seite 42 u. ff. 


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= ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE = 

Der Buchdruck im Jahre 1906. 

Von k. k. Regierungsrat GEORG FRITZ, Wien. 


D AS abgelaufene Jahr scheint wirtschaftlich ge- 
| rade nicht zu den schlechtesten zu zählen, 
freilich liegt noch immer nicht die geringste 
Ursache vor, mit demselben zufrieden zu sein. Die 
Wettbewerbsverhältnisse treten noch immer in den 
schroffsten Formen zutage, die Preisschleuderer 
mehren sich und manchmal treten sie aus Kreisen 
hervor, in denen man sie nie vermutet haben würde. 
Diese Vorgänge sind unsres Gewerbes unwürdig und 
sind auch unmoralisch, obwohl in vielen Fällen 
schlechtverstandener Selbsterhaltungstrieb oder ein 
andrer Urteilsdefekt zu denselben führen mag. 
Zweifellos weisen diese Vorgänge darauf hin, daß 
etwas krank ist im Gewerbe. Diese Krankheit be¬ 
steht aber nicht immer in dem zeitweiligen Mangel 
an genügender Beschäftigung, sondern wird vielfach 
durch ganz andre und mitunter recht häßliche Ur¬ 
sachen hervorgerufen. Die Preise der unabweis- 
lichsten Lebensbedürfnisse haben eine schwindelnde 
Höhe erreicht, damit auch die direkten Abgaben 
an den Staat, der Buchdrucker aber hat sich im 
selben Maße nicht schadlos halten können, und die 
mitunter vorgenommenen bescheidenen Preissteige¬ 
rungen Einzelner werden beinahe mehr als wett ge¬ 
macht durch die Unterbietungen andrer. Dies ist ja 
keine neue Erscheinung, sie drückt unser Kunstge¬ 
werbe schon lange Zeit, und eine große Summe von 
Geist und Kraft wurde schon nutzlos aufgewendet, 
um für dieses Übel Abhilfe zu finden. Bis jetzt 
leider vergeblich. Das Arkanum für einen engen 
festen Zusammenschluß aller beteiligten Kreise, wo¬ 
bei dem Mute des Einzelnen: liebereine Arbeit nicht 
herzustellen, als ohne genügenden Gewinn oder gar 
mit Verlust, eine besondere Rolle zufällt, ist eben 
noch nicht gefunden. Jede engere Vereinigung unsrer 
Berufsgenossen ist vorteilhaft und ist ein Steinchen 
mehr zum Ausbau des wirtschaftlichen Gedeihens 
unsres Gewerbes. Daran haben beide Parteien, um 
bei dem Sprachgebrauch zu bleiben, Arbeitgeber und 
Arbeitnehmer, das lebhafteste Interesse. Der erstere 
wird gern gewähren, wenn er gewähren kann und 
nicht bei jeder Lohnerhöhung in Sorge sein muß, wie 
er dies mit einer Preiserhöhung seiner Erzeugnisse 
wieder wett zu machen imstande sein wird, den letz¬ 
teren wurden und werden stets noch seine Wünsche 
erfüllt, wenn dies in der Möglichkeit lag, er wird ver¬ 
dienen, wenn verdient werden kann. Als der nur 
scheinbar wirtschaftlich Schwächere, tatsächlich aber 
und bis jetzt stets der Stärkere, stehen ihm auch 
ganz andre und weit wirksamere Mittel im Lohnkampf 
zur Verfügung, sein Ziel zu erreichen, als seinem 
Schicksalsgenossen: Arbeitgeber, unter den gegen¬ 


wärtigen Verhältnissen eine Kostenerhöhung seiner 
Produkte durchzusetzen. Von einem erhöhten Stand¬ 
punkte müssen die Berufenen beider Parteien die 
Sachlage beurteilen, weder kleinliche Auffassung, 
noch unmotivierbares Festhalten an Dingen und An¬ 
sichten, die einst maßgebend gewesen sein können, 
es aber nicht mehr sind, können zu einem gedeih¬ 
lichen Ziele führen. Die Einrichtungen der Welt und 
mit ihr die Menschen und Verhältnisse schreiten eben 
unaufhaltsam vorwärts, aber nicht immer zum besten 
des Einzelnen. Von diesem, wie mir scheint allein 
richtigen Gesichtspunkte betrachtet, ist der jüngst er¬ 
folgte Abschluß des deutschen Buchdruckertarif-Ver¬ 
trages freudigst zu begrüßen. Und Dank den Männern, 
die dieses Werk zustande gebracht haben. Zugegeben 
die Interessen einiger, dies- und jenseits haben nach 
deren Meinung nicht die richtige Würdigung erfahren 
(vielleicht sind es aber nur kleinliche Nörgeleien oder 
es liegen andre Ursachen zugrunde), so bleibt dieser 
beispiellos dastehende Tarifabschluß doch eine, den 
gegenwärtigen Verhältnissen Rücksicht tragende prak¬ 
tische und großzügige Tat, von hoher Bedeutung für 
beide Teile, eine Tat, die mit gesunder Energie durch¬ 
geführt, ihre guten Früchte tragen wird und muß. In 
dem abgeschlossenenTarifvertrag kommen Prinzipien 
zum Ausdrucke, die wenn von beiden Seiten getreulich 
gehalten, woran zu zweifeln kein Grund ist, gar nicht 
anders als reinigend und wohltätig wirkend auf das ge¬ 
samte Buchgewerbe sein können. Im Zusammenschluß 
beider Teile liegt die Kraft und auch im Interesse der 
Gehilfen ist es gelegen, Parasiten des Gewerbes un¬ 
schädlich zu machen, ob sie auf ihrer oder der andern 
Seite stehen; gerade so gut es im Interesse der Prin¬ 
zipale liegt, entsprechend bezahlte und tüchtige Ar¬ 
beitskräfte zu besitzen, die nicht nur den eignen, 
sondern auch dem allgemeinen wirtschaftlichen Stande 
des Gewerbes ein warmes Interesse entgegenbringen. 
Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß der deutsche 
Tarifvertrag auch für andre Länder beispielgebend 
sein wird, und erfüllt derselbe seine gestellten Auf¬ 
gaben, so wird er nicht nur materiell und moralisch, 
sondern auch in künstlerischer und technischer Hin¬ 
sicht zur Hebung des Buchdruckgewerbes beitragen. 

Das Bestreben, die Buchgewerbe-Erzeugnisse auf 
künstlerischer Höhe zu erhalten, beziehungsweise sie 
dahin zu bringen, hat sich ja in schlechten Zeiten 
nicht wesentlich vermindert. Vom verflossenen Jahre 
ist in dieser Hinsicht nur Gutes zu sagen. Zu dem 
wahrhaft gediegenen vorhandenen künstlerischen 
Schriften- und Schmuckmaterial fügten unsre Schrift¬ 
gießereien unablässig Neuheiten, deren größere An¬ 
zahl, von mit den Bedürfnissen des Buchgewerbes 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


vertrauten Künstlern entworfen, in der Hand des ge¬ 
schickten Buchtechnikers eine Verwertung zur Vered¬ 
lung der Erzeugnisse finden können. Tatsächlich 
führte dies auch, abgesehen von den durchaus indivi¬ 
duell künstlerisch veranlagten und mit hohen Kosten 
hergestellten Gelegenheitsprachtwerken, zu schönen, 
manchmal herzerfreuenden Erzeugnissen, von einem 
wohltuenden Hauch wahrhafter Kunst umweht. In die¬ 
ser Richtung ist tatsächlich ein entschiedener, wenn 
auch nicht allzu großer Fortschritt bemerkbar. Stilrich¬ 
tig ausgeführte Bücher wissenschaftlichen und rein 
technischen oder schöngeistigen Inhaltes mehren sich. 
Zusehends mehren sich auch die Akzidenzarbeiten, 
welche selbst bei einfachster Ausstattung eine ge¬ 
diegene und tadellose verständnisvolle Anwendung 
des Satzmateriales zeigen, manchmal durch einen 
glücklich gewählten Prägedruck in ihrer Wirkung ge¬ 
hoben, nicht selten auch durch einen unpassenden zur 
Karikaturherabgedrückt werden. Andre Druckarbeiten 
verschiedenster Art für den Tagesbedarf bestimmt, für 
deren Herstellung früher kaum ein andrer Standpunkt 
als der der Zweckerfüllung der Bekanntmachung ma߬ 
gebend war, zeugen in vermehrten Fällen von geläu¬ 
tertem Geschmack. Dagegen ist die Anwendung bi¬ 
zarrer Schmuckstücke, nicht nur der verpönten alten, 
sondern auch der neuestenKunstrichtung angehörend, 
sowie dasZusammenkoppeln von stilentfernten Schrif¬ 
ten auffallend seltener geworden. Ein wohltätiger Um¬ 
schwung hat sich in den letzten Jahren auch bei far- 
bigen Erzeugnissen bemerkbargemacht. Ausgebildeter 
Farbensinn ist nicht jedermanns Sache, er ist ein Ge¬ 
schenk der Natur. Aber durch Studium läßt sich das 
Mangelnde ersetzen, wozu wohl nebst den theoreti¬ 
schen Erläuterungen in den Fachschulen die muster¬ 
gültigen Beilagen der auf hohem Stande befindlichen 
deutschen Fachblätter, wie auch die mannigfachen 
Erzeugnisse der Papierfabriken in Karten-, Umschlag- 
und Zirkularpapieren beigetragen haben mögen, um 
manchen Drucker darüber zu belehren, daß in den 
meisten Fällen ein gebrochener Farbenton eine weit 
günstigere Wirkung hervorzubringen vermag als ein 
knallender. 

Stil, Ruhe, Einfachheit und Harmonie, mitunter auch 
eine originelle Auffassung treten bei diesen laufenden 
Tagesarbeiten mehr und mehr hervor. Und diese 
Arbeiten sind es ja allein, welche ein Urteil über das 
Können in unsrem Gewerbe mit einiger Sicherheit 
zulassen, niemals das moderne Prachtwerk, welches 
nach den Ideen eines Künstlers entworfen, zumeist 
nur dessen eigenes persönliches Gepräge trägt. 

Der deutsche Schnellpressenbau bewegt sich er¬ 
freulicherweise fortgesetzt in aufsteigender Linie 
nicht nur was Quantität, sondern auch was Qualität 
betrifft, und ist bestrebt der stets weiter vordringen¬ 
den amerikanischen und englischen Konkurrenz die 
Wage zu halten, was wir hoffen, trotz der bedeutenden 


Verbesserungen, welche die Druckapparate dieser 
Länder in der jüngsten Zeit erfahren haben,nicht allzu 
schwer sein wird. Die deutschen Illustrations- und 
Chromotypiemaschinen sind zweifellos, was Schnellig¬ 
keit und Qualität der Arbeit betrifft, vollkommen 
zweckentsprechend, ja in manchen Typen unüber¬ 
troffen. Wenn an dieser Art von Schnellpressen seit 
1900 auch prinzipiell bedeutende Neuerungen nicht 
zu verzeichnen sind, so haben dieselben doch eine 
Reihe von Verbesserungen erfahren, die ihren inneren 
Wert wesentlich erhöhen. Der Rotationsmaschinen¬ 
bau ist für eine Reihe von großen Maschinenfabriken 
geradezu eine Spezialität geworden, und zeichnen 
sich diese Fabrikate nicht nur durch Zweckmäßigkeit, 
hohe quantitative Leistung, sondern auch durch 
solideste Ausführung aus. Zwei-, Drei- und Mehr¬ 
rollenmaschinen machen der Maschinenbautecknik 
gegenwärtig ebensowenig Schwierigkeiten mehr, als 
eine Zeitung in der Stärke eines Blattes oder eine 
Broschüre gefalzt und geklebt, oder sogar geheftet, 
herzustellen. In England, wo neben den Morgen-, 
Mittag- und Abendausgaben der Zeitungen, auch 
während des Tages zu jeder Stunde je nach den ein¬ 
laufenden interessanten „letzten Nachrichten“, Aus¬ 
gaben veranstaltet werden, wurde in letzter Zeit 
der sogenannte Mitläufer an den Zeitungs-Rotations¬ 
maschinen, ein kleiner separater Druckzylinder, wel¬ 
cher diese letzten Nachrichten in Typensatz enthält, 
wesentlich verbessert, so daß es jetzt möglich ist bis 
vier, fünf und sechs solche „late news“ in außer¬ 
ordentlich kurzer Zeit unter das Publikum zu bringen. 
In einem Lande, wo Straßenverkauf der Zeitungen 
gestattet ist, eine entschieden praktische Einrichtung. 
Schreiber dieser Zeilen war während des russisch¬ 
japanischen Krieges und später während des Erd¬ 
bebens in San Francisco in London und hatte wieder¬ 
holt Gelegenheit, diese Einrichtung zu bewundern. 
Nach Eintreffen der Nachricht können binnen höch¬ 
stens einer halben Stunde Zeitungen in großer An¬ 
zahl in den Straßen feilgeboten werden und wird 
selbstverständlich damit ein sogenanntes „Bomben¬ 
geschäft“ gemacht. 

Die American Lithographie Company in New York 
hat vor kurzem eine für sechsfarbigen Zink- (litho¬ 
graphischen) und einfarbigen Buchdruck kombinierte 
Rotations-Maschine in Tätigkeit gesetzt. Schreiber 
dieser Zeilen hatte Gelegenheit diese interessante 
Maschine in Betrieb zu sehen*). Deren hervor¬ 
stechendste Merkmale sind: Ein Druckzylinder in 
riesigen Dimensionen gehalten, um welchen die sechs 
lithographischen, Zinkdruckplatten enthaltenden For¬ 
menzylinder mit ihren Farbewerken angeordnet sind, 
rückwärts ein Druck- und ein Plattenzylinder für den 
Buchdruck. Die Maschine ist vorläufig für den Druck 

*) Vergleiche auch den Bericht in unserm Weihnachts¬ 
heft 1904, Seite 435. Die Schriftleitung. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


des farbigen Umschlages des „Sunday Magazins“ be¬ 
stimmt, welches in einer Auflage von 1V 2 Mill. Expl. 
in der Woche erscheint. Die größten Schwierigkeiten 
hat die Konstruktion der Druckzylinder für den Zink¬ 
druck verursacht, da diese aus einer geschlossenen 
Peripherie bestehen müssen, auf der nach Bedarf 
die Umdrucke gewechselt werden können. Diese 
Frage wurde in der Weise gelöst, daß der äußere 
Mantel dieser Zylinder aus Kupfer angefertigt wurde. 
Auf diesem Kupfermantel erfolgt dann mittelst gal¬ 
vanischem Prozeß ein Zinkniederschlag und auf die¬ 
sem in einer eigens für diesen Zweck gebauten und 
mitgutenEinstellvorrichtungen versehenenUmdruck- 
Maschine der registerhaltige Umdruck. Nach der Ab¬ 
nützung des Umdruckes wird der Zinküberzug durch 
ein Säuregemisch, welches das Kupfer nicht angreift, 
entfernt, und das Spiel wiederholt sich von neuem. 
Der Buchdruck-Apparat bietet nichts Bemerkens¬ 
wertes, er wird nur zumRückseiten-(Inseraten-)druck 
des Umschlages benutzt und kommen galvanische 
Kupferrundplatten zur Verwendung. Zurichtung ist 
möglich, das Farbewerk enthält vier Auftragwalzen 
und eine vollkommene Farbeverreibung, es kann da¬ 
her auch guter Druck erzeugt werden. Die Maschine 
druckt durchschnittlich 2400 Bogen ä 8 Umschläge 
siebenfachem Druck pro Stunde. Die Zinkumdrucke 
werden in der Regel nach 25000 Drucken gewech¬ 
selt. Das unmittelbare Aufeinanderdrucken der sechs 
Bildfarben wird durch eine eigene Präparation des 
Papieres und der Druckfarben ermöglicht, was natür¬ 
lich als Geheimnis betrachtet wird. Die Gesellschaft 
behauptet nach Amortisierung des beträchtlichen Ka¬ 
pitals, welches für den Bau der ersten Maschine auf¬ 
gewendet werden mußte, mindestens 60# an Druck¬ 
kosten zu ersparen. Weitere Maschinen sind bereits 
im Bau. 

Das britische Reich ist das Land der „Recorder“. 
Ein solcher wurde kürzlich speziell für Druckereien 
eingerichtet von der „Machinery Output and Time 
Recorder Comp.“ in Manchester in die Öffentlichkeit 
gebracht. Dieser Apparat hat einige Ähnlichkeit mit 
einem Registrier-Thermometer und funktioniert fol¬ 
gendermaßen: An der Arbeitsmaschine ist ein kleiner 
elektrischer Apparat angebracht, von dem zwei Lei¬ 
tungsdrähte zu dem Recorder führen. Dieser ist mit 
einer Uhr und in Verbindung mit dieser mit einem 
Zylinder ausgerüstet, auf welchem sich das Registrier¬ 
blatt eingeteilt in Stunden- beziehungsweise fünf 
Minuten-Felder befindet, auf welchen ein Schreib¬ 
stift, der mit den Leitungsdrähten in Kontakt ist, 
die erforderlichen Eintragungen macht. Diese Ein¬ 
tragungen bestehen darin, daß während des Ganges 
der Maschine eine fortlaufende Linie gezeichnet wird, 
welche sofort eine Unterbrechung erleidet, sobald die 
Maschine außer Betrieb gesetzt wird. Der Registrier- 
Apparat kann entfernt vom Arbeitsplätze, etwa im 


Bureau des Chefs oder Leiters angebracht werden, 
und sieht dieser von seinem Platze aus ob eine 
Maschine arbeitet oder nicht, sowie er auch jeden 
Stillstand der Maschine und die Dauer desselben 
während einer Arbeitsperiode konstatieren kann. 
Dieser Recorder läßt sich an jeder Arbeitsmaschine 
anbringen, jede Arbeitsmaschine verlangt selbstver¬ 
ständlich eine separate Leitung, es können aber 
mehrere und verschiedene Maschinen auf einen Re¬ 
corder vereinigt werden. 

Die automatischen Einlege-Apparate gewinnen all¬ 
seits an Boden und ist es bei dem gegenwärtigen ver¬ 
läßlichen Arbeiten der meisten derselben für größere 
Auflagen, mit gleichbleibender Papiergattung, gerade¬ 
zu unvorteilhaft sich derselben nicht zu bedienen. 

Das einfachste, billigste und zweckentsprechendste 
Zurichte-Verfahren war dem Münchner Maschinen¬ 
meister Schwärzier Vorbehalten, mit seiner Kreide¬ 
relief-Zurichtung der Fachwelt zu geben. Es ist kaum 
ein Jahr, daß dieselbe öffentlich bekannt wurde, und 
schon haben sie Hunderte von Druckereien am euro¬ 
päischen Kontinent, in England und Amerika einge¬ 
führt. Wohl das beste Zeugnis für die Güte eines 
Verfahrens. 

Zum Druck von Lesebüchern für Blinde verwendet 
W. G. Mc. Laren in New York nicht mehr Prägekarton, 
sondern Aluminiumplatten. Zu diesem Zwecke wer¬ 
den sowohl die BrailPschen wie auch die scharf¬ 
kantigen Blindenlettern nicht gegossen, sondern in 
Stahl geschnitten. Mit Verwendung des Aluminiums 
statt des Kartons wird eine weit höhere und bleibende 
Schärfe der geprägten Typen und infolgedessen eine 
erhöhte Lesefähigkeit durch das Tastgefühl erreicht, 
außerdem sind die Blätter nicht wesentlich schwerer 
und nahezu unzerstörbar. Die Prägung der Alumi¬ 
nium-Platten ist weit einfacher als die des Kartons, 
so daß sich die Herstellungskosten gegen früher nahe¬ 
zu gleich bleiben. Den Anstoß zu dieser Verbesserung 
gab eine reiche wohltätige Dame in New York, welche 
ein „Magazin“ für arme Blinde herausgibt und Exem¬ 
plare davon kostenlos an solche in den Vereinigten 
Staaten versendet. 

Der Galvanoplastik, bezw. dem Dr. Albert-Fischer 
Verfahren, wurde durch die Firma Zierow & Meusch 
in Leipzig ein Zelluloid-Verfahren angegliedert,^wel¬ 
ches billiger und einfacher sein und an Güte den 
Bleimatrizen nicht nachstehen soll. Die mit Anwen¬ 
dung dieses Verfahrens herausgegebenen Druck¬ 
proben ließen bezüglich Schärfe und Reinheit nichts 
zu wünschen übrig, wie sich jedoch das Verfahren in 
der Praxis bewährt, ist bis jetzt nicht bekannt ge¬ 
worden. Eine Neuheit würde die Verwendung des 
Zelluloid an sich wohl nicht sein, da diesbezügliche 
Versuche schon vor ungefähr 30 Jahren gemacht 
wurden, die allgemeine Einführung in die Praxis 
jedoch damals aus verschiedenen Gründen unterblieb. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Im Stande der Setzmaschinen hat sich eine be¬ 
merkenswerte Veränderung nicht vollzogen. Die 
wenigen bestehenden Letternsetzmaschinen kämpfen 
vergebens für eine weitere Verbreitung. Die Ablege- 
Maschine des „Pulsometer“ (eine englische Lettern¬ 
setzmaschine) hat eine Vereinfachung erfahren. Durch 
die Einteilung der Typen in bestimmte Stärkegruppen 
konnte das Tastbrett und der ganze Mechanismus 
wesentlich vereinfacht und die Arbeitsleistung so 
weit erhöht werden, daß eine Ablegemaschine für 
zwei Setzmaschinen genügt. Ob sie damit eine er¬ 
weiterte Anwendung gesichert hat, muß dahin gestellt 
bleiben. Für Großbetriebe ist bei dem jetzigen Stande 
derZeilengieß- und Setzgieß-Maschinen, die Lettern¬ 
setzmaschine ein überwundener Standpunkt, für Klein¬ 
betriebe ist sie bei einer doch bedeutenden Kapitals¬ 
anlage zu einseitig verwendbar und im Betriebe zu 
kostspielig. Was sonst auf diesem speziellen Gebiete 
geschehen ist, ist kaum erwähnenswert und noch 
nicht klargestellt. 

Die Zeilengießmaschinen und die Lanston-Mono- 
type finden fortgesetzt weiteren Eingang in die 
Druckereien, die letztere, wie es scheint, in einem 
etwas schnelleren Tempo. In England sind gegen¬ 
wärtig etwa 700 Lanston-Monotypes im Betrieb. Von 
der Bereicherung an Schriftcharakteren abgesehen, 
bieten sich keine Verbesserungen dar, nachdem nun¬ 
mehr die Verwendungs-Möglichkeiten dieser Apparate 
für die verschiedenen Satzarten erschöpft zu sein 
scheinen. Eine ganz bedeutende Vereinfachung und 
erhöhte Leistungsfähigkeit und Zeilenverbreiterung 
bis zu 27 Cicero soll die umkonstruierte und neu 
patentierte „Monoline“ aufweisen, doch soll dieselbe 
vorläufig nicht am Markte erscheinen, die Patente 
wurden von der Linotype-Gesellschaft angekauft. 

Der vielversprechende „Elektrotypograph“ wird 
erst seinen Weg in die praktischen Betriebe finden 
müssen, um ermessen zu können, ob er tatsächlich 
das zu halten vermag, was man sich erhofft. 

Eine neue Zeilengießmaschine, „Artotype“ be¬ 
nannt, ist in Vorbereitung und soll anfang nächsten 
Jahres erscheinen. Prinzipiell Neues wird dieses 
jüngste Erzeugnis von Ingenieurkunst wohl nicht ent¬ 
halten, wenn man von der gerade nicht vorteilhaften 
Einteilung der vorhandenen 100 Schriftzeichen in nur 
10 Stärkeklassen absieht. Nachdem auch der Anschaf¬ 
fungspreis kein besonders niedriger sein wird, so wird 
die „Artotype“ wohl nicht berufen sein, eine Umwäl¬ 
zung auf dem Gebiete der Satztechnik herbeizuführen. 

Eine weitere neue Maschine ist die englische 
„Springertype“. Mit dieser Maschine werden Matrizen 
gesetzt, aber einzelne Buchstaben gegossen. Dieselbe 
wäre also die Kombination einer der Zeilengie߬ 
maschinen und der Monotype. Zur Bedienung ist 
eine Person erforderlich. Praktische Erfahrungen 
liegen noch nicht vor. 


Bei dem gegenwärtigen Standpunkte des Buchge¬ 
werbes mit den vielen Berührungspunkten technischer 
und finanzieller Natur zur Reproduktionstechnik, ist 
jede und wenn für den Moment auch anscheinend 
geringe Verbesserung und fortschrittliche Bewegung 
auf diesem Gebiete für den Buchdrucker von Inter¬ 
esse. Und zwar nicht nur deswegen, weil seine 
Technik beeinflußt werden könnte, dem ist ja nicht 
so schwer zu folgen, vielmehr jedoch, weil eine weit¬ 
gehende Vereinfachung oder die Neuauffindung von 
Prozessen im Gebiete der Reproduktionstechnik auf 
die Gestehungskosten dieses Materials und in weite¬ 
rer Linie auf die der Druckarbeiten einen wesent¬ 
lichen Einfluß ausüben und hierdurch neue Arbeits¬ 
gebiete erschlossen werden können, wie das früher in 
so erheblichem Maße geschehen ist und gegenwärtig 
noch immer nachhaltend wirkt. Deswegen erscheint 
es nicht unberechtigt, daß auch diesen Erscheinungen 
im Rückblick auf den Buchdruck ein bescheidener 
Raum zugewiesen wird. Von besonders großen und 
weittragenden Fortschritten ist ja im Momente nicht 
zu berichten, es ist aber manches geschehen, was 
unsere Aufmerksamkeit verdient. Auf dem Gebiete 
des Dreifarbendruckes und der Autotypie ist druck¬ 
technisch ein größerer Fortschritt nicht zu verzeich¬ 
nen. Die Druckereien, selbstverständlich die guten, 
haben im Druck der Dreifarben- und Schwarzauto¬ 
typien eine Vollkommenheit der Arbeit und Beherr¬ 
schung der Technik und der Materialien erreicht, die 
kaum mehr dürfte übertroffen werden können. Die 
Drucktechnik als solche ist schon geraume Zeit über 
das Experimentieren für diese Art Reproduktionen 
hinaus, arbeitet vollkommen sicher und schafft im all¬ 
gemeinen, abgesehen von den Werken der Stümper, 
das Erreichbarste, was in dieser Sache überhaupt 
möglich ist. Dies, sowie die nicht zu leugnende Be¬ 
schränktheit des Verwendungsgebietes des Dreifarben¬ 
buchdruckes, die jedoch auf andern Gebieten als der 
Drucktechnik ihre Ursachen hat, wird wohl so lange 
Vorhalten, als nicht mit den Hauptmaterialien hierfür, 
Papier und Druckfarben, eine Änderung möglich ist 
und eine weit billigere Herstellung der Druckplatten 
auch großen Formates erfolgen kann. Daran arbeiten 
wohl die größeren Reproduktionsanstalten unablässig, 
weil auch damit ihr Arbeitsgebiet erweitert werden 
würde, bisher jedoch für die Allgemeinheit mit ge¬ 
ringem Erfolge. Kleine Verbesserungen und das et¬ 
was vorteilhaftere Arbeiten des einen oder andern, 
bei diesem oder jenem Arbeitsvorgänge, können ihm 
zwar einen bescheidenen Gewinn bringen, sind aber 
für die Allgemeinheit kaum von Belang. Was nottut 
sind weittragende prinzipielle Verbesserungen und 
Vereinfachungen der Grundlagen des ganzen Ver¬ 
fahrens, auf welchen die Herstellung der Teilplatten 
für Dreifarbendruck beruht. Die unendlich vielen 
Fehlerquellen und Unsicherheiten, welche trotz aller 


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Hilfsmittel bei dem photographischen Arbeitsteil des 
Dreifarben-Reproduktionsprozesses sich geltend 
machen, müssen in erster Linie vermieden oder doch 
sehr beschränkt werden, weil eben diese Fehler¬ 
quellen einen langen Rattenschwanz von manueller 
Arbeit, Zeitaufwand und Kosten nach sich ziehen, ganz 
abgesehen davon, daß das Erzeugnis in den meisten 
Fällen auch darunter leidet. Jede Vereinfachung und 
Verbesserung in diesem wichtigsten Arbeitsteil be¬ 
einflußt auch die weiteren Arbeitsvorgänge günstig 
und ist schließlich für den Buchdrucker direkt und 
indirekt von materiellem Werte. Ein Instrument, mit 
welchem Fehlerquellen bei Herstellung der Raster¬ 
teilnegative für den Dreifarbendruckprozeß nicht nur 
gesucht und gefunden, sondern auch sollen vermieden 
werden können, scheint der neueste Studienapparat 
für Dreifarbenhochdruck des Geh. Regierungsrats 
Dr. A. Miethe zu sein. Dieser Apparat bezweckt zu¬ 
nächst einwandfreie Studien über Dreifarbenauto¬ 
typie und den Versuch zu machen, dieses Verfahren 
über alle Zufälligkeiten zu einer genauen Anpassung 
an die Wirklichkeit zu erheben, sowie auch die Ra- 
strierung der Teilbilder, ihre Ätzung und ihre Fertig¬ 
stellung für den Zusammendruck von Zufälligkeiten, 
die der Einzelplatte anhaften, unabhängig zu machen. 
Wenn diese Idee, was nach den bisherigen ganz be¬ 
deutenden und schon verwirklichten Erfolgen andrer 
Erfindungen des Dr. Miethe zur Vereinfachung und 
Verbesserung des Dreifarbenprozesses, praktischen 
Wert bezeugt, dann ist wieder ein ganz bedeutender 
Schritt auf dem Gebiete dieser Reproduktionstechnik 
vorwärts gemacht. 

Eine ganz wesentliche Vervollkommnung hat der 
Dreifarbendruck mit Zuhilfenahme einer vierten 
(Zeichnungs-) Platte aufzuweisen, wie die letzteren 
Erscheinungen einiger großer deutschen und öster¬ 
reichischen Reproduktionsanstalten zeigen. Wir 
wollen hier keine Namen nennen, unsern Berufs¬ 
angehörigen sind ja diese Erzeugnisse teils aus dem 
Archiv für Buchgewerbe bekannt, oder sie sind ihnen 
leicht zugänglich. Früher machte sich in diesen Repro¬ 
duktionen hauptsächlich gerade die Zugabe dervierten 
Platte manchmal recht störend bemerkbar, indem die 
Farbentöne nicht gegliedert, sondern vielmehr zer¬ 
rissen wurden. Dem ist nun so ziemlich abgeholfen; 
das mitunter rußige und schmutzige, welches diesen 
störenden Eindruck hervorrief, ist beseitigt und viel¬ 
fach stehen diese Erzeugnisse, was Harmonie, Stim¬ 
mung und richtige Farbenwiedergabe betrifft, weit 
über dem Dreifarbendruck. Einen entsprechenden 
Anteil an dieser Vervollkommnung darf auch die 
Drucktechnik beanspruchen. 

Bei aller Liebe zur Sache und dem großen Respekt, 
welchen speziell wir Buchdrucker den ganz enormen 
Fortschritten des Dreifarbendruckes entgegenbringen 
müssen, läßt sich doch nicht verhehlen, daß derselbe 


noch manche Mängel und besonders Unrichtigkeiten 
in der Farbenwiedergabe enthält. Eine Reihe von in 
der Natur auftretenden und eine noch größere Reihe 
von in Kunstwerken vorkommenden Farbentönen läßt 
sich eben mit den drei technischen Grundfarben Rot, 
Gelb und Blau nicht herausbringen. Die Reproduk¬ 
tionstechnik muß jedoch als ihr Ideal anstreben, der 
Originalwahrheit nicht nur nahe zu kommen, sondern 
sie auch vollständig zu erreichen. Dieses Ziel stellt 
sich ein neuer, von Karl Gustav Zander in London aus¬ 
gearbeiteter Vierfarbenprozeß. 

Das Prinzip dieses Verfahrens beruht auf der Ver¬ 
wendung von vier Grundfarben zum Druck und zwar: 
Gelb (Wellenlänge etwa 5800) Zitronengelb 
Grün ( „ * 5200) Emeraldgrün 

Blau ( * „ 4550) Ultramarineblau 

Magentarot (Komplementärfarbe zu Grün). 

Diese vier Grundfarben stellen zwei Paare von 
Komplementärfarben dar, nämlich: 

Rot und Grün einerseits, 

Gelb und Blau anderseits. 

Der Prozeß ist noch viel zu jung, um ein abschlie¬ 
ßendes Urteil zu ermöglichen. An den wenigen mit 
diesem Verfahren hergestellten Probeblättern ersieht 
man jedoch, daß dieser Prozeß manches für sich hat, 
es lassen sich damit eine Reihe von Mischtönen in 
Grün, Violett und Grau erreichen, die mit dem Drei¬ 
farbendruck bisher zu erhalten nicht möglich war. 
Das Schwarz scheint ein reineres bezw. neutraleres 
zu sein als beim Dreifarbendruck, die Reproduktionen 
wirken reiner, feiner und richtiger in der Farben¬ 
wiedergabe. Die Handhabung des Prozesses soll nicht 
schwieriger sein als der Dreifarbenprozeß, doch soll 
viel Zeit an Retusche erspart werden. Die Druck¬ 
technik erfährt, ausgenommen die Zugabe einer vier¬ 
ten Platte, keine Änderung, Kunstdruckpapier ist 
ebenso notwendig wie für Dreifarbendruck. 

Die Schwarzautotypie hat an innerem Werte ent¬ 
schieden gewonnen. Durch Schaffung neuer Raster¬ 
typen und richtiger Anwendung derselben verschwin¬ 
det mehr und mehr der monotone geist- und reizlose 
Ausdruck der Autotypie, man begegnet nicht mehr 
so oft dem Schablonenhaften und Rücksichtslosen, 
das Original und dessen Herstellungstechnik werden 
jetzt mehr wie früher in Rechnung gezogen. Blätter 
in einfacher Autotypie sind gegenwärtig gar nicht 
selten, welche vollauf die Bezeichnung einer Kunst¬ 
reproduktion verdienen. In den sogenannten Duplex¬ 
autotypien finden sich oft Reize vereinigt, die es kaum 
glaublich erscheinen lassen, daß man es nur mit einem 
einfachen Reproduktionsverfahren zu tun hat. Frei¬ 
lich gehört hierzu auch der richtige Drucker. 

Die Bestrebungen ein brauchbares natürliches Korn 
anstatt des mathematischen oft störenden Raster¬ 
kornes der Autotypie für Buchdruckplatten zu finden, 
haben nicht geruht und sind neuerdings schöne 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Erfolge aufzuweisen. Teilweise ist der Kornraster 
bereits praktisch mit Erfolg verwertet und erteilt das 
natürliche Korn hauptsächlich Kunstreproduktionen 
landschaftlichen und figuralen Genres oft eine ganz 
eigene gute Wirkung in der Tonung, für alles wird 
sich der Kornraster ja nie eignen, doch am rich¬ 
tigen Platz angewendet, kann er den Reiz einer Re¬ 
produktion manchmal wesentlich erhöhen. 

Über die im vorigen Jahre in die Drucktechnik ein¬ 
geführte „Spitzertypie“ schreibt Prof. Dr.G. Aarland 
in Heft 4 des Archiv für Buchgewerbe unter Beigabe 
von gegenübergestellten Drucken von Autotypien und 
Spitzertypien so klar und objektiv, daß man sich nur 
der Ansicht Prof. Aarlands anschließen kann, welche 
darin besteht: man möge nicht vergessen, daß die 
„Spitzertypie“ noch ein ganz neues Verfahren ist und 
über die sog. Kinderkrankheiten, die jeder Prozeß 
durchzumachen hat, noch nicht hinaus ist. Auf dem 
Gebiete des Vierfarbendruckes hat die „Spitzertypie“ 
einige recht gute Erfolge aufzuweisen, was aus der 
letzten Versandmappe der Gesellschaft ersehen wer¬ 
den kann, auch enthält diese Mappe einige sehr gute 
Schwarzdrucke, welche vollste Beachtung verdienen. 

Das buchgewerbliche Fortbildungswesen hat, was 
Lehrlingsfachschulen betrifft, auch im abgelaufenen 
Jahre wesentliche Weiterungen erfahren, sei es, daß 
in manchen Städten neue Fachschulen errichtet worden 
sind, sei es, daß die Lehrpläne bestehender ausge¬ 
dehnt wurden. Diesem rein theoretischen Unterricht 
sollte sich aber nun bald und in verstärktem Maße 
der ebenso wichtige praktische durch fortzusetzende 
Einrichtung von Schuldruckereien anschließen, was 
ganz besonders jetzt, infolge der geänderten Ansich¬ 
ten über Buchschmuck und Drucksachenausstattung, 
im Interesse unsres Standes gelegen ist. Die an 
manchen Orten Deutschlands und Österreichs be¬ 
stehenden sogenannten „Hochschulen für das Buch¬ 
gewerbe“ erfüllen ihre Aufgabe zweifellos in der 
besten Weise, sie sind aber aus verschiedenen Grün¬ 
den nur wenigen Auserwählten und pekuniär Be¬ 
günstigten mit höherer Schulbildung zugänglich, der 
Lehrling und Geselle ist davon ausgeschlossen. Diese 
Lehrstätten kommen daher für die breite Schicht nicht 
in Betracht. Selbst ihre Erzeugnisse, die von Zeit zu 
Zeit in die Welt gesendet werden und die ohne Zweifel 
in der Mehrzahl mustergültig sind, gelangen wieder 
nur an Wenige, so daß sie nur einen beschränkten 
Zweck erfüllen können. Die sehr gründlich geänder¬ 
ten Verhältnisse im Buchgewerbe aber, welche in 
dem durch alle Fachkreise gehenden starken Wollen 
der Veredlung des Gewerbes, der gesteigerten Heran¬ 
ziehung und Anwendung künstlerischer Prinzipien, 
der teilweisen Umgestaltung und der enormen Er¬ 
weiterung der technischen Disziplinen, wie nicht 
minder in der beträchtlichen Vermehrung der tech¬ 
nischen und künstlerischen Hilfsmittel bestehen, 


denen als ein hemmendes Hindernis, die nicht zu 
leugnende beschränkte Lernmöglichkeit des Ein¬ 
zelnen im modernen Druckereibetrieb gegenüber¬ 
steht, zwingen dazu den heranwachsenden Gehilfen 
Gelegenheit zu bieten, mit diesen Dingen außerhalb 
seiner Meisterlehre völlig vertraut zu werden, und 
drängen unabweisbar zu einer Umgestaltung und Er¬ 
weiterung des bestehenden Fachunterrichtes. Der 
grundlegenden Theorie muß die lebendige Praxis 
angegliedert werden, soll für die Zukunft vorgesorgt 
werden, wollen die deutschen Buchdrucker zu ihrem 
eigenen Nutzen die ihnen gebotenen Hilfsmittel voll 
ausnützen und die Förderer und Veredler ihres ide¬ 
alen Berufes bleiben. Dies kann selbstredend, so 
groß auch die Opfer sein mögen, nur durch Heran¬ 
ziehung der breiten Schichten der Jünger Gutenbergs, 
der Lehrlinge und der jungen Gehilfen geschehen. 
Teilweise sind diese Gedanken schon zum Durch¬ 
bruch gelangt und finden hier und da praktischen Aus¬ 
druck in der allmählichen Errichtung von Versuchs- 
Werkstätten, welche berufen sind die schlummernde 
Theorie der Schule zu pulsierendem Leben zu er¬ 
wecken und zu gedeihlicher Nutzanwendung zu 
bringen. Besteht doch absolut kein Zweifel mehr, daß 
dieBuchdrucker-Lehrlings-Fachschulen bis jetzt über¬ 
aus segensreich gewirkt, vieles zurVeredlung desGe- 
werbes und manches zur geistigen und sittlichen He¬ 
bung des Standes beigetragen haben; folgt nun der 
notwendige Ausbau dieser Lehranstalten, so wird dies 
nur zum noch größeren Nutzen des Gewerbes sein. 

Die fachliche Vereinstätigkeit der typographischen 
Vereinigungen ist erfreulicherweise auch im abge¬ 
laufenen Jahre nicht erlahmt, es macht sich auf allen 
Gebieten eine rege Tätigkeit geltend, fachliche Be¬ 
richte, Vorträge, Mitteilungen und Exkursionen wie 
auch Preisausschreibungen verschiedener Art, be¬ 
herrschen nach wie vor das lebhafte Interesse der 
Beteiligten, und in diesen Kreisen von erfahrenen 
Praktikern findet manche Neuerung ihre richtige 
Wertung und schließlich durch die Fachzeitschriften 
den Weg in die Öffentlichkeit. Ein gutes Zeichen für 
die nahe Zukunft mit ihren erhöhten Ansprüchen an 
technische Fähigkeit. 

Zum Schlüsse möchte ich noch auf eine Neuerung 
hinweisen, welche zweifellos für das Buchgewerbe 
von großer Bedeutung ist und die darin besteht, 
daß nunmehr in systematisch-unterrichtender Form 
Kenntnis und Aufklärung über die verschiedenen 
Zweige desBuchgewerbes und deren Technikum auch 
in Laien-Kreisen gelehrt wird. Vorläufig liegen nur 
zwei solche Fälle vor, wir hoffen aber, daß sich diese 
bald vermehren mögen. 

An der Buchhändler-Lehranstalt zu Leipzig begann 
derverdienstvolle Verwaltungsdirektor des Deutschen 
Buchgewerbe-Vereins Arthur Woernlein mit dem 
Winterhalbjahre einen schon viele Jahre geplanten 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Unterricht für Buchgewerbekunde. Dieser Unterricht 
umfaßt in den Hauptkapiteln: Die Geschichte des 
Buches, die Herstellung desselben, die Illustrierung, 
die Fertigstellung (Buchbinderei) und den Vertrieb 
des Buches, einschließlich Preisberechnungen, geht 
aber ziemlich weit im einzelnen, wobei auch Litho¬ 
graphie, Kupferstich, Radierung und die photographi¬ 
schen Reproduktions- und Farbendruck-Verfahren 
die entsprechende Würdigung finden. 

Von hoher Bedeutung ist auch die Errichtung einer 
ständigen Lehrkanzel für Buch- und Zeitungswesen 


an der einer Universität gleichgestellten, vor einiger 
Zeit mit einem erheblichen Kostenaufwande begrün¬ 
deten Handelshochschule in Berlin, welche den in der 
Praxis vorgebildeten Buchhändlern und Publizisten 
eine akademische Bildung vermitteln will. In vier 
Semestern soll Geschichte und Organisation des 
Buchhandels, Technik des Verlags- und Sortiment- 
Buchhandels, Geschichte und Technik des Buches 
und redaktionelle Technik gelehrt werden. Wir haben 
alle Ursache solche Einrichtungen auf das wärmste 
zu begrüßen. 


Die Schriftgießerei im Jahre 1906 

Von FRIEDRICH BAUER, Hamburg. 


W ENN das Jahr 1906 für die deutschen 
Schriftgießereien auch sicher keine be¬ 
sonderen Vorzüge hatte, so ist es seinen 
Vorgängern doch in einem Punkte überlegen: wohl 
kaum ist in einem Jahre eine solche Menge von „Neu¬ 
heiten“ hervorgebracht worden als in dem seit un- 
serm letzten Berichte verflossenen Zeitraum. Im 
Gegensatz zu manchem frühem Jahre war das letzte 
besonders an Schriften reich, während das Zier¬ 
material auffällig zurücktrat; die Schriften aber ver¬ 
teilen sich ziemlich gleichmäßig auf alle Gebiete, 
denn Buchschriften, Titel- und Akzidenzschriften 
sind in gleichem Maße geschaffen. 

Überschauen wir die Neuheiten des letzten Jahres, 
so ist ein gewisser einheitlicher Zug unverkennbar. 
Bezüglich der Brotschriften haben die Schriftgieße¬ 
reien offenbar das Bestreben, den Setzmaschinen 
vorauszueilen oder aus dem Wege zu gehen; das 
heißt: solche Schriften zu schaffen, die von den Setz¬ 
maschinen noch nicht gegossen werden können. Die 
Setzmaschinenfabriken werden sich natürlich beeilen, 
nachzukommen und auf den Feldern, die von den 
Schriftgießereien urbar gemacht wurden, zu ernten; 
denn selbst voranzugehen, das ist noch keiner ein¬ 
gefallen. Immerhin haben die Gießereien mit wirk¬ 
lich guten Originalschriften einen kleinen Vorsprung, 
der geschäftlich nicht ganz aussichtslos ist. Im all¬ 
gemeinen haben die Setzmaschinen aber den Satz 
von Zeitungen, Zeitschriften und glatten Werken 
schon in einem Maße in Besitz genommen, das ge¬ 
eignet ist, Gutenbergs Kunst recht herunterzubringen. 
Es ist ganz merkwürdig: die Buchdrucker, die sich 
den Schriftgießereien gegenüber in der Kritik nicht 
genugtun können, sie verstummen verblüfft vor den 
Leistungen der Setzmaschinen, mögen diese auch in 
bezug auf Weite, Linie und regelmäßiges Bild der 
Schriften noch so fragwürdig sein. Fragwürdig sind 
die Leistungen der Setzmaschinen, und zwar in der 
Regel; es ist oft geradezu haarsträubend, was dem 


norblicbfteö ©lieb beö beutfcf)en iSerglanbeö 
ragt batf £arjgcbirge jmifc^en Heine unb ©aale 
in mächtiger Lagerung über bie weite (Ebene empor 

Alte Fraktur Nr. 2 Genzsch & Heyse 

SBann hätten bie ®eutf*en nicht mit wahrer 5uft bas 
©efchäft betrieben, ihre groben Scanner burch 93er« 
gleichungen mit anberen ju »erfleinern unb ft* fomit 

Breitkopf-Fraktur Gebr. Klingspor 

3tuf ber 3nfel fteljt man grobe weibe Starben an 
ben 93ergabhängen. £>as ftnb bearbeitete ©teilen, 
an benen bie (Erbf*i*ten abgetragen waren, ber in 

Breitkopf-Fraktur C. F. RlihJ 

Sfnen großen JRcig mu {3 bic Sauarf §aben, loetdje 
bic ©panier unb 3faliener fdjon früher, mir aber 
erf t in ben neueften 3 Uten, bie gofifdje nennen unb 

Unger-Fraktur Julius Kllnkhardt 

3u ben Sebensbebürfniffen bes 59tenfd>en gehört au* 
eine geregelte Sötigfeit. (Ein träger Äörper erleibet 
felbfl bei befter pflege (Einbube an feiner ©efunbheit 

Breitkopf-Fraktur Ludwig & Mayer 

3)as 23udj ber Statur liegt feit ^atjrtaufenben 
aufgefdjlagen cor bent 23Iickc bes Sttenfdjen. 
£s iff in großen unb t)errlicf)en 3ügcn ge- 

Frankfurter Fraktur Schriftgießerei Fllnsch 

©trebfamen SBudjbrucfem wirb burd) biefe 
(Einrichtung ©elegenljeit gegeben, fid) mit 
allen Neuerscheinungen öertraut 3 U machen 

Goethe-Fraktur Wilhelm Woellmer 

^orm ohne (Stoff ift nur ber Schatten eines 
Sefiges unb alle &unftfertigfieit im 2 lus= 
bruefe kann benen nichts nügen, bie nichts 

Moderne Alt-Fraktur Aktiengesellschaft für Schriftgießerei 

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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Auge'heuztutage von den Setzmaschinen in gesund¬ 
heitlicher und schönheitlicher Hinsicht zugemutet 
wird und wie die einfachsten typographischen Ge¬ 
setze von ihnen „mit Füßen getreten“ werden. 

Die neuen Brotschriften verteilen sich auf alle Stil¬ 
gattungen. Die neuen Frakturschriften bringen bis 
auf wenige Ausnahmen mit mehr oder weniger Glück 
und Geschick die älteren Formen wieder zu Ehren, 
ein Bemühen, das auch insofern von Erfolg begleitet 
war, als dadurch die Versalien und Gemeinen, die 
in den meisten Frakturen des 19. Jahrhunderts ein¬ 
ander fremd geworden waren, wieder mehr zu einem 
einheitlichen Ganzen verschmolzen wurden. Der un¬ 
verkennbare Erfolg, den zuerst einige Hausgießereien 
(Drugulin, Breitkopf & Härtel) und dann Genzsch & 
Heyse mit ihren alten Original-Frakturen hatten, hat 
die meisten deutschen Schriftgießereien veranlaßt, 
Frakturen mit alten Versalien zu schneiden; die Ge¬ 
meinen sind nämlich im Laufe der Zeiten meistens 
ebenso „alt“ wie „modern“ geblieben. Einige Gieße¬ 
reien haben sich darauf beschränkt, eine alte „Breit¬ 
kopf“-Fraktur zu überarbeiten, andre dagegen ver¬ 
suchten, die Fraktur weiter auszubilden. Zur letzteren 
Art gehören die „Rediviva“ von Krebs Nachfolger, die 
aber dabei in den Schwabacher-Charakter hineingeriet 
— was übrigens durchaus kein Nachteil ist! —, die 
„König-Type“ von Gursch und die „Runde Fraktur“ 
von Ludwig & Mayer. Diese letzteren beiden haben 
es besonders auf die mÖglichsteVereinfachung aller 
Buchstaben abgesehen, sind aber in den Versalien auf 
manche wenig schöne Form gekommen. Am meisten 
„Eigenes“ liegt vielleicht in der „Bauernschrift“ von 
Numrich & Co., die aber trotzdem wohl kaum eine 
eigentliche Buchschrift ist, noch werden wird. Ein 
Versuch, die Fraktur dadurch zu vereinfachen, daß 
die Versalien in die Form der Gemeinen gekleidet 
werden, den Scheiter & Giesecke mit ihrer Jugend- 
Fraktur unternahmen, ist in der Fachpresse allgemein 
auf Widerspruch gestoßen. 

Mit ihren vortrefflichen „Rundgotischen“ Schriften 
haben Scheiter & Giesecke vor einigen Jahren den Ge¬ 
schmack wieder den gotischen Schriften zugewendet. 
Zwar neigten auch schon einige der „Neudeutschen“ 
Schriften zum gotischen Charakter; im letzten Jahre 
sind aber in der „BarlÖsius-Schrift“ der Bauerschen 
Gießerei, der„Bek-Gran“ von Stempel und der von Otto 
Hupp für Gebr. Klingspor gezeichneten „Liturgisch“ 
fast rein gotische Schriften erschienen. Gotisch, aber in 
moderner Auffassung, sind die „Magere Neudeutsch“, 
ein Neuschnitt der bekannten Schrift des Pariser 
Katalogs der Reichsdruckerei, den die Schriftgießerei 
C. F. Rühl herausgab, und die Hamburger Druck¬ 
schrift, die im letzten Jahre von Genzsch & Heyse 
in allen Graden von Nonpareille bis 4 Cicero mit 
halbfetter Auszeichnungsschrift und Initialen fertig¬ 
gestellt wurde. Vor andern ähnlichen Schriften der 


2)ie Verarbeitung 5er oerfdjiebenen Vßefaüe ju 
ßurjjroaaren aller 2Irf,oom eöelffen ©egenffanö 
bis herab 3 um billigten Vtaffenartihet, nimmt 

Leipziger Fraktur Numrich & Co. 

Unglückselig ift 5er SJtann, ber unterläßt bas, 
roas er kann, unb unterfängt fid), roas er nicht 
Dcrftetjt; kein V3unber, bajj er ju ©runbe get)t. 

Dürer-Fraktur Ferd. Theinhardt 

Jünf 3 at)te mar es mä^renä bes fteben* 
jährigen Strieges 6 em ^er 3 og Jerbinanö non 
Vraunfchwetg, welcher im Auftrag Sngtanös 

Rediviva B. Krebs Nachr. 

2 )ie Sänger ber 3reif)eitsfriege folgten feinen 
pfaben'; burcf) ihre Cieber Hang fein Sehnen 
mehr. Ulan griff 3 U ben UJaffen, unb blutige 

König-Type Emil Gursch 

Bei keiner üolhskrankbeit hat der Itlensch, auch 
der schwächste und ärmste, es so in der Band, 
sich selbst zu helfen, wie bei der Tuberkulose 

Runde Fraktur Ludwig & Mayer 

Siefer öortfehritt begegnete indeffen noch 
Sechzehnte lang dem Vorurteil fämtlicher 
ißapieroerbraucher, fpäter in den fünf 3 iger 

Bauernschrift Numrich & Co. 

Cs ift fdfwer, bei einer Crjäfjtung ben objektioen 
Stanbpunkt feftyitjalten unb in epifdjer einfadfj» 
Ijeit unb Unabiäffigkeit bie £teigniffe wie Perlen 

Jugend-Fraktur J. G. Scheiter & Giesecke 

£s ift febimpflid), eine oollc ßörfe au leeren, es 
ift frech, eine {[Billion au oecuntceuen, es ift aber 
namenlos groß, eine {Krone au fteblen. Schiller 

Bek-Gran Schriftgießerei Stempel 

(0 tommt nicht fo fefjr Darauf an, Daß einem fiinDe 
oiel geteert, fonöern Daß DerüDunfrf) ju fernen in ißm 
geroertt roerDe. fflur ju oft roirD Die Hrbeit in einer fo 

Liturgisch Gebr. Klingspor 

ffian Tagt, das Klima in Bermuda fei mild und gleich¬ 
mäßig, Sdmee und Eis gäbe es nidit, und man könne 
fi<h das ganze Jahr hindurch inFrühjahrskleidem fehr 

Magere Neudeutsch C. F. Rühl 

3n jenen Gegenben bes roeftlicßen flfiens, wo im 
tDüftenfanö begrabene "Ruinen alter Kutturftätten 
uns Kunbe geben oon längft entfcßwunöener 3eit 

Hamburger Druckschrift Genzsch & Heyse 

Der Erste, welcher die Malerei und Poesie 
mit einander verglich, war ein Mann von 
feinem Gefühle, der von beiden Künsten 

Nordische Antiqua Genzsch & Heyse 


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Einen großen Reiz muß die Bauart l)aben, weldje 
die Spanier und Italiener fdjon früher, wir aber 
erft in den neueren 3eiten, die gotifdje nennen und 

Saxonia-Antiqua Julius Klinkhardt 

Zwischen Öen Hauptgebieten öes öeutschen 
Hanöels, welche bas achtzehnte Jahrhundert 
im Noröosten unb Sübosten herausgebilbet 

Schelter-Antiqua J. G. Scheiter & Giesecke 

Gewiß ist öie lyrische Dichtung auf 
deutschen Boden weit älter, als wir 
sie zurückverfolgen können. Diese 

Breite Schelter-Antiqua J. G. Scheiter & Giesecke 

Pendant la discussion ä la Chambre des 
Deput^s de la proposition de loi sur les 
bureaux de placement, M. Julien Goujon 

König-Antiqua Gebr. Klingspor 

Einen großen Reiz muß die Bauart haben, welche 
die Spanier und Italiener schon früher, wir aber 
erst in den neuesten Zeiten, die gotische nennen 

Austria-Klinkhardt Ver sacrutn-Poppelbaum 

Prüft man mit Aufmerksamkeit die neueren 
Werke der Malerei, so findet man auf ihnen 
zahlreiche und oft gewaltsame Verstöße aller 

Sorbonne Berthold-Bauer & Co. 

Große Bedeutung haben die deutschen Städte 
schon in alter Zeit gehabt, denn innerhalb des 
Staates sind sie die einflußreichsten und auch 

Sorbonne-Kursiv Berthold-Bauer & Co. 

Diese Fehler, welche tatsächlich von Malern 
bei dem Arbeiten nach der Natur begangen 
werden, zeigen, daß die betreffenden nicht 

Corinna Berthold-Bauer & Co. 

Edel sei der Mensch, hülfreich und gut, das ist 
gewiß ein wahres Wort, und das andere wohl 
noch mehr, daß ein Mensch nur soviel wert sei 

Antiqua .Augenheil* Ludwig & Mayer 

In jedem Jahre reisen Tausende von 
Menschen nach dem ewigen Rom, wo 
alte Paläste und Ruinen an die Zeiten 

Franklin-Antiqua Genzsch & Hcvsc 

Aus dem vollen Gemütsleben hervorgeholt, 
einfach und wunderbar ergreifend dagegen 
sollen eine Reihe anderer Lieder, die Oden 

Augustea Berthold-Bauer & Co. 

Rasend und schäumend stürzt die Simme durch das 
enge Tal, Felsen durchbrechend, wilde Verheerungen 
anrichtend und immer in ungezügelter Leidenschaft 

Auriol Genzach & Heys« 


So unzugänglich und fo abgefebieden oom 
großen tUeltoerkebr dos mächtig und un* 
mittelbar aus der Ebene emporfteigende und 

Frankfurter Buchschrift B. Krebs Nachf. 

Die günstige Lage Frankfurts in der Mitte des 
deutschen Reiches, am Abhang des schönen 
Taunusgebirges, in der Nähe des Rheins hat 

Esperanto-Type Ludwig & Mayer 

Nur derjenige Mensch istfrei,dersich 
seiner Würde als Mensch bewusst ist 
und deresfühlt,dassereinen Adel in 

Ariadne Ludwig & Mayer 

In der Erkerstube dieses Hauses, auf dem Fenster¬ 
tritt, stand ein nicht mehr allzu junges Mädchen. 
Sie hatte den feinen Kopf mit dem sehr hellblonden 

Lang-Schrift Schriftgießerei Flinsch 

Nehmen wir an, das grobe Problem wäre 
gelungen, aus dem Holz von U/aldbäumen 
Nahrungsmittel herzustellen; der Erfinder 

Radium Ludwig & Mayer 

Im Altertum hatte man für die Hautpflege 
eine Menge kosmetischer Mittel, Salben 
und ähnliches. Ein solches Kosmetikum 

Halbfette Radium Ludwig & Mayer 

Das meer hat bei allen Völkern, 
welche es kennen, und zu allen 
Zeiten als etwas sehr heiliges 

Wallenstein J. G. Scheiter & Giesecke 

Die technischen Fortschritte in der 
Kunst des modernen Schiffsbaues 
ermöglichen Deutschland sich mit 

Breite magere Kolonial Wilh.Woellraer 

Zur Förderung des deutschen Seewesens 
sind durch staatliche und privative Initiative 
eine Reihe wichtiger Veranstaltungen ins 

Konsul-Kursiv Wilb.Woellmer 

Der Dicßfer 'üßomas 7Iloore verßracßfe vor 
etwa fießzig Jaßren in 'Bermuda meßrere 
7Jlonafe, war afs Degiftrafor gefeßießf und 

Rühlsche Kursiv C.F.Rühl 

gad)fdjule für Betdjtter 

Goethe-Fraktur Wllh.Wocllmer 

gattöbuef) öer (gröftuttbe 

Halbfette Frankfurter Fraktur Schriftgießerei Flinsch 

titabn (Hermann (Barten 

Bek-Gran Schriftgießerei Stempel 

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vorangegaogenen Jahre zeichnen sich diese^beiden 
durch ihr klares, einfaches Bild vorteilhaft aus. 

Vom Schnitt neuer Antiquaschriften ist aus dem 
letzten Jahre eine entschiedene Schwenkung nach 
einer neuen Richtung zu berichten. Die durch die 
„Romanisch“ eingeleitete und dann durch verschie¬ 
dene ähnliche Schnitte weitergeführte Ausbildung der 
„Römischen Antiqua“ scheint nun aufgegebenzu sein. 
Die in diesem Stil vorhandenen guten Schnitte ge¬ 
nügen auch tatsächlich dem Bedürfnis. Der Ge¬ 
schmack wendet sich jetzt zum Teil wieder den 
klassischen Schriften der Renaissance zu, zum Teil 
vermischt er sogenannte „moderne“ Formen mit 
den überlieferten, und zum Teil werden amerikani¬ 
sche Schriften für den deutschen Gebrauch egalisiert 
und modernisiert. So ist eine Anzahl recht brauch¬ 
barer Antiquaschriften entstanden, deren auffälligstes 
gemeinsames Merkmal darin besteht, daß alle feinen 
„Haarstriche“ vermieden wurden; einige der neuen 
Schriften neigen deshalb zur Monotonie, andre wieder 
sind fast überkräftig ausgefallen; zwischen beiden 
Extremen liegt aber eine so reiche Auswahl, daß jeder 
Geschmack befriedigt werden dürfte. Neben den wirk¬ 
lichen Buchschriften entstanden viele zwar auch so 
genannte, aber doch nur mehr oder weniger im Akzi¬ 
denzsatz verwendbare Schriften, die in Ähnlichkeits¬ 
gruppen zu gliedern nicht schwer fällt. 

Der Akzidenzsatz wurde im vergangenen Jahre 
durch einige gute Kursivschriften beeinflußt, unter 
welchen die „Trianon“ der Bauerschen Gießerei wohl 
am meisten Beachtung fand. Glücklicherweise sind 
die Buchdrucker in den sogenannten Biedermeierstil 
nicht allzutief eingedrungen und auch die Schrift¬ 
gießer haben sich nicht besonders weit damit einge¬ 
lassen. Die wirklich guten Schriften dieser Zeit wer¬ 
den also auch noch einige Zeit über den Biedermeier¬ 
stil hinaus „modern“ bleiben. Dies letztere wird auch 
voraussichtlich noch einigen andern Erzeugnissen be- 
schieden sein, die in das viele Jahre fast ganz ver¬ 
gessene Gebiet der Phantasieschriften gehören, und 
die, falls sie nicht gar zu sehr gegen das Wesen der 
typographischen Schrift verstoßen, zum Aufputz man¬ 
cher Drucksachen getrost verwendet werden mögen. 

Eine erfreuliche Erscheinung des letzten Jahres 
ist das Bestreben der Schriftgießereien, gute An¬ 
zeigenschriften zu schaffen, und da die Auffrischung 
des Anzeigenteiles unsrer Tagesblätter ein wirkliches 
Bedürfnis ist, so ist zu hoffen, daß die Buch¬ 
druckerden dahinzielenden Bestrebungen der Schrift¬ 
gießer das wünschenswerte Verständnis entgegen¬ 
bringen. 

Eine gedrängte Zusammenstellung von Schriften, 
die im letzten Jahre herausgekommen sind, wird, 
trotzdem sie auf Vollständigkeit wohl kaum Anspruch 
erheben kann, unsre Ausführungen einigermaßen er¬ 
gänzen. 


Schmale Excelsior Ludwig & Mayer 

C^eo7^ f&aiezßitcfs (Jl)ez/ce 

Marly Schriftgießerei Flinsch 

&rnStSei 9 aS'-Ce£en und 9 ie^Jujen 9 eine 

Jugend Gebr. Klingspor 

(TJtgißerwerke der ^Bifdßauerei 

Trianon Bauersctae Gießerei 

(Reisebilder aus dem (Srggebirge 

Manola Ludwig & Mayer 

^escßicßte der ßevmanen 

Rousseau J. G. Scheiter & Giesecke 

ßntwidctum ier äeutftfen £yrik 

Biedermeier-Reklame Schriftgießerei Stempel 

Verkehrsmittel der Jfenxeit 

Schmale fette Glorla-Kurslv Emil Gursch 

J Deutsches Postwesen 

Fette Gloria-Kursiv Emil Gurscb 

Beines Pflanzenfett Mudot 


Numrich & Co 


Enge fette Zeitungs-Kursiv 

Uhlands Balladen 


Bavaria-Kursiv 


Genzsch & Heyse 


Neueste Bauten Gubens 

Schelter-Kursiv J. G. Scheiter & Giesecke 

IW Hod Bilder ans MM nid Sidtseikiosn 


Lukrativ 


Aktiengesellschaft für Schriftgießerei 



inweit 

Graziöse 

Oldenburg 24 BAD GIB 30 Helgoland 


Genzsch & Heyse 


Strella 


Schriftgießerei Flinsch 


Das Kinderlehen in der deuleo Iler janjeobeil 

Magnet Gebr. Klingspor 

Episoden ans der Bucbdrncher-Gescbichfe 


Enge Marschall 


Wilh. Woellmer 


Aktten-Gesellschalf VULKAN 


Fette Marschall 


Wilh. Woellmer 


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Sängerfahrt nach Düsseldorf 

Schmale halbfette Römisch Genzsch & Heyse 

Liebe iit Gleidiklang der Seelen 

Falstaff Gebr. Klingspor 

Deutschland in Uleftafrika 

Halbfette Saxonia Julius Kllnkhardt 

Amerikanische Eisenindustrie 

Ovid J. G. Scheiter & Giesecke 

(Doöerner Schiffsbau 

Halbfette Schelter-Antiqua J. G. Scheiter & Giesecke 

Herbst-Bilder aas dem Uaunus 

Irene Aktiengesellschaft für Schriftgießerei 

Das Landhaus am Rhein 


Thetis Aktiengesellschaft für Schriftgießerei 

Die Hervorbringung neuer Ornamente hielt sich in 
bescheidenen Grenzen. Außer einigen Erscheinungen, 
die auf eine Blüte des Biedermeierstils berechnet 
waren, haben andre mit lebensfrischeren Motiven 
noch willigere Aufnahme gefunden. Daneben wurden 
ornamentale Fragmente eindringlich empfohlen, deren 
Benutzung eine schier verschwenderische Verwen¬ 
dung der Messinglinie voraussetzt. Wenn damit be¬ 
absichtigt war, der Messinglinienfabrikation, die durch 
die Pflege einer Druckausstattung nach dem Vorbilde 
der alten Meister der Buchdruckerkunst fast völlig 
auf das Trockene geraten war, wieder aufzuhelfen, so 
dürfte der Erfolg wohl kaum lange anhalten, denn die 
reichliche Verwendung der Messinglinie als Schmuck¬ 
material ist nicht nur eine schwierige, sondern auch 
eine kostspielige Kunst. 

Das innere Getriebe der Schriftgießerei bietet für 
den Jahresbericht, wenn er sich auf das rein Tech¬ 
nische beschränken soll, diesmal nicht viel Neues 
mehr. Nachdem die Vereinigung der Schriftgießerei- 


Russische Vorschule 

Fafner J. G. Scheiter & Giesecke 

Deutscher Bu cbgeioerbeoerein 

Egenolff und halbfette Egenolff Ludwig & Mayer 

Kunst-Akademie KASSEL 

Halbfette Mercedes Wilh. Woellmer 


Kommerzienrat’ Adolf Huber 

Mimosa Julius Klinkbardt 



Alblngia Genzsch & Heyse 


PöfoßEE dloßolni ESeßlßo 

Lichte Wallcnstein J. G. Scheiter & Giesecke 

m5TüfLKunDe 

Maria Theresia J. G. Scheiter & Giesecke 

besitzer Deutschlands im vorigen Jahr den von der 
Leipziger Typographischen Gesellschaft bearbeiteten 
Gießzettel für Brotschriften zur Einführung angenom¬ 
men, hat die Leipziger Gesellschaft nun auch einen 
Gießzettel für Titelschriften herausgegeben, der je¬ 
doch die offizielle Anerkennung noch nicht fand. Alle 
Achtung vor der Arbeit der Leipziger Gesellschaft; 
aber warum läßt man den schwierigen Stoff nicht auch 
von Sachverständigen andrer Gießer- und Drucker¬ 
städte bearbeiten? Wenn etwas für die Allgemeinheit 
geschaffen werden soll, so muß man dieser auch Ge¬ 
legenheit geben, mitzutun. Ähnlich verhält es sich 
mit der Frage bezüglich der Plattenstärke für Stereo¬ 
typen und Galvanos, deren einheitliche Regelung 
durchaus wünschenswert ist. Hier wie dort verspricht 
ein Zusammengehen der Buchdrucker mit den Schrift¬ 
gießern den besten Erfolg, wie denn beide Gewerbs- 
zweige auch in vielen andern Fragen am besten vor¬ 
wärtskommen werden, wenn sie vertrauensvoll Hand 
in Hand arbeiten. 


Die photographischen Vervielfältigungsverfahren im Jahre 1906. 

Von Prof. Dr. G. AAR LAND, Leipzig. 


M ANCHE wertvolle Erfindung ist 'im ver¬ 
flossenen Jahre in die Praxis eingeführt 
.worden, über die Bericht zu erstatten ist. 
Man fängt nach und nach an, den Neuerungen und 
Verbesserungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, 
als das bisher der Fall war. Der Selbsterhaltungstrieb 
verlangt gebieterisch diese Rücksichtnahme. Der Auf¬ 
traggeber fordert schnelle Lieferung und vorzügliche 
Ausführung. Dabei sind infolge unpraktischen Ge¬ 


schäftskampfes die Preise für graphische Arbeiten so 
herabgedrückt, daß nur bei Ausnutzung aller Vorteile, 
sowie der durch neue Erfindungen gebotenen Erleich¬ 
terungen noch ein kleiner Gewinn herausspringt. Von 
maßgebender Seite wird versichert, daß wir in der 
graphischen Industrie bösen Zeiten entgegengingen! 

Aus dem Gebiete der photographischen Optik kann 
wenig mitgeteilt werden. Verschiedenes Neue er¬ 
scheint erst im kommenden Jahre auf dem Markt. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Die apochromatischen Objektivsysteme, wie sie von 
unsern hervorragenden optischen Anstalten in vor¬ 
züglicher Weise gebaut werden, bürgern sich in den 
Reproduktionsanstalten immer mehr ein. 

Die seltene Feier ihres 150jährigen Bestehens 
feierte vor kurzem die optische und mechanische 
Werkstätte von Voigtländer & Sohn in Braunschweig. 

Eine neue Art von Bogenlampen fertigt die Car- 
bone-Licht-Gesellschaft in Berlin NW. Die Carbone- 
Lampen werden für Gleich- und Wechselstrom her- 
gestellt. Die Bauart dieser in allen Staaten geschützten 
Lampen ist ganz neu und weicht von der üblichen 
vollständig ab. Das damit erzeugte Licht kommt dem 
Sonnenlicht am nächsten. Die zartesten Farbentöne, 
z. B. hellgelbe Farben, lassen sich bei demselben 
unterscheiden, genau wie bei Tageslicht. 

DieCarbone-Lampen haben schon in verschiedenen 
photographischen Anstalten Eingang gefunden. Sie 
sind bei Aufnahme farbiger Gegenstände von großem 
Werte. Im HÖrsale der Königlichen Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig be¬ 
finden sich zwei solcher Lampen, die voll befriedigen. 

Auch die Quecksilberlampe hat sich in der Re¬ 
produktionsphotographie, sowohl bei ein- wie mehr¬ 
farbigen Vorlagen sehr gut bewährt, wie mir von dem 
Leiter der Graphischen Gesellschaft in Berlin, 
Herrn Dr. Mertens, mitgeteilt wurde. Sein in allen 
Kulturstaaten geschütztes neuartiges Aufnahmever¬ 
fahren, bei denen diese Lampen Verwendung finden, 
ist für die verschiedensten Industriezweige von ein¬ 
schneidender Wichtigkeit. Im nächsten Jahre wird an 
dieser Stelle eingehend über diese interessante Er¬ 
findung berichtet werden. 

Vorderhand kann nur mitgeteilt werden, daß die 
Kamera drehbar ist, und daß der Gegenstand durch 
einen Spalt stückweise aufgenommen wird. Man hat 
es dabei in der Hand, durch die Stellung der Beleuch¬ 
tungslampen ganz nach Wunsch die denkbar größten 
Gegensätze auf dem Negativ herbeizuführen. So läßt 
sich z. B. bei Aufnahme von Ölgemälden die Pinsel¬ 
technik in kräftigster Weise zum Ausdruck bringen, 
oder Gewebe in ungeahnter Plastik wiedergeben. 
Die teuern Scheinwerfer werden durch diese Ein¬ 
richtung entbehrlich. Weiter ist der photographische 
Apparat so gebaut, daß auf einer Platte Aufnahmen 
mit verschiedenen Rastern gemacht werden können. 

Der neue photographische Apparat liefert ferner 
wertvolle Aufnahmen für die Textilindustrie, den 
Tapetendruck usw. Bei derartigen Aufnahmen kommt 
es namentlich darauf an, die Negative so herzustellen, 
daß man nach der Übertragung und Ätzung der Druck¬ 
walzen die Ansatzstellen nicht merkt. Der Apparat 
arbeitet tadellos und hat sich auch bei Anfertigung 
vielfarbiger Muster glänzend bewährt. 

Die Koh-i-noor-Rasterfabrik von Herbst & Illig in 
Frankfurt am Main hat eine neue Preisliste heraus¬ 


gegeben, aus der hervorgeht, daß die Firma sämtliche 
Patente und Rechte von Schulze erworben hat. Bei 
dem Schulzeschen Kreuzraster bilden die Linien 
einen Winkel von 60°. Mit Hilfe geeigneter Blenden 
erhält man Negative, deren Übertragungen auf Metall 
nur einer einmaligen Ätzung bedürfen, wobei die 
feinste Zeichnung erhalten bleibt. Die Preise sind 
die gleichen, wie die der bekannten Raster. 

Es werden Kreuzraster bis zu 160 Linien auf den 
Zentimeter hergestellt. 

Auch der bekannte Rasterfabrikant J. C. Haas in 
Frankfurt am Main bringt seiner Kundschaft eine 
neue sehr ausführliche Preisliste dar, der erläuternder 
Text beigegeben ist. 

Sehr schöne Korn-Autotypien hat die Böhmisch- 
graphische Gesellschaft „Unie“ in Prag nach ihrem 
Patentverfahren gefertigt. Auch hat Angerer&Göschl 
in Wien mit dem Mezzograph-Kornraster hübsche 
Ätzungen hergestellt, die alle Beachtung verdienen. 

Die Spitzertypie-Gesellschaft in München gab ein 
neues Musterheft heraus, worin auch mehrfarbige 
Drucke sich befinden. Dieses Musterheft ist an andrer 
Stelle besprochen worden. Es sind sehr hübsche 
Sachen darin und man gewinnt den Eindruck, als ob 
man das Verfahren jetzt mehr in der Gewalt hätte 
wie anfangs. Immerhin sind viele der Beilagen noch 
zu hart, insbesondere dort, wo es sich um große 
Gegensätze handelt. Auch von den Farbendrucken 
gilt das. Vielleicht kann im nächsten Jahre in erfreu¬ 
licherer Weise berichtet werden. Die Preise er¬ 
scheinen gegenüber den Netz-Autotypien etwas hoch. 
Die Gesellschaft zeigt übrigens durch ein Rund¬ 
schreiben vom 15. Oktober 1906 an, daß Herr 
Dr. R. Defregger wegen anderweitiger Inanspruch¬ 
nahme ausgetreten ist, und daß Herr H. Bieler die 
Geschäftsführung übernommen hat. 

Eine interessante Abhandlung veröffentlichte Dr. 
J. Husnik-Prag im Januarheft der Photographischen 
Korrespondenz 1906. In dieser Arbeit sind, an¬ 
knüpfend an die Spitzertypie, verschiedene Versuche 
über Herstellung von Kornätzungen geschildert, auch 
erwähnt worden, daß durch Kornraster erzeugte 
Ätzungen nicht die Schärfe haben, als Kopien auf 
Metall mittels Halbtonnegativen. Hierbei werden 
allerdings alle Feinheiten wiedergegeben und er¬ 
halten, weil die Kornbildung erst beim Entwickeln vor 
sich geht. Dasselbe ist der Fall, wenn man das 
natürliche Korn der Lichtdruckplatte zur Herstellung 
von Hochdruckplatten benutzt, wie ich in Eders Jahr¬ 
buch 1896, Seite 33 und in verschiedenen Zeitschrif¬ 
ten dargetan habe. Nach diesem, übrigens bekannten 
Verfahren habe ich früher eine Anzahl hübscher 
Kornätzungen ausgeführt, die auch bei größeren 
Auflagen sich leicht drucken ließen. 

Bei der Spitzertypie liegt die Sache insofern etwas 
anders, als das natürliche Korn des photographischen 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Negativs die Veranlassung zur Kornbildung ist und 
nicht eine der Chromatschicht zugesetzte korn¬ 
bildende Substanz. 

Über Dreifarbenverfahren ist nicht viel zu sagen. 

Die neuen Sensibilisatoren Pinaverdol und Pina- 
cyanol sind u. a. auch von A. v. Hübl untersucht 
worden. Er äußert sich darüber in der Photogra¬ 
phischen Korrespondenz 1906, Seite 165: „Pina¬ 
verdol ist ein ausgesprochener Grünsensibilisator; 
das Pinacyanol hält v. Hübl für den besten Sensibili¬ 
sator der Gegenwart“. In Wirklichkeit „panchro¬ 
matische“ Platten haben wir aber trotz alledem noch 
nicht, denn dem Pinaverdol fehlt die Rot- und dem 
Pinacyanol die Grünempfindlichkeit! 

In seinem wertvollen „Beitrag zur Dreifarben¬ 
photographie“ im Atelier des Photographen 1906, 
Juni-, Juli- und Augustheft, stellt v. Hübl, nachdem 
er die Unterschiede zwischen additiver und subtrak- 
tiver Farbenmischung auf Grund wissenschaftlicher 
Betrachtungen ausführlich erklärt hat, seine Ansichten 
über die Bedeutung der Young-Helmholtzschen Theo¬ 
rie für die Dreifarbenphotographie dar. Er kommt 
dabei zu dem Ergebnis, daß dieselbe für die Theorie 
der Dreifarbenphotographie keinerlei Bedeutung 
hat. Bei der Festlegung der Grundfarben beweist 
v. Hübl, daß man bei allen Methoden der Dreifarben¬ 
photographie auf nur ein Grundfarbensystem an¬ 
gewiesen sei, nämlich Gelb, Rot und Blau. In be¬ 
zug auf die Farbenfilter folgt alsdann aus seinen 
Auseinandersetzungen, daß „wegen der Notwendig¬ 
keit gleicher Grundfarben auch gleiche Farbenfilter 
bei der photographischen Aufnahme zu verwenden 
sind, daß also ein Unterschied zwischen additiven und 
subtraktiven Filtern nicht gerechtfertigt erscheint 
Damit ist auch diese Frage endgültig entschieden. 

Als Kuriosum soll erwähnt werden, daß jetzt nach 
bekannten Mustern „Rapid“ filter für Dreifarben¬ 
aufnahmen in den Handel gebracht werden. Diese 
Unsitte wird von Hans Schmidt im Photographischen 
Wochenblatt 1906, Nr. 25 scharf gegeißelt. Er sagt 
u. a.: „Die Bezeichnung ,rapid 4 erweckt bei dem 
Laien den Glauben, als sei mit der Einführung 
dieser Filter ein wesentlicher Fortschritt in der Drei¬ 
farbenphotographie zu verzeichnen. Dem ist aber, 
wie ich feststellen will, keineswegs so. Die neuen 
„Rapid“filter von Dr. König sind wohl lichtdurch¬ 
lässiger, als dessen ältere , aber diese neuen Rapid¬ 
filter sind keineswegs lichtdurchlässiger als die¬ 
jenigen Filter, welche schon lange vorher von andern 
Experimentatoren benutzt und empfohlen wurden. 
Die älteren Filter von Dr. König waren also kurz ge¬ 
sagt noch nicht auf der Höhe, und die neuen Rapid¬ 
filter kommen erst den älteren Filtern andrer Experi¬ 
mentatoren gleich , übertreffen sie aber keineswegs. 

Ein gutes Filter muß die durchzulassenden Licht¬ 
strahlen ungeschwächt durchlassen und die zu ab¬ 


sorbierenden Strahlen ganz absorbieren; das alles 
ist selbstverständlich. Ein Filter kann die Lichtmenge 
nicht steigern, sondern nur verringern, dann aber 
ist es eben nicht „gut“. Vollkommen lichtdurchlässige 
Filter sind aber sehr leicht herzustellen und man be¬ 
darf dazu keineswegs der teueren „Patent“-Farb¬ 
stoffe einer bestimmten Fabrik. 

Sollte wirklich auch schon in die Dreifarbenphoto¬ 
graphie jene ungesunde Nomenklatur eingeführt 
werden, wie sie in der Optik bereits zu Hause ist? 
Wir meinen die Bezeichnung mit „rapid“, „extra ra¬ 
pid“ usw. da, wo sie höchst unangebracht ist. Ein 
Verdienst um die Wissenschaft dürften sich die 
hieran Beteiligten nicht erwerben.“ 

(Auch bei der Plattenfabrikation bedient man sich 
solcher unpassenderBezeichnungen,wienormal,hoch, 
höchstempfindlich, oder rapid, extra rapid, ultra ra¬ 
pid. Was sich wohl die Menschen dabei vorstellen 
mögen? Ref.) 

Damit dürfte auch dieses Reklamestückchen für 
den denkenden Leser abgetan sein. 

Vor einiger Zeit ließ sich Zander in London ein 
angeblich neues Verfahren nicht nur in England, 
sondern auch in Deutschland und Österreich gesetz¬ 
lich schützen. Er meint, daß zur richtigen Farben¬ 
wiedergabe die drei Farben Gelb, Rot und Blau nicht 
ausreichen, daß vielmehr eine vierte Farbe, Grün, 
dazu erforderlich sei. Zander hat in verschiedenen 
Zeitschriften Proben seiner „neuen“ Erfindung ge¬ 
geben, die, soweit sie mir zu Gesicht gekommen 
sind, nicht gerade empfehlenswert und beweiskräftig 
für sein neues Verfahren sind. Dieses Vierfarben¬ 
verfahren ist von Eder bereits im Jahre 1896 an¬ 
gegeben und in den Schriften des Vereins zur Ver¬ 
breitung naturwissenschaftlicherKenntnisse,36.Band, 
Seite 235 veröffentlicht worden. 

Eder hat, wie er in der Photographischen Korre¬ 
spondenz 1906, Seite 477 bekannt gibt, im Interesse 
der Allgemeinheit gegen die Patenterteilung Ein¬ 
spruch erhoben und es ist sehr zu wünschen, daß 
er damit Erfolg hat. 

Eine ziemlich umfassende Zusammenstellung von 
Dreifarbendrucken, die nach den verschiedenen Ver¬ 
fahren hergestellt wurden, befand sich auf der dies¬ 
jährigen photographischen Ausstellung in Berlin. Es 
waren recht hübsche Sachen dabei. Das Gesamt¬ 
ergebnis ist aber als recht kläglich zu bezeichnen in 
Anbetracht der vielen Zeit und der ungeheuren Re¬ 
klame, die darauf verwendet worden ist. Den Drei¬ 
farbenbuchdruck schließe ich hiervon aus. Er ver¬ 
dankt seine guten Arbeiten in der Hauptsache der 
geschickten Bearbeitung beim Ätzen. 

Seit Juli dieses Jahres wird in Paris eine Monats¬ 
schrift: La Photographie des Couleurs von Charles 
Mendel herausgegeben, die sich nur mit der Farben¬ 
photographie befassen wird. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Der Rastertiefdruck, der unter den Namen Rem- 
brandt-Intaglio- und Mezzotinto-Druck bekannt ist, 
wird nunmehr auch von der Hofkunstanstalt J. Löwy 
in Wien ausgeübt. Die Drucke sind von vorzüg¬ 
licher Wirkung. Dieses ursprünglich wohl von Klic 
herrührende und zuerst von England aus bekannt ge¬ 
wordene Verfahren, scheint in verschiedener Weise 
zur Ausführung zu kommen. Das Drucken erfolgt 
zum Teil von Platten, zum Teil von Walzen. Welcher 
Weg von den verschiedenen Kunstanstalten einge¬ 
schlagen wird, läßt sich mit zweifelloser Sicher¬ 
heit nicht feststellen; vielleicht wird nach beiden Me¬ 
thoden gearbeitet. Auch die Graphische Gesellschaft 
in Berlin hat nach langjährigen Arbeiten ein neues 
Rastertiefdruckverfahren ausgearbeitet und durch 
eine Anzahl von Patenten schützen lassen. Dasselbe 
ist zu vielseitiger Verwendung geeignet. Der Druck 
erfolgt hierbei ausschließlich von Walzen. Auch über 
diese interessante, für das Buchgewerbe sowohl, wie 
für die Textilindustrie und die Tapetenfabrikation 
hochwichtige Neuerung wird im nächsten Jahre aus¬ 
führlich Bericht erstattet werden. Sie arbeitet mit 
unbedingter Sicherheit und Schnelligkeit. Die Her¬ 
stellung der Druckwalze ist die denkbar einfachste. 
Die Negative werden mit Hilfe des Kreuzrasters her¬ 
gestellt und müssen einen bestimmten Charakter be¬ 
sitzen, wenn sie hierfür brauchbar sein sollen. Sie 
weichen von den gewöhnlichen autotypischen Nega¬ 
tiven ab. Das Abziehen von der Glasplatte geschieht 
mittels Kautschuklösung. Das Befestigen auf dem 
Metallzylinder erfolgt in der bekannten Weise. Herr 
Dr. Mertens, der Erfinder dieses Verfahrens, hat 
nach vielen mühevollen Versuchen diese einfache 
Handhabung zusammengestellt. Die Bildgröße ist 
unbeschränkt und man wird in Zukunft gleichzeitig 
mit dem Bild auch den Text drucken. Die bisherigen 
Arbeiten sind schon sehr weit gediehen. Beim Druck 
ist keine besondere Zurichtung erforderlich. Die 
Druckwalze wird einfach in die Presse, die Ähnlich¬ 
keit mit einer solchen für Tapetendruck hat, eingelegt 
und der Druck kann beginnen. So sind beispiels¬ 
weise gute Probedrucke auf diese Weise schneller 
herzustellen, als auf dem gewöhnlichen Wege, wo 
erst zugerichtet werden muß. Das Papier kann stark 
oder dünn sein; ebenso spielt die Zusammensetzung 
der Farbe keine Rolle. Man kann Firnis-, Aquarell¬ 
oder andre Farben benutzen. 

Die Drucke besitzen den vornehmen, satten Farben¬ 
ton der bekannten Heliogravüren. Es sind ja in der Tat 
auch mittels Rotationsschnellpressen gefertigte Helio¬ 
gravüren. Da das Schabemesser, die „Rakel“, immer 
nur eine ganz bestimmte Menge Farbe auf der Druck¬ 
walze läßt, wird eine auf anderm Wege kaum erreich¬ 
bare Gleichmäßigkeit der Drucke erzielt; der Ausschuß 
wird daher ganz unbedeutend sein. Von hervorragen¬ 
dem W erte ist dieses Verfahren für den Dreifarbendruck. 


Der Umfang der Druckzylinder kann beliebig sein. 
Die Leistungsfähigkeit der Pressen kommt der der 
Zeitungsrotationsmaschinen gleich, mit denen sie in 
bezug auf Billigkeit der Arbeiten in Wettbewerb 
treten werden. Somit dürfte diese neue Erfindung 
für das gesamte Buchgewerbe von außerordentlicher 
Tragweite werden. 

In Siegburg hat sich eine Aktiengesellschaft ge¬ 
bildet, die Druckwalzen für alle Zwecke nach den 
Patenten von Dr. Mertens und Rolffs anfertigt. Ins¬ 
besondere werden solche für Tapeten- und Kattun¬ 
druckereien, für Linoleum- und Wachstuchdruck er¬ 
zeugt. Ferner wird der Plakatdruck ausgeübt, sowie 
Kataloge und Kunstblätter nach diesem Verfahren 
hergestellt. Bedeutende Kattundruckereien in den 
Vogesen arbeiten mit diesen Walzen. Die hiermit 
gedruckten vielfarbigen Kattune und Tapeten sind 
von großer Schönheit und passen ausgezeichnet. Im 
Verein mit dem neuen Aufnahmeverfahren werden 
ganz eigenartige schöne Muster hervorgebracht. 

Der Dr. Albertsche Ätzstriegel, über den im Juli¬ 
heft berichtet wurde, hat mittlerweile mehrere Ver¬ 
besserungen erfahren. Der Ätzschale ist durch ge¬ 
eignete Behandlung größere Haltbarkeit gegeben 
worden. Das Entleeren der Säure erfolgt durch eine 
am Boden angebrachte mit Gummistopfen verschlie߬ 
bare Öffnung in einen untergestellten Eimer. Das 
Herausspritzen der Säure wird durch einen Schieber, 
der über den Ätzstriegel greift, vermieden. Beim 
Öffnen des Apparates fließt die Säure vom Striegel 
wieder in die Ätzschale zurück. Die ganze Aus¬ 
stattung des Apparates ist jetzt viel eleganter gegen¬ 
über der früheren. 

Um die Ätzdauer genau einhalten zu können, hat 
Dr. Albert eine „Ätzuhr“ anfertigen lassen, die zum 
Preise von 12 M. geliefert wird. In jüngster Zeit sind 
eine größere Anzahl solcher Ätzstriegel in verschie¬ 
denen Kunstanstalten eingeführt worden. 

Im Dr. Streckerschen Zinkdruck scheint man, nach 
dem Artikel im Februarheft dieser Zeitschrift, einen 
Schritt weiter gekommen zu sein, obwohl immernoch 
genug Schwierigkeiten zu überwinden sind. Ob es 
dem Aluminiumdruck, der sich im militärgeographi¬ 
schen Institut und der Staatsdruckerei in Wien so 
vorzüglich bewährt hat, gleichkommen wird, muß die 
Zukunft lehren. Einen vollen Ersatz für den Stein 
bieten beide Verfahren nicht. 

Über die Photo-Galvanos von L. Weis in Leipzig-R. 
hat man nichts weiter gehört. Das Verfahren besteht 
darin, daß mit Bichromaten lichtempfindlich gemach¬ 
tes Gelatinepapier nach dem Kopieren unter einem 
Negativ oder Positiv mit Wachsfirnis eingewalzt wird. 
Nach dem Aufträgen von Graphit- oder Metallpulver 
legt man das Papier in Wasser, läßt aufquellen und 
erzeugt dann im Kupferbade auf galvanischem Wege 
die Druckplatte. 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


wechselnden Arbeitsaufgaben, kann eine kompli¬ 
ziertere Maschine weniger rationell ausgenutzt wer¬ 
den. Zu solchen Arbeiten werden Maschinen mit 
einfacher Handhabung, leichter Einstellbarkeit und 
sicherem Funktionieren gefordert, und diesen nicht 
unberechtigten Forderungen wird von seiten der 
Maschinenbauer auch Rechnung getragen. 

Alle auf dem Gebiete des Maschinenwesens er¬ 
folgten Neuerungen kann ich leider nicht aufführen, 
ich muß mich vielmehr auf das mir bekannt Gewor¬ 
dene beschränken. Ein näheres Eingehen ist hierbei 
nicht notwendig, da ja die Maschinenfabrikanten nicht 
versäumen, die von ihnen geschaffenen Neuerungen 
den Abnehmerkreisen usw. genügend bekannt zu 
machen. 

Die Firma Karl Krause , Leipzig , brachte eine Uni¬ 
versal-Eckenausstoß- und Stanzmaschine auf den 
Markt, deren Obermesser in besonderen Führungen 
gleiten, die ihrerseits mit den Untermessern fest ver¬ 
bunden sind, so daß das zeitraubende Einstellen 
zwischen Ober- und Untermesser fortfällt und jede 
ungeübte Person die Maschine bedienen kann. Durch 
Einführung einer kleinen Universal-Ausstanzmaschine 
wurde dem Bedürfnis nach einer vielseitigen billigen 
Hilfsmaschine für kleinere Schnitte und Stanzungen 
abgeholfen. In der Handhabung der Rillen-, Nut- und 
Ritzapparate erweist sich eine neue Spezialeinrich¬ 
tung der Firma als recht angenehme Erleichterung, 
weil sie gestattet, daß jeder einzelne Apparat für 
sich aus der Maschine genommen bzw. eingeführt 
werden kann, ohne auchjedesmal dienebenstehenden 
entfernen und wieder einsetzen zu müssen. 

Eine wesentliche Verbesserung haben die Revol¬ 
ver-Prägepressen der genannten Firma durch Ein¬ 
richtung des Kurbeltriebs erhalten, der in exakter 
Weise die Tischdrehung bewirkt und durch längere 
Ruhepausen das Bedienen erleichtert. Die schräg¬ 
stehende Kniehebel-Tiegeldruckpresse ist durch wei¬ 
tere Verbesserungen sehr vervollkommnet worden. 
Die Möglichkeit eines vollständig sicheren Arbeitens 
gewährleistet eine zum Patent angemeldete Hand¬ 
schutzvorrichtung, die so beschaffen ist, daß sie, ohne 
dem Arbeiter hinderlich zu sein, die Hand in allen 
Fällen aus der gefährdeten Stellung zieht und ein 
Nachgreifen unter die Druckflächen verhindert. 

Auf die kleine Tisch-Vergoldepresse der Firma 
Krause mit verstellbarem Heizkasten, die zum Auf¬ 
drucken von Zierstücken, Titeln u.dgl. auf fertig und 
fest gebundene Bücher sich vorzüglich eignet, möchte 
ich kleinere Buchbindereien ganz besonders auf¬ 
merksam machen. 

Die Firma August Fomm, Leipzig, hat mehrere 
neue Maschinen zum Patent angemeldet, über die 
jedoch erst in einiger Zeit berichtet werden kann. 

Der größeren Klarheit wegen trenne ich das Gebiet 
der Großbuchbinderei von demjenigen der kleineren, 


mehr handwerklichen Betriebe. Ich möchte aber hier¬ 
aus nicht den Schluß gezogen haben, als ob beide 
nicht zusammengehören könnten. Für die kunstge¬ 
werbliche, mehr handwerkliche Buchbinderei war das 
Jahr 1906 ereignisreicher als das Vorjahr. Auf die 
kunstgewerbliche Richtung haben die eingangs ge¬ 
schilderten Verhältnisse weniger Einfluß, obwohl sie 
nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Für dieses 
anders geartete Gebiet waren zwei Ereignisse von be- % 
sonderer Bedeutung: die Internationale Buchbinde¬ 
kunst-Ausstellung in Frankfurt a. M. und die III. Deut¬ 
sche Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden. Die erstere 
sollte einen Überblick über das internationale Schaffen 
der heutigen Buchbindekunst geben, aber leider konnte 
das gesteckte Ziel nicht ganz erreicht werden, da vor 
allem verschiedene ausländische und auch deutsche 
Buchbinder von einer Beteiligung absahen. Manche 
geläufige Namen fehlten, die vertreten hätten sein 
müssen. Ob aber durch eine regere Beteiligung ein 
wesentlich andres Bild entstanden wäre, dürfte 
vielleicht fraglich sein. Jedenfalls aber ging aus 
dieser Veranstaltung ziemlich klar hervor, daß die 
deutschen Buchbinder keinen leichten Stand gegen¬ 
über denjenigen des Auslandes haben, in welchem die 
Kunstbuchbinderei hervorragend gepflegt wird. Ich 
meine aber, daß die Erfolge des Auslandes sehr leicht 
erklärlich sind,wenn berücksichtigt wird,daßdieNach- 
frage nach derartigen Arbeiten bei uns im Verhältnis 
zum Auslande, z. B. England, verschwindend klein ist 
und infolgedessen auch der Kreis der Ausführenden 
ein beschränkter sein muß. Von der Nachfrage bzw. 
der Zahl der Buchbindekunsthandwerker ist aber auch 
Quantität und Qualität der Arbeit mehr oder minder 
abhängig. Die ständige lohnende ausländische Erzeu¬ 
gung, die in einer dem deutschen Großbetriebe ähn¬ 
lichen Arbeitsteilung erfolgt, ergibt aber eine Hand¬ 
geschicklichkeit, die, vereint mit erfahrener künst¬ 
lerischer Beihilfe, selbstverständlich unsre deutschen 
seltenen Arbeiten übertrifft. Da die Bedingungen, 
unter welchen die deutsche Kunstbuchbinderei 
arbeiten muß, grundverschieden von denen des Aus¬ 
landes sind, so ist zu hoffen, daß in maßgebenden 
kunstverständigen Kreisen bei Leistungsvergleichen 
die Unterschiede der Verhältnisse berücksichtigt und 
nicht mehr gefordert wird, als nach Lage der Sache 
zu leisten möglich ist. In Fachkreisen aber wird man 
zu der Erkenntnis kommen müssen, daß wir uns in 
der Ausstattung von Handeinbänden den bei uns 
herrschenden Verhältnissen anzupassen haben, um 
einen entsprechenden Lohn für diese Arbeiten zu er¬ 
zielen. 

In der vom Deutschen Buchgewerbeverein im Auf¬ 
träge der Direktion der Dresdener Kunstgewerbeaus¬ 
stellung veranstalteten buchgewerblichen Gruppe wa¬ 
ren die hervorragendsten deutschen Kunstbuchbinder 
bzw. kunstgewerblichen Firmen vertreten. Daß dieser 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


Kreis kein großer war, beweist das von mir Gesagte. 
Eine nicht kleine Anzahl von Arbeiten waren in ver¬ 
schiedenen andern Räumen unübersichtlich zerstreut. 
Ich kann hier keine eingehende Berichterstattung 
geben, sondern muß mich mehr auf Hauptgesichts¬ 
punkte beschränken. Zuvor aber muß ich der leider 
recht ungenügenden Berichterstattung gedenken, so¬ 
weit solche bis jetzt in den buchbinderischen Fach¬ 
blättern erfolgte. In der ganzen Auffassung und in 
der Beurteilung der Arbeiten ist dabei mitunter eine 
staunenswerte Naivität, Oberflächlichkeit, ja leider 
auch Anmaßung zum Ausdruck gekommen, die 
den Wert solcher Ausführungen ungemein vermin¬ 
dern muß. Zu bedauern ist, daß durch solche ober¬ 
flächliche und teilweise tendenziöse Berichterstattung 
in geschmacksunsicheren Kreisen Unsicherheit und 
Mißtrauen hervorgerufen wird. Zu diesem Kapitel 
gehört auch der unschöne Meinungsstreit, der sich 
nach beiden Ausstellungen in den Fachblättern breit 
machte und in ernsten Fachkreisen einen häßlichen 
Eindruck hinterließ. Man mag mir glauben, daß sol¬ 
cher ungereimte Widerstreit der Meinungen einen 
recht kleinlichen Standpunkt widerspiegelt, nach dem 
leider auch das Niveau des ganzen Standes einge¬ 
schätzt wird. Kleinliche Zänkereien sollten des¬ 
wegen lieber unterlassen werden. 

Nach diesen die Lage kennzeichnenden Neben¬ 
bemerkungen möchte ich einiges über die Leistungen 
selbst bemerken, die, kurz gesagt, entschieden einen 
Fortschritt aufwiesen, der aber nach meiner Ansicht 
weniger der Gesamtheit, sondern mehr einzelnen in 
unserm Fache tätigen Kräften zu verdanken ist. Mit 
andern Worten, es wird das einzelne Gute in unserm 
Gewerbe noch allzusehr von weniger Gutem über¬ 
wuchert. In Dresden galt es aber gerade zu zeigen 
und zu beweisen, wieweit unsre heutigen ästhetischen 
Forderungen begriffen und geklärt sind, wieweit der 
einzelne in der Lage war, Geschmackssicherheit zu 
zeigen. Verschiedene Aussteller bewiesen ihren un¬ 
sicheren Geschmack dadurch, daß sie neben wirklich 
Hervorragendem auch weniger Gutes ausstellten, so 


daß sie von den Preisrichtern nicht so gut bewertet 
wurden, als sie vielleicht erwartet hatten. Ich will 
gern einräumen, daß die Jury vielleicht dem einen 
oder andern Punkt nicht ganz Rechnung trug, weil 
sie die intime Fachkenntnis nicht haben konnte, wel¬ 
che einer Beurteilung der Einbandästhetik, soweit 
letztere in einer gesunden Technik wurzelt, doch als 
Grundlage dienen muß. Eine solche Fachkenntnis 
kann nur von einem guten Fachmanne vorausgesetzt 
werden. Immerhin aber muß doch unparteiisch an¬ 
erkannt werden, daß die Jury im großen Ganzen das 
Richtige getroffen hat. Nach meiner Meinung kommt 
es durchaus nicht darauf an, ob eine Jury ganz genau 
und haarscharf das Richtige traf, sondern darauf, ob 
der Ausstellende seiner Sache sicher ist und seine 
Arbeit in jeder Hinsicht vertreten kann. Diese Sicher¬ 
heit aber dürfte unsern Ausstellern in der Mehrzahl 
fehlen. Aus den Ergebnissen beider Ausstellungen 
ist nach Lage unsrer deutschen Verhältnisse der 
Schluß zu ziehen, daß die teilweisen Mißerfolge zum 
großen Teil auf Mangel künstlerischer Geschmacks¬ 
empfindung zurückzuführen sind, die am besten durch 
Heranziehung künstlerischer Beihilfe gehoben wer¬ 
den kann. Wer dies einsieht, der wird am besten tun. 

Erfreulich und wünschenswert wäre, wenn diese 
Anschauung sich Bahn brechen und weiterhin nicht 
hartnäckig bekämpft, vielmehr dem jüngeren Nach¬ 
wuchs der Besuch derjenigen neuzeitlichen kunst¬ 
gewerblichen Schulen ermöglicht würde, in welchen 
den Schülern eine gute Bildung in technischer und 
künstlerischer Richtung gewährleistet wird. Gerade 
diese Schulen haben in Dresden bewiesen, daß sie 
sich ihrer Aufgabe voll bewußt sind, besonders inso¬ 
fern, als die Lehrergebnisse erfreuliche sind. 

Wir wollen auch hoffen, daß vielleicht durch den 
Einfluß derjenigen Schulen, die auf vereinfachte Buch¬ 
ausstattung hinarbeiten, ein Kreis von Bücherlieb¬